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Full text of "Beiträge zur Geologie von Kamerun"

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HARVARD UNIVERSITY 




GEOLOGICAL SCIENCES 
LIBRARY 



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Transferred to 

CABOT SCIENCE LIBRARY 

June 2005 



HARVARD UNIVERSITT LIBRARY 



E>eposited in the Library of the M:useiTm of 



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^uES^iätös-of-the TJibra ry Council 

JVCa-y 27, 1901 



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BEITRAGE 



ZUR 



GEOLOGIE VON KAMERUN 



D'^ Ernst ESCH, D«. F. SOLGER, 
D«. M. OPPENHEIM, Professor D^\ O. jAEKEL. 



HERAUSGEGEBEN IM AUF'IKAG UND \Us ^111 X TUN DER KOEONIAEABTEILUNG 
DES AUSWÄRTI(,Fi\ \MTLS INJ Bi-RLI\ \"0N Dk. ERNST ESCH. 




MIT 9 TAFELN, 83 ABBILDl^NGEN IM TEXT, EINEM GROSSEN PANORAMA 
UND EINER KARTE. 



STUTTGART. 

E. SCHWEIZERB ARTsci IE VERLAGSBUCHHANDLUNG (E. N.\gele). 
1904. 



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GECLOGICAL SCIENCES: 
LIBRARY 



JAN 1 i 1985 



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Vorwort. 



Die nachstehende Studie gründet sich auf Reisen, welche ich 
im Auftrage des Auswärtigen Amtes zur geologischen und berg- 
männischen Erforschung von Kamerun in den Jahren 1897 und 1898 
ausführte. 

Dieselben führten mich 

1. von Duala durch die Krieks über Tiko nach Bimbia, von da 
aus über Land nach Viktoria, Buana, Buea auf den Fako. 
Dort baute ich zwei Unterkunftshütten, von wo aus ich auf 
vielen Touren, die zusammengenommen ungefähr 6 Monate 
in Anspruch nahmen, den Kamerunberg studierte. 

2. von Buea über Bonyongo, Viktoria, Bota, Mokundange, De- 
bundscha nach Bibundi und Bomana, von wo aus ich den 
westlichen und südwestlichen Abhang des Kamerunberges 
untersuchte. 

3. von Buea über Mimbia, Mapanya zur Manns-Quelle; von dort 
über den Pik in den nördlichen Teil des Kamerunberges. 

4. von Buea über Bonyongo, Boanda auf den Etinde. 

S- von Duala den Mungo aufwärts nach Mundame, Dikuma, 
Mamelo, Nyasosso, Mamena. 

6. von Buea über Bafia, Diebo, Bakundu-ba-Musaka, Barombi-ba- 
Kotto, Bayi, Kumba, Johann-Albrechts-Höh. Hier weilte ich 
einige Monate und erforschte die weitere Umgebung des 
Elefantensees nach Norden und Nordosten auf etwa 1 5 km 
im Umkreis desselben. 



7- von Johann-Albrechts-Höh nach den Mungoschnellen, den 
Fluß aufwärts nach Etam, von da aus nach Maforra, zurück 
über Etam, Mambanda nach Johann-Albrechts-Höh. 

8. von Buea über I?arombi-ba-Kotto, Kumba, Mundame, Mungo- 
schnellen, Muyuka, Nyasosso auf den Gipfel des Kope, wo 
ich für 14 Tage mein Lager aufschlug. Dann von Nyasosso 
über Nguschi, Bangsäng, Ngombo, Ninong ins Manenguba- 
Gebirge. 

9. von Nyasosso über Ngab, Lum, Mfun nach Bonandam über 
Mfun nach Nyasosso zurück. 

10. von Nyasosso über Lum nach Nyanga am Dibombe, den 
Fluß abwärts bis Powo, über Land nach Mangamba, wo ich 
mich einige Wochen aufhielt und die geologischen Verhältnisse 
der weiteren Umgebung dieses Ortes studierte. Ich fuhr den 
Abo und Wuri abwärts nach Duala. 

11. von Duala über die Mungo-Dörfer, Tiko, Lissoka nach Buea. 

12. von Buea nach Viktoria, von dort nach der Insel San-Tome; 
nach I4tägigem Aufenthalt von dort nach Libreville (Congo 
frangais) der Küste entlang zur Mündung des Campo-p-lusses, 
den Fluß aufwärts bis nahe an die Schnellen, über Campo, 
Kribi nach Duala. 

13. von Duala den Wuri aufwärts nach Yabassi, den Ufern des 
Flusses folgend über Land nach Ndokopa, zurück über 
Lokiamba, Yabassi, Mutimbelembe den Sänge aufwärts bis 
Mbombe. 

14. von Duala durch das Astuarium der Kamerun-Flüsse den 
Dibamba aufwärts bis zu dessen Schnellen; von dort verfolgte 
ich einmal nach Nordosten, dann nach Südwesten den Bruch- 
rand des altkristallinen Gebietes. 

15. von Duala durch das Astuarium in den Sanaga, diesen auf- 
wärts nach Edea und verfolgte den Bruchrand nach Nordosten 
etwa 10 km weit, den Fluß abwärts fahrend begab ich mich 
zum Ossasee und studierte die geologischen Verhältnisse der 



Umgegend desselben sowie der zahlreichen Zuflüsse und Arme 
bezw. Krieks, welche mit dem Sanaga in Verbindung stehen 
bis zu dessen- Mündung. 
l6. von Duala (Februar 1899) über Rio-del-Rey nach Fernando 
Poo; dort hielt ich mich 3 Monate auf, bestieg mehrmals den 
Pik, umkreiste zu Fuß, stets dem Meeresufer folgend, die 
Insel vollständig und drang von den einzelnen Stationen meiner 
Route, soweit es die örtlichen Verhältnisse und die Ein- 
geborenen erlaubten, ins Innere vor. 

Juni 1899 kehrte ich über die Cap Verdischen Inseln nach 
Europa zurück. 

An der Bearbeitung der mitgebrachten Gesteine beteiligten 
sich nachfolgende Herren: 

Herr Dr. F. Solger untersuchte die Kreidefossilien vom 
"lungo, Herr Dr. Max Oppenheim die Tertiärfossilien vom Wuri; 
einige Selachierzähne aus dem Tertiär von Wuri bestimmte Herr 
Professor Dr. O. Jaekel. Ich selbst habe eine Spczialstudie »Der 
Vulkan Etinde in Kamerun und seine Gesteine« in den Sitzungs- 
tierichten der Kgl. preuß. Akad. d. Wiss., Berlin 1901, Bd. XII 
'Veröffentlicht und beabsichtige eine detaillierte Beschreibung des 
••^amerunbcrges, seiner Umgebung und seiner Gesteine folgen zu 
'assen. 

Meine Routenaufnahmen und astronomischen Ortsbestimmungen 
^yi'den im kartographischen Institut der Firma Dietrich Reimer 
'^Wch Herrn M. Mo isel bearbeitet und deren Resultat in einer Karte 
* Die Flußgebiete des Mungo und unteren Wuri« mit einem Begleit- 
•^rt des Herrn Moisel niedergelegt. (Mitteilungen aus den deut- 
schen Schutzgebieten Bd. XIV 1901 Heft 4.) 

Die petrographischen Untersuchungen führte ich im minera- 
°gischen Institut der Kgl. Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin 
^ • dem Direktor desselben, Herrn Geheimen Bergrat Professor 
■ '-• Klein sage ich für manchen guten Rat und die liebens- 
rdige Unterstützung mit den reichen wissenschaftlichen Hülfs- 
1 teln des Instituts meinen wärmsten Dank. Nicht minder fühle 



ich mich meinen Herren Mitarbeitern für ihre Mühwaltung ver- 
bunden. 

Die Landschaftstafehl sind nach sehr zahlreichen von mir auf- 
genommenen Photographieen mit pcinhchstcr Sorgfalt zusammen- 
gestellt und gezeichnet von der künstlerischen Hand der Fräulein 
Maria Goeters. Der freundlichen Helferin sage ich auch an 
dieser Stelle meinen herzlichen Dank. 

Giessen im August 1904. 

Dr. Ernst Esch. 



Inhaltsverzeichnis. 



Vorwort . 
Inhallsverzeichn 

I- Allgemein-Geologisches 

Esch. Mit Tafel I u. 11, 
im Text (S. 1 — 82), 

I. Teil. Allgemein-Geologi 
Das sedimentäre Vorland 
Das Kreidesystera . . . 
Tertiäre Bildungen . 

AUuvien 

Das altkrystalline Gf 

Nördlich von Kribi . 

An den Fällen des Sai 

Dibamba 

Wurischnellen . , 

Dibombeschnellen . . 

Mungoschnellen . . 

Rumpiberge .... 

Bakundusenke . . . 



und Gesteinsbeschreibung. Von Dr. Ernst 
einem großen Panorama und 6 Abbildungen 



Mu: 



Bafarami-Gebirge 

Nkosi-Bruchland 

Der Kope 

Manenguba-Gebirge 

n. Teil. Gesteinsbeschreibung 

Glimmerschiefer. Nordfälle des Sanaga bei Ede: 
Bandförmige Einlagerungen in Nr. i . . . . 

Aplitischer Gang in Nr. i 

Hornblende-Gneis. Nordfälle des Sanaga bei Ed 

Lagen-Gneis 

Biotit-Gneis. Geröll im Sanaga bei Edea . . 

desgl. desgl. . . 

Plagioklasreicher Biotit-Gneis. Desgl. . . . 

Aplit. Dibambaschnellen 

Biotit-Gneis. Dibambaschnellen 

desgl. desgl. 



30 
31 
32 
32 
33 
33 
34 
3ft 



44 
45 
46 
46 
47 
48 



Inhalts! 



rzeichn: 



Seite 

12. Quarzaimer Gianitit. Wuiischnellen 51 

13. Granit. Ndoko beacli am Ufer des Wuri 52 

14. Biotit-Hornblende-Gneis. Oberhalb der Dibombeschncllen . . 52 

15. Granitit. Mungoschnellen 53 

16. Biotit-Gneis. Oberer Mungo 54 

17. desgl. Zwischen Muyuka u. Mungoschnellen .... 54 

18. Hornblendegranit. Linker Nebenfluß des Mungo 55 

ig. Muskovit-Granit. Bei Muyuka 55 

20. Biotit-Granat-Gliramerschiefer. Auswürfling des Barombi-Kraters 56 

21. Biotit-Gneis. Bei Bajile, Maraelo 56 

22. desgl. Penja, Mamelo 57 

23. Hälleflinta. Manenguba-Gebirge 57 

24. Gepreßter Hornblende-Syenit. Manenguba Gebirge ... 58 

25. Augit-Hornblende-Syenit. Kopö-Gipfel 59 

26. Augit-Syenit. Nordhang des Kop6 60 

27. desgl. desgl. 61 

28. Hornblende-Syenit. Nordosthang des Kop6 62 

2g. Hornblende-Biotit-Gneis. Nordhang des Kope 63 

30. Gepreßter Hornblende-Syenit. Auswürfling des Ekonc Sungale 64 

31. Hornblende-Syenit. De^gl 65 

32. Hornblende-Gneis. Desgl 65 

33. Basalt. Bei Muyuka 66 

34. Basalt-Schlacke. Bei Muyuka 66 

35. Basalt. Bei Ngenjo 67 

36. desgl. Bei Ndabekum 67 

37. desgl. Westhang des Kopc bei Mbule , . 68 

38. desgl. Nordhang des Kope 68 

39. desgl. desgl. 68 

40. desgl, Auswürfling des Ekonc Sungale 69 

41. Trachyt. Bei Ninong, Manenguba-Gebirge 6g 

42. desgl. desgl. 70 

43. desgl. Ebogga-Krater , . , 71 

44. Diabas. Westl. Manenguba Gebirge 72 

45. Basalt. Beim Ebogga-Krater 73 

chreibung von Gesteinen im Banyang- und im Bangwe- 

Land 74 

46. Andesit. Mbu-Eluß, Banyang 74 

47. desgl. desgl. 74 

48. Gneis-Geröll im Konglomerat-Gneis. Mbu-Fluß, Banyang . . 75 

49. Trachyt. Apiura 75 

50. desgl. desgl 76 

51. IIornblendo-Granitil. Gneisblock zw. Fontem-GehüfluEarngipfel 77 

52. Trachyt. Schlucht am Farngipfel, Bangwe 7S 

53. Granit. Tal zwischen Foto-Gehöft und Farngipfel .... 78 

54. Trachyt. Bei Asuma 79 

55. Andesit. desgl 79 



Inhaltsverzeichnis. IX 

Seite 
Gesteine von der südlichen Grenze des Schutzgebiets am 

Campo-Fluß 80 

56. Quarzit 80 

57. Hypersthen-Gvaiiulit 81 

58. Granulit 82 

II Die Fossilien der Mungokreide in Kamerun und ihre geologische 
Bedeutung, mit besonderer Berücitsichtigung der Ammoniten. Von 
Dr. Friedrich Solger. Mit Tafel III — V und 76 Tcxtfiguren 
(S. 83-242). 

Einleitung 85 

A Die Ammonitenfauna der Mungokallie u. d. geologische Alter der letzteren 88 

Literatur 88 

Art des Vorkommens und der Fossilerhaltung 92 

Beschreibung der Arten 94 

Allgemeine Bemerkungen über 

Anordnung der Gattungen 94 

Beschreibung der Gattungen 95 

Beschreibung der Arten 96 

Angewandte Bezeichnungen 96 

Phylogenetische Erörterungen 97 

UnWahrscheinlichkeit eines geradlinigen genetischen Zusammen- 
hanges zwischen den uns bekannten Ammoniten verschiedener 

Formationen 98 

Familie der Lytoceratiden lOi 

Baculites loi 

B. cf. gracilis ......... . . loi 



P. Dei 



'03 



Neoptychites 105 

N. tclingaeformis 108 

var. elegans 116 

var. palmala 117 

var. discrepans 117 

N. crassus „9 

var. asymmetrica 120 

^ perovalis ,22 

Familie der Cosmoceraliden 122 

Acanthoceras 122 

A. Eschi 124 

A. (Pedioceras?) Jaekeli 125 

Hoplitoides 127 

H. Wohltmanni " 133 

H. ingens 137 

H. ingens nodifer 140 



Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

H. ingens costatus ^aa 

H. ingens laevis ,45 

Gegenseitiges Verhältnis der Untergruppen von H. ingens . . 151 

H. Koeneni . . . 151 

H. gibbosulus 153 

H. gibbosulus s. str 10 

H. gibbosulus biparticus 155 

ämilie der Prionotropiden ity 

Tissolia 157 

T. latelobata 15g 

T. polygona 160 

Pseudotissotia 161 

P. Philippii 16z 

Barroisiceras ,63 

B. Desmoulinsi ,67 

B. cf. Desmoulinsi 168 

B. Haberfellneri 169 

var. Alstadenensis 170 

var. Harlei 172 

B. cf. Haberfellneri 175 

B- B'-'^"™i 174 

var. raitis 174 

var. armata 177 

Gestalt der siphonalen Höcker bei Barroisiceras Braucoi und 

Haberfellneri 177 

Beziehungen von Barroisiceras Brancoi zu anderen Formen , . 178 

B. cf. Brancoi 179 

Peroniceras 179 

P. Dravidicum 181 

Phylloceras sp. ? 183 

Placenticeras sp.? 183 

Übersicht über die Ammonitenfauna der Mungokalke 184 

Das Alter der Muugokalke 187 

V. Koenens Auffassung und Gegengründe 187 

Turone Faunenelemente 194 

Untersenone Faunenelemente ig5 

Scheinbare Beziehungen zum Aptien ig8 

Stratigraphische Bedeutung der übrigen Aramoniten .... 199 

Verhältnis der turonen und senonen Faunenelemente zu einander 200 
Beziehungen der Ammonitenfauna im Mungokalk zu derjenigen 

anderer gleichzeitiger Ablagerungen 203 

Einige Bemerkungen über die vermutliche Lebensweise der 

Hoplitoiden, Tissotien und Neoptychiten Z15 

Autochthonie der Mungofauna zi9 

Klimatische Einflüsse Z20 

Allgemeine Zusammenfassung Z22 



Inhaltsverzeiclinis. XI 

B. Übersicht über die sonstigen Fossilien der Mungokalke 223 

^^'^■-''" ..3 

^^"™- 223 

Muscheln 

Avicula ""' 

224 

J: ecten 

, . 224 

Lima 

Inoceramus . . 

^-- ■■■■'■'.'.'.'.'.'.'.'.'.'.'.'.'.'.'. ll 

Plicatula ... . 

• 220 

^-"- 226 

Ostrea und verwandte Gattungen 227 

Mytilus 

Septifer? 227 

Modiola . c. 
220 

^-^' 228 

Pseudocucullaea (= Lopatinia?) 2^8 

Astarte ... 

229 

Cardita . . 

^-^-" ''■'■'.'■'■''''.'.:::'.'. ZI 

Roudaireia .... 

cy"--a ■■■:::;;:;:: 2,0 

Teilina 2'' 

'^°'^b"l=' .....'. I30 

Pholadomya /^^ 

Schnecken . . 

230 

Gliedertiere . . 

231 

Wirbeltiere . 

231 

Zusammenfassung 

C. l^ossilien des sandigen Schiefertones . 234 

Gesteinsbeschaffenheit ... .,,, 

234 

Übersicht der Fossilien . 

-^'^^"-e^en WWW.::::: :\\ 

Brachiopoden _ ^ 

Muscheln • • • . 

Schnecken '.'.'■'.'....'.'.'.'.'.'. 235 

Pteropoden 235 

Cephalopoden 23c 

Wirbeltiere 236 

Alter des Gesteins , 236 

D. Zusammenfassung der geologischen Ergebnisse ......... 239 

Tafel-Erklärungen 



i 



XII Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

III. Über Tertiärfossilien, wahrscheinlich eozänen Alters, von Ka- 
merun. Von Dr. Paul Oppenheim. Mit Tafel VI-IX (S. 243-283). 

Allgemeiner Teil 245 

Spezieller Teil 254 

Ostrea Choflfati 254 

Anomia cf. planulata 255 

Nucula Perkeo 255 

Leda striatula 256 

Area paralactea 256 

— mimula 257 

Cardita camenmensis 258 

Lucina camerunensis 260 

— sp. äff. L. saxorum 261 

Cardium Lenzi 262 

Cytherea nitidula 262 

— caudata 263 

— palma 263 

— perambigua 263 

— Eschi 264 

— (Sunetta?) latesulcala 264 

— elegans 265 

— perstriatula 265 

— Nachtigall 2<>5 

— anadyoniene 266 

Tellina (Arcopagia) subrolunda 266 

Mactra? rhomboidea 267 

Thracia wuriana 267 

Corbula praegibba 268 

cercus 269 

Pholas (?) sp. . 269 

Dentalium (?) sp ■ 269 

Calyptraea sigaretina 269 

— aperta 270 

Solarium sp 270 

Natica csculum 270 

Syrnola africana 271 

Turritella Eschi 27z 

Rostellaria sp 273 

Columbella (? Macrurella) subcarinata 273 

Pseudoliva Eschi 274 

— coniformis 275 

— Schweinfurthi ^7 

Buccinum (? Pseudoneptunea) Choffati 277 



Inlialtsverzeiclmis. Xllt 

Seite 

Buccinum (Strepsidura?) Blanckenhoini 278 

Sycum bulbiforme ^_g 

Murex camerunensis 279 

Latirus incompletus ^^g 

Ficula sobria 280 

Olivella Zintgrafi ' ' ^go 

Cryptoconus? sp 281 

Pleurotoma wuriana ... 28" 

— (Dri)lia) camerunensis 282 

Achaeon camerunensis 282 

Nachschrift „o, 

2»3 

Tafel-Erklärungen .,0 

IV. über einen Torpediniden und andere Fischreste aus dem Tertiär 
von Kamerun. Von Prof. Dr. O. Jaekel. Mit einer Figur im Text 

(S. 287-291). 

Torpedo Hilgendorfi 280 



Alphabetisches Sachregister . 



1. 

ALLGEMRIN-rTEOLOGISCIlES UNI) GESTEINS- 
BESCHRElßUNG 

VON' 

Dl. ERNST ESCH. 



MIT EINEM GROSZEN PANORAMA, 2 LICHTDRUCKTAFEEN 
UND 6 ABBILDUNGEN IM TEXT. 






I. Teil. 
All gern ein -Geologisches. 



Das s\cstliclie Kamerun zerfällt in. geologischer Hinsicht und nach 
deiner mit dem geologischen Bau im engsten Zusammenhang stehenden 
' 'berflächengestaltung in drei Teile : ein flaches sedimentäres Vorland, ein 
hügeliges, im Norden von mächtigen Horsten durchzogenes altkrystallines 
oruchgebiet und das weit ins Innere sich ausdehnende, alte, gebirgige 
Wochland. 

Über alle drei Gebiete sind jungvulkanische Gesteinsmassen, die 
namentlich in der nördlichen Hälfte zu oewaltigen Bergen aufgeschüttet 
sind, weit verbreitet. 

Das sedimentäre Vorland ist im Norden und Osten begrenzt 
^liirch eine Linie, welche, etwa von Bioko ausgehend, über Kitta, den 
ßlefanten-See (Barombi-ba-Mbu), die Mungo-Fälle, Mfun, Nyanga, die 
^uri-Schnellen, die Dibamba-Schnellen, die Fälle des Sanaga bei Edea, 
üie Neven du Mont-Fälle nach der Mündung des Lokundje verläuft. Es 
stellt eine erst in der jüngsten geologischen Periode trockengelegte weite 
'^rtiefung der heutigen Biafra-Bucht dar. Im großen und ganzen bildet 
1'*^ eine ebene, wenn auch vielfach durch Täler zerschnittene und durch 
'l'^ine aufgesetzte Hügelketten gerunzelte Fläche, die von NNO nach SSW 
^"^'^ ganz allmählich bis zum Meeresspiegel senkt. 

Ihre größte Erhebung über dem Meeresspiegel liegt bei Kumba in 

'^r Nähe des Elefanten-Sees, sie beträgt 267 m, bis Fan in der Nähe 

^s Didia-Sees hat sie sich auf gq m, am Barombi-ba-Kotto auf etwa 80 m, 

/^ erhalb der Dibamba-Schnellen auf 45 m und in der Umgebung des 

ssa-Sees auf 15 — 20 m gesenkt; dem Meere zu fällt sie ganz allmähhch 

Zur Flutgrenze ab und setzt sich über diese hinaus in dem Münduugs- 

•;? let der großen Flüsse, das auf weite Erstreckung hin \'on Mangro\-e- 

aldungen bedeckt ist, liis dorthin, wo das Meer mit seiner Brandimu^ 

■'"•^•n herrscht, fort. 

Durch die großen F'lüssc und auch durch zahh'eiclie kleine Wasser- 
''^ife ist das Flachland, nanientUch in den Teilen, die sich hfiher übc\ 

^ Meeresspiegel erheben, recht gut aufgeschlossen. 

^^ Mit .starkem Gefälle von Norden und Osten aus dem altkr\ stallineri 

it't kommend, schneiden sich die großen Flüsse gleich dort, wi. sie 

^^^ sedimentäre Gebiet erreichen, tief in die weichen Schichten, fast bis 

'^ Meeresniveau, ein, so daß ihnen von dort bis zum Meere nur noch 



4 Jh. Ernst Esch: 

wenig- Gefälle übrig bleibt. So liegt der Wasserspiegel des Mungo dicht 
unterhalb seiner Sclinelleu, also an der Grenze zwiseh(-n sedimentärem 
Vorland und dem altkrystallinen Gebiet, nur 2,5 in über dem iVfeeresspiegel, 
der des Dibombc und Wuri nur 2n m bezw. 15 m, der des Dibamba und 
Sanaga nur annjihenid m m. Für die drei letzteren kommt dieser 
Unistand allerdings kaum in Betracht, da das Flachland in deren Gebiet 
sich in seiner (icsamtlK-it kaum mehr als 1 ,t ni üIkt das Meer erhebt. 
Die Wasser des MAUigo und Dibombe aber liabcn m.-1i ,hu-ch die ganze 
Schichten folge,, soweit sie ülier ilem lnuiligcn Meeresspiegel emporragt, 
hindurch gegraben, 

Die lifcr dieser beiden F1ü.ss<' steigen dort, wo .sie in Sa.ndsteine oder 
Kalk eingeschnitten sind, meisl sehr steil und vielfach absolut senkrecht 
;iuf, ihre Höhe ist sehr verschieden, selten ist .sie geringer als lo m, häufig 
aber steigt sie auch bis zu ,so und Chi m, wodurch \-or7.ügliche Aufschlüsse 
geschaffen werden. 

Die Oberfläche des Flachlandes bildet, w(5 nicht jungvulkanisches 
Material die Schichten bedeckt, stets ein lehmiger Sand oder sandiger .Lelim. 

Die ältesten aufgeschlossenen Schichten finden sich am mittleren 
Lauf des Mungo unterhalb seiner Selmellen bis unterhalb Balangi, es sind 
mit einander wechsellagernde Sandsteine imd an Fossilien sehr reiche Kalke 
und Schiefc;rtone, denen nach den UiUersuchungeir des Herrn Solger an 
den von mir gesammelten Fossilien jung kretazeisches, turoues bezw. 
senones Alter zukommt. Dieselben fallen überall mit .",—,50^ an einigen 
Stellen mit ;o — i.=5 nach S— SSW ein. 

Störungen in ihren Lagerungsverhältnisseii wurden nirgendwo beob- 
achtet, auch dort, wo Gänge von basaltischen Gesteinen in ihnen auf- 
setzen, war nicht die geringste Niveauänderimg ui den \'erschiedenen, 
Flügeln zu bemerken. 

Die Schicliten lagern sich, was liesonders deulhch dicht unteriialb der 
Mungo-Schnellen zu beobachliMi ist, ungestört an oder auf das altkrystalline 
Gebirge. 

Unterhalb der Mungo-Schnellen, wo die Sandsteine direkt auf dem 
Granit lagern, haben sie ein sehr unregelmäßiges und grobes Korn, die 
Größe der einzelneri Quarzkörner, die teils scharfkantig, teils schon ge- 
rundet sind, schwankt zwischen 0,5 und \ -, mm. Etwa 50 m unterhalb 
der Fälle jedoch zeigt der Sandstein schon eine durchaus gleichmäßig kör- 
nige Struktur und behält dieselbe bei, Ijis er unterhalb Bakmgi unter dem 
Wasserspiegel des Mungo verschwindet. Meist tritt er in '/j— i m, selteirer 
in 2 m mächtigen Bänken auf. Air Fossilien wurden in demselben nur 
vereinzelte schlecht erhaltene und nicht bestimmbare Zweischalerreste und 
deren Abdrücke gefunden. Desto reicher an Fossilien ist dafür der mit 
ihm wechsellagernde Tonscliiefer imd n;nnenllich der Kalk. 



AllHCiiieai-Geolngisches. 5 

Dei Schiefevtoii tritt in JO cm bis 20 m raäditigeii SLiiiciitt-ti, die in 
letzterem Fall in i l:iis 70 cm dicke Bänke abgeteilt sind, mit dem Sand- 
stein und dem Ivalk wechsellagernd aiil', er hat in feuchtem Zustande 
tief dunkelblaue bis fast schwarze Farl:)e, ist sehr weich und bröckelig 
und zeigt nur andeutmigsweise Schieferung: namentlich in trockenem 
Zustand ist er leicht 'mit den Händen zu zerbrechen. Er führt in einigen 
Bänken außerordentlich viele Al)drücke von Muscheln und Seeigeln, die 
Schalen derselben sind aber in ihrer Form, wenigstens annähernd, nur 
l^ei den ersteren, in ihrer Substanz niemals erhalten. 

Die Seeigel sind stets zu flachen, linsenförmigen Gebilden zusammen- 
gedrückt, offenbar infolge des »Schwindens <•■ der tonigen Absätze. J3ei 
seinem Absatz hat der Ton ein größeres Vokunen eingenommen als er 
heute, wo er uns als Schieferton entgegentritt, einnimmt. Die Schalen, 
welche in ihrer natürlichen Form und festem Material von dem Ton ein- 
gebettet und ausgefüllt waren, lösten sich im Laufe der Zeit auf, claini, 
Hls der Druck der sich über sie in immer dickeren Schichten ablagernden 
Materialien mehr und mehr zunahm, schrumpften die Tonschichten und 
TOit ihnen die nun als plastische Steiirkerne oder Abdrücke vorhandenen 
Fossilreste in der Richtung, in welcher der Druck wirkte, zusammen. 
Diese Abdrücke konnten zur Deutung des .Mters der Formation so gut 
*ie garnicht herangezogen werden, da es fast unnn'iglich ist, das wenig 
feste Gestein zu transportieren. 

Anders verhält es sich mit elem Kalk; derselbe stellt ein sehr festes 
uitd zähes Gestein dar, in dem die häufigen Schalen von Ammonilen, 
Muscheln, Schnecken und Seeigeln stets in ihrer ursprünglichen Substanz 
erhalten sind. Er tritt in Schichten von 5, 10 und ,50 m Mächtigkeit aul', 
rtie dm-ch mehr oder \^'e^iger mächtige Sandstein- und Schiefertonschichten 
^on einander getrennt sind. Die einzelnen Schichten zeigen in ihrer 
cliemischen Zusammcnsetzmrg große Verschiedenheit. Aus annähernd 
reinem Kalk bestehen sie niemals, stets ist dem Kalziumkarbonat eine 
beträchtliche, stjtrk wecliselnde Menge von Aluminiumsilikaten und 
Kieselsäure und Magnesiumkarbonat beigemengt. Vielfach nehmen die 
Beimengungen so sehr überhand, dass der Kalk in Kalksandstein oder 
kalkreichen Trjnschiefer übergeht. Letztere führen daim sehr häufig 
faust- bis kopfgrosse Konkretionen eines eigentumüchetr, strahligen, matt- 
glänzenden, reinen Kalks. 

Die durch den Mungofluß geschaffenen Aufschlüsse geben zwar, da 
die Ufer an vielen Stellen überrollt sind, kein ununterbrochenes Profil 
durch die Kreideschichten, trotzdem glaube ich aber, nicht gar zu weit fehl 
^u gehen, wenn ich für die Gesamtheit der Schichtenfolge von den Mungo- 
S<hnelleTi bis 7 km obcrhall) Bakundu ba Bombe (unterhalb dieser Stelle 
'■'^Ije irii ^j,, ,„,.|,^ „„,]„, beobachtet) eine Mächtigkeit von 250 m aimehme. 



6 Dt. Ernst Esch: 

Auf den Granit lagert sich, wie oben gesagt, zu iinterst an, den 
Schnellen, etwa lo km nördlicli von Mundame, bei 25 m Meereshöhe, 
grober Sandstein mit gerundeten und scharfkantigen bis 15 mm <rroßcTi 
Quarzgeröllen von etwa 5 m Mächtigkeit, darauf folgen etwa 10 m mittel- 
körniger, weicher, dickbankiger Sandstein ; unterhalb des Dörfchens Dikuma 
sandiger, hellgelber, weicher, fossilfreier Ton mit ■ zahlreichen winzigen 
Muskowit-Schüppchen; derselbe ist etwa 4 m mächtig, dann folgt in un- 
gefähr 60 m Mächtigkeit wieder mittel- bis feinkörniger, weicher Sandstein, 
der teils durch Eisenhydrate rötlich gefärbt, teils hellgelb bis weiß ist; 
auf diesem liegt direkt oberhalb Mundame, etwa 10 m mächtig, dunkel- 
blauer, bröckliger Tonschiefer mit kleinen kohligen Pflanzenresten, dann 
folgt, nur unter dem tiefsten Wasserstand im Flußbett an der Mundame- 
beach aufgeschlossen, Kalk, dessen Mächtigkeit nicht bestimmt werden 
konnte, dann Sandstein und Tonschiefer, häufig miteinander wechselnd, 
25 bis ,30 m mächtig, darauf in 30 m Mächtigkeit Kalk mit vereinzelten 
zwischengeschaheten 20—70 cm mächtigen Schieferton- Bänken und einer 
4 m dicken Kalksandsteinschicht. Dieser Horizont ist durch eine große, 
verschlungene Schleife, welche der Fluß macht, an mehreren Stellen auf- 
geschlossen, an der »Wohltmann-Bank«, der »Elefanten-Bank« und bei 
dem Dorf Tiki. Darauf folgen 30—40 m Sandstein und Tonschiefer, 
dann l)ei Balangi eine aus drei Bänken bestehende, 1,50 m mächtige 
Schicht von tonigem Kalk mit linsenförmigen Einlagerungen von reinem, 
hartem, langstrahligem Kalk, 2,50 m weicher, kalkreicher Tonschiefer, 10 m 
Sandstein, 5 km weiter stromabwärts sind die Ufer stark übeiTollt von 
Lehm und Sand, dann folgt aber, etwa 5 km unterhalb Balangi, das nach- 
stehende sehr klar aufgeschlossene Profil: 

1. 100 cm dunkelblaugrauer, sehr weicher Tonschiefer. 

2. 25 cm Kalkstein. 

3. 20 cm Ton weich, gelbgran. 

4. 50 cm Kalkstein. 

5. 15 cm weicher, nnisk'owithaltiger, gelbgrauer Ton. 

6. 30 cm Kalkstein. 

7. 200 cm weicher, dunkelblaugrauer Tcjnschiefer. 

8. 15 cm, Kalkstein. 

9. 50 cm festerer dunkelblauer Tonschiefer. 

10. 250 cm weicher blaugrauer bis dunkelgraubrauner Tonschiefer. 

11. 35 cm blaugrauer Tonschiefer mit vielen ihn oft ganz ver- 

drängenden Kalklinsen. 

12. 1,50 cm weisser, weicher Sandstein. 

13. 25 cm dunkelbraimgrauer Tonschiefer. 

14. 20 cm Kalkstein. 

15. 15 cm dunkelblauer Tonsclüefcr. 



AllgeiiJL'in-Gcologisclies. 7 

16. lö cm Kalkstein. 

17. ,^ tti blauschwarzei- bis gelbbrauner, sehr weicher Tonschiefer, 

derselbe enthält vereinzelt Vi—' nr dicke und 2— 10 ni 
lange Kalldinsen; er geht stellenweise nach obenhin in 
weichen, tonigeu und kalkhaltigen Sandstein ülier. 

18. ,30 cm' Kalkstein. 

Das Hangende bildet dickbankiger, fossilfreier, 50 m mächtiger, teils 
toniger, teils kalkhaltiger, meist aber fast nur aus Quarzkönichen bestehender 
Sandstein, der sich bis etwa 7 km überhalb Bakundu ba Bombe hinzieht. 
Auf diesem wieder liegt nochmals eine 4 m mächtige Kalkstcinschicht. 

Das Liegende dieser in obigem Profil präzisierten Schichtenfolge bil- 
det Kalkstein, der in 35 ni Mächtigkeit über den Wasserspiegel hervorragt, 
weiter flußaufwärts aber überrollt f)der \'om Alluvium verdeckt ist. 

In ihrer Gesamtheit sind diese Kreide-Schichten nur durch den Mungo 
aufgeschlossen, die rechtsseitigen Zuflüsse des Mungo, welche meist an- 
nähernd parallel dem Streichen der Schichten fließen, haben meist nur 
wenige Meter tiefe Täler in die Sandsteinschichten eingeschnitten. 

In dem (lebiet zwischen Bakundu ba Kake, 10 km südwestlicli von 
Kumba, und Malende, dem Sklavendorfe zu Mokonje, befinden sich 
mehrere Aufschlüsse, welche folgendes Profil zeigen: Auf sehr mürbem 
Sandstein oder kaum verkittetem Sand von imbestimmbarer Mächtigkeit 
'agert ein stark sandiger hellgelber Ton in einer 50 cm mächtigen Bank 
und über diesem eine 2—3 m mächtige Decke eines eigenartigen G&stcins, 
welches bei oberflächlicher Betrachtung den Eindruck von durch und 
flurch zersetztem sogen, lateritisierten Basalt macht, bei genauerer Unter- 
suchung erweist es sich aber als ein ungeschichteter, sandiger Lehm, der 
durch große Mengen von infiltrierten Eisenhydralen zu einem dmikel- 
braunen, ziemlich festen Gestein, welches durch lokale Konzentration des 
Eisenhydrats einen breccieartigen Charakter annimmt, geworden ist. Auf 
der ersten Hälfte des Weges von Mundame nach Mokonje sind scheinbar 
gleichaltrige Schichten durch mehrere nur in der Regenzeit wasserführende 
Täler bis zu 40 m Tiefe aufgeschlossen; sie bestehen aus dickl)ankigem, 
l'^ckerem Sandstein und einigen zwischengelagerten, wenig mächtigen Bänken 
eines hellgrauen bis gell)lichen muskovitreichen Tons, Hier wurden ver- 
einzelt aus dem Sandstein herausgewitterte Bruchstücke \on verkieselten 
Baumstämmen gefunden. 

In dem Gebiet zwischen dem Mimgo und dem Dibombe sind die 
l^retazeischen Ablagerungen, da es hier an tiefer eingeschnittenen Wasser- 
'äufen fehlt, nur sehr selten — und dann auch nur oberflächlich auf- 
geschlossen. Die Hänge der kleinen Schluchten suid stets so stark über- 
^'>% daß man rneist nur aus seltenen kleinen, mürben Sandsteinblöcken 
^uf die Natur des anstehenden Gesteins schließen kann. Nur zwischen 



!\1iun iiiid N\'aiiga, etwa 1.5 km nordöstlich von Nyanga treten feste 
G<;steine zu Tage. Hier liegt ebenso wie an den Mungoschnelleti direkt 
auf dem Granit ein grobkörniger Sandstein, der au einigen Stellen in ein 
grobes breecicnartiges Konglomerat übergeht. Dasselbe besteht aus wenig 
gerundeten bis faustgroßen Granit- und Gireisstücken und teils gnjbem, 
teils feinkörnigen:! Quarz- und Feldspatgrus. Ein klares Profil bietet erst 
wieder der mittlere Lauf des Dibombe. 

Kurz unterhalb der Schnellen dieses Flusses zeigt sich zwischen Nyanga 
und Bonapinda auf dem Granit eine etwa ro ni mäc^htige Konglomerat- 
bank, auf diese folgt 5 m weicher Sand.stein, dann wieder eine Konglo- 
meratbank von 70 cm Mächtigkeit und diese wiederum ist überlagert von 
weichem gtAHm und weißen Sandstein, von 50-60 m Mächtigkeit. Die 
Schichten fallen kaum merklich, luich.stens um' 3—50 n;ich S -SSW ein. 
Kalkstein fehlt hier durchau,s, auch wurde kein Tonschiefer in guten Auf- 
schlüssen aufgefunden, die mit dunkelblauem Ton und Lehm überrollten 
steilen Sandsteinufer lassen ihn aber docli an mehreren Stellen in dem 
Sandstein eingeschalteten Bänken von geringcT Mächtigkeit vermuten. 
Ich halte cUese Schichten für identisch mit dem Horizont, der zwischen 
Ndo imd Bakrngi den Kalk »unterhalb Balangi« überlagernd auftritt und 
zwar deshalb, weil sie in petrographischer Beziehung diu-chaus mit jenem 
übereinstimmen und frei von Kalksteinbänkcn sind. Wollte man sie mit 
den untersten, zwischen Mundame und den Mungoschnellen aufgeschlossenen 
Sandsteinschichten in Parallele stellen, so müßte man annehmen, daß die 
durch den Mungo kaum 35 km nordwestlich von ihnen aufgeschlossenen, 
dort 250 m mächtigen Ablagerimgen hier schon zu einer Gesamtmächtig- 
keit von 50—60 m zusammengeschrumpft seien und daß hier Kalk über- 
haupt nicht mehr zum Absatz gekommen wäre. Daß letzterer hier durch- 
aus fehlt, wurde durch eine genaue, mehrmals kontrollierte Aufnahme 
konstatiert; die Ufer des Dibombe sind in dem weichen Sand.stein su 
steil und übersichtlich, daß einem bei einiger Achtsamkeit die stets be- 
deutend härteren Kalke, wenn sie vorhanden wären, nicht entgehen 
könnten. Hier liegen also die jüngsten Kreideablagerungen, lokal als 
Konglomerate ausgebildet, wie auch die unteren Schichten an den 
Mungo-Schnellen, direkt auf dem Granit, was zu der Annahme einer, 
wenn aucli nicht bedeutenden, so doch immerhin nicht verkennbaren 
positiven Strandverschiebung während der Bildung dieser Kreideablage- 
rungen zwingt. 

In welcher Beziehung diese Schichten zu den Kreidcablagerungen 
im Rio del Rey-Gebiet stellen, die Düsen') beschreibt, konnte ich leider 
wegen Mangels a,n Zeit nicht feststellen; der Vollständigkeit wegen will 

l) P. Duscn: Oin nnrdvästra KanierunonrSdels ticologi. (ieolnoiska Förninirjens, 
Band 16, 1894, p. 2'] iT. 



AI Ißcmcin-Gf. .logisches. 9 

ich aller hier das, was Düsen S. ,S3, 34 i."»' 35 über.riie betreffenden 
Sehichten st'hreibt, in Übersetzung anführen: 

»Etwas westlich von dem Dorf Loe kommt an dem in den Loekriek 
fließenden Bach und ein Stück abwärts von dem l'mikt, wo der We;;- 
V(jm Dorfe nach dem Etidpunkt des Krieks diesen übersehreitet, ein 
dunkler fast schwarzer dünnpLattiger Tonschiefer vor. 

Eine andere Schieferlokalität wiirde bei der Faktorei Kitta angetroffen; 
<ler hier schwarze lose und re<;ht dickplattige Tonschiefer ist entblößt in 
den beiden Bächen, welche an den Endpunkten des Kittakrieks ausströmen. 
Die einzigen Fossilien, weiche hier aufgespürt werden konnten, sind ver- 
l;iilille, weitbiättrige Meeresalgen, welche beim Trocknen der Stufen sich 
krümmen, auseinander brec:hen und abfallen, sowie unbedeutende Fisch- 
reste. Diese Reste bestehen aus der symmetrischen Schwanzfahne, sowie 
den damit zusarnmenhrm'^i mlcii letzten Rückenwirbeln, imd sinti sn klein, 
daß .sie erst mit der hupe rleullieh hervortreten. 

l);is Kreidesystem. Wettn man den Jongalove aufwärts fährt, si) 
trifft man zuerst Urgebirge auf der mUdlichen Seite des Flusses, und 
kurz tiarauf stellt sich einförmiger schwarzgrauer, etwas glimmriger Ton- 
schiefer ein, welcher einige dünne sandsteinartige Schichten ein- 
sehlicRt, sowie in bestimmten Horizonten Konkretionen, und nach 
oijcn hin in einen grauen, sehr harten Sandstein übergeht. In kurzem 
Allsland hiervon flußaufwärts trifft maji einige kleine Bänke eines grauen, 
feinkörnigen losen Sandsteines, worauf sich wieder Tonschiefer ein- 
stellt, vollkommen demjenigen gleich, welcher abwärts an.steht. Darna<'h 
liommt wieder Sandstein, der hier recht grobkörnig ist und, wemi auch 
späriich, Schwefelkies sowie kleine QuarzgeröUe enthält. Dieser Sandstein 
schließt außerdem einige dünne Schichten von Tonschiefer ein und zeigt 
'leutliche Wellenfurchen; darauf folgt Urgebirge, soweit ich vorgedrungen 
bin- Da che Schichtenreihe sich nirgends in vollständigem Zusammenhange 
'"'findet und Steigen und Fallen bei den verschiedenen Vorkommen keinen 
sielicren Aussehlag geben in Bezug auf die Schichtenfolge, ist die Schichten- 
f"'ge deshall) nur als eine wahrscheinliche anzusehen: zuunterst Sand- 
^tt'in, darauf Tonschiefer, welcher von graiaem Kalksandstein über- 
lagert wird. In dem T.insehierer \md den unteren Sandsteinen konnten 
keine Fossilien aufgedeckt wri,l, n, .hi-egen sind solche teils m den obersten 
Schichten des klaren Sandsteins, teils in den Konkretionen des Tonschiefers 
gefunden, jedoch höchst spärlich, Sie bestehen aus Mollusken und Fisch- 
^•ähnen. Erstere sind schlecht erhalten, mit gewöhnlich ganz oder teil- 
weise aufgelöster Schale. Die Zähne sind wohlerhalten und lassen eine 
Sichere Bestimmung von dem Alter dieser Ablagerungen zu. Prof. W. Dam es 
«1 Berlin hat die Güte gehabt, mir triitzuteilen, elaß die Fossilien der 
"kleide mul wahrscheinlich der unteren angelniren. 



10 Dr. Ernsl Escli: 

(ilfirliartige Bf,ul):i(:litui)ge)i sind auch am NdiarvfluB, Lokk.^llc Isam- 
lienge und Massake angetroffen. Am Ndianfluß .steht ein grauer Sand- 
stein an, ganz unbedeutend aufgeschlossen und, soweit ich finden konnte, 
ohne Fos.silien. Am Lokkelle kamen den Fluß von unterwärts nach auf- 
wärts zu Tonschiefer und grauer klarer Sandstein vor, der letztere ohne 
Fossilien. Am Isambenge tritt nur einförmiger Tonschiefer und am 
Massake Tonschiefer, welcher Konkretionen einschließt, auf. Sowohl 
entlang diesen letztgenannten Wasseriäufen als dem Jongalove liegen diese 
Kreidebildungen in unmittelbarer Nähe des Urgebirges und man nniR 
deshalb annehmen, daß sie direkt auf diesem abgesetzt sind. 

In vollkommen ungestörter Lage liegen diese Kreideablagerungen 
iiielit. Den besten Aufschluß in dieser Hinsicht geben die Verhältnisse 
am Jongalowe. Ungefä.hr in der Mitte der etwas mehr als i km langen 
Strecke, entlang welcher sie hier und dort aufgeschlossen sind, kommt ein 
recht langes Profil vor, welches zuunterst Tonschiefer zeigt, der nach 
oben hin mit hartem, grauen Sandstein wechselt, dessen Schichten nacli 
oben an Mächtigkeit zunehmen. Die Schichten sind die ganze Länge des 
Profils hindun h i;v|jugen und zeigen sinklinale und antiklinale Aufrichtungen, 
wenn aiK li \ crluiltnismäßig schwache. Der Gebirgskettendruck ist wenig 
kräftig naeli dem Profil zu urteilen, scheint also in ganz später Zeit ein- 
,i;etreten zu sein, obgleich Wirkungen desselben, so viel man weiß, sich 
auf dem Hochplateau nicht geltend gemacht haben odt;r wenigstens dort 
nicht beobachtet sind. 

Obgleich ich Kreideabhigerungen run von den oben erwähnten 
Lokalitäten kenne, der Schiefer bei Loe kann vielleicht (Lazu gehören, 
liabe ich doch Grund zu vermuten, daß solclie auch an anderen Wasser- 
läufen des Kamerungebietes aufgeschlossen vorkommen. Auf Schrans 
Karte über den Mougofluß ») kommen ungefähr östlich vom Cottasee 
folgende Angaben vor; »Tonschiefer, sowie etwas oberhalb gelber Sand- 
stein«. Die Verhältnisse hier scheinen also dieselben zu sein, wie beim 
Jongalove und den nalie gelegenen Wasserläufen, und es gibt deshalb 
starke Veranlassung, zu vermuten, daß Kreideablagerungen aueli beim 
Mongo vorkommen. Ist diese Vermutung richtig, so gehl daraus heiNiiv, 
daß die Grenze des Kreidebeckens und möglicherweise die Küstenlinie 
des ehemaligen Kreidemeeres einen ganz anderen Verlauf gehabt hat, als 
die gegenwärtige. Die Lage des Strandes des Kreidemeeres könnte in 
diesem Falle ungefähr durch eine Linie angegeben werden, welche das 
Kreidevorkommen am Ndianfluß mit denjenigen am Lokelle und Jongalowe 



1) Dankclmaiiii, Mitleilungrn v..» Forschurigsrc-isenderi iind (jek-hrtcii aus den 
Deutseben Seh ulzKeliieten. 4. liaiid, i.Hefl. Das Kaiuciunbeekeu und seiw; Zuflüsse 
Blatt Nr. i der Mongo. 



AUgemein-Geologiselies. 11 

verbindet. Von dort, nimmt sie eine südliche Riciilung bis L(,ie, biegt 
dann ab nacli Südosten und Osten bis zum Gebiet des Cottasecs, von 
Wo sie sich in ost-südöstlicher Richtung zum MongofluR fortsetzt. Die 
Ausbuchtung der heutigen Ktistenlinie mitten vor Fernando Po ist in 
später Zeit entstanden, durch Ausfüllung seitens der Basalte, welche den 
Kamerunberg aufgebaut haben. 

Die Mächtigkeit der Kreideschichten kann nicht gemessen werden, 
aber ein Minimalwert läßt sich berechnen. Im östlichen Teil des Kreide- 
gebiets am Jongalowe kommt ein Profil in Tonschiefer vor, der vollkommen 
dem aufgerichteten Tonschiefer gleicht, welcher weiter abwärts ansteht 
unri (3hne Zweifel zum selben Horizont gehört. An beiden Orten schließt 
er Konkretionen ein. Das in Frage stehende Profil ist 65 m lang; an 
seinem östlichen Ende ist das Einfallen 30" West und nimmt von dort 
gleichmäßig bis zum westlichen Ende ab, wo 17" West ist. Die Mächtig- 
keit des Tonschiefers ist hieraus zu 25 m berechnet; dazu kommt die 
Mächtigkeit des Klarsandsteins niit mindestens 5 m, sowie die Mächtigkeit 
des Sandsteins im Untergrund, über welche mir nichts Näheres bekannt 
ist. Auf diese Weise kommt man indessen bis auf ungefähr 40 m, welche 
also einen Minimalwert für die Mächtigkeit der Kreideschichten darstellen.« 

In petrographischer Beziehung stimmen diese Absätze recht gut mit 
denen vom Mungo überein; es ist daher wohl mit ziemlicher Wahrscheinlich- 
l<eit anzunehmen, daß sie mit diesen in Parallele gestellt werden können. 

Das -•>horizontal geschichtete Gestein«, welches Zeuner^) westlich vom 
Elefanten-See erwähnt, ist Basalttuff, derselbe lagert direkt dem Gneis auf. 



Tertiäre Bildungen. 

Wo die Krcidebildungen nach oben hin ihren Abschluß linden, habe 
i'-h niit Sicherheit nicht bestimmen können. Verfolgt man die Schichten 
■'US dem Liegenden ins Hangende hinein, indem man die Flüsse (Mungo 
und Dibombe), deren Lauf im großen und ganzen dem SSW-Einfallen der 
Schichten folgt, hinabfährt, so werden tlie deutlichen Aufschlüsse im Mungo, 
8 km oberhalb Bakundu ba Bombe, im Dibombe, von Baisseng an, immer 
Seltener ; die Ufer sind stark überrollt, der Sandstein wird immer lockerer, 
So daß einem häufig die Entscheidung schwer wird, ob man das Material, 
uoch als Sandstein oder als lose verkitteten Sand vermerken soll. Die 



I) G, Zeimer, Bericht über die vom 8.— 21. Januar i88g ausgeführte Expedition 
"nch Biöko. Mitteilungen aus den deulsclien .Schutzgebieten iS8q, II p. 38 ff., und 
'^'fciherr Stromer von Reirbenb.ich, Die Geologie der deutschen Schutzgebiete 1896 



12 :Dr. Krnst Esch: 

Ur.TsIragci nur nurh scIuti scnkreclU an iiiul eihfbe]i sich, aiuh in wei- 
terer Entfernung vom Flusse, nur noch verein/i-lt ],is ym 70 luul So ni 
Meereshöhe. 

Fossilienführende Scluc:hteri wurden im Mungo nur nr)ch, einmal zwi- 
schen Bakundu ba Bombe und Bakundu ba Nainbele am rechten Fluß- 
ufer aufgefunden. Höchstwahrscheinlich gehören sie dem Tertiär an. 

Auf eine Strecke von 1,5—2 km verteilt, beobachtet man hier mehrere 
kleine Aufschlüsse in einem gelbgrauen, fast horizontal liegenden, kalldgen 
Tonschiefer: derselbe ist stellenweise außerordentlich reich an TuriteUeii 
und Zweischalern. 

Das Gestein ist so fein geschichtet und von s^ , vicK.n kleinen Schieferungs- 
klüften durchsetzt, daß es stets in kleine Khomlir.eder von kaum einem 
Kubikcentimeter Inhalt oder in noch feinkörnigeren Grus zerfällt. Ein 
Sammeln der Fossilien war mir dalier ganz unmöglich und somit eine 
Bestimmung des Horizonts ausgeschlossen. 

Wenn ic)i den Schichten ein tertiäres Alter zuschreibe, so geschieht 
es deshalb, weil die P'ossilien mii- den allgemeinen Eindruck einer ter- 
tiären Fanny maeliten und weil sie zweifellos den jüngeren Kreiileliildungen 
des mittleren Mungo aufgelagert sind. 

Wie groß die Lücke ist zwischen diesen Schichten und den, obersten, 
noch zur Kreide gerechneten Kalk- und Sandsteinschichten zwischen Ba- 
langi und Bakundu ba Bombe, aus denen Fossilien nicht vorliegen, läßt 
si.jh, werm man annimmt, daß das SSW-Fallen mit etwa 3--5O kon- 
stant bleibt, nur tmgefähr schätzen, wahrscheinlich tibersteigt die Mächtig- 
keit der hier fehlenden oder vielmehr nicht aufgeschlossenen Schichten 
nicht den Betrag von 50 m. 

Dem Laufe des Dibombe folgend beobachtet man. daß sich die Kreide- 
sandsteine nahe oberhall> des Dorfes Baisseiig unter den Wasserspiegel 
des Flusses senken. 

Das Hangende der Schichten koimte auch hier, ebenso wie im 
Mungo nicht gedeutet werden. Die Ufer des Flusses bilden kaum ver- 
kittete Sande und weiche, dunkelgraue, muskovitreiche Tone und Schiefer- 
tone, m denen F(jssilien nicht aufgefimden wurden. Diese Gesteine werden 
überlagert und gehen, wenn man sie M'eiter nach Süden verfolgt, ganz all- 
mählich über in lockere Sande und Grande und mehr oder weniger san- 
dige Lehme, welche nirgendwo, auch wo sie sehr gut aufgeschlossen sind, 
durchgehende Schichtung zeigen. Erst nachdem der Dibr^mbe sich mit 
dem Wuri vereinigt hat, trifft man, seinen Wassern folgend, bei Bonan- 
gando geschichtete Gesteine wieder. Die Ufer des Flusses liaben sich 
bis hierher ganz allmählich zu einer durchschnittlichen Meereshöhe von 
etwa 15 m gesenkt, nur vereinzelte mehr oder weniger scharf markierte, 
nordwestlich, also quei zimi FluJJljett streichende, niedrige Hügelketten, 



Allgenipin-Geolosisches. 1 3 

die ich uiiT den Iblf^endtüi Seiten als Barrenzüge oder Stnuidwälle be- 
schreiben werde, werden von dem Flußbett durchbrochen. Die Unterlage 
dieser alten Uferwälle bilden hier bei Bonangando fast horixmital liegende, 
duiikolnnuiliLua- bis liräunliche Schiefertone. 

Diorr .Viilsi hluß, der an seiner Basi.s etwa 40 m breit ist, zeigt bei 
niedrigstem Wasserstand (Ebl.ie und Flut ha1)en hier nocli einen, nament- 
lich in der Trockenzeit, großen EinfhiR auf die Hfihf des Wasserspiegels) 
folgendes Profil: Zu unterst, in nicht /u kontrollierender Mächtigkeit, ragt 
<«> i-m über den Wa,sserspiegel ehieBank von blaugrauem, weichem Schief «■- 
Ion niii lincr großen Menge von schneeweißen, sehr jierbrechlichen, kal- 
kigen Schalen von 'luritellen und Zweischalern. Die Bank ist in einer 
Länge von ungefähi- 20 m und in einer Breite von ] — 1,5 m aufgedeckt, 
sie zeigt ein Einfallen von .2— 50 nach Süden. Auf derselben liegt zu- 
nächst eine 2 m mächtige, nicht gebankte Schicht eines in feuchtem Zn- 
stand dunkelbraunen, wenig festen, lehmigen Gesteins, welches sehr reich 
an Eisenhvdralcn ist und merkliche Mengen von kohlensaurem Kalk führt. 
Uie Fo.ssilieu, wilche es in nicht geringer Zahl enthält, sind nur vereinzelt 
■alt ihren Schalen erhalten; sie liegen fast ausschließlich in hohlen, wenig 
sdiarfen Abdrüc:kcn ohne Steinkern vor. Diese Schicht geht nach oben 
hin ohne scharfe Grenze in ein mtgeschichtetes, hier 15 m mächtiges, stark- 
eisenhaltiges, lehmiges, fossilfreies Material mit vielen Sandkörnern und 
Vereinzelten Quarzgeröllerr über. 

l^em imterstcn fossilführenden Schiefertonc l<onnnt iiacli den Unter- 
suchungen des Herrn Dr. P. Opjjcnheini an ihii \-on mir dort ge- 
sammelten Fossilien eocänes Alter zu. 

Ein dem bei Bonangando aufgeschlossenen sehr ähnliches Gestein 
fand ich am unteren Lauf des Dibamba, etwa 15 km südlich vonjapoma: 
f^s ist ein, graublauer, weicher Tonschiefer mit vielen Sclmecken um! 
^Ittschelschalen, die aber nicht mehr aus fester Substanz, sondern aus 
einer in feuchtem Zustand (und nur in solchem waren sie zugänglich) 
treiigen, gelblichen Ivalkraasse bestehen. Diese Schichten scheinen ganz 
horizontal zu liegen, bei mittlerem Wasserstand ragen sie 1,5 — 2 m über 
den Meeresspiegel; sie sind überlagert von 5 m mächtigem, lehmigem, un- 
.4eschichtetem Sand. 

Direkt auf dem (ineis liegen 3 knt unterhalb der Dibamba-Schnellen 
'^"1 linken Ufer des Flusses in 10 m Meereshöhe tonige, dünnplattigc, 
deiche Sandsteine, welche zahlreiche Abdrücke und Steinkerne von Turi- 
'ellen und Zweischalern — meist Cyrene- und Fellina-Aiten enthalten, 
'-^ie Schichten ragen bei niedrigem Wasserstand 2,5 m über den Spiegel 
des Flusses hervor, sie liegen anscheinend vollständig liorizontal; das 
"fangende besteht aus lockerem, lehmigem Sand von etwa 6 m Mächtig- 
keit, derselbe fuhrt keine Fi:)ssilieu. ^ Da diese Bildungen in ungefähr 



14 T)r. l'-.rnst Ksch: 

gleichem Niveau wie, die am unterei) Uibaiiiba und die Lei Buiiangando 
liegen, auch außer aUuvialen Absätzcm, zu denen sie aber wegen ihrer 
petrograjibischen Verschiedenheit nicht gerechnet werden können, jüngere 
Schichten niclit über ihnen auftreten, halte ich sie ebenfalls für Tertiiii. 



Über einen großen Teil des sedimentären Vorlandes sind, außer jung- 
vulka,nischen Gesteitien, den bislicr besclirieberjen Sedimenten und nach- 
her zu erwähnen den Alluvien noch eigeirtüraliche posteocäne Bildungen 
weit verbreitet, die im Sütlen, au, den Schnellen des Dibamba zwisclieu 
(Jssa-See und dem Sanaga und wahrscheinlich an den Fällen des Nyong 
in schmalem Gürtel über das altkrystalline Gebirge übergreifen. Es sind 
H'lachsee- und Strandablagerungen, welche den größten Teil der Kreidc- 
und Tertiär- Absätze als mächtige, uugeschichtete Lehme, Sande und Kon- 
glomerate für sich allein oder üi allen möglichen Verhältnissen mit ein- 
ander gemischt, als weit ausgedehnte Lager oder zu mächtigen Barren und 
Strandwällen aufgetürmt, bedecken. Sowohl naxJi ihrer verschiedenen 
|)etrographischen Beschaffenheit als auch nach der Verschiedenheit iu ihrer 
riußeren Erschciimngsform zerfallen sie in drei Provinzen, deren Grenzen 
im großen und ganzen ungefähr durch die Flußläufe des Mungo und des 
Wuri bezeichnet werden; wobei die verschiedenen Ausbildungsformen viel- 
fach ineinander übergehen oder auch in kleineren Gebietsteilen mehrere 
ülier- oder nebeneinander auftreten. 

In dem Gebiet südliclj vom Wuri, auf beiden Ufern des Sanaga voti 
Dibongo abwärts bis Marienberg, am Ossa-See und dessen weiterer Um- 
gebung, auf beiden Ufern des Dibamba von der Fledermausinsel abwärts 
bis Japoma und zwischen Bonangando und Bonamando am Wuri erheben 
sich aus dem vollkommen ebenen, kaum 15^20 m über dem Meeresspiegel 
liegenden Gelände zahlreiche, meist scluirf gezeichnete, langgestreckte Hügel- 
ketten, die überall in sehr <-harakteristi.sche.r Weise von SO nach NW 
streichen. Meist liegen sie in zwei oder drei Kulissen mit Zwischenräumen 
von I — 3 oder 4 km hintereinander, vielfach sind sie. durchbrochen und 
in einzelne kleine Kuppen oder auch Hügel von 1—2 km Kammläno-e 
zerlegt; ihre absolute Höhe schwankt in den Grenzen vo]i 5.5 und 70 m; 
niemals erheben sie sich über diese Höhe, aber auch nur selten bleiben 
sie unter derselben. Das Material, aus welchem sie aufgebaut sind, zeigt 
jecht verschiedene Beschaffenheit und keine durchgehende Schichtung: 
(-harakteristisch für dasselbe ist nur ein steter, hoher Gehalt an Eisenoxytl 
und ein wechsehider Gehalt an Quarzsand. In ein- und demselben Auf- 
schluß zeigt es oft sehr große Verschiedenheiten; drei bezeichnen es in 
seiner Gesamtheit als Ossa-Sandstein. Man kann drei recht gut charak- 
terisierte Gesteinstypen, tlie in der Natur aber nicht scharf voneinander 



Allsjemeiii-Geologiscbes. 1 5 

geschieden, somlern durcli viele Übergänfic miteinan<lei- \ei-buuden sind, 
unterscheiden : 

1) Dimkelrotbrauner bis kirsrhrotcr, fester Sandstein ; derselbe besteht 
etwa zur HaUte oder ^/s aus kantengerundeten, wasserklaren Quarzkörnchen, 
deren Größe zwischen 2 mm imd 0,3 mm schwankt, und zur anderen 
Hälfte bezw. zu 1/3 aus derbem, die Quarzkörnchen verkittendem oder 
fein radialstrahligem Limonit. 

2) Grobes Quarzit-Konglomerat; dasselbe besteht etwa zu '/ü aus 
haselnuR- bis walnußgroßen, weißen und gelblichen, gerundeten Quarzit- 
gerOllen. '/a aus 2 — 0,5 mm großen Quarzsandkürncrn und '/.-i als Binde- 
mittel fungierendem etwas tonerdehaltig-em Limonit. 

3) Gemischtes, weiches Konglomerat: dasselbe besl<'hl aus 4 Teilen 
l>aselnuß- bis hüluiereigroßen , Ivaitteugerundeten Stücken verschiedener, 
Wahrscheinlich jungvulkanischer, feinkörniger, quarzfreier Gesteine, die fast 
vollstäncUg zu Toneisenstein verwandelt sind, aus i — 2 Teilen Quarzsand 
tind 2 — 3 Teilen das Ganze lose verkittendem, mehr oder weniger tonigem 
Brauneisen. Vereinzelt kommen in diesem Gestein bis haselnußgroße 
<^jerölle von wasserklarem Quarz vor. Letztere sind mehrmals — als 
Diamanten gedeutet — Gegenstand großen Interesses gewesen. 

Die Konglomerate treten meist nur in den unteren Partien der Höhen 
'Wt; selten finden sie sich in einer Lage, die mehr als 20 m über dem 
lieutigen Meeresspiegel ist, nach obenhin gehen sie allmählich in die roten, 
massigen Sandsteine und die zelligen Lehme über; durchgehende Schichtung 
feigen die Gesteine, wie gesagt, itirgendwo, sondern bilden massige, un- 
gegliederte Anschütttmgeu von sehr verschiedenem, grob- imd feinkörnigem 
Material, welches an keiner Stelle in größerer Ausdehnung eine einiger- 
maßen gleichmäßige Zusammensetzung aufweist 

An diese Strandwälle an lagern sich in vielfachem Wechsel horizontal 
geschichtete, lose Sande und dünn, teils mehr, teils weniger sandige Lehm- 
biutkc, die die weite Ebene bilden. 

In dem Gebiet zwischen dem IVIungo und Wuri treten die posteocänen 
Ablagerungen als breite ausgedehnte Anschüttungen auf; sie erscheinen 
"ier a,ls lauggezogene, nn Gegensatz zu den markanter gezeichneten Ketten 
*! Sanagn und Dibamba-Gebiet weich gefonnto, nordwestlich streichende 
Hiigeheihen init. breiten, flachen Rücken, die ii.icii Norden hin ohne 
bestimmte Grenzen mit den flach gelagerten ziiin Ti'il aufgearbeiteten 
^i^eidesandsteinen verschmelzen und nach Süden allniiililich in die allu\-iale 
Ebene übergehen. 

Als einer der am weitesten nach Süden vorgeschobenen Posten dieser 
"ildungen ist die josspiatte anzusehen. Dieselbe .stellt ein kleines bis 
.^o m sij-ij Qij,.,. ^],-,,- piutgi-enze erhebendes Plateau dar, welches durch 
''•^''^ Kameiun-ldub in si-iner ganzen Länge \'nrzüglich aufgeschlossen ist. 



IC, Dr, Rrnsi Esch: 

Es ist aufgebaut aus wirr (lurc;heinaiider gemcngteii, rDlen, gelben und 
weißen Quarzsaiideu, glimmerigen, gelljen imcl roten Tonen und einem 
stark wechselnden Gemisch von Lehrn und Sand; in den oliersten Par- 
tien finden sich unregelmäßig verteilt, bald dicht gedrängt oder auch 
eine fast kompakte Masse bildend, bald nur sporadisch auftretend, nuf^- 
bis kopfgroße, zellige bis schkckige Konkretionen von Eisen- und Trm- 
erdehydraten. Eine durchgehende Schichtung ist in diesem Material 
niemals zu beobachten, dagegen trifft man, namentlich an frisclien Bruch- 
stellen des oft senkrecht zum pYusse abfallenden Plateaus, vorzügliche 
Beispiele einer diskordanten Parallelstruktur. 

Ein gleiches Bild, nur in vergrößertem Maßstab, zeigen die weitaus- 
gedehnten Anschüttungen der weiteren Umgebung von Mangamba bis 
nach Powo am Dibombe hin; auch hier wechseln rote bis hellgelbe, 
feldspatreichcre bis reinquai-zige Sande, glimmerreicher Ton und sandiger 
Lehm schnell mit einander ab. Letutere beiden führen vielfach zellige 
Toneisenkonkretionen. In einzelnen kleinen Aufschlüssen beobachtet mari 
wohl schichtenförmige Sonderung der petrographisch oder tler Korngröße 
nach verschiedenen Materialien, allein derartige Bänke halten nie auf wei- 
tere Entfernungen aus; kami rnan wirklich einmal eine charakt('iisfis( lir 
Schicht auf eine Strecke von loo — 150m weit verfolgen, so ergibt sich \>oi 
einem Vergleich entweder des Hangenden oder Liegenden der Sclucln an 
dieser und der A.usgangsstelle, daß sich dasselbe entweder in petrogra])hi- 
scher Hinsicht oder in der Aufeinanderfolge der verschiedenen Schichten 
oder aber in der Mächtigkeit und der rela.tiven Lagerung total ver- 
Tindert hat. 

(irößere GeröUe führen diese Absätze nicht, erbsen- l)is liaselnuß- 
groß(;, gerundete Quarze finden sich nur selt<;n luid fast ausschließlich in 
den jüngstei\ Schichten. Die Mächtigkeit der Ablagerungen beträgt, so- 
weit sie arifgeschlossen sind, etwa 80 m. Der Übergang dieser Bildungen 
in die charakteristischen und scharf ausgebildeten, kettenförmigen Barren- 
züge im Südosten von diesem Gebiet vollzieht sich gaiiz allmählich. 

Von Bonangando erwähnte ich schon auf p. i,^ ein ungeschichtetes 
15 m mächtiges, stark eisenhaltiges, lehmiges Material mit vielen Sand- 
kornern und vereinzelten QuarzgeröUen; dasselbe nimmt in gewissem Sinne 
ein(j Mittelstellung ein zwischen dem eben beschriebenen Sand, Lehm und 
dem Gemisch beider einerseits und dem vorher beschriebenen Ossa- 
Sandstein andrerseits. Je weiter man die Barrenzüge nac:h Südosten hin 
verfolgt, desto mehr reichert sich, in ihnen einmal der Eisengehalt und 
dann die Geröllführung an. 

Dem Ossa-Sandstein ähnUc he Bildungen habe ich in dem Gebiet 
zwischen Mungo tmd Wuri nur vereinzelt südlich von Mangamba in fladen- 
artigen, oberflächlich din-ch Eisenoxyd verkitteten Sandschichten gefunden. 



AUgemein-Geologisclics. ] 7 

Nach Westen uud Nordwesten hin gehen die dem Ussti- Sand stein 
und den Absätzen zwistiicii Wuri und Mungo gleichaltrigen Bildungen all- 
mählich in massigen, ungeschichteten, gelben bis ockerfarbigen Lehm über, 
'1er fast ausschließlich das ganze nicht von vulkanischen Bildungen ein- 
Ki'n'imniene C.ebict zwischen Mungo und Meme in 50 m Mächtigkeit bedeckt. 

In petrographischer Beziehung weist er über das ganze Gebiet hin, 
^o er aufgeschlossen ist, nur geringe Verschiedenheiten auf, die sich in 
«inem mehr oder minder großen, meist aber unbeträchtlichen Gehalt von 
Quarzsand, kleinen KieselgcrriUen und kleinen Brnckchen \on jung- 
vulkanischem Material ausdrürktni. Das Liegende desselben wurde nur 
W den Ufern des Mungo aufycM liK.sscn gefunden; etwa 5 km oberhalb 
ßakundu ba Nambele ist es das lia-lK he Tertiär, von dort stromfmfwflrts 
lagert er direkt auf dem IvrcidosanLlstcin. Ein besonders schöner Auf- 
**''liluß befindet sich bei Bakundu ba Bombe; hier ist in das fast 50 m 
liohe, selir steile und teilweise senkrecht ansteigende Ufer von Missionaren 
"i kurz gewundenen Serpentinen ein Weg in den Hang eingeschnitten. 
^'m Spiegel des Flusses an bis zur Höhe, auf welcher das Missirms- 
haus errichtet ist, besteht der H;uig aus absolut gleichförmigem, un- 
gesrhichtetcra Lehm, der zu etwa Vn ^-tus feinkörnigem Sand besteht und 
auf je ein Kubikdezimeter ,3 — 5 haselnußgrofäe, runde Quarzgerölle führt. 

Zwischen Balumdu ba FcG urul Barombi ba Kotto ist er durch 
mehrere kleine Bäche bis zu 30 m Tiefe aufgeschlossen; hier hat er ganz 
i-liu gleiche Zusammensetzung wie bei Bombe. 

Bei Bakundu ba F06 selbst und in der näheren Umgebung des Ba- 
lombi ba Kotto gelit er allmälilich unter Abnahme des Quarzgehalts, 
wahrend sich kleine verwitterte Reste von basaltischen Gesteinen und 
'-'nzelne Augitkryställchen in immer größer werdender Menge einstellen, 
m wohlgeschichteten Taii über. — Nördlich vom Barombi 'ba Kotto bis 
m die Nahe von Bakundu ba Kake (das Bakundu nahe bei Kuniba) ist 
^■' nur in wenig tief emgeschnittenen Tälern aufge.schlossen ; hier findet man 
' "1 aber vielfach reicher an Quarzsand und kleinen KieselgeröUen. Auch 
'" <kr Gegend von Bafinka und Diebe, am nordöstlichen Fuß des Ka- 
'K-ruTiberges führt er geringe Mengen von gleichmäßig in ihm verteilten 
■^"arzsand und haselnußgroßen Kieselgerölleir. Nördlich v(.)n Bakundu ba 
■"^Hke in der Richtung auf den Elefantensee geht er wieder in gut ge- 
'^chichtctcn quarzfreien Tuff über. 

Stets führt dieser Lehm, wo man ihn auch airtreffen mag, in seinen 
" |t'rcn Partien eine größere oder geringere Menge von schlackigen eisen- 
^ichen Konkretionen; dieselben erreichen aber nur selten die Größe 
'1er Faust; meist sind es nur r — 2 cm gruße, in ihrer Form etwa mit 
^'<^keii Muschelschalen-Fragmenten vergl(>ichbare, oder aucli wie granu- 
"^i"f<"s Zink gestaltete Gebilde. 

Üeiuage /_ur CieoUigii; von Kamcrim. 2 



18 Th: Krnst Esch: 

Bei Balsundu bu Namcko beobaclitet ninn in einem fast 2 km langen 
vom Mungo geschaffenen Aufschkiß, tlaß diese Lelime sieh einem jener 
Uferwälle, die auf den letzten Seiten beschrieben sind, anlagern. Die 
hier vorliegende Baire, welche, wie gewöhnlich, in nordöstlicher Richtung 
slniclit, etwa 40m hoch und in der Höhe des Wassers]iiegels ungefähr 1 km 
l.ircil isl, ist an ihrem südlichen Ende von dem Fluß so stark angeschnitten, 
daß man in der senkreclUen Uferwand einen vollständigen Querschnitt 
derselben vor sich hat; sie besteht aus lockerem, imgesclrichtetem, mit 
wenig Ton untermischtem Sand von imregelmäßig wechselndem Korn 
und wechselnder, mineralischer Zusammensetzung, wie die aus der weiteren 
Umgebung von Mangamba beschriebenen Ablagerungen. Bis zu etwa ^U 
ihrer Höhe ist sie eingedeckt von dem massigen Lehm. 

Ähnliche Durchragungen von ehemaligen Uferwällcn oder Barren 
durch den mächtigen Lehm wurden nocli an mehreren anderen Stellen 
im Mungo aufgeschlossen gefunden, so namentlich schon bei Kumbe, 
Ndumbe uml Moängseng. 

Aus dieser Durcliragung und aus dem Umstände, d;iß (Jer Lehm 
einerseits an mehreren Stellen wechselnde Mengen von Quarzsand und 
Gerollen führt und andrerseits Übergänge in reine, quarzfreie Tuffe zeigt, 
glaube ich auf folgende Entstehungsweise dieser Formation schüeßen zu 
müssen: Nach Absatz der eocänen Tonschiefer stellte die Kamerun-Bucht, 
welche derzeit mit Ausnahme eines damals wohl schon trocken gelegten, 
schmalen Streifens von kretazcischem Festland in der Gegend zwischen 
Nyanga und dem_ Elefantensee bis an die altkrystallinen Gesteine, wo 
dieselben heute noch tax Tage treten, heranreichte, also das heutige sedi- 
mentäre Vorland eimiahm, ein flaches Becken dar, in welches, von Norden 
kommend, der Mungo und der Dibombe, von Osten der Wirri, Dibamba, 
der Sanaga und der Njong an der Stelle mündeten, wo diese Flüsse 
heute in Katarakten oder Schnellen ihr eigentliches Heimatsland, die 
Gebiete krystalliner Gesteine verlassen, um von dort in verhältnismäßig 
langsamen Lauf durch das sedimentäre Vorlaml dem Meere zuzufließen. 

Diese Flüsse brachten eine ihrem Was.serreichtum und ihrem Gefälle 
entsprechende Menge von Gerollen, Banden und fein verteilten Ver- 
witterungsprodukten aus den Graniten und Gneisen, die sie durchströmt 
hatten, mit sich, um sie, sobald die verminderte Sti'ömimg es zuließ, auf 
dem Grunde der Meeresbucht abzusetzen. Doch nicht allein ihre Strömung 
war es, welche den Absatz der mitgeführten Materialien bestimmte, sondern, 
wie dies I\ nochenhauer') schon als die leitende Kraft bei iler Bildung 
der großen Krieks zwischen dem Nyang und Kamerun bezeichnet hat 

1) KnochenhaiuT ; Geologische Unteraaichiingen im K.inionmgoljipl (niil Kartf)' 
Mitteilungen niis ck Deutschen Sehnt zgebieteu 1895. VIII p. 87. 



AUgcmcin-Geologisclics. 19 

Und wie dies almlich in den Mündungsgebieten der Strümc allgeniein zu 
beobachten ist, mit ihr die von Südwesten andrängende Strömung des 
Meeres; diese verhinderte die Sande und Kiese sich in breiten, fächer- 
förmig von den Mündungsstellen divergierenden Bilnken, wie sie sich an 
den Mündungen von Wüsscrläufcn in stagnierciKlen Becken bilden, ab- 
zusetzen and warf namentlich das grobe Material in langen, der Küste 
ungefähi- parallel vorgelagerten Barren und Uferwällen auf. Diese trennten 
daiui, in ihrem Emporwachsen durch eine allmähliche Hebung des ganzen 
Küstengebiets unterstützt, größere Becken von der offenen See ab, in 
denen nun die Sedimentation ungestörter vor sich gehen konnte. Zu 
dieser Zeit trat nun, wenigstens aus dieser Zeit zuerst nachweisbar, ein 
wiclrtiger Faktor, der an der Bildung der in dem nördlichen Teile weit- 
verbreitetem Lehme beteiligt ist, ein: der Ausbruch vulkanischer Massen, 
'^n dem nördlichen Teil der Bucht tat sich die gewaltige Spalte auf, die 
die fe.ste Erdkruste von Annobon, ja vielleicht gar von St Helena an, 
l^is tief ins Innere von Ktunerun durchzieht, und ließ gewaltige Massen 
von feuerflüssigen Magmen aus dem Erdinnern hervorquellen, die sich nun 
■''s L.ivastr.imc auf dem schnell herauswachsenden JMeeresboden aus- 
'"'■iii 1(11 ,„lcr mit großer Kraft in winzige Partikelchen zerstäubt in die 
Lultgesililcudert und weit von ihrem Eruptionspunkt davongetragen wurden 
Und sich dann in der weiten Meeresbucht uiederschlugen. Das gröbere 
Material fiel in der näheren Umgebung der Eruptionszentren nieder rmd 
"udete Tuffe, der feinere Staub aber wurde durch die Winde weiter ge- 
^'^■agen untl mischte sich, in dem stark bewegten, flachen Becken zu Boden 
gesunken, mit den schon abgesetzten, aber wohl noch fluktuierenden 
^'itcrialien und mit den stets von neuem zuströmenden Sanden und 

aiarzgcröllen der Flüsse. Dort, wo das AA^asscr am tiefsten und seine 
Bewegung geringer war, alsn zwis.licn den l^,;irven und Sandbänken, ge- 

^^gte das vulkanische Material last migcmisclü zum Absatz, während es 
'"^ den seichteren Stellen länger in der Schwebe erhalteji wurde und auf 

en Werdenden, zeitweise schon über den Wasserspiegel aufragenden, von 
'-'^'^ Brandung umtosten Uferwällen natürlich nicht haften konnte. Nur 
**'J läßt sich meines Erachtens der häufige und in allen möglichen Über- 
'=""igen beobachtete Wechsel von Sand- und den mächtigen, unceschichteten 
^-ehmlagern erklären. 

Während so der nfirdliche Teil dei Bucht durcli große Mengen 

'■'kanischen Materials angefüllt und schnell trocken gelegt wurde, gc- 

'"igten in dem mittleren und südlichen Teil derselben nur die Zersetzungs- 
"dukte der altkrystallinen Gesteine, die durch die Flüsse herzugetragen 
"den, unter dem Schutz iler beständig n<x'h wachsenden und an Zahl 
||"ifhnicnden und stetig dem offenen Meere weiteren Raum abgewinnenden 
I /Misatz. Si(^ l.iilden heute d.-utlicli wschiiditele. 



20 Dr. Ernst Esch; 

liorizüutal liegende, lose verkittete, glimmeneiclie, glimmerarme ini<l glimmer- 
freie; Sande, Tone und Lehme in buntem Wedisel diinin-in.nidrv, so daPi 
man nirgendwo l^estimmte charakteristische Horizontt; In ilmcn iiiil niehi 
als einige hundert Meter verfolgen karm. 

Diese zwischen den Barren abgesetzten Sedimente gelangten, da die 
Zufuhr an gleich großen Mengen von Material fehlte, bei weitem nicht 
zu der Mächtigkeit wie die gleichalterigen Lehme im Norden, dieselbe 
schwankt iT\ dem ganzen Gebiet nur zwischen ro und 15 Meter. Durch 
den unteren .Lauf des Mungo, durch den Dibombe, Wuri, Dibamba und 
Sanaga sind die Schichten auf weite Strecken hin sehr gut aufgeschlossen ; 
bei niedrigem Wasserstand kann man, an den vielfach senkrecht ansteigenden 
Uferwänden der Flüsse hinfahrend, ihr Profil ohne wesentiiche Unter- 
brechung auf 10—12 km hin verfolgen. An die hochaufragenden alten 
Barren und Uferwälle, die sich, wie mehrfach erwähnt, bis ,50 und 60 m 
über den Meeresspiegel erheben, lagern sie sich mit langsamem Über- 
gang an. 

Je weiter man diese posteocänen Bildungen na(.:li Süden und Westen 
verfolgt, in desto geringerer Meereshöhe trifft man sie an, und sie gehen in 
der Nähe der Küste ganz allmählich in alluviale, zeitweise noch vom 
Meerwasser überflutete Absätze über. In dem Gebiet zwischen dem 
oberen Meme und dem mittleren Mungo liegen sie bis zu 127 m über 
dem Meere (Diebo 127 m, Bakundu ba Foc 117 m, Baji no m, Bakimdu 
ba Bomlie 60 m), an den Ufern des Abo und Wuri und südlich dci' 
Fledermausinsel am Dibanrba erlieben sich die Gipfel der Barrenzüge bis 
zu 60 m, die zwischen ihn^-u abgesetzten, geschichteten Tone und Sande 
aber bleiben unter 20 m Meereshöhe. Am Sanaga, zwischen dem Ossa- 
See und Dibcnigo und Marienberg ragen die Barren noch bis zu 60 m 
Meereshöhe, die gescliichteten Sedimente aber zwischen ilinen und nörd- 
lich von ihnen liegen in ihren hängendsten Schichten nur selten 15 m 
über dcnr Meere. Südlich und westlich der gebrochenen Linie Keka 
(Tiko)-Jüssplatte- Marienberg -Neven du Mont-Fälle gibt es nur ganz 
vereinzelte, ihrer geographischen Lage nach noch nicht sicher bestimmte 
Sandanschüttungen, die sich bis zu 10 und 15 m über der Flutgrenzc 
erheben (auf einer derselben, die ausnahmsweise bis zu 20 m Höhe 
erreicht, liegt die Missionsstation Lobethal). Das große flache Land aber 
zwischen ihnen, aus geschichteten Lehmen und Banden bestehend, erhebt 
sich von dem flachen Meer(-sstrande an nach dem Innern zu nur ganx 
allmählich bis zu ,5 und 7 m über die Flutgrenze. Große Teile dieses 
Gebiets werden während der Regenzeit wochenlang, hier und da auch 
monatelang, vollständig überschwemmt. — Das Alter dieser posteocänen 
Bildungen zu bestimmen, muR einer cingehendfn üntorsucluing derselben 
\orbeh;i!ten werden, ich jiabe nirgendwo Fossilien in den Absätzen ge- 



AllKcmcin-CTuülogiscI.es. 21 

fundcii und seit dem Aljscliküä der Eocän-Zeit oder eineiii Zeitpunkt,, 
tler nicht weit hinter derselben liegt, scheint in der Biafra-Bucht ohne 
Unterbrechung eine langsame negative Verschiebung der Strandlinie statt- 
zufinden, die durch beständiges Anwachsen der Sedimente und eine all- 
niähliche Erhebung der Küste bedingt ist. Diese Hebung erreicht in dem 
nördlichen Gebiet einen Betrag voit mehr als I20 m (Diebo 127 m), 
Weiter nach Süden in der Umgebung des Ossa-Sees mindestens 70 m. 

Wenn man in Betracht zieht, daß an dem Rand der ehemals tiefer 
in das Festland eingeschnittenen Biafrabucht im nördlichen Teil die Kreide- 
ablagerungen nicht von tertiären Meeresabsätzen bedeckt sind, im süd- 
lichen Gebiet aber die eocänen Sdiiefertone und zum Teil die posteocänen 
Strandablagerungcu unmittelbar auf den altkry stallinen Gesteinen auflagern, 
so muß man schließen, daß nicht lange vor dem Eintritt der Eocänzeit 
im nördlichen Teil der Bucht eine Hebimg, im südlichen Teil dagegen 
sitie Senkung, welch letztere die Eocänzeit vielleicht um einen geringen 
ßetrag überdauerte, stattgefunden hat. 



Alluvien. 

Rezente Ablagerungen, d. h. hier solche, welche heutzutage noch unter 
^J^lec wenige Dezimeter über der höchsten Flutgrenze liegen, nehmen in 
dem Mündungsgebiet der Kamerunflüsse (Mungo, Wuri, Dibamba) und in 
flen nördlichsten Küstcnteilen unseres Schutzgebiets weite Gebiete ein. 
'''e entwickeln sich ganz allmälilich aus den vorerwähnten posteocänen. 
"ildmagen; nach geologischen Gesichtspunkten sie von jenen zu trennen, 
'■St daher immöglich. Als Grenze derselben gegen die älteren Bildungen 
i^ehme ich den äiißereia dem Meere zugewandten Rand der typischen 
Urwaldvegetation an. Cliarakteristisch für die alluvialen Absätze ist ihr 
Bestand mit Ma.ngro\'en, Raphiapalraen und Bandanusarten. Verfolgt 
"^Hn Alluvien, durch die weitverzweigten Krieks fahrend, von der Küste 
nach dem Innern zu, so beobachtet man, daß die Schlammabsätze, welche 
"^ unmittelbarer Nähe der Küste auch bei tiefer Ebbe kaum handbreit 
^oer den Wasserspiegel hervorragen, sich allmählich immer mehr bis zur 
■Wöhe einer mittleren Flut, ohne in der Vegetation irgendwelche Ab- 
^^^ch.slung zu zeigen, erheben; weiter landeinwärts aber, wo die Absätze 
'^'c-'ht mehr durch jede Flut überspült werden und nur bei Springflut oder 
•^'er Regenzeit, wo das Wasser in den Krieks sich aufstaut, durch mehr 
' 'der weniger brakisches Wasser überschwemmt werden, mischen sich unter 
;'e bis dahin allein herrschenden Mangr-oven erst einzelne und allmählich 
^uner mein- niedrige, d. h. bis ! 5 m hohe, hiuschige Raphiapalraen und 
•inflanus. AllmähUcli verdrängen die Raphiapalraen die Mangroven voll- 



22 ßr- Ernst Ksch: 

Ständig und man filhrt stundenlang duicli Wälder, die nur von diesen 
Büschen gebildet werden ; weiter landeinwärts gehen dieselben dann ohne 
scharfe Grenze in hochstämmigen Urwald über. Die Ufer der Krieks, 
die durch die Ebbe freigelegt werden, fallen meist ganz steil ab, eine 
eigentümliche Erscheinung, die durcli die außerordentliche Zähigkeit des 
Mangrovenschlanimes sich erklärt. 

Die mineralische Zusammensetzung der alluvialen Bildungen ist auf 
weite Streclcen eine sehr gleichmäßige; einigen Wechsel bedingt nur der 
größere oder geringere Gehalt an winzigen Quarz- und Augitkörnchen 
oder Glimmerschüppchen. Zimi weitaus größten Teil, etwa Vs, bestehen 
sie aus wasserhaltenden Tonerdesilikaten, die unter dem Mikroskop be- 
trachtet, auch bei 200ofacher Vcrgi-ößerung eine dunkelbraune, kompakte 
Masse aus submikroskopischen Teilchen bilden. Quarzkörnchen führt der 
Schlamm stets; dieselben erreichen eine Größe bis y.u 0,5 mm. Augit 
findet man in demselben im Rio del Rey-Gobiet und in dem nördlichen 
TeU des Kamerunästuariums ; Glimmer im Rio del Rey - Gebiet und in 
dem südlichen und östlichen Teil des Mündungsgebiets der Kamerunflüsse. 
Nirgendwo habe ich auf meinen Fahrten durch die Kticl« mit bloßem 
Auge erkennbare Fossilien in dem Mangrovcnsrhl:iiiiiu gefunden, sehr 
reich ist er an gut erhaltenen Schalen von. Forauunifeien, zum weitaus 
größten Teil gehören dieselben Arten an, die ich für Discorbina Bark, 
und Jones und Rotalia Beccarii halte. 

Reine Süßwasser-AUuvionen spielen in dem Gebiet, welches ich be- 
reist habe, nur eine sehr untergeordnete Rolle; in schnralen, nur selten 
mehr als 100 m breiten Streifen ziehen sie sicli, vielfach aussetzend, die 
Ufer der Flüsse, soweit diese dem Flachland angehören, also bis zur 
Grenze der altkrystallinen Gesteine, entlang. Es sind lösartige, in trockenem 
Zustande außerordentlich feste, hellgraue Lehme, die bei nictlrigcni Wasser- 
stand meist steile, vielfach senkrechte, 5—10 m hohe Ufer liilden. In 
ihrer mineralischen Zusammensetzung sind sie sehr ähnlich dem Man- 
grovenschlamm. Fossilien habe ich in denselben nicht beobachtet. Diese 
Bildungen werden von Eingeborenen, die an den Ufern der Flüsse wohnen, 
besonders zur Arrlnge von Farmen bevorzugt; in der höchsten Regenzeit 
werden dieselben von den Flüssen überschwemmt und dadurch gedüngt, 
daß die Pflanzen den feinen Detritus, namentlich der kaühaltigen Ge- 
steine, aus deren Gebiet die Flüsse stammen, zum Absatz zwingen, in- 
dem sie durch ihren Widerstand die Strömung verlangsamen. 

Dieselben bilden an den Ufern des Mungo und Dibombe vielfach 
scharf m;u:kiertc, den mehr oder weniger weit von den Ufern zurücktreten- 
den Höhen der älteren, namentlich der Kreideablagerungen vor- und an- 
gelagerte, horizontale Terrassen. 

An den Ufern des Wuri, Dibanilia und Sanaga nehmen die Alluvien 



Allgemein-Geologisches. 28 

euifii etwas breiteren Raum ein, aber sie gehen liier so allmälilich in die 
vorerwähnten posteocänen Strandablagerungen über, daß man kaum eine 
Grenze zwischen diesen beiden Formationen ziehen kann. 



Das altkrystalline Gebiet. 

Bei der Besprechung des sedimentären Vorlandes wurde verschiedent- 
lich erwähnt, daß überall dort, wo das Liegende der Schichten beobachtet 
Werden konnte, dasselbe aus altkrystallinen Gesteinen besteht. Rings um 
das verhältnismäßig flache Gebiet der Meeresabsätze lierum liebt sich in 
nieist scharf markierter, nicht gerade kontinuierlicher, aber doch aus zahl- 
losen einzelnen, nahe beieinanderhegenden Punkten zusammengesetzter 
Linie der alte, zum größten Teil aus Gneis, Granit und Glimmerschiefer 
bestehende Rand des Kontinents ab. 

Von erhöhtem Standpunkt, so von Dibongo, Mangamba oder Johann- 
Albrechts- Höh aus sieht man die Linie, wenn auch fein, so doch so deut- 
lich sich gegen deir Horizont (jder gegen die dahinter liegenden Gebirge 
abheben, daß, wenn man erst die hervorragenden Punkte kemit, man 
leicht die Grenze zwischen den sedimentären und den altkrystallinen 
Bildimgen in die Karte eintragen könnte. 

Ihren Anfang nimmt sie im Süden, wenige Kilometer nörclUch von 
Kribi, wo sie das Meer berührt, streicht von dort über die Schnellen des 
Lokundje, die Neven du Mont-Fälle, die Fälle des Sanaga bei Edea, die 
des Dibamba, des Wuri, Dibombe imd Mungo, dicht um den Elefanten- 
see herum vor den Ballue-Bergen her bi.s in die Gegend von Kitta. Ich 
habe chesc Grenzlinie berührt bei Kribi, bei Edea an den Schnellen des 
Dibamba und Wuri, dann habe ich sie verfolgt von Nyanga am Dibombe, 
über Ufun, in die Landschaft Mamelo, von Muyüka bis an die Mttngo- 
Schnellen und von Mambanda bis an das nördliche Ufer des Elefanten- 
■^ees. Überall ist sie dadurch markiert, daß das Gelände, welches in dem 
sedimentären Gebiet flach, fast eben ist, sich, sobald man auf die alt- 
fa'ystallinen Gesteine stößt, unvermittelt hebt und den Charakter einer 
sanftgewellten oder auch stark bergigen Landschaft annimmt. 

Am wenigsten hoch erhebt sich der Rand des altlcrystallineu Gebiets 
^11 Süden; bei Kiibi erreicht er kaum eine Meereshöhe von 40 m, nach 
den Neven du Mont-Fällen und weiter nach Norden bis Edea hin aber 
S'eht man ihn bei, klarem Wetter von den weiten Wasserflächen im Mu- 
limba-Gebiet und von den Hügeln bei Dibongo aus ganz allmählich an- 
steigen bis zu einer Höhe von annähernd 250 m. Bis zu den Dibamba- 
■^chnellen senkt er sich wieder bis zu 150 m und zieht sich von hier bis 
^u den Mungo-Schncllcn in gleichbleibender Höhe Irin. Zwischen den 



24 nr. Ernst lisch: 

Mungo-Schnellen und dem l<:iefantensee ist er nur bei Mamli;uida durcli 
verein?;elte, kaum 50 ra über das hier allerdings durchschnittlich 250 m 
hoch gelegene sedimentäre Vorland emporragende Hügel markiert. Nörd- 
lich vom Elefantensee wird er durch einen bis zu 800m sich erhebenden, 
tmgefähr O — W streichenden Hfjhct\zug gebildet, dessen Fuß sich etwa 
15 km weit erstreckt. Ich nemie ihn den Barombi-Zug. 

Seinen Abschluß nach Westen findet der Rand des altkrvstallinen 
Gebiets hi den Ausläufern der Ballue-Berge und den Höhen bei Bioko '). 

Die Gesteine, welche den Rand bilden, sind zum größten Teil Gneise, 
nicht selten aber treten an denselben auch Glimmerschiefer und massiger 
Granit auf. 

Nördlich von Kribi und ati dem Meeresstrand des Ortes selbst habe 
ich nur einen dunklen, Biotil, Hornblende, Quar;< und rötlichen Orthoklas 
führenden Gneis gefunden. i:)erselbe zeigt nur scliwach angedeutete 
Flasermig, die Feldspäte erreichen kaum eini' Länge von i cm. Über 
<lie Lagerung des Gesteins Aufschlüsse m erhalten, war mir unmöglich, 
da das Ansteheiide sowohl, wie die großen BIöcInC, die den Meeresstrand 
bei Kribi bilden, stets in eine dicke Schicht vun Flugsand eingebettet wai'. 

An den Schnellen oder Fällen der giößereii Flüsse über diesen Rand 
ist derselbe bis zu 80 m Höhe mehrfach Norzüglich aufgeschlossen. In 
sehr charakteristischer Weise lassen die Aufschlüsse erkennen, daß der 
Rand die Richtung bedeutender Störungen und Bruchlinien darstellt. 

An den Fällen des Sanaga bei Edea bricht er in einer gewaltigen 
bis zu 30 m hohen Wand senkrecht ab. Kurz bevor der Fluß dieselbe er- 
reicht, teilt er sich iti mehrere Arme und stürzt dann in den sogenannteti 
Nord- imd Südfällen plötzlich in die Tiefe. Im Laufe der Zeit haben sich die 
Wasser um mehrere hundert Meter mckwärts iti das feste Gestein eingegraben ; 
man sieht so mächtige, senkrechte Felswände bloßgelegt, die einmal senkrecht 
zur Richtung der Flußströmung verlaufen und den eigentliclien Brucli- 
rand darstellen und andererseits parallel der Flußrichtung streichen und 
dieUferwünde des nun in dem tieferen Niveau fließenden Stroms bilden. 
In diesen prachtvollen Aufschlüssen, die namentlich an den Nordfällen, 
wo die abgestürzten Wasser in einer fast 300 m langen und abwechselnd 
10—50 m breiten und 30 m riefen Klamm fließen, besonders übersichtlich 
sind (bei niedrigstem VV;iss,Tsl:nKl sind die Nordfälle fast trocken), zeigt 
es sich, daß das Gcljirgc gewaltigen Druck und vielfache Zerklüftung er- 
fahren hat. Das Hauptgesteiu (s. Gest.-Beschr. i p. 44) ist an den Nordfällen 
ein schwärzHch grüner, massiger, feinkörniger, aus Augit, Biotit und Quarz 
zu ungefähr gleichen Teilen zusammengesetzter Glimmerschiefer ohne 

r) Verfji. P. Düsen, Om iiordwäslra K.ameninomr;ick;ts «eologi. C.eol Iwireii. 
i Stockholm Förhaiidl. Bfl. 16 \\ 29 ff. 



AllKrmein-Gc.logisches. 25 

deutliche Si hkhtiing udcf Abteilung in BtUikL-; er zeigt nur eine wenig 
Husgcprägte, feine Flusenmg. Ein Einfallen ntler Streichen ist daher nicht 
zu konstatieren. Er bildet eine in uordsüdliciier Richtung 300 m, in ost- 
westlieher Richtvjng 150 m weit aufgeschlossene, über 30 m mächtige, un- 
gegliederte Masse, die von zaMreichen, jetzt ausgefüllten Klüften uml 
vielen in den wunderlichsten Linien geschwungenen Sclmüren eines ortho- 
klasreichen Materials (s. Gest.-ßeschr. 2 p. 4,5) durchzogen ist. Diese Schnüre, 
deren Dicke zwischen 2 und 30 cm schwanken, setzen vielfach unmittel- 
bar ab oder lösen sich in einzelne, dann reihenförmig angeordnete hühner- 
bis täubeneigroße Linsen auf oder schwellen auch unter Beibehalt ihrer 
Kontinuität plötzlich zu kopfgroßen Knollen an und haben stets nur eine 
sehr geringe (Icaura 1 m) Breite, während ihre Länge nicht selten das Maß 
von 10 m übersteigt. Ihre Richtung ist so wenig konstant, daß dieselbe, 
^vemi man diese Schnüre als dtuch Gebirgsdruck ausgewalzte Schlieren 
"der Einschlüsse in dem Hauptgestein deutet, nur in sehr unsicherer An- 
näherung zur Bestimmung der Streichrichtung des Hauptgesteins heran- 
gezogen werden kann. Der allgemeine Eindruck deutet auf NS-Streichen. 
Auch sehr unregelmäßig verlaufen die Spaltenausfüllungen; sie stellen 
"'5 — 3 :n mächtige, meist seigere Gangmassen (s. Gest.-Bcschr. 3) dar, die 
häufig scharf absetzen oder sich teilen und wieder vereinigen oder auch 
ganz zertrümmert sind iTnd sich in einzelne, scharfkantige BruchstüoJie 
attflösen, die dann in dem Hauptgestein, unregelmäßig verteilt, eingebettet 
liegen. Ihr Streichen schwankt zwischen N-S und NO-SW. Das Haujit- 
gestein geht nach oben hin durch hinzutretenden und allmählich immer 
reicher werdenden Gehalt an Orthoklas und durch das ebenso allmähliche 
'Zurücktreten des Quarzes, GlimnK^rs und Augits in einen quarzarmen 
Hornblende-Gneis (s. Gest.-Besehr, 4) über. Dieser wiederum geht weiter 
flußaufwärts olme deutliche Grenze in einen stark gefaltenen und ge- 
fältelten Gneis (s. Gest-Beschr. 5) mit sehr charakteristisch au.sgebildeter 
Lagerstruktur über, der mehrere km weit ohne wesentliche Änderung im 
l^ineraibestand imd in der Strul<tur (ich habe ihn 3 km über die Schnellen 
li'naus verfolgt) die Ufer des Sanaga bildet. Es wechselten in demselben 
^~-iocm dicke Lagen eines dunklen grünen, feingeflaserten, aus (Orthoklas, 
Plagioklas, Qu;u-z, Hornblende, und Biotit zu gleichen Teilen zusammen- 
gesetzten Granat und Titauit führenden Materials mit 1 — 7 cm dicken, 
beißen Lagen, die aus Orthoklas, Plagioklas mid Quarz zu gleichen Teilen, 
ziemlich gut parallel geordneten ßiotitblättchen und nicht selten Granat- 
'^ürnchen bestehen; in diesen Lagen fehlt Hornblende durchaus. Das Ge- 
stein, welches namentlich an den Südfällen des Sanaga sehr schön, in 
einer Mächtigkeit von über 50 m, aufgeschlossen ist, wird durch die ge- 
waltigen erodierenden Kräfte der 30 m tief senkrecht herabstürzenden 
Fluten des Sanaga hi eigeTitümlicher Weise angegriffen. Es zerfällt näm- 



26 Dr. Krnsl Ksch: 

Ikh nicht in annähernd l<ubische, mein" oder weniger gerundete liliiciie, 
«ondcrn in große, bis zu lo und 30 ni lange und 0,3 — 1,2 m dielte Säulen 
mit rundem oder ovalem Querschnitt und runzliger, in ihrer Längsaus- 
delinung tief gefurchter OborfUiche. 

Sie ahmen so täuschend das Aussehen v.ui vermodernden Baum- 
stämmen nach, die vielfach dort angeschwemmt werden und sich zwischen 
die Gesteinssäulen einldemmen, daß, wenn man bei niedrigem Wasser- 
stand in dem zur Hälfte trocken daliegenden Flußbett vordringt, man in 
vielen Fällen, bevor man es wagt von einem solchen Klotz zum anderen 
zu springen, ihn erst mit dem Bergstock auf seuie vegetabilische oder 
mineralische Beschaffenlieit prüfen muß. Diese Säulen liegen oft in drei 
und vier SchichK^n üliereinander. Sie liegen überall in streng paralleler 
Anordnung und ihre Längserstreckung fällt genau mit der Richtung des 
Streiclicns der kompakten Gesteinsmasse zusammen. 

Absonderung in Bänke oder durchgehende Schichtung beobachtet man 
nicht an diesem Gestein ; durch seine markante Lagenstruktur aber wird die 
Wirkung von großem Druck und energischer Stauchung, denen das Gestein 
ausgesetzt gewesen ist, besonders auffallend. Die weißen, felds]ialreichen 
Lagen zeicfmen sich infolge Slaucfumg auf dem (^>ucrbrucli des Gesteins als 
1—3 m lange, wellige Linien aus. Die Länge der einzelnen Wellen schwankt 
zwischen 5 und 30 cm, ihre Amplittide zwischen 2 und 12 cm. Auf dem 
Bruch parallel den Lagen wurden dieselben in einer Flächenausdehnung 
bis zu etwa 25 Qm beobachtet. Die Streichrichtung der Sattel- und Mulden- 
Linien dieser kleinen Falten ist recht konstant und ziemlich genau NW 
bis SO. Ein durchgehendes Einfallen habe ich nicht konstatieren kömien. 
Der Druck, welcher diese Faltung hervorgerufen hat, muß also in nord- 
ost-südwcstliclier oder südvvest-nordöstlicher Richtung gewirkt haben. 

Obcrhali) dt:r Sclinellen des Sanaga ist dieser Gneis \icira.ch durchsetzt 
von Quarzgangcji, (hc genau NW— SO streichen und seiger ein fallen; dieselben 
erlangen eine Mächtigkeit bis zu () m. Sie ziehen sich, da ihr Material 
äußerst fest ist, quer zur Flußriditung in Form senkrechter, bis zu 5 m 
hohen Mauern, die allerdings vielfach in einzelne gewjiJtige, monumenl- 
artige Blcicke aufgelöst sind, durch dessen Bett. Das Material dieser Gänge 
ist schneeweißer, und äußerlich ein wenig durcli T/mionit braun "-e- 
färbter Quarzit; in demselben finden sich in gerini^ci Mcn.jc i inocspremrt 
I — 2 mm große, gekrümmte, vereinzelt aber auch ebene, meist un- 
regelmäßige, zuweilen aber auch scharf sechsseitig umgrenzte dümie 
Blättchen von goldigglänzendem Glimmer; der Goldglanz dieser Blättchen 
ist so vollkommen, daß man sie vor der Berührimg mit einer Nadel 
namentlich wenn sie zackig lappige Form haben, auch bei genauer Prüfung 
mit der Lupe für Gold hält. Bei geringem Druck mit einer scharfen Spitze 
blättern sie aber uv feine Schüppchen auseinander. 



Allgemein-Geologisches. 27 

Als Gerolle treten in dem Bett des Sanaga n(_)ch verschiedene fein 
geschieferte und kaum merkbar geflaserte, plagioklasarme und plagioklas- 
reiche Gneise auf; dieselben sind in dem Absclinitt Gesteinsbeschreibung 
unter Nr. 6-;-8 näher charakterisiert. 

Westlich von diesem Bruchrand ragen, durcli dcnSaiiaga aufgeschlossen, 
zwischen 3 und 5 km unterhalb der Edea-Fälle noch verenizelte Klippen 
krystalliner Gesteine, eingedeckt durch junge Sande, etwa 20 m über den 
Meeresspiegel hervor; ein Vorkommen von Glimmerschiefer bei Dibongo 
aber, welches Knochenhauer i) angibt, habe ich nicht feststellen können. 
"Die Hügel bei Dibongo, welche ich, wie auf den vorhergehenden Seiten 
beschrieben, als alte jiosteocäne Uferwälle auffasse, bestehen vielmehr bis 
zu ihrem Gipfel aus dem eingehend beschriebenen Barrengestein, welches 
von Knochenhauer mit Recht von dieser Stelle als »Toneis'enstein- 
breccie« bezeichnet w:rd. Das ideale Profil, welches Knochenhauer 
durch die angenommene Faltung zwischen Edea und Dibongo konstruiert, 
kann ich nicht als richtig anerkennen. Irgendwie bedeutende Faltung und 
Aufrichtung der krystallinen Schiefer habe ich am Sanaga nicht konstatieren 
können, die in sich zwar sehr stark gefältelten Gneise liegen, wu ich sie 
auch in den schönsten Aufschlüssen angetroffen habe, stets annähernd 
horizontal. Dem Abbruch der jetzt von Sedimenten bedeckten Gebiete 
ist ein bedeutender, horizontaler oder aufwölbender Druck in den Gesteinen 
sicher nicht unmittelbar voraufgegangen. Die Schieferung und Flaserung 
der Gesteine möchte ich vielmehr Kräften einer weiter zurückliegenden 
Periode zuweisen. Nur in unmittelbarer Nähe der Bruchlinie, wo, wie an 
den durch die Nordfälle des Sanaga gebildeten Aufschlüssen, die Durch- 
dringung des Glimmerschiefers mit feldspatreichem Material und die Zer- 
trümmerung der Gangausfüllungen sich in weit- und hochgeschwungenen 
oder scharf absetzenden Linien zu erkennen gibt, glaube ich Wirkungen 
des Abbruchs sehen zu müssen. Diese Vorgänge dolcumentieren sich aber 
hier nur auf wenigen- hundert Quadratmeter großen Fläclien. 

Dort wo der Dibamba in mehreren stufenfcinnig hintereinander ge- 
rechten kleinen f<!atarakten und Stromschnellen in das sedimentäre Vor- 
land einmündet, um von da an in trägem, vielfach gewundenen Lauf dem 
Meere zuzustreben, ist der Bruchrand des alten Kontinents aufgelöst in 
sehr zahlreiche, dichtgedrängte, kleine Hügel von 50, 100 und 1,50 ni 
Höhe; die Täler zwischen denselben senken sich aber nirgendwo bis 
zum Niveau des Vorlandes herab, so daß die am weitesten nach Westen 
gelegenen Hügel durch verhältnismäßig hohe Täler verbunden, immer- 
hin noch die Grenze gegen das abgesunkene Vorland scharf markieren. 
Einzelne imd von den Sedimenten teilweise eingedeckte, nach Westen 

1) Mitteilungen aus dcu deutschen Schutzgeliictcn 1895, Vlll. p. 95. 



28 Dr. Ernst Esch; 

\'Cjrgeschoijeiie(Jneis- oder Gi-anithühen, wie nuin sie erwarten niüsste, wenn 
die Grenze nicht dux-cli eine tektonisclie liiiie bedingt wJire, fehlen durch- 
aus; der Rand zieht sicli vielmehr, so weit man ihn von den werngen dort 
vorhandenen Aussichtspunkten mit den Augen verfolgen kann, in einer 
sc:heinbar ununterbrochenen Geraden in SSO — NNW-licher Richtung hiu. 

So Idare imd große Aufschlüsse, wie bei und oberhalb Edea a.rn 
Sanaga findet man an den Ufern des Dibamba nicht; dieselben sind 
meist stark überrollt und unter einer dicken Vegetationsdecke verhüllt; 
wohl aber sind senkrechte, durch den Fluß eingeschnittene Felswände 
von 4 — 5 m Hi'Jhe und :o — 50 m Länge recht häufig anzutreffen, wenn 
man in der trockenen Jahreszeit das Flußbett aufwärts verfolgt. Dasselbe 
ist scharf und bis 100 m tief in einer mittleren Breite von kaum 50 m 
in das hügelige Gelände eingeschnitten und nur sehr schwer zu begehen, 
da es über und über erfüllt ist von gewaltigen Gesleinsblrickeu. In zwei 
sehr anstrengenden und nicht ungefährlichen Tagcniärschen Isonnte ich 
nur eine Strecke von 5 — 6 km zurücklegen; da.nn mußte ich, da einem 
weiteren Vordringen durch 'unübei-windliche Hindernisse Halt geboten 
wurde, umlcehren. Das Gestein, in welches sich der Fluß eingegraben 
hat und welches auch, nach den zahlreichen, abgerollten, großen Blöcken 
zu urteilen, die den Fluß begleitenden Höhen bildet, ist mit Ausnahme 
von einigen, 2 — 5 m mächtigen, seigeren Aplitgängen (s. Gest.-Beschr. ()) 
und zahlreichen 1 — 4 m mächtigen Quarzgängen, die das Hauptgestein 
mit NW-Streichen durchsetzen, ein in seiner Struktur sehr stark wechselnder, 
von zahlreichen, unregelmäßigen Klüften durchzogener Biotitgneis (s. Gest.- 
Beschr. 10). In den höheren Lagen zeigt er vielfach die richtungslos 
körnige Struktur eines normalen Tiefengesteins, nach unten hin gelit er 
durch immer deutliche Kataklasstruktur aufweisende Partieen in sehr groii- 
stengligen oder in Lagen- oder in Augen-Gneis über, andererseits wieder- 
um tritt nicht selten auch das richtungslos körnige Material unter dem 
flaserigen Gneis auf. 

Eine strenge Gesetzmäßigkeit in der Aufeinanderfolge der ver- 
schiedeneu Struktur formen des Gesteins konnte wegen mangelnder Üljer- 
sichtlichkeit der Aufschlüsse nicht erkannt werden, wahrscheinlicli aber 
stellt das Gestein eine große granitische Masse dar, die durch starken 
Druck, der aber nicht gleichmäßig in dem ganzen Gesteinskörper wirkte, 
sondern vielfach durch entstehende Brüche ausgelöst wurde, in Gneis 
verwandelt ist. An einer Stelle dicht oberhalb der ersten Schnelle tritt 
in einem stark mit großen Blöcken des Hauptgneises und Sand über- 
rollten Aufschluß unter dem Hatiptgestein ein feingeschieferter, dünn- 
plattiger Biotitgneis (s. Gest.-Beschr. 11) von a,nnähemd derselben minera- 
lischen Zusammensetztmg wie jener, auf; derselbe fällt mit geringer Nei- 
gung scheinbar nach SW ein. 



Allgemein-Geologisches. 29 

Der Dibauiba lulirt oberhalb der ersten Schnellen auKer dein zu er- 
wartenden Detritus des Gneises große Mengen eines an leichteren Bei- 
mengungen stellenweise fast vollständig freien Titaneisenerz-Sandes. Er 
läßt darauf schliefen, daß weiter oberhalb der von mir erreicliten Stelle 
Gesteine auftreten, die im Gegensatz zu den oben beschriebenen, Biotit- 
gneisen betri'ichtliclie Mengen von Titaneisen führen ; GeröUe eines solchen 
Gesteins habe ich aber trotz eifrigen Suchcns nicht auffinden können. 

An den Wurischnellen bietet der Rand des krystallinen Gebiets eilt 
ganz ähnliclies Bild wie an den Dibamba-Schn eilen; unvermittelt erhebt 
er sich in zahlreichen, dicht gedrängten, loo — 150 m hohen Hügehi, die 
durch häufig recht sclnoffe Täler getrennt sind, aus dem flaclien Vorland 
empor. Der Rand des krystallinen Gebiets und die vorgelagerte Ebene 
ist hier weit dichter bevölkert als an den Dibamba-Schnellen ; der sonst 
alles verdeckende Urwald ist hier auf ziemlich weite Erstreckung nieder- 
gelegt und liat den Farmen der Eingeborenen Platz gemacht. Dadurch 
erhält man lii(-r einen weit besseren Überblick über den geologischen Bau 
des I.andes als an den Schnellen der übrigen Flüsse. Der Gegensatz in 
dem Charakter der Landschaften drückt sicli auclr scharf durch die Be- 
\rilkerung aus; der das Bergland bewohnentle Stamm liegt in beständiger 
Fehde mit den Bewohnern der viel fruchtbareren Ebene, durch die er 
von dort einst in blutigen Kämpfen vertrieben sein soll. Die den äußer- 
sten Rand bildenden. Hügel fallen nach SW meist sehr schroff ab und 
\nn ihren Gipfeln kann man bei klarem Wetter den, in seiner Höhe ziem- 
lich gleichbleibenden Rand auf 50 und 60 km Entfernung als scharf mar- 
kierte Linie mit den Augen verfolgen. In petrographischer Hinsicht bietet 
die Gegend wenig Abwechslung. Bis nach Ndogopa hin habe ich nur 
einen melir oder weniger durch Gebirgsdruck in seiner Struktur beeinflußten 
Granitit angetroffen. In seiner Korngröße, Farbe und in dem Grade 
seiner Festigkeit, weniger in der relativen Menge des ihn zusammensetzen- 
den Mineralgehalts, zeigt er deutliche Unterschiede. Einer der verbreitet- 
sten T3[pen ist in dem Abschnitt Gesteinsbeschreibung rmter Nr. 12 näher 
charakterisiert. In seinen tieferen Lagen, wo er durch kleine Bäche, nament- 
lich aber clurcli den Wmi, schön aufgcsc;hlossen ist, geht er allmählich in 
einen sehr grobstengligen oder in typischen Lagen-Gneis über. Es wech- 
seln in demselben rötlichgelbe, orthoklasreiche und dunkle rein graue, 
biotitreiche, flache, stark in die Länge gezogene Linsen, die vielfach in 
glatte Stengel oder weitausgedehnte Lagen übergehen, in großer Mannig- 
faltigkeit mit einander ab. Im großen und ganzen zeigt er aber dieselbe 
niineralische Zusammensetzung wie der richtungslcs körnige Granitit. Nur 
der Glimmer zeigt geringe Verschiedenheit, indem seine Farbe stellenweise 
einen Stich ins Grünlidu- bekonnnt und sich kleine Zirkoneinschlüsse mit 
pleochroi tischt Ml ririfcn. wie in dem unter Nr. it beschriebenen Gneis 



30 Dr. Ernst Esch: 

vom Dibamba, In demselben einstellen. In einem kleinen Aufschluß etwa 
,5no m oberlialb der Schnellen wurde ein feinkfjmiger rötlichgrauer Zwei- 
glinnnergranit (s. Gest.-Beschr. 13), der eben.sü wie der Granitit starke 
Druckerscheinungen zeigt, angetroffen. 

An den Schneileu des Dibombe ist der Rand, wenn auch immerhin 
noch recht deutlich, so doch nicht molir so scharf marldert wie in seinem 
südli(-heren Teil ; er ist hier in weiter auseinanderrückende Höhen (roo — 1 50 m) 
aufgelöst, die durch breite, nach dem Vorland sich plötzlich stark neigende 
Täler verbunden sind. Nur nach Süden hin ist er von Nyanga aus zu 
übersehen und streicht genau SO. In nordwestlicher Richtmig setzt er 
sich nur noch wenige, vielleicht 10 km weit fort und biegt dann scharf 
nach NO um. Das einzige Gestein, welches ich in dem recht schwer 
zu begehenden Hügelland zwischen Nyanga und Bonando gefunden habe, 
ist, mit Ausnahme von kleinen Vorkommnissen von jungvulkanischen 
Laven, ein in seiner Ausbildungsform stark wechselnder, im Mineralbestand 
sich aber üljerall gleichbleibender Granitit. Stets zeigt derselbe deutliche 
Spuren von starkem Gebirgsdruck. Meist hat er rötliche oder gelbliche 
Farlje, graue Varietäten sind recht selten. Der braune, scheinbar einaxige 
Biotit und der Quarz sirid häufig in kleine Fetzclien oder Körnchen von 
o,T — 0,5 mm Größe zerquetscht; die Feldspäte (etwa 50^/0 Orthoklas, 
2,5% Mikroklin und 25 "/o Oligoklas-Andesin, nach einem Durchschnitt 
von 10 Dünnschliffen bert:chnet), die vielfach randlich stark zertrümmert 
und nicht selten ganz in einen Grus zerrieben sind, wechseln in ihrer 
Größe zwischen 3 und 40 mm. Vereinzelt wurden, etwa 1 2 km nördlich 
von Nyanga, Blöcke angetroffen, die zu etwa "/m aus 20—30 mm gro/^en, 
fleisrlnf.ten Orthoklasen bestehen. Die Oberfläche des Granititgebietes 
ist meist mit großen Blöcken dic:ht besät; in der Nähe von Ntäboko 
nelunen dieselben ganz gewaltige Dimensionen an und bilden ein weit 
ausgedehntes, wild romantisches »Felsenmeer«. Die riesigen Blöcke sind 
verschiedentlich in drei und vier Schichten übereinander gepackt; unter 
einem solchen konnte ich mit meiner, 30 Maim starken Karawane bequem 
und vor Regen vorzüglich geschützt kampieren. 

Auf der Sohle des tief und scharf in das Gelände eingeschnittenen 
Tals des Dibombe trifft man, von dem Granitit überiagert, an einigen 
Stellen scheinbar ganz allmählich in diesen übergehend, einen dunkel- 
graugrünen, rötlich gebänderten, sehr festen Gneis anstehen, der braun- 
grünen Biotit und wenig grüne Hornblende führt (s. Gest.-Beschr. 14). 

Von den Neven du Mont-Fällen bis etwa, 10 km nördlich von Nyanga 
ist der Rand des altkrystallinen Gebiets ausschließlich bedingt durch 
Brurlif, welche von SSO nach NNW oder von SO nach NW streichen; 
weiter nach Norden hin ist die Tektonik des Landes vorwiegend durch 
ein System v.ni N(J— SW streichenden Vcrwcrfungslinien (der >Kamcrun- 



AUgeineia-Genlogisclies. 31 

Linie« Passarges) und untergeordnet von einem s(jlclien in (JW-lirlier 
Richtung (der Benue-Linie Passarges) beherrscht. Die Bruchlime (lO kau 
nördlich von) Nyanga, Mungo-Schnellen, Elefantensee, Kitta ist von dem 
Punkt lo km nördlich Nyanga bis etwa 15 km östlich von den Mungo- 
schnellen wenig schart markiert, sie ist hier nur durch wenige, niedrige 
und flache Granithöhen, die aber deutlich nach Süden steil abfallende 
Hflnge zeigen; angedeutet. 

In der Nähe der Mungoschnellen hebt sich der Rand bis in die 
Gegend von Mambanda, wenn auch manchmal durch breitere Täler unter- 
brochen, wieder recht scharf gegen das Vorland ab. 

Das Hauptgestein stellt vom Beginn der Mungoschnellen nach Westen 
hin bis zum Elefantensee, nach Norden bis über Etara hinaus und nach 
Nordosten bis in die Nähe von Muyuka, einen mehr oder weniger ge- 
preßten Granitit (s. Gest.-Bcschr. 15) mit geringen, meist verschwindenden 
Mengen von grüner Hornblende und Pyroxen dar. In der Regel zeigen 
die in tiefem Niveau xu Tage tretenden Varietäten sehr stark au.sgeprägte 
Kataklasstruktur und gehen stellenweise, so bei Etam (s. Gest-Beschr. 16), 
Muyuka (s. Gesl.-Beschr. 17) und am Elefantehsec in Gneis über, während 
die auf (Iota llriheii angetniffeneii Partien geringere Druckerscheinungen 
aufweisen. 

An dem großen linken Nebenfluß des Mungo oberhalb der Schnellen 
tritt dort, wo er den Weg von Manga-beach nach Muyuka schneidet, 
ein feinkörniger, glimmerfreier Hornblendegranit (s. Gest. - Beschr. 18) 
auf. Ungefähr 5 km südwestlich Muyuka überschreitet man nach den 
Mungoschnellen hingehend einen 250 m hohen, OW streichenden Höhen- 
zug, der aus Muskovitgranit (s. Gest.-Beschr. 19) besteht. 

Der von Ost nach West streichende Baronibizug nördlich \-om 
Elefantensee, der eine Hölie von annähernd 800 m erreicht, fällt nach 
Süden in mehreren kleinen Absätzen steil ab. In seinem südlichen unteren 
Teile besteht er aus starkgepreßtem, graugelbem, grobkörnigem Granit, 
der stellenweise, so namentlich nordöstlich vom Dorfe Barombi ba Mbu in 
grobstengligen Gneis ohne Veränderung in der Mineralkombination übergeht. 

In den Tuffen des Barombikraters finden sich in großer Zahl Blöcke 
von Granat führei^dem Glimmerschiefer (s. Gest.-Beschr. 20). Höchst- 
wahrscheinlich sind dieselben bei der Eruption der Tuffmaterialien V(in 
Schichten, die in größerer Tiefe anstehen, abgebrochen. 

Das Land nördlich von der Linie Nyanga-Kitta stellt ein großes 
Bruchgebiet dar, niit weit ausgedehnten Senkungsfeldern imd steilaufragenden, 
bis 2000 m hohen Horsten. 

Als geologische Einheiten fasse ich zusammen: die Rmnpi-Bcrge, die 
Bakundusenke, den Mungozug, das Bafarami-Gebirge, das Nkosi-Bruchland, 
Jen Ko]ic, das Mancnguba-Gcbirgc, die Nlonako-Berge. 



32 Dr. ErnsL Eseln 

Das gan/e Gebiet erhält daduicli ein einheitliches Gepräge, daß es seine 
jetzige Gestaltung fast ausschließlich zwei geologischen Vorgängen verdankt: 
dem Absinken großer Schollen iu die Tiefe und dem Ausljruch vulkanischer 
Laven auf den Bruchflächen. Erosionswirkungen haben bis jetzt auf die 
Konturen des Landes nur geringen Einfluß gehabt. In allen Teilen be- 
gegnet man überall wieder Steilabfällen von altkrystallinen Gesteinen, die 
vornelimlich in nordöstlicher, seltener in ostwestlicher Richtung streichen 
und an deren Fuß jungvulkanischc Ergüsse. Eine vorzügliche Übersicht 
über den geologischen Bau des Landes bieten die Höhen am Fuß des 
Kope und namentlich der Gipfel des Berges selbst. Scharf, wie mit dem 
Messer geschnitten, sieht man von dort ;nis die tektoniseheii Linien in 
das Gelände eingegraben. 

Die Rumpi-Berge stellen einen NO streichenden, in seiner höchsten 
Erhebung etwa 2000 m liolien Horst dar, dessen Kamm sich nach meinen 
Winkelmessungen vom Ekone Sungale bei Nyasoso aus mehr als 40 km 
in einer durchschnitthchen Höhe von etwa 1400 ni hiuzielu. Nach S( ) 
zu fällt e.r in metu-eren kleinen Absätzen äuRerst steil und \ielfarli seiik- 
reclite Wände bildend ab. Nach übereinstimmenden Mitteilungen von sämt- 
lichen Reisenden, die das Gebirge berührt haben, ist es fast unmciglich, 
dasselbe von NW oder SO kommend, zu übersteigen. Ich habe einen 
Versuch, in dasselbe einzudringen, wegen der feindlichen Haltung der 
umwohnenden Eingeborenen unterlassen müssen. Nach Düsen. >) und 
mündlichen Mitteilungen von G. Conrau besteht die Hauptmasse des 
Gebirges aus Urgebirge bezw. Granit und c;neis, der mit einer lücken- 
haften Decke jungviilkanisclur Gesteine von meist geringer Mächtigkeit 
liberzogen ist. 

Die Bakundusenke stellt eine etwa 40km breite, und wohl dopix-lt so 
lange Scholle dar, die /wischen den Rumpibergen und dem Mung(jzug 
abgesunken ist. 

Größere Erhebungen scheinen in derselben zu fehlen. 

Das Land ist nur von wenig hohen, weidi geformten Gneishügeln 
durchzogen. Vulkanische Kegelberge sind dort ziemlich selten, ich habe 
solche nur etwa 15 km nördlich von der Stelle aus gesehen, wo der We"- 
von Etam nach Nyasosso den Mungo kreuzt. 

In der Nähe des Mimgo, nahe bei Etam fällt es in zahlreichen kleinen 
Brüchen, die annähernd NO— SW streichen, um 130—150 m ab. 

Au der Übergangsstelle des Weges Etam-Nyasoso über den Mungo 
im Fluß wurde durch Sicde].)unktsbestimmung eine Höhe von 1 74 in übei 
dem Meere gemessen. 

Der Mungofluß folgt hier offenbar bis an den Rand des krystallinen 



t) P. Dustn, Oeoi. Foren. Forbandl. No. 155. Bd. 16. p. 



Allgemein-Geologisches. 33 

(iebiets einer SW streichenden Vevwcrfungslinie. Sein Gefälle \\>n hier 
an bis an den Rand des sedimentären Vorlandes, wo sein Spiegel nur 
öo m über dem Meere liegt {Siedepunktsbestimmung), ist außerordentlich 
stark, auf eine Strecke von nicht ganz 20 km hat sich sein Bett um 144 m 
gesenkt. 

Mit dem Namen Mungozug bezeichne ich diejenige Gcbirgsmasse, 
welche .sich /^wischen dem Oberlauf des Kiddebachs und dem entsprechenden 
Stück des Mungolaufs in südwestlicher Richtung bis an den Rand des 
sedimentären Vorlandes hinzieht und dort durch die OW streichende 
Bruchlinie abgeschnitten wird. Im Norden findet sie ihren Abschluß 
durch ein 2 — ,^ km lireites, von W nach O verlaufendes Hochtal, hinter 
welchem sich steil und unvenriittelt die schroffen bis 2000 m hohen 
(jipfel des Bafarami-Gcbirges erheben. 

Durch Winkelniossiing vom Ekone Sungale aus wuide seine höchste 
Erhebung zu annähernd iioora über dem Meere bestimmt. In drei und 
\'ier hintereinander gereihten, zuweilen auch ineinander geschobenen Ku- 
lissen ziehen sich die Höhen mit einer Kammlänge von 10 und 15 km 
in paralleler Richtung von NO nach SW, wobei sich die Kannnlinien, die 
sicli in leicht geschwungenen Formen auf den Horizont oder tlie auf- 
steigenden Talnebel projizieren, .sich ganz allmählich senken. Nach S(3, 
dem Kiddetal zu, fällt das Gebirge in einem kaum ersteigbar erscheinen- 
rlen Absturz mit stellenweise fast senkrechten Wänden um 300 — 400 nr ab. 

Der nordwestlichste Zug, welcher das linke Ufer des Mungo in der 
Gegend voir Etam bildet, erreicht dort nur eine Höhe von wenig mehr 
als 4«i m, dem iVfungii zu fallt er steil ab. Der Weg nach Mafura lünauf 
fühlt etwa ,5tx) nr vom Unken Flußufer entfernt in einem kaum mctcr- 
brciten, scharf in den Bruchrand eingeschnittenen Tälchen mit starker 
Steigung (zuweilen bis zu 35") in die Höhe. 

Die tiefeinschneidende Verwerfimg des Mungotals trermt das Gebirge 
iri seinen südlichen Ausläufern in einen kleinen westlichen und den weiter 
ausgcdeJmten Tistlichen Teil. Einem OW- Bruch begegnete ich in dem 
hier kaum noch bis zu 500 m aufragenden Bergland bei dem Dorf e Muyuka; 
i'iiieii ähnlichen wenig weiter nördlich gelegenen benutzt offenbar der 
Kiddebach auf seinem Wege zum Mungo. 

In seinem m'a-dlichen Teil, so zwischen Etam und Mafiu'a und das 
Kiddetal cndang, ist das Gebirge, dessen Hauptmasse aus altkr3'stallinen 
Gesteinen (s. Gest.-Beschr. 15, 16, 17, 18, ig) besteht, vielfach mit Basalt- 
ei-güssen liodcM'kt ; in dem südlichen Teil dagegen fehlen jungvulkanische 
('(■steine sclii'inliai i^;miz. Ober einige Ganggestcinc ;uis tlicsem Gebiet zu 
bcri( hu-ii, lirli.illc ich mir für spätere Zeit vor. 

Das Bafarami-Gebirge ist durch ein tiefes und breites Hochtal gegen 
den Mungnzug abgegrenzt. Nach dem Nkusi-Bruchlaml . speziell dem 



34 I5r. Ernst Esch: 

Kidcletal, fällt es ilußerst steil, stellenweise iu mehreren hundert Meter 
hohen senkrechten Wänden ab. Es bildet einen gewaltigen Gebirgs- 
stock, der aus zahlreichen bis 2000 m hcjhea Horsten und tief einschneiden- 
den Schrunden i^usammengesetzt ist. Ich habe das Gebirge seiner Un- 
wirtlichkeit wegen nicht besuchen können, verweise aber auf Tafel Nr. 1, 
aus der man in etwa, einen Eindruck von dem Ijau desselben wird ge- 
winnen können. 

Das Nkosi-Bruchland ist begrenzt im Norden durcli das Manen- 
guba-Gebirge, im Westen durch das Bafarami-Gebirge und den Mungozug 
und im Osten durcli die Höhen von Bonandam. Nach Süden zu (vergl. 
Beschreibung der Linie to kra nördlich Nyanga nach 15 km östlich Mungo - 
Schnellen) geht es ohne scharf markierte Grenze in das sedimentäre V(ir- 
land über. 

Ungefähr in seiner Mitte erliebt sich ein gewaltiger Horst, der Ivope. 

Vom Manenguba-Gebirge aus ist das Land in zahlreichen kleinen 

ostweststreichenden Staffelbrüchen gegen das Bafarami-Gebirge und den 

Mungüzug und die Höhen von Bonandam aber in der Richtung dei' 

»KamerunJinie« ohne Stufenbildung abgesunken. 

Von der Linie Nyanga-Mungo-Schnellen steigt das Land erst allmrihlich 
in breiten, schwach nach Süden geneigten Stufen an, je mehr man sich 
aber dem Manenguba-Gebirge nähert, desto zahlreicher, kürzer und höher 
werden dieselben. Fan, an dem Rande des sedimentären Gebiets, liegt 
L)C) m über dem Meere (Siedepunktsbestimmung im Hause des Häuptlings 
Soko), Lum (Nji-Platz Siedepunlasbestimmuag) 260 m, Ngoinbo 820 m 
(Siedepunktsbestimmung), Bamba Djewe 900 m (Siedeptuiktsbestimmung), 
Mamena 1180m (Aneroid), Moambo 12 10 m (Siedepunktsbestimmung), Ni- 
nong 1540 m (Siedepunktsbestimmung). 

Zwischen dem Kopc und dem Mungozug nimmt das Brucliland in 
typisclier Form den Charakter- einer Grabeuversenkung an, die einerseits 
durch den in geraderer Richtung NO — SW verlaufenden Bruchrand des 
Barafami-Gebirges und des Mungo-Zuges und andrerseits durcli die Bruch- 
linie, welche von Ninong nach Nyasoso verläuft, gebildet wird. Von Ninong 
bis in die Nähe von Ngonibo ist letzterwähnte Linie nur durcli eine wenig 
markante und vielfach aussetzende Terrainstufe angedeutet, von Ngombo ab 
bis in die Nähe von Ngab aber tritt sie in einem scharfen Steilabfall (bis zu 
300 m zwischen Nyasosso und Nguschi) deutlich hervor, In seiner nortl- 
östlichen Veriängerung zieht sich der Graben, den ich nach dem ihn 
durchfließenden Bach das Kiddetal nenne, von Nguschi (620 m Aneroid) 
bis Moambo in zahlreichen kleinen Stufen bis zu 1200 m Meereshohe 
steigend, von da an aber nur noch allmählich ansteigend in einer Breite 
von annähernd 10 km als ein weites^ Hochtal zwischen dem Manenguba- 
Gebirge und dem Bafarami-Gebirge hin, und scheidet so ilie beiden 



Allgemeln-Geologiselies. 35 

niächtigeu Gebirgsstöcke voiieiiiaiidcr. Die liriu-listellen des übrigen Teils 
des Senkungsgebiets gegen den Ki.ipc hin sind in ilicen, tieferen Regionen 
durch Lavenergüsse ausgeglichen. 

Das ganze Bruchland ist mit einer zusammenhangenden, aber nicht 
sehr mächtigen Schicht von jungvulkanisclien Gesteinen, Basalten und 
deren Aschen bedeckt. Dieselben entstammen zahlreichen, stellenweise 
dichtgedrängten, kleinen Vulkanen, die über das ganze Gelände imregel- 
mäßig verstreut liegen. Nirgendwo erheben sich dieselben mehr als 
130 m über das .sie umgebende Gelände, und vielfach bilden sie nur 
20 — 50 m hohe Ringwälle mit geringer, zentraler Einsenkung, die aus 
1 — 10 mm großen Lapilli und wenigen größeren Bomben, auch vereinzeUen 
Brocken altkrystalliner Gesteine aufgebaut sind. 

Die Weite der Kra.terkessel schwankt zwischen k.o — 1200m, ihre Form 
ist nreist sehr gut erhalten. Lavaströmc; haben sie nur in geringer Menge ge- 
liefert. Ihre Tätigkeit sclieint nur kurz gedauert und mit einigen Ausnahmen 
darin bestanden zu haben, daß sie ihrem gemeinsamen Eruptionsherd 
als Schlote dienten, durch die er sich von einem übermächtigen Gasdruck 
befreite. Bei solchen Explosionen wurden dann zwar beträchthche Mengen 
\on Aschen herausgeschleudert, zu La,venergüssen kam es aber nur au 
einigen Stellen. Typische Tuffe, zu deren Bildimg es wohl länger anhalten- 
der und feiner Aschenregen bedurft hätte, habe ich in dem Bruchgebiel 
nicht gefunden. 

Eins der schönsten Beispiele für diese Explosionskrater findet man 
in dem östlichen Teil des Dorfgebiets von Sundem; der Durchmesser 
des kreisrunden Kraters ist etwa 600 m, seine Höhe beträgt 20 — 30 m 
und seine zentrale Einsenkung etwa 15 m, die Kraterwände fallen nacli 
innen zu steil, nach außen ganz allmählich ab; durch einen fast 13 m 
tief eingeschnittenen, an einigen Stellen kaum nreterbreiten Hohlweg ist 
die Urawallung vorzüglich aufgeschlossen, sie liesteht aus einer nur lose 
verkitteten und ungeschichteten Masse von liirsckorn - waluuRgroRen 
Bomben und wenigen eckigen Gneisbrocken. 

Den Untergruntl des Biuchgebiets bilden ausschließlich ahkrystalline 
Gesteine. In Auswürflingen der Vulkane und namentlich an den Bruch- 
flächen treten dieselben zu Tage. In dem süillichen Teil bei Mfun, Lum 
und Mamelo sind es mehr oder weniger stark gepreßte, grobkianige 
und feinkörnige Granitite von grauer, gelber und rötlicher Gesamifarbe 
und sehr verschieden ausgebildete Biotitgneise (s. Gest-Beschr. 21 und 22). 
An den genannten Stellen fhiden sie sich an den Gehängen kleiner Terrain- 
slul'en in zahlreichen Blöcken oder auch anstehend, aber nie so gut auf- 
Scschli isscn, (Las inan ihre Lagerung erkennen kann. 

In tlcm nörillichcu Gebiet habe ich anstehend nur H(unl)lriidcs\ cnll 
Wild eine ans dcniscllH^n hervorgehende Hälleflinla angetniffcn. Drei Kilo- 



;-5f; Dr. Ernst Esch: 

nieter uördlic.h von Bamba Diebe führt der Weg uach Maniena steil einen 
ostweststreiclienden, ungefähr 200 m hohen Abhang hinauf zu der Terrasse, 
auf welcher Mamena hegt ; der untere Teil desselben ist stark mit grossen 
mid kleineu Blöcken eines verwitterten, mürben, graugelben, grobkörnigen 
Hornblendesyenits überrollt. Bei annähernd looo m Meereshöhe wird der 
Anstieg sehr steil, hier steht in 5 — 20 Kubikmeter großen Klippen eine 
mattdunkelgrün und rotgebänderte HälleFlinta an (s. Gest.-Beschr. 23), 
dieselbe zeigt auf kurze Entfernungen sehr große Verschiedeulieit, bald 
bildet sie eine einheitliche, scheinl^ar dichte, kantendurchscheinende Masse, 
bald stellen sich kleine und größere Kins])renglinge von Orthoklas ein, 
die bald dichtgedrängt imd in Reihen angeordnet, bald vereinzelt oder 
in handgroßen Flecken angehäuft in der Grundmasse eingebettet liegen. 
Die an Einsprengungen armen Partien herrschen aber bei weitem vm-. 
Je weiter man dieselben nach obenhin verfolgt, desto mehr reichert sicii 
in ihr der Gehalt an Kin.sprenglingen, imter denen man zuweilen schon 
Homblendekörnchen erkennt, an, bis sie das homartige Aussehen gänzlich 
\-erliert, die Struktur des Gneises (s. Gest.-Beschr. 24) annimmt und 
schließlich in einen richtungslos körnigen, ciuarzarmen Hornblendesyenit 
übergeht. Ix-tzterer zeigt aber auch in seinen höchsten Lagen, am Rande 
des Plateaus, dicht unter den ihn bedeckenden basaltischen Materialien, 
sehr deutUc:he Kataklasstruktur. 

Der Kope. Wie ein gewaltiger Srmlenstumpf auf gedrungener Basis er- 
hebt sich der Kope weithin bis zurSi.e sii htbar steil aus dem Nkosibruchland. 
Er stellt einen tyjaischen Horst dar. N;i<'li allen Mimniclsrichtiingen fällt sein 
Gipfel in glatten Bruchflädien um 200 — ,300 m senkrecht ab. Durch zahl- 
reiche Sprünge sind von dem Hauptstock drei einzelne frei aufragende 
Pfeiler, die ich mit Horst i, tmd 7 bezeichne, abgetrennt. Aus dem 
Hauptstock selbst ragen, wie um der ganzen Masse einen festeren Halt 
7.n p;ebcii, gewaltige Strebepfeiler (Horst 2, 3, 4 und 5) hervor, wodurch 
der (^)iii isclmitt desselben oder seine Projektion auf die Ebene eine eigen- 
tümliche-, sternförmige Figur erhält. 

Durch die Mitte des Gipfels zieht sich in ostwestlicher Richtung ein 
40 — 50 m tief scharf eingeschnittenes Tal, dessen Sohle 8,5 m unter dem 
höchsten Punkt des Berges liegt, und teilt den liauptstock in eine größere 
südliche und eine kleinere nördliche Hälfte. Die Wände des Tals steigen 
am östlichen und westlichen Ende fast .senkrecht, in der Mitte des Mas- 
sivs unter einem Winkel von 30 — 35" auf; zweifellos stellt es eine Ver- 
werfungskluft dar. Kaum loo m von dem östlichen Steilabfall des Haupt- 
berges entspringt in demselben der Mbule-Bach; er durchfließt das Tal 
in kaum 2 km langem Lauf in westlicher Richtung und stürzt dann senk- 
recht den hier noch etwa 150 m hohen, westlichen Steilhang hinab. 

Nach Nl, )lnii entsendel der Gipfel eineu 5— 10 m breiten und etwa 



Alljjemcin-Geologisclic! 



37 



300 m langen Grat, dei- nach NW und SO erst um wenige Meter fast 
senkrecht, dann weniger steil mit 20 — 35 " einfällt, nach NO hin bricht 
derselbe in mehreren, 3—5 m hohen Stufen ab und senkt sich dann unter 
einem Böschungswinkel von luigefiihr 30", bis er in der Basis des Berges 
verschwindet. 

Den höchsten Punkt des Berges bildet der »Horst 5t; derselbe erhebt 
sich nach mehreren Siedepunktsbestinimungen und Höhenmessungen mit 
Darmers Reise-(Quecksilber-)Barometer 2070 m über den Meeresspiegel. 
Von diesem Pimkt aus, der inr Gegensat/, zu dem übrigen Teil des 
Gipfels, der dicht mit Urwald bedeckt ist, nur mit Gras und niedrigen 
Kräutern bewaclisen ist, hat man einen vorzüglichen Überblick über c^en 
geologischen Bau des Landes und den Verlauf der denselben bedingenden, 
l('l-tr,nisrh.-n |,inipi, (Taf, Hl M:in Überblick- l,i.=r .-hir-r' ;,Toßen Teil der 




Abb. 3. Die NIoiiako-Berge 



1 Gipfel des Kope aus gestJjen. 



Biafra- Bucht mit der Insel Fernando Po, von tier MüTidung des Rio dcl Rey 
bis nach Kribi hin. Der Kamerunberg und das große Astuarium der Ka- 
merunflüsse, das weite sedimentäre Vorland, das Nkosi-Bruchland, die 
Nlonakoberge, das Manengubagebirge und das Bafaramigebirge liegen bei 
günstigem Wetter klar vor einem wie auf der Karte. Durch wiederholte 
astronomische Azimutbestimmungen, häufige Peilungen nach den hervor- 
ragendsten Punkten und photographische Aufnahmen wurde ein nicht 
unbeträchtlicher Teil des Materials gewonnen, welches der \'on Herrn 
Moisel konstruierten Karte zu Grunde liegt. Der Ausblick nach SW 
ist leider durch den Urwald verdeckt. 

Die Hauptmasse des ganzen Gebirgsstocks l;)estcht von 700 — 800 m 
Meereshöhe an aus einem mittelkömigen, zuweilen auch porphyrisch aus- 
gebildeten Syenit, der als dunkle Gemengteile nur Pyro.Ken oder Pyroxen 
mit mehr oder weniger großen Mengen von entweder grüner oder brauner 
Hornblende, oder auch nur grünen Amphibol führt. Biotit tritt nur recht 
selten in kleinen Fetzchen auf. Ihrem mikroskopischen Befund nach 
(chemische Analysen sind noch nicht gemacht) sind die Gesteine mit Aus- 



38 r)r. Ernst E.scli: 

nähme eines vcirkoiTmieTuJen Alkalikalksyenits ;un Norciluing <l(,',s Berges 
Isei Ngab, fast reine AlkaIi-S}'eBitP, Plagioklas komite in den Schliffen 
nur in ganz geringen Mengen nachgewiesen werden. 

Der Augit ist nicht selten, von grüner Hornblende mantelförmig um- 
wachsen ; von besonderem Interesse ist, daß derselbe in mehreren Varie- 
täten des Gesteins eine von außen nach innen fortschreitende allmähliche 
Umwandlung in Aegiriu-Augit bis Acgirin zeigt. Diese Erscheinung ist 
durchaus verschieden von der Umwachsung von Augit durch Aegirinaugit 
oder Aegirin (s. Gest.-Beschr. 25, 26, 27, 28). Diese große Syenitmasse 
ist von zahlreichen Gängen durchzogen, die mit verschiedenen sauren und 
basischen Gesteinen ausgefüllt sind. Eine nähere Beschreibung derselben 
behalte ich mir für eine spätere Publikation vor. 

Rings um den gewaltigen, senkrecht aufsteigenden Horst herum sind 
auf den Bruchflächen, an denen die unigelienden Gesteinsmassen abge- 
sunken sind, beträchtliche Massen von basaltischen Laven aufgequollen 
und haben seine Basis mit einer mehr oder weniger mächtigen Schicht 
von massigem Basalt, Blocklava, oder feinen und groben Aschen, ein- 
gedeckt. 

Durch die iji großer Zahl von den Höhen lierab stürzenden Bäche 
ist die Decke am westlichen Abhang des Berges, namentlich da wo sie 
nur aus lockerem Auswurfmateriäl besteht, durchbrochen und die altkry- 
stalline Unterlage freigelegt. Stellenweise sind die Aschen auch so dünn 
gefallen, daß sie nicht ausgereicht haben be.sonders hervorragende Klippen 
des Untergrundes ganz einzuhüllen. 

Sehr häufig finden sich in den Ascheu große Blöcke von Syenit unti 
Gneis enigelagert, zuweilen haben dieselben ganz gewaltige Dimensionen 
mit einem Mralt von 10, 20 und 50 Kubikmeter. Je mehr man sich 
dem Bruchrand nähert, desto unentwirrbarer wird das Chaos von Gneis, 
Syenit und Basaltblöcken, Strömen und Ascheu; Aufschüttungskegel und 
Krater habe ich am Westabhang in unmittelbarer Nähe der dortigen 
Bruchfläche niclit ausfindig machen können, obwohl ich das Gebiet in, 
allen Richtungen durchquert und von den verschiedenen Aussichtspunkten 
des Gipfels, den Horsten i, 2, 3 und 4, eifrig nach solchen gespäht habe. 
Die Lavenausbrüche haben daher wohl nur kurze Zeit angedauert und 
sind offenbar mit großer Vehemenz rmd über die ganze Spalte fast gleich- 
zeitig erfolgt. 

Anders am Nordostabhang. 

Dort hat sich auf der tief aufklaffenden, G-W streichenden Spalte, 
die den wie eine schlanke Säule aufragenden »Horst 7« (dessen höchster 
Punkt liegt nur etwa 300 m unter dem Gipfel des Kope und etwa 1300 m 
vom >>Horst 5« entfernt) von dem Hauptmassiv des Berges trennt, ein mädi- 
tiger Vulkan aufgebaut. Den Gipfel des Vulkans bildet ein etwa 300 m 



Allgemein-Geologisches. 39 

wciü:!', ticfcingesonkter Krater, dessen Umwallung im nordwcstliehen Teil 
durchbrochen ist. Sein höchster Punl<t bleibt nur etwa 200 ni unter dem 
Gipfel des Kope. Die Laven und Aschen dieses zwi.schen den beiden 
Horsten eingeklenjmten Kraters haben nach Osten und Westen hin ab- 
gießend' die Basis der Horste mit einem dic:hten Mantel von basaltischen 
Gesteinen uinhüUt. Die feineren Aschenteilchen aber, die lioch in die 
Luft geschleudert und \(iin\\'ind weitergeführt wurden, haben den ganzen 
Gebirgsstoclc tiberall ddit, wo sii' haften bleiben konnten, mit einer Decke 
von feingeschichtetem Tuff überzogen. So trägt der Gipfel des Kope 
eine dichte, bis zu 20 ni mächtige Kappe solcher Tuffe, dieselben sind 
horizontal gelagert. Nur an dem äußersten südliclien Rand des Gipfels 
sind sie der Erosion zum Opfer gefallen, so dalä die den großen Horst 
bildenden Gesteine zu Tage treten. 

Allein den in so großen Mengen über das Gebirge verschütteten 
j imgvulkanischen Auswurfmassen, die seine schroffen Formen, wo sie niclit 
gerade allzusteile oder gar senkrechte Felswände bildeten, ausgeglichen 
haben, verdankt man die Möglichkeit, den Gipfel erreichen zu können. 
Westlich von dem Hauptkrater des Kope haben sich auf derselben Spalte 
noch mehrere bis zu 1200 und 1000 m hohe Aschen- und Lavakegel auf- 
gebaut, deren äußerster auf dem Rande der Basis des Hauptmassivs ge- 
legen, die Dorfgebiete von Sundem und Nyasoso trennt. 

Die Basis des Horstes, den ich auf den vorhergehenden Seiten mit 
einem gewaltigen Säulenstumpf verglich, bildet in iliren peripherischen Teilen 
annähernd ebene Flächen, die von den Dorfbezir];en Ngab (400 m), Esoke 
(480 m), Mbule (640 m), Nyasoso (846 m, Siedepunktsbestimnumg im Be- 
zirk des Häuptlings Njebe) und Sundem (810 m) eingenommen werden. 
Nac:h Westen und Norden fällt die Basis steil um 100 — 300 m ab, nach 
Süden zu verläuft sie allmählich in das weite Nkosi-Bruchland. 

Auf dem äußeren Rande derselben oder doch in dessen unmittelbarer 
Nähe erheben sich zalilreiclie, kleine, vulkanische Aufschftttungskegel von 
()ü— i5üm relativer Höhe. Einer derselben, dessen Lage mitten in dem lang- 
gestreckten Dorfe Nyasoso für meiiie Zwecke besonders geeignet war, liat mir 
längere Zeit als Lagerplatz gedient. Nach einem Nyasoso- M;inn, der auf dem- 
selben vor Jahren eine kleine Farm angelegt liatte, erhielt er den Namen 
Ekone Sungale. Es ist ein kleiner abgestumpfter Kegel, der aus leicht ver- 
witterten, feinen Aschenteilchen, LapiUi, Bomben und ausgeworfenen Brocken 
altkrystalliner Gesteine besteht. Seine Höhe über tiem Meere wurde aus 
dem Mittel von fünf Siedepmiktsbestimmungen und zwei Messungen mit 
Darmers Reisebarometer zu 918 m ermittelt. Seine relative Höhe (über 
dem Dorfgebiet) beträgt ungefähr 70 m. Seinen Gipfel bildet eine läng- 
lich-runde, ebene Fläche mit einem Durchmesser von 50 — 80 m. Um 
einen Überblick über das umliegende Gelände zu erhalten, licfS ich den 



4(1 Dr. Ernst Esch: 

Gipfel abholzen und, da ;i,uch dann (Jer Rundblick noch ni<:ht ganz frei 
war, einen kleinen, 2 m hohen Hügel aufwerfen. Von diesem aus, dessen 
Lage durch mehrere Polhcihebestimmungen und Peikmgen nach dem 
Kamerunberg ermittelt werdeti konnte, wurde mit Hülfe von Rundpeilungen 
und astronomischen Azimutlicstinnnunc^en die relative Lage der hervor- 
ragendsten umliegenden Berggi|)fel bestimmt und durch zahlreiche ]-)hot(i- 
graphische Aufnahmen der Charakter der Landschaft und die Form der Ge- 
birge fixiert. Vergl. Tafel. 

Das die Basis des Gebirgsstockes bildende Grundgebirge tritt nur 
an wenigen Stellen, so zwischen Ngab und Esoke, zwischen, Esokc und 
Mbule und südöstüch vom Dcjrfe Nyasoso zu 'l'ago, docli gelicn zahl- 
reiche, große und kleine Auswürfüugc der ihm aiilm'siti'lcii Ki^itci imt jenen 
Vorkommnissen zusammen genügenden AufscliluH über seine Ijcschaflcnheit. 
Es besteht aus mehr oder weniger gepreßten, gx-ob- (3der feinkörnigen, 
grau, gelb imd grünlich gefärbten Hornblendesyeniten, die nicht selten ty- 
pische Gneisstruktur zeigen. Durch Aufualnnc oder reichlicheres Auftreten 
von Biotit in diesen sonst biotitfreien oder biotitarmen Syeniten gehen 
tUeselben in Biotit-Hornblende-S\enit bezw. in Biotit-Hornblende-Gneis 
über. Quarz führen die Gesteint- stets, aber meist nur in geringen Mengen. 

Vertreter der am häufigsten gefundenen Typen sind in dem Abschnitt 
Gesteinsbeschreibung unter Nr. -'y— 31 näher charakterisiert. 

Die Laven und Ascheu der zahlreichen Vulkane, die sich a.uf den 
Bruchflächen aufgebaut haben, an denen das Nkosil^ruchland gegen den 
K(jpe, den Mungozug, das Bafarami-Gebirge, das Manenguba-Gebirge und 
die Höhen von Bonandam abgesunken ist und eliensu derjenigen, welche 
scheinbar ohne regelmäßige Anordnung über das weite Bruclijand in großer 
Zahl zerstreut liegen, haben auffallend einheitlichen Cliaraktcr. Es sind 
durchweg olivinführende Basalte voti aschgrauer bis schwarzgrauer, seltener 
schwarzbrauner Farbe. Feldspat fehlt als Einsprengling "durch'aus, die 
krystalline Ausscheidung in dem Magma hat stets mit der Bildung von 
Glivin begonnen, fast gleichzeitig mit dieser setzte in einigen Varietälten 
die Krystallisation von Augit ein; während letztere fast stets bis zur Er- 
starrung des ganzen Gesteinskörpers imunterbrochen fortdauerte, hörte das 
VVeiterwaclisen der Olivinc weit früher, vielleicht mit der Eruption, auf, 
und in manchen Fällen wurden die schon gebildeten Olivine zum Teil durch 
das Magma, wohl namentlich durch che durch den Erguß bedingte Ver- 
änderung in dem physikalischen Zustand des Magmas wieder aufgelöst, 
was sich im Schliff durch stark korrodierte Form der Olivinschnitte kund- 
gibt. Die Grundniasse ist entweder holokrystallin mit mehr oder weniger 
charakteristiseh au.sgebildeier diabasisch-körniger Struktur und besteht dann 
;i,as divergentstraiiligen Feldspat-Leistchen und jüngeren Augit- und Erz- 
kornchen oder hypokrystallin entwickelt und zeigt dann nur wenige, uu- 



Allgemein-Geologisclii-s. 41 

sicher begrenzte Feldspat-Lei.stchen, kleine Augit- utkI Erzkörnchen und 
eitle mehr oder weniger tief braungefärbte, glasige, einheitliche oder zum 
Teil allmählich in Plagioklaspartien mit mangelnder krystallographischer 
Umgrenzung übergehende Basis. Andere farbige Geraengteile als Augit 
und OliVin wurden nicht beobachtet. Über speziellere Beschreibung 
einzelner Typen siehe Gest.-Beschr. 32 — 39. 

Die Basalte treten als kompakte Ströme oder als Blocklava, in Bomben, 
Lapilli und feinen Aschen, welch' letztere aber nur selten zu Tuffen \'erkittel 
sinil, auf. Säulige oder plattige Absonderung habe ich nicht beobachtet; 
Wo die Lavaströme einigermaßen durch die Wasserläufe aufgeschlossen 
sind, so z. B. an mehreren Stellen des Weges von Ngab nach Nyasoso, 
bei Muyuka und am Wege von Ngab nach Lom bilden sie kompakte 
Massen von 5 — 10 m Mächtigkeit, ganz vom Wasser bis auf die Unterlage 
durchnagt habe ich keinen Strom gefunden, weshalb eine genauere An- 
gabe eines Ma.ximums der Mächtigkeit nicht möglich ist. Aus der Kon- 
figuration des Geläirdes kann man aber mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit 
schließen, daR sie wohl kaum bis auf 20 m steigt. Auch die horizontale 
Ausdehnung der Ströme ist eine wenig bedeutende. 

Die loseu Auswurfmassen, die auf den BasaltstrCnnen in nur selten 
geschichteten, meist ungegliederten Massen von 5 — 15 m, vielleicht auch 
noch stellenweise bedeutend größerer Mächtigkeit, oder auch unmittelbar 
auf den altkrystallinen Tiefengesteinen lagern, sind rötliche, seltener 
schwarze, blasige Basaltgläser, die auch in den dünnsten Schliffen kaum 
durchsichtig werden; zum Teil führen sie kleine Olivin- oder Augiteinspreug- 
linge oder beide, oder sind auch ganx frei von solchen. 

Die Verwitterung derselben ist nur sehr wenig weitgehend, sie be- 
steht ausschließlich in einer oberflächlichen Kaolinisierung des glasigen 
Materials. Der Boden nimmt dabei eine gelbgraue bis ockergelbe, seltener 
braune Farbe au und bleibt sehr locker. Dort, wo er noch mit Urwald 
bestaTiden ist, zeigt er meist einen großoii llumusrcichtum und daher 
tiefschwarze Farbe. 

Der fruchtbarste Boden, den ich auf meinen Reisen angetroffen habe, 
findet sicli, wie ich bereits in meinem Vortrag vor der Geographischen 
Gjesellschatt in Berlin, Verh. d. Gesellschaft für Erdkunde in Berlin, 
Hicx), ig. Heft 5 p. 278, erwähnte, in dem Gebiet südlich vom Kope. 

Der wenig weit fortgeschrittene Verwitterungszustand der Gesteine imd 
die bis jetzt nur geringen Erosiouswirkungen der steil von den Bergen herab- 
stürzenden Bäche lassen mit ziemlicher Gewißheit darauf schließen, daß 
der Erguß der Gesteine in einer wenig weit zm'tickliegenden Epoche 
erfolgt sein muß, genauere Daten lassen sich aber bei dem gänzlichen 
Mangel von Sedimenten in diesem Gebiet, die mit deti Basalten in Be- 
ziehung gebracht werden könnten, nicht angel)cn. 



42 :i)r. Krnsl Esch: 

Das Manenguba- Gebirge stellt einen einheilliehen, von Ost nnrh 
West streicliendon, langgestreckten Höhenzug dar, dessen Kamin sich, niit 
einer durchschnittlichen Erhebung von ungefähr 2900 m über dem Meere 
und in einer Breite von bald i, bald 3 und 4 Kilometer, in gerader Richtujig 
etwa 15 km hinzieht. Nach Süden zu fällt er die ersten 600—800 m sehr 
steil, dann allmählicher mit einem Böschungswinkel von fo— 15» ab und 
geht darauf in mehreren kleinen Staffelbrüchen nach luid nach in das 
Nkosi-Bruchland über. Nach Norden hin senkt er sich unter fihnlichen 
Verhältnissen zu einem weiten, etwa tooo m über dem Meere gelegenen 
Hochland, aus dem einzelne schroffe Gipfel bis zu etwa iqoo m aufragen. 
NarJi Osten hin fällt er zunächst etwa 500 m sehr steil (40—45"), dann 
um etwa 800m mit einem Böscliungswinkel von 15— 20O zu einem hügeligen 
Geliinde, in welches das Nkosi-Bruchland ausläuft, ab. Nach Westen 
senkt er sich mit ziemlich gleichmäßiger Neigung von ungefähr 10" bis 
zu dem, breiten Hochtal von Ninong (der Fortsetzung des Kiddetalos), 
welches das ManengulM.-Gebirge von dem Bafaramigebirge trennt. 

Der westliche Teil des Gebirges wird von einem mächtigen Krater- 
kessel von 2 — 2'/'a km Durchmesser eingenommen. Von den Ninong- 
Leuten wurde er Ebogga genannt. Der flache Boden desselben Hegt nach 
einer barometrischen Messung 2060 m (Anoroid) über dem Meere. Der 
Kraterrand bildet im Norden und Westen einen zusammenhängenden, 
nur im nordöstlichen Teil ein wenig eingesenkten Wall von durchschnittlich 
60 m Höhe über dem Kraterboden. Im Westen und Osten geht er in 
mehrere 100—150 m über den Kraterboden aufragende Kegel über, von 
denen zwei nach einem Beri<;ht des Kaiserlichen Richters in Kamerun, Tiel, 
der als erster Europäer nach mir das Gebirge bereist hat, kleine Krater- 
seen tragen. 

Nach innen zu fallen die Kraterwände des Ebogga sehr steil ein und 
bilden an mehreren Stellen senkrechte, gewaltige Mauern aus säulenförmig 
abgesondertem Basalt und Homblende-Trachyt (s. Gest.-Beschr. 43 u. 45). 
In der Mitte des Kessels erheben sich auf dem horizontalen Boden meh- 
rere kleine Aufschüttungskegel von 30—40 m Höhe. Nach Norden und 
Süden fällt der äußere Kraterrand ziemlich steil, nach Westen dagegen 
allmählicher ab. 

In östlicher Richtung habe ich den Kamm des Gebirges nicht weiter 
verfolgen können, da meine Träger zu sehr unter der Kälte (während 
meines kurzen Aufenthaltes auf dem Kraterrand ging ein schweres Hagel- 
wetter auf uns nieder) litten, die Lufttemperatur betrug 4-4" C. 

Aus der Form, in welcher das östliche Ende des Kammes abbricht, 
möchte ich schließen, daß das Gebirge ähnlich wie der Kope einen Horst 
aus alten Tief engesteinen darstellt, der durch jungvulkanischc sehr mächtige 
Auswurfmassen bedeckt ist. 




Abb. 4. Gipfel des Kope. (Horst I). 



Allgemein-Geologisches. 43 

Der Westabi laiit;, den ich allein begangen habe, führt nur auf seinem 
Kamm und nur in dessen höheren Teilen feste, anstehende Gesteine; die 
Abhänge und Schluchten bestehen aus einem massigen, ungeschichteteu, 
stark tonlraltigen, aber nicht plastisclien Material, welclies höchstwahrschein- 
lich stark verwitterte, vulkanische Asche darstellt. 

Die geologische Erscheinungsform der auf dem westlichen Kamm 
anstehenden Gesteine konnte wegen mangelnder guter Aufschlüsse nicht 
gedeutet werden. Nur die einen Teil der Kraterwände des Ebogga 
bildenden säulenförmig abgesonderten Basalte weisen auf Oberflächen- 
ergüsse hin. Kaum loo m westlich vom Ebogga unter dem Niveau des 
Kraterbodens steht auf dem Kamm ein Gestein an, dessen Struktur die 
Annahme nicht zuläßt, daß es als ehemaliger Strom aus jenem Krater 
geflossen sei. Es ist ein grobkörniges Plagioklas-Augit-Olivin-Gestein mit 
typischer, diabasisch-körniger Struktur (s. Gest.-Beschr. 44). Ich fasse das- 
selbe als den inneren Teil eines älteren mächtigen Ergusses auf, dessen 
peripherische Teile der Verwitterung zum Opfer gefallen sind; demnach 
würde das Manenguba-Gebirge in seinem westlichen Teil aus einem alten 
Kern von grobkörnigem Diabas bestehen, der ehemals weit größere Di- 
mensionen besaß, nach seiner teilweisen Abtragung aber durch jungvulka- 
nisches Material eingedeckt wurde. 

Am äußersten westlichen Abhang des Gebirges finden sich in tief 
eingeschnittenen Schluchten und auch in einem Bachbett dicht bei dem 
Dorfe Ninong größere und kleinere Blöcke von recht sauren Trachyten, 
die in einzelnen Beispielen schon deutlich den Charakter von Lipariten 
bezw. Quarzporphyren haben (s. Gest.-Beschr. 41 u. 42). 

Dieselben haben eine granophyrische Grundmasse, in der häufig 
Quarz nachweisbar ist. Als Einsprengunge führen sie aber nur Orthoklas 
und wenig sauren Plagioklas, Quarz wurde als Einsprengung nicht beob- 
achtet. 



II. Teil. 
Ge st e in sbe Schreibung, 



1. Glimmerschiefer. 

(Vergl. p. 24.) 
An den Nordfällen des Sanaga, bei Edea. 

Schwärzlichgrünes Gestein in 15 m mächtiger nicht gebankter Masse, 
die Schichtung ist äußerst fein. Es besteht zu ungefähr gleichen Teilen 
aus Augit, Hornblende, Biotit und Quarz. Erz (wahrscheinlich Magnetit) 
ist nur in selir geringer Menge vorhanden. Titanit tritt in nicht seltenen 
bis 0,2 mm großen, gerundeten Kömchen oder in spitzrhombischen Schnitten 
auf. Auch Apatit in kurzen, dicken Säulchen, die bis 0,3 mm lang und 
0,15 mm breit werden, ist häufig. Feldspat ist nicht häufig. Die Struktur 
ist eine hypidiomorphkörnige mit deutlich erkennbarer, aber nicht gerade 
typisch ausgebildeter Anordnung der einzelnen Mineralien in parallelen 
Lagen. Glimmer und Hornblende sind zwar zum größeren Teil in der 
Richtung der Flaserung gestreckt, aber vielfach treten sie auch in den 
ihrer natürlichen Formbildung entsprechenden, nie aber eigentlich idio- 
morphen Gestalten auf. Die Korngröße ist für alle wesentlichen Gemengteile 
ungefähr gleich. Eine bestimmte Altersfolge der einzelnen Mineralien ist, 
was ja im allgemeinen eins der Hauptkennzeichen der krystallinen Schiefer 
ausmacht, nicht vorhanden. Es wurden Einschlüsse \on jedem Mineral 
in jedem andern beobachtet. 

Der Augit scheint ein Mallakolith zu sein; sehie Farbe im dünnen 
Schliff ist sehr lichtgraugrün mit einem leichten Stich in's Gelbe. Pleochrois- 
mus ist nicht zu erkennen. Die Polarisationstöne sind recht hoch, auch 
das Relief, seine Auslöschungsschiefe (c : c) wurde nicht höher als 42 <> be- 
obachtet. Prismatische Spaltbarkeit ist stets deutlich ausgeprägt; sie ist 
fast stets mit einer auch gut ausgebildeten Teilbarkeit nach den Pinakoiden 
verbunden. 

Die Hornblende zeigt außerordentlich hohen Pleochroismus : || b dun- 
kelgraugrün, ,;n hellgelb und ^ c kräftigblaugrün ; ihre Auslöschuugsschiefe 



Gesteinsbeschreibung, 45 

C : c, beträgt 24 ". Die Polarisationstöne sind recht Irocli. Die prismatische 
Spaltbarkeit ist sehr deutlich, solche nach der Symmetrie-Ebene oder 
nach einer anderen Fläche tritt nicht auf. Zwillings Verwachsung wurde 
nicht beobachtet. 

Der Biotit zeigt in dünnem Spaltblättchen gelbbraune Farben; er ist 
nicht sehr tief gefärbt und wird im Schliff, wenn er nach nP(ooi) ge- 
troffen ist, immerhin noch ebenso durchsichtig, wie die Hornblende, wenn 
in deren Schnitt senkrecht zur Prismenzone das Licht parallel c schwingt. 
Das, welches senkrecht zur Spaltbarkeit schwingt, wird in dem Biotit 
sc^hr wenig absorbiert ; Schnitte, senkrecht zu OP, zeigen, wenn ihre Spalt- 
ris.se parallel der Polarisationsebene verlaufen, sehr helle, gelbliche Farbe. 
Eine Schiefe der Auslöschung gegen die Spaltrisse ist nicht zu be- 
obachten. Dürme Spaltblättchen zeigen im konvergenten Licht ein schein- 
bar ungestörtes Interferenzkreuz, welches sich beim Drehen nicht merklich 
■'iffnet. 

Der Quarz zeigt vielfach Druckcrschciiiungen und unduh'isc Aus- 
löschung. 

Der Feldspat zeigt keine Zwillingsbildung und auch in den dünnsten 
Schliffen keim: Spaltrisse. Seine Polarisationstöne unterscheiden sich nicht 
merklich von denen des Quarz, sicher zu unterscheiden sind die beiden 
Mineralien nach ihren optischen Eigenschaften nur in Schnitten, die 
senkrecht oder nahezu senkrecht zu einer, oder zu der Axe getroffen 
-sind. Zu einer genauen Abschätzung des Mengenverhältnisses der beiden 
Mineralien gelangt man nur durch Ätzen der Schliffe und Färben. 

Das Gestein zeigt nicht die geringsten Spuren von Verwittenmg ; auch 
an solchen Stellen, die nur bei ausnahmsweise hohem Wasserstand von 
den Fluten des Sanaga erreicht werden, wo also eine etwa entstandene 
Verwitterungsrinde niemals abgerollt werden könnte, hat das Gestein eine 
absolut frische, schwärzlichgrüne Oberfläche. 

2. Bandförmige Einlagerungen in Nr. i. 

Das Gestein hat eine hellgraurötliche Gesamtfarlic und ist von ver- 
schwommen kontm-ierten Adern und Schniitzchen eines grünlichen Materials 
in allen möglichen Richtungen durchzogen. Die Struktur ist eine .sehr 
feine, verworren flaserige. Zu etwa ''/lo besteht das Gestein aus Ortho- 
klas, zu ä/10 aus Quarz, ^/jo aus chloritisiertem Biotit, Zirkon und einem 
opaken Material, welches höchstwahrscheinlich aus Titaneisen entstanden 
'St. Die lagenförmige Anordnung der einzelnen Mineralien und Druck- 
\^•irkung ist im Schliff sehr deutlich zu erkennen. 

Der Orthoklas (trikliner Feldspat ist nicht \(jriianden) ist recht frisdi, 
Tiur in der Nähe vnn gröberen Sprüngen zeigt er eine geringe Trübung 



46 t>r. Ernst Escli: 

und niattgelbbraime Farbe. Scharfe Spaltrisse sind auch in dünnen 
Schliffen verhältnismäßig selten zu be(_)bachten, meist wird er nur von gro- 
ben, nicht gradlinigen Sprüngen durchzogen. Zwillingsbildung wurde am 
Orthoklas überhaupt nicht beobachtet. 

Der Quarz enthält zahlreiche in unregelmäßig verlaufende Luiien an- 
geordnete Einschlüsse von äußerst winzigen opaken Körnchen. 

Der Biotit ist bis auf ganz geringe Reste in Chlorit verwandelt. 

Zirkon und Apatit treten in allen anderen Mineralien als Einscliluß 
in meist rundliclien Körnern auf. 

3. Aplitischer Gang in Nr. :. 

Das Gestein hat hellgrünlichgraue Farbe, es zeigt sehr feine Schieferimg; 
zu 3/j, besteht es aus Quarz, zu Vs aus Feldspat, sie sind lagenförmig an- 
geordnet; beide sind untermisdit mit geringen Mengen von fast vollständig 
chloritisiertem Biotit. Apatit in kurzen, dicken Säulchen und rundlichen 
Kömchen ist ziemlich häufig. Quarz urul Feldspat zeigen sehr cha- 
rakteristische Druckerscheinung, Auswalzung und undulöse Auslöschung. 

Der Feldspat ist zum größten Teil (Vg) Orthoklas, etwa V,-! ist zwillings- 
gestreifter Plagioklas, letzterer zeigt auf M eine Auslöschungsschiefe v(jn 
5 — 8 " und den fast zentrischen Austritt einer positiven Mittellinie, er ge- 
hört dafier zur Reihe des Andesin. 

4. Hornblende-Gneis. 

An den Nordfällen des Sanaga bei Edea. 

Derselbe hat eine grünlichgraue Gesamtfarbe und zeigt auf dem Q)uei- 
bruch ziemlich deutliche, dünnschichtige Flaserung. Auf dem Bruch 
parallel der Schieferung erscheint er typisch körnig. Seinem Mineral- 
bestand nach gehört er zu den Syenitgneisen, zu ^/s etwa besteht er aus 
grüner Hornblende und zu % ruis <_)rthoklas. 

Quarz tritt ganz zurück. 

Ziemlich lichter Biotit, zum Teil in Chlorit verwandelt, ist nur in ganz 
geringer Menge vorhanden. Auffallend häufig ist Titanit und Apatit 
in 0,02 — 0,1 mm dicken, runden Körnchen. 

Die Flornblendc ist dieselbe sehr stark i)leochroiti.srhe, wie die 
in Nr. I beschriebene. 

Der Orthoklas zeigt nicht die geringste Zersetzungserscheinung. 
Schnitte ohne besondere Orientierung sind von beliebigen Quarzschnitten 
nur dann zu unterscheiden, wenn man den Schliff mit Flußs.'lure oder 
Kieselfiuorwasserstoffsäure geätzt hat. Die Oberfläche des Ortlroklas wii'd 
rauh, wogegen die des Quarz glatt bleibt. 

Plagioklas ist nur in ganz verschwindender Menge vorhanden. 



47 



5- Lagen-Gneis. 



Au lU'ii Südfälleii des Sanaga, J km unterhalb bis 3 km (ibcrl\all) Etlea. 

Das .Gestein besteht aus vielfach miteinander abwechselnden, 2 — 10 cm 
dicken, feingefiaserten, dunkelgrünen bis schwarzen und 2 — 7 cm dickeji, 
weißen, fein dunkelgestreiften Lagen, die stark gefaltet sind. 

Die dunklen Lagen bestehen aus einem gleichmäßigen, allotiiomorj)h- 
körnigen Gemenge von etwa 20 Teilen Orthoklas, 25 Teilen Plagioklas, 
1 5 Teilen Quarz, 20 Teilen Hornblende, 1 7 Teilen Glimmer, 3 Teilen 
Titanit und vereinzelten Zirkon- und Apatitkörnchen. Dasselbe zeigt ziem- 
lich gut ausgeprägte Parallelstruktur. 

Die Korngröße der einzelnen Mineralien ist ziemlich gleichmäßig imd 
schwankt zwischen 0,5 und i mm. 

Der Orthoklas zeigt .stets eine ganz einheitliche Auslöschung ohne 
Spuren von perthitischer Verwachsung, er ist \ullkommen wasserklar. 
Karlsbader Zwillinge kommen nur selten vor. 

Der Plagioklas gehört seiner Auslöschungsschiefe auf P und M nach 
zum Oligoklas bisAndesin; er ist ebenso frisch wie tler (Jrtluiklas, Zonen- 
struktur wurde nur ganz vereinzelt beobachtet. 

Der Quarz zeigt zuweilen undulöse Auslöschung-. 

Die Hornblende, in Körnern von tiefschwarzem, glänzendem Aus- 
sehen, zeigt im Schliff grüne, nicht sehr tiefe Farbe. Ihre Absorptionsfarben 
sind: |i a lichtgraugrün, || b dunkler gelbgrün, !] t grau bis gelbgrün, zuweilen 
nait einem leichten Stich ins bläuliche; ihre Auslöschungsschiefe beträgt so". 

Der Glimmer ist ein scheinbar einaxiger, verhältnismäßig lichter Biotit, 
seine Absorptionsfarben sind parallel der Spaltbarkeit klar ockergelb bis 
ockerbraun und senkrecht zur Spaltbarkeit licht ockergelb. 

Der Titanit tritt in kleinen Haufwerken von rundlichen und eckigen, 
0,3 — 0,1 mm großen Körnchen auf, deren Anoi"dnung darauf hindeutet, 
daß sie zerriebene, ehemalige, größere Krystalle darstellen. 

. Die hellen Lagen bestehen aus einem alloti'iomorphkörnigen, deutlich 
parallelstruierten Gemenge von etwa 35 Teilen Quarz, 30 Teilen Ortho- 
klas, 25 Teilen Plagioklas, 8 Teilen Biotit mid 2 Teilen Granat. 

Hornblende fehlt in diesen Lagen vollständig. Titanit ist selten. 

Die Eigenschaften der Feldspäte und des Glimmers smd dieselben, 
wie die der in den dunklen, hornblendereichett Lagen auftretenden. 

Der Granat zeigt deutlich makroskopisch blaui'ote Farbe, im Schliff 
ist er farblos durchsichtig. Optische Anomalien wurden nicht an ihm 
bemerkt. Er tritt in 0,1 — i mm großen, rundlichen, vielfach zerbrochenen 
Körnern auf und bildet mit dem Glimmer die erwähnten dunkleren feinen 
Streifen in den weißen Lagen. 

In den reinen Quarz-Feld.spatpaitien trifl'l man ihn nicht an. 



48 Dv. Ernst Esch: 

Die Konigiößc der die hellen Lagen zusammensetzenden Mineralien 
schwankt zwischen o,i und i mm. Das Korn ist hier als(j ungleichmäßiger, 
die Mineralien sind durch den Druck stärker zertrümmert. 

6. Biotit-Gneis. 

Geröll im Sanaga bei Edea. 

Derselbe hat eu^ie hellgraue Gesamtfcirbe; er ist sehr fein und sehr 
charakteristisch geschiefert. Weit durchgehende Schichten von hellgelb 
bis rötlichem Quarz-Feldspat-Gemenge wechseln mit feinen, auch lang- 
aushaltenden Schichten, che hauptsächlich aus Quarz und Biotit bestehen, 
aber auch geringe Mengen von Orthoklas und Muskowit fiihren. Die 
einzelnen Schichten sind kaum i mm dick. Quarz und Feldspat haben 
dasselbe Aussehen wie in den vorherbeschriebenen (Jesteinen; das Me]\gen- 
verhältnis Feldspat : Quarz ist ungefähr 1:3. 

Plagioklas kommt nur in vereinzelten kleinen Körnern vor. 

Der Biotit ist in ungefähr ebenso großer Menge vorhanden wir der 
Orthoklas, er ist sehr tiefbrauu gefärbt; das parallel der Spaltbarkeit 
schwingende Licht wird auch in dünnen Schliffen gänzlich absorbiert; die 
Strahlen, welche senkrecht zur Spaltbarkeit schwingen, zeigen in dünnem 
Schliff grünlichbraune, kräftige Farbe. Im konvergenten Licht zeiot er in 
Schnitten parallel OP (001) bei sehr starker künstlicher Beleuchtung ein 
Interferenzbild, welches kaum von dem eines senkrctht zur Axe ge- 
schnitteiien, einaxigen Minerals abweicht. 

7. Biotit-Gneis. 

Ger(ill im Sanaga bei P2dca. 

In der graugrünen, feinkörnigen Hauptmasse des Gesteins liegen, un- 
regelmäßig verteilt, 0,2 — 1,5 cm große, linsenförmige, rundliche oder auch 
eckige, blaßrot gefärbte und hellgraue Partien. Unter dem Mikroskop 
erweisen die rötlichen sich als Orthoklas-Anhäufungen, in denen Quarz 
und Glimmer stark zurückgedrängt sind, die hellgrauen bestehen aus 
einem kömigen Gemenge von Feldspat, Biotit und Quarz, ihre Mengen 
verhalten sich wie 4:3:1. 

Der Feldspat ist zu ^/e Orthoklas, zu Vs Plagioklas (wahischeinlich 
Andesin). Er ist zum großen Teil kaolinisiert. 

Der Biotit zeigt sehr starke Absorption ; das parallel der Spaltungs- 
fläche schwingende Licht wird auch von sehr dünnen Blättchen vollständig 
verschluckt, das senkrecht zu der Spaltung schwingende hat klargelbe 
Farbe. Vielfach ist er unter Ausscheidung von zahlreichen Rutilnädelchen, 
die sich unter 60" kreuzen, in Chlorit verwandelt. Letzterer hat sehr 
starken Plcnrhniisnuis, [ C sehr hell grünlich gelb, 1 C tief dunkelgrün, seine 



Gesteiusbeschreibung. aq 

Doppelbrechung ist sehr schwach, die Inlerferenzljilcler lassen auf sehr 
kleine Axenwinkel schließen, 

Apatit in rundlichen und eiförmigen Körnchen ist ziemlich häufig. 

8. Plagioklasreicher Biotit-Gneis. 

Geröll im Sanaga bei Edea. 

Das Gestein hat eine rein hellgraue Gesamtfarbe und ist ziemlich 
deutlich geschiefert; an einigen Stellen ist es durch leicht angewitterten 
Orthoklas rötlich gefleckt. Es besteht zu etwa Vs ■tos tiefschwarzem 
Biotit, s/g aus fein zwillingsgestreiftem Plagioklas, ^/^ aus Orthoklas und 
"/s aus Quarz. 

Der Plagioklas wurde nach seiner Auslöschungsschiefe in Schnitten, 
die senkrecht oder annähernd senkrecht zur positiven Mittellinie getroffen 
waren, als Oligoklas bis Andesin bestimmt. Cliarakteristisch für dieses Ge- 
stein ist ein beträchtlicher Gehalt an Titanit als Umwandlungsprodukt von 
Titaneisen. Die ihm eigene charakteristische Form zeigt er niemals, er 
bildet stets eine aus feinen Kömchen zusammengesetzte oder auch ein- 
heitHche Masse ohne regehnäßige Umgrenzung, die fast stets noch einen 
geringeren oder auch größeren Rest von Titaneisen umschließt. 

Apatit tritt in nicht seltenen rundlichen Kömchen auf. 

9. Aplit. 

Oberhalb der Schnellen des Dibamba. 
Hellgraues, feinkörniges Gestein, welches in 5^10 cm dicke, schlanke 
,5— 8seitige Prismen zerfällt. Es besteht aus einem allotriomorph gleich- 
mäßig körnigen Gemenge von etwa 45 Teilen Orthtiklas, 5 Teilen Mikro- 
klin, 20 Teilen Plagioklas (Oligoklas-Andesin), 25 Teilen Quarz, 2V2 Teilen 
braunem Biotit und 2V2 Teilen Granat. Druckerscheinmigen sind an allen 
Mineralien deutlich zu erkennen. Pegmatitische Durchwachsung von 
(,>uarz und Orthoklas ist recht häufig zu beobachten. 

10. Biotit-Gneis. 

An den Schnellen des Dibamba anstehend. 

Dunkelrötlichgraues, sehr grobstenglig - flaseriges Gestein. Durcli 
schichtige Ansammlung des Glimmers geht es nicht selten in Lagengneis übci-. 

Es besteht aus einem allotriomorphkörnigen Gemenge von etwa 
25 Teilen Orthoklas, 20 Teilen Plagioklas, 30 Teilen Quarz und 25 Teilen 
Glimmer. Die Korngröße wechselt an demselben Gesteinskr,rper sehr 
schnell. 

Beiträge zur Geologie von Kamerun. 4 



50 Dr. Ernst Rscli: 

Der Orthoklas (olme Albitsclmüre), der Plagioklas und der Quarz 
treten an einigen Stellen in 5 — 15 mm großen Kfirncrn mit deutlichen 
Spuren von Gebirgsdruck auf, bilden aber mit dem Glimmer ein richtungs- 
loses Gemenge und dicht daneben sind sie sämtlich in einen feinen Grus 
zerrieben, in dem die Glimmerblättchen streng parallel oder in Flasern 
um die hellen Gemengteile angeordnet sind. Das Gestein iiat dadurch 
ein sehr ungleichmäßiges Aussehen. 

Der Glimmer bildet sehr gleichmäßig 0,5 — 2 mm große, ziemlich dicke 
Plättchen. Seine Absorptionsfarben sind parallel der Spaltbarkeit kräftig 
rotbraun und senkrecht zur Spaltljarkeit licht ockergelb. Sein Axcnwinkel 
ist sehr klein. 

Das Gestein führt sehr schnell wechselnde Mengen (etwa 0,5— 4''/i,) 
von rotem, optisch nicht anomalem Granat. 

Titanit, Apatit tmd Erz sind selten. 

11. Biotit-Gneis. 

An den Schnellen des Dibamba unter dem IctztbeschriebeneTi 
Gneis anstehend. 

Feinkönriges, dünnplattiges, feingeschiefertes graues Gestein. Es be- 
steht zu ungefähr gleichen Teilen aus allotriomorphen Körnchen von 
Orthoklas, Plagioklas, Quarz und Biotit, che abwechselnd quarzarme und 
quarzreiche, i — 2 mm dicke Schichten bilden, in denen der Glimmer 
ziemlich gleichmäßig verteilt liegt. Die einzelnen Schichten sind nicht 
eben, sondern zeigen leicht gewellte Oberfläche, der die Glimmerblättchen 
sich eng anschmiegen; in Schliffen, die ungefähr senkrecht zur Schichtung 
geschnitten sind, zeigten die Glimmerblättchen daher in größeren Schwärmen 
bis zu 50 Stück unter sich gleiche, von benachbarten Schwärmen aber 
verschiedene Polarisationstöne, die je nach der Neigung der Schliffebene 
zu der Hauptschwingungsriditung in den innerhalb eines solches Schwarmes 
sehr annähernd parallelen Glimmerblättchen höher oder niedriger leuchtend 
grün oder leuchtend rot sind. Mit sehr scliwacher Vergrößenmg be- 
trachtet, bietet der Schliff daher zwischen gekreuzten Nickols ein äußerst 
zierliches und farbenprächtiges Bild. 

Die Absorptionsfarben des Glimmers sind parallel der S|)altbarkeit 
kräftig, aber doch ziemlich klar rotbraun und senkrecht dazu ganz hell 
ockergelb. 

Der Plagioklas ist seiner recht bedeutenden Auslrischungsschiefe wegen 
mm Labrador zu rechnen. 

Orthoklas und Quarz treten zuweilen in pcgmatischer Uurth- 
wachsung auf. 

Apatit in rundlichen Tv(")rnern bi:^ zu 0,1 mm groß ist ziemlich selten. 



Gesteinsbeschrcilinng. 51 

Ein diesem sehr äliuliches aber biotitreichcres Gesleiu, das üicht un- 
beträchtliche Mengen (z—^^/q) \on rotem Granat führt, findet sich in 
großen Blöcken an den Ufern des Dibamba oberhalb der Schnellen in 
höheren! Niveau als jenes, ist also höchstwahrscheinlich jüngei'. 

Der Granat desselben tritt in unregelmäßig umgrenzten, vielfach zer- 
brochenen 0,2 — 3 mm grossen Körnern auf. Dieselben führen häufig 
größere Einschlüsse von Feldspat, von Quarz und Glimmer, wohingegen 
der Granat sich nie als Einschluß in jenen findet. 

Der Biotit dieses Gesteins ist durch außerordentlich schöne Ein- 
schlüsse von Zirkon mit pleochroitischen Höfen ausgezeichnet. Fast keinem 
Biotitschnitt felilen diese Einschlüsse und nicht selten liegen sie dicht 
gedrängt nebeneinander. Die Zirkonkörnchen erreichen eine Größe bis 
'-^u 0,1 mm, die pleochroitischen Höfe um dieselben eine solche von 
0,0 mm. Zwischen gekreuzten Nikols heben sich die pleochroitischen 
Höfe kaum merklich ab. Der Biotit zeigt auch innerhalb derselben ganz 
dieselben Polarisationstöne, wie außerhalb derselben. Bei Ausschaltung 
tles oberen Nickols aber treten sie, wenn das Licht parallel der Spaltbar- 
keit in den dann rotbraunen aber gut durchsichtigen Glimmerblättchen 
schwingt, als tief grünlichschwarze, runde oder ovale Flecken hervor, in 
denen das Licht fast vollkommen absorbiert wird. Beim Drehen des 
Prä]jarats um 90" klären sie erst mit dunkel olivgrüner Farbe auf und 
werden dann mit klaren, rein gelben Tönen chirchsichtig. In Schnitten 
imrallel oP (001) des Glimmers bleiben sie Ijeim Drehen des Präjiarats 
vollkonmien dunkel. 

In den anderen Mineralien oder in sdbstrmdigen Kfirnern findet sidi 
fler Zirkon seltener. 

In sehr geringen Mengen führt das Gestein rundliche Körner \'on 
Apatit und kleine (bis 0,4 mm) Büschel von sehr feinen Zoisitnädelchen 
(hohes Relief, sehr niedrige Polarisationstöne, orientierte Auslöschung 
und negativer Charakter der Doppelbrechung in der Längserstreckung); 
außerdem treten in demselben noch vereinicelte bis 2 cm lange scharf- 
ausgebildete Turmalinkrystalle auf, die zahlreiche bis MilKmeter große 
Einschlüsse von Quarz, Feldspat, Glimmer und Granat führen. Der Habitus 
der Kr\'stalle ist kurz säulenfi'Jrmig. Die einzigen beobachteten Formen 
sindccJ^ (10T0)ooP2 (1120) und R (lOll). Die Säulenflächen sind sehr 
'li'ntiicli in der Riclrtung der c-Axe gestreift. 

12. Quarzarmer Granitit. 

An den Wurischncllen anstehend. 

Mittel- bis grobkörniges, graues oder rötliches, meist wenig festes 
Gestein. Es besteht aus einem trotz vielfacher randlicher Zerreibung der 



1 



52 IJr- Ernst Esch: 

Mineralien wolil noch als hypicliomorphköruig zu bezeichnenden Gemenge 
von 2ö Teilen Orthoklas, 60 Teilen Mikroklin, 5 Teilen Plagioklas (r)ligo- 
klas-Andesin), 10 Teilen Quarz und 5 Teilen Biotit. 

Die Feldspäte schwanken in ihrer Größe zwischen 2 und 5 mm. 
RandKch sind sie sdelfach zu einem feinen, che Zwischenräume zwischen 
den größeren Körnern ausfüllenden Grus zerrieben. Der Quarz ist nur 
noch vereinzelt in 2 — 4 mm großen Körnern erhahen, meist ist er stark 
zertrümmert, deutlich undulöse Auslöschung zeigt er stets. Der Glimmer, 
ein tief dunkelbrauner, scheinbar einaxiger Biotit, ist vielfach gebogen und 
gefältelt, zum großen Teil ist er in Chlorit verwandelt. 

Muskovit tritt nur in sehr seltenen kleinen Fetzchen auf. 

Titanit, Apatit, Zirkon und Erz fehlen scheinbar vollkommen. 

13. Granit. 

Nd<jkoko beach an dem Ufer des Wuri, über dem Wasserspiegel hi 10 m 
hoher und 50 m breiter Masse aufgeschlossen. 
Hellrötlich graues, feinkörniges Gestein, welches zu etwa 40 Teilen 
aus Orthoklas, zu 20 Teilen aus Mikroklin, zu 10 Teilen aus Plagioklas 
(Qligoklas-Andesin), zu 20 Teilen aus vielfach undulös auslöschendem Quarz, 
zu 6 Teilen aus größtenteils in Chlorit verwandelten braunem Biotit rmd 
zu 4 Teilen aus Muskovit besteht. Die Mineralkörner tragen sämtlich die 
Spuren von au.sgehaltenem Druck. 

14. Biotit-Hornblende-Gneis. 

Oberhalb der Schnellen des Dibombe. 

Dunkclgrau- grünes, recht festes Gestein mit 2 — 5 mm dicken bis 

2 15 cm langen weißen und rötlichen parallelen Schnüren, die vereinzelt 

große (bis 10 mm) Orthoklase umschließen. 

Es stellt zweifellos einen stark gepreßton und ausgewalzten Arnphibol- 
granitit dar. 

Es ist zusammengesetzt aus etwa 50 Teilen Orthoklas, 5 Teilen 
Mikroklin, 1,0 Teilen Plagioklas (Oligoklas-Andesin), 20 Teilen Quarz, 
10 Teilen Biotit und 5 Teilen Hornblende. 

Die Feldspäte Inlden zu etwa 1/3 größere, 0,5—1 mm große rundUche 
Körner mit feingezacktem Rand und zu 7.«! einen feinen (irus von 
0,01 — 0,1 mm großen Bruchstückchen. 

Der Quarz ist stets in Striemen oder Linsen, die aus 0,01— 0,5 mm 
großen Körnern zusammengesetzt sind, ausgewalzt. Pegmatische Dmxh- 
wachsung von Orthoklas und Quarz wurde beobachtet, aber nicht häufig. 

Der Biotit bildet 0,1 — 0,3 nun große Plättchen, die deutlich ])araUele 



•i'/i 







Gesteinsbeschreibuiif;. 53 

Anordnung, aber nur selten merkbare Verbiegung zeigen; seine Farbe ist 
braungrün (,1 aisehr hellgraugelb, ±a braungrün), der Axenwinkel sehr klein. 

Die Hornblende tritt in kleinen bis 0,5 mm großen, vielfach zer- 
trümmerten, diclcen Säulchen auf. Ihr Pleochroismus ist i|c bläulichgrün, 
\\a lichtgraugrün, ||6 kräftig braungrün. Die Auslöschungsschiefe wurde 
zu 18% bestimmt. 

Apatit und Zirkon sind nur sehr selten, etwas häufiger Titan it, in 
winzigen Körnchen. 

15. Granitit. 

Hauptgestein an den Mungoschnellen. 

Derselbe ist blaß-ziegelrot, grau und schwärzlich grün gesprenkelt. 
In einem mittelgroben, hypidiomorphkörnigen Gemenge von rötlichem 
Orthoklas, grauem Plagioklas und Mikroklin und Quarz und dunkelgrünem 
Glimmer liegen zahlreiche, bis zu 3 cm große und i cm dicke blaßziegel- 
rote Orthoklase; sie sind meist Karlsbader Zwillinge und tafelförmig nach M. 
Das Mengenverhältnis von Orthoklas: Mikroklin: Plagioklas: Quarz: Glimmer 
ist ungefähr gleich 2:^/4:3:1:1. 

Der Orthoklas zeigt gute krystallographischc Begrenzung durch 
M(OIO), 1(110), P(OOl) und x(Tol); y(20l) wurde nur selten und in ge- 
ringer Ausdehnung beobachtet. Pertitische Verwachsung mit Albit ist 
nicht häufig. Er ist im großen und ganzen ziemlich frisch, beginnende 
Kaolinisierung ist allerdings schon an jedem Schnitt zu erkennen. 

Der Plagioklas ist Oligoklas bis Andesin; er wird bis zu 5 mm groß; 
seine Formen sind weniger scharf als die des Orthoklas luid in den 
Schnitten nicht sicher zu deuten. 

Er zeigt sehr feine Zwülingslamellierung uitd stets deutliche Zonar- 
slruktur, nach außen hui nimmt seine Amlöschungsschiefe in Schnitten 
nach M allmählich zu, wird positiv und steigt bis zu + 15". Der basischere 
Kern zeigt deuthche Kaolinisierung. 

An farbigen Gemengteilen, tritt, abgesehen von wenigen kleinen Fetzchen 
von grüner bis blaugrüucr Hornblende und ganz vereinzelten Körnchen 
von Pyroxen, nur ein grüner Biotit auf. Die parallel der Spaltbarkeit 
schwingenden Strahlen zeigen bräunlichgrüne bis olivgrüne Absorptions- 
farben, die parallel a schwingenden Strahlen werden nur sehr wenig ab- 
sorbiert und haben sehr hell gelblichgrüne Farbe. In düimen Spalt- 
IMättchen ist er i-echt gut durchsichtig. Sein Axenwinkel ist klein, wohl 
kaum 7<'/o. 

Der Quaiz tritt nur in gai\z unregelmäßig begrenzten i-^o, 1 nun 
großen Körnt:hen auf; er zeigt vielfach undulüsc Auslöschung ur>d rand- 
Uche Zerreibmig. 



54 -Dr. Ernst Escb: 

Mikroklin tritt nur in vereinzelten 0,2-^3 mm großen, unregelmäßig 
begrenzten Körnern auf, er zeigt lieine Verwitterungserscheinung. 

Als Übergemengteil tritt ziemlich selten Apatit, recht häufig aber 
Titanit in bis zu z mm großen, spitzrhombischen Schnitten auf. Meist 
ist er mit kleinen Erzkörneben verwachsen, \ielfach führt er solche auch 
als Einschlüsse. 

Dasselbe Gestein tritt kurz unterhalb der Einmündung des großen 
Unken Nebenflusses in den Mungo oberhalb der Schnellen in stark ge- 
preßtem Zustand auf. Die großen Feldspäte sind randlich in einen feinen 
Grus zerrieben und zeigen im Innern stark undulöse Auslöschung. 

Zwischen gekreuzten Nikols haben sie vielfach das Aussehen wie 
stark zerknittertes, feines Metallblecli. Der Quarz ist vollständig zu einem 
feinen Grus zerrieben. 

Der Biotit ist meist total zerfetzt und in ein Aggregat von winzigen, 
wirr durcheinanderliegenden Schüppchen aufgelöst, das dann mit Quarz 
wie imprägniert erscheint. Quarz scheint in den Glimmer wie in flüssiger 
Form, man könnte sagen wie ein sprengendes, auflösendes oder zersetzen- 
des Agens eingedrungen zu sein. Auch in die verschiedenen Feldspate 
ist er in feinen, gewundenen, .schlauchförmigen Massen hineingepreßt. 

16. Biotitgneis 

vom oberen Mungo. 

Das Gestein erscheint auf seinem Längsbruch hellocker"-ell) imd 
schwarz fein gestreift, auf dem Querbruch in denselben Farben gefleckt. 
Es setzt sich zusammen aus 1—2 oder auch wohl 3 cm langen, i mm 
dicken und i —3 mm breiten Stengeln, die abwechselnd aus einem allotrio- 
morphkörnigen Quarz, Quarz-Feldspat-Gemisch und Quarz-Feldspat-Biotit- 
Gemenge bestehen. Der Quarz ist stets stark ausgewalzt. 

Der Feldspat (zumeist Orthoklas, wenig Mikroklin, kein Plagi(jklas) 
tritt auch in einzelnen i — 1,5 mm großen, schlecht umgrenzten, ein- 
sprenglingsartigen Krystallen auf. 

Der Biotit ist dunkelbraun, wenig durchsichtig. 

Die Mengen von Quarz, Feldspat, Glimmer verhalten sich ungefähr 
wie 7:8: ) . 

17. Biotitgneis. 

10 chm großer Block auf der Mitte des Weges von Muvuka nach 
den Mungo-Schnellen. 

Gelb und dunkelgrau bis schwarzgeflecktes Gestern mit nur sehr 
schwach angedeuteter Parallelstruktur. In einer mittelkörnigen, aus 
Quarz, Feldspat und Biotit bestehenden Grundmasse liegen i— 3 cm 



Gesleinsbeschreibimg. 55 

große, hellgelbe Orthoklase. Unter dem Mikroskop erkennt man tlie 
Grundmasse als auch porphyrisch, sie besteht aus 1—3 mm großen, 
randlich zerriebenen Körnern von Quarz und Feldspat, die in einem etwa 
V4 des Gesteins ausmachenden feinen Grus von Quarz, Feldspat und 
bräunlich girünem Biotit liegen. Vereinzelt tritt auch Muskovit auf. 

Orthoklas, Mikroklin, Oligoklas, Quarz und Biotit stehen in dem 
ungefähren .Mengenverhältnis von 4:1:3:4:1. 

Quarz und Feldspat zeigen in den kleineren Körnern oft pegmatische 
Durchdringung. 

Der Block ist durchsetzt von einem 30 cm breiten Gang von gelblich 
weißer Farbe; derselbe zeigt dieselbe Struktur wie das Hauptgestein, im 
Mineralbestand weicht er von letzterem nur durch das gänzliche Fehlen 
von Glimmer ab. 

18. Hornblendegranit. 
An dem großen linken Nebenfluß des Mungo oberhalb der Schnellen. 

Es ist ein feinkörniges Gestein von graugelblicher Farbe. 

Es besteht aus etwa 8 Teilen Orthoklas, 3 Teilen Quarz und i Teil 
grüner Hornblende, Glimmer fehlt. 

Der Orthoklas bildet nicht i mm große, nach M ein wenig tafelförmige, 
manchmal durch M, P, 1 und x, seltener auch y, ziemlich gut begrenzte 
Krystalle; er ist stets infolge beginnender Zersetzung getrübt. Vielfach 
zeigt er Zwillingsbildung nach dem Karlsbader Gesetz. 

Die Hornblende ist stets idioraorph: sie tritt in kleinen, scharf- 
rungrenzten Säulchen von höchstens i mm Länge auf. Ihre Farbe ist bräunlich- 
grün, der Pleochroismus recht deutlich, die li c schwingenden Strahlen er- 
scheinen bräunlichgrün, die Hb schwingenden grünlich braun und die par- 
allel a schwingenden hellgrün mit einem Stich in's Gelbe; ihre Aus- 
löschungsschiefe auf Klinopinakoid, also der Winkel c:c beträgt 22K 
Zwillinge nach 100 sind nicht selten. 

Der Quarz füllt die Zwischenräume zwischen den anderen Mine- 
ralien aus. 

Erz, wahrscheinlich Magnetit, macht nur einen ganz verschwindenden 
Teil des Gesteins aus. 

19. Muskovit-Granit. 
5 km südwestlich von Muyuka. 

Das Gestein hat blaßrötliche Farbe und körnige Struktur. 
Es besteht aus etwa 6 Teilen Orthoklas, 4 Teilen Oligoklas, 2 Teilen 
(^uarz und i Teil Muskowit. 

Die Felds|iäte, deren Dimensionen zwischen 0,5 und 3 mm schwanken, 



56 rJr. Ernst Esch: 

zeigen vereinzelt noch recht gute Begrenzung durch M, P, 1 und x, meist 
sind sie aber randlich stark zertrünnnert, der Quarz bildet die Füllmasse 
zwischen den Feldspäten und ist deutlich ausgewalzt. 

Der Muskovit bildet 3— ; mm gi-oße, zuweilen sechsseitig umgrenzte, 
weiße, bis i mm dicke Blättchen. 

20. Biotit-Granat-Glimmerschiefer. 

Auswürfling des Barombi-Kraters (Elefantensee). 

Es ist ein feinkörniges, dünn- uiul kurzgeflasertes Gestein von hell- 
grauer Gesamtfarbe. 

Es besteht aus etwa 60 Teilen Quarz, 24 Teilen ßiotit, 15 Teilen 
Granat und 2 Teilen Plagioklas. 

Der Quarz bildet i — 2 mm große, unregelmäßig begrenzte Körner, 
die vielfach die Spuren von edittenem starkem Druck zeigen. 

Der Bioti t ist tiefdunkelbraun, in Spaltblättchen fast ganz undurchsichtig, 
er ist scheinbar einaxig. 

Der Granat tritt in 0,5 — 2 mm großen Körnern, die keine gesetz- 
mäßige Umgrenzung erkennen lassen, auf. Er erscheint in den Körnern 
mit' hchtgelblidi brauner Farbe. Im Schliff ist er fast farblos durchsichtig. 
Er enthält sehr häufig große Quarzkörner und Glimmerfetzen als Ein- 
schlüsse. Optische Anomalien zeigt er nicht. 

Der Plagioklas, seiner Auslöschungsschiefe nach wahrscheinlich zum 
Labrador gehörig, tritt in recht seltenen, höchstens 1 mm großen Körnchen 
ohne gesetzmäßige Umgrenzung auf. 

Orthoklas wurde nicht beobachtet. 

21. Biotitgneis. 

In dem Flüßchen bei Bajile, Mamelo, anstehend. 

Schwarz, weiß und gelblich gesprenkeltes bis gebändertes Gestein 
mit hellgelblich grauer Gesamtfarbe. Die Schieferung ist nicht sehr aus- 
geprägt, aber doch deutlich zu erkennen. 

Es besteht aus ungefähr i Teil Orthoklas, 2 Teilen Mikroklin, r Teil 
< )ligoklas, 3 Teilen Quarz, j Teilen grünem Biotit mit sehr kleinem Axen- 
winkel und 2 Teilen einer mit kleinen Quarzpartikelchen sehr stark durch- 
setzten, unregelmäßig umgrenzten, offenbar ein Umwandlungsprodukt dar- 
stellenden isotropen ganz schwach gelblich gefärbten, ziemlich stark licht- 
brechenden Masse. Ich möchte dieselbe für in der Bildung begriffenen 
Granat, oder wohl richtiger für Granat in fein verteiltem Zustand halten. 

Sehr vereinzelt beobachtet man winzig kleine bis i mm große dunkel- 
ziegelrote Granate. 



Gesteinsbeschrcibiing, 57 

Muskovit tritt in sehr feinen Scliüppclien nur recht selten auf. 

Als sehr charakteristisches Umwandlungsprodukt tritt in diesem Gestein 
in ziemlich großer Menge Ti-tanit auf. Schon mit bloßem Auge sieht 
man in den Schliffen etwa i — V2 mm große, trübe glänzende Flocken, 
die einen mehr oder weniger großen, oder auch kleinen schwarzen, metallisch 
glänzenden Kern haben. Unter dem Mikroskop erkennt man sie als lappige, 
ausgebuchtete unregelmäßig umgrenzte Schnitte von teils trübem, teils klar 
durchsichtigem Titanit, der kleine Reste von Erz umschließt. 

Die trüben Stellen, die im auffallenden Licht stark glänzen, bestehen 
aus äußerst fein verworren faserigem, die klaren aus einheitlichem, schwach 
gelblich gefärbtem Titanit. Das ursprüngliche Mineral möchte ich wegen 
der auffallenden Form der Pseudomorphosen für Ilmenit halten. 

22. Biotitgneis. 

Block im Dorfe Penja, Mamelo. 

Ein hellgraues, feinkörniges, sehr feingeflasertes Gestein. 

Es besteht aus ungefähr 5 Teilen Orthoklas, 4 Teilen Quarz und 
I Teil grünem Biotit. Quarz und Orthoklas treten einmal in größeren, 
scharfkantigen Körnern von höchstens i mm Größe und dann in kaum 
0,1 mm großen Partikelchen auf; das Gestein erhält dadurch ein por- 
phyrisches Aussehen. 

23. Hälleflinta. 

Südabhang des Manenguba-Gebirges, 3 km nfirdlich von Bamba Diebe. 

Das Gestein zeigt in einer feingebänderten, bald dunkelgrünen, bald 
fleisch- bis ziegelroten, durchscheinenden hornartigen Grundmassc un- 
regelmäßig \'erteilte, i — ,5 mm große, nmdliche Orthoklaskörner. Unter 
dem Mikroskop zeigt der Orthoklas sehr deutliche Kataklasstruktur, stark 
undulöse Auslöschung mid vielfach Zerfall in einzelne Kömer. 

Die makroskopisch dicht erscheinende Gmndmasse zerfällt unter dem 
Mikroskop in ein sehr feinkörniges Gemenge von meist undulös aus- 
löschenden F'eldspat- und Quarzj^artik eichen, durch welches sich zahlreiche, 
feine, parallele Schnüre von meist weniger durchsichtigen, teils auch ganz 
opaken Umwandlungsprodukten ziehen. Letztere sind zum größten Teil 
unbestimmbar, zum Teil aber kaiui man sie als feine Chloritschüppchen 
und als Umwandlungsprodukte von derselben Art, wie sie in dem nach- 
stehend beschriebenen Hornblende-Syenit von der Hornblende auftreten, 
erkennen. 

Auch tritt zuweilen Leukoxen in unregelmäßigen Formen und ver- 
einzelt Zirkon in kleinen länglichen oder runden Körnchen auf. 



58 Dr- Ernst Esch: 

24. Geprefster Hornblende-Syenit. 

Südalihang des Manenguba-Gebirges, 3 km nördlich von Bamba Diebe. 

Mittel- bis grobkörniges, fleischrot irnd graugrün, je nach der Richtung 
des Bruchs, gesprenkeltes oder gestreiftes Gestein. Seiner Struktur nach 
steht es ungefähr zwischen den stengligen und den flaserigen Gneisen. 

Es besteht zu etwa 70 Teilen aus fleischroten Orthoklasen, die zu 
2ü mm langen und 1 — 5 mm dicken Stengeln und Linsen ausgewalzt sind, 
zu 10 Teilen aus 0,5 — 2 mm großen, makroskopisch tief dunkelgrünen bis 
schwarzen, selten gutbegrenzten Hornblenden rmd zu 20 Teilen aus einem 
makroskopisch graugrünen, auch mit starker Lupe nur selten auflösbaren Grus. 

Unter dem Mikroskop zeigt der Orthoklas sehr prägnante Kataklas- 
struktur. Perthit wurde nur selten beobachtet. Trikline Feldspäte treten 
nur in ganz geringer Menge auf. 

Die Hornblende ist ebenso wie der Feldspat durch den Gebirgs- 
druck stark zerrieben. In ihrer ursprünglichen Form guterhaltene Kry stalle 
sind selten, meist sind sie zerbrochen oder in unregelmäßig geformte Fetzen 
aufgelöst; sehr häufig zeigen sie auch stark undulöse Auslöschung. Der 
Pleochroismus ist recht stark, |[a liclitgraugelb mit einem leichten Stich in's 
Grünliche, '.\h dunkelgrasgrün, jiC licht- bis dunkelgraugrün. Die Aus- 
lösclutngsschiefe, Winkel c : c, ist 22— 23O. 

Die Umwandluiigs- und Zersetzungserscheinungen sind recht mannig- 
faltig, man beobachtet sowohl Umwandlung in Augit, was sich durch Um- 
randung der Hornblendeschnitte durch eine vielfach unterbrochene, nicht 
den Umrissen der ursprünglichen Krystallform, sondern denen der Bruch- 
stücke folgende Zone von unregelmäßig gestalteten kleinen Augitkörnchen 
kundgibt, als auch deutliche Chloritisierung. 

An der weitaus größeren Zahl der Hornblendeschnitte aber nimmt 
man eine andere Art der Umwandlung wahr, die eine gewisse Ähnlichkeit 
mit der in jungvulkanischen Gesteinen wcilM-rbreiteten hat. 

Die Schnitte werden durch ;\iiss( liculuni; von Eisenoxyd aihuälilich 
trübe und braun und, wenn der Piozeli weiter fortgeschritten ist, schließ- 
lich tiefschwarz rmd undurchsichtig. Bei noch weiterer Entwickelung zieht 
sich das Eisenoxyd zu kleinen Erzkörnchen zusammen, der Schnitt klärt 
sicli auf und besteht rmn aus einem äußerst feinschuppigen und körnigen 
Aggregat einer schwach liciitbrechenden, farblosen Masse, in dem die 
kleinen Erzkömchen eingebettet liegen. 

Vielfach erscheinen die Schnitte des opaken Umwandlungsijrodukts 
der Hornblende über ihre ganze Ausdehnung hin oder auch mn in kleineren 
oder größeren Flecken, wie oberflächlich bestreut, mit einem sehr feinen, 
auch mit stärkster Vergrößerung nicht auflösbaren, gelbbraunen, leuchtenden, 
voluminösen Pulver, aus welchem sieb bei stärkerer Konzentration kleine 



Gesteinsbeschreibuiig. 59 

Körndicii vun Titauit entwickeln. Es ist daiaus auf einen wohl nicht un- 
bedeutenden Gehalt der Hornblende an Titan zu schließen. 

Der graugrüne Grus, in welchen die größeren Mineralkörner eingebettet 
liegen, besteht aus einem sehr feinkörnigen Gemenge von Feldspat- (5 Teile), 
Quarz- (8 Teile) und Hornblende- (3 Teile) Bruchstücken mit feinen 
Läppchen .von Chlorit (i Teil) und 0,1 — i mm groläen, teilweise in Leuk- 
o.xen umgewandelten Erzkörnchen (3 Teile). Der Chlorit deutet seiner 
Form nach auf ehemals (allerdings nur in selir geringer Menge) vorhanden 
gewesenen Glimmer. 

Vereinzelt treten auch A]jatit und Zi rkon kiirnchen auf. 

25. Augit-Hornblende-Syenit. 

Kope-Gipfel am Nordhang von 1700 m — 2000 m in senkrechten 
Wänden anstehend. Bildet die Horste i, 2 imd 3. 

Das Gesteiii zeigt an verschiedenen Stellen mehr oder weniger deutlich 
porphyrische oder körnige Struktur. 

In einer gelblich grauen bis grünlichen, mittelkörnigeii Grundmasse 
liegen recht zahlreiche, leicht graugrüngefärbte, meist glänzende 5 — 15 mm 
große Feldspäte. Makroskc^pisch ist an denselben auch mit den besten 
Lupen nur sehr selten eine feine Zwillingsstreifung zu erkennen, wohl aber 
sieht man sie leicht gefleckt und reich an größeren Einschlüssen. 

Die Grundmasse besteht aus einem hypidiomorphkörnigen Gemenge 
von 1 — 2 nmi großen Orthoklas- und Pyroxen- und 0,5 — i mm großen 
Hornblende- und Quarzkömchen. 

Feldspat macht etwa 8o"/o und Augit \o^U, Quarz 5"/», Hornblende 
4^/0 und Erz i^/o der Gesteinsmassen aus. Geringe Mengen von Biotit 
und Apatit sind nicht in Betracht gezogen. 

Der Feldspat der Grundmasse ist fast aussclilicßlich Orthoklas; 
er bildet nach M dicktafelförmige, meist aber an vollkommenerer gesetz- 
mäßiger Ausbildung behinderte Kryställchen, die sehr häufig nach dem 
Karlsbader Gesetz verzwillingt sind. 

In den großen als Einsprengunge auftretentlen Feldspäten durch- 
dringen sich Orthoklas und Oligoklas derart, daß einmal der Ortlioklas, 
andrerseits auch wieder der Oligoklas die Hauptmasse des Krystalls aus- 
macht, meist aber gibt eine äußere Hülle von Orthoklas, die aber stets 
gleiche Orientierung wie die inneren Partieen hat, die Form an. 

Eigentümlich ist dabei die Erscheinung, daß stets nur der Ortlioklas 
große Mengen von Einschlüssen (Hornblende, Augit und Erz, vereinzelt 
auch kleine Biotitiäppchen) führt. 

Der Orthoklas zeigt recht deutliche Zcrsetzuiigserscheinung und leichte 
l'iübung, während der Plagioklas stets klai und frisch erscheint, 



60 r)r. Ernst F.sch: 

Der Augit bat im Schliff nur sehr schwache, l<aum crkennVjare 
grünlich gellje Farbe: meist tritt er in abgerundeten, nacli c wenig ver- 
längerten, dicken Säulchen auf. Seine Auslöschungsschiefe (-^crc) steigt 
bis zu 50". Häufig zeigen seine Schnitte einen dünnen, einheitlichen, also 
nicht faserigen Mantel von grüner Hornblende, der vielfach kleine Aus- 
wüchse mit äußerer gesetzmäßiger Umgrenzung in die umliegende Ge- 
steinsmasse entsendet. 

Die Hornblende ist die gemeine, grüne mit deutlichem Pleochrois- 
mus und einer Auslöschungsschiefe von 15 — 18". 

In einzelnen Schnitten wurden allerdings Auslöschungsschiefen bis zu 
28" gemessen. 

Sie bildet nur selten gut umgrenzte Krystalle, meist sind die ur- 
sprünglichen Krystallformen durch magmatische Korrosion verloren gegangen. 

Der Quarz tritt als Zwischenklemmungsmasse und in der Grundmasse 
in pegmatischer Verwachsung mit Orthoklas auf. 

Der Apatit liegt in langen, schlanken, vielfach gebrochenen Säulchcn 
oder auch in rundlichen Körnchen vor. 

Magnetit zeigt sich in dreieckigen und quadratischen Schnitten von 
0,02 — 0,3 mm Größe. 

Der Glimmer ist ein scheinbar einaxiger dunkelbrauner Biotit. 

26. Augit-Syenit. 

Nordhang des Kope zwischen Ngab und Esoke. 

Das Gestein hat grobkörniges Gefüge und eine dunkelgrüne Gesamtfarbe. 

Es besteht aus etwa 75 Teilen Orthoklas, 5 Teilen Oligoklas-Andesin, 
2 Teilen Quarz und 18 Teilen Pyroxen. 

Der Orthoklas bildet 2 — 10 mm große, nach M dicktafelförraige Kry- 
stalle, die vielfach dmxh M, P, 1 und x recht gut begrenzt sind ; im Gesteins- 
gewebe und in dickeren Spaltblättchen zeigen sie klare bouteillegrüne Farbe. 
Karlsbader Zwillinge sind sehr häufig. Im Schliff erseheinen sie durch 
äußerst winzige Körnchen und Schüppchen, die wohl das Pigment dar- 
stellen, leicht getrübt. Perthitische Verwachsung mit Albit ist selten. 

Der Plagioklas, meist (Jliguklas, tritt in ähnlichen Formen wie der 
Orthoklas auf, seine Zwillingslaineilierung ist sehr fein. Zonarstruktui- ist 
nur sehr leicht angedeutet. 

Der Quarz füllt die Zwischenräume zwischen den übrigen Mine- 
ralien aus. 

Der Augit bildet i — 4 mm große, scharfe Säiilchen mit nicht selten 
selbständiger Umgrenzung durch (100), (OIO), (HO), (111), (lH) (22T), 
häufiger tritt er in gerundeten und auch unregelmäßig zackigen imd aus- 
gebuchteten Schnitten auf. 



Gesteinsbescbreibung. 61 

Im Schliff zeigt er in unverändertem Zustand litiitgraugrüne Farbe 
mit einem Stich in's Gelbliche, wie der gemeine Augit, seine Auslöschungs- 
schiefe, der Wert des Winkels, den die kleinste Elastizitätsaxe mit den 
prismatischen Spaltrissen bildet, steigt bis zu 54". In diesem unveränderten 
Zustand aber tritt er nur in wenigen Resten auf, die bei weitem größte 
Zahl der Schnitte zeigt eine von außen nach innen fortschreitende Um- 
wandlung des Minerals in ein tiefgrün gefärbtes Material. Die körperliche 
Einheitlichkeit des Krystalls wird dadurch nicht im geringsten gestört; im 
gewöhnlichen Licht sieht man nur, wie die Grünfärbung von innen nach 
außen zu ganz allmählich immer intensiver wird, die Spaltrisse setzen un- 
gestört durch den ganzen Schnitt durch. Die grüngefärbten Partieen driiigen 
vielfach tief in verschwommen konturierten Zungen tief in das Innere 
der Krystalle ein und umschließen dann mehr oder weniger große, matt- 
gefärbte Partieen ursprünglicher Substanz, so daß das Aussehen der Schnitte 
ein fleckiges oder geflammtes ist. Der Pleochroismus des grünen Materials 
ist meist recht deutlich | \ a sattgrün, I ! C lichter grün mit einem Stich ijvs 
Gelbe, h b graugrünlich gelb. Seine Auslöschungsschiefe der Winkel c:c 
wird, je tiefer die Farbe wird, de.sto größer; die größte Elastizitätsaxe 
nähert sich also immer mehr der Richtung der krystallograghischen c-Axe. 

Je nach der Intensität der Umwandlung in den verschiedenen Schnitten 
sinkt der Wert des Winkels c:a von 36° für den ursprünglichen Kern 
ganz allmählich bis 27", in anderen Schnitten bis 25", 18" und 13O für 
die äußersten, am stärksten beeinflußten Partien. Diese Erscheinung legt 
die Vermutung nahe, daß der ursprünglich als gemeiner Augit ausge- 
schiedene Pyroxen durch Einwanderung eines Aegirin-Moleküls, die wohl 
noch im feuerflüssigen Zustand des Gesteins stattfand, von außen nach 
innen zu allmählicli in einen dem Aegirin-Augit ähnlichen Pyroxen um- 
gewandelt wurde. Als Umwachsung von Augit durch .\cgirin-Angit ist 
die Erscheinung jedenfalls nicht zu erklären. 

Zuweilen ist der Pyroxen mit Magn^tit-Kiirnchen von 0,1—0,5 """ 
Größe verwachsen. 

27. Augit-Syenit. 

Nordhang des Kope 500 m in nordöstlicher Richtung vi-im letzten 
Hause in Ngab. 

Es ist ein grobkörniges Gestein von hellgrauer Gesamtfarbe ; es ist 
zusammengesetzt aus etwa 48 Teilen Orthoklas, 47 Teilen Plagioklas, 
2 Teilen Quarz, 9 Teilen Augit und 2 Teilen Bi(3tit, 1 Teil grüner Horn- 
blende und 1 Teil Magnetit, außerdem führt es noch geringe Mengen 
von Apütit. 

Der Urthoklas Inidct 1 — 1.=; mm große, nach IM dicktafelförmige. 



62 Dr. Ernst Escli: 

durch M, P, 1 imtl x ziemlich gut umgrenzte Krystallc, die vielfach nach 
dem Karisbader Gesetz verzwillingt sind. Er ist ziemlich lirmfig mit Albit 
perthitisch verwachsen; randlich ist er stets stark zersetzt. 

Der Plagioklas zeigt weniger gute krystallographische Begrenzung, 
er ist zonar aufgebaut, die Form des .Kernes läßt meist recht deutlich 
erkennen, dal3 er in früheren Wachstumsstadien durch M, P, 1, T und x 
scharf begrenzt war, die äußerste Zone aber hat nach außen hin ganz 
unregelmäßige Umgrenzung; sie füllt die Zwischenräume zwisclien den 
übrigen Krystallen aus. Der Kern der Plagioklase ist Andesin bis Oligoklas, 
die äufSerste Zone aber häufig Labrador, ihre Auslöschuugsschiefe auf M 
steigt bis zu 26". Der Plagioklas ist weit weniger verwittert als der 
Orthoklas. 

Der Quarz tritt fast mir in niikrupegmatitischer Verwachsung mit dem 
Orthoklas auf. 

Der Pyroxcu tritt meist in 0,5 — 1,0 mm, selten in 1 — 2, ,5 mm 
ij großen, gut umgrenzten, dicken, grünscliwarzeu Säulchen auf; er zeigt iiii 

li Schliff kaum merkliche grünlich gelbe Farbe, Pleochroismus ist nicht wahr- 

nehmbar. Seine Atislöschungsschiefe (-^ c : c) geht bis zu 56". 

Der Biotit ist tiefdunkelbraun und liat sehr kleine Axenwinkel, 
ziemlich häufig ist er mit grüner Hornblende (wahrscheinlich perthtiisch) 
verwachsen. Er bildet meist recht dicke, 0,5 — 2 mm große, hexag(jnalc 
Täfelchen. 

Die Hornblende ist falal grün gefärbt und hat nur schwachen Pleo- 
chroismus, ihre Auslöschungsschiefe beträgt ili — 18". Sie bildet 0,5 — i mm 
große, nur selten scharf umgrenzte Säulchen. 

Augit, Biotit, Hornblende, Erz und Apatit sind vielfach in kleinen 
Nestern angelläuft. 

28. Hornblende-Syenit. 

Nordostliang des Kope bei i50om anstehend. 

Mittelkörniges Gestein von grünlich weißer Gesamtfarbe. 

Es besteht zu etwa 85 Teilen aus 3 — 6 mm, selten 10 mm großen, 
nach M dicktafelfflrmigen Ortlioklasen, zu 10 Teilen aus 2 — 5 mm großen 
Hornblenden und 5 Teilen aus Quarz. 

Der Orthoklas ist in der Prisraenzone meist idiomor])l\, tenninal 
aber fehlt ihm sehr häufig eine gesetzmäßige Begrenzimg. 

M, P, 1 und .X wurden häufig beobachtet, y dagegen recht selten. 

Perthitische, lamellare und spindelförmige Verwachsung mit Albit, 
die oft sehr fein wird, ist fast an jedem Schnitt zu beobachten. Plagioklas 
fehlt scheinbar ganz. 

Die Hornblende ist sehr tiefgrün gefärbt und hat demgemäß sehr 
starken Pleochroismus, die |)arallel c schwingenden Strahlen zeigen oft 



Gesteinsbeschreilning. 63 

einen Stich ins Blrmliclie. Ihre Auslöschungsschiefe beträgt bis zn 20''. 
Sie tritt sowohl in durchaus idiomorpheii Kryställchen und in Stiulchen 
auf, die in der Prismenzone idiomorph, teiTninal aber unregelmäßig be- 
grenzt sind, wie auch in ganz unregelmäßig gestalteten, zackigen Massen, 
welche die Zwischenräume zwischen den Feldspatkrystallen ausfüllen ; 
letztere Erscheinungsform ist sogar die häufigste. In einzelnen Fällen 
wurde sie sogar als jünger wie der Quarz befunden. 

Der Quarz füllt zum weitaus größten Teil die Zwischenräume zwischen 
den anderen Kr3-stallen aus, vereinzelt tritt er aber auch in größeren 
(0,3 mm) Körnchen als Einschluss in Orthoklas und in Hornblende auf. 

Vereinzelt finden sich in dem Gestein bis millimetergroße Schüppchen 
von Eisenglimmer, die im Schliff mit tiefdunkelroter Farbe durchsichtig 
werden. Andere dunldc Gemengteile fehlen in dem Gestein. 

29. Hornblende-Biotit-Gneis. 

Nordhang des Kope; in der Umgegend von Nyasoso bis 850 m Meeres- 
höhe, in gewaltigen Blöcken recht häufig. 
Flaserig kömiges Gestein von grauer Gesamtfarbe. Es besteht zu 
'^k bis '^/i aus 10—30 mm großen dicklinsenförmigen, kubischen oder auch 
rundlichen, gelblich weißen Orth<iklasen, meist Karlsbader Zwillingen, die 
auch nicht seilen größere Quarzkörner umschließen, und zu ^Is—^U aus 
Hornblendebruchstücken und eineip sehr feinkörnigen Grus aus Ortlioklas-, 
Hornblende-, Quarz-, Titanitkörnern und Biotitfetzchen. 

Dieser schwärzlich grüne Grus umzieht in flaseriger Form die großen 
Orthoklase, wodurcli die Struktur des C^esteins sich der der Augengneise 
nähert. 

Der Orthoklas ist zum größten Teil Mikroperthit. 

Die Hornblende hat eine 1 Auslöschungsschiefe (-^ C : c) von 27"; 
ihr Pleochroismus ist 1! t dunkelblaugrün, i' a graugrünlich gelb, !i b dunkel- 
graugrün. Die Absorption ist b > c> n. 

Der Biotit hat rein braune Farbe, in sehr dünnen Spaltblättchen 
ist er noch schwach durchsichtig; sein Axenwinkel ist sehr klein. 

Der Titanit tritt in recht zahlreichen 0,5— 3 mm großen, stets aber 
ganz zertrümmerten Krystallen auf. 

Apatit ist selten; vereinzelt treten kleine Z irkonk/irnchen auf. 

Außer den erwähnten Mineralien treten noch in nicht geringer Menge 
2 — 4 mm große, zerrissene Partieen eines mit feinen Erzpartikelchen dicht- 
gespickten graubraunen Umwandlungsproduktes von einem nicht mehr 
^•|.lrhandenen Mineral auf; z. T. ist dieses Umwandlungsprodukt Feldspat. 

Das Gestein ist zusammengesetzt aus annähernd 75 Teilen Orthoklas, 
IG Teilen Hornblende, 5 Teilen Quarz, 5 Teilen Biotit, 3 Teilen erzreiches 
Zersetzungsprodukt, 2 Teilen Titanit, 



64 I>i'. Ernst Esch: 

Der ganze Habitus des Gesteins deutet darauf liiii, daß es ein ge- 
preßter, quarzarmer Amphibolgranitit l)ez\v. Syenit ist. 

30. Geprefster Hornblende-Syenit. 

Auswürfling des Ebme Sungale, NnrdfulB des Kope. 

Porphyrisclies Gestein von hellgrauer Gesamtfarbe. In mittelkörniger 
Grundmasse, die aus i — 2 mm groIi5en Feldspat- und Quarzkörnchen und 
tiefschwarzen, stark glänzenden 0,1 — i mm, seltener 2 mm großen Fetzchcu 
von Hornblende besteht, liegen nicht sehr viele idiomorphe, 5 — 7 mm 
große Orthoklase. 

Der Feldspat ist ein typischer Perthit, einheidiche Orthoklase 
wurden nicht beobachtet; die Durchdringung der verschiedenen Feldspäte 
geht' so weit, daß man in einzelnen F'ällen kaum entscheiden kann, ob 
der Orthoklas oder das trikline Material das Formgebende ist. Randlich 
ist der Feldspat vielfach stark zerrieben; sein Grus bildet mit zertrümmertem 
(^uarz ein feinkörniges r'icmengc, welclies die Zwischenräume zwischen 
den größeren Körnern ausfüllt. Die großen Einsprengunge unterscheiden 
sich nicht wesentlich von den die Hauptmasse des Gesteins ausmachenden 
Körnern. 

Der Quarz bildet unregelmäßig begrenzte Körner und ist meist stark 
verquetscht und zertrümmert. 

Die Hornblende tritt niemals in idiomorphen Krystallen, sondern 
nur in unregelmäßig und zackig konturierten Fetzen ^auf; ihrem ganzen 
Aussehen nach gehört sie aber doch zu den ältesten Ausscheidungen des 
Magmas. Sehr auffallend ist ihr Pleochroisraus. Schnitte aus der Prismen- 
zone, in denen also sämtliche Spaltrisse parallel verlaufen, zeigen z. T. 
sehr starken Pleochroismus grüngelb und tiefdunkelgrün, oder dunkelgrau- 
grün und tiefdunkelgrün, z. T. bleiben sie in jeder Stellung tief dunkelgrün. 

Schnitte, senkrecht zur Prismenzone zeigen, wenn das Licht parallel 
der kürzeren Diagonale der durch die Spaltrissc gebildeten rhombischen 
Figuren schwingt, grüngelbe Farbe, das parallel der b-Axe schwingende 
Licht aber wird fast vollständig absorbiert. 

Die Absorptionsfarben sind daher 1 1 c tiefdunkelgrün, ! ; a kräftig grün- 
gelb und II b schwarzgrün. 

Ihre Auslöschungsschiefe steigt in prismatischen Schnitten auffallcnder- 
weise bis 38". In Schnitten senkrecht zur Prismenzone liegen die Aus- 
löschungsrichtungen genau parallel den Diagonalen der durch die Spalt- 
rissc gebildeten Rhomben. 

Daß hier wirklich Hornblende vorliegt, wurde an mehreren Spalt- 
stückchen durch goniometrische Messung des Prismenwinkels, der zu an- 
nähernd 124" t)estiramt wurde, kon.statiert. 



Gesteinsbeschreibüiig. (jf) 

Nicht selten führt die Hornblende kleine AiJatitkörnchen einge- 
schlossen. 

31. Hornblende-Syenit. 
Auswürfling des Ekone Sungale. 

Feinkörniges, sehr frisches Gestein von hellgrauer Farbe. Es besteht 
zu etwa 83 Teilen aus Orthoklas, zu 7 Teilen aus Quarz und zu 10 Teilen 
aus Plornblende. 

Plagioklas wurde nur in sehr geringer Menge beol>achtet. 

Der Orthoklas bildet i — 2 mm große, annähernd idiomorphe, 
häufig nach dem Karlsbader Gesetz verzwillingte, kurze, selten nach M 
dicktafelförmige Kryställchen. Perthitische Verwachsung mit triklinem 
F'cldspat ist sehr selten. 

Der Quarz tritt in 0,5 — 1,5 mm großen, meist unregelmäßig um- 
grenzten Körnchen auf. Seltener tritt er als Zwischenklemmungsmasse 
zwischen den anderen Mineralkörneni auf. 

Die Doppelbrechung ist sehr stark; auch in dünnen Schnitten treten 
nieist Polarisationsfarben der III. Ordnung auf. Schnitte, in denen sich 
die pismatischen Spaltrisse unter go" schneiden, zeigen im konvergenten 
Licht zentrisch das Interferenzbild senkrecht zu einer Mittellinie geschnittener 
Platten. Der Charakter der Mittellinie konnte wegen der tiefen Färbimg 
nicht ermittelt werden. 

Die Plornblende bildet niemals idiomorphe Kryställchen, sie tritt 
nur in ganz unregelmäßig umgrenzten, zackigen 0,5 — 2 mm großen Körnern 
auf. Ihre Auslöschungsschiefe ist sehr groß, der Winkel C : c beträgt 38 «. 
Der Pleochroismus ist sehr stark; das parallel b schwingende Licht wird 
auch in sehr dünnen Schhffen fast ganz absorbiert, es hat tiefdunkelbraune 
I'arbe, das parallel a schwingende Licht zeigt lichtbraune Farbe mit einem 
Stich ins Grünliche, das a' scliwingende ist tiefdunkelblaugrün. 

Die Absorption ist also b>c>a. Zersetzungserscheinungen sind an 
der Hornblende reclit häufig; sie verwandelt sich dabei in ein Aggregat 
von leicht bräunlich gefärbten kaolinähnlichen Schüppchen. 

Apatit tritt in seltenen, kurz säulenförmigen oder rundlichen 
Körnchen auf. 

Erz ist recht selten. 

Glimmer und Pyroxen felilen durchaus. 

32. Hornblende-Gneis. 

Auswürfling des Ekone Sungale. 

Das Gestein besteht aus \ielfach miteinairder wecliselnden, 5 — 30 mm 
<licken Lagen eines weißen und eines mehr oder weniger duukelgrnu ge- 
Beitrilge zur Gculogie von Kamerun. 5 



ßf; Dr. Erüst Esch: 

färbten Materials. Die Kiinigröße der einzelnen IVIineralien schwankt 
zwischen 0,3, und 3 mm. Die weißen Lagen bestehen aus einem allotri(j- 
uiorphliörnigen Gemenge von etwa 6,5 Teilen Orthoklas und 35 Teilen 
Quarz. Die grauen Lagen, bestehen aus einem allotriomorphkörnigen 
Gemenge von gemeiner, lichtgrüner Hornblende, Orthoklas und Quarz. 

Das Mengenverhältnis dieser drei Mineralien ist recht verschieden ; 
in den dunkelsten Lagen macht die Hornblende fast die Hälfte des 
Gesteins aus, wälu-end die Mengen von Orthoklas und (,)uarz sich ver- 
halten wie 3 : r. Sfimtlichc Mineralien sind teilweise stark gequetscht 
und zen-ieben. 

Apatit tritt in kleinen rundlichen Krirnchen recht selten auf. 

Außer der Hornblende treten keine farbige Gemeng-teile auf. 

33. Basalt. 

An der Quelle diclit bei dem \'erlassenen Dorf südlich von Muyuka. 

Dichtes, schwarzgraues Gestein mit erbsen- bis walnußgroßen, nicht 
sehr häufigen Blasenräumen, deren innere Wände glatt und mattglänzentl 
sind. Der Bruc:h ist ziemlich eben, aber rauh. Als Einspreiiglinge treten 
nur recht seltene, 0,5 — 2,5 mm große, olivgrün bis goldgelb glänzende 
Ülivine makroskopi^h erkennbar hervor. 

Unter dem Mikroskop erkennt man auch einige, bis i mm große 
Augite als Einsprengunge, Feldspat tritt nicht als Einsprengung auf. Die 
Hauptmasse des Gesteins besteht aus einem diabasisch-körnigen Gemenge 
von 0,15 — 0,3 mm langen Plagioklas-(Labrador-Bytownit-) Leistchen (45 — 
40 Teile), 0,1 — 0,3 mm großen Augitkörnchen und -Säulchen (40 — 35 Teile) 
mrd 0,2 — 0,6 mm großen, wenig gut umgrenzten Olivinkörnchen (1,5 — 
20 Teile). 

Erz und Opazit treten in 0,03 mm großen, zackigen, auch wohl recht- 
eckigen Partikelchen und in 1,3 — »,4 mm großen, schmalen Stäbchen auf; 
•sie machen etwa 4 — s^/o (-'er Gesteinsmasse aus. In sehr geringen 
Mengen beobachtet man auch eine globulitisch gekörnelte Zwischen- 
klcmmungsniasse. 

34. Basalt-Schlacke. 
In zalilreichen Blöcken i — 2 km südlich von Muyuka. 

Schwarzgraues, blasiges Gestein mit wenigen, 2 — 3 mm großen Ein- 
sprengungen von Olivin und Augit. Feldspat ist makroskopisch nur selten 
zu erkennen. 

Die Hauptmasse besteht aus 0,2 — 1,5 mm großen Plagioklas-(Labrador- 
Bytowi\it-)Leistchcn (nicht Täfelchen), - dieselben machen etwa 40 — 4,S% 
des Gesteins aus; 0.01 —(1.07 mm, selten bis 0.4 mm, gnißon Augit- 



Gesteinshesdireibuiig, f57 

körnchen - sie machen zusammen mit den Einsprengungen etwa 30% 
des Gesteins aus; 0,3 — i mm groläen Olivinlcömchen und -Krystjillchen - 
dieselben gelien allmählich in die Einsprengunge über und machen mit 
diesen zusammen etwa 15 — 30^/0 des Gesteins aus; und braunem, kaum 
durchsichtigem, mit Opazitstäbchen durchspicktem, auch globulitisch ge- 
kfirueltem Glas - etwa 5 -7%. Dazu treten 5— 7*'/o dreiseitige, (juadra- 
tische und unregclmrifiig liegrenzte Erzkörnc-lien \-i)n durchschnittlich o.o.stnni 
(nöße. 

35. Basalt. 

Im Bachbetl bei Ngcnjo anstehend. 

Ziemlich hellgraues, rauhes Gestein mit zahlreichen, hirsekorn- bis 
luiselnußgroßen Blasen. Als Ein.sprenglinge führt dasselbe recht häufige 
1—2 mm große Olivin- und Augitkrystalle, dieselben heben sich abernur 
wonig scharf von dem (iesteinsgewebe ali. Keldsi^at erjvcnnt man makrri- 
sk. )pisch nicht sicher. 

Unter dem Mikroskop erkennt man o,:: — 1,5 mm große Plagioklas- 
(Labrador-)Leistchen - 65 — 70 "/o; 0,02 — 0,5 mm große Augitkörnchcn - 
zusammen mit den Einsprengungen etwa 20%; und 0.3 — 1 mm große 
(-)livinc - mit den Einsprengungen zusammen etwa 10 "/g; dazu treten 
o--,=)"/o Erzkörnchen: amorphe Zwischenklemm ungsmasse fehlt. 

36. Basalt. 

Im Bach bei Ndabekom anstehend. 
Dunkelgraues, rauhes CJestein mit seltenen hirsekorn- bis bohnen- 
großen Blasen und Litophysen; es führt zahlreiche Augit- und Olivin- 
Kinsprenglinge von 1-4 mm Gn'iße. Die Grundmasse besteht aus etwa 
45 "/o ?lagioklas-(Labrador-Bytownit-)Lcistchen, von 0,1— 0,3 mm Größe, 
rötlich \iolotten, verschwommen konturierten, 0,07 — 0,5 mm großen Augit- 
körnchen - mit den schwach gelblichgrün gefärbten Einsprengungen 
zusammen etwa 30 "/o; 0,2 — 0,5 mm großen Olivinkörnchen - zusammen 
mit den Einsprengungen etwa 10%; und aus einem Krystallisationsrest, der 
eine formlose, häufig in die Plagioklasleistchen allmählich übergehende, 
undulös auslöschende Feldspatmasse darstellt, welche vielfach getrübt ist. 
durch zahllose, äußerst winzige, stark lichtbrechende Nädelchen und läng- 
liche und runde (w(.>hl Augit-)Körnchen. Diese Masse macht etwa 10 "/o 
fies Gesteins aus. Zu diesen Gemengteilen tritt noch - etwa 3 — j'^lo - 
Erz bezw. Opazit in zackig geformten, akier auch rechteckigen und drei- 
eckigen Körnern \'on 0,05 — 0,1 mm Grösse uucl in 0,3 — 0,5 mm langen 
Und 0,02—0,08 mm dicken Stäbchen. Letztere gehören zu den ältesten 
Ausscheidungen; sie sind wohl als Umwandlungsprodukte, vielleicht von 
Hornblende, aufzufassen. 



68 T)r. Ernst Kscb; 

37. Basalt. 

Westhaiig des Ivope im Bachbett bei Mbule anstellend. 

Graues Gestein mit ebenem, rauhem Bruch und nicht seltenen 0,2 — 
2 mm großen Blasenräumen; dieselben sind nicht gleichmaßig in dem 
Gestein verteilt' sondern in i — 2 cm großen, schwammigen Partieen an- 
gehäuft. Als Einsprengunge treten nur i — 2 mm große Olivine ziemlich 
selten auf. Unter dem Mikroskop erkemit man neben dem Olivin, der 
in seiner Größe bis zu 0,3 mm heruntergeht (er macht ungefähr lo'Vo 
des Gesteins aus) 0,15^0,5 mm große Plagioklas-(Labrador-B_vtGwnit-) 
Leistchen - 5,5— 6o°/o - imcl die Zwischenräume zwischen diesen aus- 
füllend ein Gemenge von 0,01 — 0,04 mm großen, scharf, aber scheinbar 
nicht gesetzmäßig umgrenzten Augitkömcheii und ebenso großen quadra- 
tischen, dreieckigen und zackig begrenzten Erz- (wohl Magnetit-)Körnchen, 
welches verkittet ist durch geringe Mengen von formloser, undulös aus- 
löschender Feldspatmasse. 

Die Augitkörnchen machen etwa jo"/,,, die Erzkr.inchen io"/„ und die 
Feld.spatmasse 3 — s^/o des Gesteins aus. 

Die Feldspatmasse geht vielfacli in die Plagioklas-Leistchen allmählich 
über, wodurch die Schnitte der letzteren nicht selten lappige Form an- 
nehmen oder randlich ausgefranst erscheinen. 

38. Basalt. 

Nordhang des tCope, Blocklava bei 1 100 m Höhe. 

Schwarzgraues bis braunschwarzes Gestein mit nicht seltenen, 2 — 4mm 
großen Augiten und kaum halb so vielen, ebenso großen, dagegen wohl 
5 mal so vielen nur 0,2 — 0,7 mm großen Olivinen. 

Die Augiteinsprenglinge machen etwa 10 "/o, die Olivine, sie gehen 
in ihrer Größe bis zu o, i mm herunter, ebenso viel der Gesteinsmasse aus. 

Die Grundmasse besteht zu etwa 30 "/o aus 0,02^0,15 mm großen 
Plagioklasleistchen, zu 2n0/o aus 0,005—0,01 mm großen Augitkörnchen, 
zu 20°/,) aus ebenso großen Erzkörnclien und zu 30^/0 aus einer teils an- 
nähernd entglasten, in Plagioklas übergehenden, teils vollkommen isotrojien, 
dann braunen Glasmasse. 

39- Basalt. 

Nordhang des Kopc, hei I20f)m Meereshöhe anstehend. 
Tiefschwarzes, stellenweise ein wenig poröses Gestein mit einem 
leichten Pechglanz. Es führt zahlreiche, 0,3 — 2 und 3 mm große Olivine 
und Augite, vereinzelt erkennt man auch sehr feine, bis i mm lange Feld- 
spatnädelchen. 







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Gcstejnsbeschreibniif;. ß{^ 

Unter dem Mikroskop erkennt man, daß es zu etwa 35 Teilen aus 
scliarf umgrenzten Plagioklasleistchen von meist 0,05 — 0,3 mm, selten mehr 
als 0,5 mm Länge, zu 15 Teilen aus Augit, zu 15 Teilen aus Olivin und zu 
35 Teilen au.s einer Grundinasse besteht, die sich zusammensetzt aus tief 
dunkelbraunem, stellenweise aufklarendem und in formlose Plagioklasmassen 
übergehendem Glas, sehr zahlreichen 0,004—0,03 mm großen Erzkörnchen 
und wenigen, winzigen Augitkörnchen. 

Diesem Typus sehr ähnliches Gestein findet sidi in kleinen Bomben 
auf dem Gipfel des Kope in den denselben bedeckenden Tuffen, und 
in weiter Verbreitung in dem Gebiet zwischen Bamba- Diebe und 
Mamena. 

40. Basalt. 
Auswürfling des Ekone Sungalc. 

Schwarzgrau CS, dichtes Gestein mit nur ganz vereiiizelten, 1-3 mm 
großen Einsprengungen von Olivir. 

Untei- dem Mikroskop erkennt man gar nicht seltene 0,2 -0,8 mm 
große Olivine — etwa 5— 7"/o — die m einer recht niedrig entwickelten 
Grundmasse liegen. 

Plagioklasleistchen, höchstens 0,08 mm lang, in derselben sind ziem- 
lich selten: zu etwas mehr als der Hälfte besteht die Grundmasse aus 
einer leicht getrübten, halb glasigen Masse, die das Bestreben zeigt, sich 
in Plagioklasleistchen zu verwandeln, zu etwa 1/4 aus Augitkörnchen von 0,00,5 
—0,008 mm Größe und gedrungenen Augitsäulchen von höchstens 0,04 mm 
Länge und zu etwa '/g aus Erzkörnchen von 0,004—0,01,=, mm Größe. 

41. Trachyt. 

Block im Bach di :ht bei Ninong, Manengulia-fjebirge, 
Hellgraues, dichtes Gestein mit nicht häufigen Ein.sprenglingen von 
gelblichem, weißem oder auch (aber nur selten) glasigem, i— 6 mm großem 
Feldspat, 0,1 — 3 mm großen, zuweilen glänzenden, meist aber stumpf- 
schwarzen Hornblende-Säulchen, seltenen Augitkörnchen und ganz ver- 
einzelten kleinen OlivinkrystäUchen, Unter denj Miliroskop erkennt man, 
daß der Feldspat nicht in zwei scharf von einander zu unterscheidenden 
Generationen vorliegt, sondern daß Grundmassen- und Einsprenglingsfeld- 
spate durch eine utranterbrochene Reihe von Übergangsgliedern verbunden 
sind. Zum größten Teil sind es isometrische Körnchen von S a n i d i n , 
die vielfach deuthch zonar aufgebaut sind. Die größeren Ktirner erscheinen 
fast stets randlich stark korrodiert. Plagioklas ist in größeren Individuen 
ziemlich selten, in kleinen Leistchen aber recht häufig. Das Mengen- 
verhältnis von Sanidin zu Plagioklas ist annähernd 3 : 2. Der Plagioklas 
gehört seiner Auslöschungsschiefe nach zum Andesin. 



70 Dr. Ernst Esrh: 

Der Augit tritt in Köriiclieii und wenig scharfbegrenzten Säulchen 
von 0,05 — 2 mm Größe auf. 

Die Hornblende ist meist zerfallen. 

Der Olivin ist randlich umgewandelt und braim gefärbt. 

Erz tritt in 0,01—0,05 mm großen, dreieckigeTi, quadratischen, vielfach 
auch in unregelmäßig umgrenzten Schnitten auf. 

Das Mengenverhältnis der einzelnen Komponenten des Gesteins ist 
ungefähr folgendes: 

Sanidin so^/o, Andesin :-,^''j„, Augit 5%, Hornblende ,5"/o> Erz 3"/(i, 
Olivin 2%. 

42. Trachyt. 
Block im Bach chcht bei Ninong, Manenguba-Gebirge. 

Tn dunkelgrauer, dichter Grundmasse liegen ziemlich zahlreiche, r — 
5 mm große, glasglänzende Feldspäte und weniger häufige 0,4 — 1,0 mm 
große, schwarze Kömchen von Augit und nicht seltene ebenso große, 
oft mit brauner Kruste versehene Olivine. 

Unter dem Mikroskop zeigt der Felds])at nur in vereinzelten Schnitten 
deudich erkennljarc Zwillingslamcllierung; zum größten Teil ist er Sanidin. 
Der Winkel der optischen Axen, der durch die größte Elastizitätsaxe 
halbiert wird, beträgt nach vergleichenden Messungen an verschiedenen 
Glimmern nur 20 — 25". Die Ebene der optischen Axen liegt senkrecht 
zur Symmetrieebene. Der zwillingsgestreifte Feldspat ist Oligoklas. 

Beide Feldspäte führen Einschlüsse von Augit und Erz ; Augit tritt 
mit ihnen auch in poikilitisclier Verwachsimg auf. 

Der Augit ist der gewöhnliche basalti.sche, er sowohl wie auch der 
Olivin zeigen vielfach Spuren von magmatischer Resorption. Neben Augit 
und Ohvin tritt als farbiger Gemengtoil nocli eine gänzlich zerfallene 
Hornblende auf. Die Form der scharfumrandeten Schnitte weist mit 
Sicherheit auf das ehemals vorhanden gewesene Mineral hin, in der Sub- 
stanz ist es aber nicht mehr v(_)rhanden, die Schnitte bestehen aus einem 
Haufwerk von Augit-, Erz- und Fddspatkörnchen. Die beim Zerfall der 
Hornblende entstandene Augitmasse zeigt zuweilen auch über den ganzen 
Schnitt hin einheitliche Orientierung, sie erscheint dann als ein grobes 
Netzwerk, dessen Maschen von Erz- und Feldspatpartikelchen oder auch 
v(ni einer unbestimmbaren, (jpazitischen Masse erfüllt sind. 

Apatit tritt in wenigen, selbständigen oder von. Augit und ehemaliger 
Hornblende eingeschlosseneu, kurzen, dicken Säulchen auf. 

Die Grund masse besteht zu etwa ^/4 aus schön fluidal angeojdnetcn 
Feldspatleistchen und zu ^U aus Augit- und Erzkörnchcii. 

Zwillingsbildung ist au den Grundmassenfeldspätchen nur sehr selten 
zu beobachten, zum Teil smü sie sicher als Sanidinleistchen erkennbar, 



("lesteiusbeschreibuiiK. 7 1 

meist aber stellen sie uiRlulösauslöschende, saure, Tlagioklasc (I.abradur- 
Oligoklas) dar. 

Das Mengenverhältnis der einzelnen Konipuneiiten, die das Gestein 
bilden, ist ungefähr folgendes: 

Grundmasse 75%, Sanidin + Oligoklas io'V„. Augit 5''/n, Olivin 5 "/o, 
zerfallene Hornblende 5%. 

43. Trachyt. 
Ringwall des Ebogga- Kraters, Manenguba-Gebirgc. 

In einer hellgrauen, dichten Gnmdmasse liegen nicht sehr zahlreiche, 
0,5 — 4 mm große, glasklare Feldspate, vereinzelte, bis 0,5 mm große Augit- 
und Olivin -Kry ställchen und sehr viele 0,2 — 1,5 mm große Hornblcnde- 
säulchen. Unter dem Mikroskop erweist sich der Feldspat zur Hälfte als 
Sanidin, zur anderen Hälfte als Labrador-Andesin. Die Kryställchen sind 
meist nach M dicktafelförmig. 

Der monokline Feldspat ist nur selten einheitlich, meist ist er 
verwachsen und durchdrungen von trinklinem Material, letzteres zeigt 
aber nur in sehr seltenen Fällen Zwiilingslamellierung; auffallend ist 
dabei, daß, auch wenn die verschiedenen Mineralien sich \-ollkommen 
durchdringen, so daß die Schnitte zwischen gekreuzten Nikols feingefleckt 
erscheinen, das trikline Material beträchtüche Mengen von Augit und 
Erzkörnchen eingeschlossen enthält, die monoklinen Teile der Schnitte 
aber fast vollkommen frei von Einsclilüssen sind. Zu erklären ist die 
Erscheinung wohl dadurch, daß man annimmt, der Orthoklas habe sich 
in schwammiger Skelettform mit Umschließung großer Mengen von flüssigem 
Magma gebildet und dieses sei dann nachträglich erstarrt unter Bildung 
von Plagioklas, dessen Moleküle gleichmäßig in dem ganzen Krystall 
sich nach bestimmtem ( jesetz dem monoklinen Material anlagerten, und 
Augit und Erz. 

Der als Einsprengung auftretende Plagioklas ist seiner Auslöschungs- 
sclüefc iiach ein Labrador, seltener Andesin. Zonarstruktur ist an dem- 
selben wohl stets zu beobachten, aber nicht stark ausgeprägt. 

Augit ist nur in geringer Menge vorhanden, er hat schwach gelblich- 
grüne Farbe, seine Auslüschungsschiefe (Winkel c : c) beträgt 50 — 5 2". 

Der Olivin ist häufig ui seineu peripherischen Teilen umgewandelt 
und braungefärbt. 

Die Hornblende ist bis auf geringe zentrale Reste des ursprünglichen 
tiefbraunen Materials vollkommen in eine opazitische Masse, aus der sich 
Augit, Erz und nicht selten auch Plagioklas, wie ich dies eingehend früher') 
beschrieben, neugebildet haben, zerfallen. 

1) Esch: Die Gesteine der ecuatorianiscben Ost-Cordilleren, die Berge des 
Ibarra-Bcdcens und des Cayanibe, 1896, p, 26 ff. 



72 I>r. Ernst Ksch: 

Die Grundmasse besteht zu etwa 80% aus sehr kleinen (0,05 — 
0,00 mra langen) Plagiuklasleistchen, zu 5% aus 0,005 — 0,025 ™i^ großen 
Erzkörnchen, zu 5'Vo aus 0,008 — 0,0,5 niin langen, farblosen Augitsäulchen 
und zu etwa 10% aus niedrigentwickelter, formloser Feldspatmassc. 

44. Diabas. 

Steht in mächtigen Felsen auf dein westlichen Teil des Kamnies des 

Manenguba-Gebivges zwischen Niiiong und dem Ebogga- Krater, etwa 

200 m unter dem Niveau des Kraterbodens, an. 

Die Struktiu des Gesteins ist typisch diabasisch-körnig, es 
besteht aus 3 — 5 mm großen, leisten- bis tafelförmigen Plagioklasen, i — 
2 mm großen, unregelmäßig geformten Augitkörnern und 0,5 — 1,5 mm 
großen, äußerlich lotbraunen r)livinkrystallen. Eine Grundmasse fehlt 
vollkommen. 

Der Plagioklas zeigt sehr deutlichen zonaren Aufbau und grobe, aber 
sehr häufig auch außerordentlich feine Zwillingslamelliermng. Ga,r nicht 
selten beobachtet man in einem kaum i mm breiten Leistchen 100 — 200 
Zwillingslamc.Ilen. Seiner Auslöschungsschiefe nach gehört er zum Labrador 
bis Bvtownit. Sehr auffallend ist an ihm eine außerordentlich scharf 
ausgebildete Spaltbarkeit nach der Querfläche oder einer dieser nahe- 
liegenden Fläche. Die Spaltrisse sind in dünnen Schliffen so scharf, 
durchgehend und häufig wie nur selten die ttach P oder M in den besten 
Orthoklaspräparaten. Höchst wahrscheinlich entsprechen sie der bei den 
Sanidinen so häufig zu beobachtenden, in groben, unregelmäßigen Sprüngen 
si('h kundgebcnilen Teilbarkeit. Vereinzelt artet diese Spaitbarkeit auch 
in gröbere Klüftung aus. 

Der Augit bildet in typischer Form einen Kitt, welcher die Zwischen- 
räume zwischen den übrigen das Gestein zusammensetzenden Mineralien 
ausfüllt, er tritt nur in vollkommen allotriomorphen Körnern und zackigen, 
weitverzweigten Partien auf, deren Form allein durch die übrigen Gesteins- 
kümponenten bedingt ist; stets zeigt er auf weite Erstreckung (bis 4mm) 
hin gleiche krystallographisclie Orientierung. Nicht selten tritt er auch 
in poikilitibchcr Verwachsung mit Plagioklas auf. Seine Farbe ist matt 
graugrün mit einem deutlichen Stich ins Braune. Seine Auslöschungs- 
schiefe [^ C ; c) steigt bis zu 54 ". Zwillingsbildung wurde nicht be- 
(ibachtct. 

Der Olivin tritt iiieisL in abgerundeten und stark korrodierten 
Körnern von 0,5 — 1,5 mm Größe auf; randlich ist er häufig in eine rot- 
braune, sphärolithische Masse umgewandelt. Einschlüsse führt er nicht. 
Außer Augit und Olivin führt das Gestein noch in beträchtlicher Menge 
i--5 mm lange und, 0,05 tj,2 mm breite, tiefschwarze vollkommen un- 



Gesteinsbeschreibung. 73 

durchsichtige vielfacli skelettfürmige Nadehi, die die Feidsiial- und Augit- 
krystalle unbehindert durchseteen; sie gehören offenbar zu den ältesten 
Ausscheidungen; ihr Altersverhältnis zum Olivin konnte nicht festgestellt 
werden. Metallglanz fehlt ihnen vollkommen, wahrscheinlich stellen sie 
ein in früheren Perioden ausgeschiedenes, iiadiher, vielleicht nach erfolgler 
Eruption des Magmas, nicht mehr bestandfähiges und daher zerfallenes 
Mineral der Glimmer- oder Hornblendegruppe dar. 

Das Mengenverhältnis der einzelnen das Gestein zusammensetzenden 
Mineralien ist ungefähr folgendes: 

Plagioklas 70 "/o, Augit 15%, Ulivin 7"/o, unbestimmbare opake 
Nadeln 8%. 

45. Basalt. 
I km westlich vom Ebogga-Krater in einer scharf eingeschnittenen, schmalen 
SchUicht, in der der Kiddebach entspringt, etwa 50 m imter dem Kamm 

bei annrihernd iqcx) m Meereshöhe. Ein bis zu 3 m Mächtigkeit 
aufgeschlossener Strom. 

Graues, festes Gestein mit wenigen, i — 6 mm großen Blasenräumen. 
In grauer, dichter Grundmasse liegen recht zahlreiche weiße, nicht 
glänzende, nach M tafelförmige Flagioklase von 0,5 — 3 mm Breite und 
0,1 — 0,5 mm, selten i mm Dicke und sehr zahlreiche o, r — 1,5 mm große 
Körnchen von tiefschwarzem, glä.nzendem Augit und äußerlich dunkel 
rotbraunem Olivin. 

Die Struktur des Ge,steins ist t^'pisch porplwrisch. Der Plagioklas 
zeigt nur selten merklich zonaren Aufbau, seiner Auslöschungsschiefe nach 
gehört er zum Labrador bis Bytownit. Durch beträchtliche Mengen von 
eingeschlossenen braunen, glasigen, zum Teil zersetzten rmd auch opaken 
Partikelchen erscheint er vielfach getrübt. Auch führt er größere Augit- 
und Olivinkörnchen als Einschlüsse. 

Der Augit ist der gewöhnliche basaltische von graugrüner Farbe. 
Er zeigt oft, infolge magmatischer Kurrosion, sehr tiefe Einbuchtungen. 
Als Einschlüsse führt er recht häufig größere, rundliche Körner von Olivin. 

Der Olivin bildet meist rundliche Körner, selten sind seine 
Schnitte gradlinig begrenzt. Zersetzungserscheinungen, Serpentinisierung, 
verbunden mit Aussclieidung von Eisenhydraten, sind sehr häufig. 

Die G run dmasse, ein glasgetränkter Mikrolithenfilz, ist nur sehr niedrig 
entwickelt; sie besteht zu ungefähr 50% aus verschwommen konturierten 
Plagioklasleistchen und -körnchen, zu etwa 15% aus lichtbraunem Glas, 
zu 2070 aus winzigen Augitkörnchen und ungefähr i5''/o aus sehr kleinen 
Erzkörnchen. 

Apatit konnte nur ganz vereinzelt konstatiert werden. 



74 IJr. Ernst Esch: 



Beschreibung von Gesteinen im Banyang- und im 
Bangwe-Land. 



46. Andesit. 

Am Mbii-Fluß im Banyang-Land (leg. Con vau). 

Dunkelgraues Gestein mit glattem Bruch und i — 2 mm dicker, lirauncr 
Verwitterungsrinde. Makroskopisch erkennt man in der sehr feinkörnigen, 
fast dicht erscheinenden Grundmasse nicht seltene, i — 3 mm, zuweilen bis 
5 mm große glasklare Feldspattäfelchen und ganz vereinzelte Augitkörnchen 
und Glimmerblättchen. 

Der Feldspat erweist sich unter dem Mikroskop als ein saurer 
Plagioklas, der zum Teil einen basischeren Kern führt. Scharf ausgebildete 
Zonen treten nicht auf, die Auslöschungsschiefe nimmt in Schnitten i' M 
von innen nach außen zu ganz allmählich ab bis o" und wird am äußersten 
Rande positiv bis zum Werte von 12". 

Die bei weitem größte Menge ist Andesin. 

Der Augit als Einsprengung ist auch im Schliff sehr selten, es ist der 
gemeine basaltische. 

Die Grundmasse besteht zu etwa 7% aus kleinen Augitkörnchen und 
-Säulchen bis 0,015 mm Größe, zu etwa 10 % aus 0,008 — 0,015 mm 
großen Erzkörnchen, zu etwa ys"!« aus verschwommen kontuiierten, stark 
undulös auslöschenden Plagioklasleistchen und -Körnchen bis zu höchstens 
0,15 mm Größe und zu 8 — 10% aus einer ziemlich stark zu Koalin ver- 
witterten Basis. Die Auslöschungsschiefe der Grundmassenplagioklase 
steigt nur selten über 10 f, sie gehören daher wohl zum weitaus größten 
Teil zum Oligoklas-Andesin. 

47. Andesit. 

Am Mbu-Fluß im Banyang-Land (leg. Conrau). 

Hellrötlich graues, schlackiges Gestein, die Grundmasse erscheint 
makroskopisch dicht; sie führt i — 5 mm große, weiße bis gelbliche Feld- 
späte, die zum großen Teil stark verwittert sind. 

Unter dem Mikroskop erweist sich der Feldspat als Oligoklas-Andesin ; 
er ist fast vollkommen zersetzt. Die Grundmasse besteht aus 0,005 — 
0,010 mm breiten und 0,02 — 0,1 mm langen Oligoklas-Andesin-Leistchen 
und 7 -10% 0,005-0,01 mm großen Erzkörncheu. 



GEsleinsbcsdireibiiiiK. 75 

48. Gneis-Geröll in Konglomerat-Gneis. 

Mbu-Fluß, Banyang (leg. Conrau). 

Rötlich graues Gestein mit liöraiger Struktur, tlie stellenweise in 
Lagen-Struktur übergeht. 

Es besteht a,us einem allotriomorphkörnigen Gemenge von Orthoklas — 
etwa 30^/0 — , Mikroklin — etwa 50»/o — , Quarz — etwa 30% — , Plagio- 
klas (Oligoklas-Andesin) — etwa 7% — und Biotit — etwa 30/0- Quarz 
und Orthoklas treten vereinzelt in mikropegmatitischer Verwachsung auf. 
Der Biotit hat graubraune Farbe, zum Teil ist er in Chlorit verwandelt; 
er bildet kleine, höchstens 0,5 mm lange Fetzchen, die ziemlich genau 
parallel orientiert sind, zum Teil hängen sie auch zusammen und bilden 
dann schmale Schnüre, die in gerader Linie den Schliff durchziehen. 

Die farblosen Gemengteile haben eine Korngröße von 0,1 — 1,0 min. 
Druckerscheinungen sind an ihnen nicht zu beobachten. 

49. Trachyt. 

Apium (leg. Conrau). 

Sehr helles, gelblich weißes, auch schwachrötlichcs, fein dunkelgrün 
bis schwarzgesprenkeltes Gestein. Makroskopisch erkennt man nur kleine, 
glasklare Feldspatkörnchen. 

Unter dem Mikroskop erkennt man zahlreiche, 0,3 — 1 nrm große 
Sanidineinsprenglinge. Ihre Krystallformen sind wenig scharf, m^ihrfach 
konnten aber doch die Flächen M, V. 1 uiul x konstatiert werden, y wurde 
nicht beobachtet. 

Der Habitus der Krystalle ist ein kurzsäulenförmiger nach a. 
Außer den Spaltbarkeiten nach P und M treten sehr häufig die 
groben Sprünge auf, die ungefähr der Fläche (100) entsprechen. 

Einschlüsse führt der Sauidin nicht, zum weitaus größten Teil ist er 
durchaus frisch, vereinzelt zeigt er aber auch deutliche Zersetzungs- 
erscheinung, ob in Kaolin konnte nicht sicher entschieden werden. 

Plagioklas fehlt als Einsprengung; auch tritt kein farbiger Gemengteil 
als Einsprengung auf. 

Die Grundmasse besteht zu etwa 9% aus 0,05—0,12 mm langen 
Leistchen und unregelmäßig umgrenzten, durchschnittlich 0,05 mm großen 
Körnchen von Feldspat, die zum Teil sicher Sanidin, zum Teil undulüs 
auslöschender, nicht sicher bestimmbarer Feldspat sind. Sie sind durch 
äußerst feine, undurchsichtige und schwach gelblich gefärbte, stärker als 
der Wirt lichtbrechende Einschlüsse (0,004—0,001 und kleiner) und zum 
Teil wohl auch Zersetzungsprodukte leicht getrübt. Die sicher als Sanidin 
erkennbaren Leistchen sind meist einschlußfrei. 



7B t)r. Ernst Esch: 

Mit etwa 5%i ist Quarz an der Zusammensetzung der (.n-undmassc 
bileiligt, cv füllt in Gestalt zackiger Körnchen von höchstens 0,03 nrni 
Grfißc die Zwischenräume i:wiachen den Feldspatleistchen aus; und etwa 
i^lo derselben macht Hornblende aus. Dieselbe tritt in winzigen, oft 
faserigen Partikelchen (o,rx)5— 0016 mm) ohne typische Formbegrenzung 
auf. Sie sind nicht gleichmäßig in der Grundmasse verteilt, sie scharen 
sicli zusammen und bilden mit der ,5 — lofachen Menge der anderen 
Grundmassenbestandteile untermischt (j,5 — j,2 mm große dunklere Flecken 
in der sonst lichten Grundmasse. Ihre Farbe ist grünlich bis gelbblaugrün. 
der Pleochroisraus ist recht stai-k ; ungefähr parallel C dunkelblaugrün und 
senkrecht zu C licht grünlich gelb. Ihre Auslöschungsschiefe ist gering, 
sie geht nicht über lo^' hinaus. Manchmal erscheinen die Partikelchen 
zu meiireren ijarallel oder annähernd parallel verwachsen und bilden 
größere, skelettförmige Krystalle. Nicht selten führen die I'artikelchcn 
noch äußerst kleine Erzkörnchen als Einschlüsse. 

In einer diesem Gestein sehr ähnlichen Varietät von demselben Fund- 
punla nimmt die Stelle der Hornblende eine opazitische Masse ein, die 
wühl ein IJmwandlungsprodukt jener darstellt. 

50. Trachyt. 

Apium (leg. Cotirau). 

Sehr hellgraues, scheinbar dichtes Gestein mit vielen, o,j — 0,5 mm 
großen, dunkelbraunen Fleckchen; nur selten erkennt man makroskopisch 
i — 2 mm große, glasglänzende oder weißlich trübe Feldspäte. 

Die mikroskopische Untersuchung ergibt, daß es dem vorstehend be- 
s<hnel)ctiun Trachyt sehr ähnlich ist. Die Sanidineinsprenglinge sind aber 
hier zonar aufgebaut und zum Teil mit zwillingsgestreiftem Feldspat durch- 
wachsen; diese Zwillingsstreifung ist so fein, daß man sie erst bei stärkerer, 
etwa 20ofacher Vergrößerung erkennt. Einschlüsse tmd Zersetzungs- 
erscheinungen machen zusammen die Zonarstruktur sehr deutlich. In den 
meisten Fällen ist es unmöglich festzustellen, ob die Zonare Trübung von 
ursprünglichen Einschlüssen oder von VerwitterungS]3rodukten herrührt. 
Die Dimensionen der kleinen Partikelchen bleiben meistens unter dem 
Betrag von 0,004 mm. Muskovitschüpiichea von o,ooö mm Größe trifft 
man nur selten an. Die Grundmasse zeigt typische Fluidalstruktur, sie 
besteht im Gegensatz zu der des vorstehend beschriebenen Gesteins, an 
deren Aufbau ungefähr isometrische Feldspatkörnchen beträchtlichen An- 
teil nehmen, zu mehr als 90% aus Feldspatleistchen. Die Konturen 
derselben sind wenig scharf, vielfach zerfließen die benachbarten Leistchen 
ineinander ohne eine bestimmte Grenze zu zeigeti. Bei gewöhnlichem 
Licht oder ohne Analysator betrachtet, sitrd die einzelnen Kryställcheu 



Gesteinshesclireibung, 7 ' 

nicht von elnaTuler zu unterscheiden, sie scheinen eine ciulieitiiche (durch 
Einschlüsse und Verwitterungsprodukte leiclit getrübte) Masse zu bilden. 
Quarz zeigt sich eben so wie in dem vorstehend beschriebenen Ge- 
stein; auch die Hornblende, sie ist nur in ganz geriiiger Menge noch in 
ihrer ursprünglichen Substanz erhalten, zürn weitaus größten Teil ist sie 
in. eine opazitische Masse umgewandelt, deren Eisen zum großen Teil in 
Liinonit übei-gegnngen ist. 

51. Hornblende-Granitit. 

Soll als schlierige Einlagerung in einem großen Gneisblock zwischen 
Fontem-GehOft und Farngipfel auftreten (leg. Conrau). 

Dunkelgraues, feinkörniges Gestein, in dem man 0,3 — 0,5 nnn bis 
höchstens i mm große Feldspäte, Quarzkörnchen, Hornblendesäulchen 
und Gliramerblättchen makroskopisch erkennt. 

Dieselben bilden ein hypidiomorphkörniges Gemenge, an dem der (Or- 
thoklas, Plagioklas und Quarz mit je 25"/o, Glimmer mit 20% und Horn- 
blende mit 5% beteiligt ist. 

Die Feld späte treten sowohl in unregelmäßig umgrenzten Körnern 
als auch in annähernd idiomorphen Kryställchen auf. Sie enthalten vielfach 
Ghmmer und Hornblende als Einschlüsse. Der Plagioklas ist Oligoklas 
bis Andesin, er zeigt häufig einfach zonaren Aufbau, die äußerste Scliicht 
ist stets saurer als der Kern. Letzterer zeigt nicht selten beginnende 
Zersetzung (Muskovitschüppchen). 

Der Quarz bildet unregelmäßige Körnchen und füllt zum Teil die 
Zwischenräume zwischen den anderen Mineralkörnern aus. 

Der Glimmer ist ein grünlich brauner, nicht sehr tiefgefärbter Biotit; 
sein Axenwinkel ist sehr klein; der Pleochroismus ist recht kräftig, parallel 
der Spaltbarkeit grünKch braun und senkrecht dazu sehr hellgelbgrün; er 
bildet 0,1—1 mm lange imd 0,03— 0,15 mm dicke Plättchen mit ziemlidi 
guter krystallographischer Begrenzung. Seine Ausscheidung ist zweifellos 
der der Feldspäte und des Quarzes vorausgegangen. Zwillingsbildung ist 
ziemlich häufig. 

Die Hornblende bildet kurze Säulchen (durchschnittlich 0,2,^ mm) 
"hne terminale Flächenbegrenzung ; ihr Pleochroismus ist recht stark: 
l^arallel a hellgrüngelb, parallel b dunkelgelbgrün mit einem Stich in's 
Braunliche und parallel C kräftig blaugrün; ihre Auslöschungsschiefe geht 
l'is zu [5°. 

Als Nebengemengteile treten in dem Gestein nuch vereinzelte Titanit- 
körnchen und feine, schlanke Apatitsäulchen aul'. 



78 ßr- Ei-n^l Ksclt: 

52. Trachyt. 

Schlucht am Farngipfel Baiigwe und ]<'oto-Gehnft (leg. Conrau). 

In makrosl^Lopisch dichter, schwarzgrauer, an anderen Stücken aucli 
sehr feinkörniger, grünschwarzer Grundmasse liegen vereinzelte, 0,2 — 1,5 mm 
große, glasglänzende Feldspäte und cbensogroiäe, aber noch seltenere, 
schwarze Augite. Die Einsprengunge erweisen sich unter dem Mikroskop 
als Sanidin und gemeiner Augit; sie machen zusammen kaum 1 "/o des 
Gesteins aus. 

Die Grundmasse besteht zu etwa 7,Wo aus Feldspat, zu 15% aus 
Augit, zu s^/o aus Erz und zu 5''/o aus Glas. 

Der Augit tritt in imregelmäßig begrenzten Körnclien und Stengelchen 
von 0,03 — 0,2 mm Größe auf, niemals findet er sicli in idiomorphen 
Krystallen. Seine Farlic ist im dünnen Schliff deutlich grün, Pleochrois- 
mus ist kaum zu erkennen. Seine Auslöschungsschiefe (-^ t : c) steigt 
bis auf 50". Vielfach führt er kleine Erzk(jrnchen als Einschlüsse. 

Das Glas, welches die Zwischenräume zwischen den anderen Grund- 
inassenbestandteilen ausfüllt, hat hellbraune Farbe, zum griißten Teil ist 
es in eine feinfaserige, gelbliche, zeolitische Masse verwandelt. 

Die Feldspäte sind fast vollkommen frisch, sie bilden zum Teil scharf 
ausgebildete, 0,08 — 0,25 mm lange, durch grobe Sprünge oftmals quer- 
gegliederte Leistchen, von denen eine größere Zahl mit ziemlicher Sicherheit 
als Sanidin bestimmt werden konnte, zum Teil bilden sie verschwommen 
konturierte Leistchen oder, seltener, annähernd isometrische Körnchen. 
Die unsicher begrenzten Individuen zeigen vielfach undulöse Auslöschung, 
die Schiefe derselben gegen ihre Längsaxe steigt nur in seltenen Fällen 
bis zu 25", meist schwankt sie zwischen o und lo". Wahrscheinlich 
stellen sie einen sauren Plagioklas dar. 

Zwillingslamellierung wurde niemals beobachtet; Spaltrisse nach P 
oder M sind in den kleinen Kryställchen nicht zu cnkonnon. 

53. Granit. 

Im Tal zwischen Foto-Gehöft und Farmgipfel in großen Blöcken 
(leg. Conrau). 

Hellrötlich gelbes, bald grob-, bald feinkörniges Gestein mit 0,5 bis 
8 mm großen Quarz- und Feldspatkömern und wenigen, i — 4 mm großen, 
dünnen, schwarzen Biotit- und Muskovitblättchen. 

Quarz macht etwa 40 •'/o, (Orthoklas 20°/o, Plagioklas (Oligoklas-Andesin) 
30'Vo. MikrokUn 5«/o, Biotit 3O/0 und Muskovit 2% der Gesteinsmasse 
aus. Seine Struktur ist hypidiomorphkörnig, stellenweise auch ausgesprochen 
porphvrisch. Ziemlich häufig bei)bachtet man pegmatitischo Verwachsung 



Gesteinsbnsrhreibung. 79 

\'ii» ÜrÜKjklas iiufl (Juar/,. DurclKlriiigimg- vun ( )rlhuklas und triklineiii 
Feldspat tritt nicht auf. Die Feldspäte sind durcliaus friscli. Der Biotit 
ist auch in den dünnsten Spaltblättchen undurchsichtig, sein Pleochrois- 
mus ist sehr stark, parallel a hellgraugelb, senkrecht dazu tiefdunkelrot- 
braun bis schwarz. 

54. Trachyt. 
Am Bach hinter Asuraa (leg. Cnnraul. 

Sehr hellblaugraues Gestein. In makroskopisch dichter Gmndmasse 
liegen wenige wasserklare, zum Teil durch eingelagerte Eisenglimmer- 
schüppchen wie Bronze glänzende Feldspäte von 0,5 — 2 nmi, sehr selten 
bis 6 mm Größe, und sehr seltene bis i mm große P3Toxenkörnchen. 

Unter dem Mikroskop erweisen sich die Feldspäte als Sanidin. Er 
bildet meist scharf umgrenzte, in der Richtung der a-Äxe gestreckte Kry- 
stalle mit den Flächen P, M, 1 und x, y wurde nicht beobachtet. Viel- 
fach tritt 1 als Begrenzungselement vollständig gegen x zurück; die Schnitte 
nach M haben dann die Form langgestreckter Parallelogramme, deren 
Seiten Winkel von ungefähr 130*' bezw. 50" miteinander bilden. Auf den 
groben Sprüngen, die der ungefähr dem vorderen Pinakoid parallelen Ab- 
sonderung entsprechen, hat sich dunkelrot durchsichtiger Eisenglimmer 
abgesetzt. 

Pyroxen als Einsprengling ist sehr selten, seine Schnitte haben un- 
regelmäßige Konturen, er ist gemeiner Augit. 

Die Grundmasse besteht zu etwa 25% aus 0,02 — 0,08 mm großen, 
scharf ausgebildeten Sanidinleistchen und etwa 7o''/() aus länglichen oder 
auch isometrischen, unregelmäßig, vielfach auch verschwommen konturierten 
Feldspatkörnchen, die zum Teil einheitlich, zum Teil aber auch undulös 
auslöschen, zum Teil ist auch ihre Doppelbrechung sehr schwach. Die 
Auslöschungsschiefe der der Leistenform sich annähernden liörnchen (an 
den anderen ist dieselbe natürlich nicht zu bestimmen) steigt selten bis 
XU dem Höchstbetrag von 20". Zwillingsstreifung zeigen sie nicht. Man 
kann wohl annehmen, dass in ihnen ein saurer Plagioklas vorliegt. 

Grüne Augitpartikelchen ohne krystallographische Begrenzung, von 
0,002 — 0,008 mm Größe machen etwa 3''/n, und Erzkörnchen von 0,002 — 
'J,<->T mm Gröiße etwa 2 "/o dei- Grundmasse aus. 

55. Andesit. 

bei Asuma (leg. Conrau). 

Er besteht zu etwa 75^/0 aus Plagioklas, zu 5 "/o aus Augit, zu ^"1» 
■lus Plrz und zu 150/p aus Glas. 

Der Plagiiikl.-is bildet nach der a-Axc gestreckte, 0,1,=, — 0,7 mm große 



80 nr, Krnst Escli: 

Kryställchcn mit scharft-r Begren/uiig ihmli die FliUiuMi i^ IM, 1, T, x 
und y. Sie sind stets zonar aufgebaut. In Schnitten iJarailel JVI hat der 
Kern eine Auslöschungsschiefe von lo" bis lö**, nach außen hin nimmt 
dieselbe meist ganz allmählich, zuweilen aber auch in kurzem Übergang 
in ziemlich scharf abgesetzter Zone, bis o** ab, wird dann weiter nach 
außen positiv und steigt schnell bis zu +10". Der K;crn ist durch 
Kieselfluorwasserstoffsäure viel leichter angreifbar als die äußeren Schichten. 
Es liegt also ein Feldspat vor, der im Innern der Mischungsformel Ab, 
Anj entspricht; nach außen hin nimmt der Kalkgehalt allmählich, seltene)- 
plötzlich ab, und die äußerste Zone stellt vielfach Albit dar. 

Der Augit bildet durchschnittlich 0,1 — (5,2 mm, selten 0,3 mm große, 
in der Prismenzone meist recht scharf, terminal aber weniger gut begrenzte, 
kurz säulenfcirmige Kryställchen. 

Seine Farbe in dünnen Schliffen ist lichtgelblichgrün, Pleochroismus 
ist kaum erkennbar ; seine Auslöschungsscliiefe, Winkel C : c, beträgt 52 — 54O. 

Das Erz, wohl Magnetit, tritt in dreiseitigen, quadratischen und recht- 
eckigen Schnitten von 0,03^ — 0,1 mm Größe auf. 

Das Glas füllt die verhältnismäßig recht großen, Zwischenräume zwischen 
den Feldspatleistchcn und Augit und Erzkcirnchen aus; in frischem Zu- 
stand hat es graubraune Farbe, zum größten Teil ist es zersetzt zu einer 
scheinbar isotropen und einer feinfaserigen deutlich doppeltbrechenden, 
zeolithischen Substanz, die eine matt strohgelbe, orangerote oder auch 
rotbraune Farbe liat und leicht mit fünlprozentiger Salzsäure gelatiniert. 



Gesteine von der südlichen Grenze des Schutzg^ebiets 
am Campo-Flufs. 



56. Quarzit. 

Blöcke am rechten Ufer des Campo-Flusses, 6 Ion oberhalb der Mündung. 

Feinschieferiges, weißes bis rötlich graues Gestein mit zahlreichen, 
sein' feinen Schmitzchen eines dunklen Materials und wenigen Muskovit- 
Schüppchen. 

Quarz, in kleinen allotriomorphen Körnchen von 0,1 — i mm Größe, 
die stets starke Druckwirkungen zeigen, macht wohl 95 "/o, Muskovit 2V2''/o 
des Gesteins aus. 

Feldspat fehlt durchaus. Das dunkle Material (a'/s^/o) wird auch in 
sehr (Immen Schliffen nicht durchsichtig; es ist ein opazitisches Um- 
wandlungsprodukt wahrscheinlich von Biotit. 



GesteinsbeschreibuHf,'. JJJ 

57. Hypersthen-Granulit. 

Bliifke auf dem rechten Ufer des Campd-Flusses, ö km oberhalb 
seiner Mündmig. 

Das Gestein besteht aus 1 — 4 mm dicken, einander streng parallelen 
Lagen von gelblich weißer und nitlich grauer Farbe. 

Makroskopisch erkennt man mit Sicherheit nur Granat, der iu meist 
kleinen, vereinzelt aber auch bis 3 mm großen, dunkelroten, runden 
Körnern, namentlich in den dunkleren Schichten auftritt. 

Quarz und Feldspat sind der Kleinheit ihres Korns wegen makro- 
Sikopisch nicht sicher zu erkennen. 

Unter dem Mikroskop erkennt man die hellen Lagen als ein allo- 
triomorphkorniges Gemenge von o,r — 0,5 mm, selten i mm großen Quarz-, 
Orthoklas- ul^d Plagioklaskömchen. Die dunkler gefärbten Partieen be- 
stehen aus Granat, Biotit und Hypersthen mit verhältnismäßig wenig Feld- 
spat- und Quarzkörnern. 

Im Schliff erscheinen die Lagen nicht so scharf von einander ge- 
i'chieden als bei makroskopischer Betrachtung; denn Grairut-, Biotit- und 
Augitlciirnchen treten in geringer Menge häufig auch in die hellen Quarz-, 
Peldspatlagen über. 

Das Mengenverhältnis der einzelnen Mineralien ist ungefähr folgendes: 
Granat 20 "/o, Quarz 30 «/o, Orthoklas 30 »/o, Plagioklas S%, Biotit 7%, 
Hypersthen 5^/0. Außerdem treten noch in geringer Menge bis 0,2 mm 
große Erzkornchen, gerundete, kuj'ze, dicke Apatitsäulchen und ganz ver- 
einzelt winzige, eirunde Zirkonkörnchen auf. 

Der Granat, der in dickeren Körnern dunkelblaurote Farbe hat, er- 
scheint im Schliff wasserklar. Krystallformen zeigt er niemals; er bildet 
unregelmäßig geformte Kömer von 0,1 — 3 mm Größe, die selten eine 
kompakte, einheitliche Masse darstellen, meist haben sie ein schwammiges, 
'ockeres Gefüge mid umschließen nicht selten beträchtliche Mengen von 
Eiotit, Pyroxen, Quarz und Feldspat, auch Erz und Apatit, Der Granat ist 
^Iso zweifellos der jüngste der Geniengteile des Gestenis. Er zeigt nicht 
Uie geringsten Spuren von optischer Anomalie. 

Der Orthoklas zeigt von allen das Gestein zusammensetzenden Mi- 
■''eralien die beste krystallographische Begrenzung, bestimmte Formen sind 
'^ber auch an ihm nicht (mehr?) zu erkennen. 

Der Plagioklas gehört seiner Auslöschungsschiefe nach zum Andesin 
"'S Labrador, er ist nicht selten deutlich zonar aufgebaut. 

Der Plagioklas sowolil wie der Orthoklas ist durchaus frisch, licide 
tühren vereinzelt Biotit und Pyroxen als Einschlüsse. 

Der Biotit hat dunkelrotbraune Farbe und sehr starken Plcochrois- 
^'us (i; der Spaltung tiefdunkelbraun, ± dazu sehr lichtgelb mit einem Stich 

'äeitiHge 2ur Geologie von Kamerun. 6 



■■ 



82 Tlr- Ernst Escb: Gesteiiisbescbreibung. 

ins Grünliche). Spaltblättchen geben im J<onvcrge]iten Liclit ein Interferenz- 
bild, welches nicht von dem eines einaxigen Minerals zu unterscheiden ist. 
• Der Hypersthen zeigt niemals deutliche Krystallform, er tritt nur 
in unregelmäßig geformten, wie zerrissen aussehenden, nicht in gerundeten, 
0,1 — I mm großen K(irnern auf. 

Schnitte, die nur ein System von Spaltrissen erkennen lassen, löschen 
stets orientiert aus ; die Polarisationstöne steigen in einigermaßen dünnen 
Schliffen niemals über das Gelb I. Ordnung. Pleochroismus ist ziemlich 
deutlich, parallel C lichtgrün und senkrecht dazu helln'Ulichgelb bis hell- 
rötlich braun. 

Ziemlich häufig beobachtet man in den Schnitten parallel oder an- 
nähernd parallel c eine grobe Klüftung senkrecht zur prismatischen Spalt- 
barkeit. 

58. Granulit. 

Blöcke auf dem rechten Ufer des Campo-Flusses, ,^ — ö km oberhalb 

seiner Mündung. 

Dunkelgraugrün- und grünlichweißgeflecktes Gestein. E.s hat kurz 
splittrigen Briich. Makroskopisch erkennt man nur zackige Quarzkörnchen 
und einzelne kleine, dunkle Glimmerblättchen. 

Unter dem Mikroskop zerfällt es in ein allotriomorphkörniges Gemenge 
von Quarz, Orthoklas, Plagioklas, Granat, Biotit, Hypersthen und Horn- 
blende mit eingestreuten, bis 0,5 mm großen Körnchen von Erz, Apatit 
und Zirkon. 

Das Mengenverhältnis der wesentlichen Bestandteile ist ungefähr 
folgendes: Orthoklas 35 "/o, Quarz 30%, Plagioklas 10%, Granat 10 "/o, 
Hornblende 7%, Hypersthen 5%, Biotit 3%. 

Sämtliche Mineralien mit Ausnahme des Granat zeigen deutliche 
Druckerscheinungen. Quarz und Feldspat sind meist zu Grus zerrieben 
und zu linsenförmigen Körnerhäufchen ausgewalzt. Ihre Korngröße schwankt 
zwischen 0,08 mm und i mm. Die farbigen Gemengteile liegen nicht 
gleichmäßig in der ganzen Gesteinsmasse verteilt, sondern sie bilden, stets 
alle miteinander vergesellschaftet und mit mehr oder weniger großen 
Mengen von Körnchen der farblosen Mineralien untermischt, unregel- 
mäßig geformte, dunkle Flecken in dem im übrigen wasserklaren Schliff. 
Krystallform zeigen sie niemals, ihre Korngröße ist sehr gering (0,05 — o, 1 mm) ; 
nur der Hypersthen tritt in vereinzelten, bis i mm großen Partikelchen 
auf. Charakteristisch ist, daß sämtliche Mineralien sich gegenseitig ein- 
schließen, eine Altersfolge also nicht erkennbar ist. Alle zeigen sie die- 
selben Eigenschaften, wie die in dem vorstehend beschriebenen H)'persthen- 
Granulit. 

Die Hornblende hat kräftig grüne Farbe, deutlichen Pleochroisnuis 
und eine Auslöschungsschiefe von ungefähr 20 ". 



IL 

DIE 

FOSSILIEN DER MINGOKREIDE IN KAMERUN 
UND IHRE GEOLOGISCHE BEDEUTUNG, 

MIT BESONDERER BERÜCKSICHTIGUNG 
DER AMMONITEN 

VON 

DR. FRIEDRICH SOLGER. 



MIT 3 LICHTDRUCKTAFELN UND VIELE*; TEXl'FIGUREN. 



Einleitung. 



Das Material, über dessen paläontologische und geologische Durch- 
arbeitung die folgenden Blätter berichten sollen, ist von Herrn Dr. Esch 
in den Jahren 1897/98 am Mungo in Kamerun gesammelt und nach seiner 
Rückkehr Ende 1899 dem Berliner Geologischen Institute zur Bearbeitung 
tiberwiesen worden. Der Direktor des letzteren, HeiT Geheimer Bergrat 
Prof. Branco, betraute micli mit dieser überaus interessanten Aufgabe, 
und ich empfinde das lebhafte Bedürfnis, ihm hierfür an dieser Stelle 
meinen aufrichtigsten und ergebensten Dank auszusprechen*). Ebenso bin ich 
ihm, wie allen Herren des Instituts zu Danke verpflichtet für die mannig- 
fache Förderung und Anregung, die ich von ihnen durch Ratschläge mrd 
Meinungsaustausch empfangen habe, und von der ich wünschen möchte, 
daß man ihre Früchte in der vorliegenden Arbeit wiederfinden möge. 
Auch Herrn Geheimrat v. Koenen in Göttingen danke ich für die Über- 
lassung mehrerer Originale aus seinen Kameruner Sammlungsstücken zum 
Vergleiche. Endlich möchte ich auch . Herrn Dr. Esch selbst meinen 
Dank nicht nur dafür aussprechen, dass er auf die Bearbeitung seines 
Materials mehierseits einging, sondern auch vor allem für die Bereitwillig- 
keit, mit der er noch vor der endgültigen Erwerbung der Sammlungen 
durch das oben erwähnte Institut die Präparation der Jugendwindungen 
der von ihm gesammehen Ammoniten zustimmte, durch die zwar manches 
Stück im Äußern etwas unansehnlicher wurde, die aber um so mehr Ein- 
sicht gewährte in die Entwicklung und die systematische Stellung der ein- 
zelnen Formen und dadurch eine Fülle interessanter Tatsachen zu er- 
kennen gestattete. 

Die von Herrn Dr. Esch in Kamerun gesammelten versteinerungs- 
führenden Kreidein-obcn verteilen sich, nach der Gesteinsbeschaffenheit 
;uif sandigen Schiclerttiu, Sandstein und Kalkstein. Letzterer bildet die 
Plauptmasse und .ist das einzige Gestein, das an mehreren Stellen fossil- 

*) Das Manuskript der vorliegenden Arbeit war Ende 1901 fertiggestellt. Ein 
1'eil erschien 1902 als Inauguraldissertation (Berlin). Verschiedene Umstände ver- 
zögerten die Herausgabe des Gesamlwerkes, während ich selbst mich anderen Arbeiten 
zuwenden mußte. Ich habe die inzwischen erschienene Literatur nach Möglichkeit 
»och benutzt, zu einer eingehenden Verarbeitung z. B. des Hyattschen Werkes über 
flie Pseudoceratiten der Kreide feUte mir indessen die Zeit. Ich habe es deshalb vor- 
gezogen, das Mantiskript, abgesehen von einigen Literalurnotizen, unverändert zu lassen. 

Der Verf. 



86 Einleitung. 

führend angetr(.iffe:n wurde. Alle diese Gesteine geliören der oberen Kreide- 
formation an und 'AVt-äx denn Senon und Turon, höchstens beginnt der 
Schieferton vielleicht ein wenig tiefer schon, obwohl ich es nicht für wahr- 
scheinlich halte. Die Lagerungsverhältnisse sind insofern etwas unklar, als 
es dahingestellt bleiben muß, ob alle Kalksteinaufschlüsse, von denen 
Herr Dr. Esch Material mitgebracht hat, derselben Schicht angehören 
oder mehrereii über einander liegenden. Aus weiter unten darzulegenden 
paläontologischen Gründen mochte ich das erstere annehmen. Bei dieser 
Annahme würde das Profil sein: 

[) Zu Unterst sandiger Schieferton, 

2) darüber [oder vielleicht mit r) gleichaltrig und mit ihm durch 
auskeilende Wechsellagerung verbunden] Kalkstein mit verschie- 
denen sandigen und tonigen Einlagerungen, 

3) darüber [lokal?] Sandstein. 

In den Schiefertonen ist die Erhaltung der Fossilien eine ziemlicli 
ungünstige, da die Schalen meist zerstört sind, und anscheinend starke 
Zusammenpressung nachträ.glich stattgefunden hat. Da außerdem fast 
gar keine Ammoniten sich darin finden, und die vorhandenen aus den 
obigen Gründen sich nur unvollkommen bestimmen lassen, so ist eine ge- 
naue Altersangabe für diese Schicht nicht wohl möglich. In Anbetracht 
der vielen Formen aber, die ihre Fauna mit dem darüber liegenden Kalk- 
stein gemeinsam a.ufweist, dürfte sie dem letzteren unmittelbar vorhergehen 
oder ihm gar gleichaltrig sein. Die Kalksteine sind überaus reich an 
Fossilien,, sowohl an Muscheln und Schnecken, als an Ammoniten. Da- 
gegen führt der Sandstein nur einige kleine Austern, die zu einer Horizont- 
bestimmung unbrauchbar sind und deren Besprechung ich deshalb ganz 
unterlassen habe. 

Im folgenden berichte ich eingehender nur über die Ammoniten- 
Fauna der Kalke am Mungoufer. Sie beansprucht das größte Interesse 
zur Charakterisierung der zeitlichen Stellung der Mungo-Kalke. Die Mu- 
schel-, Schnecken- und Echinidenfauna wird erst in einer späteren 
Arbeit ihre volle Würdigung finden können. Einmal ist ihre Präparation 
in dem ziemlich harten Gestein überaus zeitraubend, und außerdem sind 
Muscheln und Schnecken durch die außerordentlich sorgfältigen Arbeiten 
V. Koenens, allerdings nach einem sehr viel kleineren Material, großen- 
teils schon bekannt geworden. Wesentliche Ergänzungen seiner Be- 
obachtungen werden jedenfalls nur an den seltner vorkommenden Formen 
zu erwarten sein und also eine gründliche Aufarbeitung des ganzen, 
mehrere Zentner betragenden Materials erfordern, die naturgemäß längere 
Zeit in Anspruch nehmen wird. Da es sich dabei nur um Dinge von 
rein fachwissenschaftlich paläontologischem Interesse handelt, so habe 
ich es vorgezogen, hier nur eine Übersicht derjenigen Formen zu geben, 



i 



Einleitung. 87 

die sieb mit Fossilien anderer Kreideablageningen x^ergleichen lassen; 
denn nur sie haben auch geologisches Interesse. Die Zahl solcher Formen 
ist unter den Muscheln, Schnecken u. s. w. gering, um so mehr neue, 
stratigraphisA wichtige Tatsachen haben sich aus den Ammoniten er- 
geben, die sich unter Herrn Dr. Eschs Aufsammlungen befanden. Schon 
aus den Zahlen allein geht dies hervor. Während v. Koenen, der einzige 
bisherige Bearbeiter der Mungokalke, nur 17 Animonitenindividuen in 
seinen Arbeiten erwähnt, lagen mir deren 95 vor, von denen 57 gut genug 
erhalten waren, um eine deutliche Charakteristik zu ermöglichen. Während 
unter v. Koenens 17 E.xeraplaren nur 4 Gattungen vertreten waren, 
konnte ich 9 sicher, 2 weitere wenigstens vermutungsweise feststellen. 

Vor allem aber ermögliclite dies ungleich größere Material eine 
sichere Altersbestimmung des Gesteins, während sich v. Koenen, der 
lauter bisher unbekannte Formen vor sich hatte, auf einige Wahrschein- 
lichkeitsschlüsse beschränken musste, wobei er zu der Auffassung gelangte, 
daß wohl untere K;reide vorliege. Dies konnte trotz der geistvollen 
Kombination, durch die der erfahrene Geologe den Mangel leitender Ver- 
steinerungen zu ersetzen gesucht hatte, auf Grund der neuen Beobachtungen 
nicht aufrecht erhalten werden. Vielmehr stellte sich der Mungokalk als 
eine Bildung der oberen Kreide heraus, die teils dem Turon, teils 
dem Senon angehören dürfte und um so mehr Interesse beansprucht, 
als es sich dabei um die einzige bisher bekannte Ablagerung dieses Alters 
in Westafrika handelt, ja um das einzige ammonitenführende Turon Afri- 
kas überhaupt mit Ausnahme der Atlasländer und des neuerdings durcti 
Choffat beschriebeneu Vorkommens von Conducia^). 

Da zur sicheren Bestimmung des geologischen Alters mehrfach eine 
genauere Untersuchung der J ugendentwicklung der gefundenen 
Ammoniten sich als nötig erwies, so mußte der Behandlung der Ammo- 
niten von vom herein eine größere Ausdehnung in diesen Blättern ein- 
geräumt werden. Um nicht die Notizen über die überaus interessante 
Ammönitenfauna auseinander zu reißen, habe ich mich daher berechtigt 
geglaubt, diese Fossüiengruppi' hier in voller paläontologischer Ausführ- 
lichkeit zu bearbeiten. Demgemäß gebe ich in einem eisten Abschnitt 
eine eingehende Beschreibung der Ammönitenfauna aus den Mungokalken 
und ziehe daraus die geologischen Schlüsse; ein zweiter Abschnitt dient 
einer kurzen Übersicht über die sonstigen Fossilien des Mungokalks, ein 
dritter behandelt die Schiefertone und ihre Versteinerungen, während ich 
in einem vierten kurzen Schluläabschnitt ein Bild von den Entstehungs- 
^'erhältnissen der Mungokreide zu geben suche. 

I) Siehe Choffat, Sur le Cr^tacique de Conducia eii Mo<;auibique. Bull. Soc. Geol. 
^'■- 4. Sferie. t. II. 1902. p. 400 — 403. 



^ 



A. Die Ammonitenfauna der Mungokalke und 
das geologische Alter der letzteren. 



Literatur. 

Die Fauna der Mungokalke hat bisher nur in Herrn Geheimral 
V. Koenen einen Bearbeiter gefunden. In zwei Abhandhmgen: 

Über Fossilien der Unteren Kreide am Ufer des Mungo in Kamerun. 
Abhandlungen der kgl. Ges. d. Wissenscliaften zu Göttiugen. Math.- 
phys. Klasse. Neue Folge. Bd. i. No. t. S. 1—48. Berlin 1897; 
und : 

Nachtrag zu dem Vorigen. Ebenda. S. 49—64. Berlin 1898; 
beschrieb er in den Jahren 1897 und 1898 die Fauna, die die paläontologische 
Durcharbeitung eines von Prof. Wohl t mann und später die eines von 
Dr. Wilsing gesammelten Materials zu Tage gefördert hatte. Sie bestand 
fast nur aus Formen, die bis dahin unbekannt gewesen waren. 

In der späteren Literatur konnte keine Ergänzung der v. Koenen- 
schen Beobachtungen geliefert werden, da kein neues Material vom Mungo 
nach Europa gekommen war. 

Auch die frühere Literatur enthält keine näheren Angaben über die 
hier in Frage stehenden Kalke. Die Zusammenfassung, die Stromer von 
Reichenbach im Jahre 1896 über unsere damalige Kenntnis der geo- 
logischen Verhältnisse unserer afrikanischen Schutzgebiete gab, führt \om 
Mungo-Ufer an Sedimentärgesteinen nur Sandstein ^) an. 

Erwähnen möchte ich noch, daß G. Müller 2) in seiner Arbeit über 
die von Bernhardt aus Ostafrilca mitgebrachten Fossilien des Jura und 
der Kreide in einer Anmerkung von der Mungofauna spricht und in der 
am Ende seines Werkes gegebenen Tabelle sie als gleichaltrig mit den 
Schichten der Schloenbachia varians von den Elobi-Inseln an der west- 



1 ) .Stromer von Reichenbach, Die Geologie der deutschen Schutzgebiete in Afrika. 
München und Leipzig 1896. S. 169. 

2) G.Müller, Versteinerungen des Jura und der Kreide, S. 47; in: Bernhardt, 
Zur Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostaf'rikas. Berlin 1900. 



Dr. Friedrich Solgcr: Die Ammonilenfauna der Mungokalke etc. g9 

afrikanischen Küste aufführt. Die Angabe, daß ich sie für Cenonian an- 
gesprochen hätte, beruht jedoch auf einem Mißverständnis. Ich habe zu- 
nächst, V. Koenens Auffassung folgend, an untere Kreide, ja sogar an 
oberen jüra gedacht, überzeugte mich dann aber, daß alle Versteinerungen, 
aus denen ein sicherer Anhalt für das Alter entnommen werden konnte, 
auf Turon und Untersenon hinwiesen. 

Außer den oben genannten v. Koenenschen Arbeiten sind für die 
v(jrliegende Arbeit noch folgende literarischen Hülfsmittel benutzt worden : 
Bayle, Explication de la carte geologique de la France publiee par ordre de M. 

le Ministre des travaux publics. Tome IV. Atlas. T. Partie, Fossiles princi- 

paux des terrains. Paris 1878. 
Baily, Description of some Cretaceous Fossils from Soiitliern Afrika. Quart. Journ. 

Geol. Sog. London. 1855, Bd. XI, S, 454 ff. 
Blanckenh orn, Die geognostischen Verhältnisse von Afrika, I. Teil: Der Alias, 

das nordafrikanische Faltengebirge. Petermanns Mitteilungen . Ergänziings- 

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und Nordsyrien. Cassel 1890. 

— Neues zur Geologie und Paläontologie Ägyptens I. Ztsclir. d. Dtsch. geol. 
Ges. Bd. 52, S. 21—47. 

— .Studien in der Kreideformation im südlichen und westlichen Siebenbürgen. 
Ztschr. d. Dtsch. geol. Ges. Bd. 52, Sitzungsprotokolle S. 23. 

Blanford, Geological notes on the Hills in the neighbourhood of the Sind and 
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Geol. Surv. of India. Vol. XX, Art. 2. Calcutta 1883. 

Böse, Geologj' of the LowerNarbad.-i Valley between Nimäwar and ICawanl. Mem. 
Geol, Sui-v. Ind. Vol. XXI, Art, [. Calcutta 1885, 

B ran CO, Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der fossilen Cephalopoden. Palaeon- 
tographica Bd. XXVI. 

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moting useful knowledge. Vol. XVI, Philadelphia 1890. S. 369 ff, 

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Vol. I. Especes nouvelles ou peu connues: 2. Serie: Les Ammon6es du Bi51- 
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Lisbonne 1898. 

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— Bull. Soc. Gtel. Fr. 3. S^rie. Bd. XIX, S. XVIIl. (Tissotia Tissoti u. Heter- 
ammonites ammoniticeras.') 

~ ebda S. LXXXI (Tissotien). 



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[Jouville, ebda S. 499 — 503. Sur le Tissotia Tissoti. 

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Soc. G60I. Fr. 3. Ser. Bd. XXI. S. 378. 

— Bull. Soc. Geol. Fr 3. Ser. Bd. XXII S. XIX. (Alter der Gosauschichten.) 
-- Sur le genre Neoptychites. Bull. Soc. Geol. Fr. 3. Ser. Bd. XXIV. S. 86. 

— Sur quelques fossiles cretaciis de Madagaskar. Bull. .Soc. Giol. Fr. 3. Ser. 
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Pal. Abh,, herausg. von Dames und Kayser. Neue Folge. Bd. 11 (der ganzen 

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Paläont. Östr.-Ungarns und des Orients. Bd. IX und XI. 

Laube und Bruder, Ammoniten der böhmischen Kreide. Palaeontographica, 

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i 



Die Aramoiütcnfaiina rlcr Mimgokalke und das geologische Alter der letzterer. 91 

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Roussel, Note sur la decouvertc du Ligerien k Cephalopodes dans les environs 

dePadern (Pyvenees orientales). Bull. Soc, Geol. Fr. 3. Ser. Bd. XXIII. S. 92. 
Schlüter, Cephalopoden der oberen deutschen Kreide. Palaeontographica 

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Nacional do Rio de Janeiro. 



I 



92 I>|'- Friedrich Solger: 

Vüküjiima, Verstemerunj;en der japanischen Kreide. Palaeontographica 

Bd. XXXVI. S. 159 — 202, 
V. Zittel, Handbuch der Paläontologie. I. Abt. Palliozoologie. H. Bd. Mollusca 

und Arthropoda. München und Leipzig 1881 — 1885. 
— Grundzüge der Paläontologie (Paläozoologie). München und Leipzig 1895. 

Art des Vorkommens und der Fossilerhaltung. 

Lagerungs- Was die L a geru n gs V erh äl tili sse der Mungokalke betrifft, so 

Verhältnisse, yg^^gige ich für alle Einzelheiten auf Herrn Dr. Eschs eigene Aus- 
führungen und bemerke zum Verständnis des paläontologischen Befundes 
hier nur folgendes; 

Sämtliche Ammoniten entstammen Kalken, die von dem IMiingoflussc 
in Kamerun durchschnitten und an seinen Ufern mehrfach aufgeschlossen 
sind. Die Lagerung ist flach, das Einfallen da,, wo es beobachtet werden 
konnte, 5 — 10" und nach SW — SSW gerichtet. Die JVlächtigkeit in den 
einzelnen Aufschlüssen beträgt nach Herrn Dr. Eschs Angaben zwischen 
15 und 30 m. Das Hangende wie das Liegende wird von Sandsteinen 
gebildet. Die vielfachen Schlingen des Flusses zwischen Mundame und 
Balangi durchschneiden die Kalke in verschiedenen Richtungen, so dalä 
hier dieselbe Kalkbank mehrfach in Aufschlüssen am Ufer sich findet. 
Kimdpunkio. So ist OS jedenfalls eine und dieselbe Kalkbauk, die zwischen 

Mundame und Diki (bei v. Koenen als Eliki bezeichnet) in der Ele- 
phantenbank, der Wohltmannbank und bei Diki selbst auftritt. 
Ihr entstammten sämtliche Stücke, die v. Koenens Bearbeitung zu 
Grunde lagen. 

Weiter fluiüabwärts fand dann Herr Dr. Esch noch einige neue 
Kalkvorkormnen: bei Etea, bei Balangi und unterhalb des letzteren 
Ortes. 
Gesteins- Das Gestein ist ein bläulichgrauer, dichter, toniger Kalkstein mit 

beschaffen- mgjsi; geringem Sandgehalt, reicli an Muscheln und Schnecken, die sämt- 
lich mit der Schale erhalten zu sein pflegen. 

Bei der Auflösung eines von Balangi stamineuden Stückes von typischem 
Aussehen erhielt ich 100/0 Rückstand, der überwiegend ans grauem Ton- 
schlamm bestand. Nach Abschlämmen des letzteren blieben im wesent- 
lichen Quarzkörner von durchschnittlich etwa 0,05 mm Grösse zurück. 
Daneben fanden sich häufig dunkle Biotitblättchen und kleine Kömer 
eines sehr einschlußreichen augit-ähnlichen Minerals, alle ziemlich stark 
abgerollt. Außerdem beobachtete ich einige Quarzkörner, die das Di- 
hexaeder und die hexagonale Säule, nur wenig an den Ecken abge- 
stoßen, zeigten, und kleine sehr scharf begrenzte Eisenerzkrystalle. Da- 
zwischen lagen vereinzelt Steinkerne von Foraminiferen, mit einer dunkel- 
braunen Masse ausgefüllt, anscheinend der Gattung Ptdvinulina angehörig. 



Die Ainmonitenlaiina der Mungokallie und das geologische Alter der letzteren. 93 

Ein Versuch, das Gestein in Essigsäure aufzulösen, um feinere, dunh 
Salzsäure zerstörbare organische Einschlüsse zu finden, schlug fehl, da 
die Essigsäure das Gestein nur oberflächlich angriff. 

Von ' dieser normalen Beschaffenheit weicht das Gestein lokal ver- 
schiedentlich ab. 

Bald ist es etwas härter, bald mürber, bald heller, bald duulder und 
zeigt durch größere oder geringere Rauheit einen wechselnden Ton- und 
Sandgehalt an. Zwei Arten der lokalen Ausbildung verdienen 
besondere Erwähnung ') ; 

Einerseits nimmt der Tongehalt außerordentlich zu, das Gestein 
wird sehr viel mürber und etwas dunkler. Solche Partieen, die nesterweis 
dem Kalkstein eingelagert zu sein scheinen, zeichnen sich durch noch 
größeren Conchylienreichtum aus als das übrige Gestein und bestehen 
hauptsächlich aus jenen 7'//.rri/iilIen und kleinen Muscheln, die v. Koenen 
als Turritella gcmvudijera und T. Kaincrunensis, Plicatula mgulosa, Septifer? 
convobäus, Astarie Irigotiella, Ana semiglabra und A. cardifonnis beschrieben 
liat, während die grossen Linien und die Ammoniten sowie die meisten 
CyUtereen mehr auf das normale Gestein beschränkt sind. Doch finden 
sich mancherlei Übergänge nicht eben selten. 

Eine zweite, interessante Abänderung erfährt die Gesteinsbeschaffenheit 
dadurch, daß Kalkkonglomerate gebildet werden, hauptsächlich in 
der Nähe von D i k i, doch auch an den anderen Fundpunkten. Die 
KalkgeröUe, die in solchem Falle dem Kalksteine eingelagert sind, haben 
Erbsen- bis Waldnussgrösse. Die kleineren sind meist von .gleichmäßig 
gerundeter, die großen oft von ganz unregelmäßiger Gestalt. Sie sind 
etwas dunkler als das verbindende Gestein, zumal außen, während ihr 
Kern meist heller ist. Sie bestehen au.s einem dichten, grauen Kalke, 
der meist fossilleer ist, in dem ich aber stellen weis. ■ Austern- und Dentalien- 
schalen fand. Die Auflösung in Salzsäure ergab bei einem solchen 
• Gerölie 15,50/0 grauen, tonigen Rückstand. Es handelt sich also um 
Trümmer einer mesozoischen kalkigen Flachseeablagerung, die älter ist 
als die turonen Mungokalke. Zur Zeit, da letztere sich absetzten, bildete 
sie vermutlich eine Steilküste, die die Brandung zerstörte und die wir 
in Anbetracht der besonderen Häufigkeit der Gerölie bei Diki am wahr- 
scheinlichsten in etwa nordwestlicher Richtung werden suchen dürfen. Nach 
der Größe der Gerölie zu schheßen, kann sie kaum weit entfernt gewesen 
sein, so daß die Mungokalke sich dadurch als küstennahe Flachsee- 
ablagerungen kennzeichnen. Letzteres bestätigt auch die Conchylienfauna, 
in der u. a. Oslreen, Plicatula, I.ilhodoinus und Si:r/>itia vertreten sind. 

i) Vergl, auch v. Koenen 1, c, 1897. S- 3- 



k. 



94 Dr. FTiedrich Solger: 

Erhaltungs- Der PIrlialtungszustaiid der Amrnoniten in diesem Gestein ist fast 

zustand der f]^f(.\i^Qg q[jj reclit günstiger. Zwar war in den mir vorliegenden Exem- 
* '""""'" '^"' plaren meist der äußere Umgang stark beschädigt. Das ist durch die Art 
des Sammolns fast notwendig liedingt, weil nur auf diese Weise, indem 
die Scheidewände auf der Obcrflfichi' des Gesteins sichbar werden, sich 
das Vorhandensein eines Amrnoniten gewöhnlich dem Auge des in seiner 
Zeit sehr kurz bemessenen Reisenden ven-aten wird. Doch betrifft diese 
Zerstörung eisen nur den letzten Umgang. Die inneren Windungen sind 
fast durchweg mit der Schale eriialten und die Luftkammem mit Kalk- 
spat mehr oder weniger vollständig ausgefüllt, so daß oft eine Präparation 
bis zu den ersten Umgängen, hin und wieder sogar bis zur Embry onai- 
b 1 a s e , möglich war. 

Nicht selten sind afier Verdrückungen und mit Kalkspat ausgefüllte 
Quersprünge, die auch das umliegende Gestein durchsetzen. Vor allem 
ist die Wohnkammer bei den großen Ammonitenfomien der Gattung' 
IlopUtoides stets zusammengedrückt und zerbrochen, wenn sie überhaupt 
erhalten ist. Die wichtige Frage nach der Länge und Form der Wohn- 
kammer dieser interessanten Gattung konnte deshalb nicht beantwortet 
werden. 

Beschreibung der Arten. 
Allgemeine Bemerkungen. 

Aiiorclniiiig In der nachstehenden Beschreibung der mir aus dem Kameruner 

'''^'' Mungokalk vorliegenden Ammonitenarten habe ich mich bemüht, ver- 
' ' wandte Gattungen möglichst nahe zusammenzustellen. Dieser Versuch 
gelingt natüriich nur unvollständig, so lange noch so viele Fragen des 
Stammeszusammenhanges ungelöst bleiben. Immerhin lassen sich manclie 
natürliche Gruppen zusammenfassen. So stellen Tissofia, PseudolüsoHa und 
Barroisiceras eng zusammengehörige Gattungen dar. Ebenso bilden Neopty- 
chites und Puzosia eine Gruppe, die sich von den anderen Amrnoniten des 
Mungokalkes deutlich absontlert. Für die übrigen Gattungen Baculites, 
Acniilhoccms, IJoplitoides, Pcroniccras habe ich es vorgezogen, mich der 
Einteilung anzuschließen, die ZitteU) m seinen Grundzügen der .Palae- 
ontolügie angewendet hat. Demnach findet Bacidites bei den Lytoceratiden 
seinen Platz, Acanihoceras mit Hoplüoides zusammen bei den Cosmoceralen, 
da die letztere Gattung sicher nahe Beziehungen zu Hoptites, Pulchellia 
und Sonneratia besitzt. Pcroniccras endlich würde zu den Prionotropiden 
zu stellen sein. Derselben Einteilung folgend bezeichne ich die Gruppe, 
der Neoptychiles und Puzosia angehören, als Familie der Dcsmoceratiden. 



i) Zittel, Grandzüge der Paläontologie. 1895. S. 426 — 431. 



Die Aiiimoiiiteiilii\i,na der MiingokalliL' luid das j/mlogischt' Alter der letzteren. 95 

Was jedocli die (irtippe Tissotia-Banokueyas betrifft, s" scheint sie uiir 
künstlicli zerrissen, wenn man Tüsotia zu den Amaltheiden, Bairoisiceras 
als Sckloenbachicniorm. zu den Pri-onotropiden stellte. Ich habe deshalb auch 
Tissotia utid Pseudotissotia der letzteren Familie zugerechnet, zumal Zittel 
selbst seine Prionotropiden als Fortsetzung der Amaltheiden ansieht'). 

Es bleibt allerdings noch die Frage offen, ob wirklich die Familie 
der Prionotropidev nur zusammengehörige Formen umschließt, doch ist 
diese Schwierigkeit für den vorliegenden Fall nur insofern von Belang, 
als es sich um die Zugehörigkeit der Gattung Peronueras zu der Gruppe 
Tissotia- Barroüiceras handelt, da am Mungo keine anderen Prionot rapid en- 
gattungen gefunden wurden, und mir scheint, dalä von Barroisiceras über 
GaHilnericeras und Mnrlonireras eine ziemlich gute Verbindung zu Peroni- 
ceras vorhanden ist, bezüglich der Form sowohl, als der Lobenlinie. Ich 
lasse daher die Gattungen in nachstehender Anordnung auf einander folgen: 

Familie der Lytoceratiden : 
Baculites. 

Familie der Desmocei'atiden ; 
Neoptychites, Puzosia. 

Familie dei- Cosmoceratiden : 

Acanthoceras, Hoplitoides. 

Familie der Prionotropiden: 

Tissotia, Pseudotissotia, Barroisiceras, Peroniceras. 

Im wesentlichen würde die Anordnung die gleiche bleiben, wemi 
mau sich der Grossou vr eschen ^) Einteilung anschließt, nur müßte 
dann Acanthoceras mit der Tissotia-Pcroniccras-Qixvyj^^fi zusammengefaßt 
werden als Acantlwceratiden, und Hoplitoides allein würde die Hopliiidev 
vertreten. Eine solche Anordnung bietet aber für den vorliegenden Fall 
keinen Vorteil gegenüber der älteren Zittelschen, da Hoplitoides mit den 
Pissotien mindestens ebenso verwandt ist wie Acanthoceras und weil mit 
Acanthoceras in die leidlich homogene Gruppe lissotia-Perouiccras ein recht 
abweichendes Element eingeführt werden würde. 

Auch die Hyattsche'^) Einteilung scheint mir für diese Arbeit nicht 
zweckmäßig, da sie die 9 vorliegenden Gattungen in 8 verschiedene 
Familien verweisen würde, die Übersicht also jedenfalls nicht fördert. 

Bei der Behandlung der einzelnen Gattungen habe ich im Beschreibung 
■lUgemeinen die \-(in mir zugrunde gelegte Gattungsdiagnose vorangestellt. '''^'' 

Wo ich glaubte, Änderungen (3der Ergänzungen an iler bisherigen Fassung 

1) Zittel, 1, c. S. 435. 

2) A. de Gros.soiivre, Ammonites de l.i craie superieure. S. 13 — 21, 

3) Hyatt iu Eastman- Zittel, Text -Book of Palaeoutology. 190O, Vol. I. 
S. 568 — 590. 



9ß 



Dr. Friedrich Solge 



Beschreibung 
der Arten. 



des Gattungsbegriffs, bezw. seiner Kennzeichnung, anbringen zu sollen, 
habe ich dies getan und mich bemüht, solche Abweichungen auch in 
scheinbar unwesentlichen Punkten möglichst eingehend zu begründen, da 
unsere Vorstellungen über die Ammoniten wohl nur in seltenen Fällen so 
klar und sicher sind, dass man ein Merkmal von vornherein als unwesent- 
lich ansehen dürfte. 

Bei der Beschreibung der einzelnen Arten gebe ich zunächst 
Stückzahl, Erhaltungszustand und Herkunft an, darauf die Maße, und 
beschreibe dann die Form und Verzierung, bezw. deren Entwicklung von 




Fig. 1. 

Jugend auf, falls ich sie habe beobachten können. Endlich folgt die Be- 
sprechung der Lobenlinie. 

Die Bezeichnung der einzelnen Maße möge zur Vermeidung von 
Zweideutigkeiten die oben stehende Figur i erläutern. Ich nenne: 

a. Radius der Windung, 

b. Radius des Nabels, 

c. Radius der vorigen Windung, 

d. Dicke der Windung, 

e. Dicke der vorigen Windung, 

f. Durchmesser. 

Ich habe im allgemeinen nicht den Durchmesser, sondern den Radius 
angegeben, weil man am vollständigen Exemplar, auch wenn der Nabel 



Die Amiiionitciifaiiiia der Miiiiyolcillu' und das ideologische Alter der letzleren. 97 

zerstört sein sollte, meist den Radius ebenso gut feststellen kann, wie den 
Durchmesser, andererseits aber an Bruchstücken nur der erstere meßbar 
ist; außerdem, ist die Höhe der Windung aus den Radien unmittelbarer 
zu ersehen als aus Durchmesser und Nabelweite, und auch die Schnellig- 
keit des Anwachsens findet in dem Verhältnis — einen übersichtlichen 

Ausdruck. 

Unter »vorwärts« verstehe ich am Gehäuse immer die Richtung, in 
der der Sipho von der früheren zur später gebildeten Scheidewand ver- 
läuft. Dem entsprechend ergibt sich die Bedeutung der Ausdrücke »rück- 
wärts«, »vorn« und »hinten«. Das »hintere« Ende der Wohnkammer 
'St also die Gegend der letzten Scheidewand. 

Da man die Siphonalgegend des Gehäuses jetzt wohl ziemlich all- 
gemein als »Außenseite« bezeichnet, so ergäbe sich daraus der Begriff 
»aussen« ^= siphonalwärts und »innen« = nabelwärts. Indessen könnte hier- 
durch leicht eine Undeutlichkeit entstehen, wenn man von dem »inneren« 
Teile der Lobenlinie beispielsweise sprechen würde. Es könnte darunter 
sowohl die Auxiliargegend als auch das der vorigen Winchmg aufliegende 
Stück, der Septalumschlag, genieint sein. Da man die Loben des letzt- 
genannten Stückes als »Innenloben« bezeichnet, so mtichte ich auch die 
Bezeichnung »innen« in diesem Sinne, also für den Septalumschlag, 
anwenden. Ist die Außenseite, gleichgültig ob sie einen Kiel besitzt oder 
nicht, nach den Flanken zu je durch eine mehr oder weniger deutliche 
Kante abgegrenzt, so verstehe ich rmter »Breite der Außenseite« die 
Entfernung dieser beiden Kanten von einander, auch wenn sie nur durch 
Knotenreihen vertreten sind. 

Die Bezeichnungen »j ugendliche Windungen« und im Gegensatz 
dazu »spätere Windungen« dürften eindeutig sein, ebenso der Ausdruck 
*Nabelknoten«. Als »Randknoten« bezeicline ich die häufig am Rande 
der Außenseite beiderseits des Kiels oder einer etwa vorhandenen Außen- 
furche auftretenden Knoten, als »Mittel knoten« solche, die nahe der 
Mitte der Flanken liegen. 

Es gelang mir bei einer Anzahl von Arten, die jugendlichen Win- Phylogene- 
düngen, z. T. bis zur Erabryonalkammer, der Untersuchung zugänglich ^'^™|^ j^'' 
^n machen, und ich konnte daher mehrfach die ganze Entwicklung des 
Gehäuses darstellen. Ich habe mich dabei im allgemeinen mit der bloßen 
Beschreibung oder mit allgemeinen Hinweisen auf verwandtschaftliche Be- 
ziehungen begnügt, nicht aber auf die gefundenen Tatsachen hin unter 
'^nhüifenahme von »Accelerationen« und »Retardationen« einen Stamm- 
baum zu konstruieren gesucht; denn nach erfolgter Durcharbeitung der 
'^n vorliegenden Ammonitengehäuse, habe ich den entschiedenen Ein- 
druck, daß die Palingenese doch zu sehr verkürzt ist, vor allem aber 

Beiträge zur Geologie von Kameiuri. ^ 



98 Dr. Friedrich Solgcr: 

der individuelle Charakter sich bereits in zu frühen Stadien geltend 

macht, als daß die bloße Kenntnis der Ontogenie m weitausgreifenden 

phylogenetischen Spekulationen berechtigte. Ich glaube allerdings, daß 

die Berücksichtigung der Jugendwindungen sehr geeignet ist, uns auf die 

nächstältere Gruppe derselben Entwicklung.sreihe hinzuführen. Um von 

dieser weiter aufzusteigen, wird es aber wieder nötig sein, ihre jugend- 

windungen zu studieren, und so schrittweise in immer ältere Formationen 

vordringend, allmählich die ganze Ahnenreihe aufzudecken. Ein solcher 

Versuch wäre indessen weit aus dem Rahmen dieser Arbeit herausgetreten. 

Aufstdlbar- Bezüglich der Schwierigkeiten, die sich der stammesgeschichtlichen 

sTamrareüi'e^n ^^''^enntnis bei den Ammoniten überhaupt entgegenstellen, möchte ich 

bei dea mei- "och auf einen Punkt aufmerksam machen, der das große Kapitel der 

äten Ammo- »Lückenhaftigkeit«: in unserer paläontologischen Überlieferung um ein 

wahrschein- ^^i'^^''^* ^'^tt zu vermehren scheint: 

lieh. Wenn jener bekannte tertiäre Carcharodon-Zalm aus dem Stillen 

Ozean uns beweist, daß in den Tiefen der Tiefsee sich stellenweise seit 
Zehntausenden von Jahren nur Schichten von wenigen Dezimetern ab- 
gelagert haben, während gleichzeitig Flachseebildungen von Hunderten 
von Metern entstanden, und während wir beispielsweise an unsern Nord- 
seeküsten fast jedes Jahr den Zuwachs nachweisen können, der durch die 
Sinkstoffe des Meeres bedingt wird, dann wird es anschaulich, wie un- 
vergleichlich viel mächtiger die Flachseebildungen allgemein sind als die 
Bildungen der Tiefsee und wie dementsprechend die Wahrscheinlichkeit 
fossilen Vorkommens für erstere größer ist als für letztere. Das bestätigen 
ja auch die Tatsachen, und so werden wir denn auch die überwiegende 
Mehrzahl der Ammoniten stets aus Flachseebildungen kennen. Ich lasse 
es zunächst dahingestellt, ob sie in der Tat dort lebten oder ob die Ge- 
häuse, nach dem Tode der Tiere auf dem Meere schwimmeiid, schließ- 
lich hier zu Boden sanken, eine nicht von der Hand zu weisende Mög- 
lichkeit, auf die Walther») aufmerksam gemacht hat. 

Für die Mungokalke habe ich in einem der folgenden Kapitels) die 
Auffassung zu begründen gesucht, daß die herrschenden Formen ihrer 
Ammonitentauna, Floplüoides und Nenplycldies, auch wirklich in den Flach- 
seegebieten gelebt haben, mit deren Muscheln und Schnecken zusammen 
wir sie finden, und daß sie hier eine kriechende, vielleicht geradezu 
sitzende Lebensweise, ähnlich dem heutigen Nautilus führten. Nun han- 
delt e.s sich aber bei Hoplitouks, und vielleicht auch bei Ncuplychilcs, ent- 
schieden um degenerierende Formen, und da sich iu Jura und Kreide 



i) Walther, F-iuleitung iu die Geologie u. s, w. II. S, 509 ff, 
2) Siehe S. 215 ff. 



Die Ammonitenfaiina der Mungokalkc und das geoloj^ische Alter der let/,lereii. 99 

eine ganze Reihe von Formen finden, die, obwohl jedenfalls anderer Her- 
kunft, in Altersform und Lobenlinie gerade mit Hoplitoides vieles gemein 
haben (manche Oxytiolkeras-kxX&a, Pulchellien, Tissotien, Sphenodisce7i, Ph' 
''enticerale^i), und die unregelmäßigen Nebenformen der Ammoniten schon 
durch ihre Schaknifoini zu einer schwerfälligen Lebensweise verurteilt 
Waren, so scheint diese Beobachtung keineswegs allein zu stehen. All- 
gemein aber möchte ich solche benthonische Lebensweise bei den 
Ammoniten für eine Degeneration halten, da ich mir die rasche 
Verbreitung mancher Formen über den größten Teil der Erde nur bei 
Tieren vorstellen kann, die entweder während des ganzen Lebens oder 
doch in der Jugend sich freischwimmend fortbewegten, und auch in letz- 
terem Falle würden wir jedenfalls nicht weit in der Ahnenreihe zurück- 
zugehen brauchen, um auf vollständig freischwimmende Formen zu kommen. 
Den eigentlichen Stamm der Ammoniten denke ich mir deshalb als Raub- 
tiere des freien Meeres, wie man sie sich früher wohl allgemein vor- 
stellte. Die Anpassung an diese Lebensweise und der geringere Kalk- 
gchalt der Nahrung wird eine geringere Dicke der Schale zur Folge ge- 
habt haben, als die trägeren bodenbewohnenden Ammoniten sie besitzen: 
dazu kommt, daß die Schalen dieser schwimmenden Tiere jedenfalls die 
Bedeutung von Schwimmapparaten hatten, also leichter als Wasser waren, 
''^ach dem Tode umhergetrieben wurden und erst, wenn sie verletzt wur- 
den, sanken und zur Einbettung gelangten. Daraus ergeben sich für die 
"eisch wimmenden Ammoniten viel ungünstigere Fossilisationsbedingungen 
^'s für diejenigen Abzweigungen des Ammonitenstammes, die, jenes 
J^iühseligen Jägerlebens müde, den bequemeren Nahrungserwerb inmitten 
der reichen Fauna des Flachseebodens vorzogen und hier einer trä- 
geren Lebensweise verfielen. Gerade diese letzteren Formen werden also 
einmal wegen der günstigen Lebensbedingungen individuenreicher gewesen 
sein und andererseits bessere Erhaltungsbedingungen gefunden haben; sie 
Verden mithin viel häufiger sein als ihre freischwimmenden Verwandten. 
Aber der anspornende Kain]5f um das Dasein wird ihnen ungleich mehr 
gefehlt haben^ ihre Entwicklungstendenz wird zurückgegangen sein — ja, 
•'^'^ das eigene Leben denkend, möchte man schon jene Trägheit, die das 
■bequeme Leben vorziehen heißt, für ein Zeichen verminderten Kraftbewußt- 
seins halten. Die Stabilität des benthonisch lebenden Nautilus bezüglich 
der Kennzeichen seiner Schale spricht sehr für eine solche Anschauung, 
■'^reilich, bei den Ammoniten wird zunächst die Anpassung an die träge 
■•-ebensweise manche Veränderung bedingt haben, Annäherungen gewisser- 
"naßen an Nautilus; aber im allgemeinen werden alle solche Seitenzweige 
eine geringe Zukunft haben und bald aussterben. In der Tat gibt es ja 
111 allen Stufen der Kreide solche kurzen Zweige, deren Fortsetzungen zu 
ehlen scheinen (Crioceras, Pulchellia, Neolobites, lissotia, Nebenformen im 



100 



Dr. fr 



ch Solger: 



Senon). Sie wurden ersetzt durch neue Zuzügler aus den frischeren Kreisen 
der Ammoniten des freien Meeres, und auch diese degenerierten wieder. 
Die Wahrscheinlichkeit spricht also dafür, daß wir in der Hauptmasse der 
uns bekannt werdenden Ammoniten nicht eine zusammenhängende 
Ahnenfolge, sondern eine Jleihenfolge von Abzweigungen 
der Haupt Stämme vor uns haben, die nicht durch direkte Abstammung 
mit einander verbunden sind. 

Durch die nachfolgenden Diagramme (Fig. 2) möchte ich die Unter- 
schiede beider Fälle veranschaulichen: 

Die durch Horizontalstriche getrennten Fächer I— VI stellen sechs auf- 
einander folgende geologische Schichtengruppen dar, die verzweigten schwar- 
zen Linien die Verästelungen die Ammonitenstammes. 





1 






/ 






\ 


s 


\ 




/ 


\ , 


^ 


v 




Bei A ist vorausgesetzt, daß die Fauna der uns erhaltenen Schichten 
die Hauptstämme der Ammoniten selbst enthält, bei B sind diese, ent- 
sprechend den obigen Auseinandersetzungen, in das linke Feld gezeichnet, 
das die Faima des offenen Meeres darstellt, während nur Seitenäste die 
schraffiert gezeichneten Felder füllen, die den Flachseeboden und seine 
Fauna versinnbildlichen sollen. Dieser schraffierte Teil würde es wesent- 
lich sein, der uns überliefert wäre. 

Ich bin weit entfernt, die hypothetische Natur dieser Überlegungen 
leugnen zu wollen, halte sie aber für richtig und begründet, wenn auch 
der Grad der darin ausgesprochenen Wahrscheinlichkeit sich nicht a priori 
abschätzen läßt. Im besonderen habe ich sie an dieser Stelle eingehen- 
der erörtert, weil sie wesentlich dazu beigetragen haben, mich im folgen- 
den von der phylogenetischen Zurückführung der von mir beschriebenen 
Ammonitenarten auf ähnliche Formen früherer Formationen abzuhalten. 



^ 



Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. JQ! 



Familie der Lytoceratiden. 

Baculites Lamarck. 

K o s s m a t ^) hat bereits hervorgehoben, daß die Baculiten der oberen 
Kreide in Skulptur und Lobenlinien •/.. T. recht erheblich von den an Ha- 
mites sich anschUeßenden ursprünglichen Baculiten der unteren Kreide ab- 
weichen. Die Form des Mundrandes ist ähnlich der der Scaphiten, die 
Lobenlinie zeigt z. T. Acanlhoceras-Q,\x&.^^VX&i. Es ist daher wahrschein- 
lich, daß die nur durch gerade Gehäuseform und geringe Lobenzahl ein- 
ander ähnlichen Extreme der Formen, die heutzutage als Baa/Hten zu- 
sammengefaßt werden, besser in mehrere Gattungen oder Untergattungen 
2U trennen sind, doch gibt zur Ausführung solcher Trennung das hier vor- 
liegende Material keine neuen Stützpunkte, da nur ein einziges Exemplar 
eines Bacnlilen sich darunter findet. So behalte ich denn die Bezeichnung 
^>Baciilites« m dem bisherigen weitgefaßten Sinne bei und weise nur darauf 
hin, daß der hier beschriebene Baculites cf. gracilis eine jener Formen mit 
Acanlhoccras-'iXwiW&^iix Lobenlinie ist. 

Baculites cf. gi-acilis (Shumard?) Stanton. 

cf. 1893. Baculites gracilis (Shumard?) Stanton: The Colorado-Formation and its 
invertebrate Fauna. Bull. U. S. Geol. Surv. No. 106. S. 166. 

Das einzige vorliegende Exemplar stammt von den Aufschlüssen unter- 
halb Balangi und bietet die letzten Luftkammern nebst etwa 25 mm 
Wohnkammer im Steinkern. Die Schale ging beim Herauspräparieren aus 
dem Gestein größtenteils verloren. 

In allen am Steinkern erkennbaren Merkmalen stimmt das Stück 
durchaus mit der Abbildung bei Stanton überein, ich habe aber nicht 
gewagt, es vollständig mit Baculites gracilis zu vereinigen, da die Skulptur 
an dem Steinkerne nicht sichtbar ist. Auch dies Fehlen aber passt gut 
'-^ der Stantonschen Art, insofern bei dieser auch auf der äußeren 
Schale nur eine ziemlich feine Querstreifung bemerkbar ist, die auf dem 
Steinkern keine merklichen Spuren hinterlassen kann. Ich zweifle deshalb 
nicht daran, dalä es sich wirklich um die amerikanische Species handelt. 
Ob die von Stanton als B. gracilis bezeichnete Art wirklich der von 
S h u m a r d unter diesem Namen beschriebenen (nicht abgebildeten) texa- 
'^'schen Form entspricht, muß freilich dahingestellt bleiben. Da mir 
texanische Exemplare nicht zur Verfügung stehen, so glaube ich mich am 
besten an Stanton zu halten. 



I) Kossniat, Südindische Kreideformation S. 56, 



^ 



102 I5r. Friedrich Solger: 

Fig. 3 zeigt den Querschnitt des Kameruner Stückes an der letzten 
Scheidewand, Fig. 4 gibt die letzte Lobenlinie wieder. Die Siphonal- und 
Antisiphonalseite der Röhre bilden mit einander einen Winkel von 3", 
die Entfernung der Scheidewände von einander beträgt 3 mm. 

Die von Stanton beschriebene Art ist turonen, wahrscheinlich sogar 
nur oberturonen Alters i). 

(.Sipho.) 



(Siphonalseile.) 



rrTß. 



Familie der Desmoceratiden. 
Puzosia Bayle. 

Schale mehr oder weniger weit genabelt, Seiten mit nach vorn ge- 
schwungenen Rippen verziert, welche über den gerundeten Ventralteil fort- 
setzen. Außer den Rippen mehrere nach vorn gebogene, meist ziemlich 
starke Einschnürungen oderVarices vorhanden. Suturlinie fein zerschlitzt, 
mehrere Hülfsloben entwickelt, Skulptur gegen den Nabel mehr oder we- 
niger verwischt. Die Auxiliarloben bilden einen schiefen Nahtlobus. Er- 
ster Laterallobus länger als der Externlobus. 

Typus: P. planulala Sow. sp. 

Bezüglich der Gattungsdiagnose folge ich den übereinstimmenden Auf- 
fassungen Zittels^), Grossouvres^) und Kossmats^), denen ich 
nichts beizufügen habe. Nur das bedarf vielleicht der Begründung, daß 
ich, übrigens auch hierin mit Kossmat übereinstimmend, den Amm. Dent- 
sonianus zu Puzosia stelle, trotzdem er auf seiner letzten Windung an- 
scheinend keine Varices mehr hat. Nun sind aber auch bei dem Typus 
der Gattung, wie Bayles Abbildung*) selbst zeigt, im Alter die Varices 
nicht mehr von Einschnürungen begleitet, sind also eigentlich nur starke 
Rippen. Sie entsprechen durchaus den längeren Rippen auf der letzten 



1) Stanton 1. c. S. 166. 

2) Zittel, Handbuch der Paläontologie. Tl. S. 465. 

3) Grossouvre, Amm. d. 1. craie sup. S. 171. 

4) Kossmat, Südindische Kreideformation S. 106. 

5) Bayle, Expl, d. 1. carte g6ol. d. 1, France. T. IV. Atlas. Taf. XLVI Fij 



i 



Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. ;| 03 

Windung von Puzosia Den.isouiana^), nur daß diese dichter stehen und 
dadurch der Charakter der Berippung von Puzosia abzuweichen scheint. 
Auf den jüngesen Windungen ist die Skulptur vollkommen die der typi- 
schen Puzosien. 

Puzosia Denisoniana Stoliczka sp. 

1865. Ammonites Denisonianus Stoliczka, Cret. S.-Ind. vol. 1 S. 133. Taf. LXVt 
Fig. 2. Taf. LXVIa. 

1897. Desraoceras Kamerunense v. Koenen: Nachtrag S. 55. Taf. VII Fig. 1—3. 

1898. Puzosia Denisoniana Stol. sp. Kossmat, Südind. Kreide S. 186. Taf. XX 
Fig. 5 a. b; 6. Taf. XXI Fig. 5 a, b. 

Mir liegen zwei Exemplare vor, das eine von Etea^), das andere 
von Balangi. Leider sind beide etwas verdrückt, ebenso wie das bei 
V. Koenens Exemplar der Fall war. Auch teilen sie mit letzterem die 
Überkleidung mit Austern, desgleichen ist bei beiden ein Teil derWohn- 
l^ammer mit erhalten, bei dem größeren, von Etea stammenden Stück etwa 
^/4 Windungen, bei dem kleineren von Balangi von etwa '/g Windung. 
Die übrigen Maße sind in Millimetern : 

Etea Balangi 
Radius an der letzten Scheidewand . . q6? 100 

Radius des Nabels 20 24 

Dicke der Windung 54? 62 

Radius der vorigen Windung ,39 ? 

Dicke der vorigen Windung 24? 26 

Radius des Nabels der vorigen Windung n 12 

■Den Querschnitt einer ziemlich unverdrückten Windung, Vs Umgang hinter 
der letzten Scheidewar^d, zeigt Fig. 5. 

Die Beschreibung, die v. Koenen gibt, ist in all den Punkten, die 
sich an seinem Exemplar beobachten ließen, so erschöpfend, daß ich hier 
ßur auf diejenigen Verhältnisse eingehe, die sein Stück nicht erkennen ließ. 
Zum Schluß seiner Beschreibung weist v. Koenen darauf hin, daß 
das von ihm mit Vorbehalt zu Desmoceras gestellte Desmoceras Kamem.- 
"ense einige Ähnlichkeit mit Stoliczkas Am. Denisonianus zeige. Als 
Unterscliiede führt er an, daß D. Kamerunense bauchiger sei und weit tiefere 
wnd spitzigere Loben habe als die indische Form. 

Nun hat Kossmat auch die Jugendwindungen der Puzosia Deniso- 
"iatia Stol. sp. beschrieben, und es ist somit jetzt ein recht eingehender 
Vergleich mit jener Form möglich. Das Ergebnis war für mich die Über- 
zeugung, daß beide Arten sich nicht trennen lassen. Die Entwicklung der 

Vergl. raf. IJI Fig. I a. 

2) Zwischen Diki und Balangi am Mungo. 



104 



ch Solger 



Skulptur bei der Kameruner Form ist durchaus die von Puzosia Dem- 
soniana: Die Windungen sind in der Jugend mit feinen, von der Mitte 
der Flanken aus ununterbrochen über den Rücken fortlaufenden, nach vorn 
vorspringenden Rippen und von Zeit zu Zeit mit schmalen Wülsten ver- 
ziert, die bei 33 mm Radius noch eine schwache Einschnürung hinter sich 
erkennen lassen und sich in diesem Stadium auf dem Steinkern nur als 
Einschnürung abzeichnen. Zwischen je zwei Wülsten liegen bei etwa 4omni 
Radius 10 — 16 feine Rippen, und es kommen 
etwa 12 Wülste auf den Umgang. Später wer- 
den die Wülste zahlreicher, die Einschnürung 
hinter ihnen verschwindet, auch auf dem Stein- 
kem hinterlassen sie einen Abdruck in Gestalt 
eines Wulstes. Die Zwischenrippen nehmen an 
Zahl ab, an Stärke aber zu, bis schließlich auf 
dem letzten Umgang kurze und lange Rippen 
regelmäßig abwechseln, erstere aus den Zwi- 
schenrippen, letztere aus den Wülsten hervor- 
gegangen. 

Alle diese Verhältnisse stimmen mit dem 
überein, was K o s s m a t über die indische 
Form sagt. Auch die Lobenlinien passen gut 
zu einander. Vergleicht man v. Koenens 
Figur (1, c. Taf. VII Fig. 3) nicht mit Sto- 
1 i c z k a s , sondern mit Kossmats Abbildung 
(1. c. Taf. XX Fig. 6), so sind die Loben der 
Kameruner Form kaum mehr viel spitziger und 
tiefer als die der indischen. Zieht man dann 
noch die Lobenlinie des größeren der mir vor- 
liegenden Stücke mit heran (siehe Fig. 6), so 
ist die größere Spitzigkeit entschieden auf 
Seiten der Koss matschen Abbildung. 

Was den bauchigen Querschnitt betrifft, 
so bildet wiederum Kossmat (Taf. XXI 
Fig. 5 b) ein bauchigeres Exemplar ab als 
v. Koenen, dessen Figur (1. c. Taf. VII Fig. i) demgegenüber mehr den 
Eindruck seitlicher Zusammenpressung macht. Letzteres erklärt sich übri- 
gens unschwer durch die Verdrückung des zur Vorlage dienenden Stückes. 
Die Verhältnisse, die v. Koenen zu einer ardichen Trennung ver- 
anlaßten, scheinen also durchaus auf individueller Veränderlichkeit zu be- 
ruhen, und da ich an ihre Stelle keine anderen, gültigeren Unterscheidungs- 
merkmale setzen kann, so sehe ich mich genötigt, Destnoceras Kameriinciisc 
v. K. mit Puzosia Denisoniana Stol. sp. zu vereinigen. 




Hg. h. Querschnitt von Puzo- 
.sia Denisoniana Stol. (von dem 
Taf.IIIFig.l dargestellten Exem- 
plar). Etea am Mungo. "Anr' ^- 



Ä 



^ 



Die Ammonitenfauua der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. ^05 

Puzosia Denisoniana kommt in der indischen Utaturgruppe vori), 
anscheinend auf deren oberen, turonen Teil beschränkt. Ebenso findet 
sie sich in der oberen Kreide Japans ä). 

Sehr nahe steht Puzasia Atisteni Sharpe aus dem Turon Nordafrikas 
und Europas. 




Fig. 6. Lobenlinie von ^ „„ 
gebildeten Exemplar), bei 

Neoptychites Kossmat. 

Scheibenförmige oder mäßig aufgeblähte, stark involute, imgekielte 
Gehäuse, mit dem Alter flacher werdend. 

Außenseite gerundet, Windungen in der Jugend glatt, nur auf jedem 
Umgang mit mehreren Wülsten versehen, die von Einschnürungen be- 
gleitet sind, später gerippt, im Alter völlig glatt werdend. 

Wohnkammerlänge, soweit beobachtet, '/2 Umgang. 

Mündung seitlich verengt, außen lappenförmig vorspringend, Wohn- 
kammer hinter dem Mundrand aufgebläht. 

Außenlobus kürzer als der erste Laterallobus, durch einen ziemlich 
breiten, in der Mitte ein- bis zweimal eingekerbten Siphonalsattel geteilt. 
Erster Laterallobus tiefer als der zweite. Ein breiter, schräg nach außen 
gerichteter Hülfslobus vorhanden. 

Extern- und beide Lateralsättel ebenso breit oder breiter als die Lo- 
ben, außerdem an der Nabelkante ein Hülfssattel, der bedeutend tiefer 
liegt als die übrigen, unter einander etwa gleich hohen Sättel. 

Die Loben zeigen einen geringen bis mittleren Grad der Zerschlitzung, 
der Hülfslobus besitzt nur kleine, kaum zerschlitzte Zacken. 

Typus : N. Tclifiga Stol. S]i. 

Die Gattung Neol>iychites ist von Kossmat") 1895 aufgestellt wor- 

1) Siidindische Kreideformation S. 187. 

2) Pal. Abb. Bd. VI. Heft 3 S. 13. 

3) Kossmal, Siidindische Kreideformation S. 69 ff. 



106 t)r, Friedrich Solger: 

den für die Gnipiif, des Am. 'rdinga Stol. und Am. Xetra Stol. aus der 
südindischen Kreide, vcn denen ihm jedoch nur der erstere im Original 
vorlag. Neoplvc/iilfs Telmga ist sonach als Typus der Gattung anzusehen. 

Der Kossmatschen Gattungsdiagnose biö ich im vorstehenden ge- 
folgt mit geringen Abänderungen und verschiedenen Ergänzungen, die aus 
der Untersuchung des Kameruner Materials sich als wünsclienswert er- 
gaben. 

Wie ein Blick auf die eingangs gegebene Diagnose zeigt, handelt es 
sich um eine recht natürliche Gruppe, die durch eine Reihe von sehr be- 
stimmten und bezeichnenden Eigentümlichkeiten von anderen Gattungen 
geschieden ist, andererseits freilich bisher auch nur wenige Alten umfasst. 

Über die s y s t e m a t i s c h e S t e 1 1 u n g des ^ w. Te.Unga haben manche 
Meinungsverschiedenheiten geherrscht. Zusammen mit Am. Xetra wurde 
er von S t o 1 i c z k a 1) im Jahre 1 865 aus der Utaturgruppe der südindischen 
Kreide beschrieben mit dem Bemerken, daß ähnliche Formen in der Kreide 
sonst nicht gefunden wären, dagegen verwandte Arten durch v. Hauer 
aus der Hallstädter Trias bekannt geworden seien. Auf Stoliczkas un- 
vollständige und in Bezug auf die Lobenlinie nicht ganz richtige Dar- 
stellung sich .stützend, stellte N eu m a y r 2) beide erwähnten Arten zu seiner 
neugeschaffenen QM.\m<y Stoliczkaia. Ihm folgt Zittel in seinem Hand- 
buch'). Grossouvre'') betrachtete den Am. Telmga mit Pachydiscus 
peiamplus zusammen als eine etwas abweichende Formenreihe von Sonne- 
ratia. 1895 wies dann Kossmat-'') an Stoliczkas Originalexemplar 
nach, daß die Lobenlinie des Am. 'Jelhiga nicht der S t olic z kaschen 
Abbildung entspräche, dagegen sehr ähnlich der von Am. Xelra sei. Für 
beide Ammoniten stellte er gleichzeitig die Gattung Ncoptychiies auf, deren 
Stellung im System der Ammonitiden er offen Heß. Er erwähnte als ein- 
zige Form von vergleichbarer Lobenlinie den gewöhnlich zu Placenticeras 
gestellten, aber nicht dorthin gehörigen Amin, dypeiformis d'Orb. aus dem 
Neocom. i8q6 wies Grossouvre") auf die Ähnlichkeit zwischen Neo- 
ptychites Telinga Stol. sp. und Am. cephalotiis Court, aus dem französischen 
Turon hin und erklärte beide Ammoniten artlich kaum für trennbar, auch 
Am. peram-pliis wollte er zu der neuen Gattung ziehen. Letzterem widerspricht 
Peron') indem er, Kossmats Auffassung entsprechend, den Am. per- 



1) Stoliczka, Cret. S.-Ind. Vol. 1. S. 124 u. 125. Tf. LXI u. LXII. 

2) Zeitschr. d. Dtsch. geol. Ges. 1875. S, i)i2. 

3) Zittel, iraudbiich d. Pal. Bd. 11. S. 477. 

4) Grossouvre, Am. d. 1. craie sup. S. 145. 

5) Kossmat, Südind. Kreideformat, I. c. 

6) Bull. d. 1. Soc. Geol. d. France (3) XXIV. S. 86. 

7) Peron, Am. d. orfet. .suj). de l'AlgWn S. 38 u. 43. 



Die Ammonitenfaima der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 107 

amplus bei Pachydiscus beläßt. Doch hält er ihn, wie auch Pachvdisais 
Rollandi Thom. u. Peron und P. africanm Th. u. P. aus der tunesischen 
Kreide für sehr nahe Verwandte des Neoptychites Telinga. 

Unter Zugrundelegung der obigen Gattungsdiagnose dürften von den 
in der bisherigen Literatur beschriebenen Ammoniten zu Neoptychites zu 
stellen sein: 

Neoptychites Telinga Stol. sp. 

— Xetra Stol. sp. 

— cephalotus Courtiliier sp.i) 

— Rollandi Thom. et Peron sp. 2) 

— africa?ms Thom. et Peron sp.') 

— perovalis v. Koenen sp. *) 

Das mir aus Kamerun vorliegende Material enthielt, abgesehen von einigen 
Bruchstücken, 11 bestimmbare Neoptychiten-Individuen. 

Ihre Einordnung in bekannte, bezw. Zusammenfassung zu neuen Arten 
oder, prinzipieller gesprochen : die Ermittelung der durch diese Einteilung 
zum Ausdruck zu bringenden Verwandtschaft der tmtersuchten Stücke mit 
einander und mit bereits bekannten ähnlichen Formen begegnet nicht un- 
erheblichen Schwierigkeiten. Da Verzierung und Anwachsstreifen überall 
etwa gleich sind, kommt als Einteilungsgnrnd in erster Linie die Sutur und 
der Windungsquerschnitt in Betracht. Indessen ist es schwer abzuschätzen, 
Welchen systematischen Wert man den Abweichungen beimessen soll, die 
zwischen den Lobenlinien der einzelnen Stücke bestehen. Wenn nicht ein 
sehr zahlreiches Material verwandter Formen durch vergleichende Beob- 
achtung immer wiederkehrende Eigentümlichkeiten als solche festzustellen 
gestattet, wird es theoretisierendem Ermessen überlassen bleiben, die einen 
Merkmale für nebensächlich, die andern für wesentlich zu erklären. So 
lange sich solche theoretischen Erwägungen aber nicht auf mehr und 
mannigfaltigere Tatsachen als bisher und vor allem auf klarere Vorstellungen 
über die Bedeutung der Loben und Sättel überhaupt und ihren Zusammen- 
hang mit der Organisation des Tieres aufbauen können, ist die Natürlich- 
keit der Gruppierung sehr zweifelhaft. 

Da die Lobenlinien z. T. auf beiden Seiten desselben Gehäuses 
erheblich verschieden sind und somit recht veränderlich erscheinen*), so 
sah ich mich veranlaßt, den Artbegriff lieber zu weit als zu eng zu fassen, 



1) Ann, soc. linne. de Maine-et-Loire. tomc tX. S.. 3. Tf. I u. 2 (vide Peron). 

2) Thomas u. Peron, Moll. foss. des terr. cret. d. 1. Tiinisie .S. 25. 

3) ibidem S. 28, 

4) V. Koenen, Fossilien d. mit. Kreide am TIfer d. Mungo in Kamerun S. 10. 

Tf. r. Fg. 3. 

5) Vergl. hierzu das bei JtoplttoiAes gesagte S, 130. 



^ 



108 Dr. Friedrich Solger: 

da ein Zusammenwerfen allzu heterogener Formen hier überhaupt nicht 
zu befürchten ist. Indem ich mich wesentlich an den Windungsquer- 
schnitt und die Anordnung der Hauptäste im ersten Lateral- 
lobus lialte, unterscheide ich nur zwei Arten, innerhalb deren ich noch 
mehrere Varietäten auseinander halte. Letztere sind allerdings oft nur auf 
einzelne Exemplare gegründet, so daß ich es unentschieden lasse, ob es 
sich nicht um individuelle Abwandlungen handelt. 

Eine kurze Diagnose schicke ich der eingehenden Beschreibung 
voraus : 

I. Gehäuse ziemlich flach, erster Laterallobus deutlich unsymmetrisch 
geteilt: Neoptychites klingaeformis {> = Te.linga Stol. .sp.) n. sp.') 
Von dem Typus zweige ich ab: 

var. elegam: Sättel schmal, Loben regelmäßiger zerschlitzt als 
beim Typus der Art. 

var. palmata : Der erste Laterallobus besitzt an seinem oberen 
(vorderen) Ende keine größeren Äste, letztere, vier an der Zahl, 
gehen vielmehr weiter unten, fast von einem Punkte aus, ab. 

var. discrepans: Die Lobenformen der einen Seite nähern sich 
sehr denen von var. elegans, auf der anderen jedoch ist der erste 
Laterallobus ganz abweichend gestaltet. 
IL Gehäuse aufgebläht, erster Laterallobus nahezu unsymmetrisch, drei- 
spitzig endigend: Neoptychites crassus n. sp. 
Von dieser Form zweige ich ab: 

var. asymmetrica: erster Laterallobus auf der einen Seite wie 
beim Typus, auf der anderen stark unsymmetrisch. 
Der Vollständigkeit halber füge ich hinzu: 
III. Gehäuse ziemlich flach, erster Laterallobus fast symmetrisch, am 
Ende in zwei etwa gleich große Spitzen auslaufend: Neoptychites 
perovalis v. Koenen sp. (In meinem Material nicht vorhanden.) 

Neoptychites telingaeformis n. sp. 

Wenn ich diese Form nicht vollständig mit dem typischen Neo- 
ptychites Telinga"^) vereinigt habe, so geschah es, weil von jenem nur die 
Abbildung der Form und Lobenlinie eines sehr großen Exemplars vor- 
liegt, das an der Mündung einen Radms von 14 cm gehabt hat, während 
unter meinem Material selbst die mit Mundrand und ausgebauchter Wohn- 
kammer versehenen, also vermutlich ausgewachsenen Exemplare an der 



1) Über die Beziehungen zwischen N. telingaeformis und N. Telinga siehe unten 
in der Beschreibung des ersteren. 

2) Kossmat 1. c. 57 1. TC. VK. Fg. 1. 



i\ 



Die Amiiionitenfauna der MiingoUalke und das geologische Alter der letzten 



109 



Mündung nur etwa q — ^lo cm Radius gehabt haben können. Auch ist der 
zweite Lateralsattel, dessen überwiegende Größe K o s s m a t sogar in seiner 
Gattungsdiagnose her\orhebt, bei meinen Stücken nur etwa ebenso groß 
oder kleiner als der Externsattel. Mit zunehmendem Alter nähert sich 
aber die Lage der beiden Lateralloben der Außenseite, und so mag dieser 
Unterschied vielleicht lediglich in der Größe des Koss matschen Stückes 
begründet sein. Geringe Abweichungen gegenüber der indischen Form 
zeigt auch die Lobenverzweigimg des Neopf. telingaeformis, doch unter- 
scheiden sich darin auch die einzelnen Stücke unter einander, so daß ich 
diesem Umstände keine Bedeutung beilegen möchte. 

Alles in allem ist es sehr möglich, daß N. Telinga und N. Ulingae- 
formis identisch sind. Sollte eine genauere Beschreibung indischer Indivi- 
duen, auf reicheres Material gestützt, dies einmal ergeben, dann wird die 
oben getroffene Wahl eines von vorn herein ähnlichen Namens für die 
Kameruner Form verhindern, daß Verwirrung entsteht. 

Neoptychites telingaeformis typus. 

Zu Neoptychites telingaeformis (Typus) rechne ich sechs Stücke der 
Eschschen Funde. Davon zeigen zwei die Wohnkammer, etwas be- 
schädigt am Außenrande, aber sonst vollständig; ein drittes reicht bis zum 
Beginn der Wohnkammer, zwei lassen nur Bruchstücke der letzten Win- 
dung erkennen, während das sechste, in den äußeren Umgängen etwas 
verdrückt, die Präparation der Jugendwindungen gestattete. 

Maße (in mm); j jj 

(ausgewachsenes (mittleres, be- 
Exemplar) ripptes .Stadium) 

Radius der Windung 80 25 

Dicke der Windung 52? 21 

Radius der vorigen Windung .... 40 10 

Dicke der vorigen Windimg .... 30 12 

Radius des Nabels 3 (am Steinkern) etwa i 

Radius an der letzten Scheidewand . . 80 

Länge der Wohnkammer V2 Umgang- 
Größte Dicke der Wohnkammer .' . . 60 
Radius an der Mündung iio? 

Die Größenverhältnisse der Jugendstadien siehe in der folgenden Be- 
schreibung. 

Das in obiger Tabelle mit I bezeichnete Stück stammt von der Ele- 
phanten- oder der Wohltmannbank, von den übrigen kann ich die Her- 
kunft nicht genau angeben, doch liegen mir vom Mungo-Ufer unterhalb 
Balangi Bruchstücke vor, die mit dem einen, der Beschreibung der ersten 



k» 



IJO I>. Fried rieh Solger: 

Jugendwindungen /.ugrunde gelegten Exemplar so vollständig in Bezug auf 
den Lobenbau übereinstimmen, daß ich sie für Stücke desselben Exem- 
plars halte. 
Berippung Bei 0,5—1 mm Radius ist das Gehäuse kugelrund, fast ganz involut, 

""'^ . die Windung hat im Querschnitt die Form eines Halbkreises (siehe Fig. 7). 
Die nächste Windung, von etwa 2 mm Radius, ist sclron mehr hoch als 
breit. Eine Skulptur fehlt in diesem Stadium fast ganz, nur laufen über 
die sonst ganz glatte Schale schwache Einschnürungen, deren Ra.nder ver- 
schwommen sind und die nur auf dem Steinkern Eindrücke hinterlassen, 
auf der Schale nicht erkennbar sind. Sie verlaufen radial von dem Nabel 
der einen Seite in etwa gleichbleibender Stärke zum Nabel der anderen 
Seite, und es kommen ihrer vier auf den Umgang. 

Für die weitere Entwicldung des Querschnitts und der Skulptur konnte 
dieses Exemplar, wegen seiner Verdrückung, nicht maßgebend sein, und 
ich ziehe es deshalb vor, die Beschreibung dieser Verhältnisse auf das 
Exemplar zu gründen, das ich als var. discrepans seiner Lobenlinie halber 
abgetrennt habe, das aber in der Form und Berippung 
mit allen Stücken dieser Art übereinstimmt. 

Bis zu einem Radius von 15 mm ist das Gehäuse 
glatt, nur auf je dem Umgange mit 3—4 Einschnürungen 
versehen (vergl. Taf. III Fig. 4). Letztere veriaufen bei 
5 mm Radius in sanft geschwungener Linie, so daß sie 
auf der Außenseite, wo sie am stärksten sind, einen 
d".'jugend^wrndungen nach vom vorgezogenen Bogen bilden. Der hintere 
vonNeop^teiingaef. ^^^^ ^^^ Einschnürung ist bedeutend steiler als der 
vordere und etwas aufgewölbt, hinter ihm senkt sich 
eine zweite bedeutend schwächere Furche ein, die nach hinten sanft ab- 
geflacht ist. So bildet sich zwischen beiden Furchen ein Wulst heraus. 
Noch deutlicher treten diese Verhältnisse auf der nächsten Windung 
(6 — 15 mm Radius) hervor: Die hintere Einschnürung wird kräftiger, vor 
allem beiderseits der Außenseite, während sie in deren Mitte etwas ab- 
geschwächt ist. Die vordere Einschnürung zeichnet sich gleichfalls schärfer 
ab, indem auf der Außenseite und der äußeren Hälfte der Flanken 
der Vorderrand steiler und ein wenig aufgewölbt wird (siehe Taf. III 
Fig. 4). Gegen den Nabel zu ebenen sich diese Furchen ein, so daß sie 
ihn nicht erreichen. 

Der Querschnitt, der zu Beginn des eben beschriebeneu Stadiums noch 
nahezu halbrund war, wird allmählich höher, die Flanken flachen sich ab 
und konvergieren gegen die gleichmäßig gerundete Außenseite, die Nabel- 
kante zeigt ebenfalls eine kurze, aber gleichmäßige Biegung, so daß der 
Querschnitt der Windung bei 15 mm Radius, wenn man von dem Ein- 
schnitt der vorhergehenden Windung absieht, der eines gleichschenkligen 




Die Aniinoritenfauna der Muiigokalkc und das theologische Alt.-r der letzteren. \]l 

Dreiecks mit gerundeten Ecken ist. Die grüßte Dicke der Windung liegt 
dicht über der Basis dieses Dreiecks und beträgt 13 mm. 

Die folgende Windung (15— 38 mm Radius) gibt, während der Quer- 
schnitt von nun an sich nur langsam verändert, bezüglich der Verzierung 
ein durchaus anderes Bild (siehe Taf. III Fig. 3). Am Anfang besitzt sie aller- 
ditigs noch die eben beschriebenen Einschnürungen, aber bereits auf der 
ersten Viertelwindung schalten sich dazwischen einige schwache Wellungen 
der bis dahin glätten Schale ein und von der nächsten Einschnürung ab 
ist die Windung mit lauter flachwelligen Rippen von nahezu radialer Rich- 
tung bedeckt, die nur kurz vor der Außenseite etwas nach vorne biegen, 
über letztere aber ununterbrochen, und ohne einen Winkel mit einander 
zu bilden, hinwegsetzen. Ebenso wie die Einschnürungen, die von nun 
an fehlen, sind sie außen am stärksten, während sie in der Nähe der 
Nabelkante verschwinden. 

Der halbe Umgang, auf dem diese Form der Verzierung kräftig aus- 
gebildet ist, trägt 14 Rippen. Dann, bei 35 mm Radius werden die Rippen 
flacher, und bei einem Radius von 41 mm wird das Gehäuse ganz glatt. 

Indem ich hiermit die Beschreibung dieses Stückes verlasse, schließe 
ich noch einige Angaben über die Gestalt der Wohnkammer im, bei der 
ich mich wiedenun auf Stücke des typischen Neoplycliiles lcliiii;ac/flrmis 
beziehe. 

An der letzten Scheidewand besitzt das größere der beiden mit Mund- Woli 
t'and erhaltenen Stücke [Stück I der Maßtabelle] nocli einen durchaus '''■" 
normalen Querschnitt, d. h. einen Querschnitt, wie er nach demjenigen der 
jugendlicheren Windungen zu vermuten ist (siehe Fig. 8). Dagegen zeigt 
die Wohnkammer die charakteristische Aufblähung (siehe Taf. III Fig. 3), 
die der Gattung eigen ist. Die dickste Stelle der Wohnkammer und damit 
des ganzen Gehäuses liegt etwa '/$ Windung Mnter der Müadimg etwas 
näher am Nabel, als an der Außenseite. Der Querschnitt wird an dieser 
Stelle itach der Außenseite zu rasch schwächer, während er nach dem 
Nabel zu nur wenig abnimmt, und erst dicht an letzterem zur Nabelkante 
Umbiegt. Die Mündung ist seitlich stark zusammengedrückt, wie dies be- 
reits Kossmat beschreibt, und der Mundrand außen vorgezogen. 

Eine weitere Eigentümlichkeit der Wohnkammer ist die außerordent- 
liche Dicke, die die Schale auf ihr annimmt. An der Airfblähung selbst 
beträgt sie etwa 4 mm, während sie eine Windung vorher kaum i mm 
itusmacht. Die Schale sondert sich parallel der Oberfläche in Schichten, 
'iie leicht auseinander brechen. Durch das teilweise Abspringen einzelner 
solcher Schichten entsteht ein auch aus der Figur erkennbares, sehr cha- 
rakteristisches Bild, das auch Bruchstücke einer Neoptychitenwohnkammer 
^'s solche wiederzuerkennen gestattete, da unter meinem Kameruner Ma- 
terial sonst nichts ähnliches vorkam. 



112 



Dr. Friedrich Solger: 



Farb- 

streifung. 



Anwachs- Die Anwachsstreifen, die 

streifen. / \ jj^ diesem letzten Stadium voll- 

ständig verschwinden, und dadurch 
den Eindruck einer vollkommen 
veränderten Art der Schalen- 
bildung bei der Wohnkammer 
noch erhöhen, verlaufen auf den 
jugendlicheren Windungen ebenso 
wie die Einschnürungen und die 
Rippen; am Nabel, wo jene ver- 
schwinden, sind sie nahezu radial 
gerichtet und treffen auf die Nabel- 
kante mit einer geringen Wendung 
nach vorn. 

Bemerkenswert ist auf den 
jugendhchen Windungen der Neo- 
ptychiten bis zum Schwächer- 
werden der Rippen eine Farb- 
streifung der Schale. Dunkle Strei- 
fen, etwa sieben an der Zahl, ver- 
laufen auf jeder Seite des Ge- 
häuses quer gegen die Anwachs- 
streifen in der Windungsrichtung 
(siehe Fig. 9). Sie scheinen nur 
der allerobersten Schicht der Schale 
anzugehören; denn schon eine ganz 
kurze Behandlung mit verdünnter 
Essigsäure brachte sie zum Ver- 
schwinden. 

Die Entwicklung der Loben- 
linie ist in Fig 10 dargestellt, be- 
giimend bei einem Gehäuseradius 
von I mm, wo die Loben und 
Sättel sich noch im Goniatiten- 
stadium befinden. Die allmäh- 
liche Veränderung der Sutur bis 
zur erwachsenen Form hier ein- 
Fig 8 Querschnitt eines erwachsenen Neopt, gehend beschreiben zu wollen, kann 
"''"*^^Wn^deLTEÄar),''NrGr^ nicht meine Aufgabe sein, da ich 

die Deutlichkeit der Abbildung 
doch nicht erreichen würde. Nur auf einige Verhältnisse möchte ich hin- 
weisen, die mir bemerkenswert erscheinen. 




k 



Die Ammonitenfauna der Miingokalke und das geologische Alter der letzteren. ] ] 3 

Wählend anfangs (^Fig. loa) der Hült'slobus kaum über die Nabel- 
kante hinausreicht und der Extemsattel der breiteste der Sättel ist, schie- 
ben sich die Loben mit wachsendem Gehäusedurchmesser und zunehmen- 
der Horhmündigkeit mehr und mehr nach außen, so daß schon bei 4 mm 




^y^ 



Fig. 9. Neopt. telingaef. n. sp. 
von Balangi, 2/1, mit konzentr. 
Farbstreifen (links und oben). 




I^'g. 10a— d. Neopl. telingaef. n. sp. Jugendentwicklung der Lobenlinie 10/1. a) Sutur der 

mken Gehäuseseite bei 1 mm Windungsradius, h) Sutur bei etwa 2 mm Windungsradius 

wie beginnende Lobenleilung ist etwas ?.u stark gezeichnet), c) Sutur der rechten Seite, 

Windungsradius 4 mm. d) Sutur der rechten Seite. Windungsradius 12 mm. 

Radius der Hülfslobus ganz auf der Flanke liegt untl alle drei Sättel etwa 
g'eich groß sind. Durch weitere Verschiebung der Lateralloben wird 
Schließlich der zweite Lateralsattel der größte, was an diesem Stück bereits 
"^' I cm Radius bemerkbar war, an anderen jedoch viel später, zum Teil 
überhaupt nicht deutlich, M'ie die Lobenlinie des größten, mehrfach an- 
geführten Stückes (Fig. 11) zeigt. 

Beiträge zur Geologie von Kamerun. ' 8 



114 



ch Solge 



Die erste Zersohlit7,ung, die die jugendliche Sutur erfährt, betrifft deu 
ersten Laterallobus und den Externsattel. Die Verschiedenheit, die beide 
Seiten des Gehäuses schon in diesem frühen Zeitpunlct aufweisen, läßt ver- 
muten, daß der Eintritt dieser Zerschlitzung unto anderem auch von ziem- 



f f 




e) f) S) 

Fig-. lOe— g. Neopt. telingaef. n.sp. (von demselben Stück wie a— d). Erster Laterallobus der 
rechten Seite in verschiedenen Entwicklungsstadien. e) bei 12 mm Windungsradius 4/1. 
f) bei 25 mm Windungsradius 2/1. gl bei 45 mm Windungsradius 2/1. 



:pho.) 




Fig. 11. Lobenlinie von NcüpL. telingael. n. sp 
(von dem in Tat. III Fig. 2 abgebildeten Stück) 

a) rechte Sutur bei 20 mm Windungsradius 2/1 

b) linke Sutur bei -15mm Windungsradius 2/1 



lieh zufälligen Gründen abhängig sein muß, da später die Lobenlinien bei- 
der Seiten sich so gut wie gleich entwickeln. Der erste Laterallobus zer- 
fällt von Anfang an in zwei ungleiche Lappen, von denen der l<leinere 
nach außen liegt, d. h. siphonalwärts. Diese unsymmetrische Zweiteilung 
beherrscht seine Gestaltung bei allen Varietäten der \'orliegenden Art. Die 
hier zunächst zu beschreibende typische Form ist besonders durch die 



k 



Die Air 



ültenfauna dev Minigokalke und das yeologiscbe Alter der leuteren. Ji5 



spätere Verzweigung des ersten Lateraliobus gekennzeichnet (s. Fig. 12 — 14). 
Ich nehme als typischen Vertreter das Stück, das auch in Taf. III Fig. 2 ab- 
gebildet ist. Hier zerfällt der erste Lateral in vier Hauptäste. Zwischen dem 
ersten und zweiten (vom Sipho aus gereclmet) liegt die ursprüngliche Zwei- 
teilung. Die relative Länge der einzelnen Äste ist so veränderlich, daß 
auf den ersten Blick die Zusammenfassung aller sechs Stücke bedenklich 
erscheinen mag, doch machen sich bei näherer Betrachtung vielfach Über- 
gänge bemerkbar. So weicht z. B. der erste Lateraliobus in Fig. q und 10 von 





Fig. 13. Ncopt. telingiiel. n. sp. 

Mung-o, Er.ster Laterallohus rei 

:ö mm W'indung'sradius 1/1. 




Mungo 2/1. ;i ■ A indiuiKs- Im»-, m, Neopt. telingaef. n. sp. Ba- 

radius 34 mm ii. . Win^ lani;i(?). Erster Lateraliobus rechls, 

dunj;^ i.ini :i; MIHI, ■ L'-l mm Windungsradius 2/1. 

^'g-ii nicht unerheblich ab in den jüngeren Stadien. Eine Unterscheidung 
Von vier Hauptästen ist hier nur mit etwas gutem Willen möglich. Ver- 
gleicht man aber dann die Altersform des Lobus (Fig. lof, g), dann er- 
scheint die relative Größe der einzelnen Äste so labil, ebenso wie die der 
"'ennenden Sättel, daß sich kein scharf unterscheidendes Merkmal gegen- 
^'^er den anderen Stücken finden lassen dürfte. 

Angesichts vdieser offenbar großen Variabilität in der Sutur, die JV. 
'^'^ngaeformis zeigt, erscheint es mir übrigens zweifelliaft, ob die beiden 
^toliczkaschen Arten N. Tdiiiga und N. Xcira sich wirklich werden 
unterscheiden lassen. 






■ 



116 Dr. Friedrich Solger: 

Von den folgenden Varietäten läßt sich die typische Form der vor- 
liegenden Art dagegen ziemlich gut trennen, und zwar 
von var. elegans durch die breiteren Sättel, 
von var. palmata dadurch, daß der erste (äußere) Ast des ersten 

Lateral wesentlich höher entspringt als die übrigen, 
von vai'. discrepans endlich durch die deutlicl; ungleichlappige Zwei- 
teilung, die dem Bau des ersten Lateral auf beiden Seiten der 
Schale zugrunde liegt. 
Ob diese Unterschiede wesentliche Punkte betreffen, muß ich aller- 
dings dahingestellt sein lassen, da mir von jeder Varietät nur ein Stück 
vorlag. 

vai-, elegans. 

Das Stück stammt von der E I e p h ante n b a n k oder von der 
Wohltmannbank und ist liis zu einem Radius von 60 mm ziemlich 




vollständig erhalten. Deuthch gcri]3pt ist etwas mehr als ein halber Um- 
gang, von 27 — 38 mm Radius. Bei 53 mm Radius ist es etwa 40 mm 
dick, weicht also im Querschnitt nicht wesentlich von dem Typus ab. Die 
Vorwärtsbiegung der Rippen ist etwas weniger deutlich als bei jenem, in- 
dessen nur gegen Ende des berippten Teiles. 

Der erste Lateral besitzt nur ein kurzes, breites Stielstück, von dem 
einerseits der zweiteilige äußere Ast (siehe Fig. 15), andererseits der ge- 
meinsame kurze Stiel des zweiten, dritten und vierten Astes abgeht. Der 
zweite ist der längste. Alle Lobenäste sind deutlich dreispitzig geteilt, 
wodurch che ganze Lobenlinie einen viel regelmäßigeren iEinclruck macht 
als beim Typus. Die Loben sind im Verhältnis zu den Sätteln viel breiter 
als dort, so daß die Zacken der beiden Lateralloben sich fast berühren. 



Die Ammonitenfauna der Murigokalkc und dab geologische Alter der letzteren, 117 

var. palmata. 

Das Stück, das ich mit diesem Namen bezeicline, ist nur mit der 
einen Gehäuseseite erhalten. Es stammt von der Elephantenbank. 
Auch hier dürfte der regelmäßig berippte Teil nur etwa einen halben Um- 
gang betragen. Die Schale wird glatt bei 43 mm Radius und 25 mm 
Dicke. Das Bezeichnende für die Varietät sehe ich in der Lobenlinie 
(Fig. 16). Der erete Lateral ist auch hier in vier Äste geteilt, doch ent- 
springen sie alle sehr nahe bei einander, während der obere, sehr schlanke 
Teil des Lobus ohne Äste ist. So bekommt der erste Lateral eine band- 
förmige Gestalt, ähnlich wie sie der zweite Lateral schon beim Typus der 
Art hat (vergl. Fig. 11). Dies gibt auf den ersten Blick der Lobenlinie 
ein eigenartiges Gepräge. Bei näherem Zusehen überzeugt man sich aber, 




Fis. 16. Linke Lobenlinie von Neopt. telingaef. ^ 
Elephantenbank. Windnngsradius 35 11 

daß die Hauptelemente bei beiden dieselben sind, und wirldich nur ein 
Zusammenrücken der Lobenäste die Verschiedenheit bedingt. 

var. discrepans. 

Das Stück stammt \-on Balangi und ist bis zur Wohnkammer er- 
halten, wenn auch die letzte Windung stark beschädigt ist. Die Ent- 
wicklung des Querschnittes ist bereits oben als typiäch für die ganze Art 
beschrieben^). Ich sondere das Stück ab, weil_ nur auf der einen Seite 
des Gehäuses eine unsymmetrische Zweiteilung des ersten Lateral erkennbar 
'St, während der erste Lateral der anderen Seite von Jugend auf sechs 
etwa gleich große, ziemlich genau symmetrisch angeordnete Äste besitzt. 
I^'e Entwicklung der Lobenlinie ist durch Fig. 17 dargestellt. Wenn man 
zwischen den Stadien a) und c) ein weiteres entsprechend Fig. 19a sich 

i) Siehe S. iiü u. t)l. 



L-. 



118 



ch Solge 



konstruiert, so ergibt sich ein recht vollständiges Bild, in dem nur die 
Embryonalkammer selbst leider fehlt. Es ist dabei auffallend, wie von 
Anfang an die ersten Lateralloben beider Seiten verschieden sind. Da 
man kaum einen iihylogenetischen Unterschied zwischen dieser Varietät 



■fT^ < 



i^^mM 





Fig. 17. Entwicklunj» der Lobenlinit 

von Balaiiffi. Wmdurig.sradjus: a) 0,5 , 

d) 27 mm, 2|1. 



— Neopt. telingaef. var. discrepans n, var 
1, 15/1. b) etwa 5 mm, 6/1. c) etwa 15 mm, 4/1. 
' ;) 42 mm, 2/1. 



und dem Typus der Art wird annehmen dürfen, mithin diese asymme- 
trische Form eng verwandt sein mulä mit symmetrischen, so zeigt der 
frühe Beginn der Asymmetrie, wie früfi bereits individuelle Cha- 
raktere sich in der Lobenlinie geltend machen, eine Tatsache, die 
für phylogenetische Studien unter Umständen recht wichtig werden kann. 



Die Animojiitcnlniuia der Mmi{;okalke uuil das geologische Alter der letzteren. 119 

Neoptychites crassus n. sp. (Taf. III Fig. 5). 
Neoptychiies crassm liegt mir in zwei Exemplaren vor, wenn ich von 
einem Schalenstück») absehe, dessen Innenseite Lobenabdrücke zeigt, wie 
sie der vorliegenden Art entsprechen würden. Die beiden Stücke zeigen 
in der Lobenlinie Abweichungen in ähnlichem Sinne, wie sie zwischen 
A^. teUngaeformü lypm und var. discrepans bestehen. Entsprechend meinem 
Verfahren bei der vorigen Art muß ich demnach folgerichtig auch hier 
zwei Varietäten unterscheiden, obwohl jede nur dursh ein Exemplar ver- 
treten ist. 

Neoptychites crassus typus. 

Das Stücl< ist bis zum Mundrand erhalten, die äußere Windung, deren 
letzte beiden Drittel der Wohnkammer angehören, ist jedoch stark ab- 
gerieben. Es stammt von Balangi. 

Der Radius an der Mündung hat etwa 8—8,5 cm betragen, im übrigen 
führe ich folgende Maße an, die der vorletzten Windung entnonrmen sind : 

Radius 46 mm 

Dicke 57 » 

Radius der vorigen Windung . . 24 >» 
Dicke der vorigen Windung ... 29 » 

Radius des Nabels 5 * 

Das Gehäuse ist bis zu 18 mm Radius, ganz entsprechend der vorigen 
Art, glatt und nur mit 3— 4 Einschnürungen auf jeder Windung versehen. 
Wie dort verlaufen diese Einschnürungen über die Außenseite in einem 
nach vorn vorspringenden Bogen und ziehen sich über die Flanken in 
radialer Richtung hin bis gegen den Nabel, in dessen Nähe sie ver- 
schwinden. Bei 18 mm Radius ist die Einschnürung nach hinten und nach 
vorn durch einen deuthchen Wulst abgegrenzt (s. Taf. III Fig. 5). Der hintere 
Wulst ist nach rückwärts durch eine flache Furche begrenzt, ebenfalls ent- 
sprechend der vorigen Art, der vordere dagegen durch eine zweite Ein- 
schnürung, vor der ein schwächerer Wulst und noch eine Furche liegen. 
Etwas abweichend ist auch die Berippung gegenüber der von N. telingae- 
fnrmis, die Rii:)pen verschwinden nämlich nicht nur an der Nabelkante, 
Sondern auch an. der Außenseite. Deutlich berippt ist auch hier Va— ^/a Um- 
gang, und die Zahl der Rippen beträgt auf dem halben Umgange gleich- 
falls 14. Der Hauptunterschied gegen die vorige Art liegt in dem Quer- 
schnitt, dessen breitere und niedrigere Form sich sowohl aus den Maßen 
wie aus der Figtir ergibt. Ebenso verschieden ist die Lobenlinie (siehe 
Fig. 18). Beide Suturen sind dicht bei einander von dem Gehäuse 



l) Von Balangi stammend. 



120 



Dr. Fr 



-Ige 



entnommen, etwa einen halben Umgang hinter dem hinteren Ende der 
Wohnkammer. Die Loben zeigen annähernd einen unpaarig symmetri- 
schen Bau, besonders in Fig. i8b. Bei Fig. i8a sind auch die Innenloben 
mit dargestellt, und es ist bemerkenswert, wie ähnlich dieser Teil der Sutur 
dem ihm gegenüberliegenden Teil zwischen der Naht und dem ersten 
Laterallobus gebaut ist. 



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Fig. IR. Lobenlinie von Neopt. crassiis n. sp. von Balangi. a) rechte Sutur einschliefs- 

lich der Innenloben bei .io mm Wmdungsradius, 3/2. b) linke .Sutur bei -10 mm Windungs- 

radius. 2/1. 



var, asymmetrica. 

Das Exemplar stammt von der Elephantenbank oder von der 
Wohltmannbank und ist bis in die Nähe der letzten Scheidewand er- 
halten. Der grc5ßte vollständig erhaltene Radius mißt 38 mm, die zu- 
gehörige Dicke 44 mm. 

Die folgenden Maße sind dem Teile des Gehäuses entnommen, wo 
die Berippung beginnt: 



Die Ammoriitenfauna der Mungokalke und das geobgische Alter der leteteren, 121 

Radius 25 mm 

Dicke 30 » 

Radius der vorigen Windimg . . 12 > 
Dicke der vorigen Windung . . . lö? » 

Radius des Nabels r,5— ^ » 

Die äußere Form gleicht dem Typus, die Gestalt der Einschnürungen 
und die Berippung mehr N. telingaeformis, auch sind die Flanken stärker 
gewölbt als bei dem abgebildeten Stücke von N. cmssus. 




Vi) Erster Laterallobus der 

rechten Sutur. Windun;s:s- 

radius 20 mm, 2/1. 



u) Erster Laterallobus der 
linken Sutur. Windungs- 
radius 13 mm, 4/1. 



d) Erster Laterallobus der 

rechten Sutur Windungs- 

radius 13 mm, 4/1. 



Zur Unterscheidung von dem- Typus bewog mich in erster Linie die 
Sutur (siehe Fig. 19). Der erste Laterallobus der einen Seite (b, d) ist 
freilich dem des oben beschriebenen Stückes sehr ähnlich, dagegen weicht 
er auf der anderen Seite erheblich ab, indem die äußeren Abzweigungen 
derartig mit einander verwachsen sind, daß sie eine Ausbauchung des 
ganzen Lobenkörpers gegen den Sipho hin bewirken. 

Am ersten möchte ich vermuten, daß die Abweichungen von dem 
vorigen Stück im Gebiet des Krankhaften liegen, doch ist das eine rein 
persönliche Auffassung, die ich' nicht durch bestimmte Beweise stützen 
*ann, und auch hier möchte ich darauf hinweisen, daß die besprochene 
Form des ersten Laterallobus sich bereits in früher Jugend findet. 



122 . nr. Fried ricl, Solj^er: 

Neoptychites perovalis v. Koenen sp. 

1897. Pulchellia perovalis v. Koenen, Fossilien der unteren Kreide am Mungo 
S. 10. Taf. I Fig. 3 ; Taf, II Fig. 6. 

Obwohl diese Art in meinem Material fehlt, möchte ich in diesem 
Zusammenhange einige Bemerkungen über das v. Koenen sehe Stück 
machen. Daß es zu Neoptychites gehört, dafür spricht erstens die Loben- 
linie, die aus v. Koenens Abbildung ersichtlich ist. Außerdem ist an 
dem Original die Aufblähung der Wohnkammer erkennbar, und die Durch- 
schnitte der leider größtenteils zerstörten Jugendwindungen lassen deutlich 
Spuren der Berippung sowohl als der Einschnürungen erkennen. Auch 
die oben ') erwähnte charakteristische Verdickung der Schale auf der Wohn- 
kammer ist vorhanden. Die Schale wird hier bis zu 4 mm dick. 




Fig. 20. Lobenlir 

U 

Das zweite Exemplar, das v. Koenen in seinem Nachtragt) be- 
schreibt und dessen Lobenlinie ich mit seiner gütigen Erlaubnis hier wieder- 
gebe (Fig. 20), möchte ich auf Grund der letzteren zu N. telingaeformis 
rechnen. 

Familie der Cosmoceratiden. 

Acanthoceras Neumayr. 

Die Bezeichnung ' Acanthoceras'i wird auf einen. Kreis von Formen 
angewandt, die z. T, zu sehr von einander abweichen, um eine gemein- 
same genauere Charakterisierung zuzulassen. Andrerseits ist aber die 
Trennung dieses Agglomerats in kleinere Gruppen mit erheblichen Schwierig- 
keiten verbunden, da vielfache Übergänge zwischen den einzelnen Acan- 
thoceras-Typen vorkommen. Ohne eine, bisher noch kaum geschehene, 



i) Siehe S. III. 

2) V. Koenen, Nachtrag S. 62. Taf. VI Fig. 4. 



Die Amiiionitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 123 

Untersuchung der Jugendzustände wird eine sinngemäße Ordnung der 
Acanthoceraten kaura möglich sein. 

Bis dahin folge ich Kossmat'), der sich darauf beschränkt, eine 
Reihe von Formengruppen, nach typischen Vertretern bezeichnet, fest- 
zustellen, ohne den Versuch, sie scharf gegen einander abzugrenzen. Diese 
Gruppen werden bezeichnet durch : 

T. Ac. Rhotomageme Defr. sp. 

2. » Deverianum d'Orb. sp. 

3. » Cumiingtoni Sharpe sp. 

4. » Colerunense Stol. sp. 

5. » nodosnide Schloth. sp. 

6. :> ManteUi Sow. sp. 

7. » vicinnie Stol. S]). 

Unter meinem Kameruner Material befindet sich ein R.xcmiilar einer 
Form, die zur Gruppe des Acanlhoceras Rliotoniagense wie zu der des Ac. 
nodosoide Beziehungen erkennen läßt und die ich als Ac. Eschii n. sp. be- 
schreibe. Für Ac. nodosoide und die ihm verwandten Formen ist von 
Laube und Bruder ä) der Gattungsname ü/aw/w/to vorgeschlagen worden. 
Faßt man den Begriff dieser Gruppe so wie die beiden Autoren es getan 
haben, dann gehört Ac. Eschii nicht dazu, eher schon bei Kossmats 
Auffassung, der auch Ac. conciliatum Stol. sp. an Ac. nodosoide anschließt. 
An letzteren erinnert Ac. Eschii durch das Fehlen einer Skulptur auf der 
Außenseite, während er in der Lobeiilinie sich vielmehr der Rhotomagensis- 
Gruppe nähert. 

Die zweite Art, die ich unter der Gattung Acanthoceras anführe, paßt 
in keine der obigen Gruppen hinein. Am nächsten kommt ihr im äußeren 
Ansehen Am. Cimdinamarcae Gerhardt *) aus der Kreide von Columbien. 
Für diesen hat Gerhardt die Gattung /'«(//otwöj aufgestellt ''^), doch kannte 
er die Lobenlinie seines Exemplars nicht. Eine sichere Zurechnung zu 
dieser Gattung ist also ebenso weiiig möglich wie eine sichere Trennung. 
Die Abweichungen, die die von mir als Acanthoceras (Pedioceras?) Jaekeli 
beschriebene Yoxm. von der Gerhardtschen Gattungsdiagnose zeigt be- 
züglich der Berippung, scheinen mir unwesentlich. Ich werde sie unten 
bei der Artbeschreibung näher berühren. 



i) Kossmat, Südindische Kreideformation S. 108. 

2) Palaeontographica XXXIII. S. 229. 

3) Neues Jahrb. f. Min. etc. Beil. Bd. XI. S. 172. 

4) 1. c. S. 170. 



124 ür. Frierlrich Solgrr: 

Acanthoceras Eachii xi. sp. (Taf. XV Fig. 1 — 4). 

Das mir vorliegende Stück hat zuletzt einen Radius \un über 80 mm 
besessen. Ein Teil des letzten Umganges gcli(')rt bereits der Wohnkammer 
an; der letzte Umgang ist jedoch in seiTun- letzten Hälfte zu schlecht er- 
halten, um genaue Angaben über die Wohnkammer zu gestatten. Das 
Stück stammt von den Aufschlüssen bei Diki'). 

Maße : (mm) 

Radius 80? 28 

Dicke 54 2ü 

Radius der vorigen Windung . 3,5 10 

Dicke der vorigen Windung . 3(1 • 8 

Nabelradius 10 4. 

Bis zu einem Ra.dius von 2 mm sind die Windungen mehr breit als 
hoch, die Flanken gerundet, ohne jede Verzierung. Die Nabelimg ist eine 
sehr weite, so daß bei 2 mm Radius der Nabel fast i mm Radius besitzt, 
während die Windung gleichzeitig 1,3 mm dick ist. 

Darauf treten zuerst auf der äußeren Hälfte der Flanken, Kn(jten auf, 
die sich etwa in Abständen von je Vs Windung folgen. Bei 4 mm Radius 
sieht man Rippen, die sich an diese Knoten radial anschließen (vergl. Taf. IV 
Fig. 2 u. 3) und an denen sich bald ein mittlerer und Nabel-Knoten ausbildet. 
Inzwischen hat die Höhe der Windung im Verhältnis zur Breite etwas 
zugenommen, ohne letztere jedoch zu erreichen. Die Flanken sind zwi- 
schen der Nabel- und Rand- Knotenreihe fast eben und fallen nach dem 
Nabel zu etwas ab. Die Außenseite ist daher so breit wie die Windung 
überhaupt. Das gilt bis zu etwa 12 mm Radius. Dann rückt' die äußere 
Knotenreihe auf die Außenseite herauf, deren Querschnitt gleichzeitig eine 
stärkere Wölbung bekommt. Die Nabel-Knotenreihe wird mit dem Alter 
stärker, jedoch nicht ganz so stark wie die beiden andern, und rückt von 
der Nabelkante ein wenig auf die Flanken herauf (vergl. Taf. IV Fig. i u. 4). 
Dabei wächst der Querschnitt verhältnismäßig schnell, wie die in der Tabelle 
angeführten Maße ergeben. 

Die ausgewachsene Form besitzt demnach rasch anwachsende, sich 
wenig umfassende Windungen von gerimdet quadratischem Querschnitt, 
verhältnismäßig breiter, flach gerundeter Außenseite und einfachen, radialen 
Rippen, die am Rande der Außenseite jederseits zwei Knotenreihen bilden 
und je eine etwas schwächere dicht außerhalb der Nabelkante. Am Rande 
der Außenseite biegen die Rippen nach vorn, so daß die äußerste Knoten- 
reihe gegen die mittlere etwas in diesem Sinne verschoben ist. Zwischen 

I) Brucbstüdje jugendlicher Windungen, die anscheinend derselljen Art angehören, 
liegen mir von Balangi vor. 



Die Auimonitenfauiia der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. ^25 



20 und 30 mm Radius ist auf der Mitte der Außenseite eine schwache 
Siphonalknotenreihe entwickelt, deren einzelne Knoten jedesmal etwas vor 
den betreffenden Randknoten liegen. Auf den Umgang kommen etwa 
j8 Rippen, 

Die Anwachsstreifen verlaufen auf die Flanken radial, am Nabel und 
auf der Außenseite wenden sie sich nach vorne und bilden auf letzterer 
einen nach vorn gewölbten Bogen. 

Die Lobenlinie (Fig. 21) ist nur aus wenigen Elementen zusammen- 
gesetzt. Der Außenlobus ist reichlich so lang wie der erste Lateral, letz- 
terer liegt zwischen den Mittel- und Nabelknoten fast genau auf der Mitte 
der Flanken, ist schmal, nicht verästelt und nur wenig zerlappt. Es folgt 
der zweite Laterallobus an der Nabelkante, wozu auf der Innenseite noch 
ein kleiner Lobus jederseits des Antisi]ihonallobus kommt. 





halb BalauBi, 10/1 



Acanthoeei-as (Pedioceras?) Jaekeli n. sp. (Taf. IV Fig. 5). 
Das einzige hierher gehörige Stück, vom Mungoufer unterlialb Ba- 
langi stammend, hat folgende Maße: 

Radius 22 mm 

Dicke 15 » 

Radius der vorletzten Windung . . 11 » 
Dicke der vorletzten Windung . . 8 » 

Radius des Nabels 10 » 

Zahl der Windungen 8. 

Die Embryonalkammer zeigt Fig. 22, etwa seiikrecht gegen die erste 
Scheidewand gesehen, nebst dem Querschnitt der ersten Windungen, Die 
ersten vier Umgänge sind vollständig glatt, im Anfang sehr niedrig und 
utnfassend, fast halbkreisförmig, später werden sie höher und lassen am 
Nabel ein größeres Stück der Windung frei. Auf dem fünften Umgange, 
<-ier im übrigen noch glatt ist, zeigen sich vi.m Zeit zu Zeit Einschnürungen, 



126 



Jilrich S.>ls;ef; 



die auf dem Steinkern radiale Rinnen von wenig scliarfer Umrandung 
bilden, außen auf der Schale aber kaora zu erkennen sind. Währeiul bis 
hierher die Umgänge außen noch gleichmäßig gerundet waren, zeigt der 
nächste schon eine Ab|)lattung des Rückens und der Flanken. Zugleich 
(bei 5— 6 mm Radius) treten radial verkingertc schwaclie Nabelknoten auf, 
etwa 5 auf Vi Umgang. Auf der Mitte der Flanken verflachen sie, da- 
gegen treten am äußeren Rande der Flanken etwa doppelt so viel vor- 
wärts gewendete Rippen auf. Indessen reichen sie nur wenig auf die 
Außenseite hinauf, letztere bleibt glatt, abgesehen von flachen Einschnü- 
rungen, die sie auf jeder Drittel- oder Viertel- Windung durchfurchen. 

Zwischen 9 und 12 mm Radius ist die Beri|)])ung am schärfsten aus- 
geprägt (s. Ttif. IV Fig. 5). Dabei vereinigen sirli entweder jzwei Rippen in 
einen Nabelknoten, oder es wechseln lange und Lurze, lair auf der äuRcren 
Hälfte der Flanken sichtbare Rii)i)cn mit einander ab, öderes laufen auch 




Zwischendurch schwächere Rijipen ohne Verdickung bis an den Nabelrand. 
Im Anfang dieses Teiles, bei etwa 10 mm Radius, ist jede dritte Rippe 
etwas stärker und läßt sich in nach vorn gewölbtem Bogen über die Außen- 
seite verfolgen, während die übrigen Rijjpen das mittlere Drittel der Außen- 
seite vollkommen frei lassen und am Rande dieses glatten, Streifen mit 
einer kleinen Verdickung endigen. Bei den erwähnten stärkeren Rippen 
ist auch diese Verdickung etwas stärker, indes hört die Ungleichheit der 
Rippen bald auf. 

Von etwa 14 mm Radius an verliert die Außenseite ihren glatten 
Charakter, die Rippen setzen über sie hinweg, lassen aber immer noch, 
wenn auch undeuthcher, die erwähnten Verdickungen erkennen und stehen 
enger als auf der vorigen Windung. Der Querschnitt ist in diesem End- 
stadium, dem schon ein Teil der Wohnkammer anzugehören scheint, etwa 
quadratisch, doch zeigt die Außenseite eine sanfte, gleichmäßige Rundung. 

Die Lobenlinie fällt auf durch die starke Reduktion ihrer Loben, so- 
wohl bezüglich der Zahl wie der Zerschlitzung. Die mäßig angustisellate 
Anfangssutur zeigt der Querschnitt Fig. 22, die spätere Entwicklung der 
Lobenlinie ist in Fig. 23 dargestellt. Der erste Laterallobus liegt auf der 



i 



Die Ammonitenfaima der Mimgokalke und daR geologische Alter der letzteren. ]27 

Mitte der Flanken, der zweite, an der Nabelkante gelegene, ist sehr un- 
bedeutend. Aiixiliarelemente fehlen ganz. 

Sowohl der Form wie der Lobenlinie nach möchte ich, jediich nur 
iriit Vorbehalt, der Vermutung Ausdruck geben, daß es sich um einen de- 
generierten Abkömmling gewisser Hopliten handelt, etwa aus der Verwandt- 
schaft der Hoplites amblygonius Neum. et Uhlig ^). Der niedrige Quer- 
schnitt und die weite Nabelung würden dann eine Parallelerscheinung sein 
^u der lockeren Aufrollung der Crwceren. 

Schließlicli habe ich noch die Punkte zu berücksichtigen, die eine Zu- 
gehcirigkeit dieser Form zu Gerhardts Gattung Pediocems fraglich er- 
scheinen lassen. Gerhardt^) selbst legt großen Wert darauf, daß die 
GattuTig Pcdioceras einfache Rijipen habe, was bei der Kameruner Form 
nicht der Fall ist. Indessen zeigt die Abbildung Gerhardts^) gleichfalls 
eine Gabelripi)e. Wichtiger scheint mir der Umstand, daß bei Pediocems 
(hmiiiimniarcac Gerhardt die Rippen gerade über die Außenseite fort- 
laufen, während sie hax Pedioceras ? /aekeli nach vorn gebogen sind. Unter 
«liesen Umständen ist es sehr bedauerlich, daß keine Lobenlinie eines 
echten Pcdioceras bekannt ist. Auf die Skul].)tur hin läßt sich die Frage 
nach der Zugehörigkeit der Kamenmer Form zu dieser Gattung, der sie 
sonst im Querschiiitt und den ülirigen Skul])turvcrluiltnissen gut entspricht, 
nicht entscheiden. 

Hoplitoides v. Koenen. 

Enggenabeitc, hochmüudige Gehäuse. In der Jugend mit flacher 
Furche auf der Außenseite, glatt oder mit abwechselnd langen und kurzen, 
S-förmig geschwungenen, an der Siphonalfurche verschwindenden Rippen 
verziert. Nabelknoten zuweilen vorhanden. Im Alter meist glatt, Außen- 
seite scharf oder gerundet, ohne Furche. 

Lobenlinie ausgezeichnet durch die überwiegende Größe des breiten, 
aber meist wenig tiefen ersten Laterallobus, der nach dem Außensattel hin 
emporgezogen ist und dem nach dem Nabel zu ein kleiner, den Auxiliar- 
lobeii sehr ähnlich gestalteter zweiter Laterallobus nebst zwei bis fünf 
kleinen, kaum verzweigten, sondern eigentlich nur gezähnten Hülfsloben 
folgt. Außensattel wenig breit. Außenlobus in der Jugend tiefer als der 
erste Laterallobrxs, im Alter dagegen von diesem an Größe weit ttbertroffen. 

Typus: //. lalcsellalus v. Koenen. 



1) Vgl. z.B. Neumayr u. Uhlig, Neoconiammoiüten. PalaPonlographica Bd. XXVII. 
Taf. 43 Fig. 2. 

2) Neues Jabrbmdi, Beil.-Bd. XI S. 171. 

3) 1. c. Tat', IV Fig. 7. 



gruppei 



128 f^i-. f'riea.-{ch Solf,rer: 

Beziehungen Diese gan/e Gattung ist bisher nur aus dem Kameruner Mungokallc 

zu an eren |jg|j^g^jjjj).^ Dafür Ijildet sie in dessen Ammonitenfauna jedoch das air 
Zahl der Individuen bei weitem überw legende Element, so weit 
man ein solches statistisches Urteil auf das verhältnismäßig geringe bisher 
nach Europa gelangte Material gründen darf. 

In seiner zweiten Arbeit über die Kreide vom Mungo *) stellte 
V. Koenen den Gattungsnamen HoplUoides auf rmd wies darauf hin, daß 
diese Formengruppe ihrer Lobenlinie nach iloplües LeopoUi tlTh-b. sp. und 
Sonueratia hicuroala Mich. sp. nahe stehe. Ihj-e äußere Form hatte ilm 
zuerst bestimmt, sie voriäufig mit großem Vorbehalt an Kossmats Gat- 
tung Neoptychites anzuschließen -), doch erkannte er bald, daß sie in die 
Nälie der Hojjliten gehöre, von denen sie sich besonders durch den sehr 
engen Nabel und durch den sehr breiten, wenig tiefen, in zwei, ihrerseits 
wieder zwoigcspaltcne Plauptstämmc zerfallenden, ersten Laterallobus unter- 
scheide. Zugleich ina,cht er auf die flache Form der Außenseite und die 
Berippung der Jugendfi^rra von //, lateseUatiis aufmerksam, wodurch sich 
diese Art teils gewissen Pukhellieii, teils manchen Hoplüen nJihere, während 
die meisten Jlopli/oiiku bei mittlerer Größe einen kurz gerundclcn Kiel 
auf der Außenseite tragen, und auch dadurch von den //o/j/Z/c// abweichen. 

Wenn ich auf Grund des mir vorliegenden Materials diese Auffassimg 
V071 der Angliederuilg der Ploftlitoiden an die PJoplilen nur Ijestätigen kann, 
so möchte ich doch nicht so weit gehen, [loplilrs I_.eopoldl d'Orb. sp. ge- 
radezu mit in diese Gattung einzubeziehen. Dieser Ammomt unterscheidet 
sich im Alter, wenn er glatt geworden ist, vori den Hoptitoiden noch immer 
durch bedeutend weitere Nabelung und, vielleicht im Zusammenhang da- 
mit, durch das fast vollständige Fehlen von HülFsloben *). Allerdings 
bildet v. Koenen als Ilopli/oides lentifonnis^) einen Kameruner Hoplitoi- 
den ab, bei dem eigentliche Hülfsloben auch nicht vorhanden sind. Da 
aber gleichzeitig auch der zweite I^ateral gegenüber dem der übrigen 
Hoplitoiden einen entschieden verkümmerten Eindruck macht, so möchte 
ich glauben, daß es sich hier überhaupt um eine abnorme, vielleicht krank- 
hafte, vielleicht atavistische, Bildung handelt; deim unter den 2i gut er- 
haltenen Hoplitoides-Individuen, die mir vorliegen, besitzt kein einziges 
weniger als zwei Hfllfslobon. Wichtiger aber scheinen mir die Unterschiede 
zwischen den IIopliMndcn nud //y/'///r,v /^eo/Jo/(// im jugendlicheren Stadium: 
In der obigen Gattungsdiagnosc erwillmte ich bereits, daß die Beripputrg' 
dieser Formeir an der Außenfurche verschwindet. Letztere ist, wenigstens 

1) V. Koenen, Nachtrag ,S. 53, 

2) V. Koenen, Uiit. Kreide v. Mungo ,S. 7. 

3) Vergl. d'Orbigny, l=al. frani;,, Terr. er<;t. Bd. 1. Taf. 22. 

4) I. u. Taf. II Fig. I, 4, 7. 



Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geolofjisclie Alter der letzteren. ]29 

in der Jugend, von zwei glatten Kanten, bezw. Kielen eingeschlossen, an 
ihrem Rande findet keine Knotenbildung statt, vielmehr verlaufen die 
Rippen, deren stärkste Stelle auf der äußeren Hälfte der Flanken liegt, 
allmählich nach außen (siehe Fig. 28 auf S. 142 und Taf. IV Fig. 8). Im 
Gegensatz dazu ist bei H. Leopoldi die Mitte der Flanken fast glatt, die 
Nabelkante aber und der Rand der Außenseite sind mit Knoten verziert, 
die nach den Flanken zu Rippen aussenden. 

Näher verwandt als H. Leopoldi scheint mir Am. qiiercifolius d'Orb. 1) 
aus dem Gault der Ardennen zu sein. Seine Lobenlinie sieht der eines 
ausgewachsenen Hoplüoiden sehr ähnlich, wäluend die äußere Form und 
Berippung fast ganz den Jugendstadien einiger der Kameruner Formen 
gleicht, so daß ich geradezu in Am. quercifolim einen Vorfahren der Ho- 
plüoiden vermuten möchte. 

Als nah verwandt karm ferner in Betracht kommen Sphenodiscus Re- 
guienia/Ms d'Orb.'') aus dem Turon Frankreichs, sowie eine von Peron 
derselben Art zugerechnete Form aus dem Turon oder Unterscnon von 
R'fana bei Tebessa in Algier'). Die französische Form besitzt jedoch, 
wie ich mich an Stücken von Saumalongue im Berliner Museum über- 
zeugen konnte, keine Siphonalfurche in der Jugend. Von der algerischen 
bildet Peron Gesta.lt und Lobenlinie \\m in einem .späteren Altersstadiura 
ab, wo die Schale wenig ßerii^pimg zeigt und die Außenfurche schon ver- 
schwunden ist, falls sie überhaupt bestand. Die Form ist somit nicht hin- 
reichend bekannt, um eine Entscheidmig zuzulassen, ob es sich hier wirk- 
lich um Sphenodiscus Requienianus oder um einen Hoplitoides handelt. 
Jedenfalls ist dies die //o//2Vo2(/«-ähnlichste Form, die ich in der Literatur 
gefunden habe, sie unterscheidet sich von der d'Orbignyschen Abbildung 
des Sph. Requieniaiiiu melir als von manchen der Kameruner Formen, 

Die vorliegende Gattung erscheint nach dem oben gesagten tatsächlich 
fast ganz auf die Kameruner Kreide beschränkt; denn selbst die letzt- 
erwähnte Art der algerischen Kreide scheint dort nicht häufig zu sein. 
Wie bereits anfangs erwähnt, ist jedoch die Ammonitenfauna vom Mungo 
überwiegend aus Hoplitoidcn zusammengesetzt. Unter den etwa 60 Am- 
moniten, die in der vorliegenden Arbeit beschrieben sind, gehören allein 
21 zu dieser Gattung, außerdem aber enthielt Dr. Eschs Material noch 
Bruchstücke von über 30 No/ili/oiden, die zu stark verdrückt oder zu un- 
vollkommen erhalten waren, als daß sie für die Keimzeichnung der Arten 
hatten benutzt werden können. Das verhältnismäßig reiche Material er- 
möglichte bei der guten Erhaltung, die fast alle Ammoniten dieser Schichten 



1) d'Orbigny, Pal. frani;., Terr. cxkt. Bd. I. S. 284. Taf. 83 Fig. 4— 0. 

2) 1. c. Bd. I. Taf. 93. Grossouvre, Am. d. 1. craie sup. S. 140. 

3) Peron, An. d. cröt. sup. de l'Algerie, S. 34. Taf. IV Fig. 2, 3. XVII. 4, 7. 
ÜfiträBC zur Geologie von Kamerun. 9 



130 Dr. Friedrich Solgef. 

auszeichnet, eine weitgehende paläontologische Bearbeitung, namentlich 
hinsichtlich der Jugendentwicklung und der individuellen Veränderlichkeit. 
IndividueHe Unter jenen 21 Hoplitoiden glich kaum einer dem andern. Entweder 

^khkdT' ^^ ^^^ Lobenlinie oder im Querschnitt oder in der Stärke der Berippung 
zeigte sich naliezu jedes Stück verschieden von dem anderen und auch 
wiederum verschieden von den Exemplaren, die v. Koenen abgebildet 
hat. v. Koenen sah sich bereits genötigt, aus den 14 Hoplitoiden, die 
sein Material enthielt, acht verschiedene Arten zu machen, und diese, nur 
auf die Unterschiede der Altersformen gegründete Teilung hätte bei Be- 
rücksichtigung der Jugendskulpturen vielleicht noch weiter geführt werden 
müssen. 

Schon diese Tatsache macht es überaus unwahrscheinlich, daß alle 
jene Unterschiede wirklich auf artlicher Verschiedenheit beruhen, oder an- 
ders ausgedrückt: daß wirklich 20 — 30 verschiedene Arten derselben 
Gattung, jede durch zwar nicht auffallende, aber konstante Merkmale von 
der anderen geschieden, in dem Kreidemeer der Kameruner Bucht gelebt 
hätten und daß zufällig von jeder nur i — 2 Stücke in unsere Hände ge- 
langt wären. Vielmehr ist wohl mit Rücksicht auf die große Häufigkeit 
der Hoplitoiden im Mungokalk anzunehmen, daß jede Art uns auch in 
mehreren Exemplaren vorliegt, und daß wir es mit entsprechend weniger 
Arten zu tun haben, die nur durch individuelle Veränderlichkeit und Va- 
rietätenbildung zu der großen Mannigfaltigkeit führen, die das fossile Ma- 
terial zeigt. 

Die Tatsachen scheinen diese Vermutung zu bestätigen. Dieselbe 
Form der Lobenlinie kommt bei verschiedenen Skulpturtypen vor, dieselbe 
Skulptur bei verschiedener Ausbildung der Lobenlinie. Sehr häufig auch 
ist die Lobenlinie auf beiden Seiten desselben Gehäuses in merklichen 
Punkten verschieden. Es macht also wirklich den Eindruck, als ob es sich 
hier um eine oder wenige Arten handele, deren Merkmale sämtlich inner- 
halb gewisser Grenzen schwanken und zwischen diesen durch die ver- 
schiedensten Kombinationen der einzelnen Extreme sich eine große Menge 
von Formen ergeben, deren jede offenbar ihre; Merkmale nicht mit voller 
Konstanz weiter vererbte. 

Nimmt man jedoch einmal eine solche individuelle Veränderlichkeit 
in größerem Umfange an, dann genügen auch die 35 Stüclve, die bisher 
bekannt geworden sind, noch nicht zu einer Herausschälung des gesetz- 
mäßig Wiederkehrenden und seiner Trennung von dem regellos Veränder- 
lichen, sie ermöglichen noch nicht eine wirklich natürliche Einteilung in 
Arten und Spielarten. Daher kann, auch wenn ich mich bemüht habe, 
möglichst alle Merkmale zu berücksichtigen, die Anordnung, die ich im 
folgenden getroffen habe, dem Wesen der Sache nach keine endgültige 
sein, sondern entspricht mehr dem technischen Bedürfnis der Wissenschaft, 



Die Ammoniteiifa-una der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. Jgl 

eine Übersicht über die vorhandenen Formen zu geben und sie zu be- 
nennen, als dem idealen Zweck des paläontologischen Systems, die Ver- 
wandtschaft dieser Formen möglichst genau auszudrücken. 

Ich unterscheide vier Arten mit mehreren Untergruppen. Für letztere Art- 
habe ich absichtlieh keine neuen Artnamen gewählt, sondern zur trino- '^ gre^^ung- 
mischen Bezeichnung gegriffen. Es handelt sich bei dieser Auffassung 
nicht lediglich um eine Geschmackssache. Zum Begriff der Art gehört 
der der genetischen Einheit, in der Anwendung dieser Bezeichnung liegt 
das Urteil, daß die so zusammengefaßten Individuen verwandtschaftlich 
enger mit einander verbunden sind, als mit denen anderer »Arten«. Durch 
den dritten Namen trenne ich hier jedoch innerhalb einer so gefaßten 
»Art« solche Individuengruppen ab, deren äußere Merkmale einander 
sehr ähnlich sind, bei denen ich aber zweifle, ob die Nachkommen jeder 
Gruppe wieder in dieselbe Grup|ie gehören würden. Diese Gruppen sollen 
also keine genetischen, sondern nur morphobsgische Einheiten dar- 
stellen. Ich halte es für sehr möglich, dass die genetischen Verbältnisse 
falsch wiedergegeben sein würden, wollte man aus diesen Gruppen Arten 
machen. Den Ausdruck »Varietät« habe ich deswegen vermieden, weil 
er meist im genetischen Sinne gebraucht wird, während mit der Trinomik 
eine bestimmtere Vorstellung solcher Art bisher nicht verbunden wird. 

Eine kiu-ze Charakteristik der einzelnen Gruppen möge der genaueren 
Beschreibung voraufgehen ; 

i) Hoplitoides WohlUnanni v. Koenen. — Jugendwindungen gar nicht 
oder nur schwach beripjit, mit schmaler Siphonalfurche, Außenseite im 
Alter kurz gerundet. 

Lobenlinie meist mit drei Hülfsloben, der erste Laterallobus verhältnis- 
mäßig tief, in 2 — 3 plumpe, wenig zerschlitzte Äste geteilt. 

2) Hoplitoides ingens v. Koenen, cm. Solger. — Jugendwindimgen teils 
glatt, teils mit schwach sichelförmig gebogeneti Rippen von verschiedener 
Länge, teils außerdem mit Nabellaioten verziert. Außenseite in der Jugend 
mit schmaler Außenfurche, im Alter spitz zulaufend, durch eine flache Ein- 
biegung der Flanken zu einer Art Kiel zugeschärl't. 

Lobenlinie meist mit drei Hülfsloben, die Zerschlitzung des ersten 
Lateral wechselt sowohl der Art wie dem Grade nadr: 

Hoplitoides ii/gens nodifer: Jugendwindungen mit Ri]ipen und Nabel- 
kuoten, von letzteren etwa sechs auf einem Umgang. 

//. i costatHs: Jugendwindung ohne Knoten, aber mit deutlichen Rippen. 

//. /. laevis: Jugeudwindung glatt oder schwach beri]3pt. 

3) Hoplitoides Koeneni n. sp. — Jugendwindungen mit Rippen, die aber 
am Nabel schwach sind und keine Knoten bilden, Außenfurche breit, im 
Aller verschwindend, worauf die Außenseite scharf bezw. kurz gerundet ist. 

Lobenlinie mit 2 — 3 Hülfsloben, Gestaltung des ersten Lateral wechselnd, 



132 Dr. Friedrich Solger: 

4) Hoplüoides gihbosulus v. Koeneii sp. — Jugendwindungen mit Rippen, 
ohne Nabelknoten, mit ziemlich breiter Auläenfurche. Außenseite im Alter 
breit, in den Zwischenrippenräumen verschmälert. 

Lobenlinie mit zwei Hülfsloben, erster Lateral verschieden gestaltet. 

Hopütoides gihbosulus s. str. : Erster Laterallobus in der Breite 1/4 — ^/s 
der ganzen Lobenlinie ausmachend, flach, durch mehrere Sättel in eine 
Reihe etwa gleich großer Äste aufgelöst. 

H. g. hipartitm: Erster Laterallobvxs in der Breite kaum ein Viertel 
der Lobenlinie einnehmend, an seinem oberen Ende zusammengeschnürt, 
durch einen Sekundärsattel deutlich in zwei Hauptäste geteilt. 

Was das Verhältnis dieser Einteilung zu den v. Koenen sehen Art- 
bezeichnungen betrifft, so konnte eine Identifizierung nicht genau durch- 
geführt werden, weil ich mich genötigt sah, meine Unterscheidungen in 
erster Linie auf die Jugendwindungen zu gründen, die von jenen Stücken 
meist unbekannt sind. 

Nach dem Vergleich der Originale glaube ich, daß die folgende Über- 
sicht das Verhältnis richtig wiedergeben wird. 

V. Koenen. Solger. 

H. Wohltmanni^) \ „ „7,,, 

, ' //. Wohltmanm. 

H. lentiformis ') \ 

H. ingens'i) \ 

H. n. sp.?^) I //• ingeiis. 

H. Wilsingi^) 1 

Pukhellia gibbosula ^) //. gihbosulus. 

Als Hoplitoides latesellahts'') bildet v. Koenen zwei Formen ab. Die 
erste, ein altes Individuum, könnte wohl zu JI. ingens v. K. em. S. ge- 
hören, die zweite, einem jugendlicheren Stadium angehörig, weicht von 
letzterer Art jedoch durch die Gestalt der Außenseite ab. Stimmt das 
erstere Stück mit dem zweiten in dieser Beziehung überein, dann sind jeden- 
falls beide zusammen als besondere Art, die unter meinem Material nicht 
vertreten ist, den oben gekennzeichneten Arten hinzuzufügen. 



1) V. Koenen, Kreide vom Mungo S. 13, Taf. 1 Fig. 2; II Fig. 3, 9. 

2) 1. c. S. II, Taf. II Fig. I, 4, 7. 

3) 1. c. S. 12, Taf. I Fig. 4; Taf. II. 5, 8. NaclUrag S. 53, 58, Taf. V Fig. 3; 
Taf. VII Fig. 4, 5- 

4) Nachtr. S. 61, Taf. V, i. 

5) Nachtr. S. 59, Taf. V Fig. 2; Taf. VI Fig. 6, 7. 

6) Kreide vom Mungo S. 9, Taf. I Fig. 5. 

7) Nachtrag S. 53, 56. Taf. VI Fig. 1—3. 



Die Ammonitenfauna der Munyokalke und das ^Geologische Aller der letzteren. 133 

Hoplitoides Wohltmanni v. Koenen em. Solger (Taf. V Fig. 7). 

1897. Neoptychites (?) Wohltmanni v. Koenen, Fossilien der unteren Kreide 

vom Ufer des Mungo, S. 13, Taf. I Fig. 2; Taf. 11 Fig. 3, 9. 
1897. Neoptychites (?) lentiformis v. Koenen (a. a. O.), S. 1 1, Taf. II Fig. 1, 4, 7- 
Drei Stücke meines Mateiials, die durch Querschnitt und Skulptur- 
losigkeit der jüngeren Windungen und durch die runde Form der Außen- 
seite ebenso wie durch die Lobenlinie eine deutliche Zusammengehörigkeit 
erkennen lassen, schließe ich an Hoplitoides Wohltmanni v. K. an, da die 
unter letzterem Namen abgebildete Form mir hierher zu gehören scheint 
und ich nicht unnötig einen neuen Namen geben möchte. 

Zwei der Stücke stammen von der »Elephantenbank«, bei dem 
dritten ist es zweifelhaft, ob es dort oder an der Wohltmannbank ge- 
sammelt ist. 

Die Wohnkammer ist bei zwei Stücken, indessen nur in ihrem 
hinteren Teile, erhalten, der Radius hat an der letzten Scheidewand bei 
dem einen 105 mm, bei dem andern 175 mm betragen. In beiden Fällen 
ist jedoch die Messimg ungenau, weil die Außenseite beschädigt ist. Das dritte 
Stück, dessen gi-ößter Radius 85 mm beträgt, ist bis zu Ende gekammert. 
Die folgende Tabelle gibt die Maße in Millimetern von den einzehien 
Stücken, die mit I— III bezeichnet sind. 

I. IL III. 

Radius 7^ :23 <^'7 -^ 78 27 

Dicke 33 n 27 11 4- U 

Radius der vorigen Windung. 30 8 24 10 2g 11 

Dicke der vorigen Windung .12 4 10 4 20 5 

Radius des Nabels .... 6 2 4 ^ b ? 

Breite der Außenfurche ... 1,7 i.5 ''^ 

Bei der ersten Windung ist der Durchmesser geringer als die Dicke Querschnitt, 
(siehe Fig. 24), dann legt sich die nächste Windung zunächst halbkreis- 
förmig darüber, die folgenden wachsen in der Höhe ziemlich rasch, in 
der Breite dagegen nicht, umfassen einander infolge dessen ziemlich wenig, 
so daß bei 4 mm Gehäuseradius der Nabel einen Radius von ti/smmhat. 
Der Querschnitt der Röhre ist in diesem Stadium, wenn man von dem 
Einschnitt der vorigen Windung absieht, eine Ellipse, deren längere Achse 
in die Symmetrieebene des Gehäuses fällt und etwa '/smai so lang ist als 
die kürzere Achse. 

Die folgende Windung, die 9 mm Radius besitzt, umfasst die vorige 
fast vollständig. Der Nabel wird auf diesem Umgang eher enger als weiter. 
Mit der Involution zugleich ändert sich der Querschnitt. Seine dickste 
Stelle (bei g mm Radius) liegt etwa in der Projektion des Außenrandes der 
vorigen Windung. Von da aus nimmt er nach der Außenseile zu ziem- 




Dr. Friedrich Solge 



JC:^... 



aHo- 



Fig. 24. Querschnitt 
Jugendwindungen i 
pljtoides Wohltmanni v. j<^. 
Elephantenbank (Stück II 
der Tabelle). 10/1. 





b) c) 

Fig. 26. Lobenlinic von Hoplitoides Wohltmanni v. K. Elephantenbank am Mun 
(Stück II der Tabelle), a) bei 5 mm Windungsradius. 10/1. h) Rechte Sutur hei 30rr 
Windungsradius. 2/1. c) Erster linker Lateral bei .30 mm Windungsradius- 2/1. 




r^ 



Fig. 27 b) 
Erklärung siehe nächste Seite. 



ä 



Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 135 




lll 



i 



136 Dr. Friedrich Solger: 

lieh gleichmäßig ab, so daß auf diesem Stück die Flanken fast eben sind, 
erst kurz vor dem Außenrand biegen sie sich stark zusammen. Die Außen- 
reihe selbst ist durch eine i mm breite, schwach aber deutlich gehöhlte 
Außenfurche gebildet. Von nun an bleibt der Querschnitt im wesentlichen 
der gleiche: Von der Nabelkante steigen die Flanken auf, zuerst steil, 
dann in allmählich sanfter werdendem Bogen bis ungefähr in die Projektion 
des Außenrandes der vorigen Windung und fallen dann fast eben nach 
der Außenseite ab. Die Außenfurche verliert bei etwa 15 mm Gehäuse- 
radius ihre Höhlung, die Außenseite erscheint von da ab gerade abgestutzt. 
Bei etwa, 30 mm Radius verschwindet auch das, und die Flanken gehen 
durch eine einheitliche kurze Rundung ineinander über. 

Berippung. Eigentliche Rippen fehlen in allen Altersstadien. Dagegen laufen in 

der Jugend (vergl. Taf. V Fig. 7) mehr oder weniger deutliche, flach wellige 
Falten quer über die Windungen, übereinstimmend mit dem Verlauf der 
Anwachsstreifen. Letztere gehen (bei etwa 20 mm Radius) vom Nabel 
schwach nach vorwärts gerichtet ab, biegen am inneren Rande des ersten 
Lateral in eine radiale RicJitung ein. und wenden sich wenig vor dessen 
äußerem Rande wieder ziemlich stark nach vorwärts, indessen biegen sie 
kurz vor der Außenseite etwas zurück und verlaufen quer über die Ab- 
plattung der Außenseite in gerader Linie. 

In späteren Stadien, wenn die Außenseite gerundet ist, bilden sie 
über der letzteren .sogar einen schwach rückwärts gewölbten Bogen. 

Lobenlinie. Die Lobenlinie ist in Fig. 25—27 dargestellt. Sie besitzt drei Hülfs- 

loben, von denen der dritte aber bereits auf der Nabelkante kurz vor der 
Naht sitzt. Die Projektion der vorhergehenden Windung reicht beim er- 
wachsenen Gehäuse bis zur Mitte des zweiten Lateral. Wie bei allen Hopli- 
toiden ist der zweite Lateral nicht wesentlich verschieden von den HOlfsloben. 
Der erste Lateral ist ebenso tief oder tiefer, als er breit ist und wesent- 
lich tiefer als alle übrigen Loben. An seinem oberen Ende ist er seitlich 
nur wenig eingeschnürt, in seiner oberen Hälfte ungeteilt und infolgedessen 
von plumper Gestalt. 

Die Zerschlitzung seiner unteren Hälfte ist nicht bei allen Stücken 
gleich. Es lassen sich zwei Typen unterscheiden: Dem ersten, dem 
V, Koenens Abbildung 1) entspricht, gehört das Stück III an (Fig. 27). Hier 
teilt ein Sattel den Lobus in einen kürzeren äußeren und einen längeren 
inneren Ast, die beide ihrerseits wieder, hauptsächlich auf ihren einander 
abgewandten Seiten, durch kleinere Sättel weiter geteilt sind. Bei dem 
zweiten Typus, den die beiden anderen mir vorliegenden Stücke zeigen 
(Fig. 25 u. 26), ist jener äußere Ast in zwei Äste geteilt durch einen zweiten 
Sattel, der dem mittleren Sattel des vorigen Typus an Tiefe nicht nachsteht, 

I) l. c. Taf. II Fig. 9. 



Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 137 

so daß hier drei nach dem Nabelrande zu immer länger werdenden Haupt- 
äste aufeinander folgen. Ein Blick auf Fig. zb a zeigt aber, daß auch hier 
ursprünglich eine Zweiteilung vorhanden war und der zweite Sattel erst 
später dem ersten gleich wird. Ob diese Zweiteilung bei beiden Typen 
ontogenettsch wirklich einer paarigen Teilung des ersten Lateral bei dessen 
erster Kerbung entspricht, habe ich leider nicht feststellen können, da es 
mir nicht gelang, so frühe Stadien der Lobenlinie bei dieser Art heraus- 
zupräparieren. Die beiden genanntenTypen durch besondere Namen zu 
unterscheiden, halte ich weder für notwendig noch für zweckmäßig, da ihr 
Unterschied gegenüber der Variabilität des ersten Lateral bei Hoplitoides 
ingens in der Fassung, die ich dieser Art gegeben habe, unwesentlich er- 
scheint. 

Ziun Schlüsse möchte ich noch auf die Vereinigung von H. WoM- 
manni v. K. und 11. lentiformis v. K. zurückkommen. Ich habe sie vor- 
genommen, um dadurch auszudrücken, daß beide Formen meiner Über- 
zeugung nach sich ebenso nahe stehen, wie die hier beschriebenen drei 
Stücke meines Materials. Der Unterschied der beiden Abbildimgen bei 
V. Koenen liegt neben geringen Abweichungen der Querschnitte wesent- 
lich in der Verkümmerung der Auxiliargegend bei H. lentiformis. Ich halte 
diese aber für abnorm, da alle Hopliioiäen sonst mehrere deutlich ent- 
wickelte Auxiliarloben haben und da bei anderen Arten melirfach die 
Zahl der Auxiliarloben auf beiden Seiten verschieden ist, also nicht ein- 
mal am selben Individuum Konstanz zeigt. 

Hoplitoides ingens v. Koenen em. Solger (Taf. V Fig. 8—10). 

1897. Neoptychites (?) ingens v. Koenen, Fossilien der Unteren Kreide des 
Mungo, S. 12. Taf. 11 Fig. 5, 8. 

1898. Hoplitoides ingens v. Koenen, Nachtrag zu Fossilien der Unteren Kreide 
etc., S. 58. Taf. V Fig. 3; Taf. VII Fig. 4, 5. 

PiSgS. Hoplitoides Wilsingi v. Koenen, Nachtrag, S. 59. Taf. V Fig. 2; 

Taf. VI Fig. 6, 7. 
.'iSgS. Hoplitoides latesellatns v. Koenen, Nachtrag, S. 56. Taf. VI Fig. I u. 2 

(nicht 3). 
1898. Hoplitoides n. sp.? v. Koenen, Nachtrag, S, 61. Taf. V Fig. i. 

Elf Stücke meines Materials fasse ich unter diesem Namen zusammen 
trotz der nicht unwesentlichen Unterschiede, die sie zum Teil zeigen, weil 
ich keine scharf getrennten Gruppen unter ihnen aussondern kann. Ich 
wähle den Namen Hoplitoides ingens, einmal, weil ich als sicher annehme, 
daß die Stücke, die v. Koenen unter diesem Namen beschrieben hat, 
hierher ^u stellen sind, wenn sich das auch ohne Kenntnis der Jugend- 
windungen nicht mit zwingender Bestimmtheit feststellen läßt. Außerdem 
aber ist der Name auch insofern passend, als dieser Art nicht niur die 



138 ür. Friedrich Solger: 

größten meiner Hoplitoiden angehören, sondern auch die durchschnittliche 
Größe ihrer Individuen größer ist als bei den andern hier aufgeführten 
Arten. 

Was der ganzen Art in meiner Fassung gemeinsam ist, das ist der 
Besitz einer scharfen Außenseite im erwachsenen (nicht greisenhaften) Zu- 
stande, wobei eine flache Einbiegimg des äußeren Teiles der Flanken 
den Außenrand noch schärfer macht Bei großen Formen geht schließ- 
lich allerdings dies Merkmal wieder verloren. In der Jugend ist eine 
Außenfurche vorhanden, die in ihrer Breite etwa der von H. Wohlt- 
manni entspricht. Je nachdem die Jugendwindungen glatt, berippt oder 
außerdem noch mit Nabelkanten verziert sind, habe ich drei Untergruppen 
unterschieden : laevis, costatus und nodifer. Die Lobenlinie läßt sich als 
artliches Unterscheidungsmerkmal, so natürlich dies auf den ersten Blick 
crsclieint, kaum verwenden, da ihre Unterschiede zu mannigfaltig sind und 
offenbar wesentlich individueller Veränderlichkeit entspringen. Diese letz- 
tere Anschauung möchte ich zunächst kurz begründen: 

Als Hauptcharakteristika, deren Konstanz oder Veränderlichkeit bei 
der Lobenlinie in Betracht kommen, erscheinen mir: 

a) die Zahl der Hülfsloben, 

b) die Feinheit der Zerschlitzung der Loben, 

c) die Zahl und relative Größe der einzelnen Äste am ersten Lateral- 
iobus, bezw. der jene Äste leitenden Sekundärsättel, 

d) die relative Lage des ersten Laterallobus gegen Außenseite und 
Nabelkante, 

e) die relative Tiefe der einzelnen Loben. 

In letzteren beiden Punkten herrscht bei der ganzen vorliegenden Art 
ziemlich große Konstanz: 

An ausgewachsenen Gehäusen liegt im allgemeinen der erste La- 
terallobus ganz auf der äußeren Hälfte der Flanke, die Projektion der 
vorhergehenden Windung reicht bis in den ersten Lateralsattel hinein. 
Der erste Lateral ist der tiefste Lobus, etwa doppelt so lief wie der zweite 
Lateral, von dem aus die Hülfsloben immer mehr an Größe abnehmeir. 
Der Außensattel ist ziemlich schmal, der Außenlobus etwa ebenst) tief 
wie der zweite Lateral. Dabei ist jedoch bezüglich der ontogenetisclien 
Entwicklung zu bemerken, daß im jugendlichen Alter der Außenlobus tiefer 
ist als der erste Lateral, während das Verhältnis des letzteren zum zweiten 
Lateral und zu den Hülfsloben das gleiche bleibt. 

Diese beiden Momente gestatten also keine Abtrenrmng von Unter- 
gruppen. Was die drei übrigen Punkte [a) bis c)] anbetrifft, so ist zu- 
nächst die Zahl der Hülfsloben sehr variabel, zuweilen sogar auf beiden 
Seiten desselben Gehäuses (vergl. Fig, 34 c u, d). Mangelnde Überein- 
stimmung beider Gehäuseseiten ist für die Lobenlinie dieser Formen über- 



Die Ammonitcnlaiina der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 139 

haupt die Regel, besonders bezüglich des Punktes c). Die beiden ersten 
Laterale derselben Sutur sind häufig schon in frühen Stadien in der Art 
der Zerteilung und der relativen Grüße der einzelnen Teile recht ver- 
schieden (vergl. Fig. 36). Da ich in dieser Verschiedenheit keine Gesetz- 
mäßigkeit auffinden kann, so drängt sich der Gedanke auf, daß die Ver- 
ästelung des ersten Lateral hier kein konstant ererbtes Merkmal war, daß 
in dieser Hinsicht vielmehr eine große Wandelbarkeit herrschte. Diese 
Auffassung wird wesentlich bestärkt durch einen Blick auf Fig. 41a, an 
deren oberem und unterem Ende der erste Lateral etwa die gleiche Form 
und Zerteilung zeigt, während dazwischen Stadien liegen, in denen die 
relative Größe der einzelnen Äste, bezw. Sättel, eine zienrlich abweichende 
ist. Dem gegenüber soll nicht unerwähnt bleiben, daß auch recht sym- 
metrisch gebaute Suturen vorkommen (vergl. Fig. 2g); aber gerade daß 
auch die A.symmetrie nicht eine durchaus konstante Erscheinung ist, er- 
höht noch den Eindruck einer auf den ersten Blick regellos erscheinenden 
Veränderlichkeit, die eine Art-Einteilung auf Grund der Lobenlinie un- 
möglich macht. 

Auch die Außensättel sind übrigens oft nicht symmetrisch. Ebenso 
liegt der Außenlobus bei jüngeren Gehäusen nicht symmetrisch zur Außen- 
furche. Dabei zeigt sich, daß dies mit der Lage des Sipho zusammen- 
hängt, der häufig in diesem Altersstadium nach dem Rande der x\ußen- 
seite verschoben ist und dem der Außenlobus folgt. Mit dem Verschwinden 
der Außenfurche verliert auch der Sipho den Spielraum, der eine solche 
Verschiebung gestattete, und damit geht auch die asymmetrische Lage des 
Außenlobus wieder zurück. 

Es bleibt noch die Frage zu erörtern, ob der Grad der Zerschützung 
und die dadurch bedingte Zierlichkeit der Loben geeignet ist, die Grund- 
lage einer Einteilung zu geben. Auch dies glaube ich verneinen zu sollen, 
obwohl das mir vorliegende Material noch niclrt zalrlreiclr genug ist, um 
diese Frage exakt beantworten zu können. Für erledigt würde ich sie 
erst dann halten, wenn in einer sehr viel größeren Anzahl von Stücken 
die Unterscheidbarkeit einiger weniger Skulpturtypen sich besser durch- 
führbar zeigte als die Unterscheidung verschiedener Zerschlitzungsgrade, 
bezw. umgekehrt. Indessen scheint mir das letztere Moment schon aus 
dem Grunde systematisch schlecht verwendbar, weil die Vcrgleichung 
verschiedenartig gestalteter Loben auf den Grad ihrer Zerschlitzung hin 
subjektiv sehr verschieden ausfallen würde. Um aber bezüglich dieses 
Punktes etwaigen späteren Bearbeitern neuer Aufsammlungen eine mög- 
lichst ausgedehnte Grundlage zu geben, habe ich die Lobenlinien aller 
gut erhaltenen Stücke dieser Art aus meinem Material, soweit sie sich frei 
präparieren Hessen, hier abgebildet. 

Diese Ausführungen werden begründen, weshalb ich nicht nach der 



]40 I^""- Friedrich Solger: 

Lobenlinie, sondern nach der Jugendskulptur die Unterabteilungen getrennt 
habe. Ehe ich aber zu der genaueren Beschreibung der letzteren über- 
gehe, will ich versuchen, eine allgemeine Charakteristik des ersten 
L a t e r a 1 1 o b u s für die ganze Art zu geben, obwohl das nach dem 
oben gesagten bedeutenden Schwierigkeiten begegnet. 

Bezeichnend bleiben in erster Linie die Gattungsmerkmale : die breite 
Form im allgemeinen, das Vorhandensein mehrerer koordinierter Äste, 
aber weniger oder gar keiner einander untergeordneter Verzweigungen an 
diesen. Auch läßt sich die Art der Verzweigungen fast immer mehr oder 
weniger ungezwungen auf die beiden Formen der Ur-Teilung zurückführen, 
die die beiden ersten Laterale im Anfangsstadium der Fig. 40 zeigen, 
nämlich entweder 

Zweimalige Zweiteilung des Lobus (etwa durch die Formel aus- 
drückbar: 2 + 2), vergl. JI. Wilsingi v. K.^) 

oder: 

Dreiteilung des Lobus unter Hinzutreten eines vierten Lobus am 
Übergang des ersten Lateral in den Außensattel (Formel ent- 
sprechend: 1 + 3), vergl. V. Koenen Neoptychit.es (?) ingens Taf. II 
Fig. 8. 

Letzteres ist das bei weitem häufigere bei meinen Stücken, doch 
kommen mannigfache Variationen dadurch zu stände, daß die relative 
Größe der einzelnen Sekundärsättel verschieden ist. 



Hoplitoides ingens nodifer (Taf. V Fig. 8). 

Von den vier hierher gehörigen Stücken meines Materials stammt I 
von der Elephanten- oder der Wohltmannbank, die Herkunft von 
II kann ich nicht genauer angeben, III ist bei Balangi, IV unterhalb 
Balangi gesammelt. 

Die äußere Windung ist bei allen mehr oder weniger stark beschädigt, 
II ist außerdem teilweise verdrückt. Von der Wohnkammer sind nur bei 
IV Reste, etwa Vs Windung, erhalten, die letzte Scheidewand lag etwa 
bei 130 mm Radius. 



i) Nachtrag Taf. V Fig. 2. 



IL 




111. 






IV. 




lOO 


83 


37 


10 


112 


45 


14 


65? 


50 


23 


6 


60 


25 


7 


4Ö 


39 


16 


4 


53 


20 


5,5 


.P-^ 


25 


1 1 


3 


20 


15 


3 


6 


6 


4 


1.5 


5? 


3 


I 


— 


— 


— 


1,3 


— 


— 


I 



Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 141 

Maße (in mm) 1. 

Radius .... 120 33 IT 

Dicke 68 14-172) 6 

Rad. d. vor. Wind. 50 16 4,5 

Dicke >: » >^ etwa 25 10 2.5 

Radius des Nabels 5') 2,5 i 

Breite d. Außenfurche — — 0,8 
Rad. b.Verscliwinden 
d. Außenfurche . 20 [8 17 17 

Die ersten Jugendstadien habe ich hier nicht mit gleicher Deut- 
lichkeit beobachten können wie bei Hopliloides WohÜmanni, doch scheinen 
auch hier die Anfangswindungen eine ziemHch weite Nabelung zu besitzen. 
Auch ist ebenso wie dort der Querschnitt bei 3 mm Radius elliptisch. 
Die weitere Entwicklung des Querschnitts vom Auftreten der Aussenfurche 
bis zu ihrem Verschwinden stellt Fig. 28 dar. Das erste dargestellte Sta- 
dium (Fig. 28 a) liegt 1/2 — ^U Windungen nach vorwärts vom Beginn der 
Außenfurche an, das dritte (Fig. 28 c) liegt wenig hinter der Stelle, wo 
auch die Abplattimg der Außenseite verschwindet, das vierte endlich 
(Fig. 28 d) gibt den eigentlich charakteristischen Querschnitt der mittleren 
Windungen. Die Figur zeigt deutlich das allmähliche Flacherwerden der 
Flanken und die gleichzeitige Zuschärfung des Gehäuses nach außen, bis 
jene Abflachung einer schwachen Aushöhlung Platz macht, wodurch eine 
kielartige Zuspitzung der Außenseite bedingt wird. Im Alter verschwindet 
die Höhlimg der Flanken wieder mehr oder weniger vollständig. 

Die Anwachsstreifung verläuft ganz ähnlich der von Hoplitoides 
WohÜmanni. 

Die Skul]Uiir besteht aus welligen Rippen, die den Anwachsstreifen 
folgen und von denen die meisten sowohl auf der inneren Hälfte der 
Flanken als am Rande der Außenseite verschwinden. Ungefähr jede dritte 
Rippe reicht jedoch bis zAim Nabelrande und schwillt kurz vor, bezw. auf 
diesem zu einem wulstigen Knoten an (Taf. V Fig. 8). Auf den halben Um- 
gang kommen etwa drei solcher Knoten und 8 — 9 Rippen. Diese Skulptur 
ist am kräftigsten zwischen etwa 15 und 40 mm Gehäuseradius. Auf den 
froheren Umgängen sind die Nabelknoten schwächer, z. T. kaum vorhanden, 
und che Rippen stehen enger, so daß auf den halben Umgang 10 — 12 
konnnen. In späteren Stadien andrerseits verschwinden Rippen und Knoten 
wieder vollständig, nur Stück III macht eine Ausnahme, indem bei ihm 



1) am Steinkern. 

2) 14 mm in den Zwischenrippenrännien, 17 von einem Nabelknoten zu dem 
gegenüberliegenden. 



142 





Hopl. ingens nocUfcr. 




Fig. 29. Lobenlinie von Hopl. ingens 

nodifer (Stück I der Tabelle) 
a) Erster Laterallobus links. Windungs- 
radius 6 mm. 10/1. b) Rechte und linke 
Sutur bei 22 mm Windung-sradius. 2/1- 
c) Erster Laterallobus links. Windungs- 
radius 125 mm. Nat. Gr. 




Hopl. ingens nodifer, unterhalb Ba- 
(Stück IV der IVtafstabelle). 

links. Windungsradius 6 mm. 10/1. 

igsradius 11 mm. 2/1. c) Linke Sutur. 



:; 



Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 143 



'f'U 




^a . 



d) 

Fig. 3t. Lobcnlinie von Hopl. intens nodifer (Stück 11 der Mafstabelle). 

a) Kechte Sutur hei 8 mm Windungsradius. 8/1. b) Rechte Sutur bei 15 mm Windunes- 

radius. 4/1. c) Rechte Sutur bei 32 mm Windungsradius. 2/1. dl Erster Laterallobus links 

bei 90 mm Windungsradius. 3/2. 




Fig-, 32. I^cehtc Suiur von Hopl. ingens nodifer. Balangi am Mungo. 
Windungsradius 28 mm. 4/1. 



144 Dr- Friedrich Solger: 

die oben beschriebene Skulptur, zuletzt abwechselnd aus je einer langen 
mit Nabelknoten endigenden und einer kurzen Rippe bestehend, bis 65 mm 
Radius anhält. Die folgende Viertelwindung besitzt enger gestellte, schärfer 
profilierte Rippen. Die späteren Gehäuseteile sind sehr ungünstig erhalten, 
doch scheint noch mindestens eine weitere Viertelwindung berippt gewesen 
zu sein. 

Über die Lobenlinie habe ich bereits gesprochen ^) und kann mich 
hier darauf beschränken, auf Fig. 29—32 zu verweisen. 

Hoplitoides ingens costatus (Taf. V Fig. 9). 
Vier Stücke meines Materials stelle icli hierhin wegen der Berippung 
ihrer Jugendwindungen. Die Herkunft von I kann ich nicht näher an- 
geben, II stammt von Diki bezw. der Wohltmannbank, III von Ba- 
langi, IV vom Mungo-Ufer unterhalb Balangi. 

Der erhahene Teil des Gehäuses reicht bei den beiden ersteren bis 
zur Wohnkammer, von der jedoch nur unbedeutende Reste erhalten .sind, 
auch die letzte Windung ist bei beiden bereits stark beschädigt. Die 
beiden anderen Stücke sind bis zu Ende gekammert, auch bei ihnen ist 
der äußere Umgang, zumal bei dem von Balangi, stark lädiert. 

Maße (in mm): L H- HL IV. 

Radius 102 46 11 65 q 46 11 lo6 14 

Dicke 50 22 5,5 33 5 22 0,5 00 g 

Radius d. vor. Windung 46 19 4,5 28? 4 21 5 50 ^ 
Dicke d. vor. Windung 22 9 2 15 2 12 3,5 ? 4 

Radius des Nabels . . 3>5 •'' i.5 3 i 2,5 i ii? i 

Breite der Außenfurche — — i — i ^^ i ^^ Jj^ 

Radius b. Verschwinden 

der Außenfurche . . zw. 15 u. 20 18 15 21 

Radius am hint. Ende 

der Wohnkammer . 220 120? 

I und III nähern sich etwas dem //. i. nodifer. Ich beschreibe deshalb 
als typisch zunächst Stück II. 

Die innersten Windungen habe ich nicht herauspräparieren können, 
aber auch bei 7 mm Radius zeigt das Gehäuse noch fast ganz dasselbe 
Aussehen wie bei der vorigen Formengruppe. Überhaupt sind die Unter- 
schiede von letzterer nicht groß. Der augenfälligste ist der Mangel von 
Nabelknoten und die engere Stellung der Rippen, von denen bei mittlerer 
Größe etwa 1 3 auf den halben Umgang kommen {vergl. Taf. V Fig. 8). Ferner 
ist der Querschnitt etwas flacher, was aus den oben angeführten Maßen 

i) Siehe S. 138 — 1 40. 



Die Ammonitcnrauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 145 

hervorgeht, und endlich ist die Eindrückung der Flanken etwas weniger 
ausgeprägt als bei nodifer. Im hohen Altei', bei über loo mm Radius, ver- 
schwindet sie wieder vollständig, die Flanken werden aucli auf ihrer äusseren 
Hälfte gewölbt und stoßen in einer stumpfen Kante zusammen (vergl. 

Kg- 33). 

Einen Übergang zur vorigen Gruppe vermitteln die Stücke I und III, 
Sie tragen nur 9 — 10 Rippen auf dem halben Umgang, und bei I ist auch 
eine schwache Andeutung von Nabelknoten bei etwa 25 mm Gehäuseradius 
zu bemerken. 

Die Lobcnlinie (Fig. 34 — 37) zeigt auch hier recht verschiedene 
Ausbildung des ersten Lateral. Die oben erwähnte Inkongruenz der Sutur 
auf beiden Seiten des Gehäuses zeigt besonders auffällig das Stück III 
(Fig. 36), bei dem der erste Lateral auf der einen Seite sehr regelmäßig 
gebaut ist und reclit gut mit v. Koenens Abbildung auf Taf. II Fig. 8 
übereinstimmt, während der gegenüber liegende ihm zwar in Tiefe, Breite 
und allgemeiner F^orm gleicht, aber an semem unteren Rande durch eine 
Menge kleiner Sättel in sieben etwa gleich große Zacken geteilt ist. 

Hoplitoides ingens laevis (Tat. V Fig. g). 

Die drei noch übrig bleibenden Stücke zeigen eine sehr viel schwächere 
Skulptur der Jugendwindungen, und ich \'ereinige sie deshalb unter der 
obigen Bezeichnung. 

Teile der Wohnkammer (etwa '/g Umgang) sind nur an Stück II er- 
halten. 

Maße (in mm): I. IL III. 

Radius 70 165 76 12 76 7 

Dicke 30 84 35 6 3Ö 4.5 

Radius der vorigen Windung . . 32 76 27? 4,5 31 3 

Dicke der vorigen Windung . . 14 35 14 3 14 1,7 

Radius des Nabels ? 5-8') 2 0,7 3? i 

Breite der Außenfurche .... — — — i — l 

Radius beim Verschwinden der 

Außenfm-che üb. 15 über 18 etwa 17 

Größter erhaltener Radius . etwa 15,5 (stark lad.) iqo 90 

Radius am hinteren Ende der 

Wohnkammer — igo — 

Der Querschnitt weiclit wenig von der vorigen Gruppe ab. Was seine 
Veränderung mit dem Alter betrifft, so zeigen Stück I und III noch bei 
den größten vollständig erhaltenen Querschnitten außen eingedrückte Flan- 

I) Ersteres au der Schale, letzteres am Steinkern gemessen. 
Beiträge zur Geologie von Kamerun. 10 



140 



Dr. Friedrich Solger: 





Fig. 33. Querschnitt der letzten WinJuiiff 

von Hoplitoidos ingens costatus {Stück 1 

der Mafstabelle). 2/3. 



a) Rechte Gehau.scseite vor Auftreten i 
,'\urscnlui-chc. 4/1. 

b) Rechte .Stitur bei 20 mm Windunss- 
raditrs. 4/1. 

c) Rechte Sutur bei SO mm \Vindunt;s- 
radins. Nat Gr. 

d) Linke Siiliir bei 200 mm WindmiBS- 




\ \) 



Bie Ammonilenfauna der Mungokalke und das geologisclve Alter der letzteren. 147 




Fig. 34 d) 
Erklärung siehe vorige Seit 




Fig. 35 c) 

Fifr. 35. Lobenlinie von Hopl. ingens costatus. Diki am Mungo. (Stück II der IVIafstabelle.) 

•^1 Unke Sutur u, erster Laterallobus rechts bei 6 mm Windungsradius, 10/1. b) Sutur bei 

22 mm Windungsradius. 2/1. c) Rechte Sutur bei 22 mm Windungsradius. 3/2. 



148 



Dr. Friedrich Solger: 



\ r' 



\^--^ 




n;:nic von llopl. ingens costatuS; 

.„„ .^iniKo. (Stick Jl[ der Mafslabelle.i 

TJnkr SiiUir und vrsier Laterallobus rechts 
hei 8 mm W'induiiKsradius. 10/1. 
iT) SiUin- hei 30 mm WimluiiRsradiils. 2/1. 



^tcrrW^^^'^^rr^ 




Fig. 37. Lohenlinie von Hopl. ingens costatus unterhalb Balanui am Mungo. (Stück IV der Mafstal"l(,.i- 

a) Erster Laterallobus rechts und links bei 6 mm Windungsradius. 10/1. h) Desgl. bei 12mm Windu"» 

radius, 10/t. c) Linke Sutur bei 120 mm Windungsiadius. Nat. Gr. 



Die Ammonitenfauna der Mungokalkc und das geologische Alter der letzteren. 149 



ken. Stück II vciiirilt sicli beim selben Radius 
ebenso, besitzt aber später, kurz vor der Wohn- 
kammer, gleichmäßig gewölkte Flanken ähn- 
lich der vorigen Gruppe (vergl. Fig. 38). 

Die ersten Jugendwindungen, die sich hier 
gut beobachten ließen, sind genau wie bei 
Hoplitoides Wohltmänni gestaltet (vergl. Fig. 24). 

Eine Skulptur fehlt auf den Jugendwin- 
dungen des Stückes I bei 25 mm Radius bereits 
vollständig, in früherer Jugend ist sie ähnlich 
wie bei H. i- nodifer ausgebildet mit sechs 
schwachen Knoten auf dem Umgang. 

Stück II und III haben bei ungefähr 6 mm 
Radius schwache iVort'?/'?^- Skulptur, bei etwa 
20 mm Radius schwache, am Nabel und an der 
Außenseite verschwindende Rippen, etwa 9—10 
auf dem halben Umgang. Aber bereits bei 
30 mm ist das Gehäuse glatt (Taf . V Fig. 10). 

Was die Lobenlinie betrifft (vergl. Fig. 39 
bis 41), so gestattete das Stück II deren Zurück- 
verfolgung bis zu sehr frühen Stadien, auch 
die Innenloben konnten hier schön beobachtet 
werden (siehe Fig. 40 d), auffällig ist ihre Form, 
deren plumpe Endigung eher den Eindruck er- 
weckt, als habe man es hier mit Sätteln zu tun 
und die ganze Lobenlinie sei umgedreht. Doch 
besitzen die Hülfsloben der äußeren Lobenlinie 
in allerdings noch früheren Zuständen gleich- 
falls eine solch beuteiförmige Gestalt, und auch 

bei ihnen sind die kleinen lappenförmigen Lo- Fig. 38. Q„.... 

buli durch spitz endigende Kerben getrennt. (snicTn^dcV M^Ustaiieiie.) 2/3.' 





Ü^ 



150 Dr- Friedrich Solger: 



a) 




t) 



Fig. 40. Lobenlinie von Hopl. ingens laevis (Stück II der Malstabelle.) 

a) Sutur bei 3 mm Windungsradius. 15/1. b) Sutur bei 10 mm Windungsradius, m. 

c) Rechte Sutur bei 14 mm Windungsradius. 2/1. d) Innenloben der rechten Gehäuse- 

scite bei 14 mm Windungsradius. 10/1. e) Rechte Sutur bei 35 mm Windungsradius. 2/1. 

f) Rechte Sutur bei 160 mm Windungsradius. 2/3. 



* 



Die Aramonitenfauna der Muiigokalke und das geologische Alter der letzteren. 151 




Fig. 41. Lobcnlinie von Hopl. ingcns lacvis. (Stück III der Mafstabellc.) 

a) Erste Lateralloben rechts und links bei 9 mm Windungsradius, B/1. 

b) Linke Sutur bei 80 mra Windungsradius. Nat. Gr. 



Gegenseitiges Verhältnis der drei Untergruppen 
von Hoplitoides ingens. 

Vergleicht man die Geliäuse der eben besprochenen Gruppen bis zu 
einem Radius von 40 mm, so fällt eine Reihe von Beziehungen auf: Die 
Anfangsskulptur von nodifer ist gleich der Endskulptur von costatus, die 
Endslailptur von nodifer gleich der Anfangsskulptur von laevis. Ganz ähn- 
liche Typen des ersten Lateral kehren in den einzelnen Gruppen wieder. 
Diese Tatsachen lassen es mir zweifelhaft erscheinet^, ob es sicli frier wiii?;- 
lich um genetisch trennbare Gruppen handelt, und nicht vielmehr um 
einzelne morphologische Typen, die innerhalb derselben genetischen 
Gruppe individuell wechseln können. Ein umfangreiches neues Material 
würde hier gewiß dazu beitragen, einen interessanten Einblick in das 
wichtige Kapitel der individuellen Veränderlichkeit und im Zusammenhang 
damit in die physiologische Bedeutung der veränderlichen Elemente zu 
gewähren. Es dürfte dies einer der aussichtsvollsten Wege sein, um klarere 
Vorstellungen über die Beziehungen der äußeren Schalenmerkmale zti der 
Organisation des Ammonitcntieres zu gewinnen. 

Hoplitoides Koeneni 11. sp, (Taf. IV tig. 8, g). 

Von den beiden hierher gehörigen Stücken stammt I von der Ele- 
phantenbank, 11 von der Wohltmannbank, bezw. von Diki. 



152 Dr. Friedrich Solger: 

Bei crstercm Stück ist etwas mehr als '/^ Windung der Wohnkammer 
erhalten, das zweite ist bis zu Ende gekammcrt, der letzte Umgang ist 
bei beiden stark lädiert. 



Maße (in mm): j jj 

27 
14 



Radius 6.5 19 27 

Dicke 28 



Radius der vorigen Windung 25 

Dicke der vorigen Windung 13 4,5 6 

Radius des Nabels ^ ^i) 2 2 k 

Breite der Außenseite , ,2 

Radius b. Verschwinden der Außenfurche 2g 34 

Radius am hinteren Ende der Wohnkammer 65 _ 

Die Jugendentwicklung der Gehäuseform, zu deren Beobachtung das 
Stück I Gelegenheit gab, gleicht zu Anfang der von HopUtoides WohÜ- 
manni. Bei 3 mm Radius beginnt die Abplattung der Außenseite. In 
diesem Stadium sind die Flanken etwas flacher als bei HnpUtoides Wohli- 
manni und ingens. 

Die weitere Entwicklung des Querschnitts (vergl. Taf. IV Fig. 8 u. g) ent- 
spricht in den Grundzügen derjenigen von //. ingens, doch sind die Flanken 
stets etwas flacher, und die Außenseite ist wesentlich breiter als dort. Im 
Zusammenhang damit verschwindet die Abplattung der Außenseite erst bei 
einem größeren Gehäuseradius, wie aus den angeführten Maßen hervor- 
geht. Später tritt auch hier eine flache Eindrückung der Flanken jenseits 
der Projektion des vorigen Umganges ein, doch wird die Außenseite nie- 
mals so scharf wie bei //. ingens. 

Die Anwachsstreifen verlaufen wie bei //. Wohllnianni. 
Eine Skulptur tritt deutlicher erst bei 5 mm Gehäuseradius hervor. 
Sie entspricht im ganzen dem 7«^«^..- Typus, mit etwa 10 flachwelligen 
Rippen auf dem halben Umgang, von denen jede zweite oder dritte bis 
zur Nabelkante deutlich zu verfolgen ist. Im Gegensatz zu //. ingeiis 
reichen aber nach außen alle Rip|>en in mäßiger Stärke bis dicht an die 
Außenseite, so dass sie an der Vorwärtsbicgung der Anwachsstreifung deut- 
lich teilnehmen. Diese Art der Berippung bleibt längere Zeit bestehen 
und verschwindet erst etwa gleichzeitig mit der Ab].lattung der Außen- 
seite (Taf. IV Fig. 8). 

Während zwischen beiden Stücken in diesen Merkmalen gute Über- 
einstimmung herrscht, weichen die Lobenlinien wiederum in dei^Form und 
Zerschlitzung des ersten Lateral erheblich von einander ab (Fig. 42 u.43), 
doch ist ihnen gemeinsam die Entwicklung von nur z—^ Hülfsloben, von 

i) Je nach der Messung iim Steinlcern oder der Schale. 



Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 153 



denen der dritte bereits dicht an der Nabelkante sitzt. Auch liier erscheint 
die Variabilität des ersten Lateral gegenüber der Menge der übereinstimmen- 
den Merkmale für die Systematik unwesentlich. 





Fig. 42. Lobcnlinie von Hopl. Koeneni n. sp. Elephantenbank am Mimj 

Mafstabellc.) a) Linke Sutur und erster Latcrallobus der rechten 

Windungsradius. 10/1. b) Desgl. bei 23 mm Windungsradiii 

Hoplitoides gibbosvilus v. Koenen sp. 

1897. Pulcliellia gibbosula v. Koenen, P'ossilien 
der Unteren Kreide vom Ufer des Mungo, 
S. 9, Taf. I Fig. 5. 

1898. Pulcliellia (?) gibbosula v. Koenen, Näch- 
tig, S. 53, 58. 

Bereits v. Koenen selbst spricht in seiner 
zweiten Arbeit die Vermutung aus '), daß die- 
ser von ihm ursprünglich zu den Fulchellien 
gerechnete Ammonit ein Hoplitoides sei, und 
vielleicht nur die Jugendform eines solchen Ko^encni r 
darstelle. Letztere Vermutung findet sich frei- 
lich nicht bestätigt. Es handelt sich bei der 'iüngsradius' 2/1." "b)' Rechte sü- 

° . , ^„ ., turb,I8mmWindungsradiu.s.LVl. 

V. Koenenschen Abbildung jedenfalls nicht 

um eine Jugendform, sondern um ein ausgewachsenes Exemplar einer 
kleinen Art, die in der Jugend typische //ö/Äyözrt'fj-Entwicklung besitzt, auf 
der abgebildeten Wohnkammer aber von den übrigen Hoplitoiden durch 
den Querschnitt und die Skulptur abweicht. 

Ich habe von dem H. gibhosnlus s. Str., der der v. Koenenschen 
Abbildung in Gestalt und Lobenlinie entspricht, hier drei Stücke meines 
Materials als //. gibbostilns hipartitus abgetrennt, weil der erste Laterallobus 
sich durch seine deutliche Absclmürung am oberen und Zweiteilung am 
unteren Ende weit von der Abbildung bei v. Koenen entfernt, und weil 
das besterhaltene Stück dieses Typus an der letzten Scheidewand be- 
deutend größer ist als die Stücke des anderen T\-pus.- 



Lobcnlinie von Hopl. 

- -- .. Diki am Mungo. 

(Stück II der Mafstabelle.r 
a) Linke Sutur hei 12 n 



1) Nachtrag S. 58. 



154 Dr. Friedrich Solger: 

Hoplitoides gibbosulus s. str. 

1897. rulclicllia gibbosula v. Koenen, Fossilien der Unteren Kreide vom 
Ufer des Mungo. Taf. I Fig. 5. 

Hierher gehören zwei Stücke meines Materials sicher, beide noch 
Teile der Wohnkammer zeigend. Die Herkunft von I kann ich niclit genau 
angeben, 11 stammt von der Eleph antenbank oder der Wohltmann- 
bank. 

Unter III führe ich noch die Maße eines vom Mungoufer unterhalb 
Balangi stammenden Stückes an, dessen Jugendentwicklung eine Zugehörig- 
keit zu der vorliegenden Gruppe wohl möglich erscheinen läßt, dessen 
Altersstadien aber nicht erhalten sind, so daß eine sichere Bestimmung 



Fig. 44. Hopl. gibbosulus s.str. (Stück I der Marstahcllc.) Sutur bclLMmra Winduii; 




Fig. 46. Erste Latcrallobcn rechts und links von Hopl. gibbosulus s. str. 
(.Stück II der Mafstabelle.) Windungsradius etwa 17 mm. 2/J. 

unmöglich ist. Es besitzt zwei Hülfsloben, die Form des ersten Lateral 
ist in Fig. 46 dargestellt. 

Maße (in mm): I. H. III. 

Radius 22 g 24 n 20 

Dicke 12 5 14 6 (),5 

Radius der vorigen Windung ... () 3,5 in 4 8 

Dicke der vorigen Windung ... 52 6 2,5 4 

Radius des Nabels 1.5 i 21 2 

Breite der Außenseite 3,5 2 4 2 2,5 

Radius an der letzten Scheidewand . 26 25 

Erhaltener Teil der Wohnkammer . 1/2 Umgang Vä Umgang 

Die Jugendentwicklung beginnt auch hier nach involuter Anfangs- 
windung mit ziemlich weitnabeliger Aufrollung und rundem, allmählich 
höher und elliptisch werdendem Querschnitt. Bei etwa 3 mm Radius ist 
die Außenseite bereits etwas abgeplattet. Die weitere Entwicklung unter- 



Die Animonitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der leUteren. ]55 

scheidet sich jedoch von der der bisher beschriebenen Art insofern, als 
die nun folgende Abflacluing der äußeren Hälfte der Flanken eine Stö- 
rung dadurch erfährt, daß die dickste Stelle des Gehäuses, die bisher 
innerhalb der Projektion der vorliergehenden Windung lag, allmählich 
etwas nach außen rückt. So wird das äußere flache Stück der Flanken 
immer kürzer, die Außenseite behält ihre Breite und bekommt schließlich 
auf der Wohnkammer einen breit gerundeten Querschnitt i). 

Die Skulptur ist ziemlich scliwach auf den inneren Windungen, 
etwas stärker auf den äußeren. Die Anwachsstreifen sind ähnlich gebogen 
wie bei den übrigen Hopliloiiles- kxi&\, aber im ganzen weniger nach vorn 
gerichtet. Die Rippen folgen ihnen. Jede zweite oder dritte ist bis zum 
Naliel durchgeführt, hi dessen Nähe sie einen schwachen Knoten bildet. 
Die dazwischen liegenden Rippen sind auf der inneren Hälfte der Flanken 
verwisclit. Außen roichen alle Rippen, von denen etwa neun auf dem 
halben Umgang stehen, bis auf den Rand der Außenseite herauf, wo sie 
zu einer Art stumpfem Knoten anschwellen. 

Die auf der Wohnkammer des bei v. Koenen abgebildeten Stückes 
deutlich hervortretende Rückwärtsbiegung der Rippen, der übrigens der Ver- 
lauf der Anwachsstreifung nicht folgt, ist an meinen Exemplaren kaum 
oder gar nicht vorhanden, dagegen stehen, besonders bei Stück II, die 
Rippen auf der Wohnkammer etwas enger. Bei Stück I ist die gesamte 
Skulptur auf der Wohnkammor sehr abgeschwächt. 

Bezüglich der Lobenlinie (Fig. 44 u. 45) habe ich v. Koenens Be- 
schreibung wenig hinzuzufügen. Die Teilung des ersten Lateral ist auch 
hier variabel, auch leitet die eine Seite des Stückes I (Fig. 44) zu H. gibho- 
stt/us biparlitus hinüber. Charakteristisch für die vorliegende Gruppe bleibt 
jedoch immer die breite Form des ersten Laterals und das Ansteigen 
seines in viele Zacken zerfallenden Randes gegen die Außenseite hin. 
V. Koenen gibt in seiner Beschreibung vier Hülfsloben an. Das ist aber 
bei dem von ihm abgebildeten Stück nur auf der einen Seite der Fall, 
auf der anderen liegt bereits der dritte Auxiliarlobus dicht an der Naht. 
Letzteres ist auch bei meinen Stücken zu beobachten. Die Vierzahl scheint 
auch an jener einen Sutur nur dadurch bedingt zu sein, daß zwei die 
Hülfssättel teilende Sekundärloben etwas stärker ausgebildet .sind und wie 
Hülfsloben erscheinen. 

Hoplitoides gibbosulus bipartitus (Taf. IV Fig. 10). 
1S97. Pukliellia gibbosula v. Koenen, Fossilien der Unteren Kreide vom 

Ufer des Mungo, ,S. 9 (nur das nicht abgebildete Stück). 
Unter diesem Namen trenne ich von der vorigen Gruppe zwei Stücke 
meines Materials und das bei v. Koenen nicht abgebildete Exemplar 
I) Vergl. V. Koenens Abbildung. 



156 



ch Solge 



der Wohltmaniischen Aufsammlungen (Fig. 47). Ich unterscheide sie 
von der vorigen Gruppe wegen der deutlichen Zweiteilung des ersten 
Lateraliobus und dessen schmaler, oben mehr oder weniger zusammen- 
gezogener Form, die aus Fig. 47 u. 48 ersichtlich ist. 

Eine nähere Beschreibung verlohnt nur bei dem einen vonBalangi 
stammenden Stücke (Taf. IV Fig. lo). 

Im Gegensatz zu den übrigen Exemplaren dieser Art liegt seine letzte 
Scheidewand erst bei 60 mm Radius. Von der Wohnkammer sind nur 
unwesentliche Reste erhalten. 




a) 

Fig. 48 Hopl. gibbosuliis bipartitus (Taf. IV Fig. 10). a) Linke Sutur und 
h) er.ster Lateraliobus rechts hei ,50 mni Windungsradius. 2/1. 

Maße der letzten Windung: 

Radius 60 mm 

Dicke ,50 » 

Breite der Außenseite: 

über einem Rippenpaare 11 » 

zwischen zwei Rippenpaaren ... 8 » 

Radius des Nabels 6 » 

Der letzte halbe gekammcrte Umgang zählte etwa elf äußere Rippen 
•und vier radial stark verlängerte stumpfe Nabelknoten. Die dickste Stelle 
des Gehäuses liegt bei diesem Radius ziemlich genau auf der Mitte der 
Flanken, ein wenig näher dem Nabel. 



Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 157 

Maße früherer Windungen (in mm): 

Radius 48 15 

Dicke 8 

Radius der vorigen Windung .... 20 6 

Breite der Außenseite 2 

Radius des Nabels 2 

Die dickste Stelle des Gehäuses fällt bei 15 mm Radius in die Pro- 
jektion des Außenrandes der vorigen Windung. Die Rippen stehen in 
diesem Entwicklungsstadium enger, sieben auf 1/4 Umgang, und auch die 
längeren sind nach dem Nabel zu schwächer entwickelt, auch läßt der 
Außenrand keine Andeutungen von Knoten erkennen. 

Die Anfangswindungen unterscheiden sich in Queischnitt und Na- 
belung nicht von denen der übrigen Hoplitoiden. 

Die beiden anderen Stücke schließen sich in der Lobenlinie, besonders 
in der Form des ersten Laterallobus, recht gut an das beschriebene Exemplar 
an. Was den Querschnitt betrifft, so ist das eine, nur in seinen Jugend- 
windungen erhaltene Stück verhältnismäßig dicker, das andere verhältnis- 
mäßig schmaler als das Stück von Balangi. Folgende Maße des schmaleren 
Stückes seien angeführt: 

Radius der Windimg 41 mm 

Dicke der Windung 18 » 

Breite der Außenseite: 

über einem Rippenpaare 4 » 

zwischen zwei Rippenpaaren . . . 2,5 — 3 » 

Radius des Nabels 3 » 

Radius der vorigen Windung .... 17 » 
Dicke der vorigen Windung 7 » 

Familie der Prionotropiden. 

Tissotia Douville. 

Gekielte Ammoniten mit ceratiten ähnlicher Lobenlinie, Sättel 3 — 5 an 
der Zahl, breit, Lateralsättel ganzrandig, der Externsattel durch einen oder 
mehrere Sekundärloben geteilt, Loben am Ende etwas verbreitert und 
dort gezackt, nicht verzweigt. 
Typus: T. Tissoti Bayle sp. 

Douville^) stellte die Gattung Tissotia i8go auf für die bis dahin 
zu Buclnceras Hyatt gerechneten Am. Tissoti, Enmldi, Kobini, Fourneti 
und gibt als Merkmale an: 

l) Douville, Classification des ceratites de la craie. Bull, d. !. See. geol. d. France, 
3. Ser. XVIII. 1890. S. 283. 



158 Dr. r-riedrlch Solgei": 

»Außenseite mit glattem oder gekörntem Kiel, oft beiderseits von einer 
Knotenreilie oder einem Kiel begleitet. Loben ziemlich schmal und an 
ihrem unteren gezähnelten Rand verbreitert, 3 — 4 S:Utel, breit, gerundet, 
nicht gezähnelt, Außensattel stets durch Sekimdärlobus geteilt.« 

Indem ich auch Formen mit fünf Sätteln, mit gezähnelten Auxiliar- 
sätteln, mit breiten Loben und mit mehreren Sekundärfoben im Außen- 
sattel noch in die Gattung einbeziehe, weiche ich in obiger Diagnose von 
ihm ab. Ich kann aber in einer größeren oder geringeren Breite der Lo- 
ben, wo es sich um einen von allen sonst bekannten Suturformen so be- 
stimmt geschiedenen Lobontypus handelt, kein Gattungsmerkmal sehen. 
Femer ist die Anzahl der Sekundärloben im Externsattel ein so unter- 
geordnetes Merkmal, daß z.B. die sowohl vonPeron^) als von Fallot''') 
als Varietäten derselben Art betrachteten Formen T. Ewaldi und Kohini. 
nach Gross ou vre-''), der beide daraufhin allerdings artlich trennt, sich 
hierin unterscheiden. 

Die noch übrigbleibenden Unterschiede der oben benutzten Definition 
von derjenigen Douvilles beziehen sich lediglich auf die Auxiliarelemente 
der Lobenlinie. Nach den Erfahrungen von Nicki es ") an Pidchd- 
Iten der unteren Kreide Spaniens, sowie nach dem, was diesbezüglich bei 
der Gattung Hoplitoides^) beobachtet werden konnte, erscheint das Auf- 
treten von Zacken am Auxiliarsattel, bezw. die Vergrößerung eines dieser 
Zacken zum Auxiliarlobus und die dadurch bedingte Abtrennung ciTies 
zweiten Auxiliarsattels nicht einmal als Artmerkmal, wenn sich nicht an 
einem entsprechend zahlreichen Material die Konstanz dieses Verhaltens un- 
mittelbar nachweisen läßt. Zudem führt Redtenbacher") bei Beschreibung 
eines Amm. cf. EivaUi, einer zweifellosen Tisso/ia, die ihm in 54 Exem- 
plaren von der Schmolnauer Alp voriag, die Tatsache an, daß statt der 
gewöhnlichen vier Sättel zuweilen auch fünf vorkänrcn. 

Ich bin in der Begründung meiner Definition etwas eingehender ge- 
wesen, daPeron') gegenüber Douville 8) selbst und Grossouvre eifrig 
den Standpunkt vertreten hat, man möge diese Gattung nicht zu weit 
fassen. Vor allem meint er, dieser Gruppe dürften nur Formen mit ganz- 
randigen Sätteln zugerechnet werden; doch handelt es sich dabei mehr um 



1) P6ron, Moll. ro.5s. d. terr. crct. d. 1. Tiinisie S. 5. 

2) fetude geol. s. 1. etages iiioy. et sup. du tcrr. cret. d, 1. .Sml-Est d. 1. France S 237. 

3) Am. d. 1. craie sup. S. 37 u. 40, 

4) NicklJs, Coiitr. h la Pal. d. .S.-E. de l'Espagne. N6ocomicn. S, /\-] . 

5) Vergl. S. 121 u, 155. 

6) Abhandl. d. Wiener Reichsanstalt, Bd. V. S. 98. 

7) Amm. d. cret sup, d. l'Algier S. 57. 

8) I. c. Taf. XVIII Fig. 2 u. 3. 



Die Ammonitenfauna der Mungolcalke und das geologische Alter der letzteren. l59 

die Lateralsättel und icli widerspreche seiner Systematik nicht, wenn ich 
die Forderung der Gan;^randigkeit nicht auf den Auxiliarsattel ausdehne, 
zumal Peron selbst die Lobenlinie einer Tissotia Tissoti mit gezacktem 
Auxiliarsattel abbildet i). 

In obiger Fassung umschließt die Gattung Tissolia Formen aus dem 
Coniacien Frankreichs, aus den Gosauschichten der Schmolnauer 
Alp und aus untersenoncn Schichten von Algier und Tunis. 

Tissotia latelobata n. sp. 

Zwei Stücke hegen mir vor von der Wohl tm annbank, bczw. Diki. 
An dem einen fehlt die Wohnkammer ganz, an dem andern beträgt sie 
etwas mehr als einen Viertel-Umgang und hat wohl noch weiter gereicht. 
Die äußere Windung ist bei beiden ziemlich beschädigt. 

Maße: I. IL 

Radius (an der letzten Scheidewand) etwa 67 mm 78 mm 

Di'cke » 27 » 37 » 

Radius der vorigen Windung ... » 28 » 38 » 

Dicke der vorigen Windung ... » 12 » 17 » 

Der Nabel ist am Steinkern sehr eng und wird durch die Schalcnmasse 
ganz ausgefüllt. 

Auf dem letzten Umgang ist das Gehäuse glatt, die Stelle größter 
Dicke liegt wenig ausserhalb der Projektion der vorhergehenden Windung. 
Von ihr fallen die Flanken nach außen nahezu eben ab und treffen in 
einer scharfen Kante zusammen. Nach dem Nabel zu nimmt das Ge- 
häuse nur wenig an Dicke ab bis zu der kurz gerundeten Nabelkante 
(siehe Fig. 4g a). 

Deutlichere Skulptur zeigt die vorletzte Windung, die ich von dem 
zweiten Stück abbilde. 

Der Querschnitt ist hier ein wenig anders als auf der letzten Windung : 
Die dickste Stelle des Gehäuses liegt dicht am Nabel. Von da fallen die 
Flanken nach außen zuerst langsam, dann etwas schneller ab und zeigen 
nahe der Außenseite eine flache Eindrückung, wodurch die Außenseite 
noch schärfer zugespitzt wird. Die Anwachsstreifen laufen vom Nabel ra- 
dial aus, bilden in der Projektion der vorigen Windung einen flachen, nach 
vorn hohlen Bogen, biegen dann etwas zurück und bilden einen zweiten' 
derartigen Bogen auf der äußeren Hälfte der Flanken, treffen aber schließ- 
lich radial oder schwach rückwärts gerichtet auf die Außenkante. Auf der 
äußeren Hälfte der Flanken folgen der Anwachsstreifung flache Wellen, 
die man kaum als Rippen bezeichnen kann. Sie sind am stärksten in der 

l) 1. c. Taf. XVUI Fig. I u. 3. 



160 



Ür. Fr 



ch Solgef: 



Zurückbiegung des äußeren Bogens der Anwaclisstreifen ; nach außen 
brechen sie dann raseh ab, so dass eine undeutliche Knotenbildung zu- 
stande kommt. Auf dem lialben Umgang stehen ii — 12 solcher »Rippen«. 

An dem ersten Exemplar ist chese Skulptur bedeutend schwächer. 
Dafür gelang es mir hier, ein Stück einer früheren Windung mit 4 — 7 mm 
Radius freizulegen. Die Flanken sind hier stärker gewölbt, der Kiel hat 
eiiien stumpferen Quersclmitt, ist aber von deutliclien, wenn auch schwachen 
Einsenkungen der Flanken beiderseits begleitet. Auf der äußeren Hälfte 
der Flanken sind schwache Buckel bemerkbar, 5 — 6 auf V4 Windung. 
Jedem dritten etwa entspriclit ein scliwacher, radial verlängerter Nabel- 
knociien. 

Die Lobcnlinie dieses Stückes ist auf Taf. IV in Fig. 6 mit dar- 
gestellt, die des andern weiclit nur unbedeutend von ilrr 
ab bezüglich der Auxiliargegend und in der Zackung des 
ersten Lateral (vergl. Fig. 49 b). 

Der verhältnismäßig große Raum, den die Auxiliar- 
elemente einnehmen und die dadurcii bedingte äußerliclie 
Lage der Lateralloben, sowie die breite Gestalt des ersten 
Lateral, zumal im Alter, unterscheidet die vorliegende 
Art von den meisten andern Tisso/ien. Ihrer äußeren Form 
nach entspricht sie am meisten 7\ Fichetiri Grossouvrc '), 
docli ist hier die Lobenlinie weseiitlicli anders gestaltet, 
zumal der Außensattel. Immerhin sind die Untersdiiede 
gering. Da aber Grossouvre wie Peron, die beiden inten- 
sivsten Bearbeiter der Tissotien, den Artbegriff in dieser 
Gattung sehr eng gefaßt halben, so trenne ich die vor- 
liegende Form ebenfalls lieber als besondere Art ab. Fig. 49 a) 




Fig. 49. Tissotia latclobala n. sp. Diki. a) yut-TSchnitt, h) Lobenlinie. L'/'- 



I) Am. de 1. I 



; sup. S. 35- 



JJie Aramonitenfaun 



r Mungokaike und das geologische Alter der letzteren. [gl 



Tissotia polygona n. sp. 

Das einzige Exemplar, von der Elephan tenbank stammend, ist 
als Steinkern erhalten. Es zeigt noch eine Viertelwindung der Wohn- 
kammer, doch läßt sich nicht erkennen, ob der Mmidrand erhalten ist. 
Die inneren Windungen sind zerstört. 
Maße der letzten Windung: 

Radius (am Ende) 35 mm 

Dicke i8 » 

Radius der vorigen Windung . . 15 » 
Dicke der vorigen Windung ... 6 » 

Radius des Nabels 4 » 

Breite der Außenseite (am Ende) . 6 » 
Breite der Außenseite (am Anfang) 3 » 





Fig. 50. Querschnitt 
durch die äufseren 

Windungen. ^ 

Nat. Gr. a) Äufsere Loben, b) Innenloben. 

Fig. 50— ,'il. Tissotia polygona n. sp. 



Fig. 51. Linke Sutur bei 18 n 
dungsradius. 2/1. 
■i) Inni 



Das Stück ist etwas verdrückt, so daß die obigen Maße entsprechend 
unzuverlässig sind. Dasselbe gilt von dem Querschnitt, den Fig. 50 zeigt. 

Der letzte Umgang ist glatt, die Außenseite mit einem Kiel versehen, 
der im Querschnitt einen Winkel von etwa 1 20 " zeigt und von zwei Seiten- 
kanten begleitet wird. Die Flanken sind nur wenig gewölbt, die größte 
Dicke des Gehäuses liegt nahe am Nabel. 

Die Lobenlinie (Fig. 51) besitzt keine Auxiliarelemente i) und unter- 
scheidet dadurch diese Art von allen übrigen Tissotien. 

Pseudotissotia Peron. 

Gehäuse flach oder aufgebläht, Außenseite scharf, stets gekielt, z. T. 
noch mit zwei Seitenkielen versehen. Nabel meist eng. Skulptur, wenn 



1) Der 
Beiträge z 



nzige als Hülfslobus zu c 
r Geologie von Kamerun. 



utende Zacken sitzt auf der Nabelkaute. 
11 



162 !>'■ Friedrich Solyec 

vorhauden, ähnlich Tissolia. Lobenlinie mit vier Sättehi von einfacher Ge- 
stalt, aber alle gezackt oder durch einen einfachen Sekundärlobus geteilt. 
Loben unregelmäßig gezackt, teils tief und in einer Spitze endigend, teils 
durch einen kleinen Sekunärsattcl gc.si:>alten. 

Als Typus dürfte l'sr.iuliitissotin Gallicnnei va\ betrachten sein, da es 
die erste Art ist, tiic I'eron unter diesem Gattungsnamen beschreibt. 

Die Gattung wurde 1896 von Peron') aufgestellt, dem die obige 
Definition mit wenigen Kürzungen entnommen ist. Er wollte auf diese 
Weise die Formen mit nicht ganzrandigen Sätteln aus der Gattung Tissotia 
aussondern, einerseits um dem Begriff 7>7'issotia^ seine klare Umgrenzung 
zu erhalten, und andererseits aus stratigraphischen Gründen, da er meinte 
beobachten zu können, daß die Pseicdo/issolien im Turon vorkämen, Tissotia 
aber erst an der Basis des Senon. 

Legt man auf absolute Ganzrandigkcit der Lateralsättel dies ent- 
scheidende Gewicht, dann nuiß die unten als Pseudotissotia Philippü n. sp. 
beschriebene Art von Tissotia abgetrennt und dieser Gattung zugerechnet 
werden, obwohl nur geringe Andeutungen einer Zackung an den Sätteln 
wahrnehmbar sind und die Lobenlinie im ganzen mehr an die von Tissotia 
Tissoti als von Pseudotissotia Galliennei erinnert. Es liegt also eher eine 
Zwischenform zwischen Tissotia und Pseudotissotia vor, doch paßt der Wort- 
laut der Gattungsdefinition für die letztere Gruppe immerhin gut auf die 
Kameruner Art. 

Pseudotissotia Philippü n. sp. 

Das einzige Stück stammt von Balangi. Der letzte Umgang war 
stark beschädigt, so daß ich ihn vollständig abpräparierte. Der vorletzte 
Umgang ist in Taf. IV Fig. 7 dargestellt. Der Querschnitt ist dem von 
Tissotia latelobata sehr ähnlich. 

Maße der abgebildeten Windung in mm: 

Radius 54 

Dicke 24 

Radius der vorhergehenden Windung . 21 
Dicke der vorhergehenden Windung. . 10 

Radius des Nabels 4 

" Die Außenseite ist scharf, die Flanken zu beiden Seiten schwach ein- 
gedrückt. Die dickste Stelle des Gehäuses liegt unweit des Nabels. Die 
Anwachsstreifen verlaufen wie bei Tissotia taJelobata, so weit sich das nach 
dem Steinkern beurteilen läßt. Ihnen folgen flachwellige Rippen, die nur 
auf der äußeren Hälfte der Windung deutlich sind und nach dem Kiel 
wie nach dem Nabel zu allmählich verlaufen. Jedei' zweiten bis dritten 



l) Ajnm. du criSt. sup. de l'Alg^rie S. 26, 



t)ie Ammonltenlaiina der MuiigokalUc und das geologische Alter der letzleren. 1(53 

entspricht eine schwache, radial verlängerte Anschwellung am Nabel. Auf 
den Umgang kommen 15 — 16 Rippen. Nach der Mündung zu wird diese 
Verzierung schwächer. 

Die Lobenlinie ist in Fig. 52 abgebildet. Bemerkenswert ist die Breite 
des Außensattels. Der erste Lateral liegt etwa auf der Mitte der Flanken. 
Der zweite Lateral und der Auxiliarlobus suid wesentlich kleiner als der 
erste Lateral. Von Tissolia weicht die Sutur ab durch einzelne Zacken in 
den Lateralsätteln und durch die Zähnelung des ersten Laterals, die bis 
an dessen oberes Ende hinaufreicht. Indessen sind die Sättel bei weitem 
nicht so stark gezackt wie bei den von Peron abgebildeten typischen 
Pseiidoiissotien. 

Fig. 52. Pseudotissotia Philippü. Balangi am Mungo. Linke Sutur, 40 mm Wmdungs- 
radius. 2/1. (Die Zackung des ersten Lateralsattels ist in Wirklichkeit stärker.) 

Barroisiceras Grossouvre em. Solger. 

Gehäuse hochmündig und ziemlich eng genabelt, abgesehen von den 
Altersstadien einiger Formen. Außenseite mit einem glatten oder gekörnten 
Kiel und beiderseits von einer Knotenreihe oder einer glatten Kante be- 
gleitet. 

Seiten glatt oder mit Faltenrippen bedeckt, Nabelknoten und eine 
Reihe Mittelknoten zuweilen vorhanden, beide in geringerer Anzahl als 
die Randknoten, nach denen sie Faltenrippen aussenden. 

Lobenlinie mit drei etwa gleich hohen Sätteln, zuweilen noch mit 
dem Beginn eines vierten. Lobenformen plump, an ihrem ganzen Umfang 
gezackt oder auch in kurze gezackte Äste auslaufend. Erster Lateral auf 
der äußeren Seite stärker gegliedert als auf der inneren (Nabelseite). Sättel 
rundlich, mehr oder weniger paarig geteilt. 

Typus: Barroisiceras HabeifeUneri F. v. Hauer sp. 

Grossouvre*) faßte 1894 unter dem Gattungsnamen Barroisiceras 
Formen zusammen, die nahe mit Tissotia verwandt sein sollten, sich aber 
von letzterer Gattrmg unterschieden durch geringere Lobenzahl, durch 



I) Ani. d. 1. craie sup. S. 50. 



164 ß'- Friedricli So lg er: 

Stärkere Zerschlit/Aing der Sutur und durch eine unsymmetrische Zwei- 
teilung des AußensatteLs ^), doch so, daß lungckehrt wie bei Tissotia der 
größere ""['eil des Sattels nach außen läge. 
Abgrenzung Der Vergleich mit Tmolin verliert leidej- an Anschaulichkeit dadurch, 

von Tissotia. ^^^ Grossouvre letztere Gattung dabei erheblich weiter faßt als wenige 
Seiten vorher bei ihrer eingehenden Bes])rechung, indem er ihr beispiels- 
weise auch Pukkdlia Chalmasi zurechnet, eine von Nickles aus dem 
spanischen Neocom beschriebene Form ^). Was ferner die geringere Loben- 
zahl gegenüber Tissotia betrifft, so besitzt Barroisiceras Ilaberfellneri nach 
Grossouvres eigener Zeichnung drei Sättel, was nach Douvilles De- 
finition •'') nicht gegen Tissotia sprechen würde und was auch bei der 
oben beschriebenen Tissotia poiygona n. sp. tatsächlich vorkommt. Ver- 
gleicht man aber die von Grossouvre als synonym mit B. Haberfdlneri 
betrachteten Formen bei Redtenbacher*) und Schlüter^), so findet 
man auch noch den Beginn eines vierten Sattels. Auch liegt bei Schlü- 
ters Abbildung die Teilung des Außensattels in dessen äußerer Hälfte. 
Die Abgrenzung von Tissotia beruht also nur auf ziemlich unbestimmten 
Unterschieden in der Sutur. Indessen kannte Grossouvre die 
Lobenlinie nur von B. Ilabetfdliieri. Die drei weiteren Arten, die er seiner 
neuen Gattung einreiht, stellt er hierher auf Grund äusserer Schalen- 
merkmale ohne Kenntnis des Sutur. Er hat also offenbar für die Gruppe 
des Barroisiceras Haberfeilneri auch eine Reihe anderer Merkmale als ent- 
scheidend angesehen, die er nicht angibt. 
Unterschiede Ich habe mich deshalb bemüht, die besonderen Eigenschaften des 

™attun en^" Barroisiceras Haberfeilneri und seiner Verwandten zu präzisieren, die die 
Abgrenzung einer besonderen Gruj^pe rechtfertigen. Das Ergebnis dieses 
Versuches ist die an den Anfang der Gattung.sbesprechimg gestellte Dia- 
gnose. Ich möchte sie an dieser Stelle nur noch ergänzen durch Hervor- 
hebung der Merkmale, die die vorhegende Gattung von den ihr nahe- 
stehenden, ursprünglich unter dem gemeinsamen Begriff Schlönbacliia mit 
ihr vereinigten Formengruppen trennt. Es sind dies die Gattungen Gan- 
thiericeras Gross., Mortoniceras Meek, Tissotia Douville. Letztere, in der 
ursprünglichen Douvilleschen Fassung, die wohl zweckmäßig beibehalten 
wird, steht Bairoisiccras sehr nahe in der äußeren Form und der Skulptur, 
unterscheidet sich aber davon durch die Form der Loben und die ganz- 



1) Bei Grossouvre steht „seile interne", dem ganzen Zusammenhange nach kann 
aber nur. der Außensattel gemeint sein. 

2) Nickles 1. c. S. i6. 

3) Bull. Soc. Geoi. Fr. 3. S.5r. XVni. 1890. S. 283. 

4) Abb. d. k. k. geol. Reichsanst. t. V. p. loi. Taf. XXIII Fig. 2 u. 3. 

5) Schlüter, Cephalopoden d. ob. dtsch. Kreide S. 151. Tal. XL Fig. 13 — 16. 



Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der leteteren, 165 

randigen Sättel. Moiionicenu Meek i) (Gruppe des Am. /cxmim Roemer.) 
ist von unserer Gattung durch weitere Nabelung und ungegabelte 
Rippen getrennt. Die Nabelknoten sind bei dieser Gruppe in derselben 
Zahl vorhanden ■ wie die Randknoten. Am nächsten dürfte noch Gau- 
thienceras Gross. ä) (Gruppe des Am. Margae Schi.) stehen, doch ist diese 
Gattung von Jugend auf evoluter, beiderseits des Kiels ist eine schwache 
Furche angedeutet und die Lobenlinie fällt nach dem Nabel zu stärker ab. 

Die Unterscheidung einzelner Arten innerhalb der so umgrenzten Trermunt; 
Gattung begegnet den gleichen Schwierigkeiten wie bei HoplHoides, da '''''' ^'^'^*"' 
Grossouvre^) eine außerordentliche Veränderlichkeit der äußeren 
Merkmale beobachtete uird innerhalb der einen kxt Batrotsicems Haber- 
fellneri eine ganze Reihe der abweichendsten Spielarten durch Übergänge 
mit einander verbutrden fand, so daß er sich veranlaßt sah, nicht weniger 
als fünf bis dahin iintersdiiedene Arten zusammenzuziehen. So beschreibt 
er neben flachen Formen ziemüch stark aufgeblähte, neben Formen, die 
einen ganz glatten Kiel haben, solche, deren Kiel in der Jugend gekörnt, 
im Alter glatt ist, und solche, deren Außenseite in der Jugerrd mit einem 
gekörnten Kiel verziert, im Alter ausgehöhlt ist. Ebenso verschiedene 
Ausbildungen finden sich in der Skulptur der Flarrken : teils sind sie ganz 
glatt, teils mit Ri]:ipen und Knoten versehen, die wiederum bei verschiedenen 
Spielarten verschieden dicht stehen. Die Veränderliclikeit in der Sutur 
gibt Grossouvre leider nicht an, doch ergibt sich aus dem Vergleich 
der von ihm als synonym erklärten Abbildungen anderer Autoren, daß 
sowohl bezüglich der Auxiliargegend als bezüglich der Teilung des 
ersten Laterals sehr erhebliche Unterschiede vorkommen Es wäre 
sehr zu bedauern, wenn das französische Material eine Präparation der 
Lobeniinien nicht gestatten würde; denn wie bei HoplHoides, so würde 
auch hier die nähere Erforschung der Gesetze einer solchen Veränderlich- 
keit interessante Anhaltspunkte liefern bezüglich des organischeir Wertes 
der veränderlichen Merkmale. 

In einer Beziehung möchte ich übrigens von der Grossouvreschen Umfang der 
Fassung der erwähnten Art abweichen; terffiineri. 

Alle die von Grossouvre angezogenen Autoren bilden rrnler den 
betreffenden Synonymen, bezw. als Am. Haberfellneri selbst, Ammouiten ab 
mit gekörntem Kiel, mit alleiniger Ausnahme Redtenbachers*), der 



1) Meek, Ann. rep. of tbe U. S. Geol, Surv. of tlic Tur. \^-](i. Grossouvre, 
Am. de 1, craie sup. S. 66. 

2) Grossouvre 1. c. S. 87. 

3) Am. de 1. craie sup. S. 51 ff. 

4) 1. c. Tat. XXIII. 



166 Dr- Krierlrich Solger: 

als A. Haberfelhieri u. a. ein Ideines Stück mit glattem Kiel abbildet und 
als Am. Fäon u. a. ein Stück, dessen m-spriinglich gekörnter Kiel auf der 
Wohnkammer glatt wird, was auf Alters Veränderung beruht. Grossouvre 
selbst bildet auch größtenteils Gehäuse mit gekerntem Kiel ab. Nur 
seine Tai. II Fig. 6, 7 und 8 haben einen glatten Kiel. Hiervon muß 
Fig. 7 ausscheiden, da nicht ganz klar ist, ob hier nicht der Kiel doch 
urs]5rünglich Körnelung zeigte und nur im Alter glatt wird. Es handelt 
sich also um Fig. 6: var. Desmoidinsi und Fig. 8: 7)ar. HarUi. Letztere 
zeichnet sich überhaupt durch überaus schwache Verzierung aus. Nimmt 
man, wie das durch die von Grossouvre erwähnten zahlreichen Über- 
gänge hinreichend gerechtfertigt scheint, die Stärke der Skulptur als va- 
riabel an, so ist das Glattwerden des Kiels in diesem Falle wohl als Va- 
rietäts-Charakter denkbar; wie die Höcker auf den Seiten verschwinden, 
ebenso wäre es darm auch auf der Außenseite der Fall. Anders var. Des- 
moulinsi. Bei ihr handelt es sich um die stärkst siculpturierte Form unter 
allen hier in Betracht kommenden Abbildungen. Sie besitzt außerordent- 
lich starke Nabelknoten, sehr deutliche Randknoten und zwischen beiden 
dicke wulstige Rippen. Daß trotzdem der Kiel gla.tt ist, fällt auf. Dazu 
kommt, daß ich in meinem Kameruner Material einerseits eine Form hatte, 
die äußerlich der 7}ar. Desmo/ilinsi glich, andererseits eine, die einen ge- 
körnten Kiel besaß und die ich zu Grossouvres var. Alstadenensis gestellt 
habe. Eine Präparation der Jugendwindungen ergab, daß der Kiel der 
ersteren von Anfang an glatt, der der letzteren von Anfang an gekörnt 
war. Zwischen diesen beiden Formen kann ich mir kaum rechte Über- 
gänge denken. Ich trenne deshalb Barroisiceras Desmoidinsi als besondere 
Art ab. Dagegen lasse ich mit Rücksicht auf Grossouvres Angaben 
var. Harlei bei Barr. Haberfellneri , trotzdem diese Art dadurch etwas schwer 
charakterisierbax wird. 

Eine kurze Diagnose der Kameruner Formen wird die Übersicht er- 
leichtern. 

I. Kiel glatt, Rippen und Knoten stark; 
Barr. Desmoulinsi. 
II. Kiel gekörnt, Rippen und Knoten vorhanden, oder alle diese Merk- 
male bis zum Verschwinden verblaßt. Gehäuse im Alter nur wenig 
evoluter werdend: 

Bair. Haberfellneri. 

1. Körnelung des Kiels deutlich, Rippen, Rand-, Nabel- und 
Mittelknoten vorhanden: var. Alstadenensis. 

2. Kiel, Seitenkanten und Flanken glatt: var. Harlei. 

III. Kiel gekörnt, Rippen und Knoten in der Jugend vorhanden. Im 
Alter wird das Gehäuse bedeutend evoluter, Kiel, Rippen und 



Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geologiscbe Alter der letzteren, 167 

Nabelknoten verschwinden, die Randnoten werden groß und 
stehen weiter : 

Barr. Brnncoi n. sp. 

1. bei mittlerer Größe kommen auf den Umgang etwa 35—40 
Rippen, Randknoten schwach : vnr. mitis: 

2. bei mittlerer Größe kommen auf den UiBgang etwa 25 Rippen, 
Randknoten stark ; z. T. zu Stacheln ausgezogen : var. armala. 

Barroisiceras Desmoulinsi A. de Grossouvre. 

1894. Barroisiceras Habcrfellneri var. Desmoulinsi A. de (irossouvre, Amin, de 

la craie sup. S, 56. Taf. II Fig. 6. 
Zwei Stücke rechne ich hierher, das eine (I) aus der Umgegend von 
Diki, das andere (II) vom Mungo-Ufer unterhalb Balangi stammend. 
Bei ersterem fehlt die Wohnkammer, bei der letzteren ist ein kurzes Stück 
erhalten, der Radius an der letzten Scheidewand beträgt hier 40 mm. 
Maße (in mm) I- H. 

Radius 51 4° 

Dicke ,31 25 

Radius der vorigen Windung. 2-^ 20 

Dicke der vorigen Windung .20 16 

Radius des Nabels .... 10 12 

Breite der Außenseite . . . 1 7 (an der vorher- 1 6 (an der vorhergeh. 
geh. Windung 10) Windung 9). 

Die beiden Stücke sind nicht ganz so aufgebläht wie das von Gross- 
ouvre abgebildete, stimmen aber in der Skulptur gut mit diesem überein. 
Bei mitüerer Gehilusegröße stehen um den mäßig engen Nabel auf jedem 
Umgang 5—8 starke, zitzenförmige Nabelknoten. Von dem kurz ge- 
rundeten Nabelrande fallen die Flanken naliezu eben zur Außenseite ab, 
die in der Mitte einen glatten Kiel trägt und am Rande jederseits eine 
Reihe von peripher gestreckten Knoten, von denen durchschnittlich drei 
auf einen Nabelknoten kommen. 

Von diesen Randknoten laufen flachwellige Rippen ziemlich geradlinig 
auf den zugehörigen Nabelknoten zu, in dessen Nähe sie undeutlich werden. 
Bei dem Stück II, bei dem die Nabelknoten ziemlich dicht stehen, treffen 
sich meist nur zwei Rippen in jedem derselben. Im Alter \'erblaßt die 
Skulptur, vor allem wird die Außenseite bei Stück I schließlich vollkommen 
rund und fast ganz glatt. Bei Stück II bleibt der Kiel bis zuletzt be- 
stehen, aber die Randknoten werden weniger scharf und ebenso die Rippen. 
Dagegen bleiben die Nabelknoten bis zuletzt recht deutlich. Bezüglich 
der Jugendwindungen habe ich nur ermitteln können, daß der Kiel auch 
in früher Jugend glatt ist. 



168 



edrich Solge 



Die Lobenlinie beider Stücke (Fig. 53 u. 54) zeigt gute Über- 
einstimmung. Dafür weiclit sie in Einzelheiten nicht unbedeutend von der 
bei Grossouvre abgebildeten Lobenlinie des B. Haherfellneri ab. Sollte 
sie diese Abweichungen mit der Lobenlinie des von Grossouvre 1) als 
B. Haherfellneri var. Desmoulmsi abgebildeten Exemplars teilen, so würde 
die artliche Trennung von B. Haherfellneri und Desmoidinsi noch mehr 
an Berechtigung gewimien. 




Fig. 53. Barroisii 
linsi. Diki am 

a) Linke Sutur bei 
dung-sradius. 2/1. 

b) Innenloben d. linltcn Gehäuse- 
scite bei gleichem Radius. 2/1 



Barroisiceras cf. Desmoulinsi. 

Zwei Exemplare meines Materials, das eine von der Wohltmann- 
bank oder Diki, das andere vom Mungo-Ufer unterhalb Balangi 
stammend, schließen sich in der Form nahe an die vorigen an, sind aber 
schmaler und zeigen auch sonst gewisse Unterschiede. So ist der erste 
Lateral der Sutur des zweitgenannten Stücks, an dem allein letztere beob- 
achtbar ist, mit sehr viel zahlreicheren Zacken versehen. Doch sind dies 
schwer zu bewertende Unterschiede, und ein größeres Vergleichsmaterial 
würde sie wohl nur als individuell erkennen lassen. 

Ich beschränke mich daher darauf, die Maße beider Stücke zu geben 
und die Lobenlinie des zweiten abzubilden (Fig. 55). 

Maße (in mm). I (etwas verdrückt). II 

Radius 29 27 

Dicke 18 18 

Radius der vorigen Windung .... — 11 



i) Am. de la ( 



) sup. S. 56. 



-k 



'•^ ' i Tf 



Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 'iQQ 

I (etwas verdrückt). IT 

Dicke der vorigen Windung .... — 7 

Radius des Nabels 6 6 

Zahl der Nabelknoten auf V2 Umgang 4 4 

Zahl der Randknoten auf V2 Umgang 12 12 

Breite der Außenseite 10 9 

Durchmesser 51 

Barroisiceras Haberfellneri. F. v. Hauer sp. 

Bezüglich der Charakteristik der Art verweise ich auf Grossouvre') 
und liebe nur nochmals hervor, daß ich hier che glattkieligen, stark 
skulpturierten Formen aus- 
schließe. 

Etwas unklar bleibt ^^^m U Abgrenzung 

das Verhältnis von Barroi- \ ^^^^T*<^^PHBH|^i^^B^I gegen A n 
■wcras/IabefßlhierizlxAwm. \^^ W^^^M^^Wm ^'"^ 

Fkiitiausianus d'Orb., von 
denen der erstere dem 
Untersenon, der letztere 

Fig. 5-1. Linke Sutur von Barr. Desmoulinsi. Unter- 
dem Unterturon angehört, halb Balangi am Mungo. Windungsradius 25 mm. 2/1. 

Schlü ter und Andere be- 
trachteten beide Formen 
als synonym. Durcli die 
große Variabilität der vor- 
liegenden Art wird eine \ 

etwaige Unterscheidung 
noch schwieriger. Trotz- 
dem meint Grossouvre, 

PS o-Pniio-P pinPTi Rlirt auf Fiff- 55. Linlie Sutur von Barr. cf. Desmoulinsi. Unter- 
es genüge, emen .tillcK aul ^alb Balangi am Mungo. Windungsradius 30 mm. 2/1. 

die d'Orbignvsche Figur 

zu werfen, um zu erkennen, daß eine Verweclrselüng ausgfeschlossen sei. 
Nach dieser Figur ä) sieht Amm. Fkuriausianus genau wie die von 
Grossouvre abgebildete var. Desmoulinsi A&& B .: Haberfellneri aus, nur 
daß der Kiel nicht glatt, sondern entsprechend der Zahl der Randknoten 
in einzelne Höcker geteilt ist. Während aber bei allen mit gekörntem 
Kiel versehenen Varietäten von B, Habeifellneri diese Höcker gegenüber 
den Randknoten etwas nach vorn verschoben sind, liegen sie bei A. Fleii- 
riamianns nach d'Orbignys Zeichnung genau in der Verbindungslinie je 
zweier gegenüberliegender Randknoten. Auch ist bei letzterer Form der 

i) Am. de la craie sup. S. 51. Siehe dort auch die Synonymie. 
2) d'Orbigny, Pal. franc,-.. Terrains cretaces. Bd. I. Tai. 107. 




170 I^«-. Friedrich Solger: 

Außenloljus deutlich länger als der erste Lateral, während bei B. Haber- 
fellneri der erste Lateral der längere ist. Trennt man beide Formen auf 
Grund dieser Merkmale von einander, dann sind die hier zu be- 
schreibenden Formen echte Barr. Haberfdlneri. 

var. Alstadenensis (Schlüter) Grossouvre (T;if. V Fig. 6). 

? 1876, Ammonites Alstadenensis, .Schlüter, Cephalopoden der oberen deutschen 
Kreide S. 151. Tal". XL Fig. 4. 
1894. Barroisiceras Haberfellneri var. Alstadenensis, A. de Grossouvre, Amni, 

de la craie sup. S. 55. Taf. II Fig. 4- 
Ein einzelnes Exemplar, von Balangi stammend, liegt mir vor, das 
bis zum hinteren Teil der Wohnkammer erhalten ist und das die folgen- 
den Maße zeigt: 

Radius (Vi Windung hinter der Wohnkammer) 27 mm 

Dicke 14 » 

Radius der vorhergehenden Windung ... 12 » 
Dicke der vorhergehenden Windung ... 7 :> 

Radius des Nabels 4 * 

Breite der Außenseite 10 » 

Breite der vorhergehenden Windung . . . 4,5 -' 
Zahl der Nabelknoten auf 1/2 Umgang. . . 6 — 7 
Zahl der Randknoten auf '/2 Umgang ... 12 
Zahl der Mittelknoten auf V2 Umgang. . . (3 — 7 
Mit Schlüters Abbildung das vorliegende Exemplar zu identifizieren, 
trage ich Bedenken, da das Verhältnis zwischen der Zahl der Nabel- und 
Randknoten bei beiden sehr verschieden ist (vergl. Taf. V Fig. 6). 

Bei Schlüters Ämm. Alstadenensis kommen auf jeden Nabelknoten 
■5 — 4 Randknoten. Nach diesen strahlt von jedem Nabelknoten ein mehr 
oder weniger deutliches Bündel von drei bezw. vier Rippen aus, von denen 
jedesmal die vorderste nahe dem Nabel noch einen Mittelknoten trägt. 

Recht befriedigend ist dagegen die Übereinstimmung mit Gross- 
ouvres Figur. Am Beginn des letzten Umganges ist die Skulptur ziemlich 
regelmäßig zusammengesetzt in der Weise, daß auf je einen Nabelknoten 
ein dem Nabel etwas genäherter Mittelknoten und zwei Randknoten 
kommen. Nabel- und Mittelknoten sind durch flachwellige Rippen mit 
einander verbunden. Von den Randknoten aus laufen gleichfalls Rippen 
auf die Flanken hinab, von denen sich entweder zwei in einem Mittel- 
knoten treffen oder von denen nur jede zweite auf einen Mittelknoten zu- 
läuft, während die anderen schon vorher verblassen. Gegen das Ende des 
Umgangs ändert sich diese Skulptur mehr und mehr nach der Richtung, 
daß schließlich jede Rippe, die von einem Randknoten ausgeht, bis zum 
Nabel durchgeführt ist, wobei sie innerhalb wie außerhalb der Mittel- 



Die Ammonitenfauiia der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. \1\ 

knotenreihe je einen schwaclt nach rückwärts gewölbten Bogen bildet. 
Die Mittelknoten selbst werden dabei zunächst peripher etwas in die Länge 
gezogen, so daß sie von einer Rippe bis zur nächsten reichen, werden 
dabei aber undeutlicher und scheinen schließlich ganz zu verschwinden. 

Bei Grossouvre macht es dagegen den Eindruck, als sei gegen Ende 
jede Rippe nicht nur bis zum Nabel geführt, sondern bilde auch einen 
gesonderten Nabelknoten. Letzteres ist bei meinem Exemplar nicht mit 
Sicherheit festzustellen. Ferner erscheinen bei Grossouvre die Rippen 
geradliniger, doch dürfte sich das gegen das Ende des LTrngangs, das leider 
in der Grossouvreschen Abbildung schlecht erhalten ist, geändert haben. 

Die Identifizierung mit dieser Figur scheint mir deshalb durchaus 
unbedenklich. 




Fig. 56 h) 
Fig. 56—57 Ba 



Fig. 57 c) 

Fig. 56. Querschinitt. a) der inner! 

Windungen. 10/1. b) der äufsert 

Windungen. 2/1. 

Fig. 57. T^obenlinie (dicl<e Gehäus 
.Seite). a) Windungsradius 0,9 mt 
Etwa 15/1, b) Windungsradius 3ini 
Etwa 10/1. c) Windungsradius 20 mi 
Etwa 2/1. 



as Haherfellneri var. Alstadenei 



Balangi am iVIungo. 



Die äußere Gestalt der Kameruner Form zeigt folgende Entwicklung; 

In der ersten Jugend ist die Schale glatt, die Umgänge sind anfangs 
niedrig, breit, außen gerundet (Fig. 56). Allmählich werden sie höher. Die 
erste Spur eines Kieles sah ich bei einem Radius von nahezu 3 mm. In seinem 
allerersten Anfang läßt sich eine Körnelung am Kiel nicht erkennen. Bei 
3 mm Radius ist sie jedoch schon vorhanden, gleichzeitig tritt an dem 
immer noch gerundeten Rande der Außenseite eine schwache Rippung 
auf, die nach den Flanken zu schnell verblaßt. 

Auf dieses Stadium folgt eine Lücke in der Beobachtung. Erst bei 
5 mm setzte letztere wieder ein. Hier ist bereits die endgültige Skulptur 
vorhanden. Nur heben sich die Rippen auf den Flanken nicht so stark 
ab, wie beim erwachsenen Gehäuse, und von den Randknoten gehen flach 
gewellte Rippen zu den Siphonalhöckern, während beim erwachsenen Ge- 
häuse dieser Teil der Außenseite nahezu ganz glatt wird. 



172 Dr. Friedrich Solger: 

Auf dem letzten Umgang!; wird die Nabelung, die bis dahin ziemlich 
eng gewesen ist, etwas weiter, eine Erscheinung, die auch an den übrigen 
Varietäten von B. HaherfcUneri in Grossouvres Abbildungen sichtbar 
ist, aber nicht entfernt so auffällig hervortritt wie bei Barr. Brancoi n. sp. 
Von letzterer Art unterscheidet sich die vorliegende femer durch die Form 
der Siphonalhöcker, worauf bei der Beschreibung von Barr. Brancoi 
weiter unten näher einzugehen sein wird ^). 

Die Lobenlinie ist in den Hauptstadien ihi'er Entwicklung durch 
Fig. 57 dargestellt. Die Embryonalkammer konnte zwar freigelegt werden, 
ging aber beim Präparieren verloren. Sie unterschied sich nicht merklich 
von der der folgenden Varietät. 

var. Harl6i, Grossouvre. 

1894, Barroisiccra.s Haberfellneri var. Harlei. A. de Grossouvr«;, Amm. de la 
craie sup. .S. 56. Taf. II Fig. 7 u. 8. 

Hierher rechne ich ein Stück, das unterhalb Balangi gesammelt 
ist. Es ist mit der Schale erhalten und bis ans Ende gekammert. 

Radius 28 mm 

Dicke 13 » 

Radius der vorigen Windung . . . . I2 » 
Dicke der vorigen Windung .... ,5,,5 » 

Radius des Nabels 2 » 

Breite der Außenseite 4 » 

Grossouvre bildet als Barr. Habeife.Uneri var. Marlii eine Form ab, 
die sehr flach ist, einen glatten Kiel und glatte Flanken hat und nui' 
auf der Kante, die die Außenseite jederseits begleitet, eine schwache 
Körnelung zeigt. 

Das mir vorliegende Stück stimmt gut damit überein, nur fehlt auch 
jene Körnelung, so daß keine Querskulptur irgend welcher Art vorhanden 
ist. Dieser Unterschied dürfte indessen zu einer Trennung nicht genügen, 
zumal der Wortlaut der Grossouvreschen Definition, der nur von flachen 
und fast glatten Formen spricht, auf das Kameruner Stück durchaus paßt. 
Flanken und Außenkanten sind auch in der Jugend glatt, ebenso 
der Kiel. Das Gehäuse verändert sich also nur im Querschnitt. Der 
letztere ist für die inneren Windungen in Fig. 58 dargestellt. Die ersten 
beiden Umgänge besitzen eine halbkreisförmige Außenseite und einen 
engen Nabel. Die nächste Windung ist bedeutend höher und sehr weit- 
genabelt, sie zeigt bereits den Kiel, aber die Seitenkanten treten noch 
nicht deutlich hervor. Die darauf folgende Windung zeigt dann die end- 

l) Siehe S. 177. 



Die Animüiiiteiifaii 



MiiiigolialliK und das geologische Altei 



175 



gültige enge Nabelung, auf ihr erscheinen auch die Seitenkanten der 
Außenseite, die übrigens niemals sehr stark hervortreten, wie der schließliche 
Querschiiitt (Fig. 59) beweist. 

Die erste Scheidewand (Fig. 60) ist mäßig angustisellat. In der 
weiteren Entwickeluug (Fig. öl) unterscheidet sich die Lobenlinie von 
der der vorhergehenden Varietät vor allem dadurch, daß sie gegen den 
Nabel herabhängt, während dort alle Sättel gleich hoch waren. 

Die Anfangskammer (Fig. öo) unterscheidet sich von den meisten 
der angustisellaten Anfangskammern, die Branco^) seinerzeit untersuchte 
und abbildete, dadurch, daß die erste Scheidewand auf der Außenseite 
weit vorgezogen ist, ohne daß darum doch der Außensattel besonders 




^"^ 



Pig- 59. Äulsere Win- 

düng. 2/1. Fig. 61 a) Fig. 61 b) 

Fig. 58— 59. Querschnitt von Barr. Haberfellneri var.Hariei. Unterhalb Balangi am Mungo. 
Fig. 61. Lobenlinie von Barr. Haberf. var.Harl^i. a) Rechte Sutur bei »/s mm Windungs- 
radius. .<!0/l. (Der Aulsensattel ist etwas zu klein gezeichnet.) b) Unke Sutur bei 22 mm 
Windungsradius. 2/1. 

lang wäre. Am nächsten steht ihr hierin Peltoceras Arducnnetise d'Orb. 
sp. aus dem Malm von Besan9on, das Branco auf Taf. XIII Fig. 4 
abbildet. 

Barroisiceras cf. Haberfellneri. 

Ein seitlich stark zusammengedrücktes Exemplar steht der var. Alsta- 
deneiisis ziemlich nahe. Es stammt von der Wohltmannbank, bezw. 
D i k i. Die Erhaltung ist zu ungünstig, um eine eingehendere Beschreibung 
zu ermöglichen. 

Der Radius am Ende beträgt 50 mm, der Durchmesser qo mm, die 
Weite des Nabels 16 mm. Etwa die letzte Fünftelwindung gehört der 



) Branco, Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der fossilen Cephalopoden. Pa- 
Bd, XXVI. 



174 Üv. Fricciricln Solgcr: 

Wohnkammer an. Der Kiel ist gekörnt, die Höcker mid Vertiefungen 
sind etwas zahlreiciier als bei var. Alstadenensis, haben aber die gleiche 
Form wie dort. Auf den letzten halben Umgang hinter der Wohnkammer 
kommen 17 Randknoten. Auf der Mitte der Flanken sind schwache 
Knoten angedeutet, ebenso an der Nabelkante, doch ist diese Skulptur 
ungtlnstig erhalten und verschwindet auf der Wohnkammer. 

Die Lobenlinie zeigt Fig. 62. Wegen der Verdrückung des Gehäuses 
konnte das Stück der Sutur zwischen den Randknoten und den Siphonal- 
höckern nicht beobachtet werden. 

Barroisiceras Brancoi n. sp. (Taf. V Fig. i, 2, 4, 5). 
Wegen der durchaus abweichenden Gestalt im Alter und wegen einer 
zwar nicht auffälligen, aber konstanten Abweichung in der Form der 
Siphonalhöcker, in die der Kiel aufgelöst ist, sondere ich die folgenden 

Formen von Barr. Ila- 
herfdbicri ab als be- 
sondere Art, die ich Barr. 
Brancoi nenne. 
, ^^^^ Nach der Skulptur 

> " ^^^^^. lassen sich zwei Grup- 

pen unterscheiden: 
var. initis mit zahl- 
reichen, aber sehr 
schwachen Rand- 
knoten, und 

var. armala mit weniger aber bedeutend stärker hervortretenden 
Knoten am Außenseitenrande. 

var. mitis. 

Ich rechne dieser Varietät drei Stücke des Kameruner Materials zu. 
Das erste (I) stammt von der Wohltmannbank, bei den beiden an- 
dern (II, III) kann ich die Herkunft nicht genau angeben. 

Das zweite, größte Stück zeigt auf dem letzten halben Umgang, der 
der Wohnkaramer angehört und leider sehr schlecht erhalten ist, die für 
diese Art besonders charakteristische Altersskulptur; dafür fehlen die stär- 
ker skulpturierten Jugend Windungen, die sich wieder nach dem ersten Stück 
ergänzen lassen. 

Das dritte Stück endlich, vermutlich am Mungo-Ufer unterhalb 
Balangi aufgesammelt, zeigt etwa •''A Windung von einem mittleren, 
regelmäßig skulpturierten Umgang und ein Stück des nächstfolgenden, an 
dem die erste Überleitung zur schließlichen Altersskulptur erscheint. 



)honalhöcker, in die der Kiel aufgelöst ist, so 



ßie AiniiiDtiltPiiraiiiiK der MiingoUalke und tlas geologische Alter der leUleren. 175 

Maße (in mm): I. Ifi). III. 

Radius 52 25 q go 30 

Dicke 20 13 ö 50 17 

Radius der vorigen Windung .25 10 4,5 46 10 

Dicke der vorigen Windung . 13 6,5 4 28 7 

Radius des Nabels .... 13 4 i 20 3 

Breite der Außenseite ... — 9 5 50 10 

Die Skulptur der Jugendwindungen (Taf.V Fig. 5) ist sehr ähnlich 
derjenigen von A. HaherfeUneri var. Ahtadcnmsis (Schi.) Grossouvre. Nabel- 
knoten sind allerdings an dem Bruchstück, dessen Freilegung gelang und 
das 6 — 9 mm Radius besitzt, nicht wahrnehmbar infolge von Verletzungen 
der Nabelgegend. Indessen laufen von den wenig hervortretenden Mittel- 
knoten die Rippen in mäßiger Stärke bis an den Nabelrand. Die Zahl 
der Randknoten ist etwa doppelt so groß wie die der Mittelknoten, mit 
denen sie durch flachwellige Rippen verbunden sind. Von den Rand- 
knoten gehen andrerseits auf der Außenseite schwache Rippen schräg vor- 
wärts bis zu der siphonalen Knoteureihe, die aus scharf hervortretenden 
Höckern besteht. Die beiden Flächen der Außenseite beiderseits dieser 
Knotenreihe bilden mit einander einen Winkel von etwa 135", mit den 
Flanken einen solchen von etwa 120«. Das Gehäuse ist an der Nabel- 
kante etwa eben so dick wie die Außenseite, die dickste Stelle liegt in der 
Höhe der Mittelknoten. 

Bei etwa 20 mm Radius erblassen die Rippen und Knoten auf den 
Flanken, die Außenkanten verlieren ihre Schärfe, die Randknoten eben- 
falls. Die letzteren nehmen mehr die Gestalt von kurzen, außen etwas 
nach vorn gebogenen Rippen an; die siphonale Knotenreihe bleibt am 
längsten erhalten. In diesem Stadium kommen auf den halben Umgang 
etwa 20 Siphonalknoten und ebensoviel Randknoten jederseits (Taf. V Fig. 4). 
Von ungefähr 40 mm Radius nimmt die Involution bedeutend ab. 
Die Skulptur verschwindet fast ganz. Eine eigentümliche Altersverändenmg 
zeigt das dritte Exemplar, dessen Erhaltungszustand leider zu schlecht war, 
um eine Abbildung zu ermöglichen. Hier ist schließlich bei etwa 80 mm 
Windungsradius der Querschnitt nur wenig höher als er breit ist, und der 
Einschnitt der vorigen Windung macht nur etwa ^/a seiner Höhe aus. Der 
Kiel fehlt vollständig, die Außenseite ist breit gerundet, die Flanken sind 
flach. Als einzige Skulptur trägt das Gehäuse in diesem Stadium an der 
Stelle, wo die ebenen Flanken zur Außenseite tunbiegen, starke Knoten, 
die einerseits nach den Flanken zu radial ausgezogen sind und andrer- 
seits nach der Außenseite zu schräg nach vorwärts biegen uird von denen 

1) Wegen .ler VcrdrücUung dieses Exemplars sind die Maße nur schätsungsweise 
aogebbar. 



176 



Dr. l^rlcarich Solgcr; 



drei auf der Viertelwindung stehen. Diese Sl<ulptur erinnert etwas an die 
der folgenden Varietät. 

Die Lobenlinien aller drei Stücke sind in Fig. 63 — 65 neben ein- 





Fig. 63—65. Barr. Brancoi var. mitis n. var. Linke .Suturen. 2/1. 

ander gestellt. Sie unterscheiden sich ein wenig in der Auxiliargegend 
und in der Länge und Gestalt der Verästelungen am ersten Lateral, doch < 
lassen sich diese Verschiedenheiten noch durchaus als individuelle Varia- 
tionen deuten. 



Die Aramonitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 177 

Über die eigentümliche Form der siphonalen Höcker wird weiter unten 
noch zu sprechen sein. 

var. armata. 

Ein großes Stück, von Etea oder Balangi stammend, dessen größter, 
Wohl schon der Wohnkammer angehöriger, Radius 140 mm mißt, schließt 
sich eng an die vorhergehende Varietät an, unterscheidet sich aber durch 
geringere Zahl der Knoten und Rippen und deren stärkeres Hervortreten 
bei gleichem Gehäuseradius. Recht gut ließen sich aus diesem Stück die 
interessanten Abweichungen des alternden Gehäuses von den mittleren 
Windungen feststellen (vergl. Taf. V Fig. i u. 2). Schon die folgenden 
Maße zeigen diese Unterschiede: 

Radius 130 mm 50 mm 

Dicke 75 » etwa 25 mm 

Radius der vorigen Windung . . 55 » 23? mm 

Dicke der vorigen Windung . . 28 » etwa 10 mm 

Radius des Nabels 35 » 7 mm 

Breite der Außenseite .... etwa 85 mm 18 ■■> 

(an einem Knotenpaar). 

Bei etwa 40 mm Radius haben auf dem halben Umgang 12— 13 Si- 
phonalhöcker und ebensoviel Randknoten und Außenrippen jederseits ge- 
standen. Die Skulptur des inneren Teils der Flanken und des Nabels ist 
leider schlecht erhalten, offenbar sind aber auch hier halb so viel Mittel- 
knoten als Randknoten vorhanden gewesen (siehe Taf. V Fig. 2). 

Bei etwa 80 mm Radius ist jedoch der Kiel bereits verschwunden, 
der Nabel ist schon viel weiter als etwa V2 Umgang vorher. Die Außen- 
seite bekommt eine breit gerundete Gestalt, die Flanken werden glatt und 
als einzige Skulptur treten auf ihrer äußeren Hälfte radiale Rippen auf, 
drei bis vier auf '/a Umgang, die am Rande der Außenseite einen starken 
Knoten bilden und sich außen schräg nach vorwärts wenden (siehe Taf. V 
Fig. I). 

Die Lobenlinie zeigt dieselbe allgemeine Gliederung, wie bei allen 
Barroisiceras- Arten (vergl. Fig. 66), nur macht die Verzweigung der Loben 
hier einen wesentlich unregelmäßigeren Eindruck als bei den verwandten 
Formen, besonders auf der letzten Windung. 

Gestalt der sijihonalen Höcker bei Barroisiceras Brancoi 
und Barroisiceras Haherfellneri. 

Einen eigentümlichen Unterschied zeigen die Siphonalhöcker von B. 
tiaherfellneri und B. Brancoi in ihrer Gestalt. Am besten wird dies durch 
eine vergrößerte Abbildung beider (Fig. 67 u, 68) veranschaulicht werden. 

Beiträge zur Geologie von Ivamerun. 12 



178 



ch Solse 



Der Unterschied liegt in der vorderen und hinteren Endigung dieser 
Höcker. Während bei B. Haberfellmri var. Alstadene?isis der Kamm des 
Höckers an seinem vorderen und hinteren Abfall gerundet ist, laufen bei 
B. Bmncoi an den betreffenden Stellen zwei Grate aus, die sich mit den 
entsprechenden Graten des nächsten Höckers vereinigen und ein linsen- 
oder rhombenförmiges Feld zwischen sich abschließen. Diese Er- 

Fig. 66. Barr. Brancoi var. armata n. var. Rechte Sutur bei 40 mm 



Windungsradius, 2/1. 





Fig. 67. Aufsenseile von Barr. 

Haberfellncrl var. .\Istadenensis. 

Balangi. 



Fig. 68. Aul's.enseitc i 



scheinung habe ich indessen nur am Steinkern beobachtet, an der äußeren 
Schalenfläche scheint sie zu fehlen. 

Beziehungen von Barroisiceras Brancoi zu anderen Formen. 

Durch die oben geschilderte Form der Siphonalhöcker wie durch die 
ganze Gestalt und Skulptur steht den mittleren Windungen der vorliegen- 
den Art eine Form nahe, die Gerhardt i) aus der Kreide Columbiens 



I) Neues Jahrb. f. Min. etc. 



Bd. XI. 1898. S. T72. Tat. IV Fig. 4. 



Üie Animonitenfauna der' Mungokalke und das geologische Alter der letzteren, 179 

beschrieben hat als Schloenbachia rhombifera Gerh. ; doch ist diese Art nur 
auf ein Stüclc einer Woiinkammer und die auf dessen innerer Seite ab- 
gedrückte Skulptur der vorigen Windung gegründet, ohne Kenntnis der 
Lobenlinie. Da 'auch die eigentümlichen Altersstadien der Kameruner 
Art an dem Gerhardt sehen Stück nicht beobachtet sind, so wäre eine 
Identifizierung beider jedenfalls nicht ratsam. Über das Alter dieser 
Schloenbachia rhombifera herrscht eine gewisse Unsicherheit. Gerhardt 
reiht sie ins Aptien ein, weil sie aus einer (Jcgend stammt, aus der bis- 
her nur Aptienfossilien bekannt waren, doch hebt er ausdrücklich hervor, 
daß das anhaftende Gestein nicht das typische Pulchelliengestein der 
Villeta-Schichten sei und in dem Stücke unbestimmbare Baculitenbruch- 
stücke steckten. Ebenso erwähnt er die nahen Beziehungen zu Barr. Haber- 
fdlneri und führt als einziges Unterscheidungsmerkmal die rliombentörmigen 
Sättel zwischen den Siphonalhöckern an. Die paläontologischen Gründe, 
die für ein untersenones Alter sprechen, dürften jedenfalls mindestens so 
gewichtig sein, wie die formellen, die sich für die Zugehörigkeit zum Aptien 
anführen lassen. 

Barroisiceras cf. Brancoi (Taf. V Fig. 3). 

Zwei weitere Stücke gehören vielleicht noch zu Barroisiceras Brancoi, 
das eine (I) von Balangi, das andere (II) vom Mungo-Ufer unterhalb Ba- 
langi stammend. Ich gebe hier ihre Lobenlinie wieder (Fig. 69 u. 70) und 
führe einige Maße auf. Eine genauere Beschreibung läßt sich nicht 
geben, da es sich bei beiden um Teile einer Windung handelt in dem 
Stadium, wo die Flankenskulptur bereits verschwunden ist und der Kiel 
sich eben verliert. Die erhaltenen Teile lassen sich von entsprechenden 
Gehäuseteilen des Barr. Brancoi nicht unterscheiden, und nur der Mangel 
charakteristischer Merkmale gerade in diesem Alter hindert mich, sie ohne 
Vorbehalt zu identifizieren. 

Maße in mm. I. II. 

Radius 90 86 

Dicke 42 45 

Radius der vorigen Windung ■ • ■ 35 42 

Dicke der vorigen Windung .... 23 etwa 26 

Radius des Nabels 14 15 

Peroniceras Grossouvre. 

Grossouvrei) trennt unter diesem Namen die Gruppe des Amm. 
^ublricarinatus von Scliloenbachia ab, und in der Tat bildet die Verwandt- 
schaft dieser Art eine Sippe, deren Zusammenfassung unter einem ge- 

l) Am. de la craie sup. S. 93. 



180 



Dr. Friedrich Solg 



meinsamen Namen zweckmäßig erscheint. Grossouvre definiert etwa 
folgendermaßen : 

»Verwandt mit Morioniceras und Gautlmrkeras, aber mit drei Kielen 
auf der Aussenseite, Lobenlinie zerschlitzter und »schlanker«, ähnlich 
Sioliczkaia, gegen die Naht stark abfallend (Typus: F. Mmireti A. de 
Grossouvre) « . 

Außerdem zeichnen sich die bisher bekannten Formen dieser Gruppe 
durch sehr weite Nabelung und langsames Anwachsen der Röhre aus, 

Fig. 69. Barroisiceras ct. Brancoi, unterhalb Balangi am Mungo. 



Linke Sutur. Nat. Gr. 



Fig. 70. Barr. cf. Brancoi, Balangi am Mungo. Hechte Sutur. Nat. Gr 

besitzen gerade oder einfach nach vorn gebogene Rippen, die entweder 
einzeln stehen oder zu je zwei aus einem mehr oder weniger erkennbaren 
Nabelknoten entspringen. Am äußeren Rande der Flanken bildet jede 
Rippe einen Außenknoten. 

Die drei Kiele sind nicht immer deutlich. Der von Schlüter ab- 
gebildete Amin. siiUricarinalus ^) besitzt z. B. eigentlich nur einen Kiel und 
daneben zwei Kanten, ähnlich wie Grossouvres Gattung Gauthieiiceras. 
Das gleiche gilt für die Jugendwindungen von P. Dravidicum Kossm. 2), 



1) Cephalopoden der oberen deutschen Kreide. Taf. 13 Fig. I — 6. 

2) Südindische Kreideformation S. 94. 



Die Ammonitenfauna der MungokalUe und das geologische Alter der letileren. \gl 

und Kossmat weist mit Recht darauf hin, daß eine Abgrenzung dieser 
Formengrupi)e gegen Gaulhiericeras kaum möglich sein werde i). Es 
mag deshalb zweifelhaft sein, ob Pcronkems als selbständige Gattung zu 
betrachten ist. Doch scheint mir andrerseits der Name Schloenbachia, 
auf diese Formen ausgedehnt, eine zu unbestimmte Bedeutung zu be- 
kommen. Zweckmäßiger würde eine Zusammenfassung der Grossouvre- 
schen Gattungen: Gaulhierkeras, Peronicems, Morionkeras unter einem 
Namen sein. Unter diesen hätte der von Meek^) gegebene Name 
Mortonkeras die Priorität, doch ist die Meeksche Definition bezüglich 
der Lobenlinie zu eng gefaßt, als daß sie auf alle drei Gruppen sich 
anwenden ließe, man würde also einen neuen Namen wählen müssen. 
Um die Nomenklatur nicht unnötig zu vermehren, habe ich den Namen 
Peronkeras vorgezogen. 

Peroniceras Dravidicum Kossmat. 

1865. Amin, subtricarinatus Stoliczka: Cret. S. Ind. Bd. I. S. 54. Taf. XXXIFig.3. 

1895. Schloenbachia Dravidica Kossmat, Südindische Kreideformation S. 94. 
Taf. IX Fig. 3. 

Das einzige mir vorliegende Stück stammt aus der Gegend von 
Diki. Durch seitlichen Druck sind die Windungen vielfach zerbrochen, 
so daß der Querschnitt und die Suturen nirgends ganz unversehrt erhalten 
Werden konnten. Ich verzichte deshalb auf die Angabe von Maßen 
und verweise nur auf die Abbildungen Fig. 71 und die Fig. 72, welche 
den Querschnitt an einer besser erhaltenen Stelle teilweise wiedergibt. 

Die erkennbaren Merkmale genügten indessen, um die Übereinstimmung 
mit der Kossmatschen Art darzutun. Zumal die Unterschiede, die er 
gegenüber Peronkeras subtrkarinatum, tridorsaium, Cwrnigi, Moureti her- 
vorhebt, sind auch an dem Kameruner Exemplar festzustellen: 

Der Nabel ist selir weit, die Rippen sind gerade, die Außenknoten 
peripher verlängert, auch die Anzahl der Nabelknoten entspricht der 
Kossmatschen Abbildung. Der Querschnitt der Aussenseite (Fig. 72) ist 
vielleicht insofern von der Kossmatschen Form etwas verschieden, als 
die Kielregion des Kameruner Stücks etwas schmaler ist und die Seiten- 
kiele bei gleichem Gehäuseradius weniger ausgebildet sind als dort. 

Die Einzelheiten der Lobenlinie konnten nicht ermittelt werden. 
Die Anordnung der Loben und Sättel entspricht aber wiederum ganz der 
indischen Form. Ich trage deshalb kein Bedenken, die Identifizierung mit 
Peronkeras Dravidkum vorzunehmen. 



1) Südindische Kreideformation S. 88. 

2) Invertebr.ate Crcl. and Tert. Fossils. U. S. Geol. Surv. of the Territories 187b. 
Bd. XI S. 448. 



Dr. Friedrich Solg 




Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. JgS 



P. Dravidicum liegt in Südindien in der oberen Trichinopoly-Gruppe, 
zusammen mit Placenticeras TamuUcum, einem nahen Verwandten des 
Placeniiceras syrtale aus dem deutschen Emscher. Ebenso bezeichnet 
das sehr nahe verwandte P. snblrkannatum die Emscher-Stufe. 




Fig7.' Qu, 

vorletzten Windung 
v.Pcromceias Dravidi- 
cum Kosbm Mungo. 2/1. 



Phylloceras sp.9 (Taf. III Fig. 6). 

Windungsradius ig mm 

Dicke der Windung ii » 

Radius der vorigen Windung .... 7 » 

Dicke der vorigen Windung .... 5 » (etwa) 

Nabelradius i Vs > 

Placenticeras sp.? (Fig. 73). 

Windungsradius 45 mm 

Dicke der Windung etwa 22 » 

Nabelradius q mm 

Breite der Außenseite . .14 » .^'^ 

Zwei Formen möchte ich zum 
Schluß noch erwähnen. Ein von 
Balangi stammendes Exemplar 
hat die äußere Form eines Pliy l- 
loceras, ein anderes, von Diki, 
bezw. der Wohltmannbank, 
gleicht äußerlich durchaus einem 
Placenticeras. Eine nähere Be- 
schreibung erübrigt sich, da die 
Originale selbst nicht mehr er- 
kennen lassen, als die Ab- 
bildungen, die durch obige Maße 
ergänzt werden , und da eine 
spezifische Bestimmung nicht 
möglich wäre. 

Nur möchte ich noch be- 
merken, daß die Lobenlinie des 
erstgenannten Stücks, die aber 
nicht deutlich erkennbar ist, in der Anordnung der Loben mit PhylL For- 
besianum d'Orb. sp. ') aus der indischen Utaturgruppe etwa übereinstimmt. 

An dem Placeniiceras? sind Suturen überhaupt nicht erhalten. 




Fig. 7A. 



I) Südindische Kreideformation Taf. I Fig. I. 



Übersicht über die Ammonitenfauna der Mungokalke. 



Die Durcharbeitung des von Herrn Dr. Esch gesammelten Ammoniten- 
materials hat aus den Kalksteinbänken am Mungo folgende Formen kennen 
gelehrt : 



Stückzahl der einzelnen Arten 

von den 

verschiedenen Fundpunkten 



ö^ 



. sp. 



Baculites cf. gracüis (Shum.) .Slanton. . 
Puzosia Denisoniana Stol. sp. ... 
Neüptychites telingaeformis n. sp. . . 

„ „ var. elegais 

„ „ var. palmata 

„ „ var. discrepai 

n crassus n. sp. . . . 

„ „ var. asymmetrica 
Acanthoceras Eschi n. sp 

„ (Pedioceras ?) Jaekeli 

Hoplitoides Wohltmanni v. K. . 

„ ingens (v. K.) Solger. 

„ , nodifer . . . 

y, „ costatus . . 

„ „ laevis . . . 

„ Koeneni n. sp. . . 

„ gibbosulus V. K.. sp. 

, „ bipartitus Solger. 

Tissotia latelobata n, sp. . . . 
71 polygona n. sp. . . . 

zu übertragen 



'') 



ll) 



l) Nur Bruchstücke, indes 



tnlich sicher bcstiii 



Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 185 



Stückzahl der einzelnen Arten 

von den 

verschiedenen Fundpunkten 


3 


E . 
3 

^1 


W 


« 




ll 


£ 
E 


Übertrag 

Pseudotissotia Philippii n. sp 

Barroisiceras Desmoulinsi Gross 

, cf, Desmoulinsi 

„ Haberfellneri F. v. Hauer sp. . 

^ ^ var. Alstadenensis 

(Schi.) Gross. . . 

„ , var. Harlei Gross. . 
cf. Haberfellneri 

„ Brancoi n. sp 

„ „ var. mitis 

^ ^ var. armata 

„ cf. Brancoi 

Peroniceras Dravidicum Kossmat .... 
Phylloceras sp.? 




7 


I 
1») 


7 
I 


6 

I 

I ? 

I 


II 

I 


41 

2 

2 








2 


3 


2 


10 


12 


12 


59 



Dazu kommen noch Bruchstücke von vier Neopiychilen und etwa 
jO Hoplitoiden, von verschiedenen Fundpunkten stammend. 

Ich füge ferner eine Übersicht über das Material hinzu, das v. Koenen 
von der Elephanten- und Woliltmannbank vorlag: 

Exemplare 

Puzosia Denisoniana Stol. sp. s) . . 

Neoptychites perovalis v. K. sp.8) . 

» telingaeformis Solger*) 

Acanthoceras sp.^) 

Hoplitoides Wohltmanni v. K. *^) . . 



1) Möglicherweise auch von Balangi stammend. 

2) = Desmoceras Karaerunense v. K., Nachtrag S. 55. Xaf. VII Fig. i — 3. 

3) = Pulchellia perovalis v. K., Kreide v. Mungo. S. 10. Xaf. I Fig. 3. 
Taf. II Fig. 6. 

4) = Pulchellia (?) perovalis v. K., Nachtrag S. 62. Taf. VI Fig. 4. Vergl. 
oben S. 122. 

5) = V. Koenen, Kreide v. Mungo S. 14. 

6) = Neoptychites (?) Wohltmanni v. K. Kreide v. Mungo. S. 13. Taf. I 
Fig. 2. Taf. 11 Fig. 3, 9 + Neoptychites (?) lentiformis v. K. 1. c. S. II. Taf. II 



i-ig. 



4. 7- 



186 Dr. Friedrich Solger: 

Exemplare 

7 

Hoplitoides ingens (v. K.) Solger *).... 4 

» latesellatus v. K.^) 3 

SP-^) I 

s> gibbosulus "*) V. K. sp 2 

17 
Hiernach sind bisher aus den Kalken am Mungo im ganzen die mehr 
oder weniger vollständigen Reste von iio Ammonitenindividuen bekannt 
geworden, die sich auf 11 Gattungen verteilen, wenn ich die zwar un- 
sicheren, aber wahrscheinlich richtigen Bestimmungen der oben angeführten 
Phylloceras sp. und Placenliceras sp. mitrechne. 

In der folgenden Zusammenstellung sind diese Gattungen nach ihrer 
Individuenzahl geordnet, wobei auch die oben genannten Bruchstücke und 
die V. Koenenschen Exemplare mit inbegriffen sind. 

, Prozent der 

Exemplare Gesamtsumme 

Hoplitoides 64 58,2 

Neoptychites 18 16,4 

Barroisiceras 13 ii,7 

Acanthoceras ...... 4 ^fi 

Puzosia 3 2,8 

Tissotia 3 2,8 

Pseudotissotia i 

Peroniceras i 

Baculites i j 4-5 

Phylloceras? i 

Placenticeras ? i 

IIO ICOjO 

Die prozentuale Berechnung ist natürlich um so unzuverlässiger, je 
weniger Individuen der betreffenden Gattung vorhanden waren ; denn desto 
mehr Zufälligkeiten kommen verhältnismäßig in Betracht. Ebenso ist das 
relativ häufige Vorkommen von Acanthoceras etwas anders anzusehen, als 
das der übrigen Gattungen, da es sich mindestens um zwei, vielleicht gar 



i) = Neoptychites (bezw. Hoplitoides) ingens v. K. Kreide v. Mungo S. 12. 
Taf. I Fig. 4. Taf. II Fig. 5, 8 + Hoplitoides Wilsingi v. K. Nachtrag S. 59. 
Taf. V Fig. 2. Taf. VI Fig. 6, 7. 

2) = Hoplitoides latesellatus v. K. Nachtrag S. 56. Taf. VI Fig. 1—3. 

3) Nachtrag S. 61. Taf. V Fig. i. 

4) Pulchellia gibbosula v. K, Kreide v. Mungo S. 9. Taf. 1 Fig. 5. 



Die AmmonitenfauTia der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 187 

um drei ziemlich weit von einander abweichende Arten handelt. In Wirk- 
lichkeit gehören jedenfalls Tissotia und Pseudolissotia enger zusammen als 
diese Acanlhoceras-hxie,i\. 

Dagegen wird es den Zahlenverhältnissen innerhalb der einstigen 
Mimgofauna gut entsprechen, wenn allein die Gattungen Hoplitoides 
und Neoptychites zusammen '/j der gesamten Animoniten aus- 
machen. 

Das Alter der Mungo Kalke. 

Die Aramoniten, die v. Koenen aus den hier in Frage kommenden Vermutuu^en 
Schichten vorlagen, boten nicht die Möglichkeit, sichere Schlüsse auE deren ^' °'^"'-"*' 
geologisches Alter zu ziehen. Teils waren es vollkommen neue Fonnen, 
wie z. B. die ganze Gattung Hoplitoides, teils, wie bei Puzosia Denisotiiana 
Stol. sp., war nur ein Exemplar vorhanden, dessen individuelle Ab- 
weichungen von dem Stoliczkaschen Original erst durch den Vergleich 
mit weiteren Kameruner Exemplaren derselben Art als solche erkannt 
werden konnten und bis dahin gegen eine Identifizierung Bedenken er- 
regen mußten. 

So stih v. Koenen sich genötigt, aus dem Vergleich mit entfernter 
verwandten Formen Wahrscheinlichkeitsschlüsse auf das Alter der im Mungo- 
kalk gefundenen Ammoniten zu gründen. Er kam dabei zu dem Urteil, 
daß sie »wohl nicht jünger, sondern eher älter seien als das Aptien« i). 

Er gründete diese Annahme auf das Vorkommen von Pulchellien, 
wohin er Ilopliloides gihbostdns und Neoptychites perovalis zunächst rech- 
nete, und darauf, daß die Gattung Hoplitoides Beziehungen zu Hoplitcn 
und Sonneratien der unteren Kreide in ihrer Lol:)enlinie erkennen ließen^). 

Daß Amm. perovalis ein Neoptychites ist und keine Pulchellia, das geht 
deutlich aus dem Vorhandensein von Wülsten und Einschnürungen auf Finden sich 
den sonst glatten Jugendwindungen hervor, sowie aus der in allen Alters- . " \j^ ''^'^ 
Stadien gerundeten Außenseite, der allgemeinen Form der Lobenlinie, der kalk? 
Aufblähung der Wohnkammer kurz vor ihrem Ende und der seitlichen 
Einschnürung des Mundrandes. Auch spricht dafür das Zusammen- 
vorkommen mit anderen typischen Neoptychiten am selben Fundpunkte, 
doch ließe sich hiergegen einwenden, daß jene einer anderen Schicht des- 
selben Aufschlusses entstammen könnten. 

Alle diese Beziehungen zu Neoptychites überwiegen, selbst wenn man 
sie nicht für genügend zu einer generischen Identifizierung halten wollte, 
jedenfalls bei weitem die Anklänge an Pulchellia. Allerdings hat Ni ek- 
les*) aus dem Neocom Spaniens Ammoniten mit runder /Kußenseite be- 

i) V. Koenen, Kreide von Mungo S. 8. 

2) 1. c, S. 6 u. 7. 

3) Nickles, Contributions ä 1. Pal. d. Sud-Est de l'Espagne. I. Neocomien. 



188 Dr. Friedrich Solger: 

schrieben, die im Querschnitt etwa niit Amm. perovalis übereinstimmen 
würden und die er mit Vorbehalt Slolkzkaia nennt. Will man aber den 
Begriff Pidchellia auch auf die Formen der Gruppe Stolicskaia ausdehnen, 
dann ist Pidchellia nicht mehr auf die untere Kreide beschränkt. Zudem 
steht Neoptychites perovalis den echten Sioliczkaien äußerlich entschieden 
näher als diesen Sioliczliaia-'Ax'C\^&\ Pidchellien, unterscheidet sich aber auch 
von ihnen in der Lobenlinie gerade durch die den Ncoplychiten eigene 
Ausbildung der Auxiliargegend, die Kossmat') zur Abtrennung dieser 
Gattung veranlaßte. 

Daß iPulckellia« gibhosula zu Hoplitoides gehöre, hatte schon v. Koe- 

nenä) vermutet, und die Durcharbeitung des Es ch sehen Materials hat 

den Beweis dafür durch die Gleichheit der Jugendentwicklung bei P. gibho- 

sida und den Hopliloiden geliefert. Das Vorkommen der Gattung Pulchellia 

ist also für die Mungokalke bisher nicht festgestellt. 

Beziehungen Für unterkretazeisch es Alter führte v. Koenen die Beziehungen 

zwischen fernerhin an, die zwischen der Gattung Hoplitoides [IL gibbosidus mit ein- 

und Formen geschlossen) und einigen unterkretazeischen Formen beständen. Als 

der unteren solche gibt er an : Pulchellia compressissima d'Orb. sp. aus dem Neocom, 

'^'^' ^" Oxynoticems Marcousanum d'Orb. sp., O. Gevrilianum d'Orb. sp., O. helero- 

pletirum Neum. et Uhlig, lauter Formen des Neocom im weiteren Sinne, 

Iloplites Leopoldinus d'Orb. sp. aus dem ' Hauterivien, Sonmratia bicuniata 

Mich, aus dem Aptien und Sonneratia Didemplei aus dem Gault. 

Ähnlichkeiten der Hopliloiden mit diesen Formen lassen sich nicht 
leugnen, mögen sie nun auf Verwandtschaft oder Konvergenz beruhen. 
Für den vorliegenden Zweck der Altersbestimmung fragt es sich aber, 
ob diese Ähnlichkeiten für die Gleichaltrigkeit der Kameruner 
Formen mit den zum Vergleich herangezogenen Arten ins 
Gewicht fallen. 
Beziehungen Am fernsten stehen den Hopliloiden wohl die drei oben angeführten 

zu neocomen Qxynoticeras-kxiftVi'^). Sie alle sind viel weiter genabelt und besitzen eine 
formen. scharfkiclige Außenseite, soweit die Abbildungen es erkennen lassen, 
bereits in einem Alter, wo Hoplitoides noch eine Außenfurche trägt. 
Außerdem weicht die Lobenlinie durch den sehr breiten Außensattel er- 
heblich von unserer Gattimg ab. Die Bedeutungslosigkeit der vorhandenen 
Ähnlichkelten für die Altersbestimmung geht am besten aus einem 



i) Südindische Kreideformation S. 69, 

2) Nachtrag S. 58. 

3) Siehe Pictet und Camp^che, Descr. des Foss. d. Terr. ZxkX. des environs de 
St.-Croix. I. Partie. Taf, XX u. XXI, u. Neumayr u. Uhlig, Ammonitiden det Hils- 
bildungen Norddeutschlands. Palaeontographica Bd. XVII. Taf. XXV Fig. 1 u. 2. 



Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 189 

Vergleich mit dem turonen Sphenoillscm Re(jnieiii^) d'Orb. sp. hcrvur, 
der im Querschnitt wie in der Lobenlinie mehr Ähnlichkeit mit Hoplitoides 
hat als die genannten Oxynaticeras-Kx\&n. 

Es bleiben dann aus der unteren Kreide noch als mögliche Ver- 
wandte übrig: 

Pnkhellia eompressissima d'Orb. sp. (Neocom), 
Hoplites Leopoldinus d'Orb. sp. (Hauterivien), 
Sonneratia bicurvata Mich. (Aptien), 
Sonneratia Diüempki Bayle (Gault), 
denen ich noch hinzufügen möchte: 

Sonneratia ipiercifolia d'Orb. sp. (Gault), 
Sonneratia Beudanti. Brongn. sp. (Gault). 
Alle diese Arten gehören zu der Gruppe der Hopliten in der Zittel, sehen 
Fassung 2) und erinnern im erwachsenen Zustand an Hoplitoides 
hinsichtlich der Lobenlinie: 

durch die überwiegend große, plumpe Gestalt des ersten Laterallobus 

und seine unsymmetrische Zerschlitzung, 
durch die relative Kleinheit und den einfachen Bau des zweiten 
Laterallobus und dessen Ähnlichkeit mit den Auxiliarloben, sowie 
durch das Vorhandensein mehrerer Auxiliarloben, 
femer in der Gehäuseform: 

durch den hochmündigen Querschnitt und die mehr oder minder 
große Involution. 
Außerdem bietet in jüngeren Stadien sowohl 
die Form der Berippung als 
das Vorhendensein einer Außenfurche 
wichtige Vergleichsmomente. 

An der Zugehörigkeit der Hoplitoiden zur Hopliten- 
gruppe kann deshalb nicht gezweifelt werden, aber diese Gruppe geht 
bis insSenon hinauf, und gerade die untersenonen Placentuerasioxra<iu 
haben viel Ähnlichkeit mit Hoplitoides«). 

Die oben angeführten untercretazeischen Formen möchte ich für Vo r - 
fahren der Hoplitoiden oder ältere Seitenzweige aus ihrem 
Stammbaum halten. Bemerkenswert ist, daß die //o/Ä'/a/fl'^.f-ähnlichste 
unter jenen sechs Arten, Sonneratia qmrcifolia, zugleich die jüngste ist. 
Sie gleicht im ausgewachsenen Zustand durchaus den Jugendzuständen 
von Hoplitoides, die diese bei einigen Millimetern Radius zeigt, während 

1) d'Orbigny, Pal. franc;. Terr. cret. Bd. I. Taf. 93. 

2) Zittel, Handbuch d. Pal, Bd. II. .S, 475. 

3) z. B. PI. Prudhommei Peron, Amm, cret. sup. de l'Alg^rie S. 56. Taf. IX 
Fig. 3 — 7. Taf. XVII Fig. 8. 



wiedei 



190 Dr. Fricdridi Solger: 

die Lobenlinie des eines erwachsenen ITnplüoides sehr nahe kommt. Sieht 
man also zunächst von der Lobenlinie ab, so sprechen die erwähnten Tat- 
sachen dafür, daß die Kameruner Formen jünger sind als Sonneratia querä- 
folia. Die Beziehungen zu den Neokom- l;)is Aptien-Formen sind stlmt- 
lich nicht eng genug, um diese Wahrscheinlichkeit zu erschüttern. Jene 
Formen sind viel evoluter als die ausgewachsenen Hoplitoidm, deren weiter 
genabelte Jugendwindungen andrerseits darauf hindeuten, daß auch ihre 
Vorfahren evoluter waren. Alles zusammengenommen scheint ein ober- 
kretazeisches Alter der Jloplihideii eher zu befürworten als ein unter- 
kretazeisches. 
Die Hopli- Gewichtiger erscheint auf den ersten Blick die Übereinstimmung der 

toi es-, utur LQ^gnlinie. Hier sprechen zunächst keine Momente dafür, daß wir es 
kehrt m kon- ^ ' 

vergenter in der Sutur der Hoplüoiden mit einer Weiterbildung der an den anderen 
Entwicklung Formen auftretenden Suturen zu tun haben. Alle diese Lobenlinien sind 
scliiedenen ™ ^^" ^'^ ™ ^^'' Zerschlitzung einander in der Hauptsache gleich, so 
Gruppen gleich jedenfalls, daß man gern geneigt sein wird, sie für etwa gleichaltrig 
zu halten. Indessen glaube ich, daß es sich hier nicht um direkte Ver- 
wandtschaft handelt, sondern um eine Suturform, die sich durch An- 
passung der //o/)/&«lobenlinie an gleich einwirkende Verhältnisse zu ver- 
schiedenen Zeiten unabhängig von einander entwickelt hat^). 

Daß eine fast gleiche Ausbildung der Lobenlinie in der Tat 
durch Konvergenz hervorgerufen werden kann, dafür möge Fig. 74 
einen Beweis liefern. Hier sind die Suturen einer Pseudotissotia segnis S. 
aus dem ägyptischen Cenoman ^), eines Sphenodisctis Requieni aus dem fran- 
zösischen Turon 8), dreier Hopliloides-Kxi<in aus Kamerun und eines Ilopläes 
Leopoldinus aus dem französischen Hauterivien ^) zusammengestellt. Dazu 
bemerke ich, daß Pseudotissotia (und zwar lag das abgebildete Stück selbst 
der Beobachtung zu Grunde) in der Jugend einen Kiel hat und breite, 
außen etwas nach vorn gerichtete Rippen, die am Rande der Außenseite 
Knoten bilden, Splienodisciis Requieni gleichfalls von Jugend auf einen Kiel 
besitzt, aber keine Randknoten, während Hoplites Leopoldinus und die 
Iloplitoiden auf der Außenseite, wenigstens in der Jugend, eine Furche 
haben. 

Pseudotissotia sp. und Sphenodiscus Requienianus zeigen aber mehr 
Ähnlichkeit in der Sutur mit HopUtoides ingens, als dieser mit Hoplitoides 



i) Vergl. meinen Vortrag: Über den Zusammenhang zwischen der Lobcn- 
biklung und Lebensweise bei einigen Aramoniten. Verli. d. V. Internat. Zool. Kongr. 
zu Berlin, 1901. (Jena 1902.) .S, 786—793. 

2) Siehe Ztschr. d. Dtscli. fTeol. Ges. Bd. 55. tgos, S. 77. 

3) Nach GroBSOUvre, Am. de la craie sup. S. 59. 

4) Nach d'Orbigny, Pa1. franc,:,, Terr. cr&t. Bd. I. Taf. 22. 



Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 191 



Wohltmanni. Und doch beweist die oben erwälinte Sliulptur, daß sie 
trotzdem stammesgeschichtlich von Hoplitoides streng zu trennen sind. 






Es muß sich also imi eine Konvergenz der Lobenlinien handeln. 
Oder man müsste annelrmen, daß die Sutur eine hinreichende Stabilität 
der Form besitzt, um die Reihe verschiedener Entwicklungsphasen zu 



192 Dr. Friedrich So^er: 

Überdauern, die zwischen einem Ilopliloides und einer der Vergleichs- 
formen selbst im günstigsten Falle anzunehmen wären. Diese Möglichkeit 
würde aber widerlegt durch die augenscheinliche Inkonstanz der Suturform 
innerhalb der Gattung Hoplitoides selbst. 

Ein vielleicht noch überraschenderes Beispiel für die Wiederkehr der 
in Rede stehenden Lobenlinie bei weit auseinander liegenden Ammoniten- 
formen bietet Fig. 75. Pulchdlia compressissima aus dem spanischen Neocom 
\mA Hemitissotia CaÄw/Peron aus dem algerischen Untersenon sind gleich- 
falls ohne direkten stammesgeschichtlichen Zusammenhang, Erstere schließt 
sich an die ITopltien, letzere an die Tissotien an, die ihrerseits auf 
Schloenbachien zurückgehen dürften. Auch in der Zeit ihres Auftretens 
ist ein großer Unterschied. Wenn trotzdem ihre Suturen so ähnlich sind, 
so ist der Grund dafür eben auch hier eine Konvergenz, eine Anpassung. 
Da die Gleichheit der Wirkung, nämlich die Erzeugung der Hopiiloides- 
Sutur, wie ich sie kurz nennen möchte, nicht in der Stamm -Ver- 
anlagung der betreffenden Ammoniten, nicht in der Vererbung eines von 
gemeinsamen Vorfahren einmal erworbenen und seitdem bei aller Ver- 
änderung der Gehäuseform erhalten gebliebenen Merkmals ihren Grund 
hat, so müssen die äußeren Umstände, Klima, Nahrung, Lebensweise etc. 
die Ursache bilden; denn in diesen Beziehungen allein konnten Ab- 

a) Puicheiiia compressissima d'Orb. kömmlinge verschiedener Ammoniten- 
aus dem spanischen^ Neocom (nach ^^^^^^ ^^ verschiedenen Zeiten unter 

die gleichen Bedingungen geraten. Der 
Hoplitoides-Sutur würde demnach eine 
gleichsam fazielle, keine phyle ti- 
sche Bedeutung zukommen. 

Dafür spricht auch noch ein wei- 
teres: Die Pulchellien Spaniens sowohl, 
wie die Hoplüoiden von Kamerun und die 
Tissotien von Algier, sowie endlich die 

b) Hemitissotia Cazini Per. aus der ägyptischen Pseiidotissotien bilden da, wo 
oberen Kreide von Algier (nach Peron). 8/1 ■= ' 

Fig. 75. Konvergente EntwickiunK' sie auftreten, ein herrschendes Element 
der Lobenlinie. ^^^ betreffenden Fauna. Das bedeutet, 

daß sie an die jeweilig herrschenden Verhältnisse relativ gut angepaßt waren. 
Gerade ihre besonders charakteristischen EigentümHchkeiten werden also 
einer solchen Anpassung ihre Entstehung verdanken oder doch diese An- 
passung gefördert haben. 

Durch die oben angeführten Tatsachen ist die Möglichkeit dar- 
getan, daß auch innerhalb der Ilopliten das wiederholte Auftreten der IIo- 
piitoidesSuiViV auf Konvergenz beruhen kann, auf einer ähnlichen Iteration, 
wie die Bildung der /a?zM-«-artigen Formen, die .sich nach E. Philippis') 
1) Ztschr. d. Dtsch. geol. Ges. 1900, Bd. tJI. S. iii. 



Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geologische Aller der letzteren. 193 

Untersuchungen zu drei verschiedenen Zeiten, im Lias, der unteren Kreide 
und dem Tertiiu-, selbständig von dem PeclinidenStamvae abspalten. 

Der Nachweis, daß diese iterative Bildung nicht nur möglich, sondern 
auch wahrscheinlich ist, kann hier nicht so exakt geführt werden, wie in 
dem eben angeführten Beispiel aus dem Gebiete der Muscheln, weil die 
Pidchellien, HoplUcs Lcopoldi und die Sonncmtkn nur durch verhältnismäßig 
geringe zeitliche Zwischenräume getrennt sind, und bei der Konstruktion 
solch kurzer Entwicklungen die Lücken der paläontologischen Über- 
lieferung um so wirksamer den Zusammenhang zerreisen. Indessen läßt 
sich wenigstens dartun, daß ein direkter genetischer Zusammenhang zwi- 
schen den obigen drei //o/Afewgruppen unwahrscheinlich ist. Die typischen 
PukhcUien entfernen sich von dem t}'pisehen //»/»///rwliabitus nicht nur in 
der Berippung, sondern auch in der Sutur weiter als IlopUtcs Leopoldi, 
trotzdem sie älter sind als dieser. Es wird also natürlicher sein, //. Lco- 
poldi direkt von den Hoplüen abzuleiten, statt ihn als einen Nachkommen 
der Pukhdlien anzusprechen, mit denen seine Berippung wenig gemein hat. 
Die Sonncratien wird man ebenso wieder nicht auf Hoplites Leopoldi zu- 
rück beziehen, weil die Entwicklung, die von Hoplites noricm u. ä. Formen 
s!u Hoplites Leopoldi führt, nach einer wesentlich anderen Richtung geht, 
als eine direkte Entwicklung von Hoplites zu Sonneralia sie besitzen würde. 
Ein Vergleich der Berippung wie der Lobenlinie läßt dies alsbald erkennen. 
Auch mit Pnlchcllia möchte ich die Sonneratien nicht in nähere Beziehungen 
bringen, weil die unsymnretrische Zweiteilung des ersten Lateral bei den 
letzteren den normalen Hopliten näher steht, als die bedeutend reduziertere 
Zerschlitzung des lappcnförmigen ersten Laterallobus bei den Pulckellien, 
zumal Pulchcllia compressissima. Die Entscheidung der Frage endlich, ob 
die Hoplitoidcn selbst an die Sonneratien direkt anzuschließen sind, oder ob 
auch hier iterative Ausbildungen voriiegen, wird eng zusammenhängen mit 
der anderen Frage, in welche Abteilung der Kreideformation die Hoplitoiden 
gehören. Liegen sie, wie ich nach den übrigen Ammoniten der Mungo- 
Kalke annehmen möchte, im Turon, dann wird eine Iteration auch hier 
Wahrscheinlich, weil wir aus der Zeit zwischen Gault und Turon keine 
Formen kennen, die Hoplitoides näher stehen, als die Sonneratien des Gault. 

Ich habe durch die obigen Dariegungcn in erster Linie begründen Hoplitoides 
Wollen, weshalb mir die Beziehungen der Mungofauna zu Formen der deutet nicht 
Unteren Kreide nicht eng genug zu sein scheinen, um eine dahingehende '"kreid"*' 
Altersbestimmung zu stützen. Ich habe dabei, um nicht rein negativ zu 
kritisieren, auch versucht, eine andere positive Deutung jener Beziehungen 
^u geben. Eins möchte ich aber zum Schluß noch ausdrücklich betonen : 
Wenn sich gegen die obigen phyletischen Anschauungen, die im Rahmen 
dieser Arbeit hier ja nur kurz angedeutet werden konnten, auch vielleicht 
manche Einwände erheben lassen, so bleibt das Resultat jedenfalls sicher, 
Beiträge zur Geologie von Kamerun. jq 



J94 Dr. Friedrich Solger: 

daß die Beziehungen zwischen IFopliloic/es , floplitcs Lenpoliii 
u. s. w. nicht derart sind, um für eine Gleiclial trigkcit dieser 
Formen zu sprechen. 

Ich bin in diesem Nachweis etwas ausführlicher gewesen, weil die 
für unterkretazeisches Alter sprechenden Gründe m der Tat zmiächst 
auch mir schwer ins Gewicht zu fallen schienen. Da aber alle diejenigen 
Ammoniten meines Materials, die ich mit bereits bekannten Arten oder 
Gattungen identifizieren konnte, für obere Kreide sprachen, so mußte 
genau untersucht werden, ob wirklich ein Grund vorliege, außerdem 
noch untere Kreide^ zumal A]itien <.)dcr liefere Stufen, in den Mimgo- 
kalken zu vermuten. Solche Gründe scheinen mir nicht vorhanden .zu seiii' 

Nach diesen Feststellungen gehe ich zur Besprechung derjenigen 
Formen über, die sichere Schlüsse auf die AltersstcUung der Schichten, 
•1 in denen sie gefunden sind, erlauben. 

Es handelt sich dabei teils um solche Arten oder Gattungen, die 
bereits aus turonen Ablagerungen bekannt sind, teils um solche, die in 
anderen Gebieten im untersten Senon vorkommen. 
Turone Turones Alter besitzen; 

die Gattung Ncoptyrhilcs, 
Piizosia Dcnisoniaua Stol. sp., 
Bactdites cf. s^racilis (Shum.) Stanton. 

Die Gattung Neoptydiilcs ist bekannt aus der Utaturgruppe von 
Odium in Südindien. In der Beschreibung der beiden dort vorkommenden 
Arten dieser Gattung gibt Koasniati) an, daß Ncoptychiles Tflrngn in 
der mittleren, Neoptychilcs Xelm in der unteren und mittleren Utaturgruppe 
vorkomme, was einem ccnomanen Alter dieser Formen entsprechen 
würde. Doch sind in der stratigraphischen Übersicht, die Kossmat") 
am Schlüsse seiner Arbeit gibt, beide Formen in die obere Utatur- 
gruppe gestellt, nur mit dem Bemerken, daß N. Xcha auch in der 
unteren vorkäme. Diese obere Utaturgruppe ist charakterisiert durch das 
Auftreten der ersten turonen Formen, z. B. Acaiilhocems ornalissirnntii 
Stol. sp. = Ac. deverioide Gross, aus dem fi anz('isischen Turon, und auch 
Neoptychites Telinga selbst sieht Kossmat als eine auf Turon hin- 
weisende Form wohl mit Recht an; denn sie konnnt in Algier s) am 
Gebel Guelb zusammen mit turonen Arten vor, und der nach Grossouvre'') 
mit N. Telinga identische N. cephalotns Courtiller sp. findet sich im unteren 
Turon (Ligerien) Frankreichs. Neoplychilcn sind ferner bekannt aus dem 



Ammoniten 
des Mungo- 
kalkes. 



i) Südindische Kreideformation S. 72. 

2) Siidindische Kreideformation S. ig6. 

3) Peron, Am. du cret. sup. de l'Algfirie S. 38. 

4) Bull, de la soc. geol. d. France, 3. Serie, Bd XXIV, S. 86. 



Die Ammonitenfai] 



a der Mungokalke und das geologisclie Alter der letzteren. 195 



Turoti des Gebe! Meghiia in Tunis J) (und zwar N. RollancU Peron sp.), 
sowie endlich von der Hochebene El Goleah in der algerischen Sahara -). 
Aus dieser Obersicht ergibt sich, daß die Neoptychiten in Indien zwar 
schon im Genom an aufzutreten scheinen, daß sie aber sonst überall 
das untere Turon, bezw. Turon ülierhaupt, charakterisieren. Ein wesent- 
liches Faunenelement bilden sie anscheinend nur am Gebel Meghila, auch 
sollen sie nach Perons Angabe am Gebel Guelb ziemlich häufig sein, 

Pu zosia DenisonianaKt aus der U t a t u r g r u p p e von Odium in 
SücUndien^.) bekannt, und zwar setzt Ko.ssmat zu dieser Angabo hinzu: 
aobere Abteilung?«. Sie wird also vermutlich auch dort wie in Kamerun 
mit 7V('o/)/it//;7c.v zusammen vorkommen und gleich diesem turo ncn Alters 
sein. Ferner findet sie sich in Japan^) in Schichten, deren Zurechnung 
zum Cenoman oder Turon zweifelhaft ist. 

B aculites gra c ilis endlich ist in Nord a m e r i k ;i gefunden worden, 
und zwar in der Co I o r a d o formation von Utah (am Upper Kanal und 
SW von Paria) und im Niob rarakalk von Turkey creek, Huerfanopark, 
Colorado f'). Der Niobrarakalk bildet den unteren Teil der Niobrara- 
Stufe Meeks") und führt u. a. Iiioccramus lahiatus, psciidomytihides und 
avimhides. Er liegt über den Foit-Benton-Scliichten mit Pnomtropis 
Woolgari (unteres Turon) und unter der Fort-Pierre-Gruppe mit BacuUtcs 
(malus und PlacenUceras placenla (unteres Senon). Er gehört somit dem 
oberen Turon an. Jedoch erwähnt Cragin'), daß er mit BacuUUs 
gracilis zusammen in Toneisensteinkonkretionen der Eagle-Ford-Schichten 
eine Abart von Placcnticems syriak gefunden habe, und zwar in Hackberry 
Creelc, Dallas county, Texas. Es mag danach zweifelhaft sein, ob Bam- 
liles gracilis nicht noch bis ins Senon hineinreicht. 

Die Kameruner Form habe ich als B. cf. giacilis bezeichnet, doch tat 
ich dies nur wegen des Fehlens der Schale und der dadurch bedingten 
unvollkommenen Vcrgleichbarkeit. Die Übereinstimmung mit der ameri- 
kanischen Form ist aber doch so groß, daß sie wohl ohne Bedenken zu 
Schlüssen auf das Alter verwandt werden kann. 

Diesen für turones Alter sprechenden Arten stehen andere gegen- .Senone 
über, die bezeichnend sind für das unterste Senon, das Coniacien nebst A'"'"'""''^" 
dem Santonien Frankreichs imd den Emscher, bezw. die \\\\ie.xc Acli)iof:a-'^"^^\?^'^°' 
OT«.v-Kreide Deutschlands. Als solche sind zu nennen: 

1) .Südindisclie Kieideformation S. 187. 

2) Pal. Abb. Bd. VI. Heft 3. .S. 13. 

3) Stanton, Colorado-Formation S. 166. 

4) Meek u. Hayden. Invert. cret, and lert. fossils. Missouri. S. XXV. 

5) Cragin, A contribution to the invert. Pal. of tbe Texas cretaceous .S. 238. 

6) Peron, Moll. foss. terr. cri5t. Tunisie. S. 27 11. 29. 

7) a, a. O. S. 27, 



196 Dr. Friedrich Solger: 

die Gattung Tissotia, 

Peroniceras Di'avidicum Kossm. 

und wahrscheinlich auch die Barroiskeras-Yoi'Kxim. 

Tissotien kommen vor in Frankreich, in der Gosau, in Algier, Tunis, 
Ägypten, auf den Molukkeni) und in Peru ^). In Frankreich Xi&'gi Tissoita 
^OTßÄ//nachGrossouvre^) und Toucas'') an der Basis des Senon, also im 
unteren Coniacien, auch scheinen keine der dortigen Tissotien jünger als das 
mittlere Coniacien zu sein ■''). Schwieriger liegt die Frage betreffs der unteren 
Grenze, doch sind die Unsicherheiten, die in dieser Beziehung zu Tage ge- 
treten sind, wesentlich auf eine bald weitere, bald engere Fassung der Gattung 
Tissotia zurückzuführen. Douville») teilte mit, daß Bertrand im Turon 
von Jeannot Tissotien, ähnlich der Tissotia Fourneii gefunden habe, auch wies 
er darauf hin '), daß Am. Galliennci aus dem unteren Turon (Ligerien) von 
Frankreich ein naher Verwandter von Tissotia Tissoti, dem Typus der Gattung, 
sei. Doch weicht A7H. Galliennei durch die Zackung seiner Sättel erheb- 
lich von den echten Tissotien ab. Faßt man mit Peron und in Über- 
einstimmung mit Douvilles ursprünglicher Definition die Tissotien als 
Ammoniten mit ganz randigen Sätteln und ceratitenähnKch gezackten 
Loben ^), dann habe ich in der französischen Literatur keine Angabe über 
eine echte TzwoA'a aus dem Turon gefunden. Lu Gegenteil hebt Peron»), 
dem es dabei wesentlich auf die Bestimmung des Alters der nordafrikani- 
schen Formen ankommt, hervor, daß bei den von Douville erwähnten 
7"wio/z>;;-ähnlichen Ammoniten aus dem Turon von Jeannot die Loben- 
linie derjenigen gewisser Morloniceras und Mammites verwandter sei als der 
der echten 'Tissotien. Er verweist Tissotia ausschließlich in das unterste 
Senon, indem er angibt, daß er in Nordafrika in Schichten mit zweifellos 
turonen Fossilien keine Tissotien gefundeir habe, sie seien vielmehr ge- 
bunden an Mortoniceras texanwn, M. Botirgcoisi, Placenticeras svrtale, Pero- 
niceras Czörnigi, also an Formen des unteren Senon. 

Grossouvre ■"') dagegen vertrat noch kurz vor dem Erscheinen der 
Arbeit über die Ammoniten der oberen Kreide von Algier, in der Peron 
die eben dargelegte Auffassung begründet, den Standpunkt, daß die afri- 
kanischen Tissotien den französischen zu fern ständen, um mit ihnen strati- 
graphisch gleichgesetzt werden zu können, sie seien eher gewissen turonen 

1) G. Boehm, Z. d. Dtsch. Geol. Ges. 1902 S. 75, 

2) W. Paulcke, N. J. f. Min. etc., Beil,-Bd. XVII (1903). S. 279. 

3) Bull. Soc. G60I. Fr. (3.) Bd. XXII. S. XIX. 

4) Bull. Soc. G60I. Fr. (3.) Bd. XXIV. S. 172. 

5) Vergl. Grossouvre, Am. cret. sup. 

6) Bull Soc. Geol. Fr. (3.) Bd. XIX. S. 502. 

7) Bull. Soc. G60I. Fr. (2.) Bd. XIX. S. LXXXI. 

8) Bull. Soc. Geol. Fr. (3.) XVIII. 1890. S. 283. 

9) Amm. cret. Algerie S. 27. lo) Anim. craie sup. S. 48 f, 



Die Ammonilenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 197 

Formen Frankreichs zu vergleichen, wobei er außer einem Stück von Taille- 
bourg nocli die Formen von Jeannot und den Am. Galliennci erwähnt; 
indessen vergleicht er sie mit afrikanischen Tissotien nur der Form, nicht 
der Lobenlinie nach. Er parallelisiert dann den Horizont des Pachydiscm 
perampliis, Neoptychites cephalotiis, Mamviües Rochebninei, Prionotropis Wool- 
gaii etc. in Frankreich mit dem tunesischen Horizont des Neoptychites 
Rollandi und Africanus, und schließt dann weiter : wie über ersterem Ho- 
rizont -DTissotia«. Gallienmi liege, so liege über dem Äquivalent in Nord- 
afrika die Gruppe der Tissotia Ficheuri und Tissoti, letztere gehöre also 
eher dem Turon als dem Senon an. Die.se Schlußfolgerung läßt sich aber 
kaum mehr aufrecht erhalten, seit Peron'^) der Pseudotissotia Gallietmei 
sehr verwandte Formen aus dem Turon Algiers beschrieben hat, die tiefer 
liegen als die Tissotien, während diese selbst mit typischen Untersenon- 
formen zusammen gefunden wurden. 

Die Gattung Tissotia in der engen ursprünglich ihr von Douville 
gegebenen Begrenzung, in der ihr T. latclolnita und polygonn von Kamerun 
angehören, muß also als eine lediglich im untersten Senon auf- 
tretende Gruppe gelten. 

Ebenso deutlich s^nchX Pero?iiceras Dravidicum für unteres Senon. 
Die Art selbst ist nur aus Südindien bekannt aus der oberen Trieb i- 
nopoly-Gruppe und der unteren AriyaluT-Gruppe*). 'Sie liegt 
hier über dem Tirron, zusammen mit Placenticeras tamuUcum, einem nahen 
Verwandten des senonen Placenticeras syrtale. Abgesehen von einem ein- 
zigen Falle, wo Schlüter^) Peroniceras suljtricarinatjim im Cuvieri- 
P 1 ä n e r von Paderborn fand, ist aber überhaupt die ganze Gattung bezw. 
Untergattung Pcivniceras nur aus dem untersten Senon bekannt, spielt 
hier aber sowohl im Emscher Norddeutschland.s, als im Coniacien Frank- 
reichs die Rolle einer wichtigen Leitform, bezw. Leitformengruppe, und ist 
außerdem in den Gosausehichten'') und in Nordafrika ^) gefunden worden. 

Etwas bedenklicher ist die leitende Bedeutung der Gattung Barroi- 
siccras. Zwar ist Barroisiceras Ilaberfellneii F. v. Hauer sp. in Frank- 
reich, Norddeutschland und der Gosau leitend für die Stufe des Emscher 
und seiner ÄquivaletUe, indessen kommt im Unterturon Frankreichs so- 
wohl als Norddeutsclilands eine überaus ähnliche Form vor, Am. Fletiriau- 
sianus. Bei all den tu r onen Exemplaren, die in der Literatur abgebildet 
sind^), stehen allerdings die Knoten des Kiels auf den Verbindungslinien 

1) Amm. cret. Algirie S. 26 ff. 

2) Kossmat, Südindische Kreideformation S. 95. 

3) Schlüter, Ceph. d. ob. dtsch. Kr. S. 45. 

4) Vergl. Redtenbacher 1. c. S. 105. 5) l^eron, Am. cr6t. Alg6rie S. 53. 
6) z. B. .Schlüter, Ceph. d. ob. dtsch. Kr. Taf. X Fig. 1; d'Orbigny, Terr. 

cret. 1, Atlas Taf. 107. 



198 ' Dr. Friclvicl. Solgor: 

je zweier gegenüber liegender Randknoten. Betrachtet man also die Knoten 
als Anschwellungen von Rippen, die in den Zwischenräumen verblaßt sind, 
was durch die ontogenetische Beobachtung an den Karneruner Barroisiceras- 
Forraen gerechtfertigt erscheint, dann verliefen diese Riiipen gerade über 
die Außenseite. Bei den ii n tcM's en on en Fornien dagegen i) sind die 
Siplionalknoten gegen die Außenraudlmoten etwas nach vorn ver- 
schoben, die Rippen bogen hier also außen sich nach vorn und bil- 
deten auf der Außenseite einen vorwärts gewölbten Bogen oder einen Knick. 
Sollte dieser Unterschied, den ich nur an den vorhandenen Abbildungen 
feststellen konnte, wirklich durchgängig die turonen Exemplare des Ainm. 
FleuriausianjiS d'Orb. von den untersenonen des Bar. Ilaherfellneri unter- 
scheiden, dann würde letzterer eine gut charakterisierte Leitform des Unter- 
senon sein, und mit ihm würden auch die Barnmiccras-k\\.<iVL von Kamerun 
in das Unter senon gerechnet werden müssen. 

Nun hat Perons) aber aus der Umgebung des Gebel Guelb in Al- 
gier aus wahrscheinlich turonen Schichten eine Form beschrieben, die er 
mit Barroisiceras Hahetfellnai identifiziert, und es ist weder aus dem Te.\t 
noch aus der Abbildung mit Sicherheit zu entscheiden, ob es sich um 
einen Am. Flemiaiisianus im oben erläuterten Sinne oder um einen eclitcn 
Am. HabcrfcUneri liandelt. Es muß demnach die IMögliclikeit im Auge 
behalten werden, daß die Gattung Barvoiskeras in Afrika aucl\ im Turon 
schon vorkommt. 
Weitere Eine weitere Tatsache darf ferner nicht unerwähnt bleiben, die auf 

scheinbare ^jg^ ersten Blick geeignet scheint, die IVEungokalke, entsprecliend v. Koe- 
Beziehungeti , _ ... .,., . 

zum Aptien. '^ßns Auffassung, m die untere Ivreide, ms Aptien, zu verweisen. 

Dem Kameruner Barromccms Brancoi n. sp. ist nämlich sehr ähnlich eine 
Form der Ivolumbisclicn Kreide, die Gerhard t s) als Schloenharhia rhom- 
hifcra beschricl)cn liat, und die er als Aptienfo.ssil auffulut. Indes ist diese 
Altersbestimmung sehr unsicher. Sie gründet sich lediglich auf den Fuiid- 
punkt, von dem sonst nur Aptienfossilien vorlagen. G erhar dt selbst hebt 
aber bereits liervor, daß das anhaftende Gestein nicht das typisclie blau- 
schwarze Pulclielliengestein der unterkretazeisclicu Villeta-Schichten Ko- 
lumbiens gewesen sei und daß Schlociihachia rlwmhifcm dem Am. Hahcr- 
fellncri sehr nahe zu stellen scheine. Als spezifisdies iNferkmal führt er 
imr die rhombische Begrenzung der Einsenkungen zwisclien den Siphonal- 
liöckern an, eine Ersclieinung, die sii-h bei Barrohiccras Unvicoi wieder- 
findet. Die Lobenlinie der kohuubischen Form ist niclit bekannt, und es 
läßt siclr also nicht sicher feststellen, ob es sich wirklicli um ein. Barroi- 



i) Vergl. Grossouvre, Amm. craic sup. Taf. It. 

2) Amm. crc-t. Algcrie S. 48 Taf. VII Fig. 4, 5. 

3) N. Jahrb. f. Min. etc., Beil.-Bd. Xt. 1898, S. 172, 



Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 199 

siceras handelt. Selbst wenn das aber der Fall wäre, könnte das noch 
nicht zu der Annahme berechtigen, daß Barroiskeras auch im Aptien auf- 
trete. Vielmehr würde die umgekehrte Schlußfolgerung begründeter sein, 
daß in Kolumbien auch obere Kreideschichten vorkämen, imd das be- 
treffende Stück diesen entstammte. 

Diö übrigen Kameruner Ammoniten gestatten keine Schlüsse auf das ^'^='.''- 
Alter der Mungokalke, die einige Sicherheit gew;ihrten : Bedeutung 

Bei Acaiilhoceras (Pe.dioceras ?) JaehcU liegt der Fall ähnlich wie bei der übrigen 
Barroiskeras Brancoi. Die Gattung Pediocetas stellte Gerhard t^) für Fossilien. 
Formen der kolumbischcn Kreide auf, die er auf den Fundort hin zum 
Aptien rechnete. Selbst wenn also die Kameruner Form ein echter Pc- 
dioccras wäre, was ich nicht entscheiden möchte, würde kein Grund vor- 
liegen, Aptien am Mungo anzunehmen, weil Gerhard t, wie gesagt, die 
Altersangabe für die kolumbische Form lediglich auf den Fundort gründete 2). 

AcantJioceras Eseln gibt keinen näheren Anhalt. Seine Verwandtschaft 
mit Ac. Rotomagensc ließe vielleicht Cenoman vermuten, doch reicht letz- 
terer Ammonit selbst, beispielsweise in Böhmen 3), in die turonen Schichten 
der Prwuotropis Wooh^arl hinauf, so daß kein Grund vorliegt, an dem tu- 
i'ouen Alter der Mungo-Schichten deshalb zu zweifeln. 

Pseudolissotia Plii/ippii schließt sich eng an Tisso/ia an. Wenn man 
Perons-*) Auffassung folgt, daß die r/wo/w-ähnlichen Formen mit Zacken 
in den Lateralsätteln etwas ;llter sind als die echten Tissotien, dann ließe 
sich aus dem Vorkommen von Pseudolissotia Philippii ein Schluß auf ober- 
turones Alter der vorliegenden Schichten oder wenigstens eines Teils der- 
selben, herleiten, doch möchte ich diesem Fossil eine größere strati- 
graphische Bedeutung nicht beimessen. 

Was endlich die Gattung i7o/'///o/a'f.s betrifft, so habe ich bereits nach- 
zuweisen gesucht, daß sie nicht für unterkretazeisches Alter 
si^richt-''). Da sie außedialb Kameruns bisher nirgends mit Sicherheit 
nachgewiesen ist, so kann sie überhaupt kern wesentliches stratigraphisches 
Argument liefern. Doch möchte ich darauf hinweisen, daß die einzigen 
in der Literatur — soweit sie mir zugänglich war — abgebildeten Formen, 
die möglicherweise echte Hoplitoiden sein könnten, nämlich 
die von Peron bi^schricbencn Sphe 110 discus Requient^) und Pla- 
<:ciiticcras Priidhoiniin-i'^) von Refana bei Tebessa in Algier, 



I) 


1. c. S 


170. 
















2) 


I. c. S 


121. 
















3) 


Vergl. 


Lauhe u. Br 


uder, 


Fal 


aeo 


itogr 


. XXXIII 


s. 


233. 


4) 


Amm. 


cret. Algerie 


,S. 26 u. 


27. 










5) 


.Siehe 


s. 193 ff- 
















6) 


Amm. 


criH. Algerie 


Taf. 


IV 


Fig. 2, 


3. 






7) 


1. c. 1 


af. TX Fig, 


3—7- 















{ 



200 Dr. Friedrich Solger: 

aus der oberen Kreide stammen, und zwar der erstere aus deniTuron 
oder Untersenon, das letztere aus wahrsdieinlich untersenonen 
Schichten. 

Das Endergebnis dieser stratigraphischen Betrachtungen ist das folgende: 
Unterturon ist in den Mungokalken jedenfalls ver- 
treten, ebenso Untersenon , d. h. Emscher. Wahrscheinlich 
kommen auch oberturone Schichten vor, vielleicht auch 
cenomane. Dagegen liegen keine Gründe vor, noch ältere 
Schichten anzunehmen, und bis zur Auffindung von Fos- 
silien, die einwandfrei das Vorhandensein von unterer 
Kreide dartun, muß der Mungokalk für Turon (bezw. Ce- 
noman) bis Untersenon gelten. 
VcrliäUnis Hierbei ist es noch fragUch, ob die Unterturonformen und die Unter- 

^", ^g™'J;')j senonformen, die in Europa eine scharfe stratigraphische Trennung zu- 
Elemente lassen, und die Peron') auch in Algier an zwei getrennte Horizonte ge- 
zu einander, bunden fand, hier in Kamerun gemischt auftreten, oder ob sie gleich- 
falls als zwei selbständige Faunen übereinander liegen. 

Wie die Verhältnisse liegen, kann ich diese Frage nicht entscheiden, 
möchte aber die Punkte aufzählen, die für jede der beiden Möglichkeiten 
sprechen: 

Was zunächst die Lagerungsverhältnisse betrifft, so fließt der Mungo 
im großen und ganzen nach Süden, die Schichten fallen gegen SW— SSW 
flach ein, und es müßten deshalb in der Richtung flußabwärts immer 
jüngere Schichten folgen. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß der 
Mungo zwischen Mundame und Diki eine große S-förmige Schleife macht, 
so daß die Elephantenbank, die Woliltmannbank und die Aufschlüsse bei 
Diki wohl alle derselben Schicht angehören, die der Fluß bei dieser 
schleifenförmigen Krümmung nur wiederholt angeschnitten hat. Dagegen 
liegt ein solcher Fall nach Herrn Dr. Eschs mündlichen Mitteilungen 
weiter flußabwärts kaum wieder vor. Innerhalb jedes einzelnen Auf- 
schlusses konnten verschiedene Horizonte, wenn sie auch vielleicht vor- 
handen waren, nicht unterschieden werden, da das Sammeln sich wesent- 
lich auf lose angewitterte Blöcke beschränken nuißte, die von der Kalk- 
wand abgebröckelt waren. Dagegen müßte, wenn an den verschiedenen 
Stellen verschiedene Horizonte vorlägen, siclr eine geologisch um so jüngere 
Fauna ergeben, je weiter flußabwärts der Ijetreffende Fundpunkt läge, da 
die Schichten nach der Flußmündung zu fallen. Ich gebe deshalb im 
folgenden eine Übersicht der für eine Horizontbestimmung brauchbaren 
Faunenelemente der einzelnen Aufschlüsse: 

I) Amm. criJt. Algcrie S. 20. 



Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 201 

I. Elephantenbank, Wohltmaniibank, Diki : 

Neoptychites teliiiraeformis ] ^^ 

Unterturon. 

— crassus J 

Barroisiceras Desmoulinsi \ 

» cf. Desmoulinsi 

» Haberfellneri var. Alstadenensis 1 Untersenon. 

» cf. Haberfellneri 

» Brancoi var. mitis 

Tissotia latelobata \ 

» polygona \ Untersenon, 

Peroniceras Dravidicum ) 
IL Etea: 

Puzosia Denisoniana — Unterturon. 
Barroisiceras Brancoi var. armata — Unterturon? 

Bezüglich des letzteren Exemplares ist es indessen zweifelhaft, 
ob es nicht von Balangi stammt. 

III. Balangi; 

Puzosia Denisoniana | 

Neoptychites telingaeformis var. discrepans. \ Unterturon. 
Neoptychites crassus J 

Pseudotissotia Philippii — Oberturon? 
Barroisiceras cf. Brancoi — Untersenon? 

IV. Unterhalb Balangi: 

Neoptychites telingaeformis — Unterturon. 
Barroisiceras Desmoulinsi \ 

— cf. Desmoulinsi 

— Haberfellneri var. Harlei 

— cf. Brancoi ) 

Will man Banoisiceras für eine untersenone Gattung gelten lassen, 
dann würde in jedem Aufschlüsse die ganze Schichtenfolge vom 
Unterturon bis zum Untersenon zu vermuten sein. Selbst wenn 
man aber Barroisiceras ins Turon versetzt, was immerhin die geringere 
Wahrscheinlichkeit für sich hat, dann bleibt immer noch die Tatsache be- 
stehen, daß gerade die am weitesten flußaufwärts gelegenen Auf- 
schlüsse die beiden typischen Untersenongattungen Tissotia und 
Peroniceras führen. Man ist dann geradezu gezwungen, eine Mischfauna 
anzunehmen; denn wenn wirklich turone und sengne Horizonte bei Diki 
zu trennen wären, dann könnte über den letzteren nicht wieder Turon bei 
Etea, Balangi und unterhalb des letzteren Ortes auftreten. Vielmehr 
müßte ein Gemisch von turonen und untcrsenonen Arten die tiefsten 
Schichten der Mungokalke ebensowohl wie die höchsten erfüllt haben. 



Untersenon ? 



202 I'r. Kriedrich Solger: 

Oder — die äußeren Lagerun gsverh alt nissc müßten 
anders aufzufassen sein. So könnte beispielsweise durch Ver- 
werfungen im Streichen dieselbe Schichtenfolge an den verschiedenen 
Aufschlüssen in das Niveau des Flusses gebracht sein. Doch widersprach 
Herr Dr. Esch dieser Deutung auf Grund seiner Beobachtungen an Ort 
und Stelle auf das entschiedenste, als ich ihm eine solche Möglichkeit 
vorstellte. Ebenso wäre es denkbar, daß vielleicht durch ein Verseheu 
bei Balangi ein falsches Fallen der Schichten gemessen wäre, das beispiels- 
weise durch Verwechseln der Magnetnadelspitzen ein SSW-liches Fallen 
statt eines NNO-lichen angegeben wäre. Dann würden dieselben Schichten, 
die bei Diki sich unter den Flußspiegel senken, bei Balangi wieder auf- 
tauchen und unterhalb dieses Ortes wieder hinuntersinken. Dabei bliebe 
allerdings lüea noch zu berücksichtigen. Vor allem aber erklärte Herr 
Dr. Esch, daß ein solches Versehen in der Kom|iaßal3lesung nicht vor- 
liegen könne. 

Endlich könnte noch eine Verwechselung der Stücke von einzelnen 
Fimdpunkten vorgekommen sein. Eine Möglichkeit dieser Art, meinte 
Flerr Dr. E s c h , könne allenfalls für das eine oder andere Stück vorhanden 
sein. Aber dann müssten solche Verwechselungen bei allen senonen Arten 
von der Elephantcnbank und Diki vorliegen, also bei günstigstenfalls 4, 
wahrscheinlich aber g Stücken vorliegen, ein doch ziemlich unwahrschein- 
licher Zufall. 

Die örtlichen Verhältnisse sprechen nach alledem eher für eine 
gemischte P'auna, obwohl auch dann noch manche Unklarheit bleibt. 
Aber vom paläontologischen Standpunkte aus erregt die Annahme 
einer solclieir Mischfauna entschieden Bedenken; denn die beiden Hori- 
zonte, Neoptychites — Piizosia Dcnisoniana einerseits, Tissotia — Bairoisi- 
ccras — Pcronireras andrerseits, lassen sich, 'wenn man von dem unsicheren 
Barrouiceras von Algier i) absieht, in Europa^), wie in Nordafrika •^) und 
in Südindien 't) gut auseinanderhalten. 

Die paläontologische Überlegung spricht entschieden dafür, daß 
an a 1 1 e n F u n d p u n k t e n d i e s e 1 b e S c h i c h t e n f o 1 g e aufgeschkjsscu 
ist; denn an allen Stellen kommen die gleichen Ncop/vchilcs- und iloplitoiik.s- 
Arten vor. Diese Schichtenfolge wird aber jedenfalls eine untere t u r o n e 
Abteilung und eine obere untersenone Abteilung, jede mit selbst- 
ständigcr Fauna enthalten. 



Soc, Gcol. d. france. (3.) 



I) .Siehe 


S. 


198. 














2) Vergl 


z. 


B. Gro 


SSÜUV 


res 'r 


belle, Bi 


U 


dl 


la S 


XVII. S. 522. 


















.3) I'eron 


A 


um. du 


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sup. 


le l'Algi 


ie 


, S 


20. 


4) Kossmat, 


Südind 


sehe 


tvreid 


eformation 


, 


s. 


95 ff. 



Die Ammonitenlauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 203 

Beziehungen der Ammonitenfauna im Mungokalk zu derjenigen 
anderer gleichzeitiger Ablagerungen. 

So lange sich die Frage nicht entsclieiden läßt, ob eine Mischfauna 
oder zwei getrennte Faunen turonen, bezw. unterturonen Alters, vorliegen. 
So lange wird auch ein Vergleich mit anderen Ablagerungen aus denselben 
geologischen Epochen nur in allgemeinen Umrissen geführt weixlen können. 
Viele interessante zoogeographischc Probleme müssen von vornherein aus- 
geschaltet werden, wenn man so wichtige Fragen unentschieden lassen 
muß, wie beispielsweise die, ob die beiden herrschenden Gattungen, Ho- 
plitoidcs \m.ANcoptvchitcs gleichzeitig oder nach einander das Kreide- 
meer der Kameruner Bucht bevölkerten. Indessen wird es immerhin von 
großem Interesse sein, einen Vergleich anzustellen zv.-ischen den Mungo- 
kalken und den Schichtenkomplexen, die anderwärts im Turon und Unter- 
senon auftreten, bezüglich der Verbreitung der einzelnen Gattungen und 
Arten der Ammoniten. 

Ich gebe deshalb im folgenden eine Übersicht über die Ammoni ten- Gleichzeitige 
führung des Turon und Unlersenon in verschiedenen Gebieten, eine aunen 

" anderer Ge- 

Ubersicht, deren einzelne Listen auf Vollständigkeit keinen Anspruch biete. 

machen, sondern nur dazu dienen sollen, den allgemeinen Charakter der 

einzelnen Faunen hinsichtlich der bezeichnenden und der herrschenden 

Formen zu kennzeichnen. 

Ich beginne mit den afrikanischen Kreide-Ablagerungen. Es handelt Afrika. 

sich da um Algier und Tunis, um Äg)'pten, um Natal und um Madagaskar. 

In Algier') führt das untere Turon hauptsächlich: 

Acaiühoccras deveiioide Gross., 

S[dHiiodisciis Rcqiiieni d'Orb. sp., 

P,j,-/ivdis(-ns /invjii/Jiis Mant. rmd verwandte Pac/ivdisrni, 

.\ciip/yi/i//cs 7}-////,i^-<! Stol. sp., 

Piizoda Aiisiciii Sharpe, 

Außerdem führt Cocirrand'-) an 

.(///. pa/nr/ix und 

Ifclcriniiiiiouilcs nminoiiitkems, ein Name, dessen Bedeutung 
nicht ganz klar ist. 
Im oberen Turon kommen Kreideceratiten vor, die Peron von Tis- 
>:otia als Heiiulissoüa und Tscinfn/ixxo/ia allgetrennt hat. 

Darüber folgt das unteiste Senon mit einer reichen Tissotienfauna 
(nebst Pksiolissolia und Hc/c/v/isso/ia) nrit 

1) Peron, Amm. crct. Algerie, S. 13 ff. 

2) Nach Perons Citat. 



204 Dr. Friedrich Solger: 

Mortoniceras tcxanum Roem. sp., 

Atorloniceras Bourgcoisi? 

Gauthiericerns Roqiui Peron, 

Placenliceras Pmdhommei Peron, 

Peroniceras Czörnigi u. a. 
Diese Schichten führen Plkattda und Ostreen in gr(jßer Menge. 
In höheren Schichten sind nach Peron keine Ammoniten bekannt 
Tuniä. Das Turon von Tunis*) entspricht dem algerischen, das Senon unter- 

scheidet sich aber insofern, als bei Kef im zentralen Tunis auch seine 
oberen Schichten Ammoniten führen, und zwar Heteroceras polyploami, 
doch handelt es sich dabei schon um Horizonte, für die in den Mungo- 
kalken keine Anzeichen vorliegen. 
Ägypten und Die obere Kreide vop Ägypten und Syrien ist in neuerer und 

Syrien. neuester Zeit von Blanckenhorn ^) bearbeitet worden, auf dessen ausführ- 
liche Tabellen ich verweise. Das Turon ist in beiden Gebieten gar nicht 
oder nur schwach entwickelt, so daß Blanckenhorn^) die An.sicht auf- 
stellte, das Turon gehe geradezu in das Cenoman auf, indem sich echt 
cenomane Typen, z. T. vergesellschaftet mit turonen, bis dicht an die 
untere Grenze des Senon verbreiteten. Cephalopodenführendes Turon ist 
aus Ägypten, und Süd-Syrien überhaupt noch nicht mit Sicherheit bekannt 
geworden. Wichtiger ist wieder das Senon Ägyptens. Das Santonien ist 
in der arabischen Wüste durch Ostreenmergel, in ihrem südlichen Teile 
und im Niltale durch die Transgressionsbildung des Nubischen Sandsteins, 
in der libyschen Wüste bei Abu Roasch dagegen durch Kalke mit Austern, 
Plicatida, Heminslcr und Tissolin Tissoti vertreten. In Mittelsyrien kommt 
im Libanonkglkstein Maminiles nodosnidcs vor und Acaiillioccras Nnvboldt 
Stol. sp. Zusammen mit einem anderen Acanthoceratiden, der vielleicht 
in die Nähe von Prionotropis Woolgari gehört, bilden sie die einzigen Ce- 
phalopoden des dortigen Turons. 

Senone Ammoniten enthält die weiße Kreide von Mär Saba und vom 
Olbergc, sie führt Peroniceras cf. subtricarinatum, AcantJioceras sp. und Ammo- 
nites Goliath. Bei Kerak findet sich ferner in weißer Foraminiferenkreidc 
Mortoniceras texanum. Die sporadische Natur dieser Nachrichten läßt ver- 
muten, daß durch sie der Ammonitenreichtum jener Schichten nicht ent- 
fernt wiedergegeben wird, andererseits wird man aus ihr aber mit Recht 
auf eine wirkliche Armut an Ammoniten, zumal an lokalen Formen, 
schließen dürfen. 



i) Blanckenhorn, Der Atlas, reterm. Mitt. Erg.-H. 90. S. 22, Gotha :888. 

2) Blanckenliorn, Kreidesystem in Mittel- u. Nord-Syrien und Ztschr. d. Dtscli. 
geol, Ges. 1900, S. 21 — 47. 

3) Ztschr. d. Dtsch. geol. Ges. 1900, S. 36, u. Kreidesystem in M.- u. N. -Syrien. 



Die Ammonitentauna der Mungolcalke und das geologische Alter der letzteren. 205 

Die obere Kreide von NataP) wird bezeichnet durch Natal. 

Mortonkeras (?) Siangeri Baily 1 beide Peroniceras sehr nahe stehend 
Mortoniccras (?) Sonloni Baily J oder gar dazu gehörig. 

Hauericeras Gardeni Baily, 
Hauericeras Remhda Forbes, 
Lyioccras Kayei Forbes, 
Anisoceras nigahini Forbes, 
Municricems (?) Umholazi Baily. 
Von Madagaskar beschrieb Gros s o u v r e ^) oberkretazeische Am- Madagaskar, 
moniten, und zwar einige Scaphiten. 

Hauericeras cf. Rembda Forbes, 
Brahmaites cf. Brahma Forbes, 
eine glatte Piizosia und ein Phylloceras. 
Es handelt sich in Natal wie auf Madagaskar nur um Senon, z. T. 
sogar um Obersenon (Brahmaites, Hauericeras Gardeni, Anisoceras rugalum). 
Die Fauna der letzteren Schichten zeigt viel Beziehungen zu den Ariyalur- 
und Valudajur-Schichten Südindiens. 

Neuerdings hat Choffats) neben unterer auch obere Kreide von der 
Conducia-Bai (Mozambique) beschrieben. Es handelt sich dabei meist 
um Cenoman, als vielleicht turonisch betrachtet Choffat nur einen 
Pachydiscus (?) Conduciensis Choff., den er mit Formen der Ariyalurgruppe 
vergleicht und mit Pvzosia Denisoniana, von welcher er aber in wesent- 
lichen Punkten abweicht. 

Im östlichen Teil der europäischen Mittelmeerländer ist kein ammo- Europäische 
nitentührendes Turon oder Untersenon bekannt. Dagegen beschrieb Mittelmeer- 
Choffat*) solches aus Portugal. Das Turon führt dort in seinem unteren 
Teile: Vascoceras mnndae Choff., 

» Gamai Choff. und ' 

Puzosia cf. planulata; 
höher hinauf folgen verschiedene Vascocerasioxx&cw: 
Vascoceras Douvillei Choff., 

» subconciliatum Choff., 

Acanihoceias cf. Footeanitm Stol. sp., 
Acanllioccras pseudonodnsoidc Choff., 



i) Baily, Quart. Journ. Geol. Sog. London. 1855. XI. S. 45Sfr. Griesbach 
ebenda 1871. XXVII. S. 60 ff. K-ossmat, Jahrb. der Geol. Reichsanstalt 1894. 
Bd. XLIV. S. 463. 

2) Bull. d. 1, Soc. Geol. d. France. 3. SSr. Bd. XXVIII. S. 378. 

3) Actes de la ,Soc. linn. de Bordeaux. C.-R. des seances. Vol. LVII, Bord. 1902. 

4) Choffat, Recueil d'ctudes paltont. s. 1. faune crctacique du Portugal. Vol. I. 
2. Serie. S. 44 u. 47. 



206 !>>■■ Friedrich Solger: 

Puzosia cf. Gaudama Forbes, 
Vascoceras Kossmati Choff., 

AfMnoniks Arnesensis Choff., 

Pachydisciis pernmplus var. Bcyrcnsis Choff., 

Ammoniies ip. äff. superstes. Kossm., 

» sp. äff Mavvnilcs Tcvcsiciisjs Pcron. 

Tm Scnon endlicli finden sich : 

Hemitissotia Ceadowoensis Choff., 

HopUtes Vari (Schi.), Jjar. Marroti. (Coqu.), 

Pachydisciis sp. 
icli. Aus dem Südosten Frankreichs besclirieb Fallot') eine Reihe 

von Ammoniten untersenonen AUcrs, die wesentlicli den Gattungen Pero- 
?iiceras, Tissolin und Bmioisiccras angehören. 

Bei Padern') in den Ost-Pyrenäen liegen unter Hippuritenschichten 
unterturone Kalke mit Mammilcs Rochchrimci Cocju., Psendolissolia Gal- 
Kennei d'Orb. sp., Puzosia Ansl.eiii Sharpe, ParJ?ydiscus Linderi de Gross., 
als fraglich werden angegeben: MammUes cf. nodosoidcs Schloth. sp., Prin- 
nottopis cf. papalis, Mortonicci as cf incnnstans, Dcsmoccras cf latidorsa/niit, 
Gaiidryceras cf. RouvilUi. 

Aus dem Untersenon von la Bastide in den Pyrenäen führt 
Toucas^) Tissotia Eivaldi und Mortoniceivs texaniwi an. 

Im Pariser Becken charakterisiert G r o s s o u v r e 3) das untere 
Turon (Ligcrien) durch 

Pachydisciis peramplus Mant., 

Barroisiceras (?) Fleiiriaiisi d'Orb. sp., 

Prionotropis Woolgari Mant., 

Neoplychiies cephalotus Court, sp., 

Prionotropis papalis, 

Amm. Salmiirensis. 

Mammites Rochehrunci Coqu. sp., 

Aca7ithoceras deverioide Gross., 

Psendolissolia Gallicnnei d'Orb. sp.; 
das obere Turon (Angoilmien) durch 

Pachydisciis peramplus Mant., 

Sphenodiscus Requieni d'Orb. sp., 

Acanthoceras Deveriai d'Orb. sp. ; 



1) Fallot, Etüde geol. s. 1. etages moyens et sup. d. terr. cret. dan; 
de la France. Paris 1885. 

2) Roussel, Bull. Soc. Geol. France. 3. Serie. Bd. XXIII. S. 92. 

3) Bull. ,Soc. Gfenl, France. 3. Serie. Bd. XVII. S. 475 fl'. 



k 



Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 207 

das Untersenon durch: 

BaiToisiceras Haherfellneri F. v. H. sp., 
Peroniceras iricarhiaium d'Orlj. sp., 
» Moureli, 

» Nojidi, 

Tissolia Ewalch und andere Tissolüu, 
Mortoniceras Bourgeoisi d'Orb. sp. und andere 

Mortoniceras-hxtcvL i), 
Gauthiericeras Margae Schi, sp., 
Placenliceras Fritschi Gross., 

» syriale Mortoti sp. 

Was die obere Kreide Englands betrifft, so ist es mir nicht ge- England, 
hingen, das genaue AUer der einzelnen dort gefimdenen Ammoniten im 
Vergleich mit der festländischen Schichtenfolgc festzustellen, diich führe 
ich als turone Formen an 2) : 

Pachydiscus peramplus Mant., 
Puzosia Amicni Sharpe, 
Acanthoceras Deveriatiiim d'Orb. sp., 
Mammites rusticus Sow., 
Scliloenhachia .g07ipiliana d'Orb. sp. 
Untersenonen Alters ist: 

Gauthiericeras Bravaisianuni d'Orb. sp. 
In Norddeutschland entspricht dem Turon der obere Pläner; aus Nord- 
ihm beschrieb Schlüters): deutscUand. 

Mammites nodosoides Schloth., 
Pachydiscus Leioesiensis Mant., 

» perawplus Mant., 

Prionotropis Woolgari Mant., 
» Carolina d'Orb., 

Barroisiceras (?) Flcuriausianum- d'Orb., 

» Neptuni Gein., 

Schloenbachia cf. Goupiliana d'Orb., 
Puzosia Austeiii Sharpe, 
» Hernensis Schi., 
Scapliites Geinitzi und eine Reihe von Nebenformen. 
Der Emscher führt nach Schlüter, 

Gaiitliiericeras Margae Schi, sp., 



i) Grossouvre, Amin. d. 1. craie sup. d. France. 

2) Siehe Sharpe, Chalk Cephalododa (Teil I— III. In Dcscription oflh: iossil 
remains of molliisca in the Chalk of England. London 1853.) 

3) Schlüter, Cephaiopoden der oberen deutschen Kreide, S. 251. 



k 



ichlei 



208 Dr. Friedricli Solgen 

Mortoniceras tcxanum F. Roemer sp., 

» Emscheris Schi, sp., 

Peroniceras subtricarinahim d'Orb. sp., 
» tridorsalum Schi, sp., 

» westphalicum Stromb. sp., 

Barroisiceras alsladenense Schi, sp., 
Puzosia Hernensis Schi, sp., 

» (?) Mengedensis Schi, sp., 
Plaeenticeras cf. placenia Mort., sowie 
Scaphiten, Hamiten, Tiirriliten und Baculiten. 
Darüber folgen Plaeenticeras syrtale Römer sp. und Desmoceras clypeale 
nebst anderen Dcsmoceraten. 
Nieder- In Niederschlesien i) sind aus dem Untersenon Placmticems Or- 

■ bignyanum Gein. und Peroniceras sublricarinatum d'Orb. sp. zu erwähnen. 
In Böhmen finden sich nach Fritsch ^), Laube und Bruder') im 
Turon (Weißenberger, Malnitzer, Iser-, Teplitzer-Schichten) : 
Mortoniceras Bravaisianum d'Orb. sp., 
Barroisiceras (?) Neptuni (= Fleiiriaiisianum?) Gcin., 
Prionolropis Woolgari Mant. sp., 
» Carolina d'Orb. sp., 

» Schlueteriana L. u. Er., 

» papaliformis L. u. Br., 

Acanthoceras Deveriai d'Orb. sp., 

» rotomagense Brongn. sp., 

» hippocastanum Sow., 

» naviculare Mant., 

» Mantelli Sow., 

Mammites conciliatus Stol. sp., 

» nodosoides Schloth. sp., 

» Tischer i L. u. Br., 

» Michelobensis L. u. Br., 

Puzosia Austeni Sharpe, 
Pachydiscus peramplus Mant., 
» Lewesiensis Mant., 

» juvencus L. u. Br., 

Desmoceras montis albi L. u. Br., 
Plaeenticeras memoria Schloenbachi L. u. Br., 



1) Drescher, Ztschr. d. Dtsch. geol. Ges. 1863, S. 314. 

2) Fritsch, Cephalop. d. böhra. Kreideform, S. 7. 

3) Laube u. Bruder, Palaeontographica, Bd. 33, S. 219 (Die oberen Schichten 
des Turon sind dort als Senoner Quader und Senoner Pläner bezeichnet.) 



Die Aiumonitenfauna der Mungükalke und das geologische Alter der letzteren. 209 

AmmoHÜes Malnicensis Fr., 
» albinus Fr.; 

im Untersenon: 

Pergniceras sublricarinatum d'Orb. sp., 
Mortoniceras texanuvi Roem, sp., 
Gauthiericeras (?) Gcrmari Reuss. sp., 
Placenticeras orbignymium Gein., 
» polyopses (= syrtale), 

Puzosia (?) Ta?menbergka Fr. sp., 
? Barroisiceras Neptuni Gein. sp., 

» denlatocarinatnni F. Roem. sp. 

A/mn. Schloenbachi Fr., 

» Akxa?idii Fr. (Desnioceras ?) , 
» bizonatiis Fr. (Phylloceras?) 
mid verschiedene Nebenformen. 

Weiter sind die Gosaubildungen zu berücksichtigen. Die zahl- Gosau, 
reichen von dort bekannt gewordenen Cephalopoden dürften nach Gross- 
en vre i) sämtlich dem unteren und mittleren Senon angehören. Indem 
ich bezüglich der genaueren Liste auf Redtenbacher ^) verweise, führe 
ich hier nur die dort vertretenen Gattungen an. 

Tissotia, I Puzosia, 

Muniericeras (M. gosamcum Hauer 

sp.), 
Phylloceras, 
Lytoceras, 
Tetragonites {T. mitis Hauer sp.). 



Barroisiceras, 
Pero7iiceras , 
Gauthiericeras, 
Atortonicei as , 
Pachydiscjis, 
Desnioceras, 



In Rußland^) und Siebenbürgen*), sowie in Rumänien"') RuMand, 
haben die hier in Betracht kommenden Schichten bisher anscheinend i,jjr„gf, j{jj 
fast gar keine Ammoniten geliefert. Nur aus dem Kaukasus wird ein mänieu. 
Pachydiscus Baeri Simon, und ein Desmoceras Bartabossi Kar. zusammen 
mit Inoccramus Cuvieri und Cripsi erwähnt. 



1) Bull. Soc. Geol. France XXII. (III. Serie.) S. XIX. 

2) Redtenbacher, Cephalopoden der Gosauschichten. Abh. d. k. k. geol. Reichs- 
anstalt. Bd. V, S. 211. 

3) Karakasch, Fortschr. i. Stud. d. Kreide-Ablg. i. Rußland. 

4) Blanckenhorn, Ztschr. d. Dtsch. geol. Ges. 1900. Bd. LH. Protok. S. 23 fF. 

5) Popovici-Hatzeg, Contr. ä l'dtude d. 1. faune du cret. sup. de Roumanie 
Paris 1899. 

Beiträge zur Geologie von Kamerun. 14 



210 ]>. Fricarich Soiger: 

Afghanistan, In Asien, sind Ammoniten aus den turonen und untersenonen Ab- 

Belud- lagerungen Afghanistans, Beludschistans und Nordindiens 
Nordindien, ^«^^t gar nicht belcannt. Ich habe in der mir zugänglichen Literatur nur 
ein unbestimmbares Bruclistüclc eines Hamites oder Timilites aus der 
Gegend von Quetta (Afghanistan) ^) und das Vorkommen von Placadkeras 
giiadelonpae Roemer sp. in der Kreide des unteren Narbada-Tals (Nord- 
indien) ä) erwähnt gefunden. 
Sildindien. Um .SO reicher ist die Fauna der s ü d i n d i s c h e n Kreide, die zu- 

letzt von Kossmat eingehend bearbeitet wurde. In Anbetracht der 
großen Zahl von Arten, die sich dort fanden, verweise ich hinsichtlich 
der Einzelheiten auf die Tabelle, welche Kossmat gibt, sowie auf seine 
stratigraphische Übersicht s). 

Dem Turon und Untersenon entsprechen in Südindien die obere 
Utaturgruppe und die Trichinopolygruppe sowie die untersten 
Teile der darüber folgenden Ariyalurgruppe. Erstere ist gekennzeichnet 
durch eine Reihe von Aran///oc/'mxionnen, durc); Pnzosia plamdatn, Piizosia 
Denisoniana, Neoptychitcs Tclinga, N. Xetra u. a. 

In der unteren Trichinopolygruppe wurden Baculites cf. bohemkiis 
Fritsch, ScaphUcs n. sp. äff. Gcinitzi d'Orb., Gaiithiericeras (?) setratocarinatmn 
und Pachydiscm Vaju gefunden. 

In der oberen Trichinopolygruppe herrschen Hokodiscus, Pachydiscus, 
Puzosin, häufig sind auch Desmoccras sugata Forbes und Placenticeras iamn- 
Ucum, ferner kommen einige Lyioceralen vor und Pcronkeras dravidkum 
Kossm. sowie Heteroceras indkum Stol. 

Von der Ariyalurgruppe gehören dem Untersenon, soweit es hier 
in Betracht kommt, jedenfalls nur die untersten Schichten an, in denen 
noch Peronkeras dramdkum Kossm. vorkommt *), die liöheren Horizonte 
mit Jlauerkeras Gardeni und jßrahmaües Brahma ents]3rechen schon dem 
Obersenon. 
Japan. Die aus der japanischen Kreide bekannt gewordenen Ammoniten 

dürften meist ins Cenoman zu rechnen sein. Desmoceratiden sind herrschend, 
auch Pnzosia Denisoniana wurde dort gefunden '•'). 
Auatralten. In Australien scheinen nach Kossmat aus Turon und Untersenon 

Ammoniten nicht bekannt zu sein, die betreffende Arbeit von Jack und 
Etheridge konnte ich leider nicht einsehen. 



1) Meuniers, Geol. .Surv. of India. Bd. XX. P. II. S. 42. 

2) 1. c. Bd. XXI. Art. 1. S. 39-40. 

3) Kossmat, Südindische Kreideforniation, S. iqCff. 

4) Südindische Kreideformation, S. 95. 

5) Jimbo, Pal. Abh. Bd. VI Hefts, und Yokojama, Palaeontographics 
S. 159 — 202, 



Die Aniraonitenfauna der Munj;okalke und das geologische Aller der letzteren. 211 

Was Amerika betrifft, so kann ich mich bezüglich der Westseite Amerika. 
kurz fassen; denn aus den Shasta-Chico-Scbichten von Californien imd CaWormen 
den gleichaltrigen Ablagerungen von Vancouver und Queen-Char- 
lotte-Island' werden außer Peuwiceras sublyicannatmn keine Ammoniten 
erwähnt, die mit Kameruner Formen naher verwandt wären ^). InColum- Columbien. 
bien, dessen Kreideversteinerungeu Karsten 2) und später Gerhardt 3) 
beschrieb, ist obere Kreide durch Ammoniten überhaupt noch nicht sicher 
belegt, so daß Gerhardt alle dort gefundenen Ammoniten zur unteren 
Kreide zieht. Doch dürfte es fraglich sein, ob nicht Barroisiceras (?) 
rhombifemm Gerb. sp. oberkretazeisch ist und ob nicht auch manche der 
Prionocychm'ioxxa.^^ aus den dortigen Schichten, z. B. F. püaknsü Stein- 
mann nahe Beziehungen zu Barroisiceras Haberfellneri besitzen und unter- 
senonen Alters sind. 

Untersenon kommt sicher vor in Peru*) und Venezuela'^), wo es Peru, 
durch Len/iceras Andii Gabb. sp. charakterisiert wird. In Venezuela V«"'^^"'^'^- 
führt es außerdem 

Mortotiiceras kxaiium Roem. sp., 

— canaense Gerb., 
Gautbiericeras Lenti Gerb., 

— Margac Schi, sp., 
Amaltheus Sieversi Gerb. 

Von Peru beschrieb Paulcke neuerdings 

Tissotia Ficheuri vaf. Peruana und 

Placenticeras attenuatum Hyatt. 

Bei den Ammoniten der brasilianischen") Kreide ist eine Aus- Brasilien. 

sonderung der Turon- und Untersenonformen nicht wohl möglich, da die 

Horizontierung doch ziemlich unsicher ist. Nach Kossmat i.st die ganze 

Sergipe-Kreide, um die es sich in erster Linie handeil, wahrscheinlich 

Cenoman. 

Reicher sind die Anhaltspunkte im östlichen Nord- Amerika. Östliches 

Hier kommt die Kreide von Texas und in den nördlich davon gelegenen Nord- 

j . , amenka. 
Gebieten der Vereinigten Staaten in Frage. In letzterer Gegend wird 

das Turon durch die Colorado-Formation') vertreten, die aus einem 



1) Literatur s. bei Kossmat, Jahrb. d. geol. Reichsanstalt. Bd. 44, S. 471 f. 

2) Amtl. Bericht üb. d. XXXII. Vers. Dtsch. Naturf. u. Ärzte in Wien im 
September I856, S. 80 ff. 

3) N. Jahrb. f. Min. etc. Beil.-Bd. XI. 1898. S. 118—208. 

4) Gerhard 1. c. 

5) Paidcke, N. J. f. Min. etc. Beil.-Bd. XVH. S. 283. 

6) White. Palaeontology ol' Brazil, und Branner, Transact. Amer. Phil, Soc. 
Philadelphia 1890. Bd. XVI, S. 825. 

7) Dana, Manual of Üeology. IV. Ed. S. 825. 



212 Dr. h-ricUrich Solger: 

unteren Teil, der Fort-Benton-Gruppe und einem oberen^ der Niobrara- 
Gruppe besteht, und über der als Vertreter des untersten Senons die 
untere Stufe der Montanaforination, die Fort-Pierre-Gruppe, folgt. 
Die Coloradoformation ^) führt 

Amm. Mullananus Morton, 
Prionotropis Woolgari Mant., 
» I-Iyaiii, 

•> Loe7jiana White, 

Prionocyclus Wyomingensis Meck., 

» (?) niacombi Meck., 

Mortonüeras Shoshonense Mk., 

» vermilionense Mk. u. Hd., 

Acanthoceras Swallowi Shum., 

» (?) kanadense, 

Baculites gracilis Shum., 
» asper Morton. 

In der Fort-Pierre-Gruppe finden sich Baaditen, Heteroceras- und 
Ptychoccras-Yoxvx&vi. Placenticeras placenta ist beiden Formationen gemeinsam. 
In Texas entsprechen diesen Schichten die Eagle-Fort-Schiefer und 
der Austin- Kalk ä). Erstere führen: 
Prionotropis Woolgari., 

» Graysonensis, 



Acanthoceras Swalloivi, 

» inaequiplicatum, 

PiikheUia (?) bentoniana Gragin [vielleicht auch ein Acantho- 
ceras nach der Beschreibung] 
und ein Ancyloceras. 
Der Austinkalk enthält: 

Mortoniceras texanum, 

3 shoshonense, 

Placenticeras syi'tale, 
Baculites asper. 
Enge Be- Aus dieser Übersicht über die Verteilung der Ammoniten in den ver- 

ziehungen schiedenen Turonablagerungen der Erde und in den zunächst darüber- 
zwisc en jjggg^^^gj^ Senonschichten geht hervor, daß die faunisti sehen Be- 



und Ziehungen der Kameruner Kreide am engsten sind gegenüber 
Nordafrika. Nordafrika. Sieht man von dem Baculitcn und den beiden zu Acan- 



1) Shanton, Coloradoformation. Bull. Geol. Surv. U. S. No. io6. 

2) Dana, Man. of Geology. IV. Ed. S. 824. Cragin, Contr. to the invertebr. 
of Texas cretaceous. 



Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 213 

Ihoccms gestellten Formen ab, so entspricht jeder Kameruner Ammoniten- 
art eine nahe verwandte Art derselben Gattung in Algier, wie aus folgen- 
der Gegenüberstellung hervorgeht: 

Kamerun: Algier: 

Piiaosia Denisoniaiia. Pit.zosia Aiisieni. 

NeopiycMtes telingaefonnk. \ ^ ,,^.;^ .,^., j^i-„^„ 

» crassus. J 

Hohliloides Wohltman.nL „ , ,. „ ..,,„,.-... 

' . Sphenodtscus Requiem.-' ( Taf. IV 

"'/' ■ ■ . Fig. 2, \ bei Peron). 

4 Koenein. 

.', <yihho.mlm. Plarenticera.'i Pnidhommei? 



Eine ganze Reihe von Tissotien 
und ähnlichen Formen. 



lissolia latelobata. 
, /,oh.o„a. 
Tseiidniissniia Philippii. 
Bairoisicems Desmoulhisi. \ 

;> Haberfellncn. • Barroisüeras Plnheijellncri. 

» Brancoi. \ 

Peroniceras Dravidicuni. Peronkcra.s Csömigi. 

Die Beziehungen zu Ägypten und Syrien sind, entsprechend der Beziehungen 
Formenarmut der dortigen Faunen, verhältnismäßig geringer. Sie bestehen ^^^1^^.^']^^ Qg_ 
in dem gemeinsamen Vorkommen von Tissolia und Feroincems. bieten. 

In Europa ist die portugiesische Kreide ohne nähere Beziehungen 
zu der Kameruner. Zwar haben Acanthoceras cf. FooUanum aus dem por- 
tugiesischen Turon und Acanthoceras Eschi von Kamerun äußerlich viel 
Ähnlichkeit, aber eine ganz verschiedene Lobenlinie, und im übrigen ist 
das einzige, beiden Gebieten Gemeinsame das Vorkommen Tissoti.a-'A\VL- 
licher Formen im Senon. 

Enger verbunden mit der Kameruner Fauna scheint die der franzö- 
sischen Kreide durch das Vorkommen von Neoplychites, Tissotia, Bar- 
roisiceras und Peroniceras. 

In Böhmen sind Barroisiceras und Peroniceras gleichfalls vorhanden, 
Neoptychites und Tissotia fehlen, dafür aber kommt Puzosia Aiuteni vor. 

In den Go sau bil düngen finden wir alle sicher untersenonen Ele- 
mente der Mungokalke wieder: Bairoisiceras, Tissotia, Peroniceras. 

In Norddeutsch land kommen Tissotien und Neoptychiten nicht 
vor, dafür aber Puzosia Auslcni, ebenso Barroisiceras und Peroniceras. 

Puzosia Austeni geht auch nach England hinüber, dessen Ammoniten- 
fauna im übrigen keine engeren Beziehungen zur Kameruner Kreide besitzt. 

In Indien kehren zwei der Kameruner Arten wieder, Puzosia Deni- 
soniaiia und Peroniceras Dravidicum, Neoptychites ist durch N. Tclinga und 
Xelra vertreten, dagegen fehlen Barroisiceras und Tissotia, falls man 



214 Dr. Friedrich Solger: 

ersterer Gattung niclit den Am. serralocnrinaliis zurechnen will, was ich je- 
doch nicht für gerechtfertigt halte. 

Gering sind die Anklänge an Amerika. Allerdings ist es auffallend, 
daß Baculües gracilis gerade aus Nordamerika bekannt ist, in Europa je- 
doch anscheinend fehlt. Indessen kann eine so kleine, wenig ansehnliche 
Form verhältnismäßig leicht übersehen worden sein, Neoptychites ist aus 
Amerika nicht bekannt, Tissotia nur aus Südamerika, Banoiskems höch- 
stens aus Columbien, aber auch da unsicher. Peromcems kommt in Ca- 
lifomien vor, ebenso Puzosia, während östlich der Sierra Nevada an Stelle 
des ersteren Mortonkeras tritt, Puzosien aber anscheinend ganz fehlen. 

Keine klare Wenn hiernach die Kameruner Kreide am engsten mit der nord- 

nSßigk'eit af^l^'^nischen und südeuropäischen verknüpft erscheint, so fehlen doch 

in der geo- auch Zusammenhänge mit anderwflrtigen Kreidegebieten nicht. Ja, wenn 

graphischen man nicht die Gattungen, sondern die Arten vergleicht, dann kehren in 
der'^e'in"^ Indien zwei Spezies von Kamerun wieder, in Amerika eine und in Europa 
zelnen zwei, jedoch zur selben Gattung gehörig. Die Beziehungen zu Indien 

Gattungen, sind, von diesem GesichtsiDunkt betrachtet, sogar die engsten. Wie die 
Verteilung der Ammoniten in der oberen Kreide überhaupt keine recht 
klare geographische Gliederung erkennen läßt, so kann auch die Kameruner 
Fauna nicht einem bestimmten geographischen Faunencomple.x angegliedert 
werden. 

Um so mehr muß dieser Versuch hier aufgegeben werden, weil die 
faunistischen Grenzen im Turou und Senon schwerlich die gleichen ge- 
wesen sein werden, eine Unterscheidung der turonen und senonen Fauna 
also notwendig wäre, die sich aus oben erläuterten Gründen für den 
Mungokalk bisher nicht durchführen läßt»). 

Aber daß auch eine solche Scheidung noch nicht zu klaren Vor- 
stellungen von etwaigen alten Meeresbecken oder anderen Grenzen führen 
würde, sieht man aus der verschiedenen Verbreitimg gleichzeitig lebender 
Gattungen. So ist Barroisiceras in Norddeutschland, Böhmen, der Gosau, 
Frankreich, Algier, Kamerun und vielleicht auch in Südamerika gefunden 
worden, TissoHa dagegen fehlt in Norddeutschland und Böhmen, sowie in 
Nordamerika, bildet dagegen das herrschende Faunenelement im Untersenon 
Ägyptens. Die Grenzen, die den einzelnen Formengruppen gesteckt sind, 
haben eben vielfach nur relative Bedeutung, sie gelten für diese, aber 
nicht für jene Gattung. Die Gründe für solche Verschiedenartigkeiten 
werden in den Ammoniten selbst zu suchen sein, in ihrer Lebensweise, 
in ihrer Widerstandsfähigkeit gegen klimatische Einflüsse, und schließlich 
wird es noch fraglich sein, ob wirklich das Verbreitungsgebiet der fossilen 
Schalen jedesmaf dem Verbreitungsgebiet der lebenden Tiere entspricht, 

i) Siehe S, 200—202. 



Die Ammonitenfauna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 215 

oder ob die mögliche Verfrachtung der leeren Gehäuse nach dem Tode 
der Tiere, auf die Walt her aufmerksam machte, nachträglich das zoo- 
geographische Bild verschoben hat. Wenn also auch keine klare Gesetz- 
mäßigkeit aus dem Vergleich des Mungokalks mit anderen gleichaltrigen 
Ablagerungen hinsichtlich der Ammonitenverteilung sich ergibt, so regt 
dieser Vergleich doch zu einer Reihe von Vorfragen an, deren Lösung 
die Erkennung der vorhandenen, aber verschleierten Gesetzmäßigkeiten 
zu fordern geeignet sein wird. 

Wir fragen: Ist die Fauna der Mungokalke wirklich die Fauna des Mögliche 
Kreidemeeres der Kamerunhucht, oder sind durch Wind und Wellen ^[^"gjf^g,"'. 
fremde Elemente später hinzugetragen, ursprünglich hier heimische fort- phische Ver- 
geführt worden? "^ _ 'eln""!^,,««' 

Schwammen die Ammoniten frei im Meere umher oder liefen .sie, (^'JJj'yngen. 
wie es die Octopoden vielfach tun, oder krochen sie gar ähnlich den 
Schnecken ? 

Sind bestimmte Gattungen an bestimmte klimatische Verhältnisse ge- 
bunden gewesen, an einen bestimmten Wärmegrad oder Salzgehalt? 

Wenn sich auch diese Fragen nicht vollständig und nicht exakt be- 
antworten lassen, so glaube ich doch, daß ein Verständnis der ;> Urkunden 
unserer Erdgeschichte«, als die man das paläontologische Material so gern 
bezeichnet, nur gewonnen werden kann, indem man jeden Anhaltspunkt 
für die Beantwortung solcher Fragen, wie der oben genannten, sorgfältig 
zu benutzen sucht, und ich will deshalb im Folgenden versuchen, wenig- 
stens bezüglich der zweiten Frage einige bestimmtere Anschauungen zu 
begründen, aus denen dann auch für die beiden übrigen sich einige 
wichtige Folgerungen ergeben werden. 

Einige Bemerkungen über die vermutliche Lebensweise 
der Hoplitoiden, Tissotien und Neoptychiten. 

Wie Herr Professor Frech in seiner Arbeit über devonische Ararao- 
neeni) ausführt, lassen sich im Paläozoicum von einzelnen über große 
Gebiete verbreiteten Goniatitengattungen andere unterscheiden, die immer 
nur ganz lokal vorkommen, und Herr Professor Frech knüpfte daran die 
Anschauung, daß es sich im ersteren Falle um nektonische, im letz- 
teren um benthonische Formen handle. 

Um so mehr Interesse dürfte es haben, wenn auch hier in der Kreide 
sich bei der lokalen oder doch in ihrem Verbreitungsbezirk sehr eng be- 

t) Beitr. /,. Geol. u. Pal. Ostr.-Ung. u. tl. Orients. Bd. XIV. S. gl. Wien 
u. Lpz, igo2. 



216 Dr. Friedrich Solger: 

grenzten Gattung Iloplitoides gleichfalls Tatsachen beobachten lassen, die 
für eine benthonische Lebensweise der Hopliloides-TKiQ sprechen. 

Die geringe räumliche Verbreitung allein könnte ja auch andere Gründe 
haben, als mangelnde Beweglichkeit seitens des Tieres, sie könnte durch 
klimatische Gründe bedingt sein oder durch lokalisiertes Vorkommen be- 
stimmter Futtertiere, oder endlich könnte sie auf einer Täuschung beruhen, 
die sjJätere anderweitige Funde zerstören würden. Es müssen jedenfalls 
Beobachtungen an der Schale selbst hinzutreten, die es wahrscheinlich 
machen, daß diese einem benthonischen Tiere angehörte. 

In diesem Sinne scheint mir ein Stück meines Materials wichtig, bei 
dessen Präparation sich ergab, daß, trotzdem die äußere Schale keine 
Unregelmäßigkeiten erkennen ließ, die vorletzte Windung eingebrochen 
war. Es handelte sich um eine seitliche Eindrückung mehrerer Luft- 
kammern, bei der die Scheidewände ganz zerbrochen worden waren. 
Nichtsdestoweniger legte sich die innere Schale der nächsten Windung 
ohne merkliche Unregelmäßigkeit über die beschädigte Stelle. Sie war 
nicht mit zerbrochen. Der Bruch hatte also offenbar vor ihrer Bildung 
stattgefunden. Das Tier hatte aber, wie aus dem ungestörten Weiter- 
wachsen der Schale hervorging, ruhig noch längere Zeit weiter gelebt. 
Wäre der Ammonit, dem das hier besprochene Gehäuse angehörte, in 
seiner Lebensweise an ein freies Schwimmen gebunden gewesen, dann 
mußte die Kammerung der Schale für ihn die Bedeutung haben, ihm 
das Tragen der schützenden Schale zu erleichtern, und wenn eine Anzahl 
Luftkammern zerstört waren, mußte die Schwimmfähigkeit des Aramoniten- 
tieres, dessen Schalenlast nun um das Gewicht des eingedrungenen Wassers 
vermehrt war, stark behindert, wenn nicht gar vollständig aufgehoben sein. 
Die Verletzung würde also einen schweren Eingriff in die Lebensfunktionen 
des Tieres bedeutet haben. Daß die Schale aber ruhig weiter wuchs und 
noch mehr als einen halben gekammerten Umgang jenseits der Ver- 
letzungsstelle zeigt, weist darauf hin, daß der Verwundung eine so große 
Bedeutung niclrt zukam, daß das Tier also nicht an eine freischwimmende 
Lebensweise gebunden war, daß es jedenfalls von vornherein auf dem 
Boden des Meeres lebte. Ich möchte es sogar für wahrscheinlicher halten, 
daß es sich nicht einmal laufend auf seinen Armen fortbewegte, son- 
dern kriechend, indem die Schale dem Boden auflag; denn auch im 
ersteren Falle würde eine bedeutendere Erhöhung des Schalengewichts 
eine wesentliche Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit und dadurch 
auch der Ernährungsfähigkeit im Gefolge haben. 

Dafür, daß die Schale dem Boden auflag, daß das Tier sie schleppte 
und sich nicht halb und halb von ihr tragen ließ, wird die Wahrschein- 
lichkeit noch größer durch das häufige Wiederkehren der Erscheinung, 
daß die Sutur, und also auch die Scheidewand, auf beiden Seiten des 



Die Amtnonitenfauna der Mnngokalke und das geologische Alter der letzteren. 217 

Gehäuses verschieden gestaltet ist und daß in der Jugend, so lange die 
Außenseite noch breit ist, der Sipho häufig auf der einen Seite der Außen- 
furche liegt. Bei einem schwimmenden Tiere und auch bei einem Tiere, 
das zwar auf dem Boden läuft, seinen Körper aber doch durch die in 
der Schale enthaltene Luft frei über den Boden tragen läßt, hegt kaum 
ein Grimd vor, daß die ursprünglich so vollständig vorhandene Symmetrie 
aufgegeben wird. Bei einem kriechenden Leben am Boden dagegen 
würde ein scheibenförmiges Gehäuse fast mit Notwendigkeit auf die Seite 
fallen müssen, und damit würde sich ein Unterschied zwischen der oberen 
und unteren Seite ergeben. 

Ich habe oben nachzuweisen gesucht, daß die Lobenlinie der Hopliioiden 
ihre besondere Ausbildung der Anpassting an eine bestimmte Lebensweise 
verdankt. Es ist deshalb wahrscheinlich, daß die Ammoniten, welche 
eine ähnliche Sutur besitzen, auch ähnhch lebten, sich im wesentlichen 
übereinstimmenden Lebensbedingungen angepaßt hatten. Dies müßte 
demnach von den Tissotien beispielsweise angenommen werden. Nun 
kann aber ein freischwimmender Ammonit und ein am Boden lebender 
nicht wohl die gleichen oder nur annähernd ähnliche Lebensbedingungen 
finden, zumal die Beziehimgen zwischen Tier und Schale müssen recht 
verschieden sein. Der Umstand, daß Tissotien und Hoplitoidm die gleichen 
Anpassungserscheinungen bezügUch . der Lobenlinie zeigen, fällt also sehr 
dafür ins Gewicht, daß auch diese wie jene ein Leben am Boden führten. 
Auch die verhältnismäßig weite Verbreitung der Tissotien entkräftet meiner 
Ansicht nach diesen Schluß nicht. Gibt es doch auch unter den Muscheln 
Leitformen von sehr weiter Verbreitung. 

Eine Probe für die Richtigkeit dieser Überlegungen bieten die Cera- 
titen der Trias. E. Philippii) hat überzeugende Beobachtungen dafür 
angeführt, daß wenigstens die Nodosen am Boden ruhig lagen, bezw. 
krochen. Lst die oben angestellte Überlegung richtig, dann muß in der 
Nodosengruppe auch , die Hoplifoides-'aniwr bis zu einem gewissen Grade 
wiederkehren: geringe Zerschlitzung der Loben, mehrere Auxiliarelemente, 
Überwiegen des ersten, Kleinheit des zweiten Lateral. Ich möchte zum 
Beweise, daß dies wirklich, und zwar gerade bei den Formen, die auch 
in der äußeren Gestalt Hoplitoiden-ähulich sind, vorkommt, auf Taf. XX 
(LUX.) bei Philippia) hinweisen, sowie auf Fig. 3 und 15 im Texte seiner 
Abhandlung. Die Übereinstimmung ist in der Tat eine recht befriedigende 
und bestärkt mich entschieden in der Auffassung, daß es sich auch bei 



1) Ztschr. d. Dtscli. geol. Ges. 1899. Bd. LI. Protokolle S. 67. 

2) E. Philippi, Die Ceratiten des oberen deutschen Muschelkalks, Pal. Ahh. 
(Dames u. Koken) Bd. VIII. 



218 Dr. Friedlich Solger: 

den »Kreideceratiten« im weiteren Sinne um bodenbewohnende, kriechende 
Formen handelt. 

Schließlich möchte ich noch mit einigen Worten auch auf die Neop- 
lychüen zu sprechen kommen. Die Größe der Wohnkammer im Verein 
mit der Dicke der Schale auf der letzteren lassen es auch hier, wenigstens 
für das alte, erwachsene Tier, unwahrscheinlich erscheinen, daß die Schale 
dem Tiere zum Schwimmen habe dienen können. Andrerseits findet sich 
auch hier eine Verschiedenheit der Lobenlinie auf beiden Gehäuseseiten, 
die bereits in der Jugend sich geltend macht und im Zusammenhang mit 
den eben erläuterten Verhältnissen bei den Hoplitoiden gleichfalls für ein 
benthonisches Leben der Neoptychiten spricht. 

Aber die charakteristischen Eigentümlichkeiten der Lobenlinie sind 
hier wesentlich andere als bei Hoplüoides. Auch ist Neoptychües keine 
räumlich eng begrenzte Gattung, sondern kommt in Europa, Afrika und 
Indien vor. Ich möchte deshalb hier keine bestimmte Ansicht aussprechen, 
sondern mich darauf beschränken, auch für diese Gattung darauf hinzu- 
weisen, daß der besondere Bau der Lobenlinie eine Konvergenzerscheinung, 
die Folge einer äußeren Anpassung, ist. Schon Kossmats Vergleich mit 
den Piychiten der Trias legt die Vermutung nahe, daß ebenso wie die 
»Kreideceratiten«, so auch die »Kreideptychiten« mit ihren triadischen 
Doppelgängern nicht durch Verwandtschaft, sondern durch Konvergenz 
verbunden sein werden. Noch klarer dürfte dasselbe aus der neben- 
stehenden Abbildung hervorgehen (Fig. 76), in der ich zwei Lobenlinien 
von Neoptychiies perovalis und Neoptychües telingaefarmis von Kamerun den 
Suturen zweier Doggerammoniten gegenüberstelle, von denen der eine 
den Fakiferen, der andere den Lytoceraten angehört. Beide Vergleichs- 
formen haben also phyletisch nichts mit einander zu tun und stehen in 
dieser Beziehung auch den Desmoceratiden und also auch Neoptychües, 
recht fern. Auch hier wie bei Hoplüoides und den Kreideceratiten handelt 
es sich aber um Formen, die in Flachseefaunen häufig sind ^), die also 
den dortigen Lebensbedingungen mehr oder weniger gut angepaßt waren. 
Daß die Neoptychitensutur der Anpassung an bestimmte Verhältnisse 
ihre charakteristischen Züge verdankt, scheint mir keiner weiteren Beweise 
zu bedürfen, welches diese Verhältnisse aber waren, das lasse ich dahin- 
gestellt, obwohl ich nicht zweifle, daß es gelingen wird, sie zu ermitteln, 
wenn man. sorgfältig vergleicht, welche Verhaltnisse den verschiedenen 
Vorkommen dieser Sutur gemeinsam sind. 

l) Vergl. Qnenstedt, Der Jura, S. 307, und Amin. d. schwäb.Jura. II. S. 492. 



iiitenfanna der Mungokalke und das geologische Alter der letzteren. 219 



Nach obigen Bemer- 
kungen ist es für Hoplitoides 
ausgeschlossen, daß seine 
Schalen an den Strand der 
Kameruner Kreidebucht erst 
nachträglich verschlagen wur- 
den. Denn, sind die obigen 
Überlegungen richtig, dann 
konnten die Gehäuse gar 
nicht schwimmen. Auch für 
Neoptychites wird man dem- 
entsprechend an ein primäres 
Vorhandensein in der Mungo- 
fauna glauben müssen. Bei 
-Barroisiccras spricht für die 
gleiche Annahme das häufige 
Vorkommen , während bei 
Schalen, die von weit her 
in die Mungokreidebucht ge- 
trieben worden wären, jeden- 
falls kaum viele Gehäuse der- 
selben Art sich an einem 
Punkte angehäuft hätten. 

Für die übrigen Mungo- 
Ammoniten finde ich keine 
Tatsachen, die eine nach- 
trägliche Anschwemmung 
mehr oder weniger sicher aus- 
schlössen, doch ist noch we- 
niger ein Grund einzusehen, 
Weshalb an der Autochthonie 
auch dieser Formen ein Zwei- 
fel berechtigt wäre. Diese 
Frage möchte icli deshalb, 
so möglich an sich ohne 
Zweifel prinzipiell eine Ver- 
frachtung leerer Ammoniten- 
gehäuse ist, in dem Sinne 
beantworten, daß die Ammo- 
niten des Mimgokalks wirklich 
das Kreidemeer der Mungo- 
Bucht selbst bevölkerten. 




220 Dr. Friedrich Solger: 

^Ei^flä's'st"" "^'^^ endlich den Einfluß klimatischer Verhältnisse betrifft, so 

m usse. ,„5^hteich ihnen keine wesentliche Bedeutung für die Verbreitung der 
Ammoniten zuschreiben. Einen Anhalt in dieser Beziehung glaube ich 
in denRudisten suchen zu dürfen. Douville') fand, daß dieRudisten 
und die häufig mit ihnen zusammen vorkommenden Orbitolinen an ein 
Gebiet gebunden sind, das sich gürtelartig um die ganze Erde hinzieht 
zu beiden Seiten eines größten Kreises, dessen Pol etwa im Beringsmeer 
liegen würde. Dies Gebiet, das Douville als ein zusammenhängendes 
mittelirdisches oder » mesogaeisches« Meeresbecken anspricht, verteilt 
sich allerdings nicht ganz gleichmäßig auf beide Seiten jenes größten 
Kreises, sondern liegt mit seinem größeren Teile nördlich desselben. 
Indessen, mag dieser letztere Umstand nun begründet sein in unserer 
geringeren Kenntnis von der südlichen Halbkugel oder wirklich den Tat- 
sachen entsprechen, jedenfalls legt schon die ungefähre Gebundenheit an 
eine solche Zone den Gedanken nahe, daß es sich ebenso wie bei unseren 
heutigen Korallen um einen Klimagürtel handelt, um ein tropisches 
Gebiet. Damit würde allerdings mehr oder weniger notwendig die weitere 
Folgerung verbunden sein, daß dieser Gürtel eine äquatoriale Lage gehabt 
habe, daß die Erdachse zur Kreidezeit etwa im Beringsmeer lag. Ohne 
diese Frage hier zur Erörterung stellen zu wollen, möchte ich für den 
vorliegenden Zweck nur die Auffassung begründen, daß die Verbreitung 
derRudisten einen Anhalt für die Klima- Verteilung der Kreidezeit bietet. 
Außer der Beschränkung auf den oben erwähnten Gürtel spricht hierfür 
die augenscheinliche Verkümmerung der Rudisten in den nördlichsten 
Teilen ihres Verbreitungsgebiets. Ob das Entsprechende auch in den 
südlichsten Teilen wiederkehrt, kann ich nicht genau sagen, doch ist der 
einzige Hippurit, den G. Müller 2) aus Ostal'rika abbildet, nur ein kleines 
Exemplar, so daß die eigentlich riff bildenden großen Formen mehr auf die 
Mitte des Rudistengebiets beschränkt zu sein scheinen. Sind dieRudisten 
tropische Formen gewesen und ist also ihr Verbreitungsgebiet als äquatorialer 
Klimagürtel zu betrachten, dann muß ein solches allmähliches Auslaufen 
der Fauna nach den Rändern zu erwartet werden. Daß es tatsächlich vor- 
handen zu sein scheint, bestärkt also die Anschauung von der klimatischen 
Bedeutung des Rudistcngürtels. 

Andrerseits kann wohl kein Zweifel sein, daß klimatische Unterschiede 
bereits in damaliger Zeit eine wichtige Rolle gespielt haben; denn ab- 
gesehen davon, daß die meteorologischen Voraussetzungen der gewaltigen 
Denudationen früherer Epochen ohne merkliche klimatische Gegensätze 

Bull. Soc. GÄol. Fr. (3.) XXVIII. S. 22z ff. 

2) G. Müller, Versteinerungen des Jura u. der Kreide in W. Bornhardt, Zur 
Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostafrikas. Taf. XXIV Fig. 3, 



Die AiiiiiioniteiifauMa clci Muiigokalke und das yculoglsilie Alter der tetsteren. 22 1 

wohl kaum zu erfüllen gewesen wären, zeigt uns das Vorkommen von 
Jahresringen an jurassischen Hölzern'), daß damals ein Wechsel der 
jalireszeiten und damit die Abgrenzung tropischer und gemäßigter Gebiete 
vorhanden war. Gerade die Rudisten aber werden vermöge ihrer strand- 
nahen und passiven Lebensweise besonders auf bestimmte klimatische 
Voraussetzungen angewiesen gewesen sein. 

Ich glaube mich daher berechtigt, für die Fundpunkte kretazeischer 
Ammoniten ein um so kälteres Klima anzunehmen, je weiter entfernt 
sie von dem Rudistengürtel liegen. 

Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet ist es lehrreich, wie weit 
viele Amraonitengattungen senl^reclit gegen jenen Gürtel 
V e r b r e i t e t s i n d. Die engen Beziehungen der californischen Ammoniten- 
fauna zu derjenigen von Queen Charlotte Island, die Beziehungen des 
indischen Cenoman zum japanischen und des indischen Senon zum süd- 
afrikanischen zeigen bereits, wie wenig die Ammoniten oder wenigstens 
einige Gruppen von ihnen, an jenen vermuteten Äquator gebunden waren, 
und lassen zugleich erkennen, daß die Beschränkung der Rudisten auf 
die »Mesogaea« Douvilles nicht durch Landgrenzen beiderseits dieser 
Zone bedingt ist, daß also auch von diesem Gesichtspunkt aus als wahr- 
scheinlichster Grund Klimagrenzen erscheinen. 

Auch die in Kamerun vertretenen Gattungen ^) sind, während die am 
Mungo um volle 25** außerhalb des Rudisteugürtels liegen, an anderen 
Stellen innerhalb oder gar jenseits desselben bekannt. Puzosia Denisoniava 
tritt in Indien »mesogaeisch«, in Japan gar noclr weiter nördlich auf. 
Baroisiceras, Hopliloides, Neoptychites, Tissofia reichen sämtlicli in den 
Rudistengürtel hinein, erstere Gattung geht sogar etwa bis an dessen 
Nordgrenze. 

Das Ergebnis dieser faunistischen Betrachtungen möchte ich dahin 
Zusammenfassen, daß die Ammoniten z. T. sehr wenig bewegliche Tiere 
waren, daß aber gerade die Formen, von denen dies besonders wahr- 
scheinlich ist, Merkmale der Degeneration tragen, daß mithin diese man- 
gelnde Beweglichkeit kaum eine allgemeine Eigentümlichkeit aller Ammo- 
niten sein dürfte. Da die letzteren andrerseits von Klimagrenzen ver- 
hältnismäßig wenig abhängig scheinen, so wird die Begrenzung der ein- 
zelnen Gattungen in räumlicher Beziehung wesentlich bestimmt werden 
durcli die Grenzen der damaligen Meeresbecken und innerhalb dieser 

1) Nach freundlicher mündlicher Mitteilung von Hrn. Prof. Potouie in Berlin. 

2) Ich sehe dabei von den beiden Acanthoceraten grundsätzlich ab, da der Be- 
griff „Gattung" bei einer so umfassenden Gruppe wie Acanthoceras völlig unver- 
gleichbar ist mit den engen Formengruppen, die bei den übrigen hier in belracht 
kommenden Ammoniten als „Gattung" bezeichnet werden, 



222 I>r- Friedrich Solger: 

wird eine engere Lokalisation erfolgen durch mangelnde Beweglichkeit 
einzelner Formengruppen und durch eine außerordentliche Tendenz, unter 
anderen äußeren Bedingungen die Merkmale der Schale zu verändern, 
eine Eigenschaft, die in der ungewöhnlichen Mannigfaltigkeit und meist 
kurzen Lebensdauer der einzelnen Formen des Ammonitenstammes einen 
lebendigen Ausdruck findet. 

Allgemeine Zusammenfassung. 

1. Die Mungokalke gehören dem Turon und Unterscnon (Emscher) an, 
vielleicht beginnen sie schon im Cenoman. 

2. Ihre Ammonitenfauna zeigt die engsten Beziehungen zu derjenigen 
Algiers. 

3. Die Hauptelemente dieser Ammonitenfauna bilden die Gattungen 
Hoplitoides, Neoptychites und Barroiskerns. 

4. Hoplitoides ist ein Abkömmling der Hoplitcn, Neoptychites gehört zu 
den Desmoceratiden. 

5. Hoplitoides verdankt anscheinend seine besonderen, an die Kreide- 
ceratiden erinnernden Eigentümlichkeiten der Anpassung an eine 
benthonische, kriechende Lebensweise. 



Fossilien der Mungokreide. 220 



B. Übersicht über die sonstigen Fossilien 
der Mungokalke. 



Im folgenden gebe ich eine kurze Übersicht über die Fossilreste des 
Mungokalks mit Ausnahme der oben eingehend behandelten Ammoniten. 
Diese Übersicht ist naturgemäß noch nicht vollständig, die gründliche 
Durcharbeitung des ganzen Materials wird gewiiä noch manche weiteren 
Formen zu Tage fördern. Ich habe, da es sich hier nur um das geologische 
Interesse der Versteinerungen handelt, die neuen Formen nur der Gattung 
nach erwähnt, da sie naturgemäß für die Parallelisierung mit anderen 
Ablagerungen ohne Bedeutung sind. Dagegen habe ich ähnliehe Formen 
anderer Gegenden auch dann zum Vergleich herangezogen, wenn an ihrer 
Verschiedenheit von den betreffenden Kameruner Arten kein Zweifel sein 
kann. Einerseits wollte ich damit eine anschaulichere und möglichst kurze 
Charakteristik geben, und andrerseits wird es sich, wo in örtlich weit ge- 
trennten, gleichaltrigen Ablagerungen so ähnliche Formen vorkommen, 
meist wirklich nur um Standortsvarietäten handeln. 

Echinodermen. 

Die Reste von Stachelhäutern im Mungokalk sind gering. In dem 
unterhalb Balangi gesammelten Material fand ich einen Cidarisstachel, 
einen Galeritiden und einige Spaiangiden, die anscheinend recht gut mit 
Hemiaster lexanus Röemer^) aus der oberen Kreide von Neu-Braunfels 
übereinstimmen, zu deren .sicherer Bestimmung aber die Erhaltung nicht 
genügt. 

Würmer. 

Serpein sind nicht selten, v. K o e n e n beschrieb von der Elephanten- 
bank eine Form von achteckigem Querschnitt als Serpula octangida v. K. ^), 
die ich indessen bisher unter meinem Material nicht wiedergefunden habe. 
Dagegen sind die gewöhnlichen sechseckigen Serpein {Serpula sexangularis 
Mstr.) häufig. 



1) Roemer, Kreidebildungen v. Texas. S. 85. Taf. X Fig. 4. 

2) 1. c. S, 46. Taf. IV Fig. 26. 



224 



Muscheln. 

Avkula. 

Von der Elephantenbank liegt mir ein Exemplar einer Avicula 
vor, die Avicula gastrodes Meek aus der Coloradoformation Nordamerikas 
nahe steht. Es ist offenbar dieselbe Art, die in größerer Menge auch 
in den sandigen Schiefertonen unterhalb Mvmdame auftritt und 
dort näher besprochen werden wird. 

Eine in den Aufschlüssen der Elephantenbank, bei Balangi und unter- 
halb Balangi, gefundene Muschel gleicht der A. raricosfa Reuß aus der 
Gosau, nur mit der Ausnahme, daß sie weniger schief ist als jene. 

Peclen. 

V. Koenen beschrieb aus dem Mungokalk zwei Pectenioxvc\e.\\, Perlen 
Kninerunensis und Pecleu prodttelus, von denen die erstere eine Skulptur 
zeigte gleich der von Peclen virgalris: Radiale, nach außen stark divergie- 
rende Rippen, durch Spaltung oder Einschiebung imrcgelmäßig sich ver- 
mehrend. Anwachsstreifung sehr zurücktretend. 

Die andere Form war glatt und zeigte nur nahe dem Rande eine 
feine Anwachsstreifung. 

Auf Grund des neueren Materials möchte ich beide Arten v. Koenens 
für Varietäten einer und derselben Form halten, da mir Zwischenformen 
vorliegen, die teils mehr die Rippung, teils mehr die Anwachsstreifung 
zeigen. Faßt man die Art jedoch so weit, dann läßt sie sich nicht von 
Peclen virgalus trennen. 

v. Koenen führte für seinen P. Kamerunensis als Unterschied von 
Arten mit ähnlicher Skulptur an, daß er breiter sei, verhältnismäßig breitere 
Rippen und schmalere Furchen habe und wenig deutliche Punktierung 
der letzteren zeige. Was den ersten Pimkt betrifft, so ist das Verhältnis 
der Breite zur Höhe bei drei, mir von der Elephantenbank vorliegenden 
Stücken des Kamerun ensis-Typus das folgende: 21V2 : 22, 19 : 20^/2, 16 : 17 
(ungefähr). Alle Stücke sind also um ein geringes höher als sie breit 
sind. Vergleicht man damit die Abbildungen der Peclen rmgolus aus der 
Aachener Kreide bei Holzapfel^), so findet man dort: 26 : 28^/2, 23^/2: 25, 
20 : 2i'/2. Ein Artenunterschied dürfte sich hierauf kaum gründen lassen. 
Andrerseits kann an der richtigen Bestimmung der Aachener Form seitens 
Holzapfels kein Zweifel sein, da er ein reiches Material zur Verfügung 
hatte und schwedische Originalstücke vergleichen konnte. 

Ich trage um so weniger Bedenken, die Kameruner Formen zu Peclen 



l) Palaeontographica. Bd. XXXV. Taf. 26 Fig. 7—9. 



Die Fauna der Mungolcreide und ihre jjeologisclie Bedeutuug. 225 

virgaius zu ziehen, als H ol zap f el ') eine große Variabilität der letzteren 
feststellte, und seine Abbildungen beweisen, daß das Verhältnis zwischen 
der Breite der Rippen und der dazwischen liegenden Furchen sehr wecli- 
selt. Das wesentlichste Bedenken, das v. Koenen gegen die Vereinigung 
dieser Formen gehegt hat, dürfte wohl seiner Auffassung entsprungen sein, 
daß die Kameruner Kalke der unteren Kreide angehören, und er deshalb 
ihre Fauna höchstens in völlig sicheren Fällen mit Formen der oberen 
Kreide glaubte identifiziei-en zu dürfen. Da es sich aber nach den neueren 
Ammonitenfunden am Mungo um die gleichen Schichten handelt, die auch 
in Deutschland Peclen virgatia führen, so fällt dieser Grund fort, zumal 
ich aus den Salzbergrnergeln in der Beriiner paläontologischen Sammlung 
{'y;g»/?«-Exeniplare gesehen habe, die sowohl bezüglich der Breite dej 
Rippen und Farbeii als auch bezüglich des Mangels einer deutlichen 
Punkticnmg durchaus den Kamei'uner Formen gleichen. 

Während Paten Kanieruiicnsis aus obigen Gründen jedenfalls mit Peclen 
:'irgir/-us vereinigt werden darf, entfernt sich Peckit fnoductm v. K. ziemlich 
weit von letzterer. Indessen liegt der Unterschied im wesentlichen nur in 
der Stärke der Skulptur und hi der Größe. Auch auf den mir vorliegen- 
den Exemplaren von P. producius ist die Crtw/o/zt'fto-Skulptur fast überall 
sichtbar, wenn auch die Radialfurchen beinahe verschwinden. Da außer- 
dem die oben erwähnten Zwisc-henformen vom Kmnerunensis-Ty^xx's, zum 
Piodiictus-'Yy^^M% hinüberleiten, sowohl bezüglich der Größe als der Skulptur, 
so möchte ich beide Typen nur als Spielarten von Pecten virgaius auf- 
fassen und demgemäß als Peclen rn'rgalus 7iar. Kamcrune?ms und var. pra- 
diuia bezeichnen. 

Limn, 

Überaus zahlreich vorhanden shid die großen Schalen der Lima pei- 
plana v. S.-) v(.>n allen Fundpunkten. Häufig ist auch Lima rem/ormis 
v. Koenen (Fossilien der Unteren Kreide am Ufer des Mungo S. 23. 
Taf. III Fig. 20). Eine sehr ähnliche Form wurde von PernnS) als Lima 
niimidica aus dem Cenonian des Djebel Noiiba in Tunis beschrieben, 

Jiioceramiis. 

Hier ist Iiioccramiis Cripsi Mant. hcrviirzuheben. Diese wichtige Leit- 
form liegt mir sowohl von Balangi als von der Elephan-teubank vor. 



1) Palaeoulographicn. Bd. XXXV. S. 230. 

2) 1. c. S. 24. Taf. 1 Fig. l; Taf. III Fig. 19. 

3) Mollusques d. 1. Tunisie S. 217. 

Beiträge zur Geologie von Kamerun, , 15 



226 ür. F, 



Pinna. 



Pinna lalicosiala Stol. findet sich in dem Material von der Wohitmanii- 
bank, von lialangi und vom Aufschluß unterhalb Balangi. 

Die von Stoliczka aus der südindischen Arijalur-Gruppe (Senon) 
beschriebene F<Km ist nahe verwandt mit Pinna mtacea aus der Gosau 
und der westeuropäischen oberen Kreide. 

Plifatula. 

Die Gattung PlicaUda ist in den Mungolcalken außerordentlich zahl- 
reich vertreten, zumal der Individuenzahl nach. Unter den ziemlich mannig- 
fciltigen Formen hebe ich nur diejenigen hervor, die gleichaltrigen Formen 
aus anderen Gegenden gleich nahe stehen. 

So ist PliaUula mullijdicala v. K. (F(jss. v. M. S. 22. Taf. III Fig. 6), 
die an allen Fundpunkten des Mungokalks vorzukommen scheint, nahe 
verwandt mit /'. Locardi aus dem oberen Senon von Tunis ^), einer an- 
deren tunesischen Foxva, P. Fenyi Coqu^), die dort im Turon und Senon 
auftritt, gleicht ein unterhalb Balangi gefundenes Stück. 

Von südindischen Arten sind P. itistahilis Stol. und P. niultiruslaln 
Stol. 3), erstere aus der Arijalurgruppe, letztere aus der Trichinopolygi-uppe 
stammend, durch nächstverwandte Formen an allen Fundpunkten vertreten. 

P. rugidosa V. K. (Foss. v. M. S. 21. Taf. ITI Fig. 7 u. 8), die v. Koenen 
von der Elephantenbank beschrieb, scheint gleichfalls an allen Fundpunkten 
wiederzukehren. 



Es finden sicli zwei Formen, die von vornherein sich durch ver- 
schiedene Große auffallend unterscheiden. Beide sind im ganzen Mungo- 
kalk verbreitet, jedoch so, daß die kleinere Form in denjenigen mehr 
tonigen Partieen sich findet, von denen ich in der Einleitung zu der Be- 
schreibung derAmmoniten gesprochen habe, und die ich dort charakteri- 
sierte als außerordentlich reich an kleinen Muscheln (vor allem Seßtifer 
cmivoLvMis v. K., Astarte teclimsta v. K., Plicalula rugulosa v. K., Area 
semiglahn v. K.) sowie an Turntelkn bezeichnet habe. Neben dieser 
kleinen Ammonitenform, die nur etwa V2 cm Durchmesser hat, findet sich 
in den reineren Kalken eine größere. Letztere ist jedenfalls diejenige, 
welche v. Koenen aks Annmia lacvigata Sow. aufführt'^), sie mißt in der 



1) Peron, Mollusques d. 1. Tunisie, S. 212. Taf. XXVI .Fig. 28—30. 

2) I.e. .S. 207. Taf. XXVI Fig. 18, 19. 

3) Stoliczka, Cret. Fauna of .S. India III. I'elecypoda, .S. 444 11, 445. 
4; 1, c. S. 19. Taf. III Fig. 13. 



Die Fauna der Mungokreitle und ihre ]^eo1ogisclic >äecleiilnn<^, '>'2l 

Höhe wie in der Breite etwa i'/a ein. Es läge nahe, die Jugenilformen 
der größeren in den kleinen Exemplaren zu vermuten, doch spricht da- 
gegen das örtlich getrennte Vorkommen. Es werden daher doch wahr- 
scheinlich zwei verschiedene Arten vorliegen. 

Os/rea und verwandte Gattungen. 

Austern shid in dem Mungokalk sein- zahlreich vertreten; meist sind 
es gr<.)ße, glatte F(3rmen von wenig charakteristischer Gestalt, deren Schalen- 
oberfläche nicht mit erhalten ist; z. T. zeigen sie am Wirbel noch den 
Abdruck einer Schnecke, auf der sie aufsaßen, oder tragen auf der Ober- 
schale deren mimophytisches Abbild. 

Außer diesen artlich kaum bestimmbaren Resten fand sich unterlialb 
Balangi eine Auster mit gefalteter Schale, die mit Os/rea Tissoii Thom. et 
Peron ') aus dem tunesischen Senon große Ähnlichkeit besitzt. Ferner sind 
eine Reihe kleiner Formen vorhanden, die teils zu Oslrca, teils zu Gry- 
phaea und E.xogym gehören, z. ß. E.vogyra umiformis \. Kocnen«), die ein 
näheres Interesse vom geologischen Standpunkte nicht beanspruchen. 

Mytilns. 

Die Gattung Mytilus ist durch eine einzige Form vertreten, die mir 
von der Wohltmannbank, von Balangi und von den Aufschlüssen unter- 
halb Balangi vorliegt und die sich von den oberkretazeischen Mytilus- 
formen anderer Gegenden durch größere Länge der Ligamentfläche unter- 
scheidet. 

Septtfer (?). 

Die Art, die v. Koenen als Septifer (?) con-iohitus beschrieb, findet 
sich an allen Punkten im Mungokalk wieder, aber nur in den bereits mehr- 
fach erwälmten Partieen, die durch einen höheren Tongehalt und durch 
ihren Reichtum an kleinen Muscheln in dem Maße ausgezeichnet sind, 
daß die Kalksteinmasse gegenüber den Muschelschalen vollständig zurück- 
tritt. In diesen Gesteinspartieen ist die genannte Art das häufigste Faunen- 
Element zusammen mit einer nahestehenden Form, der die für Ä comw- 
bitus bezeichnende starke Einbuchtung der vorderen Seite nicht zeigt, und 
dem Mytilns Ckaniiesi. Thom. u. Peron 3) aus dem tunesischen Untersenon 
sowie Mytilus striiüissimiis Reuß'') aus den Gosauschichten nahe stehen, 
sich von jenen aber durch die scharfe Kante unterscheidet, die den vor- 
deren Teil der Schale von dem mittleren trennt. 

1) Moll. d. 1. Tunisie. S. 196. Taf. XXIV Fig. 1—7. 

2) 1. c. S. 18. Taf. m Fig. 10. 

3) Mollusque de la Tunisie S. 250. 

4) Zittel, Bivalven der Gosauschicbten. S. 8ü. Taf. XII Fig. g. 



228 ür. Friedrich Solger: 

Modiola. 

V. Koetien besclirieb aXa Afodiola plüifera v. K.*^) eine Form, die ich 
bei der bisherigen Durcharbeitung nur in dem Material von der Elephanten- 
und der Wohltmannbank wiedergefunden habe. Meiner Überzeugung nach 
dürfte sie von Modiola flagellifera Forbes aus der südindischen senonen 
Valudajurgruppe kaum zu unterscheiden sein. 

Area. 

■Stücke dieser Gattung sind von allen Fundpunkten des Mungokalkes 
in größerer Menge vorhanden. Sie verteilen sich auf drei bis vier Arten. 
Merkwürdigerweise habe ich bisher kein Exemplar gefunden, das einer der 
V. Koenen sehen Abbildungen von A. semiglabrn v. K. und A. cardiformis 
v. K. ^) entspräche, keins meiner Stücke zeigt nämlich die dort angedeuteten 
Radialstreiten auch nur andeutungsweise, mit Ausnahme einer großen, 
unterhalb Balangi gefundenen Form, die einigermaßen mit Area cardiformis 
V. K. übereinstimmt, jedoch größer ist, engere und nach außen stärker 
divergierende Radialstreifen und einen schlankeren Wirbel besitzt. Es 
kann sich hierbei jedenfalls nur um einen eigentümlichen Zufall handeln. 
Die genaue Durchsuchung des Materials wird zweifell(5s auch diese Formen 
ans Licht bringen. 

Beim Vergleich der mir vorliegenden Arcen des Mungokalks mit 
anderen gleichzeitig lebenden Formen kann leider Nordafrika, das sich 
bezüglich seiner Cephalopodenfauna so eng an die Kameruner Kreide 
anschloß, nicht herangezogen werden, da in Tunis die Arcen anscheinend 
nur im Steinkern erhalten sind und deshalb keine genauere Identifizierung 
gestatten. Von den Arcen der südindischen, der nordamerikanischen und 
der europäischen oberen Kreide sind die Kameruner Formen alle durch 
mehr oder weniger große Unterschiede getrennt, sodaß es sich um neue 
Arten handeln dürfte. 

Pse?idficucuUaea n. g. {=^ Lopatinia Fr. Schmidt ?). 

Eine große Anzahl von Exemplaren meines Materials — bisher 28 — 
ähneln äußerlich teils Trigonoarca-, teils Pectuncidm- Axt&n. Auf Grund ihres 
Schloßbaues habe ich sie als besondere Gattung unter dem Namen Pseudo- 
cucidlaea^) abgetrennt und folgende drei Arten unterschieden: P. lens, P. 
übliqiia und P. incisa. Am nächsten steht diesen Formen der sibirische 
Pectunculus Pr.lschorae. Keys., auf den Fr. Schmidt die neue Gattung Zö- 



i) 1, c. S. 26. Taf. n, Flg. 2. 

2) 1. c. Taf. III Fig. 2g u. 29. 

3) Ztsclir, d. Dtsch. geol. Ges,, Prot. d. Sitz. v. Juli 1904 



Die Fauna der Munf;okrei.lc und ilirc ^coli.gisclie BedeuUmg. 229 

patinia ' j gegründet hat. /'. Pe/schonie findet sich aiu unteren Jenissei und 
an der Petschora in Schichten, die sicher kretazeisch, sind, vielleicht gar 
der oberen Kreide angehören ä). 

Astarte. 

V. Koenen heschneh s.\s. Astarte tecticosta^) eine Ideine gerundet drei- 
seitige Muschel mit konzentrischen Rippen, die mit Septifer (?) cnnvoliäus 
V. K. und einigen andern kleinen Muscheln zusammen jene bei Septifer 
erwähnten schalenreichen, etwas tonigeren Gesteinspartieen zusammensetzt, 
ohne indeß auf diese beschränkt zu sein. Sie kommt an allen Fundpunkten 
reichlich vor, so daß auch zur Präparation des Schlosses jedenfalls brauchbare 
Stücke sich werden finden lassen. Sehr ähnliche Arten kommen in den 
gleichaltrigen Ablagerungen von Norddeutschland, der Gosau, Nordafrika, 
Südindien und Nordamerika vor. 

Caniita. 

Überaus häufig ist eine CnrJitn, die der Form nach wohl mit Cardila 
sphaerictäa v. K. ^) übereinstimmt, aber bedeutend kräftigere Radialrippen 
hat. Da v. K oenen nur ein sehr kleines Exemplar abbildet, so können immer- 
hin die Abweichungen auf Altersvmterschiedeii beruhen. In Anbetracht 
der Häufigkeit ist es jedenfalls sehr wahrscheinlich, daß diese Form x. 
Koenen vorgelegen hat. Sie kommt an allen Fuudpunkten vor und ist 
im Allgemeinen an che Ä/Vz/i^r-Lager gebunden. 

Cardhim. 

Die Gattung Cardium ist durch mehrere Arten \ertreten. Cardium 

perohltqimm v. K. ») tritt an allen Fundpunkten auf. Unter den übrigen 

Formen ist nur eine große mit Rippen und Knötchen verzierte Art von 

Interesse, die dem in der oberen Kreide Europas sehr verbreiteten Grano- 

1) Fr. Schmirlt, Über die neue GaUung Lopatinia und einige andere Petre- 
Fakten aus den. mesozoischen Scliicliten am unterer Jenissei. Petersburg 1872. 

2) Ztschr. d. Dtscl\. geol. Ges., Sitz.-Ber. S. 80. Leider habe icli erst nach 
Veröffentlichung jenes Aufsatzes Kenntnis davon erhalten, dalJ Fr. .Schmidt der 
sibirischen Form bereits den Gattungsnamen Lopaiinia beigelegt hatte. Der Er- 
haltungszustand einiger f.opatinien, für deren Überlassung in Exz. Schmidt meinen 
ergebensten Dank auszusprechen habe, erlaubte leider niclit die Feststellung, ob 
die in meiner Gattungsdefinition für PsettdoaicuUaea angeführten Merkmale alle für 
die Lopatinien /.utteffen. Ich glaubte deshalb beide Gattungsnamen nicht unbedingt 
gleichsetzen zu sollen, zumal Exz. Schmidt selbst nähere diesbezügliche MiUeihmgen 
in der Ztschr, d. Dtsch. Geol. Ges. in Aussicht gestellt hat. 

3) 1. c. .S. 34. Taf. IV Fig. 7. 4) 1. c. S. 35. Taf. IV Fig. 2. 
5J 1. c. S. 33. Taf, IV Fig. 3. 



330 Dr. Friedrich Solger: 

cnrdium productum Sow. sp. nahe steht. Auch in Nordafrika findet sich 
übrigens eine ähnliche Form, C. .mbproductum Thom. et Peron. Jedoch 
handelt es sich bei der Kameruner Form jedenfalls um eine neue, wohl 
unterscheidbare Abart. 

Roudaireia (Munier-Chalmas 1881). 

In 5 Exemplaren, teils von der Elephanten- und Wohltmannbank, 
teils von den Aufschlüssen unterhalb Balangi herstammend, liegt mir 
Roudaireia Atiressensis Coqu. sp. vor, eine Form, die in Algier, Tunis und 
der tibyschen Wüste Ostrea Ovenoegi begleitet. Nach Peron 1) kommt 
sie in allen Stufen der oberen Kreide vor mit Ausnahme des Cenoman. 

Ähnliche Formen sind von Stoliczka -A^ Cyprina cristata und cordialts 
aus der Arijalur- bezw. Trichinopolygruppe beschrieben worden. 

Cyiherea. 

Cylhereen sind im Mungokalk sehr zahlreich. Die Arten, die v. 
Koenen beschrieb, konnte auch ich wiederfinden, dagegen keine Formen, 
die aus anderen Kreideablagerungen bekannt sind. Auch hier kommen die 
einzelnen Arten in gleicher Weise an allen Fundpunkten vor. 

Teilina. 

Teilinen kommen in größerer Menge vor, meist glatte Formen, ähnlich 
der Teilina phylloides v. K. 

Corbula. 

Corbula incutvata v. K. habe ich bisher nur in dem, allein genauer 
durchsuchten, Material von der Elephantenbank gefunden. 

Pholadomya. 

Überaus häufig sind, besonders an den mehr flußabwärts gelegenen 
Fundpunkten, Pholadomyen. Die häufigste Art dürfte mit Pholadomya 
Royana d'Orb. aus dem südfranzösischen Senon übereinstimmen. Eine 
andere Form erinnert an P. ligeriensis d'Orb. aus dem französischen Turon. 

Schnecken. 

Von einigermaßen sicher bestimmbaren Formen sind hier aufzuführen: 
Emargimda sp. 
Natica sp. (äff. Gentii Sow). 
Nerita multigranosa v. K. 

I) Molhlsques d. 1. Tuiüsie S. 302, 



Die Fauna der Munuokreide und ihre yeoI.)gisclie Bedeutung. 231 

Turritella Kamerunettsis v. K. 

Turritella gemmulifera v. K. 

Fustis cf. Gauthie.ii Thom. et Peron. 

Fusus cf. Tournoneri Thom. et Peron. 

Aciaeonella äff. cmssa. 
Dazu kommen noch einige neue Tuiräellen- kriv.n und einige kleine, 
üacli den bisherigen Bruchstücken nicht bestimmbare Formen. 

Näheres. Interesse beansprucht nur die Actaeondla. Sie stammt von 
den Aufschlüssen unterhalb Mundame. Leider fehlt der Mundrand und 
das letzte Stück der Scliale, aber auf der erhaltenen vorletzten Windung 
sind die drei Spindelfalten noch mit Sicherheit zu erkennen. Actaeondla 
cmssa ist im französischen Turon sehr verbreitet. Ist die Kameruner 
Form wirklich mit ihr identisch, dann beweist ihr Vorkommen ebenso 
wie das von Neoptychites unterhalb Balangi, daß es sich an diesem Punkte 
nicht um die hängendsten Schichten, handelt, sondern daß dort z. T. 
tiefere Schichten aufgeschlossen sind als an der Elephanten- und VVohlt- 
mannbank, die ja unter anderem untersenone Formen, wie die Tissotien 
lieferten. 

Gliedertiere. 

Krebsreste sind von allen Fundpunkten \-orhanden, bestehen aber 
meist nur aus Bruchstücken der Scheeren. Indessen enthält das Material 
auch einen ziemlich vollständigen Macruren, dessen Präparation vielleicht 
gelingen wird. Ebenso ist die Gruppe der Krabben durch zwei Stücke 
vertreten, das eine bei Etea, das andere unterhalb Balangi gefunden. 
Das erstere dürfte am nächsten verwandt sein mit Binckhorstia Ubaghsii 
aus dem Obersenon von Maastricht. Der zweite, ein kleiner Thorax von 
etwa 5 mm Länge, mag einer jungen Dromiopsis angehört haben. 

Wirbeltiere. 

Die Reste dieser Gruppe beschränken sich auf einzelne Fischwirbel 
und ein Bruchstück eines großen, flachen Knochens, dessen nähere Be- 
stimmung kaum möglich sein wird. 



Mit Hinzurechnung der Formen, die v. Koenen beschrieb, sind aus 
den Mungokalken somit bisher folgende Gattungen van Muscheln, Schnecken 
rmd Brachiopoden bekannt: 

Schnecken: Natica, lurriteUa, Nerita, Xetmpiwra, Emarginida, 
Muscheln: Avicula, Ostrea, Gryphaea, E.xogyra, Anomia, Pecten, Plica- 
tnla, Lima, Inoceramus, Modiola, Lilhodomus, Septifor (?), Pinna, Area, 



232 Dr. Friedrich Solger; 

Pseudocucullnm (ii. g.), Leda, Luci.nn, Cardium, Astarte, Rondaima, Cardita. 
Cylherea, Liopütha, Corbula, Tellina, Psammohia (?), Pholadomva, 

Brachiopoden : Lingula, Distina. 

Die Beziehungen zu den Faunen anderer Kreide-Ablagerungen sind 
bedeutend weniger zahlreich als es bei den Ammoniten der P'all war. 
Während bei letzteren eine grc.ße Übereinstimmung zwischen Kamerun 
und den Atlasländevn herrs(;hte, unterscheidet sich die Muschelfauna beider 
Gebiete von vorn herein dadurch grundlegend, daß in Karaerun die 
Rudisten vollständig fehlen. Ich habe schon oben einmal auf diesen 
Umstand hingewiesen (vergl. S. 221). Daß eine Trennung der Meeres- 
becken, in denen die Kreide von Algier und Tunis einerseits und die von 
Kamerun andrerseits abgelagert wurde, nicht der Grund dieser Verschieden- 
heit sein kann, wird durch die große Älmlichkoit der Ammonitenführung 
in beiden Gebieten (vergl. S. 21,3) äußerst wahrscheinlich gemacht, meines 
Erachtens geradezu bewiesen. Wenn so viele Ammonitenformen beiden 
Fundstellen gemeinsam sind, dann mußte die Meeres Verbindung zwischen 
beideir günstig genug sein, um auch eine Wanderung der Hippuriten nach 
Kamerun möglich zu machen, wenn sie dort ihre Lebensbedingungen 
fanden. Denn gerade so typische Formen des flachsten Meeres mußten 
am ersten selbst über schmale Meerengen hinweg wandern können. Wenn 
sie in Kamerun nicht vorkommen, so glaube ich den Grund darin suchen 
zu müssen, daß dort ihre Lebensvoraussetzungen nicht erfüllt waren. Die 
auffallende Gebundenheit der Rudisten an jenen rings um die Erde her- 
umreichenden Gürtel scheint mir, wie ich bereits olien hervorhob, darin 
begründet, daß sie warmes Klima brauchten. 

Demnach dürfen wir umgekehrt schließen, daß che Kameruner Kreide 
bereits unter einem gemäßigteren Klima zur Ablagerung gelangte, und es 
erscheint deshalb weniger verwunderlich, wenn gerade ihre Muschel- und 
Sehn ecken fauna der damals tropischen Fauna von Algier und Tunis 
weniger entspricht. An spezifisch nordafrikanischen Kreidemuscheln findet 
sich \mx Roudmreia Auressensis in Kamerun wieder. Die sonstigen Formen 
der Kameruner Kalke, die mit Formen andrer Kreideablagerungen in der 
obigen Übersicht verglichen wurden, — ein Vergleich, dessen endgültige 
Bestätigung natürlich erst die eingehende Durcharbeitung bringen wird — 
sind solche, deren Verbreitungsgebiet überhaupt ein großes ist. Fast alle 
kommen auch in der Gosau vor. Überhaupt sind mit letzterem Fmid- 
punkt die Übereinstimmungen nicht unbedeutend. Abgesehen von den 
weltweit verbreiteten Formen, wie Tnoceramns Cripsi und Pecten virgatus, 
fällt es auf, daß die beiden Kameruner .^»/f«/«:- Arten gerade in der Gosau — 
also im Rudistengebiet — in sehr verwandten, vielleicht gar z. T. identischen 
Formen wiederkehren, nämlich Avimla raudigera, die A. gaslrodes nalie 
steht, und A, raricosta. 



tJie Fa\ira der MutiKokieide und ihre geologische Bedeutung. 238 

Auch mit Indien, wo die Kreide gleichfalls Rudisten führt, zeigen 
sich maimigfaltige Berührungspunkte, gemeinsam sind Pinna laticostata und 
Modiola fiagellifera, sowie i}ä&dz.t\xcs\gRoiidaireia, auch die Plicatulaioxmen 
beider Gebiete gleichen sich sehr. 

Hatte ich daher oben wegen des Fehlens der Rudisten die Kameruner 
Kreide als außerhalb des eigentlich tropischen Gürtels damaliger Zeit ab- 
gelagert bezeichnet, so zeigen diese Übereinstimmungen doch, daß noch 
manche Muscheln jenes Gebiets bis hierher reichen, auch ist das Vor- 
kommen der Actaeonella, die Kamerun mit der Gosau, Südfrankreich und 
Nordafrika gemeinsam hat, ein Zeichen, daß die Gegend des heutigen 
Mungo noch unter ziemlich ähnlichen Klimaverhältnissen lag, wie sie in 
jenem Gürtel herrschten, da Actaeonella im ganzen an die Rudistenzone 
gebunden ist. 

Anklänge an Amerika .sind bis jetzt nur darin zu finden, daß den 
Kameruner Formen Inoceramus Cripn, Pecteii. virgaius var. Kamerumnsis 
und A7ncula cf. gastrodes in Nordamerika der gleiche Inoceramus Cripsi, 
eine als Grmptonectes platessa Wliite bezeichnete VitgaiiisiQxm und Avkula 
gastrodes entsprechen, von denen aber die beiden ersteren allgemein auf 
der ganzen Erde verbreitet sind. Auch Avicula gastrodes verliert durch 
ihre Ähnlichkeit mit Am'cula. cnudigera der Gosau viel von ilu-em spezifisch 
amerikanischen Charakter. 

Im ganzen, läßt sich aus der Muschel- und Schneckenfaima nur eine 
Bestätigung der bereits auf Grund der Ammonitenfunde gezogenen Schlüsse 
ableiten. Die wenigen Leitformen, die sich finden, entstammen der oberen 
Kreide, imd zwar ist daiainter keine, die dem Cenomau allein angehörte, 
So daß dies FormationsgHed anscheinend überhaupt nicht vorhanden ist. 
Auch hier ist wie bei den Ammoniten kein Unterschied der einzelnen 
Fundpunkte in dem Sinne vorhanden, daß etwa die weiter flußabwärts 
gelegenen geologisch jünger wären, als die flußaufwärts liegenden. Viel- 
mehr führen alle Aufschlüsse offenl)ar gleidialtrige Faunen von so voller 
Übereinstimmung der Zusammensetzung, daß meines Erachtens zweifellos 
dieselben Kalkbänke überall auftreten. Die Unterschiede, die in der 
relativen Häufigkeit der einzelnen Gattungen und Arten sich zwischen 
den verschiedenen Punkten nachweisen lassen, sind vollkommen aus- 
reichend begründet durch verschiedene Entfernung von der mutmaßlichen 
Kreidemeerküstc, und mögen zum guten Teil auch den Zufällen zur Last 
gelegt werden, die zur Auffindurig gerade dieser bestimmten Gesteinsblöcke 
geführt haben. 



234 Dr- Friedrich Solge 



C. Fossilien des sandigen Schiefertons. 



Gesteinsbeschaffenheit. 

Das Gestein ist ein stark sandiger, dagegen sehr kalkarmer schiefriger 
Ton. Die ziemlich seharfeckigen Sandkörnchen sind durchschnittlich kaum 
Vio mm groß und bestehen wesentlich aus Quarz, etwas rotem Feldspat 
und reichlich farblosen Glimmerschüppchen. Mikroskopische Organismen- 
reste fand ich nicht darin. 

Der Kalk der Fossilien ist z. T. aufgelöst, so daß die Schalen ent- 
weder nur in Steinkern und Abdrucl^; vorhanden sind, wie z. B. die 
Ammonitenreste, oder doch .sehr dünn .sind und dann schwachen Perl- 
mutter-Schimmer zeigen. Am besten haben die Gattungen Pecten, Plkalula 
und Anomia ihre Schale bewahrt. Die Schale der einzigen von mir ge- 
fundenen Linguln ist zu einer dünnen matt emailähnlichen Haut zu- 
sammengeschrumpft. 

Die Gestalt der organischen Reste, die erhalten sind, ist durch Ver- 
drückung stark verändert, wie man vor allem an der sehr häufigen Avicula- 
form sieht, deren Schalen bei flacher Lage eine wesentlich andre Wölbung 
zeigen, als wenn sie quer gegen die Schichtungsrichtung liegend eingebettet 
wurden. 

Übersicht der Fossilien. 

Diese ungünstige Erhaltung macht eine genaue Bestimmung der 

meisten Fossilien, zumal der ziemlich häufigen Seeigel, unmöglich. Die 

folgende Übersicht gibt darum 7iur einen verhältnismäßig geringen Teil 
der in diesem Ge-stein enthaltenen Fauna wieder. 

Echinodermen. 

Häufiger sind Spatangiden, die alle der gleichen Art anzugehören 
scheinen.. Da sie stark verdrückt sind und da die ungünstige Schalen- 
erhaltung keine Fasciolen zu erkennen gestattet, ist eine nähere Bestimmung 
unmöglich. 

Brachiopoden. 

Ein Exemplar einer kleinen Liiignla. 



Die Fauna der MungoVreide und ihre geologische Bedeutung. 235 

Muscheln. 

Am häufigsten unter den größeren Formen ist eine Avicula-Kxi, die 
iL&x Avicula gastrndesM.&<ik^) aus der nordamerikanischen Coloradoformation 
nahesteht. Sie unterscheidet sich von ihr nur durch kürzere P'lügel und 
etwas geringere Schiefe des Wirbels. Beiden nahe verwandt ist Avimla 
caudigem Zittel aus der Gosau. 

An größeren Formen findet sich ferner u. a. eine Pinna in Bruch- 
stücken, die keine nähere Bestimmung erlauben, und eine Lucina, die mit 
der bei v. Koenen^) abgebildeten Lucitia sp. ind. anscheinend überein- 
stimmt. 

Die meisten Muscheln in diesen Schiefertonen sind jedoch kleine 
Formen. Unter ihnen ist besonders häufig eine langgestreckte, fein kon- 
zentriscli gestreifte Leda, die wohl identisch ist mit v. Koenens Le.da sp. 
ind. 3) und die Leda Forsten Müll, aus dem Grünsand von Vaals nahe- 
stehen dürfte. Die sonstigen bestimmbaren Formen sind alles solche, die 
auch im Mungokalk vorkommen, nämlich Plicatula mgulosa v. K., Septifer 
convoliitus V. K., Anomia cf. laevigata Sow., Aslarte tecticosta v. K. und 
Pecte7i virgatus in dem Sinne, wie ich diese Art oben in der Übersicht 
über die Muscheln des Mungokalkes gefaßt habe (siehe S. 225), und zwar 
der var. producta. 

Eine kleine Form möchte ich gleichfalls nicht unerwähnt lassen, die 
in Form und Berippung der oben aus den Kalken angeführten Roudaireia 
Auressensis Coqu. sp. sehr ähnlich sieht und vielleicht deren Jugendform 
darstellt. 

Schnecken. 

Nur kleine, unbestimmbare Formen. 

Pteropoden. 

Einige Styliola-Zd\a\en. 

Cephalopoden. 

Cephalopoden fehlen den Gestein fast ganz, nur wenige Reste von 
Ammoniten fanden sich. Ein einzelnes Windungsbruchstück, papierdünn 
zusammengedrückt, deutete auf einen Desmoceras. Von Interesse sind je- 
doch die übrigeTi Ammonitenbruchstücke, da sie der im Mungo kalk so 



t) Stanton, Coloradoformatioii, Bull. U. .S. Geol.-Surv. No. io6. S. 72. Taf. IX 
Fig. 7-10. 

2) 1. c. S, 32. Taf. rV Fig. 4. 

3) 1. c. S. 32. Taf. III Fig. 26. 



236 Df- iMicdrich Solger: 

sehr zahlreicli verticleiieii Gattung floplitoides angehören. Eine Art- 
bestimmung ist nicht möglich, da meistens nicht einmal die Lobenlinie 
erhalten ist. An dem emzigen Stüclc, das die letztere zeigte, ergab sich 
jedoch die Zugehörigkeit zu Hoplitoides unzweifelhaft. Fast ausschließlich 
sind es Reste jugendlicher Windungen, bis zu etwa 20 mm Radius. Ein 
einziges Bruchstück von etwa 45 mm Radius macht davon eine Ausnahme. 
Alle diese kleinen Windungen besitzen noch die Außenfurche. Die er- 
haltenen Reste scheinen Wohnkammerbruchstücke zu sein. Es würde sich 
dann also um jung gestorbene Individuen handeln. Auf die stratigraphische 
Bedeutung dieser Erwägimg wird weiter unten einzugehen sein bei Ge- 
legenheit der Ermittelung des ge(jlogischcn Alters der vorliegenden 
Schiefertone. 

Wirbeltiere. 
Diese Grupj)c ist nur durch einige Fischschuppen vertreten. 

Das Alter des Gesteins. 

Bei der eben gegebenen Übersicht fällt auf, daß fast alle Formen 
auch in den Kalkscliichten am Mungo wiederkehren. Dieser Eindruck 
täuscht allerdings ins(jrern, als eben durch die Übereinstimmung mit den 
in jenen Kalken gefundenen Formen manche ungünstig erhaltenen Reste 
noch bestimmbar wurden, während andere, die sich nicht derartig ver- 
gleichen, ließen, als unbestimmbar aus der obigen Übersicht fortblieben. 
Indessen ist dieser Umstand von geringem Einfluß gewesen ; denn es handelt 
sich höchstens um etwa 5 Arten, die aus diesem Grunde fortgelassen 
werden mußten. Dagegen finden sich Astarte tecticosta, Septifer (?) con- 
7Jolutus, Plicntula nigulosa, Anomia cf. laevigata und Pecteu virgatus var. 
producta wieder, alles Formen, die im Mimgokalk vorhanden sind und die 
dort entschieden die tonigeren Partieen außerordentlich bevorzugt haben. 
Nimmt man dazu die Hoplitoiden, so macht der paläontologische Befund 
den Eindruck, als handle es sich um eine nur f a z i e 1 1 von d e n K a 1 k e n 
verschiedene, aber mit ihnen geologisch gleichaltrige Ablagerung.^ Dem 
scheint allerdings die tatsächliche Beobachtung durchaus zu widersprechen, 
denn nach ihr unterlagern die Schiefertone den Kalk. Handelte es 
sich zwischen Mundame und Balangi um ein vollständig aufgeschlossenes, 
zusammenhängendes Profil, dann wäre dieser Gegengrund ausschlaggebend. 
Aber eben dieser Zusammenhang scheint nicht da zu sein. Allerdings 
wird der Schieferton von Kalk überlagert, der flußabwärts schwach einfällt, 
aber daß dieser Kalk darum wirklich das Liegende des Elephantenbank- 
Kalkes ist, wird dadurch noch lücht erwiesen. Da es sich überhaupt nur 
um flache Fallwinkei handelt, genügt eine geringe Biegung der Schicht, 



Die Fauna der Mungcikreide und ihre geologische Bedeutung. 237 

deren Beobachtung durch ungünstige Geländeverhältnisse, üppige Vege- 
tation, starke Verwitterung u. dgl. m., verhindert sein kann. Denselben 
Schwierigkeiten) die sich beztighch des relativen Alters der einzelnen Kalk- 
aufschlüsse oben ergaben, begegnen wir auch hier. Wie ich dort aus 
paläontologischen Gründen die Auffassung vorzog, daß alle ausgebeuteten 
Kalkaufschlüsse von der Elephantenbank bis rmterhalb Balangi gleichaltrig 
wären, und daß alle sowohl turone als scnone Scliichten imischließen, so 
möchte ich es auch bezüglich der weiter flußabwärts gelegenen Schiefer- 
tone, um die es sich hier handelt, für das wahrscheinlichste halten, daß 
sie gleichzeitig mit den Kalken abgelagert wurden und sie in Wahrheit 
nicht unterlagern, sondern vielleicht durch auskeilende Wechsellagerung 
mit ihnen in Verbindung stehen oder einfach in sie eingelagert sind. 
Gewiß läßt sich das nicht einwandfrei beweisen, aber einen Grund für 
meine Anschauung möchte ich aus der Art ableiten, wie die Gattung 
Hoplüoides in den Schiefertonen auftritt. Ich hatte oben erwähnt, daß die 
gefundenen Reste jedenfalls jung gestorbenen Individuen angehörten. Es 
fällt auf, daß nur solche erhahen sind, während doch zweifellos auch 
manche Individuen älter geworden sein müssen. Man kann hierauf ein- 
wenden: unter der Voraussetzung, daß es sich um das Liegende der 
Mungokalke handelt, hätten wir es eben mit den Vorläufern der Hopli- 
toiden zu tun, die noch nicht so groß gewesen wären. Daß aber tat- 
sächlich auch sclion zur Zeit der Tonablagerung große Hoplitoiden gelebt 
haben, zeigt das eine größere Stück, das auch die Obliteration der Skulptur 
genau so zeigt, wie die Alterswindungen der HopUtindcn in den Kalken. 
Ich glaube deshalb nicht, daß hier Vorfahret! der echten Hoplitoiden vor- 
liegen. Vielmehr erkläre ich mir das Vorkommen der jugendlichen Schalen 
in den Schiefertonen folgendermaßen: 

Der Schieferten wurde vermutlich abgesetzt in nächster Nähe einer 
Flußmündung. In dieser Mischung des Flußwassers mit dem Süßwasser 
waren naturgemäß rmgünstigere Lebensbedingungen für die Seetiere als 
etwas weiter nach Südwesten, nach wohin das Kreidemeer offen war. 
Außer dem Salzgehalt war hier auch, wie die Gesteinsbeschaffenheit be- 
weist, der Kalkgehalt geringer. Daher fehlen alle die großen Cythereen, 
Limen u. s. w. des Mungokalkes, die zum Aufbau ihrer dicken Schalen 
viel Kalk brauchten. Dagegen sind fast alle die Formen jener Kalke auch 
hier im Schieferton vorhanden, die dort die tonigeren Partieen erfüllen, 
also tonreichcren Boden bevorzugten {Seplrfer (?) cnnvnlutm) etc.). Über- 
haupt aber sind diese Schiefertone wesentlich fossillerer als die Kalke. 
Die Hoplitoiden mußten also hier ihre Nahrung weniger gut finden können. 
Infolgedessen hielten sie sich weiter entfernt von der gegen Nordosten 
gelegenen Flußmündung in dem mehr kalkigen Schlamm, der wie die 
Kalk-Conglomerate zeigen (vergl. S. 93) in der Nähe der Brandungszone 



238 Dr. Friedrich Solger: 

einer kalkigen Steilküste sich bildete. Nur jüngere Individuen, teils be- 
weglicher als die alten, teils unerfahrener und weniger gefräßig, kamen in die 
Gegend des sandig-tonigen Schlammes und wenn sie nicht rechtzeitig 
wieder umkehrten, verendeten sie hier. Da wir sahen, daß Hoplitoides 
vermutlich am Meeresgrunde gekrochen ist, so ist eine so starke Abhängig- 
keit vom Boden sehr wohl denkbar. 



Die Fauna der Mungokreide und ihre geologische Bedeutung. ■ 239 



D. Zusammenfassung der geologischen Ergebnisse. 



Das geologische Bild der Kreideablagcrungen am Mungo stellt sich 
demnach folgendermaßen dar. 

Von Mundame flußabwärts fahrend durchschneiden wir zuerst sandige 
Schiefertone, die wie alle folgenden Schichten flach gegen S bis SW. ein- 
fallen. Die nächste fossilführende Schidit sind Kalke, die an der Ele- 
phantenbank anstehen und infolge der vielfachen Biegungeii des Flusses 
an der Wohltmannbank und bei Diki wieder durchschnitten und auf- 
geschlossen sind. Diese dem Turon und Senon angehörigen Kalke sind 
auf Grund ihrer Fossilführung als die gleiche Schicht anzusehen, die wir 
noch weiter flußabwärts bei Etea, bei Balangi und unterhalb Balangi wieder 
auffinden (vergl. S. 200 ff.). Die sandigen Schiefertone von Mundame er- 
scheinen nach ihrer Fossilführung gleichen Alters mit diesen Kalken und 
nur faziell von ihnen verschieden. Ob sie mit dem turonen oder senonen 
Teil der Kalkbänke gleichaltrig sind, läßt sich nicht entscheiden, wie sogar 
die Möglichkeit nicht ganz ausgeschlossen werden darf, daß sie überhaupt 
älter sind als jene. 

Unter der Voraussetzung der Gleichaltrigkeit bietet sich folgendes 
geologische Bild: 

In der Nähe von Mundame mag in der oberen Kreideformation ein 
Fluß gemündet haben, während weiter westlich ein mesozoischer Kalk 
eine Steilküste bildete, an der das brandende Meer nagte. Die Schlamm- 
massen des Flusses erzeugten die sandigen Schiefertone unterhalb Mundame, 
die Meeresbrandung die Kalkgerölle, die sich in den Mungokalken finden, 
und die zumal bei Diki häufig sind. Aus dem letzteren Umstände dürfen 
wir wohl schließen, daß die Küste von den weiter flußabwärts gelegenen 
Fundpunkten, die Conglomerate in geringerer Menge führen, weiter ent- 
fernt war, also etwa, gegen Nordosten von Diki in etwa NW — SO-Richtung 
verlaufend zu suchen ist. Diese Verhältnisse scheinen sich in der turonen 
und senonen Zeit nicht wesentlich geändert zu haben; denn das Gestein, 
in dem sich die senonen Ammoniten finden, ist nicht von dem der 
turonen zu unterscheiden. Allerdings wechselt die Gesteinsbeschaffenheit 



i 



240 D'- Friedrich Solger: 

in unregelmäßiger Weise in dem Sinne, daß der Sand- und Tongehalt, 
den wohl im wesentlichen der nahe Fluß dem Kalke beimischte, örtlich 
bald stärker, bald schwächer war, aber allgemeinere Änderungen sind 
niclit bemerkbar. 

Wie zu erwarten war, hat die Bearbeitung der reiclien Funde aus 
diesem bisher geologisch s(0 wenig belcannten Gebiet ebenso viel Fragen 
neu aufgeworfen als beantwortet. Zu lösen bleibt noch vor allem die 
Aufgabe, den Zusammenhang der einzelnen Kalkbänke aufzufinden. Siiid 
sie durch Verwerfungen von einander getrennt? Bringt ein Staffelbruch 
die gleiche Schicht immer wieder in die Höhe des Flußspiegels ? Oder 
sind die Kalke in sanften F'ahen gelagert? Oder endlich ist die Auf- 
fassung überhaupt falsch, daß es sich um die gleiche Bank liandelt, und 
laaben wir es vielleicht mit mehreren tatsächlich übereinander liegenden 
Schichten zu tun, die alle die gleidie, nur unbedeutend im Alter ver- 
schiedene turon-senone Mischfauna führen ? Ich habe oben (vergl. S. 202) 
dargetan, warum ich die letztere Möglichkeit niclit für zutreffend halte, 
so sehr auch der Augenschein der Beobachtung an Ort und Stelle dafür 
sprechen mag. Natürlich läßt sich die Frage endgültig nicht von der 
Studierstube aus entsc:heiden. Eine cingelu-ndc, aber unter den obwaltenden 
Verhältnissen gewiß sehr mühevolle Untersuchung der Lagerungsverhältnisse, 
verbunden mit einer nur im anstehenden Gestein selbst vorgenommenen, 
scharf von Schicht zu Schicht gesonderten Aufsammlung von Fossilmaterial, 
zumal Ammoniten, wird allein die Frage nach dem Vorhandensein zweier 
getrennter oder einer gemischten Fauna und die nach dem gegenseitigen 
Verhältnis der einzehien Kalkaufschlüsse mit Sicherheit lösen können. 
Aber wenn auch in einem zivilisierten Lande eine solche Nachprüfung 
jederzeit geschehen kann, so ist die Wahrscheinlichkeit ihrer Ausführung 
in Kamerun leider trotz des hohen geologischen Interesses eine geringe. 
Um so mehr hielt ich mich für verpflichtet, die indirekten Gründe der 
paläontologischen Betrachtung eingehentler zn diskutieren, und ihnen ent- 
scheidende Bedeutung beizulegen. 

Die Schwierigkeiten, mit denen die Esch sehen Auf Sammlungen ver- 
bunden waren, und die große, auf sie verwandte Mühe machten den Versuch 
zur Pflicht, ein möglichst bestimmtes Bild von den Bildimgs Verhältnissen 
der gefundenen Schichten zu gewinnen. Und die Aufgabe der vorliegenden 
Zeilen war es im besondern, aus den Fossilurkunden möglichst alles das 
herauszulesen, was darin .stand. Mögen spätere ßeobaclitungen die ge- 
zogenen Schlüsse bestätigen. 



ä 



Die Fauna der Mungokreide und ihre geologische Bedeutung. 241 

Tafel - Erklärungen. 

Tafel III. 

Fig. I. Puzosia Denisoniana Slol.. Etea am Mungo (Kamerun), a) Letzter er- 
haltener Umgang, 1/2 uat. Gr. 1>) Dasselbe Stück, vorletzter erhaltener 
Umgang, ^2 nat. Gr. 

Fig. 2. Neoptycliiles trlingacformis n. sp., '/j nat. Gr. Elephantenbank oder 
Wohltmannbank am Mungo (Kamerun). Letzte Windung mit „anormaler" 
Wohnkainmer. Die gezeichnete Lobenlinie ist etwa '/s Windung vom 
hinteren Ende der Wohnkammer entfernt. 

Fig. 3. Neoptychih's telingacformis var. discrepans. Balangi am Mungo (Ka- 
merun). Mittleres, beripptes Stadium. Das Vorderende der abgebildeten 
Windung ist etwa einen Umgang von dem hinteren Ende der Wohn- 
kammer entfernt, -jy 

Fig. 4. Dasselbe Stück wie Fig, 3. Vorhergehende Windung. Glattes Stadium 
mit Einschnürungen. J/a. 

Fig. 5. Nm-ptychites crassiia n. sp, , nat. Gr, Balangi am Mungo (Kamerun). 
Mittlere Windung. Beginn der gleichmäßigen Berippung. Das Vorder- 
ende der abgebildeten Windung ist '/, Umgang von dem Hinterende der 
Wohnkammer entfernt, a) von vorn, b) von der Seite. 

Fig. 6. Phylloceras sp. Balangi am Mungo (Kamerun); nat. Gr, a) von vorn 
b) von der Seite. 

Tafel IV. 

Fig. 1. Acaiiihoceras Esclii n. sp. . 
Mungo (Kamerun). Letzter 
ungekammert. 

Fig. 2. Dasselbe Stück, Jugendwind 

J^ig- 3- Dasselbe Stück, drittletzte Wii 

Fig. 4. Dasselbe Stück, vorletzte Windung, nat. Gr. 

Fig. 5. Acanthoceras {Pedioceras ^) Jaekeli n. sp. Mungo-Ufer unterhalb Balangi 
(Kamerun). Vorletzte erhaltene Windung, Das Vorderende ist etwa 
I;'-, Umgang vom hinteren Ende der Wohnkammer entfernt -/l. a) von 
hinten, b) von der Seite. 

Fig. 6. Tissoiia lalclohata n. sp. Vorletzte erhaltene Windung. (Die letzte 
Windung war nur unvollständig erhalten.) Wohltmannbank am Mungo 
(Kamerun), nat. Gr. 

Fig. 7. Pseudolissotia Philippii n. sp. Vorletzte erhaltene Windung. Balangi 
am Mungo (Kamerun), nat. Gr. 

Fig. 8. Hoplitoides Koeneni n. sp. Wohltmannbank oder Diki am Mungo (Kame- 
run). Mittlere Windung von der Seite, Stadium der ausgeprägten Skulp- 
tur; nat. Gr. 

Fig. I). /[oplitoides Koeneni n. sp. Elephantenbank am Mungo (Kamerun). 
Vorderansicht der mittleren "Windung, an deren Ende die Abplattimg der 
Außenseite verschwunden ist; nat. Gr. 

Fig. 10. Ifoplitoülfs gibhosiihis hipar/itiis n, I'. Balangi am Mungo (Kamerun); V,^. 
Beiträirc zur GeoloKie von Kamerun. ' lÜ 



nat. Gr. 


Wohltmannbank oder Diki am 


rhaltene 


r Umgang, in seiner vorderen Hälfte 


ngen. a 


) in nat. Gr.; b) 4 fach vergrößert 


düng (un 


Mittelbar an Fig. 2 anschliessend). 2/,. 



242 Dr. Friedrich S olger: Die Fauna der iVIungokreide etc. 

Tafel V. 
Fig. I. Barroisiceras Brancoi n. sp. var. armata. Etea oder ßalangi am Mungo 

(Kamerun). Letzte Windung. 1/2- ») von hinten, b) von der Seite. 
Fig. 2. Ein Stück der vorletzten Windung des in der vorigen Figur abgebildeten 

Stückes. 2/1 nat. Gr. 
Fig. 3. Barroisiceras cf. Branroi n. sp. Mungo-Ufer unterhalb Balangi (Ka- 
merun), Alteisstadium. 2/3. a) von hinten, b) von der Seite. Die Spur 

des inneren Randes der vveggebrochenen letzten Windung läßt dessen 

geringe Involution deutlich erkennen. 
Fig. 4. Barroisiceras Brancoi var. mitis n. sp. Wohltmannbank oder Diki am 

Mungo (Kamerun). Altersstadium, 'j^. a) von hinten, b) von der Seite. 
Fig, 5. Barroisiceras Brancoi var. mitis n. sp. Wohltmannbank oder Diki am 

Mungo (Kamerun). Jugendwindung des in der vorigen Figur abgebildeten 

Stückes. 3/2, 
Fig, 6. JSarroisiceras Ilaherfellneri var. A/sladenensis (Schi.) de Gross. Balangi 

am Mungo (Kamerun). 2/3. a) von hinten, b) von der Seite. 
Fig, 7. Hoplitoides Wohltmanni v. K, Elephantenbank am Mungo (Kamerun). 

Mittlere Windung; nat. Gr, 
Fig. 8. Hoplitoides ingens nodifer. Unterhalb Balangi. Mittlere Windung; nat, Gr. 
Fig. 9. Hoplitoides ingens costatus. Wohltmannbank oder Diki am Mungo 

(Kamerun). Mittlere Windung; nat. Gr. 
Fig, IG. Hoplitoides ingens laevis. Balangi oder unterhalb Balangi. Mittlere 

Windung; nat. Gr. 



A 



III. 



ÜBER TERTIÄRFOSSILIEN, WAHRSCHEINLICH 
EOZÄNEN ALTERS, VON KAMERUN 

VON 

D?. PAUL OPPENHEIM. 



MIT 4 LICHTDRUCKTAFEI-N. 



Die Kenntnis von Tertiärbildungen an der Westküste Afrikas ist, 
wenn wir von dem seit der Mitte des verflossenen Jahrhunderts bekannten 
und von verschiedenen Autoren eingehender studierten Miozän der at- 
lantischen Inseln 1) absehen, ganz jungen Datums. Sueß^) hat sie im 
Antlitz der Erde kaum gestreift, und auch Neumayr^) erwähnt ihrer kaum, 
obgleich sie doch bei seinen theoretischen Vorstellungen von dem sehr 
jugendlichen Alter des atlantischen Ozeans und von der Landverbindung 
zwischen Brasilien und dem tropischen Afrüia während der älteren Tertiär- 
zeit eine gewisse Rolle spielen dürften. Der erste, welcher jüngere Meeres- 
bildungen von der Loango-Küste angibt, ist Lenz, welcher in seinem 
Reiseberichte 1877^) von dort beschreibt »ein tief dunkelbraunes, sehr 
fein oolitisches, lockeres Gestein, das nicht mit Säuren braust und sehr 
viel Eisenocker enthält«. In diesem sollen bei Gnrongo auftreten Korallen- 
stöcke, Leda, Mactra, TelUtta, Cardium. Von Landana werden vortreff- 
lich erhaltene Fischreste zitiert, darunter die ganze Wirbelsäule eines 
großen Fisches, der am Kopf noch Zähne und Kiemenbögen in situ 
enthält, dazu Zähne und Stachelflossen am Rachen, ein echter Krokodilier- 
zahn, wie ein Nautilus, welcher der Kreideformation anzugehören scheine. 
Diese Fossilien, welche dem Autor durch Herrn Peschuel-Loesche über- 
geben und von diesem an der Loango-Küste zwischen dem dritten und fünften 
Grade südl. Breite gesammelt worden waren, werden im folgenden Jahre ") 
durch Lenz noch etwas näher erläutert, ohne daß der Versuch einer ge- 
naueren Altersbestimmung gemacht wird. Nur wird hinzugefügt, daß 
die Masse, welche die Schale des Nautilus von Landana erfülle, zahl- 
reiche kleine Gastropoden und Bivalven führe. Dagegen wird von Gabun 
als Überlagerung des kretazischen Sandsteines ein weißer Kalkstein ange- 
geben, der stellenweise ganz erfüllt sei mit Petrefakten und vielfach 

1) K.Mayer in Härtung: neologische Beschreibung der Inseln Madeira und 
Porto Santo. Leipzig 1864, und A. Rothpletz u. V. ,Sinr)oneUi, Die marinen Ab- 
lagerungen auf Gran Canaria. Z. d, d. g. G. 42. Berlin 1890, p. 677 ff, 

2) Vergl, SueH 1, c. II p. 157; I p. 513. 

3) Erdgeschichte II p, 493. 

4) Verh. d. k, k. geol. Rcichsanst. 1878 p. 278— q. 

5) Ibidem 1878 p, 148 ff. 



i 



24R T)r- Paul Oppenheim: 

mit Caicitadern durchzogen sei. Gastropoderi und Zweischaaler, Krebs- 
scheren, Teile von Echiniden seien sehr liäufig, aber selir schwer sei ein 
v(illständiges Exemplar ^u bekommen und zu bestimmen. Das Ganze 
mache einen eozänen Eindruck*) und sei anscheinend nur auf Gabun 
beschränkt, doch träten weiter .südlich an der Loango-Küste ähnliche 
Bildungen auf, eine Bemerkung, welche anscheinend auf die vorher er- 
wähnten, von PeschuSl-Loesche gesammelten Materialien zielt und er- 
kennen läßt, daß der Autor diese für annähernd gleichaltrig und also 
damals anscheinend ebenfalls für eozän hielt. Für Tertiär ohne nähere 
Fixierung des Horizontes hält diese nach ihm horizontal gelagerten 
Kalke der Küste von Gabun und Landana auch Zboinski^), der nur 
kurz hinzufügt: />ainsi que me l'ont demontre leurs fossiles«. Der Autor be- 
zieht sich hier wohl auf die in der gleichen Zeitschrift, also in den Comptes 
rcndus enthaltenen Untersuchungen Dautzenbergs^), welcher in den am 
unteren Kongo in einer Meeresliöhe von 200 m von Zboinski gesammelten 
Konchylien fast ausschließlich lebende, und zwar mit Ausnahme von Ca- 
lyptrnea mdiata Lk. noch jetzt an der westafrikanischen Küste vertretene 
Arten ermittelte, darunter die dicke, plumjie Ann senilis, die großen Co- 
niden [C. papilioiMceiis Ilioass und C. lesl.udi ii.arius Martini), den gewaltigen, 
dem .SV. roronalits des Pliozän so nahestehenden SLromhus hiibonius Lk., 
kurz dickschaalige, unserer hier zu besprechenden Mikrofauna von Kameren 
gänzlich fremd gegenüberstehende Typen. Dautzenberg hat wohl 
Recht, mit van den Broeck'') diese Fossilien des unteren Kongo für 
äußerst jugendlich zu halten; doch scheint eine Verallgemeinerung dieser 
Beobachtung durchaus unstatthaft. 

Diese horizontal gelagerten jüngeren Sedimente scheinen sich aber 
nach den Angaben der Autoren ganz bedeutend weiter nach Süden zu 
erstrecken. Schon Zboinski gibt sie aus dem Vorlande des Kongostaates 
an, ebenso Lenz''), der bei Ambisette südlich vom Kongo einen lichten 

1) Herr Kossmat hat (Sitz.-Ber. der Wien. Ak. M.-N. KI. 102, 1893 p. 575 fT'.), 
wie ich erst nach Vollendung; der vorliegenden Untersuchung ersehen habe, bereits 
nachgewiesen, daH diese Schichten von Gabun /noceramen enthalten und daher 
kretazisch sind. Der Autor hält ein untersenones Alter und eine Äquivalenz mit 
den Sanden von Aachen und der Gosauformation in den östlichen Alpen für sehr wahr- 
scheinlich (a. a. O. p. 588). 

2) Esquisse gAologique du Bas-Congo. Bull. soc. beige de Geologie etc. I. 
Memoires p. 36. 

3) Observations sur quelques coquilles fossiles rccueülies au Congo par M. 
le Comraandant Zboinski. Bull. soc. beige de Geologie. I. Bruxelles 1887. Proces- 
verbaux pp. 236-70. 

4) Üaulzeiiberg 1. c. |i 240. 

5) 1. c. (Verb. 1878 p. 151.) 



Olicr Tertiärfossilien, wahrädicinlicl; eozänen Alters, von Kamerun. 247 

Kalkstein fand mit zahlreichen (_)streenschaalen. Die Kli])peti am Strande 
beständen aus diesem Gesteine, welches allem Anscheine nach damals 
ebenfalls für tertiär gehalten wurde. Diese Formation gibt auch neuer- 
dings J. Com et i) aus dem Kongostaate an und vindiziert ihr ausdrücklich 
ein tertiäres Alter, während die weißen Austernkalke von Arabrizette als 
Kreide aufgefaßt werden, allerdings utiter Zusatz von »peutelre«. Der 
gleiche Autor hebt hervor, claßDupont aus dem Innern des Kongostaates, 
im Norden von Mateba, tonige Kalke mit Fossilien angibt, die er für 
Miozän hält, ohne indessen Gründe für diese Altersbestimmung anzuführen. 
Cornet selbst hat in Borna in den Händeir eines Beamten des Kongo- 
Staates Fossilien aus Landana gesehen, darunter einen großen Nautilus 
mit sehr asymmetrischem Sipho. Diese Petrefakten sollen inzwischen nach 
Eurojja gelangt, aber nocli nicht beschrieben worden sein. NachZboinski 
scliließlicli sollen sich an der westafrikanischen Küste bis Mossamedes 
herunter, also bis etwa an den 15, Grad südl. Breite die gleichen Tertiär- 
gebilde finden, »anscheinend etwas jünger«. Choffat''*) hat diese in einer 
anscheinend sehr wenig beachteten imd auch mir erst vor kurzem bekannt 
gewordenen größ(a-en Publikation über das portugiesische Westafrika (Prov. 
d' Angola) eingehender behandelt, ist aber hier nicht über die Fragezeichen 
hinweggekommen, vor allem zu keiner paläontulogischen Verarbeitung des 
von Malheiro gesammelten Stoffes gelangt, während die Ki<-i<kbiidungen 
dieses Gebietes durch ihn und P. de Loriol^) eine mustcvgiltige Betrachtung 
fanden. Aus den allgetneineren Resultaten des Autors wäre hinsichtlich 
des Tertiärs folgendes hervorzuheben, i) Ein Tertiärstrich erstreckt sich 
längs der Küste vom Äquator bis zum ]6ten Breitengrade, und Tertiär- 
schicliten wären auch in der Kapkolonie bekannt. {Leider fehlt bei dieser 
letzteren wichtigen Bemerkung Jede Literaturangabe.) Von Dombe-Grande 
wird ein heller oolithischer Kalk angegeben, der wohleihaltene Strombus- 
Schaalen enthält. Dieser Strombus wird auf p. 28 mit Sfr. Fotiisi Brong. 
>du Nununulitique de ITtalie et de ITnde« verglichen und auf p. 76 und 
T. IIL f. 14 näher betrachtet und abgebildet; ich bemerke dazu, daß die 
indische Form d'Archiac's zweifellos nicht der venetianische Str. Fortist 
Brong. von Roncä ist, daß aber die westafrikanische Art, wie auch Choffat 
auf p. 76 betont, sich bei näherem Vergleiche von beiden gleichmäßig ent- 
fernt, und daß ich keine tertiäre Form kenne, der sie anzugliedern wäre; sie 
möge den Namen Str. Choffati mihi führen. Mit ihr zusammen soll 

f) ttudes sur la (ieologie du Congo occidental. Bull. soc. beige de Geologie 
etc. XI. Bruxelles 1897 (erst im Februar igoi erschienen) p. 316 der M^moires. 

2) Choffat u. P. de Loriol, Materiaux pour l'etude stratigraphique et paleon- 
tologit|ue de In province d'Angola. Mem. de 1;\ societe de physique et d'histoire 
naturelle de Geneve, XXX. 1888. 



248 Dr. Paul (_)ppen heiin: 

ein Spondylus auftreten, welcher dem S/>. aspendm Münst. des Kressen- 
berges nahe stände, der aber leider nicht abgebildet wird. Von demselben 
Fundpunkte, Dombe-Grande, wird ein Mergel angegeben, der Fragmente 
von Dentalieu, Ä7;z'«/</««stacheln, Abdrücke von Lucina, Nuaäa und kleinen 
Cardicn führt; seine Foraniiniferen werden auf Grund der Angaben von 
Schlumberger für miozän erklärt. Ebenfalls von Dombe-Grande 
stammt ein weißlicher, kreidiger Kalkstein mit Quarzkörnern, der Pseu- 
doliva und Calyptrnea enthält, beides Gattungen, die, wie wir sehen wer- 
den, auch im Tertiär von Kamerun eine große Rolle spielen. Weiter 
wird eine fossilreiche Mollasse von Mossamedes, S. Bento-do-Sul und Gap 
Negio angeführt mit Cardium, Natica, Nassa, Buccmum, Ostrea. Das ge- 
nauere Alter dieser letzteren Vorkommnisse ist noch ganz unsicher. 

Dies sind die tatsächlichen Angaben über das Auftreten von Tertiär 
oder von für Tertiär gehailtenen Schichten im tropischen Weslafrika, soweit 
sie mir zugänglich wurden. Kritisch sind dieselben bisher anscheinend 
niemals verarbeitet und gesichtet worden. In Gürichs') trefflichem, »Über- 
blick über den Bau des afrikanischen Kontinents« wie in der neueren sehr ein- 
gehenden »Geologie der deutschen Schutzgebiete von Stromer v. Reichen- 
bach« ä) haben sie kaum Erwähnung gefunden. Dabei ist klar, daß hier 
alles noch sehr in der Luft schwebt, und eine Kritik wohl vonnöten ist. 
Alle die von mir oben zitierten Autoren, mit alleiniger Ausnahme von Dautzen- 
bergundChoffat, scheinen sich mehr von ihrem fachmännischen Instinkt 
haben leiten lassen, wenn sie sich für die Zugehörigkeit der von ihnen 
beobachteten Gebilde zur Tertiärformation aussprechen, als von tatsächlichen, 
objektiv zwingenden Beweisen. Da, wo das Vorhandensein von diesen 
behauptet wird, wie bei Zboinski, ist man sie rms leider schuldig ge- 
blieben ; denn D a u t z e n b e rg, der mit Recht eher an Quaternär als an Tertiär 
zu denken geneigt ist, wird und kann diese Behauptung nur für den einen 
Fundpunkt am unteren Kongo ausgesprochen haben, aus welchem ihm die 
rezenten Meereskonchylien vorlagen. — Peschuel-Loesche hatte Braun- 
eisenstein und Tone von Loango ursprünglich, für Kreide oder gar Jura 
angesehen 3), und für Kreide hat auch neuerdings Herr Lenz mir gegen- 
über brieflich die Kalksteinschichten von Gabun erklärt, welche über den 
Ammoniten.schichten von Elobi lägen und selbst Inoceramen führten*). 



r) Peteniianns MiUeilungeii, 1S87 p. 257 ff, 

2) München u. Leipzig i8g6. 

,3) Loango und die Loangoküste. Mitt. de.s Vereins (ür Erdl<iinde zu Leipzig. 
1878 p. 37 ff. cf. p. 51, 

4) Allem Anscheine nach bezieht sich Herr I.enz hier auf die mir ur- 
sprünglich entgangene, in der Anmcrliung auf S. 246 liier näher zitierte wichtige 
Publikation KossmatS. 



über Tertiärfossilien, walirscheinlicb eozänen Alters, von Kamenin. 249 

Dagegen schienen Lenz die von Peschuel-Loesciic an der Loangoküste 
gesammelten Petrefakten »sehr Jungtertiär« zu sein. Bislier sclreint jede 
paläontologisclje Bearbeitung dieser Dinge zu fehlen; auch Herrn Prof. O. 
Lenz war von einer solclien nichts bekannt. Andrerseits sind Angaben 
vom Auftreten von Korallen Stöcken, Seeigelschaalen, Fischresten, Zähnen 
von Rochen und Krokodiliern, von Leda, Mactm, TdUiia und . Cardimn, 
selbst wenn es sich um scharfe generische Bestimmungen handeln sollte 
(und auch diese sind mir bei den wetiigen und schlecht erhaltenen Exem- 
plaren, die Herrn Prof. Lenz nach seiner eigenen freundlichen Mitteilung 
an mich vorlagen, nicht ganz zweifellos), nur in äui3erst weiten Grenzen 
für die Altersbestimmung benutzbar. Und es dürfte kaum ernsthaft von 
irgend einer Seite behauptet werden können, daß auch nur der Schatten 
eines Beweises für das tertiäre Alter aller dieser Sedimente bisher bei- 
gebracht worden sei, während auch nur Bruchstücke von Inoceramen 
allerdings genügen würden, die hohe Wahrscheinlichkeit eines Icretazischen 
Alters für den Kalkstein von Gabun festzustellen i). 

Dieser bisher noch ausstehende Beweis für das tertiäre Alter gewisser 
neueren Sedimente der westafrikanischen Küste wird nun für die von 
Herrn Dr. Esch gemachten Funde in Kamerun 2) geliefert werden können, 
und damit wächst die Wahrscheinlichkeit einer gleichen Stellung für die 
petrographisch anscheinend durchaus gleichartigen Sedimente der Loango- 
küste, welche Herrn Prof. Lenz, wie ich erwähnte, noch neuerdings einen 
sehr jimgtertiären Eindruck machten. Auch ich habe dieselbe Empfindung 
ursprünglich gehabt und zuerst einen Vergleich mit der rezenten west- 
afrikanischen Fauna ins Auge gefaßt. Ich selbst habe bei den häufigsten 
Formen keinerlei Beziehungen herauszufinden vermocht, und auch Herr 
Geh. Rat v. Martens, welcher, die Freundlichkeit hatte, genauere Ver- 
gleiche mit den Beständen des K. Museums für Naturkunde vorzunehmen, 
hat keine Identifikationen mit rezenten Arten für statthaft gehalten. 

Damit dürfte erwiesen sein, daß die Tuffe und Limonite von Kamerun 
keineswegs Jungtertiär oder gar quaternär sind, wie es zuerst fast den 
Anschein erweckt. Andrerseits hat ein genauer Vergleich mit den Fonnen 
der Kamerun- Kreide gezeigt, daß keine Art beiden Komplexen gemeinsam 
ist, so daß also auch die jedenfalls zu diskutierende Möglichkeit, als könne 
es sich hier um jungkretazische Bildungen handeln, von der Hand zu 



1 ) Was von Kossmat also, wie ich 
nicht wußte, bereits geschehen war. Der 
p. 583, Taf. II Fig. 1—3) ist eine sehr a 

2) Die mir vorgelegten Materialie: 
Dorfe Bonangando gesammelt. Die nähe 
wolle man in dem Werke des Herrn Dr, 



lamals beim 


Sehr 


eiben der 


obigen 


Zeilen 


Inoceramiis 


Bm4n 


tanni Ko 


ssm. (a. 


a. 0, 


olilerhaltene 


und 


typische 


Form, 




wurden ana 


Wu 


riflusse gegenüber 


dem 


en Angaben bezüglich de 
Esch selbst nachlesen. 


5 Fundp 


mktes 



250 T)r. Paul Oppenheim: 

weisen ist. Auch das Miozän der atlantisc:lien Inseln '), an welches etwa 
auch gedacht werden könnte, ist faunistisch so verschieden, daß es gEU' 
keine Berührungspunkte bietet, so daß also alle diese mehr allgemeinen 
Erwägungen, in welchen zugleich der Gang meiner eigenen Untersuchungen 
enthalten ist, zu dem Resultate führen, daß für diese Kamerun-Gesteine 
nur eni alttertiäres, ein eozänes fxier oligozänes Alter in Frage 
kommen kann. 

Derselbe Sdiluß entwickelt sich auch aus den .speziellen Betrachtungen, 
Erwägungen und Vergleichen, welche ich mich anzustellen veranlaßt sah. 
Ich muß vorausschicken, daß hier eine Reihe von erschwerenden Momenten 
in Frage kamen. Zuvörderst der sehr ungünstige Erhaltungszustand der 
Formen, welche in dem härteren Gestein der oberen Schichten oberfläcli- 
licfi meist stark angegriffen und abgenutzt sind und dann selten die äußere 
Schalenschicht darbieten, wahrend sie in den unteren mehr tonigen Gesteinen 
zwar besser erhalten, aber von äußerster Zerbrechlichkeit sind. Dann der 
Umstand, daß es sich, wenn man von einzelnen Arten, wie vor allen von 
Turritella Eschi n. ,sp. und Cytherea nilifhila Lk. absieht, ausschließlich 
um kleinere J'ormen, häufig genug um wahre Liliputaner handelt, mit denen 
zu operieren, zumal bei ihrer Gebrechlichkeit, nicht zu den Annehmlich- 
keiten gehört. Endlich ist die Fauna eine sehr arme und eintönige; es 
sind einige wenige Formen, wie die erwähnte neue Turrüella und die eben- 
falls mit keiner bekannten Art zu identifizierende Calvptrne.n siirnrelma mihi, 
dazu noch etwa die gleichfalls als neu beschriebenen ('arxlitcii und Lucinen 
in großem Individuenreichtum vertreten; der Rest sind Raritäten, nur in 
wenigen E.xemplaren vorhanden, einzelne sogar Unica. Alle diese Ver- 
hältnisse im Verein bringen natürlich eine gewisse Unsicherheit in die 
spezifische Abgrenzung hinein, und ich würde mich daher nicht wundern, 
wenn sjiätere, an reicherem und besser erhaltenem Material durchgeführte 
Untersuchungen gerade hierin mancherlei zu ändern finden könnten, daß 
speziell noch Zusammen Ziehungen vorgenommen werden uKJcIiten, wo ich 
mich bisher beschränken mußte auf die Betonung äußerst naher Ver- 
wandtschaftsbeziehungen. Und auf diese möchte ich liier zusammen- 
fassend auch den größten und entscheidendsten Nachdruck legen und 
mich dahin äußern: die von mir untersuchten Fossilien zeigen sehr aus- 
gesprochene und eigentlich überraschende Affinitäten mit solchen de.s 
Pariser Eozän, so daß also ein eozänes Alter für sie äußerst wahrschein- 
lich gemacht wird. 

Wir werden im spezielleren Teile eingehender auf diese Beziehungen 

l) Vergl. über dieses K. Mayer in Härtung: (ieologisclie Beschreibung dei 
Inseln Madeira und Porto .Santo. Leipzig 1884, und A. Rothpletz u. V. Simonelli : 
Die mavinen Ablageiungcn auf (iran Canaria, Z. d, d. g. G. 42. Berlin 1890 p. 977 fi. 



über Tertiärfossilien, wahrscheinlich eozänen Alters, von Kamerun. 251 

hinzuweisen haben. Hier möchte ich nur betonen, daß allerdings an 
identischen Arten bislier nur die Anwesenheit der Cythctea nitidula Lam., 
C. ekgans Lk.„ Calypiraea trochiformis Lk., TeUina {Arcopagid) subrolnnda 
Lk. und von Sycum Imllnforme Lk. festgestellt wurde, daß aber die An- 
zahl der korrespondierenden Formen eine relativ große ist. So entspricht 
Ostrea Choffati n. s]). der O. flnbeUula Lk., 
Numla Perkm n. sp. der N. minor Desh., 
I^da sulis/na/nla n. sp. der L. striata Lk., 
Caniila faDi.'niiiensis n. sp. der C. sennlata Desh. u. Verw., 
Liiruiii raiiienniensis n. sp. der Z, squamuta Desh., 
Syrnola ajricana n. sj). der Ä Oppenheimi Cossm., 
l'seHdoliva Esclii n. sj). \ den I'seudoliven des englischen 

» Schiüeinjurlhi n. .s]). / und Pariser Eozän etc., 

Buccmum Choffati n. sp. dem B. [Siphonalia) Vasscuri Cossm., 
Olivella Zintgrafi n. sp. der O. milreola Desh. 
Und schließlich hat Tuiriteüa Escki, wenngleich ich sie für eine echte 
Turritelle ansehen muß, mit keiner Art eine ausgesprochenere Ähnlichkeit 
als mit der auch in Ägypten vertretenen Me.salia fasciaia Lk. des Pa- 
riser Beckens. Demgegenüber sind Beziehungen zu den Neogenfaunen 
nur in dem Auftreten der an C. nassoides Bell, erinnernden ColumheUa 
subcantMta n. sp. imd der mit Äl Josephinea Risso verwandten Naiica 
nsaÜHin n, sp. vorhanden. 

Sehr autfällig ist nun aber, falls wir unsere Faima für eozän lialten, 
das gänzliche Fehlen der Nummuliten in diesen Sedimenten der Tropen- 
zone, zumal wenn wir in betracht ziehen, daß diese Foraminiferen sich im 
Mediterrangebiet in Absätzen jeder Art, sowohl litoraler Natur als in großen 
Tiefen entstanden, auftreten, und daß auch schlammige Sedimente der 
K(-)rallinenzone (ich erinnere hier an die Tuffe von S. Giovanni Ilarione 
oder die Mergel von Biarritz und Possagno) doch keineswegs arm an ihnen 
zu sein pflegen. Ich bin auch hier nicht in der Lage, auf die Fragen, 
welche sich aufdrängen, eine Antwort und ausreichende Erklärung zu geben. 
Handelt es sich etwa um eine Faima, welche dem Haupteinbruch der in- 
dischen Nummuliten vorausging, also um Untereozän vom Alter der Sande 
von Bracheux? Die Verwandtschaftsbeziehungen der Lucinen wie der 
Pseudoliven mit Formen des Montien in Belgien würden sich event. in 
diesem Sinne verwerten lassen. Oder sperrte eine Landbarre den Zuzug 
der Nummulitenfauna ab? Dagegen würde wieder die unbestrittene Ähn- 
lichkeit sprechen, welche gerade mit der Fauna des nordeuropäischen 
Eozän obwaltet. Wie waren überhaupt die Meeresverbindungen in diesem 
Teile des atlantischen Ozeans, auf dessen westlicher Begrenzung, in 
Brasilien, tertiäre Meeresbildungen bisher noch nicht nachgewiesen wur- 
tlen. War bereits offenes Meer von Kamermi bis zu den französischen 



252 ßr. Paul Oppenheim: 

Küsten? Und existierte ein direkter Zusammenliang zu den nnrdatrikani- 
schen Numinulitenbildungen, welche doch nach unseren bisherigen For- 
schungen in relativ geringer Entfernung von der jetzigen Küste ihren Strand 
fanden? 

Auf diese und ähnliche Fragen wird erst die Zukunl't die Antwort zu 
geben vermögen i). Vor der Hand wird man sich begnügen müssen, 
daiauf liinzuweisen, daß die Süß-Neuniayrsche Theorie von dem sehr 
jugendlichen Alter des atlantischen Ozeans durch die Funde von Tertiär- 
schichten anscheinend eozänen Alters in Kamerun, ich will nicht sagen 



l) P'ür die eine von ihnen ist sie sclion seit der Niederschrift der obigen 
Zeilen erfolgt. Herr G. Vasseur teilt in den Comptes rendus de l'Acad. des Sciences 
vom 6. Januar 1902 p. 60 ff. mit, daB man bei einer Bohrung in St. Ixmis du Se- 
negal in 230 m Teufe die Bhrimbergi -Votm de.s großen Nninmiilihs t;i-^rln:nsis 
Ehrenb, gefunden und somit das Vorhandensein des Eozän im Senegalgel)iete unter 
der Lateritbedeckung festgestellt habe. Auch zwischen Cap du Rouge und Cap 
du Naze seien in den Kalkbänken einige seltene Fossilien gefunden worden, welche 
„an diejenigen des französischen Eozän erinnerten". Die Verbinduug mit Nord- 
afrika hätte nach Vasseurs Ansicht nicht direkt durch die Sahara, sondern im äulter- 
sten Nordwesten des Kontinents stattgefunden. Ebenso hat Herr de Lapparent in 
den Comptes rendus sommaires des Seances de la Societe geologique de France 
1903 p. 90, also ganz kürzlich erst eine Notiz gegeben, der zufolge der französische 
Capitain Gaden zwischen Niger und Tschadsee einen Nautilus und vier Echiniden 
aufgefunden hätte, welche nach den Angaben de Eapparents und Gauthiers mit 
Sicherheit auf mittleres Eozän, Lut^tien, mit indischen und ägyptischen Verwandt- 
schaftsbeziehungen hinweisen. Auch in der Nähe von Dakar wäre die gleiche For- 
mation bekannt geworden und daher unsere Ansichten über die geologische Ge- 
schichte Nordafrikas von Grund aus zu modifizieren, Im Mitteleozän wäre dieses 
eine Insel gewesen und diese sei von einem Meere umgeben gewesen, welches vom 
Senegal an ohne Zweifel das Becken von Bilma mit dem Ätliiopiens und Libyens 
in Verbindung gesetzt hätte. — .Soweit der berühmte französische Autor. Ich weiß 
nicht, — mit aller schuldigen Bewunderung für die Kraft seiner Synthese sei dies 
bemerkt — , ob derartige weittragende Schlüsse schon möglich und berechtigt sind, 
in Gebieten, die nicht einmal geographisch im einzelnen aufgenommen, geschweige 
geologisch koloriert sind. Die Farbe der Unschuld, welche hier noch so weite 
Strecken als Zeugnis alles dessen bedeckt, was uns hier noch verschleiert liegt, 
sollte doch zur Vorsicht ebenso mahnen, wie die überraschenden und ganz un- 
erwarteten Entdeckungen, die hier jeder Tag bringt und deren wichtigste wir ge- 
rade Herrn de Lapparent verdanken! Es sei dem wie immer, jedenfalls fallt durch 
die Anwesenheit des Eozän auch auf der Westküste der größte Teil der Unter- 
schiede zwischen dieser und der östlichen Begrenzung des dunkeln Kontinents in 
sich zusammen, welche auch Herr Stromer noch vor nicht allzu langer Zeit hervorheben 
zu können geglaubt hat (Z. d. d. g. G. 1901, briefliche Mitteilung p. 35ff,). Der 
Autor hat bereits selbst eine Rektifikation seiner Angaben in sehr dankenswerter 
Weise gegeben. 



über Tertiärlbssilien. wahrscheinlich eozänen Alters, von Kamerun. 253 

erschüttert, aber jedenfalls modifiziert wird, zumal wenn sicli herausstellen 
sollte, daß gleichaltrige Sedimente an der Küste, wie Zboinski will und 
Choffat angibt, bis Mossamedes herunter zu verfolgen sind. Das sind 
Punkte, die nachgeprüft werden wollen, und für diese Nachprüfung wer- 
den vielleicht die folgenden Spezialbeschreibungen eine bescheidene Grund- 
lage zu geben vermögen. Für diese erhoffe ich diejenige Nachsicht, welche 
der Pionier auf einem bisher gänzlich unbekannten Gebiete wohl erwarten 
darf; ich weise zudem nochmals auf den höchst ungünstigen Erhaltungs- 
zustand des zudem so überaus gebrechlichen und meist aus sehr kleinen 
Formen bestehenden Materials hin, welclies der Bearbeitung die allergrößten 
und kaum zu bewältigenden Schwierigkeiten entgegensetzt und das an sich 
kaum zu dieser gereizt haben würde, aber als erster Beitrag zur Fauna 
des troj)ischen Westafrikas wahrend der Tertiärperiode, und zwar, wie 
man wohl anzunehmen berechtigt ist, des älteren Abschnittes derselben, 
wohl eure gewisse Wichtigkeit beanspruchen darf. Ich bin überzeugt, daß 
Verbesserungen der von mir gegebenen Daten zumal bei so heiklen Sippen, 
wie deii Cythereen, nicht auf sich warten lassen werden und bin auf die 
Außenmgen anderer Tertiärforscher in hohem Maße gespannt. Wenn diese 
in den folgenden Blättern und den beigefügten Zeichnungen die Grund- 
lage einer gedeihlichen Fortentwicldung auf unserem Gebiete erblicken 
werden, ist der Zweck meiner Arbeit erreicht, und werde ich mich für die 
recht mühevollen Stunden, die ich dieser gewidmet habe, entschädigt 
finden '), 



I) Die durch besondere Umstände ohne mein Verschulden stark ver- 
zögerte Herausgabe meiner Untersuchung bringt es mit sich, daB ich die in- 
zwischen sich ansammelnde Literatur nur in kurzen Anmerkungen zu streifen ver- 
mag. So ist seit der Abgabe meines Manuslcriptes im B. d. G. F. (TV.) 3. 1903 
p. 29g ff. eine ausführlichere Darstellung des Eozänvorkommens in der Nähe des 
Tschadsees an der Nordwestgrenze des englischen Sokoto von Herrn de Lapparent 
erschienen, dem leider meine kurze vorläulige Mitteilung über Kamerun (Centralbl. 
f. Min. etc. 1903, p. 373) entgangen zu sein scheint. Der Autor zitiert jetzt von 
der betreffenden Lokalität Tamaskeh einen Nmttüus aus der Gruppe des A'. La- 
marckiDesh., eiatn P/esio/ainfas, d. h. einen Angehörigen einer für das indische 
Eozän charakteristischen «jattung, welche Herrn Gauthier neuerdings aus der Mo- 
kattam-Stute Ägyptens vorliegen soll, einen Leiocidaris und eine Linthfa, welche 
Herr Gauthier spezilisch nicht zu unterscheiden vermag von L. Diicrogiii Cott., 
einer Art des Mitteleozän von St. Palais bei Royan an der (iirondemündung. Es 
scheint nach diesen Daten der Schiuli auf Mitteleozän allerdings durchaus be- 
rechtigt, doch bleibt es bedauerlich, daß so wichtige und ausschlaggebende Fossi- 
lien nicht näher beschrieben und abgebildet wurden, um weiteren Kreisen eine 
Nachprüfung zu gestatten. Sehr interessant ist ferner in dem Aufsatze de Lappa- 
rents die erste detaillierte Angabe über das Eozän bei Dakar in Senegambien. 



254 ßr- Paul Oppenlieim: 

Spezieller Teil'^). 
Osfrea Choffati n. sp. (Taf. VI Fig. i — 6). 

Unterschaale (Unicum) sehr breit und kurz, mit stark nach der Seite 
gedrelitem subterminalem Wirbel. Seitenränder geradlinig abgestutzt, Außen- 
rand unregelmäßig bogenförmig, in der Mitte am breitesten. Oberflache 
schuppig, mit einzelnen breiten und flachen, kaum über .sie hervortretenden 
Lärigsrippen (Fig. 6). 

Oberklappe (häufig in allen Altersstadien) von relativ sehr geringen 
Dimensionen, ziemlich dünnschalig, wechselnd in der Form, bald breiter 
(Fig 2), bald mehr verschmälert (Fig 5), mit terminalem, lebhaft nach 
der Seite gekrümmtem Wirbel, der schwach blasenförmig hervortritt, glatt, 
nur mit schuppigen, unregelmäßig geschwungenen Anwachsringen. Außen- 
wand meist in der Mitte keilförmig hervorgezogen, Wölbung schwankend, 
doch i.st die Schale .stets mehr <Kler weniger konvex. In einem Falle 
(Fig. 4) finden sich auf der Oberfläche fünf mit ihrer Konvexität nach 
dem Wirbel zu gerichtete gekrümmte, erhabene Ringe; ich möchte dieses 
Stück bis auf weiteres nur als Abnormität auffassen, da sein ganzer 
Mabitus auf eine Auster, nicht auf Anomia hinzuweisen scheint und die 
ganze Gestalt docli der vorliegenden Form ziemlich entspricht. Auf der 
Innenseite ist die Bandgrube mäßig ausgebildet und besitzt die Form eines 
schiefen Dreiecks; zu ihren Seiten erstreckt sich die verbreiterte Schloß- 
platte. Die Seitenränder sind bis nach unten hin mit gleichmäßigen, 
kurzen, sehr hervortretenden Kerben besetzt; der ovale, schwach ent- 
wickelte Muskeleindruck liegt unterhalb der Schaalenmitte sehr weit nach 
hinten gerückt; er ist ziemlich oberflächlich imd in seinen Umrissen nicht 
sehr deutlich begrenzt. 

Diese ziemlich charakteristische Auster steht der O. flahelUita JJc, 
zumal deren englischen VorkommnisscTi ''■), wie sie mir aus Barton vorliegen 

Hier liat man Echinolampen aufgefunden, von denen einer für die Herren Boule 
und Gauthier dem E. Goujmmi Pomel des tunesisclren Eozän entspricht. Eine 
reclit anregende Betrachtung über Afrika als Entstehungszentrum der Säugetiere, 
in welcher auch die Funde in Kamerun und am .Senegal kurz gestreift werden, 
gibt schließlich Dr. Stromer in den Monatsberichten der D. Geol Ges 1903 Nr 3 
p. 27 if. 

1) Da auf den beigegebenen Tafeln nach Darstellung der Haupttypen unserer 
Formation noch Raum verfügbar war, so habe ich auch Formen zeichnen lassen, 
die mir selbst noch unklar geblieben sind, die aber vielleicht diesen oder jenen 
meiner Leser an ihm bekannte Vorkommnisse erinnern könnten. 

2) Searles V. Wood, A monograph of the Eocene Mollusca from the older 
Tertiaries of England. Parti. Bivalves. Palaeontographical Society. London 1861, 

p. 21. p. iix r. 4 a— d, vrn f. 5 a, b. 



TTber T<-rliärtossilieii, 



255 



{M. Samml.), lecht nahe, entfernt sich aber wieder durch die schwache 
Radialskulptur der Unterschaale und die an O. e.kgam Desli. erinnernde 
KerluMio der Seitenränder, die starke Ligamentalfurche, den wenig aus- 
gebildeten Muskeleindruck. Icii glaube kaum, daß beide Formen vereinigt 
werden dürfen, obgleich sich die Oberklappen ähnlich genug werden. 
Ebensowenig ist eine Vereinigung statthaft mit den vielleicht noch in 
Betracht kommenden O. CossmanniV)iM. (= O. plicata Desh.), O. mutabiUs 
Desh., O. cuhilus Desli., O. sparmuensis Desh., welche ich sämtlich in 
typischen Stücken meiner Sammlung zu vergleichen vermochte. 

Anomia cf. planulata Desh.*) (Taf. VI Fig. 22—23). 

Es liegen eine Anzahl Deckelklappen vor, die der [mriser Art sehr 
nahe stehen zumal in ihrer geringen Wölbung und dem Mangel an 
Radialskulptur, die indessen relativ höher zu sein scheinen. Ehe ich es 
indessen wage, bei dieser indifferenten Grujjpe auf Grund meines spärlichen 
und nicht allzu glänzend erhaltenen Materials neue Abtrennungen vorzu- 
nehmen, möchte ich erst den weiteren Verlauf der Diskussion über die 
hier für das Tertiär von Kamerun gegebenen Daten abwarten. 

Die Form erreicht einen Durchmesser von ca. 20 mm. 

Nucula Perkeo n. sp. (Taf. VII Fig. 1—3). 

Schale winzig klein, stark gewölbt, am Außenrande nach innen ge- 
zogen, vorn abgerundet, hinten leicht zugespitzt. Wirbel submedian, etwas 
dem Vorderende genähert, beide Schloßränder im rechten Winkel zu ein- 
ander orientiert, vom Wirbel stark nach abwärts gerichtet. Lunula und 
Area kaum abgetrermt, durch eine sehr schwach ausgesprochene, kielartige 
Linie begrenzt. Oberflächenskulptur nur durch zarte Anwachsringe ge- 
bildet, keine Radialstreifung. Schloß aus zahlreichen, scharfen Kerben 
gebildet, die unterhalb des Apex zu verkümmern scheinen. 

Höhe 3, Breite 4 mm, — Zwei Exemplare. 

Diese Nucula hat Ähnlichkeit mit N. minor Desh. aus den Sables 
moyens, die mir von Le Guepelle in von Herrn Cossmann bestimmten 
Exemplaren vorliegt ; doch ist sie gewölbter, ihre Schloßränder fallen steiler 
ab, ihr Mittel ist mehr median und Lucula wie Area sind zwar reduziert, 
aber doch nicht gänzlich verschwunden wie bei der jiariser Art. Daß es 
sich bei der afrikanischen Type um erwachsene Schalen und nicht etwa 
jugenilliche Stücke einer größeren Form handelt, ist bei dem Zwergcharakter 
der ganzen Fauna anzunehmen. 



An. s. Verl. It p. ].:i5 T. LXXXV f. i2 — 23, Cossmann: Cat. II p. 201. 



256 !>• P«»' Oppenheim: 

Leda substriatula n. sp. (Taf. VIII. Fig. z — 3). 

Diese Leda, von der drei nicht ganz vollständige Exemplare vorliegen, 
erinnert, wie der von mir gewählte Name andeutet, an die bekannte J.. 
striata Lk. des Grobkalkes, doch hat sie weit zartere Anwachsringe, einen 
geradlinigeren Schloßrand, keinen stark ausgesprochenen Analkiel und 
scheint auch hinten weniger zugespitzt. L. miinma Sow. t) aus dem Bartoi^* 
tone hat analoge Skulptur, ist aber eine mehr in die Breite gezogene, in 
der [-iichtung des Höhendurchmessers weniger entwickelte Art. 

Noch ähnlicher ist die ebenfalls auf das englische Eozän beschränkte 
L. suhstriata Morris^), die indessen auch ihrerseits kaum mit der afrikani- 
schen Form zu identifizieren sein dürfte, da sie ungleichseitiger ist und 
eine stärker ausgebildete Area besitzt. 

Die Form hat medianen Wirbel, ist vorn schwach abgerundet, hinten 
leicht keilförmig zugespitzt, ist relativ sehr hoch und gewölbt, hat annähernd 
geraden Schloß- und nur wenig gekrümmten Außenrand. Lunula und 
Area sind langgestreckt und durch sehr schwache Kiele seitlich begrenzt. 
Die Anwachsringe sind sehr zart und dichtgedrängt. 

Flöhe 4, Breite 5V2 mm. 

Area paralactea n. sp. (Tai". VI Fig. 8; Tat". VII Fig. 12—141. 

Die in drei Exemplaren vorliegende linke Schale dieser kleinen, zier- 
lichen Art ist mäßig konvex und sehr ungleichseitig, indem sowohl der 
Wirbel stark nach vorn auf das erste Schalendrittel gerückt ist, als auch 
die Vorderseite relativ sehr erheblich schmäler ist als der hintere Abschnitt; 
in einem Falle ist die Analseite sogar derartig zugespitzt, daß die Form 
dadurch an Corbula erinnert. Die Gestalt der Type ist gerundet rhom- 
bisch und verhältnismäßig hoch; das Kardinalfeld verhältnismäßig klein, 
die Ligamental-Arca ganz verschwindend; die vordere Seite ist schräg ab- 
gestutzt, die breitere Hinterseite dagegen in Bogen begrenzt ebenso wie 
der stark nach innen gewölbte Unterrand. Die größte Konvexität tlcr 
Schale liegt auf dem ersten Drittel hinter dem Apex. 

Die sehr zarte und nur mit der Lupe wahrzunehmende Skulptur der 
Art besteht aus didit gedrängten Anwachsringen; diese werden von sehr 
distanten Läiigslinien gekreuzt, bei denen der Intervall 2 — ^nral breiter 
ist als die schmale, kaum über die Oberfläche hervortretende Rippe. An 
den Kreuzungspunkten beider Skulptursysteme sind schwache Knoten, 
zwischen ihnen sehr breite, aber niedrige Rhomben entwickelt. 



1) Wood: Eoc. Mollusca of England. I. c. 11 p. 127. Taf. XVII Fig. 7 a-e. 

2) Ibid. p. 130, Taf, XVTI Fig. 5. 



über Terliärlbssilien, wahrscheinlich eozäueu Alters, von Knineniii. 257 

Die nur in einem Exemplare vorhandene rechte Klappe ist schwächer 
gewölbt mid hinten weniger zugespitzt. 

Diese Form entfernt sich sowohl in ihrer Skulptur als besonders durch 
ihre ungleichseitige Gestalt von den pariser Eozänarten, welche, wie etwa 
A. dispat Desh.') und A. pnnrtifera Desh.^) oder A. guadrilakra Lamk. ») 
zu vergleichen wären. Auch y(. CaUlati Desh. = paua-deiitata Desh.*), an 
welche etwa noch zu derücen wäre, ist nicht identifizierbar, ebenso wenig 
die in der Gestalt sehr ähnliche aber glatte A. laevigata Caill.ß). Etwas 
stärkere Ähnlichkeit besteht zu der neogenen und rezenten ^4. laden 1..^), 
doch hat diese eine weit gröbere, aus zahlreicheren Längsrippen gebildete 
Skulptur, mehr nach außen gerückte Ligamentalarea und ist vor allem vorn 
weit weniger verschmälert. 

Gehört die Cucidlaea incetta Desh. bei Frauscher i), welche Coss- 
mann wohl fälschlich zu C cmssoHna Lam. zieht, vielleicht hierher? Die 
Gestalt hat, abgesehen von den bedeutenderen Dimensionen, eine gewisse 
Älnilichkeit, 

Area mimula n. sp. (Taf. VI Fig. 7; Taf. IX Fig. 12). 

Diese Form, von welcher mehrere Klappen vorliegen, erinnert an zahl- 
reiche Angehörige des Genus, läßt sich aber nirgends restlos unterbringen. 

Die Ty]ie ist schmal, langgestreckt, der leicht nach der Seite gedrehte 
Wirbel liegt auf dem ersten Drittel der Schale. Vom ist sie etwas schmäler 
als hinten, oben geradlinig, an den Seiten durch schwach ausholende 
Bogen begrenzt; der ünterrand ist dagegen unregelmäßig geschwungen 
und in der Mitte ziemhch tief eingebuchtet, wodurch eine seichte, vom 
Wirbel bis zum Unterende verlaufende Depression des Schalenrückens 
bedingt ist. Die sehr schmale Ligamentalarea ist nach innen gezogen 
und von oben nicht wahrzunehnren. 

Die Skulptur besteht neben sehr sparsamen Anwachsringen aus kräf- 
tigen, ziemlich entfernt stehenden Längsrippen, zwischen welchen am 
Unterrande ab und zu ein Sekundärstreif sich einschiebt. Diese Rippen 



i) Deshayes: An. s. vert. I p. 899, Taf. LXVII Fig. 14—21. 

2) Deshayes: Env. de Paris I, Taf. XXXII Fig. 13 — 14. 

3) Deshayes: Env. de Paris I, Taf. XXXfV Fig. 15 — 17. 

4) Deshayes: An. s. vert. 1, Taf. I.XIX Fig. 17 — 21, p. 902. 

5) Wood; Eocene Mollusca from the older terliaries of England. Palae- 
ontographical Society, 1864. p. 86, Taf. XV Fig. 8, a, b. 

6) Vergl. z.B. M. Hoernes: Die lossilen Mollusken des Wiener Beckens. H, 
Taf. XLIV Fig. 6 a— d. 

7) Das Untereocaen der Nordalpeu und seine Fauna. Denksch. k, Acad. 
M. Nat. Cl. Bd. I.T, Wien t886, p. 91, TaC. Vi Fig. 21. 

Beiti-iige zur Geologie von Kamerun. 17 



258 Or. Paul Oppenheim: 

werden auf dem Aiicilfelde gedrängter und zarter, was auffällig ist, da bei 
sonst ähnlichen Typen das Entgegengesetzte zu sein pflegt. 

Das Schloß ist an einem Steinkerne etwas, wenn auch nicht allzu 
deutlich, sichtbar. Es ist ziemlich geradlinig, die Zähne sind klein und 
scheinen in der Wirbelregion zu verschwinden. Die stärksten scheinen 
hinten zu liegen. 

Diese Art hat vor allem Ähnlichkeit mit Jugendstadien der A. biaiignla 
Lk.^), gehört aber, ganz abgesehen von den Skulpturdifferenzen im Anal- 
felde, wegen des Zurücktretens der Ligamentalarea in eine andere Gruppe. 
Mit den typischen Barbatien möchte sie näher verwandt sein, doch ent- 
fernt sie sich hier wieder durch ihre un regelmJlßige Gestalt und die 
Dorsalfurche. Diejenigen Arten, welche diese besitzen, sind aber, wie z. B. 
A. RignuUiann Desh. a) und A. inaspecta Desh.»), verschieden gestaltet. 
Auch aus dem norddeutschen Oligozän ist, wie v. Koenens Monographie 
erkennen läßt, nichts Entsprechendes bekannt, während im englischen 
Alttertiär A. Dulwichicnsü S. Wood^) wahrscheinhch in dieselbe Gruppe 
gehört. Unter den Formen der Nummulitenformation wäre vor allem 
A. Genei Bell.-'') zu vergleichen, die recht ähnlich ist; doch wird sie relativ 
breiter, die mediane Furche reicht bei ihr nicht bis zum Apex, die Anal- 
partie ist durcli einen scharfen Kiel begrenzt, der weit stärkere Ripiien 
als der Hauptteil der Sc:hale tragt. 

Cardita camerunensis n. sp. (Taf. VI Fig. 17 — 20). 

Schale verhältnismäßig sehr flach, fast rhombisch, vom etwas breiter 
als hinten. Sie trägt 16—18 sehr schmale, in einen scharfen First endigende 
Rippen, welche sich aus den doppelt so breiten Interkostalien in schwacher 
Böschung allmälig erheben und dadurch einen langgestreckt dreic^ckigen Quer- 
schnitt besitzen (Fig. 18). Die Oberfläche ist nirgends ganz intakt, doch sieht 
man, wenii man gegen das Licht seitlich betrachtet, unter der Lujje :m 
einigen günstigen Stellen sehr gedrängte, wellenförmig geschwungene An- 
wachsringe in den Interkostalien und auf den Rippen selbst den Ansatz 
von kurzen, dornenförmigen Gliedern, deren genauere Gestalt aber noch 
festzustellen Ijleibt. 



i) Deshayes: Env. de Paris I, Taf. XXXtV Fig. 7—8. 

2) Deshayes: An. s. vert. I, Taf. LXVII Fig. 6—7. 

3) Deshayes: An. s. vert. I, Taf, LXVH Fig. 8 — 10. 

4) A monograph of the eocene Mollusca from the older tertiaries of Fiiglanil. 
II. Bivalves. London 1864, p. 82, Taf. XV Fig. 6 a, b u. 15. 

5) Catalogue raisonne des fossiles numnuditiques du conite de Nice. M. S. G. 
F. (II.) 4. Paris 1851, p. 47, Taf. \\ Fig. 15. 



über Tertiärfossilien, wahrscheinlich eozänen Alters, von Kameniii. 259 

Form und Wölbung der Schale scheinen etwas zu variieren, so dass 
die rechteckige Gestalt mehr oder weniger ausgesprochen ist, resp. durch 
die Krümmung beeinflußt erscheint. Die Grenzen dieser Variabilität sind 
durch die beigefügten Abbildungen veranschaulicht. 

Die Innenseite der Muschel liegt in zahlreichen Stücken heider 
Klappen vor. Man erkennt hier sehr lang gestreckte und schmalere, seit- 
lich etwas eingeschnürte Muskel, die durch eine vom Außenrande sehr 
weit abliegende Mantellinie verbunden sind; diese Organe sind nicht an 
allen Präparaten gleichmäßig tadellos erhalten, häufig genug scheint das 
Schaleninnere stark korrodiert, und zwar ohne daß die Präparation die 
Schuld daran trüge. Nur der Außenrand wird durch die Endigungen der 
Rippen breit und seicht eiiigefurcht, während diese sich sonst im Schalen- 
iimern kaum bemerkbar machen. An dem Schlosse sieht man auf der 
rechten Seite einen sehr rudimentären vorderen und einen stärkeren, aber 
relativ kurzen hinteren Zahn, letzteren durch tiefe Grube von der längeren 
Bandnymphe getrennt und nicht parallel dem Schalenrande orientiert, 
sondern im spitzeren Wiirkel mehr in der Richtung auf das Innere der 
Schale verlaufend. Die Verhältnisse in der linken Klappe sind ent- 
sprechend, nur fehlt hier der vordere Zahn gänzlich. Der hintere ist 
hier auf das allerinnigste mit der Bandnymphe verschmolzen. 

Die Größe schwankt zwischen io:ii und 5:0 mm Höhe und Breite, 
es lagen sehr zahlreiche Exemplare von meist prächtiger Erhaltung vor, 
von denen die besten Schalenexemplare abgebildet wurden. 

Groß ist die Ähnlichkeit dieser Type mit Arten des nordischen 
Eozän und speziell mit Formen des Pariser Beckens, wie C. setrulata 
Desh.') und C. Davidson/. Desh.^). Speziell eine Art von Bois-Gouöt 
in der Bretagne, welche mir durch Herrn Cossmann früher als C. cf. 
serrulata Desh, eingesandt wurde, welche aber zu C. Davidsoni innigere 
Beziehungen zu liaben scheint, steht der afrikanischen Type ungemein 
nahe, so dass ich hier lange geschwankt und an Identifikationen gedacht 
habe. Wenn ich die vorliegende Tyjie schließlich doch unter eigenem 
Namen aufführe, so bestimmt mich dazu ihre mehr rhombische, eckigere 
Gestalt, die geringere Zahl ihrer Rippen (17 statt 22) und die anscheinend 
einfachere Form derselben, bei welcher eine Dreiteilung wie bei den 
Pariser Arten nicht zur Beobachtung gelangte. Ich würde indessen iricht 
überrascht sein, wenn besser erhaltenes Material hier später doch zu einer 
Vereinfachung der Nomenklatur führen würde. Vorläufig finde ich auch 



i) Deshayes: An. s. vert. I p. 767, Tiif. LX Fig. 25—27, Cossmann: C.it. 
II p. 93- 

2) Deshayes 1. c. p. 764, Taf. IX Fig. 10—14 (m<^. G. divergens Desh.). 
Cossmann 1. c. p. 93. 



260 Dr. Pa"l Oppenheim: 

im Schloßbau der afrikanischen Art, in dem fast vollständigen Ver- 
schwinden des vorderen und- der größeren Kürze des hinteren Schloß- 
zahnes noch recht erhebliche Differenzen, welche zu überbrücken mir mit 
dem uns zur Verfügung stehenden Material bisher nicht gelingen wollte. 
Ich fincie diese übrigens an Exemplaren der Pariser Type, welche Herr 
Cossmann mir von Auvers einzusenden die Freundlichkeit hatte, 
durchaus bestätigt; hier scheinen mir auch die Rip].ien eine geringere 
Amplitude zu besitzen. 

Im ägyptischen Eozän treten ähnliche Carditen auf, welche Fraas 
seiner Zeit mit C. divergens Desh. identifizierte, welche für mich aber zwei letzt- 
hin näher studierte, gut unterschiedene Formen darstellen; beide (C Fraasi 
und C. Mosis mihi) sind, wie ich hinzuzufügen nicht unterlassen will, 
spezifisch von der Kamerun-Art zu trennen ; näher verwandt ist überhaupt 
nur 6'. Fraasi, aber die Pariser C. divergeiis bietet entschieden mehr An- 
knüpf ungspun kte. 

Lucina camerunensis n. sp. (Taf. VI Fig. lo — 14). 

Schale flach, relativ schmal und hoch, so daß beide Durchmesser 
gleich sind, unregelmäßig fünfeckig, vorn und hinten verschmälert, mit 
vorspringendem, stark nach der Seite gedrehtem Wirbel. Lunula sehr 
schmal, lanzettförmig, wie die innere Area ganz nach innen gedrängt, die 
äussere Area lang und ebenfalls schmal, durch einen mehr oder weniger 
deutlichen Kiel, an dem sich die Anwachsringe gelegentlich knoten, be- 
grenzt. Außenrand in der Mitte vorspringend, vorn und hinten zurück- 
gezogen, Lunularand steil, hinterer Schloßrand im mäßigen Bogen ab- 
fallend. Skulptur aus sehr distanten, starken Anwachsringen gebildet, die 
sich im Alter (Fig. 12 — 13) gelegentlich verdoppeln können. 

Schloßrand massig verdickt; Schloß aus 2 Hauptzähnen in der linken 
und einem in der rechten Klappe gebildet, welche schwach sind und sich 
undeutlich von ihrer Umgebung abheben'); daß sie auf Fig. loa gänzlich 
zu fehlen scheinen, ist indessen durch eine Verletzung der Schale an 
dieser Stelle bedingt. Es wurde diese Klappe als eins der wenigen Schloß- 
präparate, über welche ich ursprünglich verfügte, zuerst gezeichnet und 
ich habe mich auch später, als nach dieser Richtung hin besseres Material 
vorlag, nicht entschließen können, die Zeichnung zu kassieren, die besonders 
die Veriiältnisse der Muskulatur mit großer Deutlichkeit zeigt. Die zwischen 
den Schloßzähnen liegenden Gruben sind dreieckig. Ebenso unbedeutend 
wie die Hauptzähne sind die beiden Seitenzähne, welche nur in größerer 
Entfernung vom Wirbel als schwache Leisten sichtbar werdeir. 

r) Vergl. Palaeontograpliica. XXX 3. 1903 p. uo. Xaf. VIIl Fig. tg— 21; 
IX Fig. ir-14. 



über Tertiaitbssilien, wahrschuiniicli cozäjicn Alters, von Kainenm. 261 

Die Innenseite dei' Schale ist mit deutlichen, mehr oder weniger ge- 
drängten Wärzchen versehen. 

Der vordere Schließmuskel ist langgestreckt und reicht in seiner Ver- 
längerung nacli imren bis weit über die Sclialenmitte, der hintere ist weit 
kürzer, nierenförmig, an der Seite eingebuchtet. Der Mantelrand ist sehr 
deutlich und bei älteren Exemplaren in seinem Eindrucke sogar doppelt 
angelegt. 

Diese Lucina, welche in ihrer äußei'en Erscheinung, wie ich auch 
auf den beigegebenen Figuren zu zeigen versucht habe, innerhalb gewisser 
Grenzen variiert, ist eine der häufigsten und besterhaltenen Fossilien des 
Kameruner Tertiär. Von rezenten und necjgenen Arten zeigt eine gewisse, 
weiin auch bei näherem Zusehen verschwindende Ähnlichkeit die L. spinifera 
IVlontagu'), welche viel breiter ist, und schieferen, geknoteten Areal-Kiel 
wie gedrängtere Anwachsstreifen besitzt, auch die Seitenzähne sind länger 
und stärker. Weit ähnlicher, wenn auch durch ihre rundlichere und 
breitere Gestalt leicht zu unterscheiden, ist die von mir beschriebene 
L. aslarte'^) aus dem Mitteleozän von Zovencedo {Colli Berici, Venetien), 
Von Pariser Arten wäre nur die sowohl im Schloßbau wie in der Gestalt 
etwas abweichende Z. squamula Desh.*), der Sablcs de Cuise (Untereozän) 
im Pariser Becken und entsjsrechender Absätze in Belgien (Aeltre bei 
Brügge) zu vergleichen. L. pratorhicularis Tourn.*) aus dem Priabonien 
von Biarritz, wie die nahestehende pHozäne L. orbicularis Desh.^) sind 
schon durch ihre äußere. Area, starke Schloßzähne und anderen Habitus 
unterscheidbar. 

Lucina sp. äff. L. saxorum Lk. (Taf. VI Fig. 9). 

Das \orliegende kleine Stück (Unikum) krmntc leicht als Jugendstadium 
zu dieser weit verbreiteten Art gehören. Die Kleinheil des (3bjekts 

1) M. Hoernes: Moll, des Wiener Beckens, 11. laf, XXXtIt Fig. S a— c, 
f.ag. 236. 

2) Z, (1. il. g, G. l8q(. |i, 51—52, Taf. II Fig, 8. 

3) De.shayes: Env, de Pari.s I p. 105, Taf, XVII Fl-;, 17^-18, An. s, vert. I 
p. <i8i ; Nyst: Coquilles et polypiers lertiaires d6 la Belgiqne. Meni. etc. de l'Acad, 
royale de Bnix. XVII. 1845 p, 134, Taf. III Fig. it. — Nach der Abbildnng bei 
Nyst, welche, wie der Autor selbst angibt, gelungener .sein soll als die von Deshayes 
gegebene, ist die I., sqiiamula unserer westafrikanischen Art sehr ähnlich, entfernt 
sich aber doch diircli größere Wölbung der Klappen, enger gesiellte Anwachsringe, 
ausgesprochenere Lunula und die schwächeren SchloHzähne in der linken Schale. 

4) In deBouillife: Paläontologie de Biarrit?.. I. Congrfes scientifique de France. 
XXXIX. Session ä Pau. 1873 p. 7, Taf. VIII Fig, 8. 

5! In Kxpedition scientifique de Moriie. Sectioii des sciences phvsiqiies, fTI 
Zoologie et ISolanique. Paris 1836 p. 95, Tal. XXII Fig. ti-S. 



262 Dr. Paul Oppenheim: 

(^Vs mm Durchmesser) wie sein nicht sehr günstiger Erhaltungszustand 
veranlaßt mich aber, in dieser schwierigen und gestaltenreichen Gruppe 
von positiven Identifikationen Abstand zu nehmen. 

Cardium Lenzi n. sp. (Taf. VII Fig. 28— 28 a). 

Schale gewölbt, breiter als hoch, gleichseitig mit medianem, stark 
hervortretendem Wirbel und ziemlich verschmälertem Schloßrande. Nur 
der Außenrand ist müßig geschwungen, die übrigen Seiten der Schale an- 
nähernd geradlinig begrenzt. Es sind 24 — 27 sehr breite, aber bis auf die 
zwei hintersten vollständig glatte Rippen vorhanden, die durch lineare 
Zwischenräume getrennt werden. .Diese Rippen befinden sich nur auf 
dem medianen durch zwei stumpfe Kiele begrenzten Schalenteile; Vordei- 
und Hmterrand sind vollständig glatt. Sehr zarte, feine Anwachsringe 
durchkreuzen che Rippen, ohne sich in den Zwischenräumen als Skulptur- 
elemente bemerkbar zu machen. Auf der Rippenfläche stehen kurze 
Körnchen in mehreren Reihen. 

Höhe 24, Breite 28 cm. 

Genau Übereinstimmendes ist mir nicht bekannt. Sowohl C. gratum 
Del'r. als C. poriilosum Lk. unterscheidet sich, abgesehen von anderen 
Merkmalen, schon durch die starke Transversalskulptur der Zwischenräume. 
Bei dem sonst ähnlichen C. proximum. Dufour von Bois-Gouet in der 
Bretagne sind die Rippen gewölbter, auch in größerer Zahl vorhanden 
und die Interkostalien etwas breiter. C. Greenoiighi d'Arch^) aus dem 
indischen Eozän ist weniger konvex und besitzt ebenfalls interkostale 
Transversalskulptur. 

Cytherea=») nitidula Lam. (Taf. VI Fig. 15; Taf. VII Fig. 9). 

1824 . . . Deshayes: Env. He Paris I p. 134, Taf. XXI Fig. 4—6. 
'866 ... „ An. s. vert. 1 p. 451. 

1886 . . . Cossraann: Cat. I p. 106. 

Es liegen ziemlich häufige Reste - beschalte Exemplare wie Stein- 
kerne -- einer Cytherea vor, welche ich vt)n, der weitverbreiteten Pariser 
Art nicht trennen zu sollen glaubte. Die Lage des Wirbels, der Grad der 
Wölbung, die hintere Abschrägung, auch die Gestalt der an zwei E.\em- 



t) Animaux fossiles du groupe nummulitique de l'Inde. Paris 1S53. p. 258 
Taf. XXI Fig. 21 a, b. 

2) Wie ich in meiner Monographie der Priabonafauna (Palaeontogr. 47, 1901 
p. 167) ausführte, sehe ich keine Veranlassung, den ein Jahrhundert lang ohni 
Widerspruch gebrauchten, für diese schönsten aller Muscheln so bezeichnende! 



über Terliärtossilien, wahrscheinlich eozätien Alters, von Kamerun. 263 



plaren zu erkennenden Schloßzälme stimmt überein. Daß die zarten 
Radialstreifen, welche die europäische Form auf dem Analende beim seit- 
lichen Spiegeln erkennen läßt, nicht sichtbar sind, ist wohl doch durch 
den Erhaltungszustand bedingt und dürfte an sich kaum spezifische Tren- 
nungen rechtfertigen. 

Die Art findet sich von Südengland bis Agyi)ten und Kleinasien ver- 
breitet in eozänen Absätzen. 

Cytherea caudata n. sp. (Taf. VII Fig. 8). 

Diese Cytherea steht jugendlichen Stücken der vorhergehenden Art 
(vgl. Fig. 9) äußerst nahe, unterscheidet sich aber durchgreifend durch 
ein stärkeres Absinken des hinteren Schloßrandes und die dadurch be- 
wirkte schnabelförmige Verkürzung der Hinterseite. Sie ist unter den mir 
vorgelegten Materialien sehr selten, und ich kann nur ein Exemplar einer 
linken Klappe ihr mit Sicherheit zuweisen. Wölbung, Lunula und die 
allgemeinen Umrisse sind sonst die der vorhergehenden Art. 

Höhe 13, Breite 17 mm. 

Cytherea palma n. sp. (Taf. VII Fig. 23). 

Diese Cytherea unterscheidet sich durch ihre ausgesprochene Flach- 
heit von allen mit ihr vereint auftretenden Arten, vor allen von der weiter 
imten zu beschreibenden C. Eschi n. sp. Sie ist annähernd rhombisch, 
hinten nur wenig breiter als vom, aber doch genügend, um die ganze 
Gestalt etwas in diese Richtung hin auszuziehen; sie ist nur in der Wirbel- 
region leicht gewölbt, am Schloßrande vorn stärker, hinten nur sehr mäßig 
abfallend, hinter dem auf dem ersten Drittel der Schale liegenden Wirbel 
schwach gebuckelt. Die Seitenränder sind fast geradlinig abgeschnitten, 
der Außenrand im schwachen Bogen angezogen. Die Lunula ist schmal- 
lanzettförmig und kurz, der .schwache Wirbel nach abwärts 'und leicht 
nach der Seite gedreht. Die zarten Anwachsringe treten nur am Außen- 
rande schärfer hervor. 

Höhe 9, Breite iiV2nini- 

Cytherea perambigua n. sp. (Taf. VII Fig. 21). 

Diese Form, welche vielleicht luu' eine Varietät der vorhergehenden 
darstellt, unterscheidet sich von ihr durch bedeutendere Wölbung, stärkere 
Verschmälerung des Vorderteils, unregelmäßigere Konturen des in der 
Mitte stärker verbreiterten Außenrandes und hervortretenderem Wirbel. 
Der Name wurde gewählt, vun ihre Beziehungen zu der anscheinend 
breiteren C. amhiffua Dech. der unteren Sond des Pariser Beckens an- 
zudeuten. 



264 Dr. Paul Oppenheim: 

Höhe n, Breite laVämni. In Steinkernen, welclie mit großer Wahr- 
scheinüdikeit hierher gehören, scheint sie weit größer (29:31 mm) zu werden. 

Cytherea Eschi n. sp. (Taf. VlI Fig. 15-16). 

Diese Form, welche bedeutende Dimensionen, zumal in den oberen 
Schichten, erreicht, ist fast so hoch als breit und mäßig gewölbt; ihr 
größter Durchmesser liegt annähernd in der Mitte, von wo sie sich nach 
vorn nur wenig, nach hinten weit ausgesprochener verschmälert; dadurch 
gewinnt sie eine utn-egelraäßig fünfeckige Gestalt. Der Wirbel liegt auf 
dem ersten Drittel, ist also weit nach vorn gerückt, der vordere Schloß- 
rand sinkt stark, der hintere nur sehr allmählich nach abwärts. Die Lunula 
ist relativ sehr groß und breit-lanzettförmig, eine Area fehlt. 

Auf dem Steinkeme bemerkt man einen großen, keilförmigen vorderen 
Muskeleindruck, der oben bis zum Schloßrande reicht, nicht weit seitlich 
in die Mitte der Schale hineingeht und unten in die einfache Mantellinie 
verläuft; diese zeigt hinten eine kurze, aber breite, zungenförmige Siphonal- 
bucht; der hintere Adduktor ist nicht sichtbar. In der Wirbelregion trägt 
der Steinkern gedrängte, zarte, lifter gekörnelte Radiallinien. 

Höhe II, Breite 11 mm. 
„ 28, „ 30 „ 
.. .^2, „ 35 „ 

Diese Art steht C. sukataria Lk. zweifellos nahe, unterscheidet sich 
aber von dieser häufigen Art des Pariser Grobkalkes schon durch ihre 
relativ bedeutendere Höhe; auch ist die Mantelbucht schmäler und mehr 
zugespitzt. 

Cytherea (Sunetta?) latesulcata n. sp. (Taf. VW. Fig. 20- 20a). 

Diese Cytherea erinnert an die bekannte Sunelta mnimkata Larn. des 
Pariser Eozän. Wie diese besteht ihre Oberflät henzeichnung aus breiten 
flachen Ringen, die nach vorn und zum Außenrande hin schwach an Stärke 
zunehmen, auch ist die äußerst schwache .Lunula nur undeutlich abgegrenzt, 
die Schalenwölbung nur eine sehr geringe, und die an einem teilweise 
abgeblätterten E.xemplare sichtbare Mantelbucht sehr kurz und zmigen- 
förmig. Im Gegensatze zu der Pariser Art ist die westafrikanische aber 
mehr in die Breite gezogen, ihr Wirbel ist mehr nach vorn, auf das erste 
Scbalenviertel, gerückt, die Lunularpartie ist tiefer eingesenkt, der Areal- 
rand ist nicht so scharf nach irmen geschlagen, sondern geht allmählich in 
die Innenseite über; auch fehlt der vorspringende Buckel, AewC. semisukafa 
an der Arealkante dicht hinter dem Wirbel träft. 

Von den Arten, mit wel(.-hen die ziemlich seltene Type in Kamerun 
vergesellschaftet auftritt und mit denen sie, zumal mit C. iii/iJula bei 
flüchtigerer Betrachtung leicht verwechselt werden kann, trennt sie ihre 



über Tertiärfossilien, wahrscheinlich eozänen Alter-', von Kamerun, 265 



höchst eigenartige Skulptur. Die Pariser C\ dislaiis Desh. ist flacher und 
auch in den Umrissen verschieden, zumal hinten höher. 
Höhe i6, 'Breite lo mm. 

Cytherea elegans Lk. (Taf. VII Fig. 25 -26a). 

1824 Env. de Paris I Taf. XX Fig. 8—9. 

1866 An. s. vert. I p. 468. 

1886 Cossmann: Cat. I p. 112. 

Der einzige Unterschied, welcher mit Pariser Exemplaren obwaltet, 
liegt in einer etwas geringeren Abplattung der Anwachsringe, wodurch 
diese zugleich schneidender und schmäler sind. Es gibt aber auch in 
diesem Punkte gleichgestaltete Pariser Stücke; vielleicht ist diese kleine 
Differenz auch durch den Erhaltungszustand bedingt, da eine ganz 
geringe Abrolkmg die Kämme der Transversalringe zerstören würde; 
auch kann die bathymetrische Zone des Absatzes hier mitsprechen. In 
jedem Falle halte ich mich nicht für berechtigt, auf Grund dieses minu- 
tiösen Unterschiedes in der Skulptur gestaltlich so übereinstimmende Dinge 
spezifisch auseinander zu reißen. 

Das gröiäte der mir vorliegenden Individuen ist 7 mm hoch und 
9 mm breit, 

Cytherea perstriatula n. sp. (Taf. VII Fig. lo — loa). 

Diese kleine Art steht der vorhergehenden recht nahe, ist aber etwas 
mehr in die Breite gezogen und vor allem weit enger geripjit. In dieser 
letzteren Beziehung ist ihr Platz neben C. slriahila Desh.^), welche noch 
niedriger ist und einen mehr submedianen Wirbel besitzt und der höheren 
und kürzeren C. deltoidea Lk.2). In der Skulptur am ähnlichsten ist die 
C. paradeltoidea Oppenh. ^) der Priabonaschichten, doch ist diese gewölbter 
und kürzer und ihre Anwachsringe stehen noch gedrängter. Ich muß 
diese Form unter Betonung ihrer innigen Beziehungen zu alttertiären Typen 
daher für neu ansprechen. 

Das größte meiner Stücke ist q mm hoch und 1 1I/2 mm breit. 

Cytherea Nachtigall n. sp. (Taf. VII Fig. 27). 

Diese Form ist der vorhergelr enden verwandt, aber mit ihr nicht rest- 
los zu vereinigen. Sie i,st gewölbter, ihr Wirbel ist mehr der iVlitte genähert 
der Arealrand fällt steiler ab, die Hinterseite ist dementsprechend weit 



1) Env. de Paris I, Taf. XX Fig. lo-ti, 

2) Ibid. Fig. 6—7. 

3) Palaeontographica. 47. 1901 p. i«>9, Tai; VTII Fig. 2— 2a 



266 Dr. Paul Oppenlieim: 

schmäler als die Vttrderseite und mäßig ausgeztigcn, auch die stark er- 
habenen Anwachsringe stehen distantcr. 

Von verwandten Arten wäre C.'. .mbanaloga Dufour aus dem Eozän 
der Bretagne aufzuführen, welche in der Gestalt sehr übereinstimmend ist, 
aber flacher bleibt und gedrängtere Skulpturringe besitzt. 

Diese schöne Art liegt mir nur in einem Exemplare vor, das 20 mm 
breit und x^l^vam. hoch ist, aber eine Wölbung von .V/ä '»m besitzt. 

Cytherea anadyomene n. sp. (Taf. VII Fig. 22 — 22 a). 

Diese Cytherea liat eine gewisse, bei näherem Zusehen allerdings sehr 
zurücktretende Ähnlichkeit mit der miozänen C erycinoides 'hk.'^), die be- 
kanntlich vielfach mit der rezenten C. erycina Lk. vereinigt wird. Sie ist 
indessen hinten weit weniger zugespitzt, hat eine mehr rechteckige Gestalt 
und vor allem statt der platten, breiten Anwachsringe der Art von Bor- 
deaux schmale, zugeschärfte Reiten, die durch über doppelt so breite 
Zwischenräume getrennt werden. Der Wirbel liegt auf dem ersten Drittel 
der Schale, der hintere Schloßrand fällt nur wenig, der kurze Lunular- 
rand stärker ab. Die Lunula selbst ist klein, herzförmig und liegt sehr 
versteckt. 

Lebhafte Ähnlichkeit zeigt unter den Pariser Eozänarten C. He'herli. 
Desh. und C.suberycinoides Desh.; beide weichen aber in der mehr in die 
Breite gezogenen, hinten stärker zugespitzten Gestalt und in der aus weit 
enger gestellten, breiteren Ringen gebildeten Skulptur doch so weit ab, 
daß eine Vereinigung unmöglich erscheint. 

Das mir vorliegende Unicum besitzt eine Höhe von 13 und eine 
Breite von 18 mm. 

Tellina (Arcopagia) subrotunda Desh. (Taf. VII Fig. 17—19). 

Env. de Paris I p, 81 Taf. XII, l^ig. 16—17, An. s. vert. p. 35g. 

Mehrere mir voriiegende Stücke, teils unverletzt noch mit der obersten 
Schalenschicht (Fig. 18—19), teils etwas abgerieben wie Fig. 17, dürften an 
der ebenfalls etwas variablen Pariser Art (Grobkalk und Sables moyens) 
kaum zu trennen sein. Die vordere Einbuchtung ist bei meinen Stücken 
mehr oder weniger ausgesprochen, die Skulptur nach dem Grade der Er- 
haltung hervortretend; auch die Pariser Stücke von Le Ruel (M. Samml.) 
zeigen die gedrängten Anwachsringe deutlicher, wenn die Schale- stärker 
angewittert ist; auch lassen sie erkennen; daß der Lunularrand keineswegs 



Vergl. Benoist: Catalogue .... des Testacc-s fossiles 
Saiicats. Actes de la soc. Linneeiiiie de Borde.iiix. 1873 P- 40. 
2) Deshayes: Env, de Paris, TaL XXII Fig. 8-9. 



über Tertiärfossilien, wahrscheiniieh eozänen Alters, von Kamerun. 267 



SO Stark nach abwärts sinkt und so gekrümmt ist, wie man dies nach det 
Fig. i6 bei Deshayes glauben möchte. Der Schwung in den Schloßrändern 
ist sogar ein so geringer und der Wirbel dazu so median, daß man in 
vielen Fällen geradezu an Pectunculus erinnert wird. Alle diese Verhält- 
nisse finden sich auch bei den Exemplaren aus Kamerun wieder, welche 
ich daher der Pariser Art zuweisen muß. 

Mactra? rhomboidea n. sp. (Taf. VII Fig. 24). 

Diese Form, die in einigen Exemplaren vorliegt, ist generisch durch- 
aus unsicher, da Schloßpräparate fehlen ; sie zeigt äußerlich auch ÄhnUch- 
keit mit manchen Tellinen und Scintillen. Sie ist rhombisch, vorn um ein 
geringes breiter als hinten, am Außenrande fast horizontal, an den Seiten 
beinahe geradlinig begrenzt; der Breitendurchmesser ist weit größer als die 
Höhe. Der Wirbel liegt median, ist wenig ausgesprochen und nach ab- 
wärts gerichtet; von ihm verläuft eine schwache Erhabenheit nach vorn 
und ein deutlicherer, nach unten aber verschwindender Kiel nach hinten. 
Die Anwachsstreifen sind schwach, aber gedrängt; zwischen ihnen liegen 
möglicherweise feine Radialstreifen, die indessen nicht mit Sicherheit fest- 
zustellen sind. 

Höhe 8, Breite 12 mm. 

Thracia wuriana n. sp. (Taf. VII Fig. 16, 21 — ^21 a). 

Es liegen mehrere Skulptursteinkeme einer relativ sehr hohen Form 
vor, die ziemlich bedeutende Dimensionen erlangt und nacli ihrem ganzen 
Habitus wohl zu Thracia gehören dürfte. Allem Anscheine nach besaß 
diese Art keine ausgesprochene Skulptur durch schärfere Anwachsringe, und 
schon dadurch unterscheidet sie sich von der von mir letzthin beschrie- 
benen in der Gestalt ähnlichen T/i. protnmemis'^) aus dem Priabonien des 
Mt. Promina. Ihr Analende ist keilförmig zugespitzt und ziemlich kurz, 
der gewölbte Wirbel diesem etwas genähert, also leicht nach hinten ge- 
nickt; das Vorderteil ist schwach gerundet, der Außenrand bildet einen 
nur mäßigen Bogen, während das Schloß fast gradlinig verläuft, aber über 
die Wirbelregion hinaustritt. Die Form der Mantelbucht wie der Schloß- 
apparat bleiben festzustellen. 

Die besser erhaltenen Stücke sind ausschließlich linke Klappen, die 
in ;!wei Fällen im Zusammenhange erhaltenen rechten Schalen sind 
verdrückt. 

Höhe 25, Breite .^oi/smm. 
. 30, . 38 6 . 

1) Vergl. Beiträge zur Palaeontol. Oesterreieh-Ungarns. XIII. Wien iqoi, 
p. 250, Taf. XV Fig. 3-3 a. 



268 Dr. Paul Oppenheim: 

Keine der Thracien des anglo-pariser Eozän ist verhältniBmäßig so 
hoch gebaut wie diese ; auch die Arten der Nummulitenformation, von denen 
besonders die Typen von Nizza i) für den Vergleich in Frage kämen, sind 
spezifisch verschieden; Th. Belhrdii M^y-Y^ym. {Anntina rugosa BnW.) dürfte 
ziemlich ausgesprcjchene Ähnlichkeit besitzen, hat aber stärker geschwungene 
Wirbelregion und schmäleres Vorderende, anscheinend auch mehr heran- 
tretende Anwachsringe. _ Auch die großen Corbulen des Pariser Beckens, 
wie zumal die glatte C. gallka Lk., lassen sich nicht restlos vereinigen. 

Corbula praegibba n. sp. (Taf. VII Fig. 6 — 7). 

Diese kleine Corbula hat manche Ähnlichkeit mit der neogenen und 
recenten C. gib/m r)livi^), unterscheidet sich aber bei näherem Zusehen 
durch die Charaktere ihrer Valven, zumal durch deren geringen Wölbungs- 
unterschiede. Von diesen ist die linke in die Breite gezogen, mehr rhombisch, 
dabei nach hinten deutlich verschmälert und hier durch ganz stumpfen 
Kiel begrenzt. Auch die rechte Schale ist breiter und dabei weniger ge- 
wölbt, als die entsprechende Klappe bei C. gibba, was übrigens auch für 
die linke Klappe ihrer eigenen Art gilt. Diese rechte Klappe ist nach 
hinten kaum verschmälert und besitzt auch keinen Analkiel. Beide Schalen, 
welche einen submedianen, stark nach abwärts gerit^hteten Wirbel zeigen, 
sind am Unterrande sehr auffällig nach innen gebogen und mit Anwachs- 
streifen verziert, welche rechts distanter und stärker sind als links, aber 
immer ziemlich zart bleiben, während sie bei der f(3lgenden, mit ihr ver- 
gesellschafteten Art (C. cercus mihi) weit prägnanter ausgebildet sind. 

Diese durch ihre rhombische Gestalt und geringe Ungleichklappigkeit 
charakterisierte Art liegt in einer Anzahl von Exem|)laren vor. 

Die Pariser Arten scheinen sämtlich verschieden. C. py.xtdicula Desh.3) 
hat mehr nach der Seite gerichteten Wirbel und schärferen Analkiel, ist 
dazu in der linken Klappe gewölbter und ungleichseitiger. Auch C. anatina 
Lam.*), die größer wird und deren rechte Klap]ie relativ breiter zu sein 
scheint, dürfte niclit zu identifizieren sein. Von den oligozänen Arten 
des Mainzer Beckens wäre allenfalls C. mbarata Sandb.''') anzuführen, 
welche indessen fast vollständig gleich klajjpig ist und sich dadurch in dem- 
selben Maße der C. ratinaia Duj. nähert, als sie. sich von unserer Form 
entfernt. 

1) cf. Bellardi in M. S. G. F. (II) 4. Paris 1853, p. 29 des Sep., Taf. XVI 
Kg- 13—14- 

2) Vgl. M. Hoernes: Moll, des Wiener Beckens I, p. 34, Taf. III Fig. 7 a— g. 

3) An. s. vert. I, p. 223, Taf. XII Fig. 18—23. 

4) Deshayes: Env. de Paris I, Taf. VII Fig. to— 12. 

5) Die CoDchylieii des Mainzer Tertiärbeckens p. 285, Taf, XII Fig. 8 u. II. 



über Tertiärfossilien, wahrscheinlich eozänen Alters, von Kamerun. 269 



Corbula cercus'j n. sp. (Taf. VII Fig. 4 — 5). 

Diese Corbula, deren ausges]5rocltenstes Merlvmal neben der .starken 
Transversalskulptur die Verlängerung des Analteiles in einen gut abgesetz- 
ten, hinten schief begrenzten Schwanz darstellt, und welche sowohl am 
Wirbel als an der Außenseite stark nach innen eingezogen ist, unterscheidet 
sich von nahestehenden Arten, wie z. B. der C. ficus Sol. des englischen 
Eozän, durch den submedianen Wirbel und die damit zusammenhängende 
größere Länge der Vorderseite wie durch geringere Wölbung ; auch scheint 
sie niemals die Dimensionen dieser englischen Art zu erreichen. Als ver- 
wandt, aber spezifisch wohl verschieden wäre noch C. gibhosa Conr. des 
nordamerikanischen Eozän zu nennen, die stärker gewölbt und relativ 
höher ist und dazu stärker entwickelten Analkiel besitzt. 

Von der oben beschriebenen C. prnegibba n. sp. unterscheidet sich 
die T3'pe durch ihre unregelmäßigere Form, die gut abgesetzte schwanz- 
artige Verlängerung des Hinterteils und die stärkeren Anwachsringe. 

Die Type ist in einer ganzen Anzahl von meist gut erhaltenen Exem- 
plaren in den tieferen, weiclieren Schichten vorhanden. Sie erreicht 8 — 9 mm 
Breite zu 6 mm Höhe. 

Pholas (?) sp. (.Taf. VIII Fig. 6). 

Ein Steinkert) mit sehr exzentrischem Wirbel, in eine Spitze aus- 
gezogener Vorder- und rhombischer Hinterseite, mit den eigentümlich 
nach außen ausholenden, stark geschwungenen, sehr distanten Anwachs- 
ringen mag dieser Gattung angehören. Nähere Beziehungen zu bekannten 
Formen vermag ich nicht festzustellen. 

Dentalium (?) sp. (Taf. VIII Fig. 14). 

Eine einzige, glatte, stark gebogene Röhre, die wahrscheinlich zu Den- 
talium gehört. Etwas Sicheres über ihre systematische Stellung läßt sich 
an dem vorliegenden Unicum nicht feststellen. 

Calyptraea sigaretina n. sp. (Taf. IX Fig. 23 — 27, 31). 

Die Schale besteht stets nur aus 2 Umgängen, von denen der erste 
äußerst schmal imd spitz ist und wie eine junge Succinea seitlich aus der 
Fläche des Gehäuses hervortritt. Er erweitert sich dann sehr schnell und 
je nachdem der Windungswinkel dann stumpfer oder, spitzer ist, entstehen 
breitere und flachere oder schmälere und gestrecktere Gehäuse, die im 
letzteren Falle etwas an Sigaretus erinnern. Spezifische Grenzen sind hier 



1) f| K^pKOi; = cler Schw 



270 Dr. Paul Oppenheim: 

ebensowenig zu ziehen wie bei C. aperta Sol. = C. frochiformis Lam. i), der 
zweifellos nächst stehenden Art des Tertiärs. Man könnte hier an spezi- 
fische Übereinstimmung denken, doch hat die Pariser Eozänart welche 
eine sehr bedeutende geographische Verbreitung besitzt und nicht nur 
überall im Mittelmeerbecken, sondern auch in Nordamerika ä) nachgewiesen 
wurde, niemals ein so spitz herantretendes Gewinde, dazu auch 
meist eine Windung mehr. Vielleicht handelt es sich um eine Standorts- 
varietät, jedenfalls aber ist festzuhalten, daß von allen mir bekannten 
Calyptraeen die eozäne C. Irockiformis Lamk. unserer Type 
aus Kamerun am nächsten steht. 

Die Art liegt mir in zahlreichen Exemplaren vor, welche indessen 
immer halbe Steinkerne darstellen mit größtenteils vernichteter äußerer 
Schalenschicht. Als Seltenheiten sind indessen aus dem weicheren Gesteine 
auch vollkommen intakte Stücke vorhanden. 

Calyptraea aperta Sol.^) (Taf. IX Fig. 14 — r4a). 

Das hier abgel:iildete Unikum ist von dei- Pariser Type nicht zu trennen. 
Über die Verbreitung dieser charakteristisihcn Kn/.änart wolle man im 
vorhergehenden vergleichen. Es ist sehr auftallend, daß diese Form im 
Tertiär Kameruns so selten und die ihr verwandte C. sigaretina so häufig 
ist; man könnte daraus schließen, daß beide Formen nur im Varietäts- 
verhältnis zu einander stehen, doch fehlen Zwischentypen durchaus. 

Solarium sp. (Taf. VIII Fig. 10 — loa). 

Eine ziemlich große und hohe Solarien-Art mag der Vollständigkeit 
halber hier erwähnt werilen, obgleich sie nur in skulpturlosen Steinkernen 
vorliegt und eine spezifische Bestimmung daher nicht gestattet. Es sind 
5 Windungen vorhaiiden, von denen die ersten eben verlaufen, während 
die drei letzten an der hinteren Naht stark abgeplattet sind; der letzte 
erreicht die halbe Höhe der Spira. Die Nabelregion war nicht freizulegen. 

Natica osculum n. sp. (Taf. IX Fig. 13 — 13 b). 

Diese Form liegt nur in 2 — 3 mm hohen Exemplaren vor, welche 
indes den Eindruck erwachsener Schale machen. Sie steht in ihren Mün- 
dungsverhältnissen der neogenen und rezenten N. [Neverita) Josephinea 
Risso sehr nahe, doch liegen bei ihr die ersten Windungen nicht annähernd 



i) Deshayes: Env. de Paris II p. 30, Taf. IV Fig.r— 3; Cossmann: Cat. III 
p. 197; Oppenheim in Z. d. d. g. G. 1896, p. 105. 

2) Vergl. Cossmann in Annales de Gtologie etc. public par le raarquis A. de 
Gregorio. 12 Hvraison. Ttirin-Palermo 1893 p, ?6, No. 207. 



über TertiSrfossilie 



271 



in derselben Ebene, umfassen sich weniger, die Nähte sind stärker vertieft, 
die Gestalt weniger in die Breite gezogen und die enge Mündung liegt 
weniger schräg, zur Längsaxe. Der von hinten in den Nabel eindringende 
mächtige Pflock läßt eine deutliche, tiefe Rmne vorne frei, wie dies auch 
bei jugendlichen Stücken der N. Josephinea der Fall ist. Bei entsprechend 
kleinen Exemplaren der eozänen N. cepacea Lk., an welche eventuell noch 
zu denken wäre, ist überhaupt noch keine Spur eines Nabelpflockes vor- 
handen, auch die Gestalt weicht ebenso ab wie in dieser Hinsicht N. Jose- 
phinea von der winzigen kameruner Art. .V. Noae d'Orb. endlich hat über- 
raschende Ähnlichkeit im Aufbau der Spira und im Verhalten der Nabel- 
gegend, doch liegt bei unserer Form wie bei der jugendlichen N. Josephinea 
der Funikular]3flock weiter nach hinten gerückt in der äußersten Ecke der 
Durchbohrung, während er bei N. Noae .sich mehr median befindet. 

Natica servorum n. sp. (Taf. IX Fig. t8 — 21). 

Diese ebenfalls nur mäßig große Form wird aus 3 — 5 Windungen 
zusammengesetzt, die durch tiefe, zumal vor der letzten Windung geradezu 
kanalförmige Nähte getrennt werden. Der letzte Umgang ist gegen drei- 
mal so hoch als die Spira. Die ohrförmige Mündung liegt annähernd 
parallel zur Höhenaxe, ihre beiden Ränder lassen keinerlei Verstärkung 
erkennen; der tiefe Nabel ist weit nach hinten, noch hinter den Ansatz 
des Columellarsaumes gerückt, er besitzt weder Ampullinenband, noch 
Pflock oder Stiel der eigentlichen Naticiden, so daß die Type zu Naticina 
Gould gehört, obgleicli ihre Gestalt und das langsamere Höhenwachstum 
der Umgänge eigendich mehr an AmpuUinen erinnert. 

Es sind mir näher verwandte Formen aus dem TertiJir nicht in der 
Erinnerung. Sehr entfernte Beziehungen bieten Ampullina sinuosa d'Orb. 
und paludinijormis d'Orb. de.s Pariser Untereozän, die indessen schon 
als AmpuUinen für nähere Vergleiche gar nicht in Frage kommen. Ähn- 
licher, aber schon durch die flacheren Nähte und mehr kugelige Form 
gut unterschieden ist die k-retazische A'. hmta Sow. 

Diese Form ist in zahlreichen, in der Grösse sehr wechselnden Exem- 
l)laren unter dem untersuchten Material vertreten. Steinkerne (Fig. 20—21) 
zeigen die Nahtrinne noch ausgesprochcTier als beschalte Exemislare. 

Syrnola africana n. sp. (Taf. IX Fig. i— la). 

Es liegt nur ein einziges Stück von 4 mm Länge und i mm Breite 
vor. Die Form hat etwa die Gestalt der Bayania delibata Desh aus dem 
Pariser Eozän, und ich habe sie, da die Embryonalwindung fehlt, auch 
zuerst für eine Bayania gehalten, bis es mir gelang, die sehr versteckt 
hintim in der Mündimg Hegende Koluraellarfalte herauszupräpariercn. Mit 



272 !*'■■ l''^"' Oppenheim: 

dieser zeigt sie alle Charal<tere der Gattung Syrnnla H. und A. Adams, 
zu welcher auch die ganz flachen Nähte des aus 7 Umgängen gebildeten 
Gehäuses besser passen. Es ist ein winziger Nabelritz vorhanden. Der 
letzte Umgang, der niedriger ist als die Spira, ist vor dem Umfange, also 
hinter dem Basalrande, stumpf gekielt. 

Die Form erinnert stark an eine kleine Syrnula von Bois-Gouet, die 
noclr nicht publiziert wurde und welcher Herr Cossmann, dem ich zuerst 
einige Exemplare dieser von mir später selbst in den Sanden häufig ge- 
fundenen Art verdanke, in dem begleitenden Etiquette meinen Namen 
beizulegen die Freundlichkeit hattei). Die Pariser Formen scheinen sich 
sämtlich weiter zu entfernen. Am nächsten steht noch die indessen weit 
schlankere, vorn nicht erweiterte, kiellose S. nnrnisloina Desh. aus den 
unteren Sanden. Auch die Form von Bois-Gouet ist durch die gr(3ßere 
Höhe der kiellosen letzten Windung und durcli stärkere Kolumellarfalte 
spezifiscli verschieden. 

Turritella Eschi n. sp. fTaf. VTl Fig. 14— 19)- 

Die schlanke, langgestreckte, an den Flanken walzenförmig abgerundete, 
nach der Mündung zu kaum verbreiterte Art besteht aus etwa 12 
sehr langsam zunehmenden Windungen, die .stark konvex und durch ver- 
tiefte Nähte getrennt sind. Von diesen sind die beiden ersten glatt, die 
3. und 4. trägt einen ziemlich akzentuierten Kiel nahe der vorderen Naht, 
der jedoch von dieser wie von der hinteren durch eine breite, abfallende 
F'läche getrennt bleibt. Es gesellen sich dann 2 weitere Kiele, so daß jeder 
weitere Umgang drei scharfe Kiele trägt, welche aber nicht gleichm;ißig 
über ihn verteilt sind, sondern sich der hinteren Naht mehr nähern. 
Zu beiden Seiten der Kiele bleibt dann ein freier Raum übrig, der hinten 
schmäler und flacher, hier fast eben, ist, als der vordere ziemlich konvexe 
Abschnitt. Auf diesem letzteren sind in einzelnen Fällen i^ — 2 schwache 
Sekundär-Kiele umgedeutet, welche sich auf der Basis der Schlußwindung 
etwas schärfer akzentuieren, aber auch ganz fehlen können. Die Nähte, 
welche die gut von einander abgesetzten Umgänge trennen, sind stark 
vertieft, die Höhe des Umgangs mag die Hälfte der Breite betragen. 

Die Mündung steht annähernd parallel zur Höhenaxe, sie ist oval, 
ihre Ränder sind einfach, es ist weder Nabelperforation noch kanalartigcr 

i) Diese Form von Bois-Gouct wurde inzwischen veiölfentlicht (M. Coss- 
mann: MoUusques eoc^niques de la Loire-inferieure. Bull, de la soc. de sciences 
nat. de l'Ouisl de la France. (LI) 2. Nantes 1902, p. go (40), Tat. HI (VUI) 
Fig, 32 — 33), aber zu Odontostomis gezogen. Welche der beiden so ti.-ilie ver- 
wandten Gattungen nun der Kamerunart angehört, vermag ich nicht zu entscheiden, 
da bei dieser, wie bereits erwähnt, die Embryonalwindung nicht erhalten ist. 



üb. 



273 



Ausguß vorhanden. Die Grundfläche ist ausnehmend gewölbt, ilie An- 
wachsstreifen leicht geschwungen. 

Die Form' ist keine Mesalia, sondern eine echte 'J'urrüclla, und so 
nahe nach der Ornamentik auch der Vergleich mit M. fasciala Desh.») 
des Pariser Eozän liegt, welche zudem im ägyptischen Eozän stark ver- 
treten ist, eine Identifikation scheint bei der durchaus abweichenden Ge- 
stalt beider Typen ausgeschlossen ; auch liegen bei der Pariser Art, zumal 
bei der mit nur 3 Reifen versehenen Varietät die Kiele mehr nach vom 
gerückt. Die typischen Turritella-Arten des europäischen Neogen, wie 
T. triplicata Brocc. und T. vermicularis Brocc.^) haben ihrerseits weniger 
konvexe Umgänge, flachere Nähte und die drei Hauptkiele gleichmäßig 
über die ganze Fläche des Umganges verteilt. 

Durch die gleichen Merkmale unterscheiden sich gewisse, bei flüchtigerer 
Betrachtung ähnliche Formen des patagonischen Tertiärs wie 7\ tricincta 
v. Ihering'*), deren Kiele ebenfalls gleichmäßig auf dem Umgange ver- 
teilt stehen und bei welcher deren oberster rampenartig entwickelt ist. 
Auch die T. aegyptiaca M. E. der libyschen Stufe Ägyptens ist in analoger 
Weise artlich verschieden. 

T. Eschi ist im Tertiär von Kamerun äußerst häufig unil darf als 
Leitfossil für entsprechende Bildungen betrachtet werden. 

Rostellaria (Rimella) sp. (Taf. VIII Fig. 11). 
Drei Steinkerne einer der R. fimirella Lk. nahestehenden Form, deren 
einer stark gekrümmte Längsrippen und am letzten Umgange hinten einen 
deutlich au.sgesprochenen Kiel zeigt mit sclrwach kanalartiger Ausbildung 
der Naht. 

Columbella (? Macrurella) subcarinata n. sp. (Taf. IX Fig. 3—4). 
Solange die beiden Individuen, welche mir von dieser Art vorliegen, 
mit ihrer Mündungsansicht fest im Gesteine lagen, konnte man an ihre 
Zugehörigkeit zu Mitra krebellum Lk. des Pariser Eozän denken. Es ist 
mir nun unter großer Mühe gelungen, das eine Exemplar freizulegen und 
darzutun, daß keinerlei Andeutung von Falten auf der Spindel vorhanden 
ist. Damit ist bewiesen, daß eine Verwandtschaft mit Mitra ausgeschlossen 

1) An. s. vert. II p. 32G. Env. de Paris 11 p. 284, Taf. XXXVIII Big. 13 — 14, 
17 — 18, Taf. XXXIX Fig. 1—20. 

2) Vergl. r. B. die Abbildungen bei M. Hoernes: Mollusken des Wiener 
Reckens, Taf. XLIII Fig. 2 (die der T. triplicata sehr nahestehende T. Riepeli 
Partsch) und Fig. 17 (T. vermicularis). 

3) Os molluscos dos terrenos terciarios da Patagonia. Revisla do Museu 
Paulista. II. S. Paulo I897 p. 287, Tat. III Fig. 3. 

4) M. Cnssmann: Paleoconcholofiie comparee. IV. Paris igoi, p. 24, |,, 
Uritrilge zur (.cologif von Kamerun. 18 



274 i>r. Paul Oppenlic-im: 

ist, und sumit kann es sich hier wohl nur um Cokimbelliden handehi. 
Von diesen ist allerdings bisher nur die Gruppe Aiilia H. u. A. Adams') 
im Alttertiär vorhanden, und diese scheint immer Zähne auf dem KoJu- 
mellarrande zu besitzen, welche bei unserer Art sicher fehlen. Es hat 
diese also bisher nur nco^ene Vcrwaii(ltsi:liaflsbc/.ichniigen, und ich möchte 
sie direkt mit der bekannten ('. missoidcs f^ell.^) vergleichen, die aber wesent- 
lich größer wird und vor allem des stumpfen Kieles entbehrt, der hier den 
Kolumellarsipho an der Basis des letzten Umganges abschneidet. Auch 
ist diese letzte Windung bei der vorliegenden Type weit höher und mißt 
mehr als die Imrze Spira. Sonst sind die erkennbaren Verhältnisse, die 
sehr flachen Umgänge und ihre langsame Höhenzunahme, die tiefen Nähte, 
die Spiralen des Siphoalkanals, die Mündungsverhältnisse etc. durchaus 
entsprechend. 

Höhe des größeren Stuckes 14, Breite 3V2 mm. 
» » kleineren x 8, » 2V2 ;•■ 

Pseudoliva Eschi n. sp. (Taf. TX Fig. 11 — na). 

Die sehr kleine, vorn und hinten zugespitzte, beim Beginn der letzten 
Windung am meisten in den Flanken gewölbte krugförmige Schale besteht 
aus fünf ziemlich flachen Windungen, welche etwa doppelt so breit als 
hoch sind und deren letzter etwa 4 mal so hoch ist als die Spira. Der 
vordere Teil dieses letzten Umganges ist durch 5 tiefe Furchen in ent- 
sprechend viele Teile zerlegt und das ganze nach vorn nach Art der ent- 
sprechenden Teile der Ancillarien-Schale deutlich abgegrenzt, so daß es 
wie ein besonderes Band auf dem Vorderteile der Spindel zu bilden 
scheint, dessen einzelne Glieder durch die Anwachsstreifen zumal an ihrem 
hinteren Rande fein zersägt und zerschlitzt werden. Der vorderste Teil 
dieses Bandes trägt zahlreiche feine Spiralen und auf ihm befindet sich 
auch eine durch Callus wieder bedeckte Perforation, die vielleicht in- 
dessen nur eine Einbuchtung in der Schalenmasse darstellt, denn ein 
wirkliches Nabeiloch, welches eine Anomalie für die Gattung darstellen 
würde, ist nirgends mit Sicherheit zu erkennen. Die Spinde! ist wenig 
gedreht und nach vorn geradlinig abgestutzt, um dort einen breiten, seichten 
Kanal zu bilden. Sie ist mit dichter Schwiele belegt, welche sich auch 
nach hinten bis zum einfachen, fast geradlinigen Außenrande heranzieht. 
Die Mündung ist ohrförmig, an beiden Enden stark verengt, in dei' Mitte 
am breitesten, nach hinten nicht kanalförmig ausgezogen. 



i) Cossraann; Ibid. p, 242. 

2) Luigi Bellardi: Monografia delle Cokmbelle lb.5sili <lel Piemonte. Mein. 
dellaAccad. delie .Scienze di Torino. Clas.se di scieiizc fis. e mat. Scr. IIa. Taf. X. 
Xorino 1848 p. 16, Taf. I Fig. 13. 



über Teniärfossüicn, wahrscheinlich eo/iinen Alters, Vf.n Kameriiii. 275 

Außer fast geradlinigen, nur wenig geschwungenen Anwaelisstreifen 
läßt die Oberfläche der Schale verwaschene Spirallinien erkennen. 

Zahlreiche 'Exemplare vnn geringer (Jrfiße (7 mm Höhe zu 3^/2 mm 
Breite). 

Diese zierliche Art hat unstreitig Beziehungen zu den Pseudohven 
des Pariser Euzän'), doch erlaubt ihre geringe Größe, ihre schlankere, 
in der Mitte weniger aufgetriebene Gestalt, die deutliche Depression vorn 
an der Spindel, welche einem Nabel bei jugendlicheren Individuell ent- 
sprechen dürfte, endlich die Einzelheiten des Kolumeilarbandes, nicht die 
spezifische Vereinigung mit einer dieser Formen. Weit unähnlicher, dann 
auch in den Dimensionen mehr übereinstimmend, sind die Pseudoliven 
des norddeutschen. Unteroligozän"). Die PseudoUva Orbignyana May.^) 
des Miozän der atlantischen Inseln bietet nur generische Analogien; das 
gleiche gilt von der viel gedrungeneren, in ihren Umgängen mehr um- 
fassenden /". /i/«ot(5cv7 Chemn. ""j der Jetztzeit, welche heute auf dem gleichen 
Gebiete lebt. 

Pseudoliva coniformis n. sp. (Taf. IX F"ig. 8 — lo). 

Ich fasse unter diesem Namen zusammen Formen, deren [ugend- 
stadien nur sehr fragmentariscli erhalten sind, während die erwachsenen, 
leider teilweise auch der Schale beraubten Stücke sehr bedeutende Dimen- 
sionen erreichen. Daß es sich um Altersstadien der vorhergehenden Form 
handele, halte ich für ausgeschlossen, da die Involution durch die jüngeren 
Windungen eine außerordentlich weitgehende ist und auch die jüngeren, 
fast ausschließlich in ihrer Sjiira erhaltenen Exemplare weit breitere und 
flachere, durch vertiefte Nähte getrennte Umgänge erkennen lassen. 

Um diese 6 Windungen und wellenförmig geschwungene Anwachs- 
streifen zeigende Jugendstadien legen sich nun die 7. und 8. Windung 
derartig herum, daß die Sjiira fast ganz durch ihren äußerst flachen hinteren 
Abschnitt verdeckt wird, so daß die Spitze, von oben betrachtet, um so 
mehr an Conus erinnert, als die ersten Windungen an diesen älteren 
Stücken abgewetzt zu sein scheinen und sicli nur 4 Umgänge an den zu 
den Seiten schwach abfallenden, wenig gewölbten Abschnitten dieser birn- 
förmigen, an Anc.Ularia ttlandifornm Lk. gemahnenden Gestalten erkennen 

i) cf. Cossraaim: Cat. IV p. 135— 6, Deshaye.? : Env. de Paris U, \&L LXXXVII 
iMg. 21-22, LXXXVIII, 1—4. 

2) V. Koenen: Unterolig. 1 p. 244 ff. — Beyrich in Z, J. d. g. G. Vt p. 465 ff. 

3) In Härtung: IMadeira 1. c. p. 255, Taf. VII Fig. 55 (No. 175), Diese 
Form ist bei Cossmann: PaUocoiichologie comparue IV, Paris IQOI, p. rq2 leider 
Unerwähnt geblieben. 

4) Fischer: Manuel de Conchyliologie p. 632, Taf. V Fit;, I2. Chenn: Manuel 
de Conchyliologie p. 170, Fig. 833. 



27ß Dr. I'aul Oppeiih.'iui: 

lassen. Ihr nach vorn stark verjüngtes Gewinde ist in einen iiurzen, breiten 
Kanal ausgezogen, welcher Spuren der geschlängclten Spirallinien zeigt, 
wie sie an der vorhergehenden Art so charakteristisch sind. Die Columella 
scheint mit dichtem Kallus bedeckt, an welchen die Spiralen wahrscheinlich 
absetzen. Ein Nabel ist sicher nicht vorhanden. Die genaue F<.)rm der 
Mündung bleibt festzustellen, ebenso muß der zwingende Beweis für die 
spezifische Zusammengehörigkeit der kleineren und größeren Stücke an 
besser erhaltenen Materialien noch geführt werden. 

Das große, auf Fig. lo dargestellte Exemplar dieser Art, welches ich 
als Typus derselben betrachte, mißt 32 mm in der Höhe und 24 mm in 
der größten Breite. 

Pseudoliven mit so stark involutem Gewinde sind mir weder im anglo- 
pariser Eocaen, noch aus den an Angehörigen dieser Sippe relativ so 
reichen noch älteren Tertiärbildungen von Mons') in Belgien bekannt ge- 
worden. 

Pseudoliva Schweinfurthi n. sp. (Taf. IX Fig. 29 — 30). 

Schale sehr klein und relativ schlank, birnförmig, am hinteren Ende 
des letzten Umganges nur wenig verbreitert. 6 durch wenig vertiefte Nähte 
getrennte, flache Umgänge, deren letzter 4 mal so hoch ist als die Spira. 
Die oberen Windungen sind sehr schmal und teilweise unregelmäßig auf- 
gewunden, anscheinend glatt. Dagegen trägt die Schulterseite der letzten 
Windung etwa 8 sehr distante, kräftige, leicht kammartig geschwungene 
Längsrippen, die nach vorn m die lebhaftere Krümmung der Anwachs- 
streifen übergehen. In ihrem medianen Teile sind diese Rippen fast ganz 
ausgelöscht und hier jederseits durch schwache Knoten begrenzt. Der 
kurze, breite Kanal ist nur wenig abgesetzt imd trägt keine Spiralen, 
wie die vorhergehenden Arten, ebensowenig eine nabelartige Einsenkung. 
Die Columella ist schwielig verdickt, die Bauchseite der Schale leicht, aber 
deutlich, abgeplattet. Die Einzelheiten der Mündung sind nicht wahrnehm- 
bar. Ein Nabelspalt ist nicht vorhanden. 

Höhe 41/2, Breite 2 mm. — 2 Ex. 

Diese Art ist leicht von den vorhergehenden zu trennen, dürfte aber 
wohl sicher ebenfalls zu Pseudoliva gehören. Von den Arten von Mens 
scheint P. grossecoslata Briart imd Cornet^) bedeutende Ähnlichkeit zu be- 
sitzen, doch ist die belgische Art breiter und besitzt nicht so ausgesprochene 
Längsrippen auf der letzten Windung, wenigstens erreichen diese bei ihr 
nicht die Sutur. Auch sind weniger Anfangsumgänge vorhanden, und diese 

1) cf. Briart u.Cornet: Description des fossiles du Calcaire grossier de Mons, 
M6m. de l'Acad^mie roy. des .Sciences de Rruxelles, 37, 38, 43, 47, 1870 — 86. 
Teil t p. 25—38, Tal. III. 

2) T. c. p. 37, Tai; m Fig, 3. 



über Tertiärfossilien, wahrscheinlich eozänen Alters, von Kannriiii, 277 

sind breiter. Immerhin sind die Beziehungen zu der belgischen Art ganz 
überraschende! Auch P. semicoslata Desii. ^) aus dem Untereozän des 
Pariser Beckens' steht sichtHch nahe, doch wird sie weit größer, ist dazu 
mehr kugelig herausgewfUbt und liat starke Spiralen auf dem vorderen 
Teile der letzten Windung, die bei der afrikanischen Art sicher fehlen. 

Buccinum (? Pseudoneptunea) Choffati n. sp. (Taf.IX Fig. 17 u. 22). 

Schaale klein und schlank mit stumpfer hinterer Spitze und kurzem, 
deutlich abgesetzten Kanäle vorn. Umgänge 6, davon 3 embryonale, 
welche schief auf dem Reste der Schale aufsitzen, also aus der Richtung 
geraten sind (»devie im Smne der französischen Autoren). Diese Deviation 
zeigt sich indessen nur an der Verbindungsstelle zwischen Embryo und 
der späteren Schalenentwicklung; sonst .sind Junten die Nähte ebenso 
horizontal und unter einander parallel wie vorn. Die Umgänge sind an- 
nähernd viereckig, sehr wenig konvex und nehmen nur langsam an Höhe 
zu; diese beträgt auf den mittleren Windungen kaum die Hälfte der Breite ; 
der letzte Umgang ist einschließlich des Siphonaikanals etwas höher als 
die Spira, Die Nähte sind nur schwach vertieft, der hintere Teil des Um- 
ganges vor ihnen ein wenig eingedrückt und hier mit zwei etwas stärkeren 
Spiralen versehen. Der Rest der Oberfläche trägt 10 — 12 sehr wenig ge- 
schwungejie, erhabene Längsrippen, die vor dem Kanäle abbrechen; auf 
diesem beobachtet man wieder stärkere Spiralen, welche ihrerseits auf der 
Mitte des Umganges fehlen, so daß nach dieser Richtung hin die Skul]3tur 
an diejenige von Nassa semistriata Brocc. erinnert. Die birnförmige Mün- 
dung steht wenig schief zur Längsaxe, der vordere Kanal ist breit und 
tief, die mit schwachem, fest an sie gelötetem Kallus besetzte Columella 
schief abgeschnitten. Mündungsfalten fehlen gänzlich, dagegen trägt der 
Rücken des Sii^hos neben den Spiralen vorn eine wohl auf die Torsion 
der Columella zurückzuführende Erhabenheit. 

Höhe 6, Breite 3 mm. 

Diese sehr zerbrechliche kleine Schnecke liegt in mehreren meist un- 
günstig erhaltenen Exemjilaron voi-. Sie gehört zu den Bucciniden und 
zeigt am meisten Analogien mit den früher als Siphonalia, neuerdings als 
Pseudoneptunea *) aufgefaßten Formen des anglo-pariser Eozän, deren Ty- 
pus die bekannte, auch im alpinen Eozän {S. Giovanni Ilarione) ver- 
tretene S. scnlnrina Lk. ist. Formen wie S. Vasseun Cossm.s) von Bois- 

1) Env. ile Paris II, T.if. LXXXVIU Fig. 3, p. 657. 

2) Vergl, M, Cossmann: Paltoconchologie comparee. TV. J'aris 1901, p. tu — 3, 
Taf. V Fig. I. 

3) M. Cossmann: Mollusqucs eoc4niques de la Loire inf6rieurc. Bull, de 1a 
soc. des Sciences naturelles de l'miest de la France. Nantes 1807, p. 311 (125). 
Taf. VI (XI) Fig. 11 — 12. 



278 nr. Paul Oppenheim: 

Gouet in der Bretagne sind bereits recht illmlich, liaben aber weniger 
schräg gestellten Emliryo, tiefere Nähte und abweichende Skulptur. Ich 
stelle die westafrikanische Type vorläufig in diese vorwiegend alttertiäre 
Gattung, doch mögen weitere Funde und besser erhaltenes Material bei 
diesen schwer und nur mit Hilfe ganz minutiöser Merkmale zu trennenden 
Formen hier vielleicht in Zukunft noch weitere Umstellungen nötig machen. 

Buccinum (Strepsidura ?) Blanckenhorni n. sp. (Taf. IX Fig. i6). 

Die kleine, ziemlich gedrungene Art besteht aus 6 Umgängen, welche 
durch mäßig vertiefte Nähte getrennt sind und deren letzter dopjielt so 
hoch ist als die Spini. An dieser sind die ersten 4 Windungen anscheinend 
embryonal, wenigstens sind sie skulpturios, blasenförmig angeschwollen und 
gegen den Rest der Schale deviiert, so daß ihre Nähte nicht parallel zu 
denen der folgenden Umgänge liegen. Im Gegensatze zu dieser glatten 
Embryonalblase sind diese letzteren ziemlich reich skulpturiert; sie tragen auf 
dem ersten Viertel (resp. bei der teilweise eingehüllten vorietzten Windung auf 
der Mitte) einen schwach herausgewölbten Kiel, an welchem sich die zirka 
12 Längsrippen der letzten Windung knoten; hinter ihm liegt eine schwache 
Depression und darm folgt eine festonnierte Versteifung an der Naht. 
Spirallinien fehlen. Der Kanal ist kurz und breit, deutlich abgesetzt, die 
Mündung nicht sichtbar und so auch nicht zu entscheiden, ob Columellar- 
f alten vorhanden sind. 

Höhe 6, Breite 3 mm. ■ — Unicum. 

Die Form scheint ebenfalls eine Buccinide und hat in ihrem Charakter 
am meisten Ähnlichkeit mit den artlich tlbrigens sicher verschiedenen 
Strepsiduren des anglo-Pariser Eozän. Da indessen die Mündungsver- 
hältnisse noch gänzlich unbekannt sind, muß die Frage ihrer näheren ge- 
netischen Stellung den Fimden der Zukunft überlassen bleiben. 

Sycum bulbiforme Lk. (Taf. IX Fig. 32). 

1824 Fusus bulbiformis Lk. Deshayes: Env. de Paris II p, 570 Taf. 78 Fig. 5 — 10, 

f5-i8. 
1866 , >, » „ An. s. vert. III p. 287 

1889 Sycum bulbiforme Lk. Cossmann: Cat. IV p. 168, 

An dem hier abgebildeten Wachsausguß ist zwar die Mündung nicht 
vollständig erhalten, doch ist die Ähnlichkeit mit der Pariser Art so groß, 
daß ich kein Bedenken trage, sie sogar spezifisch zu identifizieren. An 
und für sich würde nach den bisherigen Erfahrungen die Anwesenheit der 
bisher ausschließlich eozänen Gattung schon allein genügen, um auf ein 
alttertiäres Alter der sie einschließenden Sedimente schließen zu lassen. 

Nachdem der Wachsabdruck und durch ihn die Gewißheit gewonnen 



über Tertiärfossilicn, wiihrsdicinlich eozänen Alters, von Kamerun. 279 



war, daB die Parisei- Art hier aufträte, konnten auch einige Spitzen und 
Sdiaienfragmente mit größter Walu-scheinlichkeit dieser zugewiesen werden. 

Murex camerunensis n. sp. (Taf. IX Fig. 15). 

Es liandelt sicli nur um den Waclisausgui3 eines Hohldruckes. Die 
kleine, schlanke Form hat etwa 6 konvexe, durch flache, anscheinend von 
einem Bande bedeckte Nähte getrennte Umgänge, die etwa doppelt so 
breit als hoch sind und langsam an Höhe zunehmen. Der letzte ist ein- 
schließlich des sehr langen, stark gedrehten, deutlich abgesetzten Siphonal- 
kanais etwa dreimal so hoch als die Spira. Von den geraden, mäßig 
herausgewölbteu, unter einander gleichen Wülsten .sind 5 sichtbar, so daß 
im ganzen S — 10 vorhanden sein dürften. Sie sind halb so breit als der 
Zwischenraum und werden von den gedrängten Spiralen überklettert und 
ganz schwach gedornt. An der hinteren Naht sind die Umgänge deutlich 
eingeschnürt. 

Höhe 15 mm, davon gegen 11 auf den letzten Umgang; Breite 4 mm. 

Weder im anglo-Pariser Eozän, noch im europäischen Neogen kenne 
ich entsprechende Formen. 

Latirus incompletus n. sp. (Taf. VIII Fig. i — i a). 

Die einzige, sehr plumjDe Schale hat kaum einen Kanal und besteht 
aus 5 Umgängen, von denen die 3 embryonalen skulpturlos sind irad der 
letzte ^/s der ganzen Höhe ausmacht. Die Nähte sind vertieft und gut 
ausgesprochen. Die Skulptur besteht aus sehr breiten, gleichmäßigen, leicht 
geschwungenen Si-iiralen, welche durch flache, ebenfalls sehr breite Längs- 
rippen durchsetzt und von diesen emporgewölbt werden. Solcher Längs- 
rippen, die ihren Zwischenräumen an Breite gleichkommen, zählt man 
gegen ro auf der letzten Windung. Sie verflachen sich nach vorn voll- 
ständig und ziehen nicht auf den kurzen Kanal herab, sondern werden 
hier von den Spiralsfreifen gewissermaßen zugedeckt, so daß sie beim 
Spiegeln des Objekts gegen das Licht leicht sich herauswölben. 

Die Mündung ist unvollständig, die Basis stark gewölbt, die Columella 
trägt auf ihrem vorderen Drittel eine starke Falte. 

Höhe circa ö. Breite 3 mm. (Durch ein Mißgeschick des Zeichners 
wurden nach Fertigstellung der Abbildung die beiden obersten Umgänge 
des Originals abgebrochen und verloren.) 

Es ist wohl anzunehmen, daß es sich hier nur um das Jugendstadium 
einer größeren Art handelt, doch dürfte diese bei dem ganzen Liliputaner- 
Charakter unserer Fauna kaum sehr viel bedeutendere Dimensionen er- 
reicht haben. Sie scheint zu Latirus'^) und verwandten Gruppen auf Grund 

i) cf Cossmann: Cat. IV p. \-)0. 



280 Dr. Paul Oppenheim: 

ihrer Spindelfalte, gestellt werden zu müssen. Von den hierher gehörigen 
Farmen des Pariser Beckens^) unterscheidet sie neben ihren geringen 
Dimensionen schon ihre Gedrungenheit und Plumpheit. In diesem Punkte 
würden vielleicht Beziehungen zu gewissen Bucciniden wie Pisanella v. Koenen 
und Strepsidura Swainson^) gesehen werden können, doch sind die hierher 
gestellten alttertiären Formen zwar in der Form der Embryonalwindungen 
ähnlich, haben aber zwei Falten und deutlicher abgesetzten Siphonalkanal, 
die Strepsiduren mei.st auch treppenförmig ansteigendes Gewinde. 

Ficula sobria n. sp. (Taf. IX Fig. 2). 

Schale klein, kurz und plump, aus 4 stark umfassenden Umgängen 
gebildet, welche hinten sehr abgeplattet sind, so daß die Nähte hier fast 
kanalartig vertieft erscheinen, und deren letzter mehr als doppelt so hoch 
zu sein scheint als die Spira. Der Siphonalkanal scheint nicht vollständig 
erhalten. Die Oberfläche trägt sehr eng gestellte, unter sich gleiche, starke 
Spiralen, deren der letzte Umgang etwa 17 erkennen läßt; die Anwachs- 
streifen sind zart und ebenfalls sehr gedrängt, in den Intervallen bilden 
sie sehr hohe, eng an einander schließende Rhomben. Die Mündung ist 
nicht erhalten. 

Höhe 8, Breite 7 mm. 

Diese Form, von welcher nur 2 Exemplare vorliegen, scheint Arten 
wie F. Simplex Beyr. und F. conänna Beyr.») aus Miozän ,und Oligozän 
Norddeutschlands nahe zu stehen, .sich aber durch ihre Skulptur von beiden 
zu unterscheiden. Die alttertiären Formen sind schon durch ihre distanteren 
Spiralen leicht zu trennen. F.elegans Lk., welche, wie schon Beyrich an- 
gibt, durch ihre dichtere Skulptur an die jüngeren Typen erinnert, hat 
viel zartere Streifung und besitzt nicht die hintere Abplattung der Windungen, 
welche die afrikanische Form charakterisiert. 

Olivella Zintgrafi n. sp. (Taf. IX Fig. 5—7). 

Diese kleine, außergewöhnlich schlanke Form besteht aus 6 schwach 
konvexen, durch stark vertiefte Nähte getrennten, hinten kaum gekielten 
Umgängen, deren letzter, an den Flanken kaum erweiterter über doppelt 
so hoch ist als die Spira. Der vordere Callusbelag ist fast gar nicht ent- 
wickelt, die das Basalband begrenzenden Furchen nur gegen die Mündung 
hin deutlich. Diese ist eng und hoch und tmr wenig zur Axe geneigt und 
zeigt keinen Verbindungskallus ; die gedrehte, nach hinten etwas zurück- 



i) s. S. 279 Anm. i. 2) Cossmann : Cat. IV p. 162—3. 

3) Conchylien des norddeutschen Tertiärgebirges p. 228—231, Taf, XV 
Fig. 3, 7, 8, 



über Tertiärfossiiie 



281 



weichende Culumella besitzt nur zwei ziemlich starke, parallele Falten. 
Parietalrunzeln fehlen gänzlich. Der vordere Kanal ist breit und seicht 
und kaum nach der Seite gedreht. Die Anwachsstreifen sind fast gerade 
und springen nur hi der schmelzfreien Basalzone ganz wenig zurück. 

Vollständige Stücke erreichen nicht mehr als 6 mm Höhe zu 2 mm 
Breite. 

Diese Form gleicht habituell sehr den Pariser Arten, ist aber doch 
von der ihr nächst verwandten, weil schlanksten O. mitreola Desh. durch 
ihren schwachen Kallusbelag und vor allem durch die geringe Zahl der 
Columellarfalten leicht zu unterscheideii. Das letztere Moment hat mich 
sogar lange zögern lassen, die Type in die Gattung Olivella Swainson zu 
stellen; denn nach Cossmanni) soll diese 4—5 Columellarfalten im Mini- 
mum besitzen. Da aber alle übrigen von Cossmann als charakteristisch 
angegebenen Merkmale zutreffen, und andererseits weder Olivancillana 
noch Agaronia^) ernsthaft in Frage kommen können, so scheint bei 
Olivella jedenfalls der naturgemäße Anschluß für die vvestafrikanische Type 
zu sein. 

Cryptoconus ? sp. (Taf. VIII Fig. 8—9). 

Der Vollständigkeit halber sei hier diese große glatte Form erwähnt 
und abgebildet, obgleich sie bisher selbst generisch unsicher ist. Ihr Total- 
habitus, die F'orm ihrer allerdings nur verwischt erhaltenen Anwachsskulptur 
und die Depression hinten an der Naht erinnern an Pleurotomiden und 
zumal an die spezifisch alttertiäre Gattung Cryptocomu v. Koenen, doch 
kenne ich auch unter diesen nichts annähernd Entsprechendes, vor allem 
keine so stark ausladenden, stumpf endenden Gestalten. Da die Mündung 
gar nicht und auch die Schalenoberflächc nur sehr dürftig voriiegt, so gebe 
ich diesen meinen Annäherungsversuch unter aller Reserve. 

Die 40 mm hohe und etwa 15 mm breite Form liegt nur in einem 
Hohlabdrucke vor, von dessen leider sehr kreidiger und ungünstig erhaltener 
Oberfläche mehrere Wachsabdrücke gewonnen wurden. 

Ich möchte nicht unteriassen, hinzuzufügen, daß die Form der Spira 
eine von mir auch in Erwägung gezogene Vereinigung der Type mit 
Sycum-hxiitXi, resp. mit dem von mir zu 5'. hulbiforme Lk. gezogenen Reste 
als vollständig unmöglich erscheinen läßt. 



i) Vergl. Cossmann: Essais de Paleoconchologie comparee. fll. Paris 1899, 
P 52-53- 

2) Ibid. p. 50 — 51. 



282 T)r, l'aul Oppenheim: 

Pleurotoma wuriana n. sp. (Taf. IX Fig. 2<S). 

Es liegt nur ein einziges Stück vor, welches im Gesteine befindlich 
ist und bei seinem sehr bröckligen und defekten Zustande eine weitere 
Prä|3aration nicht gestattet. Die Type bietet nur die Rückenansicht dar, 
und diese ist zudem auf dem letzten Umgange durchlöchert. Es sind 
sechs Umgänge erhalten, die etwa doppelt so breit als hoch sind und 
durch ganz flache Nähte getrennt werden. Sie sind gänzlicli frei von 
Spiralskulptur, tragen aber je 8 stumpfe, leicht geschwungene Knoten; 
hinten tritt der Umgang leicht über die Naht hervor. Die Gestalt der 
Type ist ziemlich gedrungen, der Siphonalkanal breit und kurz, kürzer als 
der hintere Teil der letzten Windung selbst. Der nicht deuthche Sinus 
liegt anscheinend in der Mitte. 

Diese Form erinnert sicher ungemein an gewisse Borsonien des Pariser 
Beckens, zumal an B. nodularis Desh. i) und die sich an diese anschließen- 
rlen B. Bellardii, brevkida, nhesula'^). Sie hat indessen bei näherem Zu- 
sehen einen weit längeren Kanal, dazu fehlt das Spiralband an diesem 
gänzlich, und er ist vollständig glatt. 

Das Unicum ist lo mm lang und 4 mm breit. 

Pleurotoma (Drillia) camerunensis n. sp. (Taf. VIII Fig. 4 — 5 b}. 

Sehr viel schlanker als die vorhergehende. Letzter Umgang länger 
als das Gewinde. Je 8 Längsrippen, die ziemlich durchlaufen und wenig 
geschwungen sind. Siphonalende mit zarten, gedrängten Spiralen. Aus- 
schnitt sehr breit und tief, weit nach hinten gerückt, das Schlitzband trennt 
schwach die Längsrippen in zwei sehr ungleiche Teile. 

Actaeon camerunensis n. sp. (Taf. VIII Fig. 7 — 7 a, 13 — 13 a). 

Diese kleine, kurze, gedrungene, in den Flanken stark verbreiterte 
Art liegt in Steinkernen (Fig. 13) wie beschälten, aber sehr zerbrechlichen 
Exemplaren vor. Sie besteht aus 7 — 8 stark umfassenden Windungen, 
die sich an der Naht stark abplatten, so daß diese beinahe kanalförmig 
wird; der letzte ist weit höher als die Spira. Die Spiralstreifen sind äußerst 
zart und gedrängt, wodurch sich die Type von den übrigen mir bekannten 
Arten der Gattung, zumal von den anglo-Paiiser Formen unterscheidet; 
zwischen ihnen erzeugen die ziemlich lebhaft geschwungenen Anwachs- 
streifen eine sehr zierliche, die Spiralen nicht einkerbende, aber zwischen 
ihnen kleine Quadrate bildende Intcrkostalskulptur. Die Gestalt der ziem- 



1) Env. TI p. 493 T, LXVI. f. 23—25. Cossmanii. Cat. IV p. 247. 

2) Cossmann .1. a. ü. (mit Literaturhinweisen). 



über Tcrtiärfossilipn, wahrscheinlidi eozänen Alters, von Kamcnm. 283 



lieh hohen Müiidung ist, soweit erkennbar, oval. Die beiden CoUimellar« 
falten sind in Aufbrüchen der Schale an zwei Exemplaren sichtbar; sie 
sind weit nach hinten gerückt, gleich stark, aber beide nicht sehr kräftig, 
die vordere ist lebhafter geschwungen und steht infolge dessen schräger 
als die hintere. 

Die größten Stücke dieser Art erreichen lo mm Länge zu 5 mm Breite. 

Als verwandt dürften vor allem yl. sim uhimSol und A. e/eciusDeshA), 
beide eozäne Typen, die letztere rein untereozän, in betracht kommen; 
beide sind wesentlich schlanker und, zumal /L simulalm, auch in der 
Skulptur verschieden. Üljerhau|)t scheinen derartig feinrippige Actaeoniden 
in dem nördlichen Eozän kaum aufzutreten. Ebensowenig kominen aber 
die mir näher bekannten rezenten {A. tomatilis L.) und neogenen Arten 
wie d:\<tA.semistriatHsYkx., phiguis d'Orb.i) etc. für nähere Vergleiche in 
betracht. Nur der eozäne A. Beaincoiii Cossin.2) von Bois-Gouet in der 
Bretagne wäre hier vielleicht noch zu nennen, doch ist diese kleine Art 
in der Gestalt verschieden und hat vor allem weit flachere, nicht kanal- 
förmige Nähte. 



Nachschrift. Ich empfange soeben (29. Juli 1904) durch die Güte 
des Autors J. A. Bather: Eocene Echinoids from Sokoto, Sep.-Abdr. 
aus Geological Magazine, Dec. V, Vol. I, London Juli 1904, p. 2,50 ff., wo 
zwei Seeigelarten besprochen sind, welche die englische Niger-Tschadsee- 
Kommision gleichfalls in Sokoto, 300 km weiter westlic h von Sindar bei 
Garadimi aufgefunden hat, Wenn Plesiolampas Saharae Bath. wirklich 
dieser Gattung angehört (leider ist auf den beigefügten Abbildungen die 
Form der für die generische Stellung ausschlaggebenden Afterlücke nicht 
zu erkennen), so würde auch hier eher an unteres als an mittleres Eozän 
zu denken sein, da diese Gattung in Indien der Ranikot-Series oder noch 
tieferen Schichten angehört und auch das nahe verwandte Genus Orio- 
lampas in den Nordpyrenäen ein relativ sehr tiefes Niveau kennzeichnet. — 
Übrigens scheinen Eozänschichten auch in Dahomey aufzutreten. Herr 
Dr. Joh. Bo eh m zeigte mir gelegentlich Handstücke eines Kalksteins von 
dort, welcher eine allerdings schlecht erhaltene Tiirritdla enthielt; diese 
könnte vielleicht der T. Eschi von Kamerun entsprechen. 

1) Deshayes: An. s. vert. II. p. 595, Taf. XXXVII Fig. 17 — 19. ~- Cossmann : 
Catalogue illustre IV p. 305. 

2) Vergl. Benoist a. a. O. Catalogue p, 119—121. 

3) Mollusques eoceniques de la Loire infcrieure. I. Bull, de la soc. des sciences 
naturelles de l'Ouest de la France (I) 5. Nantes 1895 p. 187 (31), Taf. VII (III), 
Fig. 23-24. 



284 



Dr. Paul Oppenhe 



Tafel -Erklärungen. 



Tafel VI. 



Ostrea Choffati 
Area mimula n 
Area paralactea 
Lucina cf. 
Lucinj 



Fig. 1-3. 

„ 4-5- 

„ 6-7- 

„ 8. 

V ')■ 

„ 10— II 

„ 12—14 



n. sp. p. 254. 
. sp. p. 257. 
n. sp. p. 256. 
L Lk. p. 261. 
. sp. p. 260. 
Cytherea nitidula Lk. (Skulptursleinkern) p. 262. 
Thracia wuriana n. sp., Skulptursteinkern, linke Klappe, p. 267. 
CarcUta camerunensis n. sp. p. 258. 

Thracia wuriana n. sp., Doppelklappe von beiden Seiten, p, 267. 
Anomia cf. planulata Desh. p. 255. 

Tafel Vn. 

Nucula Perkco n. sp. p. 255. 
Corbula cercus n. sp. p. 269. 
Corbula praegibba n. sp. p. 268. 
Cytherea caudata n. sp. p. 263. 
Cytherea nitidula Lk. p. 262. 
Cytherea perstriatula n. sp. p. 265. 
Area paralactea n. sp. p. 256. 



15 — 16. Cytherea Eschi n. sp p. 264. 

17 — ig. Teilina (Arcopagia), subrotunda Desh. p. 266. 
Cytherea latesulcata n. sp. p. 264. 
Cytherea perambigua n. sp. p, 263. 
„ 22. Cytherea anadyomene n. sp. p. 266. 

„ 23. Cytherea palma n. sp. p. 263. 

„ 24. Mactra (?) rhomboidea n. sp. p. 267. 

„ 25 — 6. Cytherea elegans Lk. p. 265. 
„ 27. Cytherea Nachtigall n. sp. p, 265. 

„ 28 — 28a, Cardium Lenzi n. sp. p. 262. 

Tafel Vin. 

Fig. I — la. Latirus incompletus n. sp. p. 279. 

„ 2 — 3. Leda substriatula n. sp. p. 256. 

., 4— 5 b. Pleurotoma (Drillia) camerunensis n. sp. p. 282. 

„ 6. Pholas (?) sp. p. 269. 

„ 7 — 7a. Actaeon camerunensis n. sp. 2/1 p. 282. 

„ 8—9. Cryptoconus (?) sp. p. 281. 

,, 10 — loa. Solarium sp. p. 270. 

„ II. Rostellaria (Rimella) sp. p. 237. 



über Tertiärfossilien, wahrscheinlich 



Alters 



285 



Fig. 12. Murex sp. (Im Texte nicht erwähnt) 

•, 13 — 13 a. Actaeon camerunensis n. sp, Steinkerne p. 282. 

„ 14 — 19. Tnrritella Eschi n. sp. mit Varietäten, Jugendstadien und Enibryonal- 
windungen (Fig. 16) p. 272. 



Tafel IX. 

I — 1 a. Syruola africana n. sp. p. 271. 

2. Ficula sobria n. sp. p. 280. 

3 — 4. Columbella (? Macrurella) subcarinata n. sp. p. 273. 

5—7. Olivella Zintgrafi n. sp. p. 280. 

8 — 10. Pseudoliva coniformis n. sp. p. 275. 
II — IIa. -Pseudoliva Eschi n. sp. p. 274. 
12. Area mimula n. sp. Steinkern p. 357. 

13 — 'S^'- Natica osculum n. sp. p. 270. 
14 — 14 a. Calyptraea aperta Sol. p. 270. 

15. Murex camerunensis n. sp. p. 279. 

16. Buccinum (? Strepsidura) Blanckenhorni n. sp. p. 278. 

17. Buccinum (? Pseudoneptunea) Choffati u. sp. p. 277. 
18 — 21. Natica (Naticina) servortim n. sp. p. 271. 

22 — ^7. Calyptraea sigaretina n. sp. p. 269. 
28. Pleurotoraa wuriana n. sp. p. 282. 

29—30. Pseudohva Schweinfurthi n. sp. p. 276. 

31. Calyptraea sigaretina n. sp. p. 269. (Gehört zu Fig. 27, die Spitze 

müßte etwas mehr herausspringen!) 
,, 32. Sycum bulbiforme Lk. p. 278. 



Sämtliche Originale dieser vier Tafeln befinde] 
Sammlung des k. Mus. für Naturkunde zu Berlin, 



sich 



der paläontologischei 



IV. 



ÜBER EINEN TORPEDINIDEN UND ANDERE 
PISCHRESTE AUS DEM TERTIÄR VON KAMERUN 

VON 

Prof. D^^. O. JAEKEL. 



MIT I FIGUR IM TEXT. 



Die wenigen in den Tuffen von Balangi am Mungo in Kamerun von 
Dr. Esch gefundenen Wirbeltiorreste sind zwar nur unscheinbare Fischzähne, 
bieten aber doch insofern Interesse, als sie einerseits das tertiäre Alter 
der betreffenden Ablagerung außer Frage stellen und andererseits den 
ersten fossilen Torpedinidenzahn geliefert haben. 

Torpedo Hilgendorfi n. sp. 

Der voriiegende Zahn ist 10,5 mm hoch, an der breitesten Stelle der 
Basis in der Kieferaxe 9 mm lang, und von außen nach innen gemessen 
5,5 mm dick. Er ist tiefbraun gefärbt, und läßt an dem glänzenden 
Schmelzüberzug die Krone von der schwach entwickelten Wurzel deutlich 
unterscheiden. Die Spitze ist, wie Figuren C und D erkennen lassen, mit 
doppelter Krümmung nach oben und hinten gerichtet, scharf zugespitzt 
und an den Seiten mit einem Kiel versehen. Nach unten verbreitert sich 
die Spitze rückwärts in zwei Platten, die flach auf gleich geformten nur 
wenig größeren Basalsockeln nihen, nach vorn in zwei zusammengedrückte, 
imten quer abgestutzte Zapfen, die unter das Niveau der übrigen Zahn- 
unterfläche herunterrücken. Zwischen diesen »Lateralzapfen der Krone« zeigt 
sich noch eine schwache Vorwölbung vorn in der Medianebene etwa im 
Niveau der hinteren Basalsockel (Fig. A und C). 

Die in vier Zipfel ausgezogene Wurzel (Fig. B) ist außerordentlich 
niedrig, wie aus den Figuren C und D ersichtlich ist. Unter den hinteren 
Kronenplatten tritt sie nur als schmaler Sockel vor und von den vorderen 
Lateralzapfen wird sie ganz überzogen (Fig. D), so daß sie unter denselben 
nur von unten in kontinuierlichem Zusammenhang mit jenen hinteren 
Basalsockeln sichtbar wird. 

Eine derartige Zahnform ist bisher noch nicht bekannt geworden, und 
meine Vermutung, daß dieselbe zu den bisher daraufhin noch nicht unter- 
suchten Torpediniden gehören möchte, bestätigte sich vollkommen. Über 
die Zahnformen der Myüobatiden, Trygoniden, Rhinobatiden, Pristiden 
und Rajiden habe ich bereits an anderer Stelle i) das wichtigste zu- 
sammengestellt und füge dem 1. c. pag. 91 über die Rajiden-Zähne 



i) Die eozänen Selachier von Monte Bolca, ein Beitrag zur Slammesgeschichte 
der Wirbeltiere. Berlin 1894. !"'■ Springer. 

Beiträge zur Geologie von Kamerun. 19 



290 



Prof. Dr. O. Jaeke 



Gesagten nur noch hinzu, daß bei den Zähnen der Männchen neben dem 
medianen äußeren Zapfen an der Kronenbasis gelegentlich die zwei seit- 
lichen Höcker angedeutet sind, die bei den Tor])ediniden zu den be- 
schriebenen großen Lateralzapfen auswachsen. Dadurch ist die morpho- 
genetische Beziehung zwischen den Rajiden und Torpediniden auch in 
der Zahnform bestätigt. Immerhin ist der Unterschied zwischen spitzen 
Rajiden- und Torpediniden-Zähnen leicht kenntlich, insofeirn außen bei 
den Rajiden der mediane, bei den Torpediniden die seitlichen Basalzapfen 
der Krone stärker ausgeprägt sind, und ferner dadurcli, daß bei den 




Fig 1 /ihn von JotiicJjHile;cndoifi fqekel aus 

■vrn B il inj;! im Jliiiiffo in KatTiLrun 

A. \rn der Spit/t B vtn der Kitft rftache aus C von aufscn 

(vom), D von dtr Sute ,jl sehen Veig-iolscit 5:1. 

Rajiden die hinteren Wurzelplatten in der Mediane rückwärts vortreten 
und konvergieren, die der Torpediniden aber nach hinten divergieren 
und durch eine breite Einbuchtung in der Mediane getrennt sind. 
Diese Unterschiede erklären sich dadurch, daß die spitzen Vorderzähne 
der Rajiden hintereinander, die Zähne der Tor|3ediniden aber im Quincaux 
stehen und also vorn und hinten mit je 2 Zähnen verbunden sind. 

Der Zahn von Turpedo Ililgendarfi, den ich zu Ehren meines ver- 
ehrten Kollegen am hiesigen zoologischen Museum benannt habe, kann 
als Typus spezialisierter Torpedozähne gelten, während Gattungen wie 



über einen Torpediniden und andere Fischreste aus dem Tertiär von Kamerun. 291 

Narcinc und Astrape noch den atavistischere:! Rhinobatiden-Typus be- 
wahrt haben. Die Zurechnung zur Gattung Torpedo scheint mir un- 
bedenklich, weil- sich hier durchaus ähnliche Zähne finden und die Mög- 
lichkeit, daß der fossile Zahn einem Subgenus lebender Torpediniden an- 
gehörte, aus der sonstigen Körperform in Ermangelung ihrer genaueren 
Kenntnis nicht zu begründen wäre. 

lorpcdo Hilgendorfi nimmt durch seine riesige Größe eine Ausnahme- 
stellung unter den bisher bekannten Torpedinideir ein. Seine Länge dürfte 
nach dem vorliegenden Zahn berechnet 2 — 3 Meter betragen haben. 

Da avtßer dem ganzen Skelett der Nnrcine Molini Jkl. aus dem Eozän 
von Bolca bisher nur einige schwer zu beurteilende fossile Wirbel auf 
Torpediniden bezogen wurden, so füllt der neue Fund eines unzweifel- 
haften Torpedinidenzahnes eine unerfreuliche Lücke der paläontologischen 
Überlieferung aus. Für älter als Tertiär wird man nach den bisherigen 
paläontologischen und anatomischen Daten die Torpediniden kaum halten 
können, und es ist überdies bemerkenswert, daß bisher aus dem älteren 
Tertiär nur Narcine sicher nachgewiesen ist, die nach den (Selachier von 
Bolca pag. 69 — 75) von mir zusammengestellten Gründen als ältester 
Torpedinidentypus anzusehen ist. Die starke Entwicklung der Zahnspitze 
unserer neuen Art entfernt diese morphogenetisch jedenfalls sehr weit 
von den mit stumpfen Zähnen versehenen Rhinobatiden und den ihnen 
darin naliestehenden Gattungen Nnrcine, Discopyge und Astrape. So er- 
scheint es viel wahrscheinlicher, daß Torpedu Tliigcndorß dem jüngeren 
Tertiär angehörte. 

Einige Myliobatiden-Zähne .sind als solche sicher bestimmbar 
und erweisen sich als zweifellos tertiär. Einer derselben ist sehr lang 
gestreckt und etwas gebogen und gehört der Gattung Myiiobatis s. str. 
oder Aetobalis, jedenfalls nicht der Gattung Promyliobatis Jkl. oder 
Rhinoplera Müll. [Zygobatis Kg.), also auch nicht den weniger spezialisierten 
Typen an. Auch dieser Umstand scheint mir für ein jungtertiäres Alter 
der betreffenden Spezies zu sprechen. 

Ein lang kegelförmiges Fragment eines etwa 15 mm langen Teleostier- 
zahnes ist nicht näher bestimmbar. 



(Die F< 



Alphabetisches Sachregister. 

ssilien-Beschreibungen siad durch fetten Druck hervorgehoben.) 



Acanthoceras 122. 186. 

— (?) canadense 212. 

— Deveriai 206. 207. 208. 

— deverioide 203. 206. 

— Eschül24.i84. 199. (Fig. 21.Taf.IV 
Fig. 1—4.) 

— cf. Footeanum 205. 213. 

— hippocastanum 208. 

— inaequiplicatum 212. 

— Jaekeli 125. 184. 199. (Fig. 22, 23. 
Taf. IV Fig. 5,) 

— Mantelli 208. 

— naviculare 208. 

— Newboldi 204. 

— pseudonodosoide 205. 

— rotomagense 208. 

— sp. 185. 

— Swallowi 212. 

Actaeon camerunensis 282, (Taf. VIII. 
Fig- 7, 7 a, 13, 13 a.) 

— Bezanzoni 283. 

— electus 283. 

— pinguis 283. 

— semistriatus 283. 

— simulatus 283. 

— tornatilis 283. 
Actaeonella 233. 

— äff. crassa 231. 
Agasonia 287. 
AUuvien 21. 

Altkrystallines Gebiet 23. 
Amaltheus Sieversi 211. 
Amm. albinus 20g. 

— alstadenensis 170. 208. 

— arnesensis 206. 

— Fleuriausianus 169. 197.203.206. 207. 

— Goliath 204. 

— lineatus 219. (Fig, 76.) 

— malnicen.sis 209. 

— mullaoanus 212. 

— papalis 203. 206. 

— quercifolius 129. 189. 

— salmurensis 206. 



Amm. Schloenbachi 20g. 

— Sowerbyi rudis 219, (Fig. 76.) 

— subtricarinatus 181. 208. 

— äff. superstes 206. 
Ampullina sinuosa 271. 

— paludiniformis 271. 
Ancillaria glandiformis 275. 
Andesit 74, 79. 
Anisoceras rugatum 205. 
Anoraia 226. 

— cf. laevigata 235. 

— cf. planulata 255, (Taf. VI. Fig. 22 
-23.) 

— laevigata 226. 

Apatit 46, 49, 50, 53, 54, 60, 63, 65, 70, 73. 
Aplit 46, 49. 
Area 228. 

— biangula 258. 

— Caillati 257. 

— cardiformis 93. 228. 

— dispar 257. 

— Dulwichiensis 258. 

— Genei 258. 

— inaspecta 258. 

— lactea 257. 

— laevigata 257. 

— mimula 257. (Taf. VI. Fig. 7 ; Taf. IX. 
Fig. 12.) 

— paralactea 256. (Taf. VI. Fig. 8 
Tai; VII. Fig. 12—14.) 

— paucidentata 257. 

— punctifera 257. 

— quadrilatera 257. 

— Rigaultiana 258. 

— semiglabra 93. 228. 

— senilis 246. 
Arigonella 93. 

Astarte tecticosta 229. 235. 

Astrape 291. 

Aetobatis 291. 

Augit 44, 60, 70, 71, 72, 73, 74. 

— -1-Iornblende-Syenit 59. 

— -Syenit 60, 61. 



Alphabetisches Sachregister. 



293 



Avicula caudigera 232. 233. 235. 

— yastrodes 224. 232. 233. 235. 

— cf. gastrodes 233. 

— raricosta 224. 232. 

Baculites 101. 186. 208. 212, 

— asper 212. 

— cf. bohemicus 2X0. 

— gracilis loi. 195. 212, 

— cf. gracilis 101. 184. 194. (Fig, 3, 4.) 
Bafaramigebirge 33. 
Bakundusenke 32. 

Barroisiceras 163. 186. 195. 206. 209. 
219. 221. 

— alstadenense 170. 208. 

— Brancoi 167. 174. 177. 198, (Fig. 63 
-68, Taf. V. Fig. i, 2, 4. 5.) 

var. armata 167. 177. 185. 201. 

(Fig. 66. Taf. V. Fig. i, 2.) 
var. mitis 167. 174. 185. 201. 

(Fig. 63-65, 68, Taf. V. Fig. 4, 5.) 

— cf. Brancoi 179. 185, 201. (Fig. 69, 
70, Taf. V. Fig. 3.) 

— dentatocarinatum 209. 

— Desmoulinsi 166. 167. 185. 201. 
(Fjg- 53, 54.) 

— cf Desmoulinsi 168. 185. 201. 
(Fig. 55.) 

— (?) Fleuriausi 169. 197. 203. 206. 207. 

— Haberfellneri 163. 166. 169. 177. 

— — var. alstadenensis 166. 170. 185. 
201. (Fig. 56, 57. 67. Taf V. Fig. 6.) 

var. desmoulinsi 167. 

var. Harläi 166. 172. 185. 201. 

(Fig. 5S~6i.) 

— cf. Haberfellneri 173. 185. 201. 
(Fig. 62.) 

— (?) Neptuni 207. 208. 209. 

— (?) rhombiferum 179. 198. 211. 
Basalt 66, 67, 68, 69, 73. ' 

— -Schlacke 66. 
Bayania 271. 

— delibata 271. 
Binckhorstia Ubagbsii 231. 

Biotit 45, 46, 48, 50, 51, 52, 53, 54, 56, 
57, 62, 63, 81. 

Gneis 48, 49, 50, 54, 56, 57. 

Hornblende-Gneis 52. 

Granat-Glimmerschiefer 56. 

Borsonia nodularis 282. 

— Bellardii 282. 

— brevicula 282. 

— obesula 282. 
Brahmaites Brahma 210. 

— cf. Brahma 205. 

— Choffati 25 1 ,277, (Taf. IX.Fig. 17/22.) 



Buccinum Vasseuri 251. 

— Blanckenhorni278. (Taf,IX,Fig. 16,) 

Calyptraea aperta 270, (Taf IX, Fig, 14, 
14 a.) 

— radiata 246, 

— sigaretina 250, 269. (Taf, VII. 
Fig, 23-27, 31.) 270, 

— trochiformis 25t, 270, 
Camptonectes platessa 233. 

Cardita camerunensis 251, 258. (Taf. 
VI, Fig, 17-20) 

— Davidsoni 259. 

— divergens 260. 

— Mosis 260. 

— serrulata 251, 259. 

— sphaericula 229. 
Cardium 229. 245. 248. 249. 

— Greenoughi 262. 

— Lenzi 262. (Taf. VII. Fig. 28. 28 a.) 

— perobliquum 229. 

— productum 230. 

— proxiraum 262. 

— subproductum 230. 
Columbella nassoides 251, 274. 

— subcarinala 251, 273. 
Conis papilionaceus 246. 

— testudinarius 246. 
Corbiila anatina 268. 

— cavinata 268. 

— cercus268. 269. (Taf. VII. Fig. 4 -5.) 

— iicus 269. 

— gallica 268. 

— gibba 268. 

— gibbosa 269. 

— incurvata 230. 

— praegibba'268. (Taf VII. Fig. 6, 7.) 

— pyxidicula 268. 

— subarata 268. 

Cryptoconus (Taf VIII. Fig. 8 — 9) 281. 
Cucullaea crassatina 257. 

— incerta 257, 
Cyprina cordialis 230. 

— cristata 230. 
Cytherea 230. 

— ambigua 263. 

— anadyomene 266. (Taf. VII. Fig. 22 
— 22 a.') 

— caudata 263. (Taf VII. Fig. 8.) 

— deltoidea 265. 

— distans 265. 

— elegans 251, 265. (Taf, VIT Fig. 26. 
26 a.) 

— erycina 266. 

— eryciuoides 266. 



294 



Alphabetisches Sachregister. 



Cytherea Esohi 263, 264. (Taf. VII. 
Fig. 15, 16.) 

— Hebeiti 266. 

— latesulcata 264. (Taf. VII. Fig. 20, 
20 a.) 

— Nachtigall 265. (Taf. VIT. Fig. 27.) 

— nitidula 250, 251, 262. (Taf, VII. 
Fig. 9, 15-) 264. 

— palina 263. (Taf. VII. Fig. 23.) 

— paradeltoidea 265. 

— perambigua 263 (Taf VII. Fig. 21.) 

— perstriatula 265. (Taf. VII. Fig. 10, 

10.1.) 

^ striatula 265. 

— subanaloga 266. 
~ subcalaria 264. 

— suberycinoides 266. 

Dentalium sp. 269. (Taf. Vlil. Fig. 14.) 
Desmoceras 209. 235. 

— Alexandri 209. 

— Bartabossi 209. 

— Isamerunense 103. 

— cf. latidorsalutn 206. 

— raontis albi 208. 

— sugata 210. 
Diabas 72. 
Dibamba 27. 
Dibombe 30. 
Discina 232. 
Discopyge 291. 
Droiniopsis 23 i , 

Echinolampas Goiijanni 254. 
Edea 24. 
Einarginula 230. 
Erz 55, 70. 
Exogyra 227. 

— auriformis 227. 

Feldspat 45, 46, 48, 52, 54. 55, 59, 64, 

71, 74, 77- 
Ficula sobria 280. (Taf. IX. Fig. 2.) 

— concinna 280. 

— elegans 280. 

— Simplex 280. 

Fusus cf. Gauthieri 231. 

— Tournoneri 231. 

Gaudryceras cf. Rouvillei 206. 
Gauthiericeras 165. 209. 

— (?) Bravaisianum 207. 208. 

— (?) Germari 20g. 

— Leitti 211. 

— Margae Z07, 211. 

— Roquei 204. 

— (?) serratocarinatum 2to, 



Glimmer 47, 50, 60, 77. 
Glimmerschiefer 44, 56. 
Gneis 46, 47. 4S, 49, 5°, 52, 54, 5<^ 57- 

63, 65. 
Gneisgeröll 75. 
Granat 47, 50, 51, 56, 89. 
Granit 52, 55, 78. 
Granitit 51, 53, 77. 
Granulit 81, 82. 
Gryphaea 227. 

HäUeninta 57. 
Hamites 208. 210. 
Hauericeras Gardeni 205, 210, 

— Rembda 205. 
Hemi.aster texanus 223. 
Hemitissotia 203. 

— Cazini 192. (Fig. 75.) 

— Ceadouroensis 206. 
Heteramraonites amraoniticeras 203. 
lleteroceras 212. 

— indicum 210. 
llolcodiscus 210. 

Hoplites Leopoldi 128. 188. 190. 193. 
(Fig. 74.) 

— Vari var. Moureti 206. 
Hoplitoides 94. 98. 127. i86, 199. 216, 

221. 237, 257. 

— costatus laevis 131. 145 151. 184. 
(Fig, 38-41. Taf. V. Fig. 10.) 

nodifer 131- 140. 151. (Fig. 

28-32, 74. Taf. V. Fig. 8.) 

— gibbosulus 132- 153. 186. 

— — bipartitus 132. 155. 184. (Fig. 47, 
48. Tai. IV. Fig. 10.) 

s. Str. 132. 154. 184. (Fig. 44 

bis 46. 

— ingens 131- 132- 137. 184. 186. 
(Fig. 28-41. Taf. IV. Fig. 8, g- 
Taf. V. Fig, 7-9.) 

costatus 131. 144. 151- 184. 186. 

(Fig. 33-37. Taf. V. Fig. 9.) 

— Koeneni 131. 151. 184. (Fig. 42, 43, 
74. Taf. IV. Fig. 8, 9.) 

— latesellatus 127. 132. 137. 186. 

— lentiformis 128. 132. 

— n. sp. 132. 137. 186. 

— Wilsingi 132. 137. 14O. 

— Wohltmannii3i. 132. 133. 184. 185. 
191. (Fig. 24-27, 74. Taf. V. Fig. 7.) 

Hornblende 44, 46, 47, 52, 53, 55, 58, 

60, 62, 63, 64, 65, 70, 71, 77. 
Biotit-Gneis 63. 

— -Gneis 46, 65. 

— -Granit 55. 

— -Granitit 77. 

Syenit 58, 62, 64, 65. 



Alphabetisches Sachregister. 



S95 



Hypersthen 82. 
Granulit 81. 



Inoci 



nus Cripsi 225. 232. 233. 



Kongloraerat-dneis 75. 
Kope 36. 
Kreidesystem 9. 
Kribi 24, 

Lagen-Gneis 47. 

Latirus incompletus 279. (Taf. VIII. 

Fig. I, la.) 
Leda 232, 

— Försteri 235, 

— minima 256. 

— striata 251, 256. 

— striatula 256. (Taf. VIII. Fig. 2, 3.) 

— substriata 256, 
Leiocidaris 253. 
Lenticeras Andii 211. 
Leulcoxen 57. 

Lima numidica 225. 

— perplana 225. 

— reniformis 225. 
Lingula 232. 234. 
Linthia 253. 

— Dugroqui 253. 
Liopistha 232. 
Lithodomus 231. 
Lopatinia 238. 
Lucina 232. 335. 

— Astarte 261. 

— camerunensis 25 1^ 260. (Taf. VI. 
Fig. 10—14.) 

— orbicularis 261. 

— praeorbicularis 261, 

— sp. äff', saxorura 261, (Taf. VI. Fig. g.) 

— spinifera 261. 

— squamula 251, 261. 
Lytoceras 209. 210. 

— Kayei 205. 

Mactra 245, 24g. 

— rhomboidea 267. (Taf. VII. Fig. 24.) 
Magnetit 60. 

Mammites conciliatus 208. 

— Michelobensis 208. 

~ nodüsoides 123. 204. 207. 208. 

— cf. nodosoides 206. 

— Rochebrunei 206. 

— rusticus 207. 

— afif. Tevestensis 206. 

— Tischeri 208. 
Manenguba-Gebirge 42. 
Mesaha 273. 

— fasciata 251, 273. 



Mihroldin 53. 

Mitra terebellum 273. 

Mo.liola flagellifera 228-, 

— plicife.'a 228. 
Mortoniceras 165. 181. 209. 

— Bourgeoisi 204. 207. 

— (?) Bravaisianum 207. 208. 

— Emscheris 208. 

— cf. inconstan.s 206. 

— shoshonense 212. 

— Soutoni 205. 

— Stangeri 205, 

— texanum 204.206. 208. 209. 21 1,2 r 2. 

Mungoschnellen 31, 

Mungozug 33. 

Muniericeras gosauicum 209. 

— Umbolazi 205. 

Murex camerunensis 279. (Taf IX 

Fig. IS.) 
Muslfovit 52, 56, 57. 

— -Granit 55. 
Myliobatis 291. 
Mytilus 227, 

— Charmesi 227. 

— striatissimus 227. 

Narcine 291. 

— Molini 29r 
Nassa 248. 

— semistriata 277. 
Natica 248. 

— cepacea 271. 

— uff. Gentii 230. 

— Josephinea 251, 270, 271. 

— Ivrata 271 
Noae 271. 

— osculum 251, 270. 

— servorum 271. (laf. IX. Fig. 18— 21 ) 
Naticina 271. 

Nautilus 245, 253. 

— Lamarcki 253. 

Neoptychites gS. 105. 186. 187. 194. 

— africanus 107. 

— cephalotu.s 107. 194, 2o5. 

— crassus 108. U9. 201. 

(typ.) 119. 184. (Fig. 18, Taf. III, 

Fig. 5.) 

— — var. asymmetrica 120. 184. 
(Fig. 19.) 

— nigens 137. 140. 

— lentiformis 133. 

— perovalis 107. 108. 122. 185, 187. 
218. (Fig. 76.) 

— Rollandi 107. 



296 



Alphabetisches Sacliregister. 



Neoptychites Telinga io6. 107, 203. 210. 

— telingaeformis 108. 185. 201. 218. 
(Fig. 7- X 7, 20, 76. Taf. III. Fig. 2-4.) 

— telingaeformis typus 109. i 84. (Fig. 
7 — 14. Taf. III. Fig. 2.) 

var. discrepans iio. 117. 184. 

201. (Fig. 17. Taf. III. Fig. 3, 4.) 

— — var. eleganslie. i84.(Fig.i5, 76.) 

var. palmataUy. 184. (Fig. '('■} 

~ Wohltmanni 133. 

— Xetra 106. 107. 210. 
Nerita mulligranosa 230. 
NUosi-Bruchiaind 34. 
Nucula minor 251, 255, 

— Perkeo 25 1, 255.(Taf.VII. Fig. 1-3.) 
Nummulites gizehensis 252. 

Olivancillaria 284. 

Olivella Zintgrafi 251, 280. (Taf, IX.. 
Fig. 5-7.) 

— mitreola 251, 281. 
Olivin 70, 71, 72, 73. 
Oriolarapas 183. 

Orthoklas 45, 46, 47, 50, 53, 55, 60, 61, 

62, 63, 65, 81. 
Ostrea 227. 

— Choffatl 25 r, 254. (Tai. VI, Fig. 
1-6.) 

— Cossmanni 255, 

— cubitus 255. 

— elegans 255. 

— flabellata 251, 254. 

— rautabilis 255. 

— sparnacensis 255. 
■ — Tissoti 227. 
0.fynoticeras Gevrilianum 188, 

— heteropleurum 188. 

— Marcousanura 188. 

Pachydiscus 209. 210. 
' — Baeri 209. 

— Conduciensis 205. 

— Lewesiensis 207. 208. 

— Linderi 206. 

— perampliis to6 203. 206 207. 208. 

— — var. Beyrensis 206. 

— sp. 206, 

— Vaju 210. 

Pecten Kamerunensis 224. 225. 

— productus 224, 225. 

— virgatus 224. 225. 235. 

— — var. Kamerunensis 225. 

— ])roducta 225. 235. 

Pectunculus 267. 

— Petschorae 228. 
Pedioceras 123. 199. 



Pcdioceras Cundinamarcae 123. 127. 

— Jaek;elil25 184. (Fig. 22. 23. Taf. IV. 
Fig. 5.) 

Peroniceras 179. i86. 206. 20g. 

— Czörnigi 204. 

— Dravidicum 181. 185. 195. 197. 201, 
210. (Fig. 7., 72.) 

— Moureti 180. 207. 

— Noueli 207. 

— subtricarinatum t8i. 208. 209. 211. 

— cf. subtricarinatum 204. 

— tricarinatum 207. 

— tiidorsatum 20S. 

— westphalicum 208. 

Pliilas sp. (Taf. VIII. Fig. 6.) 
Pholadomya 230. 

— ligeriensis 230, 

— Royana 230. 
I'hylloceras 20g. 

— (?) bizonatura 209. 

— Forbesianum 183. 

— sp. 183. 185. 186. (Taf. III. Fig. 6.) 
Pinna 235. 

— cretacea 226. 
Pisanella 280. 
Placenticeras 106, 189. 

— attenuatum 2 r I . 

— Fritächi 207. 

— Guadeloupae 210. 

— laticostata 226. 233. 

— memoria Scliloenbachi 208. 

— Orbignyamim 208. 209. 

— placenta 212. 

— cf. placenta 208. 

— polyopses 209. 

— Prudhommei 199. 204. 

— sp. 183. 185. 186, (Fig. 73.) 

— syrtale 207. 208. 212. 

— taniulicum 210. 

Plagioklas 46, 47, 48, 49, 50, 53, 56, 60, 

02, 71, 72, 81. 
Plcsiolampas 253. 

— Saharae 283. 

Pleurotoma wuriana 282. (Taf. IX. 
Fig. 28.) 

— caraerunensis 282. (Taf. VIII. Fig. 
4-6.) 

Plicatula 226. 233. 

— Ferryi 226. 

— instabilis 226. 

— Locardi 226, 

— multicostata 226. 

— multiplicata 226. 

— rugulosa 93. 226. 233. 
Prionocyclus (?) iVIacombi 212. 

— pitalensis 2TI. 

— Wyomingensis 212. 



Alphabetischei 



m 



Prionotropis Carolina 208. 

— Graysnnensis 212. 

— Hyatti 212. 

— Loeviana 212. 

— Meekiana 212. 

— papaliformis 208. 

— papalis 203.' 206. 

— cf. papalis 206. 
^ Schlueteriana 208. 

— Woolgari 206. 207. 208. 212. 
Promyliobatis 291. 
Psammobia 232. 
PseudocucuUaea 228. 

— incisa 228. 

— lens 228. 

— obliqua 228. 

Pseudoliva coniformis 275. (Taf. IX. 
Fig. 8-10,) 

— Eschi 251, 274. (Taf. IX, Fig. 11, 

— grossecoslata 276. 

— Oi-bygniana 275. 

— phimbea 275. 

— Schweinfurthi 251, 276. (Taf. IX. 
Fig. 29, 30.) 

— semicostata 276. 
Pseudoneptunea 277. 
Pseudotissotia 161. 186. 203. 

— Galliennei 196. 206. 

— Philippii 162. 185. igq. 201. (Fig. 52. 
Taf. IV. Fig. 7.) 

— segniB 190. (Fig. 74) 
Ptychoceras 212. 
Pulchellia 187. 

— (?) bentoniana 212. ; 

— compressissima i88.' 191. (Fig. 75.) 

— gibbosula 132. 153. 154. 155. 

— perovalis 122. 187. 
Puzosia 102. 186. 209. 210. 

— Aiisteni 203. 206. 207. 208. [201. 

— Denisoniana 103. 184. 185. 194, 195. 
210. 221. (Fig. 5, 6. Taf III. Fig. I.) 

— cf. Gaudaraa 206. 

— Hernensis 207. 20S. 

— Mengedensis 208. 

— planulata 210. 

— cf. planulata 205. 

— (?) Tanneubergica 209. 
Pyroxen 53, 62. 

Quarz 45, 46, 47, 50, 52, 53, 55, 56, 60, 

62, 63, 64, 65, 77. 
Quarzit 80, 

Rhinoptera 291. 

Rostellaria sp. 273. (Taf. VIII. Fig. II.) 

— fissurella 273. 



Roudaireia 230. 233. 

— Auressensis 230, 232. 235. 
Rumpiberge 32. 

Sanaga 24. 
Scaphites 205. 208. 

— Geinitzi 207. 

— äff. Geinitzi 210. 
Schloenbachia Dravidica 181. 

— goupiliana 207. 

— cf. goupiliana 207. 

— rhombifera 17g. 198. 21t. 
Sedimentäres Vorland 3, 
Septifer 227. 

Septifer? convolutus 93. 227. 
Serpula octangula 223. 

— sexangularis 223. 
Siphonalia 277. 

— Giovanni 277. 

— scalarina 277. 

— Vasseuri 277. 

Solarium sp. 270. (Taf VIII. Fig. 10, 1 
Sonneratia 106. 193. 

— Beudanti 189. 

~ bicurvata 128. i88. 

— Dutemplei 18S. 

— quercifolia 129. 1S9. 
Spatangiden 234. 
Spbenodiscus Requienianus 129. 

190. 199. 203. 206. (Fig. 74.) 
Spondylus asperulus 248. 
Stoliczkaia io6. 188. 
Strombus bubonius 246. 

— Choffati 247. 

— Fortisi 247. 
Styliola 235. 

Sunetta semisulcata 264. 

.Sycum bulbiforme 251, 273. (Taf, 

Fig. 32,) 281. 
Syenit 58, 59, 60, 61, 62, 64, 65. 
Syrnola 272, 

— africana 251. 271. (Taf. IX. 
i-ia,) 

— microstoma 272. 

— Oppenheimi 251. 



oa.) 



Fig. 



Tellina 245, 249. 

— phylloides 230. 

— subrotunda 251, 260. (Taf. VII. Fig. 
17-19.) - 

Tertiäre Bildungen Ii. 
Tetragonites mitis 209. 
Thracia Wurlana 267. (Taf. VII. Fig. 
r6, 21, 2ia.) 

— Bellardii 26S. 

— prominensis 267, 

19** 



298 



Alpliatetisclies Sacliregistef. 



. (Fig. 49. V; 



Tissotia 157. 186. 192. 195. 203. : 
206. 209. 217. 221. 

— Ewaldi 206. 207. 

— Ficheuri var. Peruana 211. 

— latelobata 159. 184. 
Taf. IV. Fig. 6.) 

— polygonale!. 184. 201. (Fig. 50, 51.) 
Titanit 47, 53, 54, 57, 63. 

Torpedo Hilgendorfi 289 ff. 
Trachyt 69, 70, 71, 75, 76, 78, 79. 
Tunitella 273. 

— aegyptiaca 273. 

— Eschi 250, 251, 272. (Taf. VII. 
Fig. II — 19.) 

— gemmulifera 93. 231. 

— Kamerunensis 93. 231. 



Tunitella tricincta 273. 
— triplicata 248. 

daris 273. 



Douvillei 205. 

— (iamai 205. 

— Kossmati 206. 

— Mundae 205. 

— subconciliatum 205. 



Wu; 



schnellen 29, 



Xenopbora 231. 
Ziikon 46, 53, 63. 



Cäfl Geol-gi, UniVersItäts-Buchdruckei 




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Beiträge zur Geologie von Kamerun. 



Taf. 2. 



Bararami-(jül)irge. 



Mancn^riiba-Gebirgc. 




IMicIv vom Gipfel des Kope (Horst V) auf t^-'^s Bafarami-Gebirge (links im Hintergrund) 
auf das Manenguba-Gebirge (rechts im Hintergrund) und auf den Haupt-Krater des Kope. 

(Nach Photographien gezeichnet von jMaria Goclers.) 



Beiträge zur Geologie von Kamerun. 




8 1 g e r: Fauna der Mungokalke. 



Beiträge zur Geologie von Kamerun. 





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8 olger: Kiuuui der Mungokalkc. 



Beiträge zur Geologie von Kamerun. 



Taf. S, 





80 lg- er: Fauna der Mimgokiilko. 



Beiträge zur Geologie von Kamerun. 




Arth. Ijevin ijel. 



Oppenlioiiii: TertiärfDssilicn von Karaernn. 



Beiträge zur Geologie von Kamerun. 



1. ^ 2. 






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12. loa. 



13. 





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22. 22 a 




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Artli. Levi)i del. 



Op i)euli oiiii : Tertiilvfossilii'ii von Kaiiievuii. 



Beiträge zur Geologie von Kamerun. 






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Arth. Levin dcl. 



0|)|)eiili oi in: Tovtiärfosäilien von Kamerun. 



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Beiträge zur Geologie von Kamerun. 



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12. 4. 



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13- 18 a. 



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23. 24. 



22. 
Artli. Leviii cU'l. 



19. 19a. 

i? ^ dl 

^^ 21. 

20. 

II]) eil li c im : Tertiiirfossilieu von Kaiiieniii. 



QE332 .E73 1904 
Beitrage zur Geologie 
Kümmel Library 



3 2044 032 802 845 



DATE DUE 



Beiträge zur Geologie von Kamerun. 



Kameninber?. 




Rundblick vom EHonc Sungale bei Nyasoso. 



(Nach zahlreichen Photographien zusammengestellt und gezeichnet von Maria Qoeters. 




Gezeichnet von C.Jurisdi. 



,Lilliogr.u. Druck v. DielridiReimer [EriisLVohsen] Berlin 



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